Mittwoch, 2. Januar 2013

«Könnints nit hungers sterben lasßen». Auswanderungsgründe 1653

Gestern war die Rede davon, wieviele Bürger der Gemeinde Weiach in aller Welt leben - und die Heimatgemeinde kaum noch kennen. Die grosse Anzahl auswärts lebender Bürger ist ein deutliches Indiz dafür, dass in früheren Jahrhunderten viele Weiacher aus wirtschaftlicher Not ihr Auskommen anderweitig finden mussten. Viele davon für immer.

Denn in der Regel ziehen die Menschen nicht weit von ihrem Elternhaus weg - das ist selbst heute nicht anders. Wohl geht man gern weiter weg in die Lehre, studiert gar im Ausland, aber die Mehrheit wird später wieder in dem Gebiet sesshaft, wo die Wurzeln der eigenen Familie seit jeher zu finden sind. Dieser Effekt kann anhand von Telefonbucheinträgen bestimmter Namen gut belegt werden: die Wohnorte clustern auch heute noch ziemlich nahe um die ursprünglichen Bürgerorte herum.

Bevölkerungsboom und Wirtschaftskrise

Was waren also die Gründe, dass man von hier weg musste? Im 17. Jahrhundert erlebte Weyach einen Bevölkerungsboom. Noch 1637 zählte der Pfarrer im Auftrag der Regierung 392 «Seelen in der Gmeind», also tatsächlich dort lebende Einwohner. 1650 waren es bereits 483. Innerhalb von nur 13 Jahren war die Bevölkerung um 23 Prozent gewachsen. Ein enormes Wachstum - für die damalige Zeit sowieso.


Damit einher ging 1648 mit dem Westfälischen Frieden das Ende von dreissig Jahren Kriegswirren gleich ennet der Grenze. Für die Schweiz veränderte sich die wirtschaftliche Lage rasant. Schweizer Agrarprodukte waren in der Folge nicht mehr derart gefragt wie in den Kriegsjahren. Die Preise kamen unter Druck. Und damit auch die landwirtschaftlichen Strukturen.

Der Bevölkerungsboom kombiniert mit der Wirtschaftskrise nach 1648 dürfte in Weiach sehr stark zu spüren gewesen sein. Das kann man erahnen, wenn man die folgende Beschwerde zweier Abgeordneten aus unserem Dorf liest, die 1653 einer Kommission aus der Stadt Zürich vorgelegt wurde. Die Regierung des Stadtstaates Zürich befürchtete Unruhen wie im Bernbiet und wollte daher herausfinden, ob man den Untertanen auf dem Land das Leben in gewissen Punkten erleichtern könne, damit sie nicht ebenfalls Umsturzgedanken in die Tat umsetzen wollten.

Keine Unterstützung von der Regierung

Die Beschwerde (das sog. Gravamen Nr. 7) liest sich im Original wie folgt:

«Wylen sich die zeithar an etlichen orthen und sonderlichen zu Wejach frömb[d]e lüth befinden lasßen, die daß junge volckh mit versprëchung, jnnen dienst und gute glegenheiten zu zeigen, uß dem land hinweg führint, und die eß wehrint, werdint nur verhaßt und jnen geantwortet, sy müßint woll hinweg lasßen, könnints nit hungers sterben lasßen, wylen jnnen uß der stat nützit vorgesetzt werde. [...].»

Aus diesen Worten ist ganz deutlich die Kritik herauszuhören, dass die Regierung nichts unternehme, um die Notlage der Bevölkerung (z.B. in Weiach) zu lindern. Insbesondere scheinen auch nicht genügend Lebensmittelhilfen angekommen zu sein, so dass man im Dorf nur allzu gern den Versprechungen des Anwerbungspersonals fremder Fürsten Glauben zu schenken bereit war - Fürsten, die Kolonisten für ihre kriegsbedingt entvölkerten Gebiete oder schlicht Soldaten suchten. Das waren schliesslich nicht gerade risikofreie Alternativen zum Leben in der Heimat.

Es ist jedenfalls bezeichnend, dass diese Abwerbungen offensichtlich einigen Personen, die im Dorf etwas zu sagen hatten, missfielen, sonst würde nicht davon berichtet, dass diejenigen die dagegen redeten oder gar handelten, sich bei den Jungen verhasst machten.

Quellen und weiterführende Literatur

Dienstag, 1. Januar 2013

Mehr als doppelt so viele Bürger wie Einwohner

Am 3. Dezember 2012 hat sich der Nationalrat mit 94% Ja für die Abschaffung der Rückerstattungspflicht des Heimatkantons ausgesprochen.

Was der Entscheid bewirken soll, erklärt die Schweizerische Depeschenagentur wie folgt:

«Für die Sozialhilfe ist künftig in allen Fällen der Wohnsitzkanton von Bedürftigen zuständig. Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat einer entsprechenden Gesetzesänderung zugestimmt. Schon heute sind in der Regel die Wohngemeinden für die Sozialhilfe zuständig. Lebt ein Bedürftiger aber weniger als zwei Jahre in seinem Wohnkanton, muss der Heimatkanton für die Kosten aufkommen. Nun haben die Räte diese Rückerstattungspflicht des Heimatkantons abgeschafft. Auch im Nationalrat war unbestritten, dass die heutige Regelung veraltet ist. Umstritten ist, ob die Verliererkantone entschädigt werden sollen. Der Nationalrat hat sich dafür ausgesprochen. Nun muss noch der Ständerat entscheiden.» (Zitat nach politnetz.ch)

Diese Berücksichtigung im nationalen Finanzausgleich wurde selbentags unter dem Titel Abschaffung der Rückerstattungspflicht des Heimatkantons in der NFA berücksichtigen mit 71% Ja-Stimmen angenommen.

Wenn der Ständerat den beiden Vorlagen in seiner nächsten Session ebenfalls zustimmt, ist der so genannte Heimatort noch ein Stückchen mehr zur Folklore und Traditionspflege geworden. Einen wirtschaftlichen Sinn macht er je länger je weniger.

Wohnortsprinzip als Glück für ehemals kinderreiche Landgemeinden

Würde der Heimatort immer noch für alle seine Armengenössigen finanziell aufkommen müssen, dann sähe es in den Kassen mancher Gemeinde sehr schlimm aus. Dies kann man sich nur schon daran veranschaulichen, dass beispielsweise die Oberemmentaler Gemeinde Trub mit rund 1373 Einwohnern (Stand vor einem Jahr, 31.12.2011) insgesamt gut 50'000 Bürgerinnen und Bürger zählt.

Grad so extrem ist das Verhältnis der Bürger zu der aktuellen Einwohnerzahl im nördlichen Züribiet nicht, wie der «Zürcher Unterländer» in einem Artikel mit dem Titel «567 Einwohner – 1847 Bürger» (ZU, 19. November 2012, S. 3) darlegt. Der Titel steht für Bachs, den Extremfall im Zürcher Unterland.

«Neben Bachs haben Weiach, Hüntwangen,Wasterkingen,Wil, Oberembrach, Schleinikon und Regensberg deutlich mehr Heimatort-Bürger als Einwohner», schreibt Caroline Bossert, wobei der Heimatort-Bürger das Äquivalent eines weissen Schimmel ist. Schon allein diese Wortschöpfung einer jungen Journalistin zeigt, wie lebensfern das Konzept des Bürgerorts mittlerweile geworden ist.

Die Zahlen zu den Bürgern sind denn auch nicht so weit verbreitet wie die Einwohnerzahlen. Sie müssen auf den Zivilstandsämtern dem informatisierten Standesregister Infostar entnommen werden.

Tiefer als Faktor 1.5 geht es kaum

Weiach ist also nach Bachs die Nummer zwei im Verhältnis Bürger- zu Einwohnerzahl. Bei 1029 Einwohnern (Stand Ende 2011) und 2128 Weiacher Bürgern ergibt sich ein Verhältnis von 2.06 - also etwa doppelt so viele Bürger wie Einwohner.

Mit dem Bau und Bezug neuer Wohneinheiten im Quartierplangebiet See/Winkel dürfte diese Zahl auch in Weiach deutlich unter 2.0 sinken. Bei rund 1.5 ist aber ziemlich sicher Schluss, denn mehr als den Wohnraum für etwa 1500 Einwohner geben die noch erschliessbaren Bauentwicklungsgebiete nicht her.

Vorausgesetzt, dass im äussersten Nordwestzipfel des Kantons künftig durch Wohnungsnot oder Finanzknappheit nicht eine massive innere Verdichtung (mehr Personen pro Wohneinheit) Platz greift, bleibt Weiach auch damit ein Exot. Die Mehrheit (31 von 43 erfassten Unterländer Gemeinden) weist heute nämlich mehr Einwohner als Bürger auf.

Montag, 31. Dezember 2012

Dezemberwetter 1962: achtmal Schnee und etwas Regen

Vor 50 Jahren erlebte Weiach einen trockenen Herbst (vgl. den Beitrag Novemberwetter 1962). Die Temperaturen und der Nebel entsprachen zwar durchaus der Jahreszeit. Nur der Niederschlag kam und kam nicht. Im Dezember schneite und regnete es dann zwar, aber das war für die Landwirtschaft etwas gar spät:

«Dezember: Der "Weihnachtsmonat" beginnt mit ordentlich kalten Tagen (bis zu -10°), meist bedeckt Hochnebel den ganzen Himmel. Dieser Monat zeichnet sich überhaupt durch sehr viel Hochnebel aus; eigentlicher Morgennebel dafür nur dreimal. Sonnige Tage gab es fast keine (5 mal an Nachmittagen, einmal an einem Vormittag, nur einmal war's den ganzen Tag sonnig). Sehr oft blies ein kalter Oberwind. Schnee fiel achtmal, meist nur wenig und der wurde erst noch am selben Tag durch den nachfolgenden Regen wieder weggewischt. Der 15./19./29. Dezember machten da eine rühmliche Ausnahme, indem etwas grössere Mengen Schnee fielen (bis 10 cm). Langer Bestand war aber auch diesem Schnee jeweilen nicht beschieden.

Höchsttemperaturen verzeichnete ich morgens +6°, mittags +5°, abends wieder +5°; es waren dies ein paar Tage zwischen dem 12. und 16. Dezember, die deutlich unter Föhneinfluss standen. Die Tiefsttemperaturen erreichten -13° morgens, -11° mittags und -12° abends. Diese Tage standen dann ganz im Zeichen des anhaltenden Oberwindes, 23. bis 28. Dezember.

Der ganze Herbst und Vorwinter waren demnach sehr niederschlagsarm und trocken; die so nötige Winterfeuchte für den Boden blieb aus.»

Unter dem Begriff «Oberwind» versteht Zollinger einen kalten Nordwind. Warum er ihn nicht Bise nennt, ist unklar.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 - S. 10. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].
[Veröffentlicht am 1. Januar 2013]

Samstag, 29. Dezember 2012

Wie wird's? Das Wetter in den nächsten 2 Stunden

Sie wollen wissen wie das Wetter in den nächsten zwei Stunden an ihrem Standort wird? Zum Beispiel in Weiach?

Kein Problem! Dafür gibt es pünktlich zu Weihnachten wiewirds.ch - ein Webdienst der vom ETH-Spinoff meteoradar.ch zur Verfügung gestellt wird. Für Weiach gibt man http://www.wiewirds.ch/Weiach-8187.php ein und erhält das folgende kleine Fenster:


Diese so genannten 2H5M-Prognosen (Blick auf die nächsten zwei Stunden, der jeweils alle fünf Minuten aufdatiert wird) sind immer aktuell und können für das nächste Planquadrat der Schweizer Kilometerkoordinaten in der Nähe ihres Wohnorts aufgerufen werden.

Für 8187 Weiach und 5467 Fisibach ist das die Koordinate 675/270 auf einer Höhe von 419 m ü. M. (Kaiserstuhl kennt wiewirds.ch übrigens nicht, dafür aber Regensberg). Die benachbarte Koordinate (entsprechend Mellikon, Rümikon und Wislikofen, alle im aargauischen Studenland) ist 670/270. Die Prognose basiert also auf einem 5 km-Raster.

Zu weiteren technischen Details, besonders dem dahinter steckenden Rechenmodell äussern sich die Profis am besten gleich selber: http://www.meteoradar.ch/wetterblog/2012/12/20/2h5m-prognosen/

Freitag, 30. November 2012

Novemberwetter 1962: wieder keine Niederschläge

Bereits im September und Oktober 1962 war es aussergewöhnlich trocken (vgl. die Beiträge Septemberwetter 1962 und Oktoberwetter 1962). Diese Witterung setzte sich auch im «Wintermonat» fort, wie Walter Zollinger notiert hat:

«November: Er zeichnet sich durch zahlreiche Tage mit bedecktem Himmel aus. Auch Morgennebel und Hochnebel während ganzer Vormittage gab es ziemlich viel; die Sonne zeigte sich jeweilen nur für kurze Zeit an Nachmittagen. Niederschläge fielen trotzdem sozusagen keine, nur 2 oder 3 mal etwas Schnee, um doch den "Wintermonat" wenigstens zu markieren. Die Temperaturen hielten sich fast durchwegs im gewohnten Rahmen:
Höchsttemperaturen: morgens 7°, mittags 15°, abends 9°
Tiefsttemperaturen: morgens -6°, mittags -5°, abends -5°.»

An der Wetterfront vor 50 Jahren galt also: «im Westen nichts Neues». Selbst die Trockenheit war keine Neuigkeit mehr.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 - S. 10. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].
[Veröffentlicht am 1. Januar 2013]

Freitag, 9. November 2012

Mit Bahnpost von Burladingen nach Weyach, 1901

Burladingen ist eine Gemeinde im heutigen Zollernalbkreis des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg. Sie gehört historisch gesehen zu Hohenzollern und war vor rund hundert Jahren Teil des preussischen Regierungsbezirks Sigmaringen. Im frühen 20. Jahrhundert war der Ort auch ein Zentrum der Textilindustrie.

Es ist also gut möglich, dass das 8 Kilogramm schwere Päckchen an die «Handlung» von Jakob Meierhofer-Meier in Weiach etwas Textiles enthielt. Der dazugehörige Begleitschein mit württembergischen Briefmarken und diversen Stempeln steht aktuell bei Ebay zum Verkauf.

Viele Durchgangsstempel

Nachstehend die Vorderseite mit Adressatenanschrift (man beachte: als «Weiach Cant. Zürich» geschrieben). Interessant auch, dass zusätzlich zu den Beförderungsgebühren von Reichsmark 1.40  auch Zollgebühren verrechnet wurden:
Auf der Hinterseite sind die Unterschrift der Empfängerin (Hulda Meierhofer) sowie vier Durchgangsstempel zu finden:
 
Befördert wurde das Paket demnach per Bahn und zwar wohl zuerst mit der Hohenzollerischen Landesbahn, dann auf nicht mehr eruierbaren Wegen mit dem Postzug Strassburg (Elsass) - Stuttgart und war dann nach Waldshut unterwegs. Während es vom ersten Stempel der königlich württembergischen Bahnpost (11. Mai 1901) bis nach Waldshut (12. Mai 1901) nur gerade einen guten Tag dauerte, datiert der Stempel Weyach vom 14. Mai.

Benötigte die Verzollung nach der Schweiz so viel Zeit? [Das Elsass gehörte damals zum Deutschen Reich, da gab es keine Zollgrenze (ausserdem handelte es sich ja auch um einen Postzug Strassburg-Stuttgart)]

Dass es sich hier um Bahnpoststempel handelt ist kaum verwundertlich, war die begleitete Bahnpost doch in der gesamten Zeit der Deutschen Reichspost das Rückgrat der Postbeförderung. Das war auch in der Schweiz ab 1866 nicht anders. Der letzte begleitete Bahnpostwagen wurde hierzulande erst nach der Jahrtausendwende ausgemustert, als man 2004 den Zeitungsversand auf die Strasse verlegte (vgl. den Wikipedia-Artikel Bahnpost).

Warum Weyach und nicht Weiach?

Der zuletzt vom hiesigen Postbüro aufgedrückte Stempel führt noch immer das y im Ortsnamen, obwohl die Gemeinde 1901 offiziell schon seit Jahrzehnten mit i geschrieben wurde (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 2).

Wie man dem Artikel Die Weiacher Post und ihre Stempel (WeiachBlog Nr. 702 vom 24. November 2009) entnehmen kann, wurde am 1. Juli 1871 ein Rundstempel ohne Stundenangabe mit der Bezeichnung «Weyach» eingeführt. Vorher war der einfache Schriftzug ohne Datumsangabe in Gebrauch.

Dass die Zürcher Kantonsverwaltung schon 1872 der Ansicht war, die Schreibweise sei zu modernisieren, hat die Post erfolgreich während über 30 Jahren ignoriert. Erst 1904 erhielt der Stempel die Bezeichnung «Weiach».
 

Dienstag, 30. Oktober 2012

Oktoberwetter 1962: ein trockener Geselle

Im Oktober vor 50 Jahren zeichnete sich erstmals ab, dass die Nässe im Frühling nun durch eine umso grössere Trockenheit kompensiert wurde. Für das Einfahren der Ernte (Obst und Trauben) war die trockene Witterung natürlich ein Vorteil:

«Oktober: Der "Weinmonat" war ebenfalls ein trockener Geselle. Wohl lagen an 15 Tagen Morgennebel über der Gegend und 11 mal sogar eine Hochnebeldecke. Regen aber fiel nur dreimal, sonst war es, vor allem an den Nachmittagen, immer sonnig oder "wolkig bis heiter". Die Temperatur war gegenüber dem Vormonat allerdings gefallen und zwar merklich. An den Morgen und Abenden selten mehr über 10°, meist um 6 oder 7° herum, einmal schon nahe der 0°-Grenze und am Morgen des 30.10. lag der erste Reif über den Wiesen (-2°). Die Nachmittage waren, weil viel sonnige, natürlich warm. Höchste Temperatur zeigte der Nachmittag des 5.10. mit 20°. Das trockene Wetter begünstigte die Herbstarbeiten in hohem Masse, vor allem die Obst- und Traubenernte.»

Gerade so extrem warm und sonnig wie das heurige Oktoberende (ein verspäteter «Altweibersommer» oder «indian summer») war der Oktober 1962 dann doch nicht. Aber trocken.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 - S. 9-10. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].
[Veröffentlicht am 9. November 2012]

Sonntag, 30. September 2012

Septemberwetter 1962: ein annehmbarer Herr

So wie der August war auch der September vor 50 Jahren ein guter Monat für die Landwirtschaft, wie man Zollingers Jahreschronik entnehmen kann:

«September: Im grossen und ganzen ein annehmbarer Herr. Am Anfang sogar ganz warme und schöne Zeit, höchstens Morgennebel oder hie und da nachts etwas Regen (7 mal); nur wenig regnerische Vor- oder Nachmittage, einmal etwas Wind, am 12.9. abends sogar stürmisch. In der Mitte des Monats begann allerdings eine kühle Woche (18. bis 26.9.) mit Temperaturen von nur 3 1/2° bis höchstens 5° am Morgen. Das Monatsende aber wird wieder milder, bis zu 11° "Morgenwärme". Etwas was wohl noch selten vorkam: am 24.9. war im Schulhaus --- geheizt!
Höchsttemperaturen: morgens 16°, mittags 27°, abends 12°
Tiefsttemperaturen: morgens 3 1/2°, mittags 12°, abends 7°.
Der "Härdöpflet" geht wacker vor sich; der Ertrag sei gut, die Knollen durchwegs von mittlerer Grösse. Auch Obst und Trauben geniessen die warme erste Monatshälfte.
»

Dass das Schulhaus früher kaum so früh im Jahr geheizt wurde, war unter anderem wohl auch dem Umstand geschuldet, dass man in früheren Jahrzehnten aus Spargründen erst dann geheizt hat, wenn es wirklich unumgänglich war.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 - S. 9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].
[Veröffentlicht am 9. November 2012]

Freitag, 31. August 2012

Augustwetter 1962: seit Jahrzehnten nicht günstiger

Einen für die Landwirtschaft geradezu idealen Herbstanfang erlebte die Gemeinde Weiach vor 50 Jahren:

«August: Ein Anfang mit schwülen, gewitterschwangeren Tagen, platzregenartigen Schauern zwischen sonnigen Stunden; das geht so bis zum 8.8., von da an eine Woche sehr schönes Wetter, sodass die Getreideernte ihrem Ende entgegen gehen kann. Erst ab 15.8. wieder regnerische Nächte und Tage mit bedecktem Himmel, auch etwas abgekühlter Temperatur; am 14.8. noch 31° am Nachmittag, am 18.8. bloss mehr 19°. So geht es eigentlich während des ganzen Monats noch weiter: immer warmes, trockenes Wetter im Wechsel mit nächtlichen Gewitterschauern. Das ist ja sehr gut für die abgeernteten Felder und vor allem für das restliche Obst und die Trauben. "Seit Jahrzehnten kein so günstiger August wie der diesjährige", so kann man's in den Zeitungen lesen. Die Morgentemperaturen bewegten sich immer so zwischen 10° bis 20°, nachmittags zwischen 20° und 31° (einmal bloss 16°, nämlich nach der Regennacht vom 6./7. August), abends zwischen 15° und 22°. Stärkere Gewitter verzeichnete ich viermal.»

Der Getreide- wie auch der Obstertrag wurden denn auch für 1962 als befriedigend bezeichnet. Immerhin ein Lichtblick nach dem nasskalten Mai, welcher den Graswuchs nicht gerade förderte.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 - S. 9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].

[Veröffentlicht am 9. November 2012]

Donnerstag, 23. August 2012

Elektrizitätsgenossenschaft Weiach: 100 Jahre unter Strom

«Die Zeit war da, wo man sich in der ganzen Schweiz damit beschäftigte elektrisches Licht & Kraft einzuführen. Das Zürchervolk nahm ein Gesetz an, nach welchem der Kanton die Versorgung der Gemeinden mit elektrischer Energie an die Hand zu nehmen hatte.»

Diese Einleitung findet man im «Protokoll der Elektrizitäts-Commission Marthalen». Sie zeigt, dass die Stromversorgung vor rund einem Jahrhundert ihren Siegeszug auch an der Basis, auf der bäuerlich geprägten Landschaft antrat (Marthalen liegt im Zürcher Weinland).

Strom: Weichenstellung anfangs 20. Jahrhundert

Das oben erwähnte, in der kantonalen Volksabstimmung vom 15. März 1908 gutgeheissene Gesetz war auch zugleich der Startschuss für die Gründung der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 2. Oktober 1908. Nur wenige Monate vorher wurden die Nordostschweizerischen Kraftwerke (heute: Axpo AG) gegründet: erster Handelsregistereintrag am 9. Dezember 1907.

Damals wurden also die Weichen punkto Stromnetz gestellt, wie man dem Historischen Lexikon der Schweiz entnehmen kann (e-HLS: Artikel Elektrizitätswirtschaft, Stand 16. Februar 2012):

«Die gegenwärtige Situation ist weitgehend auf Entscheidungen zurückzuführen, die zwischen 1880 und 1916 getroffen wurden. In den meisten grossen Schweizer Städten richteten in den 1880er Jahren Privatunternehmer in Pionierarbeit die ersten elektr. Beleuchtungsanlagen ein.»

Industriegebiete und Städte machen den Anfang

Schauen wir uns an, wann der elektrische Strom verschiedene Gemeinden erreichte: Zürich 1892, Schönenwerd 1895, Embrach 1904, Bubikon 1906, Otelfingen 1908, Marthalen 1911, Weiach 1912.

Grosse Städte wie Zürich waren ab 1892 erstmals mit elektrischer Energie versorgt worden (Gründung des Elektrizitätswerk der Stadt Zürich EWZ), die Bally-Werke sorgten dafür, dass das vor den Toren Aaraus liegende Schönenwerd schon vor der Jahrhundertwende erleuchtet wurde.

Meist wurde aber nicht das ganze Gemeindegebiet versorgt. Das war auch in Weiach nicht anders, als 1912 die Elektrizitäts-Genossenschaft Weiach das erste Verteilungsnetz errichten liess. Das Versorgungsgebiet der EGW beschränkt sich auch heute noch auf das eigentliche Dorfgebiet (vgl. das Kärtchen unten). Der Ofen-Hof und das Kieswerkareal beziehen ihren Strom von Osten her und direkt von den EKZ. Dasselbe gilt übrigens für Rheinsfelden und Zweidlen. Sie gehören nicht zum Versorgungsgebiet der Genossenschaft Licht- und Kraftwerke Glattfelden. Ähnliches gilt für Otelfingen (ebenfalls eine der wenigen Gemeinden im Unterland mit bis heute eigenem Stromversorgungsnetz).

Gemeindewerke erhalten Monopol

Warum die Boomzeit der Stromversorgung ausgerechnet auf die ersten Jahren des 20. Jahrhunderts fiel, erläutert das Historische Lexikon der Schweiz: «Die beiden Bundesgesetze, welche die aus Wasserkraft gewonnene Elektrizität betreffen, förderten die zunehmende Vielfalt der Anbieter: 1913 wurden erstmals über 1'000 Elektrizitätswerke gezählt, während es 1900 erst 140, 1905 490 und 1910 780 gewesen waren. Mit dem Gesetz von 1902 über die Starkstromanlagen wurde den Gemeindewerken offiziell eine Monopolstellung eingeräumt...» (Artikel Elektrizitätswirtschaft).

Heutiges Versorgungsgebiet EKZ

Auf der Website der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich findet man eine Karte, die detailliert zeigt, wo die EKZ direkt an den Endkunden liefern (blau: das «Detailversorgungsgebiet») bzw. die Lieferung über ein Gemeindewerk erfolgt (grün: das Endverteilergebiet). Das Gebiet von Weiach ist Teil der Netzregion Limmattal, das Gemeindegebiet von Glattfelden dagegen gehört zur Netzregion Weinland.



Interessant ist übrigens, dass Teile der Kantone Schwyz (Einsiedeln, Feusisberg, Wollerau und Freienbach), Zug (Gde. Menzingen und Teile von Baar und Neuheim), St. Gallen (Goldingen) und Thurgau (Oberneunforn und Teile von Fischingen) ebenfalls durch die EKZ versorgt werden.

[Veröffentlicht am 9. November 2012]