Donnerstag, 2. März 2006

Mass, Schoppen und Eimer (Mass und Gewicht 5)

Bei diesem Titel mag man an feuchtfröhliche Gelage denken: die Mass am Münchner Oktoberfest oder den Schoppen Wein, den sich ältere Mitmenschen nach eigener Aussage genehmigen. In früheren Jahrhunderten waren dies weitherum gebräuchliche Grössen für trinkbare Flüssigkeiten.

Für Bayern galt um 1845: 1 Maßkanne (Maß) = 1,0690 Liter, wobei man diese Einheit wie folgt unterteilte: 1 Maß = 2 Halbe (oder Seidel) = 4 Quart (oder Schoppen) = 8 Achterl (oder 8 halbe Schoppen) (Quelle: Königl. Bayer. Armee-Mathematik (1))

Welche Massbegriffe in unserer Gegend üblich waren, erläutert M.L. Frischknecht in einem weiteren Abschnitt seines Artikels zu Massen und Gewichten im alten Kaiserstuhl (siehe die WeiachBlog-Beiträge ab 26. Februar):

«Auch bei den Flüssigkeitsmassen gab es Rechnungs- und Transportmasse. Im Mittelland galt das Mass als Einheit. Ein Mass bestand aus 4 Schoppen. 4 Mass bildeten einen Eimer und 4 Eimer nannte man einen Saum. In Kaiserstuhl wurde beim Weinmass zwischen gegorenem und ungegorenem Wein und Most unterschieden: ein Mass gegorener (lauterer) Wein betrug 1.3 Liter, ungegorener 1.38 Liter. Daneben gab es noch spezielle Masse für Branntwein, Oel, Honig und Milch. Die grössten Unterschiede fanden sich beim Milchmass: Gegenden mit viel Milchwirtschaft hatten grosse Masseinheiten, Gegenden mit wenig Milchvieh kleine Einheiten (Zofingen: 1 Mass = 0.45 Liter; Glarus: 1 Mass = 3.19 Liter).»

Quellen

  • Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.
  • Appell, W.: Rechnen mit Spaß lernen. Königl. Bayer. Armee-Mathematik (1)

Mittwoch, 1. März 2006

Entspelzt oder unentspelzt? (Mass und Gewicht 4)

Bis vor wenigen Jahrzehnten war in den Getreideanbaugebieten im Mittelland die Antwort auf diese Frage von grossem Interesse, wenn es ans Messen ging. Denn von entspelztem Getreide passt natürlich mehr in ein bestimmtes Volumen als von unentspelztem.

Wie man damals mit diesem Problem umging und es mit den Getreidemassen hielt, erklärt dieser Beitrag aus der am 26. Februar begonnenen Reihe zu Massen und Gewichten im alten Kaiserstuhl. Wir zitieren aus M.L. Frischknechts Artikel:

«Getreide wurde in Hohlmassen – also wie unser Liter – gemessen. Im Mittelland war der Viertel die Masseinheit des Marktes. 4 Viertel bildeten ein Mütt, eine Einheit für den Transport. Bei der Lagerung spielte das Malter (= 4 Mütt). In Kaiserstuhl hatte man zwei Getreideviertel: ein Viertel entspelztes Getreide betrug 22.42 Liter, unentspelzt: 25.59 Liter. In Zurzach betrug das Viertel für entspelztes und unentspelztes Getreide 22.47 Liter. Ob die Kaiserstuhler Getreidehändler die Zurzacher mehr bemogelten oder umgekehrt steht nicht im Buch.»

Eine – mit Verlaub – recht maliziöse Unterstellung. Aufpassen musste man natürlich schon – und jedesmal nachfragen, ob mit oder ohne Spelzen und nach dem Mass welcher Stadt gemessen werde.

Das ist bis heute in vielen Bereichen nicht anders: Die Bezeichnung Dollar reicht ja schliesslich auch nicht. Meist ist zwar schon vom US-Dollar die Rede. Es könnte aber auch der australische, der kanadische oder irgendein anderer Dollar gemeint sein. Und die sind in der Regel nicht gleich viel wert wie ein US-Dollar.

Quelle

Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.

Dienstag, 28. Februar 2006

Wie gross ist ein Juchart? (Mass und Gewicht 3)

Wer in alten Dokumenten liest, begegnet häufig dem Begriff Juchart (auch Jucharte oder Juchert genannt). Um einen Eindruck von der Grösse dieses Flächenmasses zu haben, möchte man natürlich wissen, wieviel so ein Juchart in den heute gebräuchlichen Quadratmetern, Aren oder Hektaren misst. 

Da gilt es eine wichtige Lektion zu lernen: Ein Juchart ist nicht immer gleich gross. Es kommt auf die Lage an. M.L. Frischknechts Artikel (siehe WeiachBlog vom 26. und 27. Februar) erklärt, weshalb: 

 «Die Landmasse beruhten meist auf Schätzungen von Arbeitsprozessen. Ein Juchart bezeichnete den in einem Tag gepflügten Boden Ackerland. Der Mannsmad (Mad, Mannswerk etc.) bezeichnete die Fläche Wiese, die ein Mann an einem Tag mähen konnte. In Kaiserstuhl betrug ein Juchart 36.09 Aren, in Zurzach nur 32.41 Aren. Es ist eine gewagte Hypothese, daraus zu schliessen, dass die Zurzacher damals fauler waren als die Kaiserstuhler. 

Ist ein Juchart aufgrund einer in einem Tag vollführten Arbeit definiert, so variiert der Juchart je nach Geländebeschaffenheit. Im Mittelland lag die Einheit für Ackerland zwischen 27 und 36 Aren, in Gebieten mit vorwiegend Getreidebau betrug ein Juchart zwischen 32 und 36 Aren, mit vorwiegend Wiesland 27 bis 34 Aren. Je hügeliger und steiler das Land wurde, desto kleiner der Juchart. 

Der Tessin hatte die kleinsten Ackermasse (zwischen 0.5 bis 5 Quadratmeter [sic! recte wohl eher Aren]). Im Rebbau lag der Juchart zwischen 3 und 4 Aren. In den Alpen galten spezielle Masse für Alpweiden, sog. Kuhrechte. Man schätzte die Ertragsfähigkeit einer Alp nach der Anzahl der gesömmerten Kühe. Besass einer 5 Kuhrechte, so durfte er 5 Kühe oder eine höhere Anzahl Kleinvieh auf die Weide treiben. Mit Kuhrechten konnte ein Handel abgegolten werden wie mit Geld. Diese Kuhrechte haben noch heute ihre Gültigkeit und sind in ihrem Ursprung Landmasse.» 

Eine sehr sinnvolle Einrichtung übrigens, welche die so genannte Tragödie der Allmende verhindert, also die Übernutzung eines im Gemeinbesitz befindlichen Gebiets durch zu starke Beweidung. 

Quelle
  • Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.

Montag, 27. Februar 2006

Mit verschiedenen Ellen gemessen (Mass und Gewicht 2)

Nach der im gestrigen Beitrag (WeiachBlog vom 26. Februar) abgedruckten Einleitung aus M.L. Frischknechts Artikel über Masse und Gewicht im alten Kaiserstuhl folgt hier der Abschnitt über Längenmasse:

«In Kaiserstuhl betrug der Fuss 30.04 cm, er war aufgeteilt in 12 Zoll, ein Zoll zerfiel in 12 Linien und eine Linie bestand aus 12 Punkten. Die Elle betrug 60.08 cm, also zwei Fuss. Ein Zurzacher Fuss war 30.00 cm lang und die Elle betrug 60.27 cm. Die Elle war ein reines Tuchmass. Anhand der Elle lässt sich sehr gut zeigen, wie ein Längenmass auf die dem zu messenden Stoff eigene Qualität oder Kostbarkeit einging. Die Leinen-Elle war die längste Elle, gefolgt von der Woll-Elle (bis zu 15 cm kürzer) und die kürzeste Elle war die Seiden-Elle (nochmals ca. 10 cm kürzer) – je wertvoller und teurer der Stoff, umso kürzer das entsprechende Längenmass.»

Nun kann man sich leicht selber vorstellen, weshalb das geflügelte Wort vom Messen mit verschiedenen Ellen entstanden ist. Offensichtlich Ungleiches wurde auch ungleich behandelt.

Vielleicht war es bei diesen Stoffhändlern ähnlich wie bei der Migros in ihren ersten Jahren, wo die Säcke mit Zucker und Reis Fixpreise hatten, der Inhalt jedoch variierte. Allerdings: den Preisvergleich zwischen verschiedenen Gütern erleichtert das überhaupt nicht.

Quelle

Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.

Sonntag, 26. Februar 2006

Mass und Gewicht im alten Kaiserstuhl (Mass und Gewicht 1)

Über Jahrhunderte hinweg war das benachbarte Städtchen Kaiserstuhl für die Weiacher ein wichtiger Bezugspunkt – sei es als Sitz der Amtleute des Fürstbistums Konstanz, sei es als Marktort für den Absatz von Landwirtschaftsprodukten.

In der damaligen Lebenswelt spielten lokal bezogene Masse und Gewichte eine wichtige Rolle. Für die Weiacher waren das diejenigen der Städte Zürich und Schaffhausen sowie die von Kaiserstuhl und Zurzach.

In den nächsten Tagen bis zum 3. März bringt WeiachBlog einen bereits im August 1984 publizierten Artikel von M.L. Frischknecht im Volltext. Hier die Einleitung:

«Per Zufall kam mir ein Buch über Masse und Gewichte in der alten Eidgenossenschaft in die Hände (Anne-Marie Dubler, Masse und Gewichte im Staat Luzern und in der alten Eidgenossenschaft; Festschrift, 125 Jahre Luzerner Kantonalbank, 1975). Beim Durchlesen fiel mir auf, dass Kaiserstuhl des öfteren genannt wird. Somit entschloss ich mich, die Angaben über Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl herauszupicken und zusammen mit einigen allgemeinen Bemerkungen zur Bedeutung von Massen und Gewichten zusammenzufassen.

Heute werden metrische Masse und Gewichte verwendet. Unabhängig von der stofflichen Qualität des zu messenden Gutes, unabhängig von den althergebrachten landschaftlichen und wirtschaftlichen Gepflogenheiten. Das war nicht immer so. Masse und Gewichte waren in der Schweiz vor ca. 1830/50 Ausdruck aktueller Herrschaftsverhältnisse, waren Ausdruck der lokalen Wirtschaft. Am 22. Oktober 1875 wurde das metrische System (Meter, Liter, Kilogramm) vom Bundesrat in Kraft gesetzt und seine Einführung auf den 1. Januar 1877 beschlossen.

Vorher sah es etwa so aus: Ein Ort, der das Marktrecht hatte – also auch Kaiserstuhl – hatte das Recht, die Masse zu bestimmen. Der Marktherr beauftragte den Eichmeister, die bestimmten Masse und Gewichte turnusgemäss zu überprüfen und zwar mit Hilfe der Urmasse, der sogenannten Stummen- oder Schlüfmasse. Alle vom Eichmeister geprüften Masse bekamen einen amtlichen Stempel. Ob Stempelgebühren erhoben wurden, weiss ich nicht – aber die Administration war früher auch nicht viel besser als heute.

Je nach Bedeutung eines Marktes strahlten die verwendeten Masse mehr oder weniger weit über die Grenzen des jeweiligen Marktes hinaus. Obwohl die Masse und Gewichte von Markt zu Markt anders waren, lehnten sie sich den gebräuchlichen Massen der übergeordneten Herrschaftsstrukturen oder Wirtschaftssystemen an.
»

Quelle

Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.

Samstag, 25. Februar 2006

Temporinis Aufstieg und Niedergang der römischen Welt

Google Print ist immer wieder für eine Trouvaille gut. Eines der neueren Fundstücke: das von Hildegard Temporini und Wolfgang Haase vor etwa dreissig Jahren im Verlag Walter de Gruyter herausgegebene Monumentalwerk Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Geschichte und Kultur Roms im Spiegel der neueren Forschung.

Im Band 5/2 aus dem Jahre 1977 ist auf Seite 870 unten die Fundamentruine des Wachtturms im Hard abgebildet.

Der Turm wird auf Seite 869 als Modellfall einer Warte bezeichnet und mit dem in der Literatur üblichen, heute aber vergessenen Flurnamen Am verfluchten Platz benannt.

Die dazugehörende Fussnote 217 gibt die Abmessungen und weitere Details zu diesem Turm bekannt: 7.5 x 7.5 m, Mauerdicke 1,50-1,60 m, möglicherweise mit Wall und Graben, Tor zur Rheinseite.

Freitag, 24. Februar 2006

Weiacher Narren im Bohnenviertel

In den kommenden Tagen bis Aschermittwoch herrschen die Narren, so verkünden es die Veranstaltungskalender in unserer nördlichen Nachbargemeinde Hohentengen. Die Gegend ist fest in der Hand von Vereinen wie der Narrenzunft Bohnenviertel oder dem Narrenverein Lienheim.

Büttenabende und Hemdglunkerumzüge

Standen in den vergangenen Tagen zum traditionellen Auftakt der Fasnacht bereits etliche der mit lokalen Themen garnierten Büttenabende auf dem Programm, so am 10. und 11. Februar, und fand eine Woche darauf die Pfarrfastnacht (durchgeführt von der Pfarrgemeinde Hohentengen) statt, so war gestern, am 23. Februar, mit den Festen des Schmutzigen Donnerstag ein erster Höhepunkt erreicht.

Wie in vielen Orten des badisch-süddeutschen Raumes feiern auch die Hohentengener den Schmutzigen Donnerstag mit einem Hemdglunkerumzug. So ziehen mit weissen Nachthemden und Zipfelmützen bewehrte Gestalten durch Lienheim, Hohentengen und Günzgen.

Am heutigen Freitag veranstaltet die Guggenmusik Saustallfäger Lienheim ihren Fägerball, morgen Samstag findet die Budenfasnacht des Musikvereins Hohentengen statt. Am Sonntag geht's mit dem Fasnachtsumzug der Narrenzunft Hohentengen wieder hoch her, mit Fasnachtstreiben im Dorf, im Feuerwehrgerätehaus und in der Mehrzweckhalle.

Am Montag, 27. Februar folgt dann ein Fasnachtsumzug und Buntes Treiben des Narrenvereins Lienheim sowie der Fasnachtsball der Narrenzunft Hohentengen.

Abschluss mit der Hexenverbrennung

Dienstags, den 28. Februar schliesslich folgt der Kinderball des Freundeskreis SC Hohentengen in der Mehrzweckhalle und am gleichentags die Hexenverbrennung und Kehrausball im Feuerwehrhaus, organisiert von der Hexenclique (Teil der Narrenzunft Bohnenviertel) und der Freiwilligen Feuerwehr Hohentengen.

In Weiach ist vergleichsweise nichts los - ausser einem kleinen Fasnachtsumzug. Und so zieht es viele Fasnachtslustige aus unserer Gemeinde in diesen Tagen über die Grenze. Manche sind sogar feste Mitglieder der Narrenzunft Bohnenviertel.

Literatur

Donnerstag, 23. Februar 2006

Platz 17 auf der kantonalen Steuerrangliste

Im Jahre 1995 geriet Weiach plötzlich in die Scheinwerfer der Jäger des kantonsweit tiefsten Steuerfusses. Vor 10 Jahren landete die Gemeinde nämlich etwas überraschend auf dem 1. Platz der kantonalen Steuerrangliste:

- Höber, H.: Weiach: mit tiefstem Steuerfuss im Unterland. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 277, 28. November 1995 – S. 57.
- Höber, H.: Weiach erhält tiefsten Steuerfuss im Kanton. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 292, 15. Dezember 1995 – S. 55.

Damit war auch die Aufmerksamkeit der privaten Steueroptimierer geweckt. Eines der Resultate ist heute in Form von neuen Einfamilienhäusern am Hang der Fasnachtsflue zu besichtigen. Das schlug sich auch in der Bevölkerungsstruktur nieder: Zwischen 1990 und 2000 wurde Weiach nach den Kriterien des Bundesamts für Statistik zu einer Agglomerationsgemeinde der Stadt Zürich.

Besser nicht zu weit oben

Mittlerweile haben sich viele andere Gemeinden entschlossen, ihren Steuerfuss massiv zu senken. Das kann uns nur recht sein. So kommen weniger Neuzuzüger allein der tiefen Steuerrechnung wegen in die Nordwestecke des Zürcher Unterlandes. Im Vordergrund stehen heute wohl mehrheitlich andere Gründe - wie die unmittelbare Nachbarschaft von Erholungsgebieten.

In der heutigen NZZ ist eine derjenigen Ranglisten abgedruckt, die wohlhabendere Steuerzahler weit stärker interessieren als jeder olympische Medaillenspiegel. Man findet sie auch auf der Seite Gemeindesteuerfüsse 2006 des Statistischen Amts des Kantons Zürich.

Vor einem Jahr reichte der unveränderte Steuerfuss von 85% ohne Kirchensteuer noch für Platz 16, dieses Jahr für Platz 17 (Wettswil am Albis stiess dank einer Senkung um 5% von Platz 18 auf 14 vor).

Auch nach Einbezug der Kirchensteuern verändert sich die Rangierung nicht gross: Platz 18 mit reformierter, Platz 19 mit katholischer Kirchensteuer.

Auch bei den Steuern für juristische Personen (d.h. Unternehmen) liegt Weiach auf Platz 18. Wäre die geographische Lage nicht derart ungünstig, müsste dies eigentlich ein paar Firmen mehr anziehen als gegenwärtig auf Gemeindegebiet ansässig sind.

Quellen

Mittwoch, 22. Februar 2006

Altersbäumchen mit zwei Jugendtaillen


Sie sind vom Statistischen Amt des Kantons Zürich noch nicht offiziell anerkannt, die Einwohnerzahlen der Gemeinden per 31. Dezember 2005.

Für die Statistiker des Kantons gilt nämlich: «Definitiv werden die Zahlen nach Ablauf der 30-tägigen Rekursfrist, welche mit der Publikation der Daten im Amtsblatt (spätestens Mitte März) beginnt».

Für Weiach waren es an diesem Stichtag 959 Personen, die ihren zivilrechtlichen Wohnsitz in der Gemeinde hatten (WeiachBlog berichtete am 4. Februar 2006 unter dem Titel: Einwohnerzahlen mit deutlichem Abwärtstrend).

Ob es nun genau 959 waren oder nicht, muss uns hier nicht kümmern. Es soll uns jedenfalls nicht daran hindern, die Altersstruktur genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Ausgabe Februar 2006, brachten nämlich eine Fülle von Zahlenmaterial zur Weiacher Bevölkerung. Leider völlig ohne jede graphische Aufbereitung. Dies sei hier nachgeholt.

Kein bevorzugter Wohnplatz für 25- bis 29-jährige

Für das obige Diagramm musste ich schon etwas üben mit meiner Tabellenkalkulation. Ganz so einfach wie gewünscht spuckt sie einem so ein Bild dann doch nicht aus. Aber ich finde, der Aufwand hat sich gelohnt. Ein Altersbäumchen ist doch wesentlich anschaulicher als eine simple Zahlenreihe. Oder nicht?

Da sieht man nämlich deutlich, dass die Gemeinde für die hochmobile Generation zwischen 25 und 29 Jahren kein besonders bevorzugter Wohnplatz ist. Weiter ersichtlich: die Kinder werden weniger. Mit einer starken Abnahme der Schülerzahlen muss gerechnet werden, sollte sich in den nächsten Jahren keine Trendumkehr ergeben - ein Umstand auf den auch die Primarschulpflege schon hingewiesen hat. Ebenso spannend: die vielen Frauen zwischen 40 und 45. Die Rechnung ist ganz einfach: weniger Frauen unter 40 = weniger Kinder.

Wenn Sie sich für das obere Ende der Skala interessieren, dann mag dieser WeiachBlog-Artikel vom 18. Januar interessant sein: Betagte Einwohner - ein Vergleich 1956 zu 2006.

Quelle
  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2006, Seite 12

Dienstag, 21. Februar 2006

Vorrömische Mammuts?

«Auch ein monumentaler Mammutzahn (3.40 m lang) weist auf vorrömische Besiedlungen unserer Gegend hin.» Dieser etwas merkwürdig anmutende Satz stand von September 2005 bis Mitte Februar 2006 im offiziellen Portrait der Gemeinde Weiach. Heute nicht mehr. Zu verdanken ist dies aufmerksamen Besuchern des noch jungen Internetauftritts der Gemeinde.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn man obigen Satz wirklich zum Nennwert nimmt, dann wirft er unwillkürlich die Frage auf, weshalb der Fund eines Mammutstosszahns zwingend auf menschliche Siedlungen hinweist.

Keine Fundzusammenhänge zwischen Feuersteinsplittern und Mammutstosszähnen

Unbestritten ist, dass die Eiszeit und damit die Mammuts lange vor den Römern das Land beherrschten. Und natürlich ist es möglich, dass urzeitliche Jäger auch von den rund um das heutige Weiach gelegenen Hochebenen des «Stein» oder des Sanzenbergs aus auf Mammutjagd gingen - bewiesen ist dies aber nicht.

Der Fall liegt ähnlich wie bei den Wallanlagen auf dem Ebnet und dem Leuenchopf. Spuren jungsteinzeitlicher Besiedlung hat man auf Gemeindegebiet sehr wohl gefunden. Es fehlen jedoch
Spuren menschlicher Aktivität (z.B. Artefakte wie Feuersteinsplitter, etc.), die eindeutig Mammutjägern zuordenbar wären. Soll die mit obigem Satz implizierte These von mammutjagenden Steinzeitmenschen Bestand haben, so müssten Feuersteinsplitter zusammen mit Mammutknochen in derselben Schicht (z.B. in einer Höhle) aufgefunden worden sein. Dem ist aber bisher nicht der Fall.

Deshalb haben Aussagen wie die eingangs zitierte sehr spekulativen Charakter. Denn was denkt sich der Leser bei Verwendung des Begriffs «Besiedlung»? Impliziert durch das Adjektiv «vorrömische» packt man im Geiste unwillkürlich «durch Menschen» hinzu.

Portrait überarbeitet

WeiachBlog hat daher auf Anfrage der Gemeindeverwaltung angeregt, Römer und Mammuts klar zu trennen und den Abschnitt gleichzeitig komplett zu überarbeiten. Die Feuersteinsplitter könnten sehr wohl aus der letzten Eiszeit stammen. Ein in den 1950er-Jahren auf Gemeindegebiet gefundenes Steinbeil sei aber der Jungsteinzeit zuzuschreiben und stamme damit aus der Nacheiszeit. Damals war das Mammut bereits ausgestorben bzw. ausgerottet, je nach Theorie. Nachstehend der überarbeitete Abschnitt, wie er seit ein paar Tagen im offiziellen Portrait steht:

«Funde von monumentalen Mammutzähnen zeigen, dass auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Weiach bis vor 10000 Jahren die Riesen der Eiszeiten lebten. Dass Weiach auch schon sehr früh vom Menschen besiedelt wurde, beweisen Feuersteinsplitter, ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit, Gräberfunde wie Bronzespangen und -nadeln sowie ein Dolch aus der Bronzezeit. Über dem Dorf, auf einem Felsvorsprung des Wörndel, dem so genannten "Leuechopf", und im Ebnet, befinden sich noch heute zwei Wallanlagen; man deutet sie als Fluchtburgen, in deren Schutz sich die Bevölkerung bei kriegerischen Angriffen zurückzog. An die Römerzeit erinnern Wachtturmfundamente entlang des Rheins, die unter Kaiser Valentinian als Teil eines Abwehrsystems gegen die aus dem Norden vordringenden Alamannen errichtet wurden.»

Quelle
  • Korrespondenz mit Gemeindeverwaltung Weiach, 7. u. 9. Februar 2006