Mittwoch, 31. März 2010

VW Golf crasht in Birke bei Dorfeingang

Heute morgen starb gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Zürich und diverser Online-Medien auf Weiacher Gemeindegebiet ein junger Automobilist.

Er kam mit seinem schwarzen VW Golf auf der Strasse von Raat nach Weiach in der Rechtskurve bei der Müliwis von der Strasse ab und rammte eine der Birken, welche die Stadlerstrasse alleeartig säumen.

Das Foto der Kantonspolizei Zürich zeigt das total demolierte Fahrzeug:


Die Scheune rechts im Hintergrund gehört zur Liegenschaft von Ackerbaustellenleiter Manfred Baumgartner.

Tödliche Verletzungen

Trotz Reanimationsversuchen von Rettungssanitätern und einem Notarzt starb der 23-jährige Lenker noch auf der Unfallstelle. Im Blick war von einem Deutschen die Rede, was aufgrund des EU-Nummernschildes (vgl. Bild im Blick am Abend, Ausgabe Zürich) in unserer Gegend wahrscheinlich ist.

Die Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach war mit 20 AdF im Einsatz. Sie musste die Strasse sperren und übernahm neben der Verkehrsregelung auch die Ölwehr am Kollisionsort.

Zeugenaufruf der Kantonspolizei

Werner Benz vom Mediendienst der Kantonspolizei Zürich verfasste eine Medienmitteilung mit dem Titel «Weiach: Ein Toter bei Selbstunfall - Zeugenaufruf» und dem folgenden Text:

«Bei einem Selbstunfall ist am frühen Mittwochmorgen (31.03.2010) in Weiach ein 23-jähriger Autolenker ums Leben gekommen.

Der Mann fuhr kurz nach 06.30 Uhr mit seinem Personwagen auf der Stadlerstrasse von Stadel Richtung Weiach. In einer leichten Rechtskurve verlor aus noch ungeklärter Ursache die Herrschaft über sein Fahrzeug und prallte frontal gegen einen Baum an der linken Strassenseite. Bei der heftigen Kollision zog er sich derart schwere Verletzung zu, dass er, trotz Reanimationsversuchen der ausgerückten Rettungssanitäter und dem Notarzt, noch auf der Unfallstelle verstarb.

Die Stadlerstrasse musste für die Dauer der Unfallaufnahme gesperrt werden. Im Einsatz standen nebst der Kantonspolizei Zürich, rund 20 Mann der Feuer Glattfelden-Stadel-Weiach.

Zeugenaufruf: Personen, die Angaben zum Unfall machen können, werden gebeten, sich mit der Kantonspolizei Zürich, Verkehrszug Bülach, Telefon 044 863 41 00, in Verbindung zu setzen.
»

Anschwellende Online-News-Flut

Am bemerkenswerten ist die regelrechte Proliferation von Artikeln zum Unfall, die in den Online-Medien im Raum Ostschweiz/Südbaden zu beobachten war. Um 13:30 Uhr zählte Google News allein in den letzten 24 Stunden «ungefähr 440» Treffer für den Begriff «Weiach». Um 18:45 Uhr lag dieser Wert bereits auf «ungefähr 791».

Ebenfalls erstaunlich: die Vielzahl verschiedener Bilder. Etliche Medien verfügten über Aufnahmen aus allen möglichen Blickwinkeln, die bei anderen nicht zu finden sind.

Der «Blick am Abend» titelte reisserisch: «Ein Toter bei Horror-Unfall» und lässt der Aufnahme mit Blickrichtung Dorf (Bildlegende: «Golf-Wrack. Der Fahrer konnte nur noch tot geborgen werden») diesen Text folgen: «CRASH -> Ein 23-jähriger Deutscher verlor heute Morgen bei Weiach ZH erst die Kontrolle über seinen Wagen und knallte dann in einer leichten Rechtskurve frontal gegen einen Baum an der linken Strassenseite. Bei der heftigen Kollision zog er sich derart schwere Verletzung zu, dass er, trotz Reanimationsversuchen der ausgerückten Sanitäter, noch auf der Unfallstelle verstarb. SDA/re». (Blick am Abend, Zürich Nr. 63, 31. März 2010, S. 7)

Weitere ausgewählte Online-Medien

Nachtrag vom 3.6.2010

Auf der Website der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach findet sich eine kurze Beschreibung des Einsatzes unserer Feuerwehr:

«Strasseneinsatz vom 31.03.2010

Alarmmeldung: Verkehrsunfall Stadlerstrasse in Weiach, ca. 1 Km Richtung Stadel

Situation:
-Polizei vor Ort
-Unfallstelle gesichert

Tätigkeiten:
-Erstellen dreifacher Brandschutz
-Erstellen und Betreiben einer Umleitung
-Einweisen Stützpunktfeuerwehr Bülach (Strassenrettungskonzept)
-Aufnehmen von ausgelaufener Flüssigkeiten
-Unterstützung bei der Bergung des Fahrers
-Unterstützen der Fahrzeugbergung und Reinigen der Unfallstelle

Eingesetzte Mittel: Kdo Gr, DG 2 (20 AdF) / TLF, Vrk Gr Fz, OC, Pers Trsp
»

Dienstag, 30. März 2010

Bahnhof Raat

Auch wenn es diesen Bahnhof als solchen nie gegeben hat: die Existenz des Begriffs ist dennoch belegt.

Wer in den letzten paar Jahren mit dem Bus von Stadel herkommend über Windlach und Raat nach Weiach gefahren ist, der kam unweigerlich an einem unscheinbaren Holzunterstand vorbei. Er stand an der Abzweigung nach Windlach kurz vor Raat und zeichnete sich durch eine Tafel aus, die ihn ebenso scherzhaft wie stolz als «Bahnhof Raat» bezeichnete.

Die Postautos hielten zwar nur an, wenn zufälligerweise jemand dort stand oder der Bus an diesem Punkt wendete und über Schüpfheim zurück ins Depot beim Neuwies-Huus fuhr. Die reguläre Haltestelle von Raat befand sich dort, wo sie noch heute ist, nämlich mitten im Weiler an der Hauptstrasse zwischen Ober- und Unterraat.

Wallisellen-Weiach-Waldshut

Was das nun mit Weiach zu tun hat, mögen Sie sich fragen. Nun, es gab vor vielen Jahren tatsächlich einmal den Plan für eine Eisenbahnlinie von Wallisellen über Weiach nach Waldshut. Sie «war bereits 1857 projektiert worden, kam aber leider nicht zustande», wie Walter Zollinger in seiner Monographie über Weiach schrieb (erste Auflage publiziert 1972, nach dem Rückentitel «Chronik» genannt).

Als der Verfasser des WeiachBlog erst den eben zitierten Hinweis von Zollinger kannte, da nahm er noch an, es sei eine Streckenführung über den «Chistenpass» geplant gewesen, also über die Anhöhe zwischen Stadel und Weiach, auf der das Dörfchen Raat liegt. Und er machte sich Gedanken, wo denn dann die Kunstbauten in die Landschaft südlich des Dorfes Weiach hineingelegt worden wären. Die Steigung nach Raat kann man auf der Schiene nämlich kaum in gerader Strecke bewältigen.

Den Weg der geringsten Kosten nehmen

Bei einem konsequent ingenieurmässigen Denkansatz und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Bahnunternehmen immer knapp bei Kasse sind (das war auch vor über 150 Jahren nicht anders), hätte er sich aber denken können, dass diese Streckenführung schlicht illusorisch sein muss:


Wie man obigem Kartenausschnitt aus einer Variantenstudie entnehmen kann, favorisierten die Promotoren der «Glattthaleisenbahn» eine Streckenführung über Neerach und an Stadel und Windlach vorbei Richtung Rhein. Bei Zweidlen hätte man einen Bahnhof Glattfelden gebaut. Anschliessend sollte die Linie eine scharfe Linkskurve nehmen und dann durch das Weiacher Hard nach Kaiserstuhl führen. Weiach, Stadel, Windlach und Raat wären also punkto Bahnstation völlig leer ausgegangen.

Auch eine Linie über Dielsdorf und das Wehntal nach Niederweningen und von dort durch das Surbtal nach Koblenz stand zur Debatte.

Die Nordostbahn lässt Stadel links liegen

Wegen dem österreichisch-sardinischen Krieg in Norditalien (u.a. mit der Schlacht bei Solferino) kam 1859 alles anders und beide Projektvarianten mussten schliesslich beerdigt werden.

Dank dem etwa 15 Jahre später begonnenen Bau der Nordostbahn-Linie von Koblenz nach Winterthur hat Weiach 1876 dann doch noch einen Bahnhof erhalten - wenn auch nur zusammen mit Kaiserstuhl. Aber immerhin. Denn Neerach, Stadel, Windlach und Raat guckten auch diesmal in die Röhre.

Lassen wir den Raatern also ihren «Bahnhof». Selbst wenn es nur eine ehemalige Bushaltestelle ist.

Quelle

Montag, 29. März 2010

Der Paternität angeklagt. Vaterschaftsprozess Anno 1868

«Paternität (lat.), Vaterschaft, namentlich außereheliche; daher Paternitätsklage (Alimentenklage), die gegen den außerehelichen Vater auf Anerkennung der Vaterschaft und auf Zahlung von Alimenten für das uneheliche Kind gerichtete Klage.» (Meyers Konversations-Lexikon, 1888, Vierte Auflage, 12. Band 12, S. 774)

Das Amtsblatt des Kantons Zürich ist eine Fundgrube. Vor allem den Publikationen längst vergangener Tage kann man entnehmen, dass einige der damaligen Probleme den heutigen doch zumindest sehr ähneln. Zum Beispiel beim Streit um die Frage, wer im Falle eines unehelich geborenen Kindes den sogenannten «Versorgerschaden» zu tragen hat.

Mutmasslicher Vater abwesend

Wo der Vater nicht greifbar war, da griff man zum Mittel der «Ediktalladung»:

«Heinrich Weidmann von Lufingen, zuletzt wohnhaft gewesen in Rorbas, gegenwärtig unbekannt abwesend, wird anmit aufgefordert, Dienstag den 29. dieß, Vormittags 9 Uhr, auf hiesigem Rathhause vor Bezirksgericht zur Schlußverhandlung in dem von Katharina Meierhofer von Weiach gegen ihn angehobenen Vaterschaftsprozesse zu erscheinen, unter der Androhung, daß sonst dennoch die Eidesleistung vorgenommen und das Urtheil ausgefällt würde.

Bülach, den 22. Christmonat 1868.

Im Namen des Bezirksgerichtes:
Der Gerichtsschreiber,
H. Schurter.
»

In diesem Rechtsstreit standen sich nicht nur Weidmann und Meierhofer, Vater und Mutter des nicht genannten Kindes gegenüber. Die Kontrahenten im Hintergrund waren die Sozialbehörden von Lufingen bzw. Weiach. Genannt wurde sie damals Armengemeinde und deren Vorsitzende waren in der Regel die Pfarrer der jeweiligen Gemeinde.

Weitere Archivarbeit nötig

Auch in diesem Fall dürfte mit Haken und Ösen um die Schuldfrage gestritten worden sein. Denn davon hing im Wesentlichen ab, welches Gemeindegut für den Versorgerschaden (sprich: die durch das Kind in den nächsten Jahren auflaufenden Kosten) geradezustehen habe.

Wie der Fall ausging müsste man den Protokollen des Bezirksgerichts Bülach entnehmen können. Sollte der Lufinger Weidmann aber nicht erschienen sein - was wahrscheinlich ist - dann dürfte die Gemeinde Weiach in diesem Fall keine schlechten Karten gehabt haben. Zumindest Teile der Kosten werden Lufingen aufgebürdet worden sein. Es sei denn, dass Katharina Meierhofer nicht genügend glaubhaft darlegen konnte, warum Weidmann der Vater ihres Kindes sein müsse.

Quelle
  • Ediktalladungen. Nr. 29. In: Amtsblatt des Kantons Zürich, 1868, S. 2406

Sonntag, 28. März 2010

Börsenfieber - auch in Weiach

Boom und Crash gehören untrennbar zusammen. Da ist es nur natürlich, wenn die Börsen Hochkonjunktur haben. Momentan sind es im Unterland passend zur Finanzkrise die Märkte für mittelfristige Konsumgüter im Segment der jungen Familien.

Am 26. März berichtete der Tages-Anzeiger Unterland über das Phänomen:

«Dieses Wochenende ist das ganze Unterland im Börsenfieber. Heute und morgen finden in der Region verschiedene Velo- und Kinderkleiderbörsen statt. Heute Abend startet das Börsenwochenende mit der Kinderkleiderbörse in Kloten. Von 18.30 bis 20h können die Tische im katholischen Kirchenzentrum geplündert werden. Auch in Opfikon stehen heute Kinderkleider zum Verkauf bereit. Beide Börsen sind auch morgen noch geöffnet. Am Samstag locken dann zusätzlich die Kinderkleider- und Spielzeugbörsen in Bassersdorf, Embrach, Höri, Glattfelden und Weiach zum Kauf. Velofans finden an den Velobörsen in Bassersdorf, Glattfelden, Bülach und Weiach einen neuen fahrbaren Untersatz. Den ganzen Tag können Schnäppchen gemacht werden. So findet sicher jede und jeder das Passende für den Frühlingsanfang.»

40% abzüglich Saalmiete für den Veranstalter

Wie das Geschäftsmodell wohl nicht nur in Weiach funktioniert - nämlich als Fundraising-Event - kann man den Gemeinde-Mitteilungen vom März entnehmen. Für den Samstag, 27. März 2010 wurde von 10.00-15.00 zur «Velobörse mit Kinderbörse» Uhr in den Gemeindesaal eingeladen:

«Wir verkaufen Ihre gut erhaltene Velos (alle Sorten), Kinderkleider für den Frühling / Sommer in den Grössen 50-176, Kinderspielsachen und weiterer Kinderzubehör. Sie erhalten 60% von Ihren verkauften Artikeln. Bitte versehen Sie Ihre Artikel mit Kleber, worauf Preis, Grösse und Ihre persönliche Nummer vermerkt ist. Ihre persönliche Nummer bekommen Sie vorher von Frau Anne Marie Bärtsch zugeteilt, erreichbar unter [Telefonnummer aus Datenschutzgründen gelöscht]. Sie bringen Ihre angeschriebenen Artikel am 27. März zwischen 07.30 und 09.00 in den Gemeindesaal Weiach. Abrechnen und Übergabe der nicht verkauften Artikel findet zwischen 15.15-16.00 Uhr statt.»

Gratis-Sirup für die Kinder

Das Geschäftsmodell gehört das übliche Zusatzprogramm, das auch an keinem Basar, Chränzli o.ä. fehlen darf: die Festwirtschaft. Der erwarteten weiblichen Kundschaft entsprechend natürlich ohne Bier im Angebot:

«Nebst Velos und Kinderartikel verkaufen wir feine selbstgemachte Kuchen in unserer Kaffeebar von 10.00-15.00. Sirup gibt es für die Kleinen Gratis.»

Bleibt nur noch die Frage, wer in Weiach der Veranstalter war. Die Antwort findet man auf der Einladung ganz unten: «Powered by: F.O.R.U.M.»

Quellen
  • Verschiedene Börsen. Tipp Unterland. In: Tages-Anzeiger Unterland, 26. März 2010 - S. 29.
  • Velobörse mit Kinderbörse. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2010 - S. 27.

Samstag, 27. März 2010

Wegweiser durchs Idiotikon

«Das Schweizerische Idiotikon dokumentiert die deutsche Sprache in der Schweiz vom Spätmittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Mit bisher 15 abgeschlossenen Bänden und dem zu zwei Dritteln gedruckten 16. Band, die zusammen rund 150 000 Stichwörter enthalten, ist es das grösste Regionalwörterbuch des Deutschen», lautet die Selbstbeschreibung auf der Website http://www.idiotikon.ch. Dort wird auch erklärt, woher der für heutige Ohren etwas lächerlich tönende Name stammt.

Das Idiotikon hat jetzt ein Register, wie man im Tages-Anzeiger lesen konnte. Das neue Hilfsmittel erleichtert das Auffinden eines gesuchten Wortes.

Bislang war das Schweizerdeutsche Wörterbuch schwerer zugänglich. Grund: es ist nicht rein nach Alphabet, sondern primär nach Wortfamilien geordnet.

Für Laien sind die bisher erschienenen 15 Bände deshalb kaum vernünftig handhabbar. Langfristig gesehen wolle man daher den gesamten Text ins Internet stellen, berichtete der Tagi vor bald zwei Jahren.

Allein mit Scannen und automatischer Texterfassung ist es nicht getan. Wenn dieses Digitalisat Hand und Fuss haben soll, dann müssen Experten Hand anlegen. Das dürfte dauern, denn allein für die Fertigstellung der Printausgabe werden bei der derzeitigen finanziellen und personellen Ausstattung noch mindestens 10 Jahre vergehen. Und dann sind immer noch über eine Million Nachträge zu verarbeiten.

Bis dahin bleibt einem einstweilen nur die Notlösung Google Books. Dort kann man nach dem Begriff Weyach suchen. Und da ist die Ausbeute halt leider mager. Denn Google indexiert (anders als mancher glaubt) bei weitem nicht den gesamten Text - jedenfalls nicht in der kostenlosen Version.

Quelle
  • Hosp, J.: Der «Hudigääggeler» schaffte es noch nicht ins Internet. In: Tages-Anzeiger, 26. April 2008 - S. 36.

Freitag, 26. März 2010

Schadhaftes Brennholz gekauft

Womit sich der Gemeinderat beschäftigen muss, das kann man den Sitzungsprotokollen entnehmen.

Für den Juli 1958, also vor etwas mehr als 50 Jahren ist der folgende, etwas skurril anmutende Fall aktenkundig:

«Ernst Bersinger teilt der Behörde mit, dass er schadhaftes Holz aus dem Sanzenberg gekauft habe.

Beschluss: Die Forstverwaltung wird beauftragt, an Ernst Bersinger zufolge Schadhaftigkeit des gekauften Brennholzes aus dem Schlag 1957/58 Fr. 3.-- zurückzuvergüten.
»

War es schon halb verrottet? Leider wird nicht erläutert, worin die Schadhaftigkeit genau bestand. Aber offenbar fühlte sich die Gemeinde schadenersatzpflichtig.

Quelle
  • Gemeinderatsprotokoll Weiach. Protokoll 15. Sitzung des Gemeinderates am 12. Juli 1958: Forstwesen. Holzwertminderlöse und Abschreibungen 10.10 - Nr. 188 Schadhaftes Holz

Donnerstag, 25. März 2010

Am Arsch der Welt?

Blogkritik.ch, eine Website die sich als «Blog-Watchblog» bezeichnete, ist nun schon seit vielen Monaten eingeschlafen. Fast alle Beiträge sind gelöscht worden. Darunter auch der von «dr. b. blog-blogicki» alias «dorftrottel» zum Thema Weiach und WeiachBlog, der mit einer halb rhetorischen Frage übertitelt war:

«Kennen Sie Weiach?»

«Im Zürcher Unterland gelegen. Fast am Rhein an der deutschen Grenze. Tiefster Punkt des Kantons Zürich sei’s. Frau Liesl Valentin sagt: “Am Arsch der Welt”, und vielleicht hat sie ja recht, denn sogar der Weiacher Bahnhof ist stillgelegt, kein Zug hält mehr dort, und man muss zuerst ins aargauische Kaiserstuhl, will man eine Eisenbahnfahrt machen.

Und doch, Weiach hat einen Blog. Und nicht mal einen schlechten, Sie! Schön geschrieben! Gut dokumentiert, dieses Dorf, auch auf den neuen Medien. Wikipedia enthält einen schönen langen Eintrag. Da scheint jemand Weiach wirklich zu lieben… Seit Oktober des letzten Jahres publiziert er -oder ist’s eine sie?- Geschichten und Geschichtchen des Ortes, Historie und Wetter, und Presselandschaft, Portraits von Dorfbewohnern und Honorationen. Mit Links auf das offizielle Weiach und mehr. Gute Idee, so ein Dorfblog. Danke schön Weiacher!

Und gestern nachmittag sprach Dr. Blog-Blogicki mit dem zuständigen SBB-Immobilienverwalter. Der Bahnhof Weiach wäre zu haben, noch nicht gelistet, noch unter der Hand, zur Miete. JESSES! Inklusive Schalterhalle und allem. Für nicht sehr viel Geld. Dr. Blog-Blogicki geht ihn schauen Ende Monat, diesen Bahnhof wo kein Zug mehr hält. Träumt von einer Galerie, einer anderen Art Blogfabrik vielleicht…

Ob ich wohl noch mal Weiacher (wei’cher, sagt man schein’s) werde?

Dr. Bernhardt Blog-Bogicki
»

Nach bald dreieinhalb Jahren darf man nun wohl behaupten, dass es nichts geworden ist, mit dieser Galerie. Bleibt die Frage:

Who the f... is Dr. Blog-Blogicki?

Der Verfasser von blogkritik.ch ist ein Lebenskünstler, der in der Blogwelt als Alias-Jongleur bekannt wurde. Dr. Blog-Blogicki war und ist in Personalunion auch P.A.Ziermann, Flegel van der Zocht, Paul Anton Zorn, Liesl Karlstadt, Sophie Teuber-Erb, etc. etc.

Das kann man u.a. auf dem Bernetblog nachlesen: «Eine interessante, bereichernde Begegnung mit einem Menschen, den ich erst virtuell kannte, über seine Blogs. Paul Ziermann lebt multiple online-Persönlichkeiten, er schreibt unter anderem als Paul Anton Zorn oder paz, Dorftrottel oder Bernhard Blog-Blogicki.»

Das obige Selbstgespräch (Blogkritik Nr. 137) wurde kurz vor dem 23.8.2006 (Veröffentlichungsdatum von Nr. 138) gepostet.

Quelle

Mittwoch, 24. März 2010

Ein Walliser Erdbeben lässt das Geschirr klirren

Die Jahreschronik 1960 von Walter Zollinger enthält unter der Rubrik Witterung einen zu diesem Thema sehr ungewöhnlichen Eintrag:

«Besonders zu erwähnen bleibt noch die Nacht vom 24./25. März. Um 10 Minuten nach Mitternacht waren da nämlich bei uns zwei hart aufeinanderfolgende leichte Erdbebenstösse zu verspüren. Das Geschirr im Buffet klirrte und das Holz des Getäfers knisterte, gut hörbar. Ich stand zu dieser Zeit grad zufällig in der Stube. Das Radio meldete am andern Morgen den vermutlichen Erdbebenherd beim Aletschhorn. Im französischen Jura und in der Lombardei seien die Beben stärker verspürbar gewesen.»

In der fraglichen Zeit ereignete sich tatsächlich ein Erdbeben mit Epizentrum Brig/VS und zwar in einer Tiefe von 12 Kilometern, wie der «Swiss Macroseismic Earthquake Catalogue» vermerkt. Nur das Datum ist ein anderes: «23. März 1960, 23h 10'».

Diese Angabe dürfte in der Weltzeit UTC notiert sein, also Londoner Zeit. Zu diesem Zeitpunkt zählte man in Weiach bereits den 24. März, 00:10. Da hat sich Zollinger also wohl bei der Interpretation seiner Aufzeichnung um einen Tag geirrt. Korrekt wäre demnach die Angabe: «Nacht vom 23./24. März».

Also jetzt vor genau 50 Jahren.

Quellen

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1960 - S. 4. (vgl. für die vollständige Sammlung: Jahreschroniken Weiach 1952-1967. Einsehbar in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich unter der Signatur "G-Ch Weiach [Jahrgang]".)
  • Erdbeben-Katalog des Schweizerischen Erdbebendienstes, Beben Nr. 30042.

Dienstag, 23. März 2010

Protestantenabende für das Zusammengehörigkeitsgefühl

Der Weiacher Pfarrer Kilchsperger versuchte in den weniger arbeitsintensiven Wintermonaten, mit Bibelstunden das religiöse Leben seiner Schäfchen zu fördern:

«Im Winter werden Bibelstunden gehalten, denen aber die Männer leider ferne bleiben. Auch ein Arbeitsverein für die Armen u. die Mission versammelt sich im Winter allwochentlich im Pfarrhaus, wobei auch manch wertvolles Buch gelesen wird. Hie u. da werden an Sonntagabenden im Schulhaus oder in der Kirche Vorträge veranstaltet. Mehr gemütlichen Charakter tragen die Protestanten-Abende am Reformationssonntag in der "Krone" Kaiserstuhl u. der Gemeindeabend im "Sternen" Weiach, wo das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt u. gepflegt wird.»

Was genau die zu diesem Punkt 30 des Kirchenvisitationsberichts 1912-1923 zugehörige Frage des Kirchenrat des Kantons Zürich war, wissen wir leider nicht. Erhalten dafür aber Hinweise auf die vielfältigen anderen Aktivitäten die den Zusammenhalt stärken halfen.

Und letztendlich ging es ja vor allem um diesen Zusammenhalt. Nicht primär darum, ob die Männer in Scharen die Bibelstunden besuchen. Im damaligen Weiach galt nämlich: Männer brauchen Gott nur in Notfällen. Sonst ist für Religion die Ehefrau zuständig.

Weitere Artikel zum Thema Visitationsbericht

vgl. die Übersichtsseite auf dem Portal der Weiacher Geschichte(n)

Montag, 22. März 2010

Vor 220 Jahren zu Fuss quer durch die Schweiz

Zu den Zeiten Goethes war man in der Schweiz noch mehrheitlich im Tempo des Fussgängers unterwegs. Was das in punkto Zeitaufwand bedeutet kann man dem «Manuel de l'étranger qui voyage en Suisse» entnehmen. Der Autor dieses Reiseführers, Heinrich Heidegger, publizierte sein Werk im Jahr 1790 im Verlag Orell Füssli.

Sportliche Schweizer-Stunden

Im ersten Teil des Handbuchs sind Entfernungsangaben in Stunden gegeben. Gemeint sind wohl Schweizer Stunden, von denen eine 4.8 km misst. Um so viel Weg in einer Stunde bewältigen zu können, muss man schon ein recht sportliches Marschtempo anschlagen.

Die Stundenangaben liefern aber auch ein menschliches Mass dafür, wie gross und weit die Schweiz wirklich ist. Zu Fuss. Ohne SBB und Auto.

Auf S. 18/19 wird die Strecke von Zürich nach Kaiserstuhl angegeben:

«Zurich
Kayserstuhl 5 5/8

Seebach .. 1
Rümlang .. 7/8
Niederglatt .. 1
Stadel .. 1
Weyach .. 1 1/2
Kayserstuhl .. 1/4
»

Die Gesamtstrecke wird zuerst erwähnt: etwas mehr als fünfeinhalb Stunden zu Fuss. Darunter stehen die Teilstrecken bis Seebach, von dort bis Rümlang, weiter nach Niederglatt, dann Stadel, Weiach und schliesslich von dort nach Kaiserstuhl.

Wer von Weiach nach Kaiserstuhl marschiert, muss noch schneller laufen wenn er die Viertelstunde wirklich als solche nimmt. Und nicht von einer «guten Viertelstunde» - also etwas mehr - ausgeht.

Zu Fuss wird die Schweiz zum grossen Land

Von Baden nach Kaiserstuhl werden 3 Stunden veranschlagt, von Zürich nach Baden 4.25. Die Strecke Zürich-Eglisau misst nach Heidegger 5 Stunden, Zürich-Schaffhausen 9.5 Stunden, Zürich-Winterthur 4 Stunden.

Wer von Limmat-Athen in die Metropole des damals grössten Stadtstaates Europas reisen wollte, also die Strecke Zürich-Bern, musste mit 24.75 Stunden rechnen. Weiter nach Thun zum Tor des Berner Oberlandes waren es noch einmal 6 Stunden Weg: Zürich-Thun also in 30.75 Stunden - mit den SBB geht das heute in 1.5 Stunden.

Kurzbeschreibung des Dorfes fehlt nicht

Weyach wird nicht nur als Durchgangsort auf dem Weg nach Kaiserstuhl erwähnt. In der «Seconde partie» wird es auf S. 175 kurz beschrieben:

«WEYACH. Village paroissial dans le grand bailliage du Neu-Amt. Le grand bailli de l'Evêque de Constance, de Kayserstuhl, a part à la basse-justice.»

Ein Pfarrdorf in der Obervogtei Neuamt. Dieser Obervogt des Bischofs von Konstanz war «résidant à Röteln», also auf dem Schloss Rötteln (am nördlichen Kopf der Rheinbrücke), wie der Artikel «Kayserstuhl» (S. 77) verrät.