Dienstag, 31. Januar 2006

Drei Pfarrer im Durchlauferhitzer

Online-Lexika sind praktische Gefährten - zumal wenn sie wirklich hochstehende Inhalte bieten. Eine solche Quelle ist das Biographisch-Bibliographische Kirchenlexikon (BBKL) des Bautz-Verlags.

Die Weiacher als «Lehrblätz»

Wenn man in der Suchmaske das Stichwort «Weiach» eingibt, werden einem drei Persönlichkeiten aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts präsentiert: Johannes Brunner, Tobias Egli und Rudolf Hospinian - allesamt evangelisch-reformierte Pfarrer, die in ihrer Laufbahn einmal für kurze Zeit die Pfarrstelle Weiach innehatten.

Da waren sie alle noch sehr jung, meist war es gar ihre erste Stelle und schon nach wenigen Wochen wurden sie auf andere Posten versetzt. Aus einem einfachen Grund: diese Pfarrstelle in der Nordwestecke des Zürcher Herrschaftsgebiets ermöglichte keine eigene Existenz.

Der eigene Pfarrer will erkämpft sein

Einen eigenen Pfarrer hatte Weiach erst seit 1540, nachdem die Dorfbewohner damit gedroht hatten, eher die Messe im benachbarten, gerade erst rekatholisierten fürstbischöflich-konstanzischen Kaiserstuhl zu besuchen, als den viel weiteren Weg über den Hügel bis nach Stadel unter die Füsse zu nehmen.

Es dauerte nochmals ein halbes Jahrhundert, bis die Obrigkeit der Kirchgemeinde Weiach 1591 einen im Ort residenten Pfarrer zugestand. Doch auch diese nun eingerichtete Pfrund verfügte nur über sehr bescheidene Güter. Davon konnte man kaum eine Familie durchbringen - eine grosse mit vielen Kindern erst recht nicht.

Diese Sorgen dürften die drei nachfolgend Porträtierten noch nicht gehabt haben. Dazu waren sie zu kurz der Gemeinde zugeteilt und weder dort wohnhaft noch durch sie bezahlt.

(Bei den untenstehenden kursiven Texte handelt es sich jeweils um die ersten Zeilen des Eintrags im BBKL. Den ganzen Eintrag finden Sie durch Anklicken der Namen.)

Um das Jahr 1558 waren Pfarrer ...

Johannes Brunner (23 Jahre alt)

* um 1535 in Hemberg/ Schweiz † nach 1587, reformierter Theologe und Professor, Konvertit. - Johann Brunner stammt aus der Toggenburger Gemeinde Hemberg. Er war als Stipendiat an der Zürcher Großmünsterschule. Am 8. Oktober 1556 wurde er zusammen mit drei oder vier weiteren Zürchern an der Universität Marburg immatrikuliert. Nach seinem Studienabschluß im Jahre 1558 übernahm er zuerst das Helferamt in der Zürcher Gemeinde Weiach und wurde noch im gleichen Jahr Diakon in Küsnacht. Als er sich im November 1560 Ausfälle gegen die katholischen Orte der Eidgenossenschaft erlaubte, wurde er entfernt. Er wechselte in kurpfälzische Kirchendienste und übernahm eine reformierte Pfarrstelle in Weinheim, wo er im Sommer 1561 tätig gewesen ist. Von dort schreibt er an Bullinger nach Zürich. Anfang Dezember 1561 hielt er sich zusammen [...]»

Tobias Egli (24 Jahre alt)

ref. Pfarrer und Antistes der evangelisch-rätischen Kirche, * 1534 in Zürich + 15. November 1574 in Chur an der Pest. - Tobias Egli stammte aus einer Familie, die ursprünglich den Namen Götz führte und aus dem thurgauischen Ort Neunforn stammte. Er wurde 1534 in Zürich geboren, wo er auch die Schulen besuchte. Sein gesamter Bildungsweg ist bestimmt durch die Begleitung des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger, der sein Mentor wurde. Um 1557 hielt er sich in Marburg auf, wie ein Brief des Professors Andreas Gerhard Hyperius an seinen Kollegen Johann Wolf in Zürich berichtet. Im Jahre 1558 wurde er in Zürich ordiniert und erhielt kurz danach die Pfarrei Weiach. Noch im gleichen Jahr wurde er durch die Vermittlung Bullingers Pfarrer der reformierten Gemeinde Frauenfeld im Thurgau, wo er sehr bald als entschiedener Kämpfer für die reformierte Sache auftrat. Er geriet mit den Katholiken in Streit und wurde 1561 auf der Tagsatzung in Baden als Störer des Landfriedens im Thurgau verklagt. Einer Verhaftung konnte er sich nur durch die Flucht nach Zürich [...]»

(vgl. auch: Rastloser Kämpfer für die reformierte Sache. Tobias Egli, Pfarrer zu Weyach, 1558. Weiacher Geschichte(n) Nr. 16)

10 Jahre später...

Rudolf Hospinian (21 Jahre alt)

[Pseudonym für Rudolf Wirth], * 7.11. 1547 in Altdorf/Kt. Zürich, als Sohn des Pfarrers und Dekans Adrian Wirth, † 11.3. 1626 in Zürich. H. studierte Theologie in Zürich, Marburg und Heidelberg. 1568 wurde er ordiniert. Danach war er in verschiedenen Zürcher Landgemeinden als Pfarrer tätig (1568 Weiach, Hirzel, 1576 Schwamendingen). 1576 wurde H. zum Rektor der Schola Carolina in Zürich ernannt. 1588 erhielt er seine Berufung als Archidiakon und Chorherr am Großmünster in Zürich. 1594 wurde er Pfarrer am Zürcher Fraumünster, wo er 1623 resignierte. H. war Verfasser verschiedener theologischer Schriften, die sich besonders gegen die katholische Sakramentenlehre richteten, aber auch der innerprotestantischen [...]»

Quellen
  • Artikel HOSPINIAN, Rudolf. In: BBKL, Band II (1990) Spalten 1075-1076 (Autor: Friedrich Wilhelm Bautz)
  • Artikel EGLI Tobias. In: BBKL, Band XV (1999) Spalten 510-514 (Autor: Erich Wenneker)
  • Artikel BRUNNER Johannes. In: BBKL, Band XXI (2003) Spalten 155-158 (Autor: Erich Wenneker)

Montag, 30. Januar 2006

Heidi Duttweiler neue Gemeindeschreiberin von Kaiserstuhl und Fisibach

«Local sourcing» könnte man das auf Neudeutsch nennen, was die Aargauer Zeitung heute unter dem Titel «Neue Gemeindeschreiberin gewählt» aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft meldet:

«An einer gemeinsamen Sitzung haben die beiden Gemeinderäte Fisibach und Kaiserstuhl Heidi Duttweiler aus Weiach als neue Gemeindeschreiberin gewählt. Sie wird ihre Tätigkeit am 1. März aufnehmen. Heidi Duttweiler hat eine kaufmännische Lehre bei der Stadtverwaltung Bülach absolviert, arbeitete ab 1997 beim Sozialdienst für Erwachsene des Bezirks Dielsdorf als Rechnungsführerin und erwarb 2001 am Institut für Verwaltungsmanagement in Winterthur den kantonalen Fachausweis «öffentliche Finanzen und Steuern». Es folgte die Ausbildung zur Erlangung des Gemeindeschreiberdiploms, die Heidi Duttweiler mit Erfolg abschloss.»

Auch aus historischer Sicht ist das eine quasi aus alter Nachbarschaft geschöpfte Lösung. Nach dem «Familiennamenbuch der Schweiz» gehören die Duttweiler zu den so genannt altverbürgerten Familien in Weiach (Einbürgerungsjahr vor 1800).

Herzliche Gratulation, Frau Stadtschreiberin! WeiachBlog wünscht viel Freude an der neuen Tätigkeit im vertrauten Umfeld.

Quellen
  • gwf: Neue Gemeindeschreiberin gewählt. In: Aargauer Zeitung, 30. Januar 2006
  • Familiennamenbuch der Schweiz. Dritte, verbesserte und korrigierte Auflage, Zürich 1989

Sonntag, 29. Januar 2006

Flurnamenkarte 1958 quo vadis?

Ein Namenbuch des Kantons Zürich, in dem sämtliche Flur- und Ortsnamen aufgeführt und kommentiert werden, gibt es leider bis heute nicht.

Andere Kantone, wie Thurgau, Uri, Graubünden oder Nidwalden haben ihre Namenbücher bereits; in gedruckter Form und teils erstaunlich umfangreich (Details zum Stand der Arbeiten in den einzelnen Kantonen siehe hier, S. 49)

Es geht vorwärts mit dem Namenbuch

Vorarbeiten zum Zürcher Pendant wurden bereits vor Jahrzehnten getätigt. Und gegenwärtig sind am Staatsarchiv des Kantons Zürich Bestrebungen im Gang, die hoffen lassen, es werde nicht noch weitere Jahrzehnte dauern, bis auch unser Kanton so weit ist und ein Namenbuch die Druckerei verlässt.

Für den Kanton Zürich wird der aktuelle Stand in einem Referat an einer Swisstopo-Tagung mit: «Aktives Projekt EDV im Aufbau» umschrieben. Beteiligt an den aktuellen Efforts sind u.a.: «cand. phil. Anja Neukom-Hermann, Germanistin, Zürich (bis Sommer 2005) und lic. phil. Simone Tönz, Germanistin, Zürich.»

Dass aus den Flurnamenplänen Informationen für eine Datenbank extrahiert werden, kann man auch aufgrund von Koordinatenkreuzen schliessen. Diese wurden mit Bleistift auf den Übersichtsplan der Orts- und Flurnamen der Gemeinde Weiach gezeichnet. Sie bieten die Referenz zu den Kilometerkoordinaten der Landestopographie (heute: Swisstopo) und dienen dadurch der exakten Verortung nach schweizweit verwendetem Verfahren.

Chälen ist nicht Weiach

Der Untergrund der vorliegenden Karte basiert auf topographischen Daten von 1983, die darüber gedruckten Orts- und Flurnamen wurden jedoch bereits Ende der 1950er Jahre gesammelt. Ob die Abschnittsgrenzen schon damals festgelegt wurden ist nicht bekannt.

Der abgebildete Ausschnitt zeigt das Dorfzentrum von Weiach. Man sieht hier deutlich die Trennung des Dorfteils Chälen vom Oberdorf, das man nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens als den historischen Kern der Siedlung namens Weiach bezeichnen darf (vgl. dazu Weiacher Geschichte(n) Nr. 52).

Auf der bis vor wenigen Jahren landwirtschaftlich genutzten Hofwiese im Zentrum zwischen Chälen, Oberdorf und Unterdorf steht zwar schon seit 1836 ein Schulhaus (heute mit dem Zusatz das alte versehen), aber erst seit 1976 das neue Primarschulhaus samt Zivilschutzunterkunft, Mehrzweckhalle und Abwartwohnung.

Den Chriegweg sucht man vergebens

Wer diese Flurnamen mit den heutigen Strassennamen vergleicht, wird feststellen, dass doch einige übernommen wurden. So haben wir heute beispielsweise einen Damaststieg und eine Luppenstrasse. Allerdings keinen Chriegweg. Diese Namensgebung machte den Anwohnern im Sommer 1992 überhaupt keine Freude, weshalb sich der Gemeinderat schliesslich für die unverfänglichere Bezeichnung Birkenweg entschied (vgl. dazu Weiach - Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dezember 2009 - S. 69.)

Quellen
  • Boesch, H.: Kanton Zürich. Sammlung der Orts- und Flurnamen. Aufnahme 1958. (Auf Übersichtsplan 1:5000 Ge­meinde Weiach. Meliorations- und Vermessungsamt des Kantons Zürich. Nach­geführt bis 1983.) [Signatur: StAZH O 471 c Weiach]
  • Im Hochmittelalter gab es zwei Wiach. Was die Chälen vom Dorf trennte (Sied­lungsgeschichte 2). Weiacher Geschichte(n) 52. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2004 – S. 14-16.
  • Weiach - Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Vierte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach», Dezember 2009 - S. 69.
  • Nyffenegger, E.: Datenbank der Schweizer Namenbücher. Vortrag an der Swisstopo Nomenklaturtagung, 28. Juni 2005 - S. 47ff.

Samstag, 28. Januar 2006

Das Isenbüeli, der Ofen und das Bohnenviertel

Dass WeiachBlog trotz eher lokalen Inhalten rege besucht wird, sehe ich seit einigen Wochen auf Sitemeter.com: 370 Besuche in einem einzigen Monat. Und dass einige Beiträge auch tatsächlich gelesen und die eingebaute Feedbackmöglichkeit genutzt wird, sieht man an zwei Kommentaren von Carolina Schegg und Julius Lauber.

Dem letzteren verdanken wir auch das heutige Thema: Isenbühli und Ofen. Zwei Flur- bzw. Ortsnamen auf dem Gemeindegebiet von Weiach.

Römer auf dem Isenbüeli?

Das «Isenbühli» ist ein waldbestockter Hügel südlich des Maastälchens. Er war schon verschie­dentlich Objekt historischer Spekulationen. So 1984, als die Kantonsarchäologie dort Grabungen durchführte. Dazu erklärt der 11. Bericht der Zürcher Denkmalpflege:

«ISENBÜEL

Koord. 674760/266800 435 m ü. M.

Vermutete römische Baureste oder vermuteter Burghügel

Aufgrund anderer Fundstellen der Römerzeit in der Nähe von Flurbezeichnungen wie Isen­berg, Isehag, Isen­büel usw. wurde im Dezember 1984 eine Sondierung organisiert, um mittels Sondiergräben allfällige Schichten oder Funde sicherzustellen.

Die Untersuchung ergab lediglich geologische Befunde. Der Hügel besteht aus rötlichem Sand und ist mit Walderde überdeckt. Laut Auskunft des Geologen, Dr. A. Güller, Otelfingen, bestehen die weiteren «Isen ...»‑Lokalitäten zumeist aus ähnlichen roten, eisenhaltigen Erden, woraus vermutlich die Bezeichnung des Flurnamens abgeleitet wurde.
»

Hier gibt es also tatsächlich Eisen im Boden. Wie viel und ob es einmal in abbauwürdigen Quantitäten vorhanden war, ist allerdings unklar.

Benachbartes Bohnviertel

Bekannt ist hingegen, dass die Landschaft um Hohentengen, gleich nördlich des Rheins, auch heute noch manchmal als «Bohnenviertel» bezeichnet wird.

«Bei diesen Bohnen handelt es sich um erbsen- bis nussgrosse, bohnenförmige Körner aus dem Mineral Limonit (Brauneisenerz), einer Mischung aus hydrierten Eisenoxiden. Die in Kalktaschen im Jurafels lagernden Verwitterungsrückstände wur­den über Jahrhunderte im Tage­bau ausgebeutet. Ein früher Hinweis auf diesen Bergbau im Südranden stammt von 1586. Ab 1588 bis anfangs des 17. Jahrhunderts war in Jestetten ein Hochofen in Betrieb, 1622 bis 1762 einer in Eberfingen (bei Stühlingen). Von 1694 bis 1771 verhüttete ein Hoch­ofen auf der Neu­hauser Seite des Rheinfalls Bohnerz. Nach kurzem Stillstand betrieb Jo­hann Conrad Fi­scher, Gründer der heutigen +GF+ von 1810 bis 1850 den systematischen Abbau und verar­beitete jährlich 2000 Tonnen Erz, was 500 bis 600 Tonnen Roheisen ergab. Diese Hochöfen verschlangen Unmengen an Holzkohle, was sich auch in einer massi­ven Übernutzung der Wälder niederschlagen konnte, so um 1767 im Rafzerfeld.» (aus: Weiacher Geschichte(n) Nr. 57)

Wenn es im Isenbüeli je zur Ausbeutung gekommen sein sollte, dann müssten dort eigentlich auch kleine Gruben vorhanden sein, so wie stellenweise im Südranden. (vgl. Neues Bülacher Tagblatt, 17. Juli 2004)

Ausserdem muss man annehmen, dass im 19. Jahrhundert kein Erz mehr gewonnen wurde. Da gab es nämlich vor etwas mehr als 125 Jahren einen «Beschluß des Regierungsrathes betreffend Abschlagen des Eisenbühli». Zweck dieser Massnahme der Zürcher Regierung: die Finanzierung der im Jahre 1877 fertiggestellten Haus- und Löschwasserversorgung Weiach (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 32). Und damit sich ein solcher Holzschlag lohnt, muss die Waldbestockung schon gegen 100 Jahre alt gewesen sein.

War der «Ofen» ein Hochofen?

Und der «Ofen»? Was heute und seit der frühen Neuzeit eine landwirtschaftliche Hofgruppe ist, könnte früher auch der Standort eines (kleinen) Hochofens gewesen sein, in dem Bohnerz verhüttet wurde.

Denn der heutige Hohentengener Ortsteil Herdern, direkt am Rheinufer gegenüber des Areals der Weiacher Kies AG und damit nahe beim «Ofen» gelegen, «spielte zur Zeit des Bohnerzabbaus eine große Rolle», wie Herbert Fuchs schreibt (vgl. Website Gemeinde Hohentengen) .

Wenn der Weiacher «Ofen» ein Hochofen war, dann sollten in der Umgebung eigentlich noch jahrhundertealte Schlackenreste zu finden sein.

Aber es ist natürlich auch möglich, dass die Etymologie des Namens «Ofen» eine ganz andere ist.

Quellen
  • Zürcher Denkmalpflege (Hrsg.): Weiach. Isenbüel. Vermutete römische Baureste oder vermuteter Burghügel. In: 11. Bericht 1983-1986 – S. 196.
  • Fuchs, H. sen.: Hohentengen und die Dörfer des Bohnenviertels : Lienheim, Herdern, Stetten, Günzgen und Bergöschingen: Geschichte und Geschichten, unter Berücksichtigung der historischen Verbin­dungen zu Kaiserstuhl/Schweiz. Horb am Neckar, 1992.
  • «Mangel an genügendem Brunnenwasser verspürt». 125 Jahre Haus- und Löschwasserversorgung Weiach (1877–2002) Teil 3. Weiacher Geschichte(n) 32. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2002 – S. 9-15.
  • Das Bohnerz brachte einst Verdienst. Im schweizerisch-deutschen Grenzgebiet liegen noch Grubenfelder. In: Neues Bülacher Tagblatt, 17. Juli 2004
  • Telefongespräch mit Julius Lauber am 24. Januar 2006

Freitag, 27. Januar 2006

Oberstufe Stadel mit hübscher neuer Website

Es gab auch schon Zeiten, da war der Link http://www.oberstufe-stadel.ch/ mehr oder weniger tot.

Tempi passati! Seit wann die Oberstufenschule Stadel ihre neue Website aufgeschaltet hat, weiss ich nicht. Ist aber auch nicht wichtig. Dafür war die Überraschung gestern abend umso positiver.

Wenn man einmal herausgefunden hat, wie man von der Startseite auf die eigentlichen Angebote gelangt (unten links auf die Dreiecke oder den Lauftext klicken), dann macht der neue Auftritt einen wirklich ansprechenden Eindruck.

Die horizontal angeordneten Rubriken Porträt, Klassen, Aktuell, Agenda und Kontakte führen auf Einstiegsseiten mit links angeordneten Menus für die weiteren Inhalte.

Man findet viele nützliche und interessante Informationen - mit schönen, illustrativen Fotos aufgelockert.

Ein Besuch lohnt sich. Nicht nur für die Schüler und ihre Angehörigen. Da sieht man mindestens, wo und wie die Steuergelder investiert werden...

Und selbst wenn einen all das überhaupt nicht interessiert sind die Wappen mit Füessli der vier Kreisgemeinden Stadel, Neerach, Bachs und Weiach ein lustiger Gag. Ihre Kapriolen vollführen sie aber nicht hier, sondern exklusiv auf: http://www.oberstufe-stadel.ch/

Donnerstag, 26. Januar 2006

Gesprächiges Kulturgut - dank Mobiltelefon

Zu einer Informationstafel an der Kirche Weiach wird es wohl auch anlässlich des 300-jährigen Bestehens des denkmalgeschützten Ensembles aus schiessschartenbewehrter Friedhofmauer, Pfarrscheune und Kirche nicht reichen. Schade.

Ich verstehe das schon. Solche Tafeln sind schliesslich teuer in der Anschaffung und von begrenztem Informationswert. Sie haben zwar immerhin einen Vorteil: Die Besucher müssen nichts mitbringen ausser ihren Augen.

Bücher sind schwer und veralten schnell

Aber sonst? Man will ja nicht halbe Bibliotheken mit sich herumtragen. Einen Kunstführer vielleicht, ja. Da stehen allerdings über die Kirche Weiach in aller Regel auch nur ein paar magere Zeilen drin.

Derweil bleibt die (kunst-)historische Forschung nicht stehen. Und das lässt gedruckte Bücher noch weiter ins Abseits geraten. Korrekturen und neue Erkenntnisse können in herkömmlichen Büchern nämlich nur bei einem Exemplar aufs Mal aufgenommen werden - meist per Handnotiz. Die anderen Exemplare derselben Auflage erfahren nichts davon.

Dabei wäre es doch eigentlich ganz praktisch, wenn die jeweils aktuellsten Informationen ohne grossen Aufwand zur Verfügung stünden.

Physische und virtuelle Welt verknüpfen

Was also, wenn man die Allgegenwart von Mobiltelefonen nutzt und sie als Vermittler einspannt? Die modernen Telefone sind klein, brauchen wenig Strom, verdrängen immer häufiger auch veritable Kameras vom Markt - kurz: sie sind schon heute für viele Zeitgenossen zu unverzichtbaren, praktischen Begleitern und multifunktionalen Helfern avanciert.

Eine Initiative namens Semapedia zeigt, wie Mobiltelefone, PDA's und dergleichen schon heute zu Informationsbrokern werden könnten. Und zwar mittels eines 2D-Barcode-Klebers. Der oben abgebildete codiert für die Wikipedia-Seite über die Gemeinde Weiach.

Obiges Muster klebt vielleicht dereinst am Infopunkt unserer reformierten Kirche. Dort kann man den Barcode mit der Handykamera aufnehmen. Die eingebaute Software erkennt das Muster automatisch, startet eine Abfrage im Internet und erhält die gewünschten Informationen übermittelt. Und schon kann der interessierte Besucher lesen, was es mit dem vor ihm stehenden Bauwerk auf sich hat.

Fotografieren vor Ort, statt am PC auf Links klicken. Das ist nur eine Anwendung des so genannten Ubiquitous Computing. Es sind unzählige weitere denkbar.

Und die Folgen von ubiquitous computing?

Das Problem dabei: die allgegenwärtigen Helfer verschlingen in der Summe Unmengen von Rohstoffen, auch wenn das einzelne Gerät für sich gesehen kaum ins Gewicht fällt.

Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir wirklich weiterhin den Planeten umgraben und weiträumig durch Erzabbau zerstören wollen, nur um ein paar Jahre lang (fast) überall erreichbar und online sein zu können. Das ist es doch eigentlich nicht wert.

Wie sagte Bestsellerautor Stephen King? Mobiltelefone seien die Sklavenketten des 21. Jahrhunderts? Vielleicht ein weiterer Grund für eine simple, altmodische Informationstafel.

Mittwoch, 25. Januar 2006

Weiach im Staatskalender 2005/2006

Ein Staatskalender ist kein Kalender. Was ist er dann? Ein Verzeichnis voller Namen, Namen und nochmals Namen. In neuerer Zeit ergänzt durch Adressen und Telefonnummern.

Praktisch jeder deutschsprachige Kanton verfügt über einen, auch der Bund gibt regelmässig einen heraus, der Eidgenössischer Staatskalender genannt wird. Sämtliche Amtsträger, die eins dieser Staatswesens zu Beginn einer Zweijahresperiode hat, werden da aufgeführt. Dazu ein paar statistische Eckdaten.

Und ab und zu ist sogar ein "richtiger" Kalender mit Monaten und Tagen dabei.

Zwei Jahrhunderte Tradition

Was den Kanton Zürich anbelangt, gibt es den Staatskalender schon lange - seit mehr als 200 Jahren. Allerdings nicht immer unter der gleichen Bezeichnung:
  • Erneuerter Regierungs-Etat des Eydsgenössischen Standes Zürich auf das Jahr … 1804- [nachgewiesen] 1813. Orell Füssli. Zürich, 1804-1813.
  • Regierungs-Etat des Eydsgenössischen Standes Zürich auf das Jahr ... [nachgewiesen] 1817-1836. Orell Füssli. Zürich, 1817-1836.
  • Regierungs-Etat des Kantons Zürich. 1837-1975/76. Orell Füssli. Zürich, 1837-1975.
  • Amtlicher Staatskalender des Kantons Zürich. 1977/78-1983/84. Staatskanzlei . Zürich, 1977-1983.
  • Staatskalender des Kantons Zürich. 1984/85- . Staatskanzlei. Zürich, 1984-

Die längste Zeit war das Verzeichnis als Regierungs-Etat bekannt (Militärdienst Leistende kennen den Begriff: beim Fassen und bei der Rückgabe im Zeughaus muss jeweils alles genauestens nach Etat kontrolliert werden).

Wenn man also den Namen des Weiacher Gemeindepräsidenten von - sagen wir - 1919 ausfindig machen will, dann ist der entsprechende Jahrgang des Regierungs-Etats zu konsultieren. Präsident war damals übrigens Eduard Grießer.

Neun Einträge in der neuesten Ausgabe

Im Staatskalender des Kantons Zürich 2005/2006 findet man den Namen des aktuellen Gemeindepräsidenten natürlich auch. Darüber hinaus aber auch noch acht weitere Einträge:

Fangen wir beim Kantonsrat an. Auf S. 19 der Online-Ausgabe sind die 10 Vertreter/Vertreterinnen des 18. Wahlkreises Dielsdorf aufgeführt. Zu diesem Wahlkreis gehören die Gemeinden des Bezirks Dielsdorf: Bachs, Boppelsen, Buchs, Dällikon, Dänikon, Dielsdorf, Hüttikon, Neerach, Niederglatt, Niederhasli, Niederweningen, Oberglatt, Oberweningen, Otelfingen, Regensberg, Regensdorf, Rümlang, Schleinikon, Schöfflisdorf, Stadel, Steinmaur und Weiach. Aus Weiach sitzt schon seit Jahren niemand mehr im Kantonsrat.

Der nächste Eintrag betrifft die Rekurskommission der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich. Die Mitglieder dieses Gremiums sind zumeist Architekten. So auch Trachsel Gregor, Dipl. Architekt HTL, Weiach, dem wir weiter unten noch einmal begegnen.

Dann springen wir auf die Seite 139 und tauchen in waldwirtschaftliche Belange ein. Und zwar beim Forstkreis 7 , dessen Büros mitten in der Stadt, an der Zweierstrasse 129, 8003 Zürich, angesiedelt ist. Dazu gehört ein sehr grosses Gebiet, das den Westen des Bezirks Dielsdorf und den Bezirk Dietikon abdeckt: Im einzelnen sind das die Gemeinden Aesch, Bachs, Birmensdorf, Boppelsen, Buchs, Dällikon, Dänikon, Dielsdorf, Dietikon, Geroldswil, Hüttikon, Neerach, Niederhasli, Niederweningen, Oberengstringen, Oberweningen, Oetwil a. d. Limmat, Otelfingen, Regensberg, Regensdorf, Schleinikon, Schlieren, Schöfflisdorf, Stadel, Steinmaur, Uitikon, Unterengstringen, Urdorf, Weiach und Weiningen. Kreisforstmeister ist Müller Raphael, ein Dipl. Forst-Ing. ETH.

Zurück ins Unterland, wo wir dem früheren Neuamt begegnen. Das Notariat Niederglatt hat grad kürzlich gezügelt. Es befindet sich immer noch an derselben Strasse; nur einige Häuser in Richtung Weiach verschoben. Zum Einzugsgebiet gehören die Gemeinden Stadel, Weiach, Neerach, Niederglatt, Niederhasli, Oberglatt und Rümlang (S. 303 der Online-Ausgabe) .

Auf S. 450 schliesslich findet man den Kernbestand, der auch in den Regierungs-Etats früherer Jahrzehnte enthalten war: die eigentlichen Gemeindebehörden von Weiach:

Da erfährt man, dass der Gemeinderat 5 Mitglieder zählt. Präsident ist Gregor Trachsel (zusätzlich zuständig für Finanzen, Jugend/Freizeit/Sport, Kulturelles und Vormundschaftswesen), die weiteren Mitglieder sind: Ernst Eberle (Gemeindewerke, Kanalisation/Kläranlage, Strassenwesen, Tiefbau und Wasserversorgung) ; Max Griesser (Feuerwehrwesen, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Polizeiwesen, Wehrwesen, Zivilschutz); Kurt Leutwiler (Hochbau, Liegenschaften, Planung) und Boris Macullo (Altersfürsorge, Jugendfürsorge, Gesundheitswesen, Sozialdienst).

Die Verwaltung führt Gemeindeschreiber Peter Wunderli, der bis 1. Januar auch noch Sektionschef war. Gemeindeammannamt und Friedensrichteramt werden von zwei Auswärtigen besorgt. Rudolf Bernhard in Bachs ist der Betreibungsbeamte. Hansjörg Lienhard in Stadel der Friedensrichter.

Das Zivilstandsamt Weiach wurde aufgrund eidgenössischen Diktats per 1. März 2003 aufgehoben und in Bülach zentralisiert. Zum Zivilstandskreis Bülach gehören seither die Stadt Bülach selber, Bachenbülach, Eglisau, Embrach, Freienstein-Teufen, Glattfelden, Hochfelden, Höri, Hüntwangen, Lufingen, Oberembrach, Rafz, Rorbas, Wasterkingen, Wil, Winkel, Stadel und Weiach (S. 462) .

Dann folgen kirchliche Zugehörigkeiten. Die evangelisch-reformierte Landeskirche zählt zum 13. Pfarrkapitel Dielsdorf. Pfarrer in Weiach ist seit 2002 Markus Saxer, geboren 1971 (S. 486).

Die Weiacher Katholiken gehören zur römisch-katholischen Kirchgemeinde Glattfelden-Eglisau. Sie umfasst das Gebiet der politischen Gemeinden Eglisau, Glattfelden, Hüntwangen, Rafz, Stadel, Wasterkingen, Weiach und Wil (S. 491) .

Auf Seite 509 folgen schliesslich noch ein paar Zahlen zur Fläche, der Wohnbevölkerung und den Steuern:


Immer diese Fussnoten. Klein, aber unverzichtbar. Hier die Auflösung; damit Sie nicht selber im Original suchen müssen:

1 Gemäss Arealstatistik 1992/1997: in den Gemeindedaten sind die Flächen der kantonalen Gewässer (Zürichsee: 5970 ha, ohne Anteil Stadt Zürich; Greifensee: 816 ha) nicht enthalten, Kantonsfläche einschliesslich der kantonalen Gewässer.
2 Zahlen der kantonalen Bevölkerungsstatistik; alle Ergebnisse nach zivilrechtlichem Wohnsitzbegriff.
3 Gewogenes Mittel unter Berücksichtigung aller vorkommenden Gesamtsteuerbelastungen.
4 Nettosteuerertrag zu 100 Prozent absolut und pro Einwohner/in per 31.12.2003.

Dienstag, 24. Januar 2006

NEBIS revisited

NEBIS, das Netzwerk von Bibliotheken und Informationsstellen in der Schweiz, ist ein Zusammenschluss von mehr als 80 Bibliotheken von Hochschulen, Fachhochschulen und Forschungsanstalten aus allen Sprachregionen. NEBIS ist Mitglied im Informationsverbund Deutschschweiz IDS, zu dem wiederum andere Verbundsysteme, wie die von Basel/Bern, St. Gallen oder Luzern gehören. Nicht aber die Schweizer Landesbibliothek. Typisch schweizerischer Föderalismus auf Kosten der Kompatibilität und des Datenaustauschs.

Der NEBIS-Katalog verzeichnet nach Angaben auf der Startseite «insgesamt ca. 3 Mio. Titel: Bücher, Serien, Zeitschriften und Non-Book-Materialien.» Da solche Bibliothekskataloge in der Regel von Internet-Suchmaschinen nicht abgefragt werden (können), muss man das selbst erledigen. Für das Stichwort «Weiach» gibt es mit Erscheinungsjahr 2005 genau eine Fundstelle:


Einen einsamen Artikel der Journalistin Sandra Zrinski vom «Zürcher Unterländer»: Jäten für Frosch und Molch. Wie der wohl dahin kommt? Und warum gerade dieser Artikel und nicht auch andere? Das ist nämlich beleibe nicht Zrinskis einziger Beitrag im 2005. Und nicht der einzige über ein Weiacher Thema im letzten Jahr.

Da bleibt einem nur noch eins: Staunen und Verwunderung über die Erfassungskriterien der Zentralbibliothek Zürich.

Quelle

  • Zrinski, S.: Jäten für Frosch und Molch. Weiach / Das renaturierte Gebiet Steinlochäcker/Leberen bedarf der regelmässigen Pflege. In: Der Zürcher Unterländer; 13. September 2005, S. 9 Signatur: ZB (Zürich) UZ 51 [P05 Best.mit rosa Zettel]

Montag, 23. Januar 2006

Siegfriedkarte, nach 1876

Seit Mitte Mai 2003 gibt es den Wikipedia-Artikel über die Gemeinde Weiach bereits. Nach 285 Versionen scheint er mittlerweile eine ziemlich stabile Form bekommen zu haben; seit bald drei Monaten sind fast keine Veränderungen mehr zu verzeichnen.

Den ersten Beitrag des Jahres 2006 zum Artikel Weiach brachte Benutzer:Voyager, ein sehr aktiver Wikipedianer und Aargau-Spezialist. Er baute einen Ausschnitt aus dem so genannten Siegfriedatlas in den Artikel ein.

Auf diesem leider etwas unscharfen Bild sieht man deutlich das geschwungene Band der Eisenbahn. Diese Linie der Nordostbahn (Koblenz-Winterthur) wurde erst im Sommer 1876 eröffnet. Älter als ca. 1873/74 kann die Aufnahme der Kartendaten also nicht sein - zumindest was die Trasse der Bahn betrifft.

Auch sonst sind viele Details zu erkennen, so z.B. die Aussenhöfe. Es gab damals gleich zwei Höhberg-Höfe. Der heutige Höbrig führt auf der Siegfriedkarte noch den Zusatz "beim Stocki", der andere Höhberg lag an der heutigen Bergstrasse. Und zwar dort, wo ein kurzes Stück eben verläuft (beim Haus Buckley).

Ebenfalls deutlich sichtbar: das Sumpfgebiet beim Bedmen, nördlich des Dorfkerns. Und ganz besonders beeindruckend: die extrem grossen Rebhänge, welche fast den gesamten südwestexponierten Hang unter der Fasnachtflue und dem Stein bedeckten.

Man könnte zu dieser Karte noch viel mehr schreiben. Gerade in diesem Fall sagt jedoch das Bild mehr als zu viele Worte. Klicken Sie es an und betrachten Sie es selber - in Grossaufnahme.

Was fällt Ihnen auf?

Quelle

Sonntag, 22. Januar 2006

500 Jahre frömbd usslendisch reisen

Der letzte Rest des über Jahrhunderte erfolgreichsten Schweizer Exportartikels feiert heute offiziell den 500. Geburtstag: die Guardia Svizzera Pontificia oder zu deutsch die Päpstliche Schweizergarde.

Die letzte legale Schweizer Söldnertruppe

Laut offizieller Verlautbarung ging die Gründung folgendermassen vor sich:
«Mit der Bulle vom 21. Juni 1505 teilte Papst Julius II. den Schweizer Staaten der Confoederatis Superioris Alemanniae mit, dass er den Kanoniker Peter von Hertenstein beauftragt habe, eine Kompanie Schweizer Soldaten unter ihrem Hauptmann Kaspar von Silenen pro custodia palatii nostri (zum Schutze unserer Paläste) nach Rom zu führen. Nachdem sie die Alpen überquert und die Lombardei und die Toskana durchschritten hatten, trafen von Silenen und die 150 Söldner am Nachmittag des 22. Januar 1506 an der Porta del Popolo in Rom ein. Bei St. Peter vom Papst gesegnet traten sie an jenem selben Tag ihren Dienst im Apostolischen Palast an. Dies war die Geburtsstunde der Päpstlichen Schweizergarde.» (nach: “La Guardia Svizzera Pontificia, nel Corso dei Secoli” von Wachtmeister Christian Richard, zitiert nach der Medienmitteilung vom 22. Januar 2006)

Artikel 94 des Schweizerischen Militärstrafgesetzbuchs verbietet seit 1927 fremde Kriegsdienste unter dem Titel "Schwächung der Wehrkraft". Das Gesetz erlaubt fremden Militärdienst nur noch im nationalen Interesse (z.B. für die Ausbildung bei fremden Armeen), sowie aus traditionellen oder anderen mit dem Neutralitätsgedanken vereinbaren Gründen.
Der Tradition trug die offizielle Schweiz 1929 mit der Ausnahme für die Päpstliche Schweizergarde Rechnung. Der Bundesrat entschied, die Garde habe nicht in erster Linie einen Staat zu verteidigen, sondern eine Person zu schützen, die als Oberhaupt der Römisch-katholischen Kirche über den politischen Grenzen stehe. (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 29)

Nach welcher Zeitrechnung?

Es ist mir leider nicht bekannt, nach welcher Zeitrechnung dieses Jubiläums-Datum festgestellt wird. Der 22. Januar 1506 nach Julianischem Kalender würde sich nämlich erst in etwa 13 Tagen zum fünfhundertsten Mal jähren. Und damals galt dieser Kalender noch, die Historiker sprechen heute von stilus vetus. Erst 1582 liess Papst Gregor XIII. die Zeitrechnung auf den später nach ihm benannten Gregorianischen Kalender umstellen (stilus novus). Zwei Jahre später folgten die meisten katholischen Orte der Eidgenossenschaft, erst nach 1700 die protestantischen.

Exportartikel Nr. 1: Söldner

Anfangs des 16. Jahrhunderts waren die Eidgenossen eine militärische Grossmacht. Fast alle Fürsten Europas bemühten sich, Schweizer Söldner unter Vertrag zu nehmen, denn die Eidgenossen hatten ihre Kampfkraft im 15. Jahrhundert mehrmals unter Beweis gestellt. Der französische Dauphin erhielt 1444 bei St. Jakob an der Birs einen ersten Vorgeschmack als sie zwar bis zum letzten Mann aufgerieben wurden, jedoch sein stolzes Heer dezimierten. Endgültig zu europäischem Ruhm gelangten die wilden Schweizer durch die spektakulären Siege gegen Karl den Kühnen.

In den ersten Jahren auch Zürcher dabei

Was das alles mit Weiach zu tun hat? Es stimmt, dass Zürich jahrhundertelang eine Hochburg des Protestantismus war. Nach 1525 haben Zürcher Untertanen nur noch ohne Bewilligung ihrer Obrigkeit in den Diensten des Papstes gestanden.

In den ersten Jahren der Garde aber werden etliche Zürcher Unterländer nach Rom gezogen sein. Wie einer vierseitigen Geschichte der Garde auf der Jubiläums-Website (http://www.500jahreschweizergarde.ch/) zu entnehmen ist, «unterbreitete der Luzerner Prälat Peter von Hertenstein der Eidgenössischen Tagsatzung das päpstliche Gesuch vom 21. Juni 1505 um eine Garde von 200 Fussknechten. Die Anwerbung begann Ende Oktober 1505 vor allem in den Hoheitsgebieten Luzerns und Zürichs».

Einige dieser Gardisten haben wohl auch für den Papst das Leben gelassen: «Die Blutprobe folgte auf tragische Weise bei der Plünderung Roms vom 6. Mai 1527 (Sacco di Roma). Es fielen 147 Schweizer bei der Verteidigung von Papst Klemens VII, darunter zahlreiche Söhne der bereits «reformierten» Zwinglistadt Zürich».

Den Bloggerkollegen Christa und Peter Pan danke ich für's Zuspiel. In ihren Artikeln 500. Jahrestag bzw. Vatikan - 500 Jahre Schweizer Garde finden sich Bilder, Details und Links zur heutigen Feierstunde.

Wer sich in die Geschichte der Fremden Kriegsdienste aus Zürcher Unterländer Sicht vertiefen möchte oder mehr darüber erfahren will, wie es zum Verbot fremder Dienste kam, dem seien die beiden anschliessend zitierten Artikel aus der Reihe Weiacher Geschichte(n) zur Lektüre empfohlen.

Quellen