Dienstag, 10. Februar 2009

Weiterhin knapp unter 1000 Einwohner

In der Februar-Ausgabe der «Mitteilungen für die Gemeinde Weiach» wird traditionsgemäss die Gemeindestatistik des Vorjahres abgedruckt. So auch dieses Jahr.

Der Tages-Anzeiger Unterland betätigt sich wie üblich als Verwerter. Lokale Themen werden so zu Zeitungsfüllstoff. Interessant ist jeweils, was aus dem von der Gemeinde publizierten Material herausgepickt wird:

Weiach weiter knapp unter der 1000er-Marke

«Weiach. – Die Gemeinde Weiach zählt nach wie vor knapp unter 1000 Einwohner. Nachdem die Statistik per Ende 2007 993 Personen aufwies, ist die Einwohnerzahl im letzten Jahr leicht auf 980 zurückgegangen. Während sich die Zuzüge (51) und die Wegzüge (53) in etwa die Waage hielten, stehen 13 Todesfälle 2 Geburten gegenüber. (bek)»

Selbstständige Methusalems

Nicht erwähnt werden weitere interessante Details. So die Namen der ältesten Einwohnerin und des ältesten Einwohners. Mina Moser-Nepfer (geboren am 12. März 1911) und Arnold Hauser (geboren am 2. Dezember 1912). Oder deren Lebensumstände. Die beiden Ortsältesten führen nämlich immer noch je ihren eigenen Haushalt - und das fast ohne fremde Hilfe.

Auch keine Erwähnung findet die Rubrik «Hundehaltung». Man lernt dabei, dass in Weiach 96 Hunde angemeldet sind. Auf jeden zehnten Weiacher oder etwa jeden fünften Haushalt trifft es also statistisch gesehen einen Hund.

Den gleich grossen Prozentsatz stellt man bei den Ausländern fest: 95 waren Ende 2008 angemeldet. Bei einem gesamtschweizerischen Durchschnitt von über 20% Ausländeranteil ist das vergleichsweise wenig. Grosse Verschiebungen gibt es bei diesen Zahlen im Vergleich zu 2007 nicht, Ausländer ziehen eher ins nähere Umfeld der Stadt Zürich als in den 6. Agglomerationsgürtel hinaus.

Weniger Umzugsdynamik und mehr Tote

Die Anzahl Zuzüge und Wegzüge glichen sich 2008 etwa aus. Was der Tages-Anzeiger aber nicht schreibt: Die Anzahl Zu- und Wegzüge verringerte sich gegenüber dem Vorjahr markant: 2007 wurden noch 85 Zu- und 72 Wegzüge gezählt!

Noch interessanter sind die Geburten und Todesfälle: Wo 2007 noch 6 Todesfälle und 10 Geburten verzeichnet wurden, ist es 2008 genau umgekehrt. 13 Todesfälle stehen ganzen 2 Geburten gegenüber. Dieser Mortalitätsüberschuss erklärt denn auch fast im Alleingang den Rückgang der Bevölkerungszahl von 993 per Ende 2007 auf 980 per 31.12.2008.

Quellen

  • Gemeindestatistik 2008. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2009 - S. 9-10.
  • Weiach weiter knapp unter der 1000er-Marke. In: Tages-Anzeiger, 10. Februar 2009 - S. 55 Unterland.

Montag, 9. Februar 2009

Wer nichts sagt, stimmt zu!

Beim Einmarsch der Franzosen im Frühjahr 1798 hatten viele Schweizer die neue Zeit und die nachfolgende Helvetik noch begrüsst. Nach wenigen Jahren wurde die neue Ordnung aber von der grossen Mehrheit ins Pfefferland gewünscht. 

Bürgerkriegsähnliche Zustände 

Die Gründe dafür waren nicht nur die Wirren des Zweiten Koalitionskriegs im Verlaufe dessen die Helvetische Republik 1799 zum Kampfplatz europäischer Heere wurde, sondern vor allem die faktische Handlungsunfähigkeit und Inkompetenz der helvetischen Zentralregierung, die schlicht zu wenig Finanzmittel hatte, um ihre hochtrabenden Pläne auch tatsächlich zu verwirklichen. 

So versank das Land immer tiefer in bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Staatsstreiche jagten sich. Und die neuen Rechte der Stimmbürger wurden  vorsichtig ausgedrückt  freihändig interpretiert, wie man dem Artikel «Helvetische Republik» auf Wikipedia entnehmen kann: 
 
Abstimmungen gewinnen, einfach gemacht 

«Der Kleine Rat legte die Zweite Helvetische Verfassung inklusive einer Namensliste von 27 Senatoren am 25. Mai [1802] dem Volk zur Abstimmung vor. Diese gilt als erste wirkliche Volksabstimmung auf dem Boden der heutigen Schweiz. Alle Bürger mussten innerhalb von vier Tagen mit «Ja» oder «Nein» zur Vorlage Stellung nehmen. Nichtstimmende wurden als Annehmende gewertet nach dem Rechtsgrundsatz «qui tacet consentire videtur» – «wer schweigt, scheint zuzustimmen». Sechzehn Kantone stimmten der Verfassung schliesslich zu, allerdings hatten nur 72'453 explizit mit «Ja» gestimmt. 167'172 Bürger hatten überhaupt nicht gestimmt – wurden aber als annehmend gewertet und 92'423 hatten abgelehnt. Am 2. Juli erklärte der Kleine Rat die neue Verfassung für angenommen.» 

Die neuen Freiheitsrechte blieben jedoch weitgehend uneingelöste, papierene Versprechen. Besonders empört waren die Bauern über nicht eingehaltene Zusagen betreffend Ablösung der Feudallasten. Um der von den Franzosen geplünderten Staatskasse wieder zu Einnahmen zu verhelfen, war bereits im September 1800 der alte Bodenzins wieder eingeführt worden. 

Geschlossene Stimmabstinenz 

An der Volksabstimmung von Ende Mai 1802 über die neue Helvetische Verfassung nahm wohl auch aus diesem Grund kein einziger Weiacher teil. Trotzdem wurden sämtliche Stimmberechtigten der Gemeinde als Ja-Stimmen gewertet! Würde man dies heute ähnlich handhaben, dann müssten die meisten Abstimmungen gar nicht erst durchgeführt werden. Das Resultat stünde von vornherein fest. Es sei denn, man würde den Stimmzwang einführen, wie er im Kanton Schaffhausen besteht. 

Quellen
[Redaktionell überarbeitet und um den NZZ-Link ergänzt am 8. Dezember 2022]

Sonntag, 8. Februar 2009

Klares Nein zur Personenfreizügigkeit in Weiach

Die Weiacherinnen und Weiacher sind am heutigen Abstimmungssonntag ihren europapolitischen Prinzipien treu geblieben. Mit nur 39.0 % Ja-Stimmen-Anteil resultierte in der konservativen Ecke des Zürcher Unterlandes ein klares Nein gegen die Personenfreizügigkeit. Und damit steht Weiach einmal mehr in klarem Gegensatz zu den Gemeinden am rechten Zürichseeufer.

Das ist keine Überraschung. Europäische Vereinigungsideen stiessen bei der Mehrheit der aktiven Stimmbürger in den letzten Jahrzehnten noch nie auf grosses Verständnis. Zu anonym, zu undurchsichtig werden die Machenschaften der Brüsseler Eurokraten beurteilt. Man befürchtet Demokratieabbau und Fremdbestimmung. Wesentlich zu diesem Nein beigetragen haben dürfte der Unmut über das vom Parlament geschnürte Gesamtpaket.

Solche Päckli nach dem Motto "Vogel, friss oder stirb!" kommen ganz schlecht an. Das Resultat ist eine Allianz aus xenoskeptisch bis xenophoben und den generell EU-kritischen Strömungen.

Internationale Verflechtungen noch nie goutiert

Den Weiacher Geschichte(n) Nr. 7 kann man entnehmen, dass die alteingesessenen Weiacher früher noch viel kritischer waren als heute, wo die neu Zugezogenen einen signifikanten Anteil der Stimmberechtigten ausmachen.

So wurde der Beitritt der Schweiz zum Völkerbund in der Abstimmung vom 16. Mai 1920 mit 85% Nein-Stimmen abgelehnt. Die Schweiz trat trotzdem bei. Wie man am späteren Schicksal dieses UNO-Vorgängers sieht war die Skepsis der Weiacher durchaus berechtigt.

Die Vorlage zum UNO-Beitritt scheiterte in Weiach am 16. März 1986 noch klarer mit 89% Nein. Auch der Beitritt zum Währungsfonds (IWF, Bretton Woods) hatte keine Chance - nur 37% der Stimmenden sagten am 17. Mai 1992 Ja.

Ebenso sieht es in der Europapolitik aus, allerdings mit sinkender Tendenz des Nein-Anteils:

  • EWR-Beitritt (6. Dezember 1992) - 25% Ja
  • «EU-Beitrittsverhandlungen vors Volk» (8. Juni 1997) - 32 % Ja
  • Bilaterale Verträge I Schweiz-EU (21. Mai 2000) - 40%

Jeder nach seiner Leistungsfähigkeit

Bei der kantonalen Vorlage dieses Abstimmungssonntags, der Abschaffung der Pauschalsteuer für im Kanton wohnhafte, nicht erwerbstätige Ausländer sind die Meinungen im Dorf offensichtlich geteilt. 54.08 % stimmten Ja. Also ein leichtes Plus für die Befürworter einer nicht vom Reisepass abhängigen Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Reiche Schweizer und reiche Ausländer sollen also nach einer Mehrheit der Weiacherinnen und Weiacher gleich behandelt werden, wenn sie in unserem Kanton wohnen. Sie folgte damit den Argumenten der Befürworter, wonach eine andere Handhabung des Steuerrechts den Immobilienmarkt verzerre. Die Gegner (darunter die Mehrheit des Kantonsrats und der Regierungsrat) befürchten dagegen Steuerausfälle, weil Oligarchen wie Vekselberg und andere dem Kanton den Rücken kehren könnten.

Montag, 2. Februar 2009

Februar 1959: Bise und Hochnebel. Sonst nichts.

Nachdem der Dorfchronist Walter Zollinger über die Witterung des Januars 1959 noch ausführlich berichtet hat (vgl. WeiachBlog-Artikel vom 2. Januar 2009), verliert er über den Horner nur wenige Worte. Der Monat scheint von der eher unspektakulären Sorte gewesen zu sein:

«Der Februar brachte in den ersten 5 Tagen gleich etwas Oberwind mit Kältegraden bis -5° und starkem Reif. Nachher folgten ca. 10 Tage mit einer Hochnebeldecke. Ab 16.2. herrschte am Morgen meist Nebel, während die Nachmittage sonnig wurden; Nachmittagstemperaturen +4 bis +8°C.»

Offenbar hat es in diesem Jahr (nach den beiden Grippe-Wellen 1957 und 1958, die auch Lehrer Zollinger für kurze Zeit ausser Gefecht setzten) keine influenza-bedingten Ausfälle beim Schulbetrieb gegeben. Erwähnt hat er ein solches Ereignis jedenfalls nicht.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1959. (Witterung, S. 2)

[Veröffentlicht am 9. Februar 2009]

Sonntag, 1. Februar 2009

Horrorvorstellung Frauenstimmrecht

«Die Mutter treibt Politik!» stand 1927 in grossen roten Lettern auf einem Abstimmungsplakat. Darunter ein Bild des Durcheinanders: am Boden ein schreiendes, aus der Wiege gefallenes Baby. Im Bettchen sitzt währenddessen eine schwarze Katze, das Fenster ist offen und der Wind bläst ins Zimmer hinein. Zuunterst schliesslich die Parole: «Frauenstimm- & wahlrecht NEIN» (vgl. Abbildung in der Wikipedia. Nachtrag vom 13.3.2016/18.12.2017: Das Bild wurde aus Wikipedia gelöscht. Hier ein Link auf das eMuseum der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK.)

Kurz: eine Horrorvorstellung. Solche Bilder müssen auch noch Jahre und einen Weltkrieg später in den Köpfen präsent gewesen sein. Anders ist kaum zu erklären, weshalb die Schweizer Männer am 1. Februar 1959 erneut der Parole des Plakats von 1920 folgten und auch diese Vorlage wuchtig ablehnten - einige vielleicht sogar auf den Rat ihrer Frauen hin, die nicht als solche Rabenmütter angesehen sein wollten.

Trotz seiner sonst konservativen Haltung dürfte Walter Zollinger die Angelegenheit nicht so dramatisch gesehen haben, schreibt er doch ganz am Ende seiner Jahreschronik 1959:

«In der Abstimmung vom 1. Februar über die Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechtes in eidgen. Angelegenheiten vermag die Männerwelt unserer Gemeinde nur 24 Stimmen dafür, aber deren 109 dagegen aufzubringen. Arme Weiacher Damenwelt!

Mit dieser "betrüblichen" Feststellung schliesst die Chronik 1959.
Weiach, den 31. Juli 1961.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1959. S. 17.
[Veröffentlicht am 8. Februar 2009]

Montag, 5. Januar 2009

Die Invasion der Südländer

Walter Zollinger, der langjährige Dorfschullehrer und Verfasser der ersten offiziellen Monographie zur Geschichte von Weiach, führte auch Tagebuch über das Wetter in Weiach und schrieb sogenannte Dorfchroniken.

Darunter verstand man damals im Kanton Zürich eine mehrseitige Arbeit für die Schublade. Denn diese Chroniken waren und sind erst mit einer Zeitverzögerung von 25 Jahren für die Öffentlichkeit bestimmt.

Ungeschminkt dank Sperrfrist

Für die Jahreschronik 1959, abgeschlossen am 31. Juli 1961 und wohl kurz danach bei der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich abgeliefert, bedeutet dies: sie ist erst seit 1986 - also dem Todesjahr des Verfassers - einsehbar.

Diese zeitliche Distanz ermöglicht eine kritische Betrachtung des Geschehens im Dorf. Samt entsprechender schriftlicher Würdigung. Denn die Zeitgenossen die sich darüber echauffieren könnten bekommen es kaum mit - die älteren ohnehin nicht und bei den jüngeren Generationen dürften nach einem Vierteljahrhundert andere Themen im Vordergrund stehen.

Weniger Pferde, mehr Italiener

Interessant ist die Skepsis gegenüber dem Wandel der Moderne allemal, die sich in der Einleitung zur Chronik 1959 zeigt:

«Zum achtenmal wage ich mich an die Abfassung einer Jahreschronik. Noch immer aber hält sich in unserm Dorf das Geschehen in verhältnismässig bescheidenem Rahmen, verglichen mit den aufstrebenden Nachbarorten Bülach, Zurzach u.a.m. Wohl spürt man auch bei uns das immer mehr zugunsten des motorisierten Verkehrs und Arbeitens schwindende Ländlichruhige. Das Halten von Zugvieh und Pferden z.B. hat beinahe aufgehört. Die Viehfuhrwerke sind gänzlich aus dem Strassenbild verschwunden und während ich in der 1952iger Chronik noch von 30 Pferden berichten konnte, finde ich heute im Dorfe deren höchstens noch ein Dutzend. Dafür zählte ich 21 Traktoren, 23 Motormäher, ein halbes Dutzend Bindemäher und sogar schon zwei Heugebläse.

Eine andere Erscheinung, die die Struktur unserer einst vorwiegend bäuerlichen Bewohnerschaft zusehends verändert, ist das Auftauchen der auffallend vielen Fremdarbeiter, meist Italiener natürlich, wie überall. Wo irgendwie eine, wenn auch allerprimitivste Wohngelegenheit zu finden war, hocken nun ganze Grüpplein oder auch Familien dieser Südländer drin. Sie arbeiten vor allem im Baugeschäft Griesser, in den benachbarten Fabriken Glattfeldens oder einige wenige als Bauernknechte im Dorf selber. Die kommende Volkszählung von nächstem Jahr wird dann hierüber etwas genauer Auskunft geben können.
»

Dass die Skepsis gegenüber dieser Invasion aus südlichen Gefilden nicht nur bei Zollinger, sondern auch bei vielen anderen Alteingesessenen verbreitet war, darf als sicher angenommen werden.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1959. (Einleitung, S. 1)
[Veröffentlicht am 8. Februar 2009]

Freitag, 2. Januar 2009

Arges Gepflotsch auf den Strassen

Im Gegensatz zur gegenwärtigen Witterung, die doch wieder etwas eher an Winter erinnert als in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends, gab es auch vor 50 Jahren nicht nur beinharte Winter, wie Walter Zollinger in der Chronik 1959 berichtet:

«Der Januar begann mit Temperaturen über 0° und leichten Regenfällen; der 4.1. brachte dann endlich winterliches Wetter, Schneegestöber, 20 cm tief Neuschnee, - 2°C. Aber leider setzte schon ab 6.1. wieder Regen ein, wodurch auf den Strassen ein arges Gepflotsch entstand. Schade! Am Morgen des 10.1. aber leuchtete alles wieder prächtig winterlich, ca. 15 cm tiefer Schnee war gefallen, der an den folgenden Tagen sogar noch Zustupf erhielt, in der Nach vom 14./15. aber durch einen stürmischen Föhneinbruch wieder weggefegt wurde. Solches wiederholte sich während der zweiten Hälfte des Monats noch etlichemal, indem kalttrockenes Wetter immer wieder von hereinbrechendem Sudelwetter abgelöst wurde. Die Temperaturen des Januar hielten sich meist so zwischen -4° und +5°C; einmal am 17.1. war es am Morgen -10°C und ein andermal, am 21.1., dafür am frühen Abend +8°.»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1959. (Witterung, S. 2)

[Veröffentlicht am 9. Februar 2009]

Dienstag, 9. Dezember 2008

Steuerfuss um 3 Prozent höher?

Mit dem Leben von der Substanz soll Schluss sein. Jedenfalls teilweise. Nolens volens. Der Not gehorchend. Aber wohl doch widerwillig und im Wissen darum, dass es die Stimmbürger gar nicht goutieren werden.

Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man in den aktuellen Gemeindemitteilungen liest:

«Der Gemeinderat verabschiedet den Voranschlag 2009 zuhanden der Gemeindeversammlung mit einem Aufwandüberschuss von CHF 62'300.- bei einer Erhöhung des Steuerfusses der politischen Gemeinde von 18 % auf neu 21 %.» (MGW, Dezember 2008, S. 3 unten)

Man staunt fast ein bisschen. Der Gemeinderat hat also endlich den Mut aufgebracht, den Stimmbürgern eine Steuererhöhung vorzuschlagen. Kein grosser Sprung (man will die Leute ja nicht erschrecken), aber es wird längst nicht ausreichen. Denn auch mit einer dreiprozentigen Erhöhung wie vorgeschlagen wird man noch von der Substanz leben und über 60000 Franken aus dem Sparsäuli nehmen.

Immerhin ist damit ist ein erster Schritt getan, um den Finanzhaushalt der Politischen Gemeinde Weiach wieder ins Lot zu bringen.

Man wird an der morgigen Gemeindeversammlung sehen, wie der zaghafte Versuch, das Steuer in die richtige Richtung herumzureissen, ankommt.

Quellen

Sonntag, 2. November 2008

Beyond Kieswerk - ein radioaktives Tiefenlager?

Seit den 1960er-Jahren wird die Gemeinde Weiach mit einem Baustoff identifiziert, der aus dem Boden kommt - dem während einer Eiszeit angeschwemmten Kies. Wird sie bald mit einem Stoff assoziiert, der IN den Boden kommt?

Kein Abbau - kein Kiesgeld

Die Weiacher Kies AG, mittlerweile eine Tochter des französischen Baustoffkonzerns Lafarge [Späterer Besitzerwechsel: WeiachBlog, 5.5.2009], ist das einzige Industrieunternehmen auf Gemeindegebiet.

Die Einnahmen aus dem Kiesabbau waren in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich für die gute Finanzlage der Politischen Gemeinde Weiach verantwortlich. Dort wo der Abbau erfolgte besitzt die Gemeinde nämlich Land, was die Kubikmeterentschädigungen fliessen liess.

Nun sind aber die Kiesvorkommen im Hard bald restlos ausgebeutet. Die Verlegung der Kantonsstrasse nach Süden bis an den waldbestockten Abhang des Leuenchopfs hat zwar neues Abbaugebiet freigemacht. Doch auch das ist schon zum Grossteil bereits wieder rekultiviert - davon kann man sich bei einem Augenschein leicht selber überzeugen.

Im Hasli die letzten Reserven holen

Schon um 2012 könnte im traditionellen Kiesgebiet die letzte Pneulader-Schaufel auf das Förderband gekippt werden. Kies gibt es unter unseren Füssen zwar schon noch, aber die Wasserschutzvorschriften verbieten einen weiteren Abbau - sei es nun in Richtung Kaiserstuhl oder in Richtung Rheinsfelden.

Geplant ist eine Erweiterung der Abbauaktivitäten ins nordwestlich des Dorfes gelegene Hasli - auf eine Geländeterrasse wenige Meter über der Ebene. Aber auch diese Locherei wird wohl nicht viel länger als bis 2020 anhalten.

Gehen uns finanziell die Lichter aus?

Was kommt, wenn das wichtigste Unternehmen der Gemeinde seine Zelte abbricht? Man täte gut daran, sich zu überlegen, was für Weiach die Cash Cow der nächsten Jahrzehnte werden soll. Sonst bleiben nur noch massive Steuererhöhungen um den Gemeindehaushalt nicht definitiv in die roten Zahlen rutschen zu lassen.

Die Zeiten des regelmässigen Kiesgeldes sind längst vorbei. Weil nicht mehr unter Gemeindeland abgebaut wird, lebt die Gemeinde etwa seit zehn Jahren von der Substanz. Nur will das Stimmvolk dies noch nicht so recht zur Kenntnis nehmen, wie man bei jeder Gemeindeversammlung feststellen kann.

Extrapoliert man in die Zukunft, so bleibt schliesslich mangels Finanzen bald nichts mehr anderes übrig, als sich (vom Kanton via Finanzausgleich gezwungen) mit den Nachbarn zu einem grossen Gemeindegebilde fusionieren zu lassen.

Tiefenlager für radioaktive Abfälle?

Neue lukrative Industrieansiedlungen sind nicht in Sicht. Oder doch? Letzten Donnerstag informierte die Atomabfall-Lobbyistin, die Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA), an der Delegiertenversammlung der Planungsgruppe Zürcher Unterland (PZU) in Winkel.

Es geht um das schon seit Jahrzehnten geplante Lager für hochradioaktive Abfälle. Die sind im ZWILAG, dem Zwischenlager bei Würenlingen, parkiert. Und sollten eigentlich schon längst im Nidwaldner Wellenberg oder sonstwo verstaut sein. Nur will sie eben keiner so wirklich.

Auch in Weiach wurde einst gebohrt. Die Resultate dieser Probebohrung haben sich in Dutzenden von wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen niedergeschlagen, was den Namen der Gemeinde in Verbindung mit dem sogenannten Permokarbontrog in der Geologen-Zunft weltbekannt machte.

Heute haben die Experten vor allem eine Schicht im Auge, die sie für ein Endlager für geeignet halten. Den rund 120 Meter mächtigen Opalinuston, der je nach Gegend in einer Tiefe von 400 bis 900 Metern ansteht.

Und um diese Lagerschicht erschliessen zu dürfen, zieht Armin Murer, Leiter Öffentlichkeitsarbeit, gegenüber den Gemeindevertretern eine besondere Trumpfkarte: «Das Endlager bringt 120 bis 140 Arbeitsplätze.» Und Steuereinnahmen für die Standortgemeinde.

Der Widerstand ist noch in guter Erinnerung

Weiach hat mit der NAGRA schon in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre Bekanntschaft gemacht. Damals setzte sie sich mit ihrem Ansinnen durch, eine Probebohrung auf Weiacher Gebiet abzuteufen. Und sie stiess bei vielen Weiachern auf grosse Skepsis. Die meisten waren eher gegen das Projekt eingestellt, weil befürchtet wurde, die Bohrung sei nur der erste Schritt für ein Endlager.

In welche Richtung wollen wir?

Fragt sich, welche Haltung die Weiacher ein Vierteljahrhundert nach den NAGRA-Bohrungen einnehmen werden.

Pro Tiefenlager? Konsequent wäre das, nicht nur weil es Geld bringt. Schliesslich beziehen die Weiacher wie alle anderen Schweizer auch 40 Prozent Atomstrom aus den Steckdosen. Ausserdem hat man hier in Sachen alternative Stromerzeugung oder gar konsequenter Bevorzugung von nachhaltigem Bauen in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich grosse Stricke zerrissen. Solarstromanlagen sind dem Gemeinderat jedenfalls weit weniger wichtig als das - wegen der exzessiven Bauerei längst nicht mehr intakte - Dorfbild.

Oder contra Tiefenlager. Eine Anknüpfung an die Zeiten der WAG (Weiacher Aktionsgemeinschaft), einer damals gegen die Probebohrung kämpfenden, atomkritischen Bürgerinitiative, wäre durchaus denkbar.

Nur eben: dann sollte man nicht nur eine Holzschnitzelheizung in der Mehrzweckhalle mit Fernwärmenetz zu den Anschlusswilligen im Dorfkern fördern - sondern noch weit mehr für eine nachhaltige Energieversorgung tun.

Am 6. November wird's spannend

Falls Weiach als Standortgemeinde vorgesehen ist, erhält der Gemeinderat morgen Montag Post aus Bern. Am Donnerstag, 6. November will der Bundesrat dann die Festlegung von «potenziellen Standortregionen» auch gegenüber einer breiten Öffentlichkeit bekanntmachen. Fest steht nur eines: dem Unterland steht ein «atomar angereicherter» Spätherbst bevor.

Quelle

Montag, 13. Oktober 2008

Rossweide doch nicht ganz verschwunden

Anfang Januar 2007 wurde auf diesem Blog das baldige Verschwinden einer weiteren Grünfläche im Dorfkern gemeldet. Wo an der Chälenstrasse 10 bis dahin Pferde weideten sollte eine Traktorengarage entstehen.

Wer nun allerdings das fast fertige Gebäude passiert, wird feststellen, dass die Pferde trotz Neubau nicht verschwunden sind (vgl. Bild unten).


Die Hafermotoren haben nur weniger Platz. Den mussten sie an ihre dieselbetriebenen Konkurrenten abtreten.

Denn auch wenn man es dem Gebäude nicht unbedingt ansieht: Alte Traktoren findet man darin sehr wohl - und zwei funktionstüchtige Exemplare aus der von Hans Gander aufgebauten Sammlung waren an der diesjährigen Ortsmuseumsaustellung zu bewundern.

Weitere Artikel
[Veröffentlicht am 2. November 2008]