Im gestrigen Artikel (WeiachBlog Nr. 2377) sind die zwei von Schoellhorn genannten Weiacher Brauereien aufgeführt. Als die ältere der beiden weist der Autor die «Brauerei zum Sternen» mit dem Gründungsjahr 1869 aus. In beiden Lagerbüchern (StAZH RR I 575.1 wie PGA Weiach IV.B.06.01, vgl. Bild unten) wird jedoch erst per 1877 explizit die Bezeichnung «Brauereigebäude» verwendet!
Damit lässt ausgerechnet Schoellhorns Hauptquelle meines Erachtens einzig den Schluss zu, dass die in seinem Verzeichnis zweitgenannte «Brauerei Denzler», deren Einrichtung erstmals 1874 im Lagerbuch eingetragen wurde, das ältere Unternehmen sein muss.
Nachstehend zuerst der Volltext nach Schoellhorn und dann die Diskussion anhand der Originalquellen:
Brauerei Denzler in Weiach. (Nr. 43.)
Schon im Jahre 1877 ging das Anwesen in andere Hände über. Herr Gemeinderat Heinrich Willi hatte es erworben, verkaufte es aber nach wenigen Jahren an Herrn Johannes Spieß von Außersihl. Im Jahre 1882 war es im Besitz eines Hermann Rehm, Bierbrauer, und im folgenden Jahr in dem der hinterlassenen Witwe Verena Rehm geb. Schneller. Drei Jahre später kaufte es Herr Rudolf Willi, alt Sternenwirt, von Weiach, der im Jahre 1869 eine Brauerei zum Sternen gebaut hatte.
Im Jahre 1887 war der Brauereianbau noch mit Fr. 400.-, der Brauofen samt Kessel mit Fr. 400.- in der Versicherung, dagegen im Jahre 1892 als abgetragen vermerkt.

Das Geschäft mit der Bierbrauerei scheint Jakob Denzler entweder nicht wie gewünscht gelaufen zu sein, oder er hat sich heillos finanziell überfordert (vgl. den Abschnitt zu seinem Bauprojekt an der Bahnstation!). Etwas in der Richtung muss man jedenfalls annehmen, denn bereits 1877 erfolgte laut Lagerbuch die Handänderung an «Heinrich Willi Gmdrth.».
In der Folge rekapituliert Schoellhorn die ab 1877 folgenden Handänderungen, wie sie im Lagerbuch der Gebäudeversicherung (StAZH RR I 575.1) eingetragen wurden soweit korrekt.
Unklar ist, ob der erwähnte Spiess aus Aussersihl, der die Liegenschaft 1880 von Gemeinderat Willi gekauft hatte, mit den 1883 und 1887 aufgeführten Bülacher Spiess identisch ist, oder nicht. Möglich wäre ein Firmenumzug, aber auch, dass es sich um Verwandte gehandelt hat, die als Immobilienspekulanten tätig waren.
Tod und Konkurs. Bierbrauerehepaar Rehm im Unglück
Die Weiacher Fassung erwähnt den Eigentumsübergang an die Witwe des Bierbrauers Rehm überhaupt nicht. Was dafür in der Verwaltungsfassung (und damit bei Schoellhorn) fehlt, ist der Umstand, dass das Ehepaar Rehm kurz nacheinander in Konkurs gefallen ist (Hermann möglicherweise erst postum) und der Bülacher Immobilienagent Spiess die Liegenschaft 1883 (letzteres aus dem Weiacher Exemplar ersichtlich) aus der Konkursmasse erworben hat.
Vgl. hierzu auch die noch auszuwertenden Konkursprotokolle des Notariats Niederglatt (Rehm, Hermann, Bierbrauer, von Deutschland, in Weiach. 07.1883 - 01.1884. Signatur: StAZH Z 761.306; sowie Rehm, Verena, geborene Schneller, in Weiach. 11.1883 - 05.1884. Signatur: StAZH Z 761.314)
Nur ein immobiler Ladenhüter oder weitere glücklose Brauer bis 1892?
Erst 1886 fand Spiess mit Rudolf Willi, a. Sternenwirt, einen Käufer, der jedoch an dem Objekt nicht allzu viel Gefallen gefunden hat, denn bereits 1887 ist erneut ein Spiess aus Bülach als Eigentümer aufgeführt. Er konnte die Liegenschaft 1891 an Johs. Baumgartner Johannesen a. Wächters verkaufen, dessen Sohn 1892 den über all die Handänderungen erhalten gebliebenen «Brauofen samt Kessel» ausbauen liess.
Eine bislang unvollständige Durchsicht der Archivexemplare des späteren Neuen Bülacher Tagblatts hat folgende Werbemassnahme von Anfang Februar 1876 zutage gefördert:
«Bierbrauerei "Rheinthal" in Weiach
Von heute an wird ausgezeichnetes Bier ausgeschenkt.
Es empfiehlt sich bestens.
Denzler, Bierbrauer.»
(Bülach-Dielsdorfer Volksfreund, Nr. 11, 5. Februar 1876, S. 4 ganz unten rechts)
Ebenfalls im Volksfreund dokumentiert ist, wie die Bierbrauerei Rheinthal endete. Die Todesnachricht wird von einer Gantanzeige Ende des Jahres 1879 übermittelt. Vgl. Bülach-Dielsdorfer Volksfreund
Nr. 103, 27. Dezember 1879 & Nr. 104, 31. Dezember 1879.
Die Anfänge der Restauration zum Bahnhof
- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Verwaltung, 1812-1894. Signatur: StAZH RR I 575.1. -- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Verwaltung, 1895-1936. Signatur: StAZH RR I 575.2.
- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Gemeinde, 1834-1894. Signatur: PGA Weiach IV.B.06.01. -- Lagerbuch Gebäudeversicherung Kt. ZH, Expl. Gemeinde, 1895-1954. Signatur: PGA Weiach IV.B.06.02.
- Schoellhorn, F.: Das Braugewerbe und die Brauereien des Kantons Zürich. Winterthur 1922. Bibliotheksnachweis, u.a.: StAZH Bib. Dg 740 – S. 268.
- Hedinger, H.: Geschichte der politischen Gemeinde Weiach. Stoffsammlung seit Juni 1912 [Heft umfasst 24 Seiten chronologische Abschnitte darstellend, zusätzlich viele Zeitungsausschnitte, Fotos und Notizen in hinterer Schutzumschlagklappe]. StAZH X 211.1.31. Alte Signatur: StAZH X 211.3 Heft 25 – S. 23.
- Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). Hrsg.: Gemeinderat Weiach. 1. Auflage 1972; 2., ergänzte Auflage 1984 – S. 58.
- Gespräch des Autors mit Walter Wagner, alt Sternenwirt, am 14. Oktober 2003.
- Gespräch des Autors mit Josef Troxler, pensioniert, früher Inhaber der Firma ABAG Feuerlöscher (damals Sitz in Glattfelden) vom 20. Februar 2007.
- Gespräch des Autors mit Adolf Bütler, alt Wiesentalwirt, am 22. September 2026.

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