Freitag, 31. August 2007

Mit zwei Damen besetzter VW auf dem Dach

Unter dem Titel Verkehrswesen / Unfaelle notierte Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1957:

«Dass der motorisierte Strassenverkehr auch "auf dem Lande" ständig zunimmt, beweisen die ebenfalls von Jahr zu Jahr zahlreicher werdenden Verkehrsunfälle; zum Glück liefen alle noch verhältnismässig glimpflich ab:

26. Mai, 17.15 Uhr
Zusammenstoss zwischen Mopedfahrer und Personenwagen auf der Kaiserstuhlerstrasse. Mopedfahrer angetrunken, wurde leicht verletzt, Sachschaden ca. Fr, 1500.-.
»

WeiachBlog hat diesen Unfall bereits in einem früheren Artikel aufgegriffen.

Ansonsten ereignete sich in der ersten Jahreshälfte kein Verkehrsunfall mehr. Dafür aber in der zweiten gleich mehrere. Am 22. August waren die Folgen schwerwiegender als Ende Mai:

«Ein von zwei Damen besetzter und auf der Glattfelderstrasse mit grosser Geschwindigkeit fahrender VW geriet bei einer Kurve über die Strassenböschung und überschlug sich. Beide Insassen mussten mit erheblichen Verletzungen ins Kreisspital Bülach verbracht werden», schrieb Zollinger.

Ebenfalls in der Jahreschronik findet man einen vom Chronisten eingeklebten Zeitungsausschnitt (leider unbekannt aus welcher Zeitung, da ohne Quellenangabe):

«Verkehrsunfall in Weiach. Am Donnerstag, den 22. August, 09.30 Uhr, fuhr ein VW, der von zwei Damen besetzt war, von Weiach gegen Glattfelden. Bei einer Linkskurve geriet das schnellfahrende Fahrzeug an den rechten Strassenrand, worauf die Lenkerin nach links und hernach wieder nach rechts steuerte und dann die Herrschaft über ihr Fahrzeug verlor. Der VW fuhr über die rechte Strassenböschung hinunter, wo er nach einem «Salto» wieder auf die Räder zu stehen kam. Die Fahrzeuglenkerin wurde aus dem Wagen geschleudert. Die Lenkerin sowie die Mitfahrerin erlitten erhebliche Verletzungen und wurden ins Bezirksspital Bülach überführt. Das Fahrzeug ist stark beschädigt worden.»

Aufgrund der Schilderung muss man vermuten, dass es sich um die berüchtigte Kurvenkombination östlich des Ofen und kurz vor der Gemeindegrenze handelt. Diese Linkskurve nach einer langgezogenen geraden Strecke hat auch in den Jahrzehnten danach noch manch rasanten Autofahrer auf dem falschen Fuss erwischt. Seit der Verlegung der Kantonsstrasse an den Südrand der Ebene und der Trassenführung südlich des Ofen ist diese Kurve etwas entschärft.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 16 u. 17. (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)
[Veröffentlicht am 24. November 2007]

Donnerstag, 30. August 2007

Schützenhaus auf Gemeindekosten instandgestellt

Dass das Schützenhaus de facto eine Gemeindeliegenschaft ist, mag manchen erstaunen. Dem war aber schon vor 50 Jahren so und ist auch heute noch so.

Was das Jahr 1957 betrifft, so findet man einen Eintrag im Protokoll des Gemeinderates zu diesem Thema für die Sitzung vom 30. August:

«Instandstellung des Schützenhauses:
171 Mit Datum vom 28. August 1957 unterbreitet Gottlieb Griesser, Baumeister, Weiach, dem Gemeinderat einen Kostenvoranschlag über die Erd- und Maurerarbeiten am Schützenhaus. Die Kosten für die Instandstellung belaufen sich auf Fr. 2124.85.

BESCHLUSS: Gottlieb Griesser, Baumeister, Weiach, wird beauftragt, das Schützenhaus in Stand zu stellen. Der hiefür nötige Kredit von Fr. 2124.85 wird bewilligt.
»

Von einer Diskussion im Gemeinderat oder gar einer vorgängig erfolgten öffentlichen Ausschreibung dieses Bauvorhabens ist nicht die Rede.

Quelle
  • Gemeinde Weiach: Geschäft Nr. 171/1957 vom 30. August 1957; Gemeinderatsprotokoll 1957 - S. 75. [Archiv der politischen Gemeinde]

[Veröffentlicht am 24. November 2007]

Mittwoch, 29. August 2007

50 Jahre Lagerhaus Landwirtschaftl. Genossenschaft Weiach

Das Gebäude, in dem sich heute der Laden der Landi Weiach-Siglistorf befindet, feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen.

Walter Zollinger schreibt darüber: «Die Landwirtschaftliche Genossenschaft Weiach hat [..] den an der Generalversammlung vom 29. Aug. 56 beschlossenen und in der letzten Chronik bereits angekündigten Bau eines Lagerhauses mit Geleiseanschluss durchführen können. Das neue grosse Gebäude steht an der Kaiserstuhlerstrasse, nahe bei der Abzweigung des Weges zum Rheinhof hinab. Was es besonders sehenswert macht, sind die von Kunstmaler Eugen Fauquex Weiach geschaffenen Giebelseiten mit Darstellungen eines säenden Bauern auf der Ostseite und eines Obst pflückenden Bauern auf der Westseite des Gebäudes.»

Fotos von Walter Zollinger ins Typoskript eingeklebt [Zum Vergrössern anklicken].

Heute sind die Wandmalereien etwas verblichen, vor allem der obstpflückende Bauer auf der Westseite hat unter der Einwirkung von Wind und Regen gelitten. Der säende Bauer auf der Ostseite ist nur noch eingeschränkt sichtbar, da vor einigen Jahren ein Gipsereiunternehmen seine Halle zwischen das ehemalige Polizistenhäuschen und das Landi-Haus gebaut hat.

Der Bahnübergang und direkteste Zugang zum ehemaligen Rheinhof ist heute aufgehoben, die Zufahrt erfolgt von Osten her aus dem Raum Bedmen, wo die Bahnlinie in einer Unterführung gequert wird.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 16. (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 25. November 2007]

Montag, 27. August 2007

Urkundenbücher und Quellensammlungen

Manchmal werde ich gefragt, wo ich denn all die Details für die Weiacher Geschichte(n) her hätte. Die Antwort: Aus ganz unterschiedlichen Quellen. Mündlichen wie schriftlichen.

Letztere sind in gut sortierten zürcherischen Bibliotheken jedermann zugänglich. Deshalb poste ich hier einmal eine Liste sämtlicher Urkundenbücher, die Einträge zu Weiach enthalten.

Sortiert ist die Liste nach dem ersten Erscheinungsdatum des ältesten Bandes in der jeweiligen Reihe - nicht (wie sonst üblicher) nach Autoren- oder Titelnamen.
  • Nüscheler, A.: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zweites Heft: Bisthum Constanz. Erste Abtheilung: Archidiakonate Breisgau, Klettgau, vor dem Schwarzwald und Thurgau. Zürich, 1867. [Bisthum Constanz in Heft 2-3, Zürich 1864–1873. Fortsetzung in: Der Geschichtsfreund 39–48 (1884–1893)].
  • Strickler, J. (Hrsg.): Actensammlung zur schweizerischen Reformationsgeschichte in den Jahren 1521-1532 im An­schluss an die gleichzeitigen eidgenössischen Abschiede. Zürich, 1878-1884.
  • Egli, E. (Hrsg.): Actensammlung zur Geschichte der Zürcher Reformation in den Jahren 1519-1533. Zürich, 1879.
  • Oechsli, W.: Quellenbuch zur Schweizergeschichte. Winterthur, 1885.
  • Strickler, J.: Amtliche Sammlung der Acten aus der Zeit der Helvetischen Republik (1798-1803). 16 Bände. Bern, 1886 bis Freiburg, 1966.
  • Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich [UBZH, teilweise auch ZUB bzw. UBZ]. Antiquarische Gesellschaft in Zürich (Hrsg.). Zürich, 1888-1957. (Band 4, 1896; Band 5, 1900/01; Band 6, 1903; Band 8, 1909/11; Band 9, 1915; Band 10, 1916; Band 11, 1917; Band 12, Nachträge I, 1939; Band 13, Nachträge II, 1957)
  • Regesta Episcoporum Constantiensium [REC]. Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Con­stanz von Bubulcus bis Thomas Berlower, 517-1496. Zweiter Band: Innsbruck, 1894; Dritter Band: Innsbruck, 1913.
  • Thommen, R. (Hrsg.): Urkunden zur Schweizer Geschichte aus österreichischen Archiven. Erster Band, 765-1370. Basel, 1899; Zweiter Band, 1371-1410. Basel, 1900; Dritter Band, 1411-1439. Basel, 1928. (Band 4 und 5 keine Einträge zu Weiach)
  • Habsburger Urbar. In: Quellen zur Schweizer Geschichte. Bände 14, 15/1, 15/2. Basel, 1904.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. XVI. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Argau Erster Teil: Stadtrechte. Dritter Band: Die Stadtrechte von Kaiserstuhl und Klingnau; bearbeitet und herausgegeben von Dr. Friedrich Emil Welti. Arau, 1905.
  • Hauser, K. (Hrsg.): Die Chronik des Laurencius Bosshart von Winterthur, 1185-1532. Quellen zur schweizerischen Reformationsgeschichte, Band 3. Basel, 1905.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Erster Teil: Offnungen und Hofrechte. Erster Band: Adlikon bis Bertschikon, bearbeitet und herausgegeben von Robert Hoppeler. Arau, 1910. (Bachser Offnung von 1509)
  • Forrer, L. (Hrsg.); Gagliardi, E.: Die sog. Waldmannschen Spruchbriefe. Nach den Originalen des Zürcher Staatsarchives. Zürich, 1927.
  • Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft : Urkunden, Chroniken, Hof­rechte, Rödel und Jahrzeitbücher bis zum Beginn des XV. Jahrhunderts / mit Unterstützung der Bundesbehörde und der V Inneren Orte hrsg. von der Allgemeinen Geschichtforschenden Gesell­schaft der Schweiz. Aarau, 1933-1975. (Abt. 2, Bände 2 und 3).
  • Hegi, F.: Der Glückshafenrodel des Freischiessens zu Zürich 1504. Zürich, 1942.
  • Feger, O.: Das älteste Urbar des Bistums Konstanz, angelegt unter Bischof Heinrich von Klingenberg. Untersuchungen und Textausgabe. Quellen und Forschungen zur Siedlungs- und Volkstumsgeschichte der Oberrheinlande. 3. Band. Karlsruhe, 1943.
  • Kläui, P.: Urbare und Rödel von St. Blasien, Einsiedeln, Engelberg, Fraumünster in Zürich, der Herren von Hallwil und Hünenberg und des Bistums Konstanz. Als: Quellenwerk zur Entstehung der Schweize­rischen Eidgenossenschaft. Abt. 2, Urbare und Rödel ; Band 2. Aarau, 1943.
  • Kläui, P.: Rödel von Luzern (Kloster im Hof und Stadt), Muri und Rathausen und der Herren von Rinach; Nachträge. Als: Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Abt. 2, Ur­bare und Rödel ; Band 3. Aarau, 1951.
  • Kläui, P.: Die Urkunden des Stadtarchivs Kaiserstuhl. Aargauer Urkunden, Band XIII, Kaiserstuhl. Aarau, 1955.
  • Die Steuerbücher von Stadt und Landschaft Zürich des XIV. und XV. Jh. Bd. 8. Zürich, 1958.
  • Urbare und Rödel der Stadt und Landschaft Zürich – von den Anfängen bis 1336. Schnyder, Werner (ed.), Hrsg. Antiquarische Gesellschaft in Zürich. Zürich, 1963.
  • Gagliardi, E.; Forrer, L.: Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich, Band II: Neuere Handschriften seit 1500 (Ältere schweizergeschichtliche inbegriffen). Zürich, 1982.
  • Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich 1336-1460. 7 Bände. Zürich, 1987-2007. Band 1: 1336-1369. Zürich, 1987 (Brupbacher, D.; Eugster, E.); Band 2: 1370-1384. Zürich, 1991 (Lassner, M.); Band 3: 1385-1400. Zürich, 1996 (Amacher, U.; Lassner, M.) [keine Einträge zu Weiach]; Band 4: 1401-1415. Zürich, 1999 (Amacher, U.; Niederhäuser, P.); Band 5: 1416-1430. Zürich, 2002 (Niederhäuser, P.); Band 6: 1431-1445. Zürich, 2005 (Sieber, Ch.); Band 7: 1446-1460. Zürich, 2007 (Sieber, Ch.).
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft; Erster Band: Das Neuamt; Aarau, 1996. (Als Fak­si­mile und ohne weiteren Kommentar in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach veröffentlicht wurden die Nr. 176-180, 183-185, 189, 190, 196 und 197.).
  • Braun, J. W.: Urkundenbuch des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald. Von den Anfängen bis zum Jahr 1299. Bearbeitet von Johann Wilhelm Braun. Stuttgart, 2003 (Veröffentlichungen der Kom­mission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe A Quellen 23. Band Teil I
  • Staatsarchiv des Kantons Zürich (Hrsg.): Archivführer der Zürcher Gemeinden und Kirchgemeinden sowie der städtischen Vororte vor 1798. Zeugnisse zürcherischer Gemeinde-, Verwaltungs- und Rechtskultur im agrarischen und kirchlichen Zeitalter [Bearb.: alt Staatsarchivar O. Sigg; Abk.: Gemeindearchivführer] Zürich, 2006 – Weiach: S. 112-113.
[Veröffentlicht am 22. September 2007]

Sonntag, 26. August 2007

Regensberger Burgspektakel

Die letzten drei Tage standen im Städtchen Regensberg ganz im Zeichen des Burgspektakels. Ein ziemlicher wilder Mix von "mittelalterlichen" Kulturelementen war da in und um die Kleinstadt auf dem östlichen Lägernsporn zu sehen:
  • Der Gründer von Regensberg, Freiherr Lütold V., zog mitsamt Gattin und Gefolge ein, letzteres gespielt von der Gruppe Zähringervolk. Eine Reminiszenz an das Hochmittelalter um 1244).
  • Dann war da auf dem Schlossplatz die Company of Saynt George, ebenfalls eine Truppe von Angefressenen, die tageweise Vollzeit in, mit und für ihr Hobby leben. Sie stellen eine Artillerieeinheit aus der Zeit der Burgunderkriege dar (also um 1470, d.h. am Ende des Mittelalters im Übergang zur Neuzeit).

Darüber lässt sich jedoch leicht hinwegsehen. Denn es war eine Freude, all die vielen Rollenspielertruppen sowie die liebevoll gestalteten Marktstände zu sehen, an denen die Produkte alter handwerklicher Kunst angepriesen und verkauft wurden. Met, Fleischkuchen und ein am Spiess gedrehtes ganzes Spanferkel. Das waren nur drei der kulinarischen Versuchungen.

Fast keine Weiacher zugegen

Wehntaler Prominenz war stark vertreten, Weiacher sah man dagegen fast keine - jedenfalls heute Sonntag. Das verwundert nicht. Gab es doch mit dem traditionellen Fischessen lokale Konkurrenz.

Im übrigen fühlen sich die Weycher trotz Zuteilung zum Bezirk Dielsdorf, die seit 1815 Tatsache ist, immer noch irgendwie als Neuämtler. Regensberg und Dielsdorf sind weit weg - und nur mit dem eigenen Auto in einigermassen vernünftiger Zeit erreichbar. Bülach und Kaiserstuhl liegen näher.

Freiherren von Regensberg mischten in unserer Gegend mit

Trotzdem hat die Gründerdynastie des Städtchens eine enge Beziehung zu Weiach. Einerseits durch ihre Besitzungen auf Gemeindegebiet, welche sie nach der verlorenen Auseinandersetzung mit den Habsburgern in der sogenannten Regensberger Fehde, d.h. nach 1267, sukzessive verscherbeln mussten.

Andererseits durch ihre massgebliche Beteiligung an der Gründung von Kaiserstuhl im Jahre 1255 und die kurz darauf erfolgte Übernahme des Rheinstädtchens. Bei dieser Gründungsaktion war nämlich ein Teil des Gemeindebanns von Weiach beansprucht und als Kaiserstuhler Gebiet ausgeschieden worden.

Neue Publikation zur Geschichte der Freiherren

Der Regensberger Josef Harder hat die Geschichte der Freiherren aufgerollt und sie nun in einem populärwissenschaftlich geschriebenen, ausgiebig bebilderten Buch herausgegeben:

Harder, J.: Die Freiherren von Regensberg. Herkunft und Geschichte einer Adelsdynastie. Verlag elfundzehn, Eglisau 2007. CHF 24.-

Das hat WeiachBlog sich natürlich gekauft. Sobald es gelesen und rezipiert ist kann dann auch ein Abgleich mit den schon bekannten freiherrlichen Verbindungen nach Kaiserstuhl und Weiach erfolgen.

Weiterführender Artikel

  • Zrinski, S.: Vom Hügel auf den Berg. Regensberg - Aus der Geschichte der Freiherren. In: Zürcher Unterländer, 18. August 2007.

Samstag, 25. August 2007

Manhattan ist nicht einmalig

Am «3ten Aprill 1876» schrieben «Jakob Grießer und Ehefrau» in Manhattan, USA einen Brief an ihre Verwandten in Weiach. Sie beschreiben darin, wie sie ihre neue Existenz als Farmer in den Vereinigten Staaten aufbauen.

Der sich im Besitz des Ortsmuseums Weiach befindende Brief gibt detaillierte Angaben zu Agrarprodukten samt Preisen - alles Informationen, welche die Daheimgebliebenen ziemlich interessierten. Trugen sie sich doch oft selber mit dem Gedanken, auszuwandern und der Schweizer Heimat endgültig den Rücken zu kehren.

Nicht nur an der Mündung des Hudson River

Als ich vor mehr als sechs Jahren einen Artikel über diesen Brief schrieb, ist mir das Naheliegendste nicht eingefallen. Nämlich, dass es in den USA ausser dem Manhattan par excellence am Hudson River auch noch andere Orte dieses Namens geben könnte. Und so kam am Schluss des Artikels diese etwas dümmliche Spekulation heraus:

«Manhattan ist als Absendeort angegeben. Wohl weil Jakob Griesser in der Stadt Neuyork zu tun hatte und da auch gleich den Brief aufgab. Weingärten in Manhattan wird es damals wohl schon nicht mehr gegeben haben.»

Natürlich hat es keine mehr gegeben. Denn 1870 hatte die Industrialisierung Amerika schon voll im Griff und Manhattan, New York, war schon längst eine überbordende Grosstadt. Da war ganz sicher kein Platz mehr für Landwirtschaft.

Weiacher Geschichte(n) 17 überarbeitet

Deshalb habe ich den Artikel nun in korrigierter Version ins Internet gestellt. Obige Passage lautet neu:

«Fragt sich nun nur noch, welches Manhattan mit dem Absendeort gemeint ist. Der heutige Stadtteil von New York ist es sicher nicht. Für Weingärten war der Boden schon damals zu teuer. Griessers Manhattan liegt eher in den Bundesstaaten Illinois, Kansas oder Montana.»

So ganz spontan würde ich auf Manhattan, Illinois tippen. Denn im entsprechenden Artikel in der englischen Version von Wikipedia findet man darüber folgende Bemerkung:

«Manhattan was incorporated in 1886. It is an old and established community. Having its roots in farming, the village has grown over the last ten years to accommodate over 3,200 people. Its forebears of German and Irish heritage give expression in the early spring festival Irish Fest.»

Deutschsprachige Nachbarn und einen eigenen Hof. Was kann ein Weiacher Bauer mehr wollen?

Quelle
  • «Das Welschkorn hat einen Preis von 20 bis 25 Cent pro Buschel». Jakob Griesser schreibt aus dem fernen Amerika, April 1876. Weiacher Geschichte(n) 17. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, April 2001 – S. 15-16.

Freitag, 24. August 2007

3750.- exklusiv NK

Eine hübsche Summe - jenseits von Gut und Böse für Normalos. Seit einiger Zeit ist das ehemalige Haus des Dirigenten und Komponisten René Dublanc am unteren Teil der Büelstrasse zur Vermietung ausgeschrieben. Gemäss Inserat bekommt man aber auch einiges dafür:

«5.5 Zi-Bauernriegelhaus mit Oekonomiegebäude u. Gästehaus in Weiach (Steuerfuss 81%). Zentral im Dorfkern, Nähe Schule, VOLG, Post u. öV. Das Haus ist ökologisch neu renoviert u. bietet aussergewöhnliches Wohnen. Sep. Atelierhaus geeignet f. Arbeit od. Musik. Grosser gepflegter Garten m. Obstbäumen. Schöner Innenhof m. Brunnen, Pergola. PW-Abstellplätze (mind. 5), ged. Unterstand, gr. Scheune m. Stall/Werkstatt, Naturkeller. Moderne Fernwärme-Zentralheizung, Kachelofen u. Kunst. Grosse Wohnküche m. Holzherd (Tiba) u. mod. Electrolux-Geräten (Glaskeramik), Marmorabdeckung etc. Ganzes Haus Holz- od. Keramikböden (Bodenheizung). Rundum ein Haus m. Charme ! Nur an NR. Miete chf 3'750.- exkl. NK

Eigenschaften:
| Terasse | Sitzplatz | Garage | Parkplatz | Keller | Estrich | Parkett | Steinböden | Glaskeramikherd | Geschirrspüler | Dusche | Badewanne | separates WC | Kabel-TV | Cheminée | kinderfreundlich | neu renoviert
»

Neben dem Preis gibt es allerdings drei Wermutstropfen. Die Front zur Büelstrasse öffnet sich direkt auf die stark befahrene Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur. Oben drüber hat man den Fluglärm (wie alle anderen in Weiach auch). Und die Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr könnten besser sein.

Wer damit leben kann und die nötige finanzielle Polsterung mitbringt... warum nicht? Vielleicht finden die Vermieter ja jemanden, der sich in das Haus verliebt.

Donnerstag, 23. August 2007

Warum Hohentengen nicht zur Schweiz gehört

In einem Kommentar zum WeiachBlog-Artikel vom 15. Juli 2006 jammert der Schneiser «Thomas», die Einrichtung einer militärischen Sperrzone auf deutschem Territorium als Antwort auf die Einführung des Gekröpften Nordanflugs (und damit eine 2.5 Meilen breite Flugverbotszone entlang der Grenze auf Schweizer Gebiet, welche diesen verhindern würde) wäre ein kriegerischer Akt.

Zürcher sind selbst schuld

Er weiss wohl nicht, dass die Zürcher selbst daran schuld sind, dass Hohentengen, «das Nest, das Kloten lahmlegt» wie der Blick herablassend schrieb, heute nicht zum Rafzerfeld und damit zur Schweiz gehört.

Dabei wäre das durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Während Jahrhunderten beanspruchten die Eidgenossen nämlich einen Cordon sanitaire auf fürstbischöflich-konstanzischem Gebiet nördlich des Rheins samt deren Mannschaftsrecht für sich (d.h. sie griffen im Bedrohungsfall wie selbstverständlich auf die Wehrkraft der dortigen Bauern zurück).

Als aber die Gelegenheit bestand, Hohentengen seinem Gebiet einzuverleiben, hat sich Zürich nicht wirklich dafür eingesetzt - im Gegenteil.

Hohentengener wollten Schweizer werden

Zur Zeit der Helvetik wurde nach dem Frieden von Lunéville im Februar 1801 klar, dass die Tage der staatlichen Existenz des Fürstbistums Konstanz endgültig gezählt waren. Napoleon wollte seine neuen Verbündeten, u.a. den Markgrafen von Baden, mit dem Land aufgelöster deutscher Kleinstaaten für den Verlust linksrheinischer Territorien entschädigen.

Die Hohentengener hatten aber etwas dagegen, einfach dem sich abzeichnenden neuen badischen Machtzentrum zugeteilt zu werden. Die jahrhundertealte, enge Verbindung mit der Eidgenossenschaft war stärker als jede künftige Loyalität zu einem im fernen Karlsruhe residierenden Markgrafen.

Salva Quardia-Tafeln und eine Militärtrommel

Schliesslich hatten die Hohentengener für die Verteidigung ihres von der Bischofs-Residenz Meersburg am Bodensee weit entfernten Gebietes schon jahrhundertelang unter dem Schutz und der Militärhoheit der Eidgenossen gestanden. Belege dafür sind alte «Salva Guardia»-Schilder (die an den Grenzen des Gemeindebannes standen und auf die Tatsache des eidgenössischen Schutzes hinwiesen) sowie eine Zürcher Militärtrommel, die in Hohentengen noch im späteren 19. Jahrhundert in Ehren gehalten wurde.

Für den Dorfmayer von Hohentengen, Johann Georg Hauser und den Ersten Geschworenen, Andreas Mayer, war es daher ganz natürlich, sich 1801/02 intensiv um den Anschluss an Zürich zu bemühen. Sie führten zunächst Gespräche mit den Nachbardörfern Herdern und Lienheim (ebenfalls fürstbischöflich-konstanzisch), dann auch mit Kaiserstuhl, das ebenfalls ein jahrhundertealtes Untertanenverhältnis zum Fürstbistum hatte.

Sie verhandelten mit dem Kaiserstuhler Bürgermeister Moritz Buol, um die zusammen mit Weiach zum alten Amt Rötteln gehörigen Orte Kaiserstuhl und Fisibach dazu zu bewegen, sich gemeinsam mit den rechtsrheinischen, fürstbischöflichen Besitzungen dem Kanton Zürich anzuschliessen.

Die Religionshürden erweisen sich als unüberwindbar

Die ganze Angelegenheit scheiterte an den Bedenken der Herdener und Lienheimer, besonders aber am vehementen Widerstand links des Rheins. Der Grund: Die Kaiserstuhler Katholiken befürchteten, im reformierten Zürich unter die Räder zu geraten.

Meersburg hatte für die Aktivitäten von Hauser und Mayer erst recht kein Musikgehör. Die fürstbischöfliche Regierung war entsetzt, dass Hohentengen sich «bei der gegenwärtigen kritischen Lage» Helvetien anschliessen wolle (immerhin ging in der Helvetischen Republik damals alles drunter und drüber: vier Staatsstreiche in weniger als anderthalb Jahren!). Deshalb liessen sie die beiden für diesen Abspaltungsversuch bestrafen.

Und die Zürcher? Hans von Reinhard (1755-1835), der Zürcher Bürgermeister und spätere «Landammann der Schweiz», befürchtete ebenfalls Schwierigkeiten mit dem katholischen Hohentengen. Er wollte keinen Ärger, lehnte das Ansinnen ebenfalls ab. Und damit war die Angelegenheit endgültig gegessen.

Keine Lust mehr, Schweizer zu werden

Dieser Entscheid brachte den Hohentengenern in den folgenden zweihundert Jahren immerhin zwei verlorene Weltkriege samt den damit verbundenen Gefallenen, an die - wie überall in Deutschland - ein Denkmal erinnert.

Heute würde der Bürgermeister von Hohentengen, Martin Benz, wohl nicht mehr auf die Idee kommen, sich von Baden-Württemberg und der EU zu verabschieden. Auch des Fluglärms wegen. Schliesslich hat Berlin der Gemeinde und dem Landkreis Waldshut endlich Gehör geschenkt - wenn auch erst nach Jahren aktiven Ignorierens.

Quelle

Mittwoch, 22. August 2007

Schon wieder ein neuer Jugendarbeiter

In Weiach geben sich die Jugendarbeiter die Klinke in die Hand. Wieviele waren es in den letzten Jahren? Drei, vier oder fünf? Man verliert leicht die Übersicht, wenn im Schnitt alle anderthalb Jahre ein Neuer kommt.

Jedenfalls war ich nicht sonderlich überrascht, im gestrigen Zürcher Unterländer zu lesen, dass Weiach nun schon wieder einen neuen Jugendarbeiter angestellt hat. Eine interessante Neuigkeit ist hingegen die Entwicklung in Richtung einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit:

«Nauer hat in Weiach eine 30-Prozent-Stelle. Zurzeit laufen betreffend die Jugendarbeit jedoch Gespräche zwischen Weiach und seinen aargauischen Nachbargemeinden Kaiserstuhl und Fisibach. «In diesen beiden Gemeinden besteht ebenfalls das Bedürfnis nach einem Jugendarbeiter», erklärt der Weiacher Gemeinderat Boris Macullo. «Darum arbeiten wir zurzeit an einem gemeinsamen Konzept.» Im Moment könne er aber noch nichts Genaueres sagen», zitiert Florian Riesen unseren Sozialvorstand.

Von einer 30%-Stelle kann man schlecht leben

Wie von Macullo heute zu erfahren war, ist es in der Jugendarbeiter-Community durchaus üblich, dass die Engagements so kurz sind. Dazu komme im Falle von Weiach, dass es sich a) um eine Einzelkämpferposition handle und b) nur eine 30%-Stelle geboten werden könne. Viele würden lieber in einem kleinen Team arbeiten. Und die meisten seien auf einen lebenssichernden Verdienst angewiesen - tiefe Stellenprozente würden daher vor allem Studierende ansprechen.

Damit wird klar, dass nicht etwa schlechtes Betriebsklima und Ärger mit dem Gemeinderat zu den Abgängen führte. Es ist vielmehr eine Kombination aus branchenüblichem Fluktuationsverhalten und zu tiefen Verdienstmöglichkeiten, die zur raschen Abwanderung führt.

Bleibt zu hoffen, dass ein künftig zusammen mit Kaiserstuhl und Fisibach auf eine bessere Basis gesetzter Posten dessen Inhaber zu längerem Bleiben bewegen kann. 50 Stellenprozent würden da schon genügen und so viel Bedarf, dass es für 20% reicht, haben die zwei Aargauer Nachbargemeinden durchaus.

Längere Engagements der Jugendarbeiter erleichtern den Behörden die Arbeit. Für die Jugendlichen scheint dies hingegen weniger wichtig zu sein. Sie wachsen schliesslich in wenigen Jahren über das Alter hinaus, in dem dieses Angebot interessant ist.

Quelle

  • Riesen, F.: Eine Brücke zur Jugend schlagen. Weiach - Christian Nauer ist neuer Jugi-Leiter. In: Zürcher Unterländer, 21. August 2007.

[Veröffentlicht am 23. August 2007]

Dienstag, 21. August 2007

Jokertage - neue Broschüre der Primarschulgemeinde

Gestern hat das Schulsekretariat die Ausgabe 07/08 der Infobroschüre der Primarschulgemeinde Weiach online gestellt.

Wenn man sie mit der letztjährigen Ausgabe vergleicht, dann fällt eine Neuerung auf: die Jokertage.

«Jokertage sind schulfreie Tage, die von den Eltern ausserhalb der üblichen Absenzenregelung beantragt werden können.»

Sie sind zwar anscheinend nicht erst dieses Jahr eingeführt worden. Als liberales Instrument zur Verhinderung allzu häufiger Absenzengesuche (oder gar Strafverfahren wegen eigenmächtiger Ferienverlängerung etc.) scheinen sie sich aber bewährt zu haben, sonst wären sie nicht landauf landab beschlossen worden.

In der Primarschule Weiach gelten für den Bezug folgende Regeln:

  • Pro Schuljahr können Eltern ihre Kinder im Umfang von 2 Jokertagen dispensieren.
  • Der Bezug von Jokertagen muss der Klassenlehrperson durch die Eltern 1 Tag im Voraus schriftlich gemeldet werden.
  • Die Benachrichtigung der Lehrpersonen von Musik- und Therapiestunden ist Sache der Eltern.
  • Wird nur ein halber Tag bezogen oder findet am besagten Tag nur halbtags Schulunterricht statt, wird trotzdem ein ganzer Jokertag verrechnet.
  • Verpasste Stoffinhalte müssen in eigener Verantwortung und nach Absprache mit der Klassenlehrperson erarbeitet werden.
  • Nicht unter diese Regelung fallen Absenzen, welche gesetzlich geregelt sind: Krankheit, Unfall, besondere Vorkommnisse in der Familie (Todesfall, Hochzeit usw.).

Auch sonst enthält die Broschüre viel Wissenswertes für alle Eltern von schulpflichtigen Kindern. Und für alle übrigen Weiacher vermittelt sie neben den offiziellen Besuchstagen einen Eindruck davon, wo mehr als die Hälfte unserer Gemeindesteuern hinfliessen - eben in die kommunale Schule.

[Veröffentlicht am 1. November 2007]