Samstag, 10. Juni 2006

Einladung zur Exkursion: Kiesgrube Weiach – ein neues Naturjuwel


Auf den Samstag, 24. Juni 2006 laden der Naturschutzverein Bachsertal, der Gemeinderat Weiach und die Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich zu einer Exkursion ein.

Den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach entnehmen wir die Details:

Biodiversität an einem Extremstandort: warm, trocken, mager

«Sie sind mit Ihrer Familie und Ihren Freunden herzlich eingeladen. Gutes Schuhwerk wird empfohlen. Die Wanderung wird bei jeder Witterung durchgeführt.

Wir besuchen einen ganz besonderen Lebensraum: Die tiefstliegende Kiesgrube im Kanton Zürich mit ihrem warmen und trockenen Klima. Auf dem durchlässigen Untergrund hat die Weiacher Kies AG in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Naturschutz Kanton Zürich einen Teil der ausgebeuteten Fläche als neues Naturschutzgebiet gestaltet.

Unter der kundigen Leitung von Regula Langenauer, Albert Krebs, Andreas Keel und Fritz Hirt lernen wir die Tiere und Pflanzen kennen, die sich unter diesen extremen Verhältnissen angesiedelt haben: Die überraschende Biodiversität in einer ungewohnten Umgebung.
»

Wo und wann

  • Treffpunkt ist um 14.00 Uhr auf dem Parkplatz des ehem. Gasthofs Sternen in Weiach
  • Anschliessend Wanderung zur Kiesgrube Rüteren, Weiach
  • Ende der Exkursion ca. 16 Uhr beim Werkgebäude der Weiacher Kies AG
  • danach gemütliches Beisammensein bei Wurst, Brot und Getränk.
  • Rückfahrt zum Sternen auf 17 Uhr möglich.

Ermutigende Zusammenarbeit

Dass der Gemeinderat Weiach, die Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich und der Naturschutzverein Bachsertal hier gemeinsam auftreten, freut besonders.

Es ist nicht verboten, sich Gedanken zu einer grosszügigen Vernetzung der etwas zersplitterten Naturschutzgebiete auf Gemeindegebiet von Weiach mit den grossen naturnahen Zonen im Bachsertal zu machen.

Denn naturnahe Landschaft ist einer der Bereiche mit denen wir in Zukunft in der zunehmend zersiedelten und verstädterten Agglomeration Zürich punkten können.

Quelle

  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juni 2006 - S. 13 (Bild und Text)

Freitag, 9. Juni 2006

Turnhallenpläne schon in den 50er-Jahren

Turnhalle und Spielwiese der Mehrzweckanlage Hofwies bestehen nun seit 30 Jahren, sie wurden 1976 eröffnet. Pläne dafür bestanden allerdings schon mehr als zwei Jahrzehnte früher, wie der folgende Eintrag in Walter Zollingers Chronik des Jahres 1956 beweist:

«In der Schulgemeindeversammlung vom 9. Juni wurden die mit den Erben des Jakob Meierhofer-Bersinger und mit Eduard Baumgartner-Nepfer von der Schulpflege vorbereiteten Kaufverträge genehmigt. Damit hatte sich die Schulgemeinde 3'716 m2 Land, ganz nahe beim Schulhaus gelegen, zum Kaufpreis von Fr. 46'786.- erworben. Dieser Platz soll für den spätern Bau einer Turnhalle, sowie für die Errichtung und Anlage einer Spielwiese reserviert bleiben.»

Der Landpreis für die Hofwiese mitten im Zentrum zwischen Chälen und Oberdorf betrug also vor 50 Jahren Fr. 12.60 den Quadratmeter. Heute bezahlt man in dieser Kernzone gut und gerne Fr. 450.- für dieselbe Fläche.

Legt man den Landesindex der Konsumentenpreise mit Basis 1914=100 zu Grunde, so ist von einer Teuerung von 240.4 (Durchschnitt 1956) auf 1018 Punkte (Mai 2006) auszugehen.

Hätte sich der Bodenpreis nach diesem Index entwickelt, so dürfte das Land heute nur etwa 200'000 Franken kosten und nicht 1.6 Millionen. Die Landpreise haben also die allgemeine Teuerung über die letzten 50 Jahre bis heute um den Faktor 8 geschlagen.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1956 – S. 12 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1956)

Donnerstag, 8. Juni 2006

Neue Elektrokontrollfirma: die Ebecom GmbH

Firmengründungen erfolgen in Weiach nicht alle Tage. Und nicht jede Firma gehört dann auch noch einem sich stark engagierenden Bürger und Gemeinderat von Weiach.

Deshalb darf man schon darauf hinweisen, dass in der heutigen Ausgabe des Schweizerischen Handelsamtsblatt mit Statutendatum 19. Mai und einem Stammkapital von CHF 20'000.-- die Neueintragung der Ebecom GmbH im Handelsregister des Kantons Zürich angekündigt wird:

«Ebecom GmbH, in Weiach, CH-020.4.033.359-3, Neurebenstrasse 1, 8187 Weiach, Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Neueintragung).»

Die neue GmbH ist ein reines Familienunternehmen: «Eingetragene Personen: Eberle-Wapp, Heidi, von Weiach und Häggenschwil, in Weiach, Gesellschafterin und Geschäftsführerin, mit Einzelunterschrift, mit einer Stammeinlage von CHF 10'000.--; Eberle, Ernst, von Weiach und Häggenschwil, in Weiach, Gesellschafter, mit Einzelunterschrift, mit einer Stammeinlage von CHF 10'000.--»

Ernst Eberle war während vielen Jahren bei der «Winkler & Cie» im Elektroinstallationsbereich tätig. Heute führt er die seit Juli 1998 im Zürcher Handelsregister eingetragene «Ernst Eberle Elektro GmbH» mit Sitz in Weiach.

Nun gibt es also neu die Ebecom GmbH, die in einem verwandten Gebiet tätig ist:

«Zweck: Gegenstand und Zweck der Gesellschaft ist die Ausführung von Schwachstrom-, Telefon- und EDV-Anlagen im Wohnungs-, Gewerbe- und Industriebau. Elektrokontrollen an Elektroanlagen gemäss Niederspannungsverordnung. Geräte- und Anlageprüfungen gemäss Niederspannungs-Erzeugungsverordnung. Messtechnik und Instandhaltungsüberprüfungen von elektrischen Installationen.»

Die Neugründung befasst sich also nicht mit Installationen, sondern mit deren Kontrolle.

Wie Ernst Eberle heute auf Anfrage mitteilte, sei das der Grund, dass die neue Firma von der Ernst Eberle Elektro GmbH völlig unabhängig geführt werden müsse.

Bei der Ebecom dürften auch nicht dieselben Leute wie bei der Eberle Elektro arbeiten. Sonst könnten die ja ihre eigene Arbeit kontrollieren.

Die restlichen Bestimmungen im HRA-Eintrag sind Standard-Zwecke bei heutigen Firmengründungen: «Ferner kann die Gesellschaft im In- und Ausland Zweigniederlassungen errichten, sich bei anderen Unternehmen des In- und Auslandes beteiligen, gleichartige oder verwandte Unternehmen erwerben und errichten, sowie alle Geschäfte eingehen, in denen Synergien mit dem Hauptzweck zu erzielen sind. Sie kann weiter Liegenschaften und Wertschriften erwerben, verwalten und verkaufen.»

WeiachBlog wünscht der jungen Firma einen guten Start!

Quelle

  • SHAB Nr. 109 vom 08.06.2006, Kanton ZH; Tagebuch Nr. 15020 vom 01.06.2006.

Mittwoch, 7. Juni 2006

Biber interruptus

Was ein Biber beim Anknabbern eines Baumes empfindet? Keine Ahnung. Was ihn dazu motiviert gerade einen bestimmten Baum auszuwählen? Bleibt sein Geheimnis. Und warum er manchmal plötzlich die Lust zu verlieren scheint, bevor das «angechafelte» Objekt seines nagenden Fleisses umstürzt? Gestört worden? Plötzliche Erkenntnis, dass der Baum für eine weitere Stauung doch nicht so geeignet sein könnte?

   
Fest steht nur eines. Der Baum am oberen Mühleweiher südlich des Dorfes Weiach und östlich der Kantonsstrasse nach Raat (Koordinaten: 675.800/267.300) steht immer noch. [Erst Ende 2011 lag er schliesslich doch am Boden]

   
Einzelne Bäume werden in der Regel dann zu Berühmtheiten, wenn sie ein biblisches Alter erreichen und derart markant in der Landschaft stehen, dass sie einem einfach auffallen müssen. Auffallend an diesem Baum: er ist offensichtlich ein Biberopfer, und doch: er steht noch, trotz beeinträchtigter Statik. Was wirklich verwundert: er hat sogar noch spriessende Blätter – und nicht etwa verwelkte (siehe oberstes Bild). Wie das geht, wo doch die Rinde rund um den Stamm herum mit aller Gründlichkeit entfernt wurde?

   
Es mag dieses Wunder an Lebenskraft und Durchhaltewillen sein, das dem Baum einen kurzen Fernseh-Auftritt bei «Schweiz aktuell» eintrug.

   
Erfolgreich gefällt: ein dünnerer Baum, ebenfalls am Ufer des oberen Mühleweiher 

Ob die vor bald 10 Jahren im Zürcher Unterländer erwähnte Weiacher Biberburg noch steht? Bei Gelegenheit werde ich den Förster fragen.

Weiterführende Artikel

  • Nievergelt, A.: Die Biber raspeln wieder. Seit sechs Jahren hat Weiach seine eigene Biberburg. Rubrik: Redaktion unterwäx in Weiach. In: Zürcher Unterländer, 7. August 1996 – S. 3.
  • Sailer A.: Hochleistungstaucher suchen Obdach. Unterland / Biber hausen am Flughafen, in Wallisellen, Eglisau, Weiach und an der Tössegg. In: Zürcher Unterländer, 11. Dezember 2001.

Dienstag, 6. Juni 2006

Im Weichacher steckengeblieben

Nein, einen Weichacher gibt es in Weiach nicht. Weder als Flurname noch als Strassenname. Und trotzdem trifft man diese Wortschöpfung mit schöner Regelmässigkeit in gedruckter und online publizierter Form.

Viel Vertrauen in die Polizei

Das jüngste Beispiel liefert heute das Neue Bülacher Tagblatt. Redaktor Klaus W. Bodenmüller übernahm einen Pressetext der Kantonspolizei Zürich zu einem schweren Verkehrunfall am Pfingstmontag und schrieb ihn etwas um. Lektoriert wurde er dann aber offensichtlich nicht mehr so genau:

«Gegen 16.40 Uhr lieferten sich zwei Autolenker mit ihren Autos auf der Hochleistungstrasse von Weiach Richtung Bülach mit massiv übersetzten Geschwindigkeiten ein Rennen. An Ende bei der Verengung in die Weichacherstrasse geriet das blaue Auto eines 23-jährigen Portugiesen nach rechts und prallte heftig gegen einen Kandelaber. Gleichzeitig schleuderte das zweite, weisse Auto mit dem 32-jährigen Kosovaren nach links über die Gegenfahrbahn, durchschlug einen Wildzaun und kam nach über 100 Metern und mehreren Überschlägen im Wiesland zum Stillstand.»

Wo der Haken liegt ist leicht zu erraten. In Zeiten von Cut&Paste wahrscheinlich beim Textlieferanten. Und so ist es auch:

«Gegen 16 Uhr 40 lieferten sich zwei Autolenker mit ihren Autos auf der Hochleistungstrasse mit massiv übersetzten Geschwindigkeiten ein Rennen. An Ende bei der Verengung in die Weichacherstrasse geriet das Auto eines 23-jährigen Portugiesen nach rechts und prallte heftig gegen einen Kandelaber. Gleichzeitig schleuderte das zweite Auto mit dem 32-jährigen Kosovaren nach links über die Gegenfahrbahn, durchschlug einen Wildzaun und kam nach über 100 Metern und mehreren Überschlägen im Wiesland zum Stillstand.»

Weich fliesst's den Leuten in die Tastatur

Die Weichacherstrasse. Interessanter Verschreiber. Vielleicht dachte der Mediensprecher, solche Autorennen seien total «bireweich». Und da würde ich ihm recht geben.

Wie auch immer: Es kann ganz interessant sein, neben den richtigen Schreibweisen «Weiach» für die Ortschaft beziehungsweise «Weiacher Kies AG» für das grösste Unternehmen in der Gemeinde auch die «weiche Alternative» zu berücksichtigen.

Wenn man «Weichacher» in Google suchen lässt, wird neben 38 Treffern die Frage «Meinten Sie: Weichmacher» zurückgeben. Nicht ganz zu Unrecht, denn ein paar Dokumente betreffen tatsächlich im direkten oder übertragenen Sinne solche Kunststoffzusätze. Besonders häufig sind Verschreiber bei den Modelleisenbahnfreunden, was sich dann etwa so liest: «Liliput SBB Güterwagen WEICHACHER KIES , 4 achsig.»

Die Suche nach «Weichach» ergibt bei Google nur 6 Treffer. Einer davon betrifft einen Ort in der Nähe von Bregenz im Vorarlbergischen.

Eine Nennung der Variante «Weichach» gibt es übrigens auch in den bisherigen Beiträgen des WeiachBlog (Artikel vom 14. April 2006, Zitat aus NBT, 28. Mai 2003).

Immerhin: ebay.ch fragt schon bei Eingabe von «Weiach»: «Meinten Sie...weich ?». Was auch gleich erklärt, wieso «Weichach» doch so weichgespült nahe liegt. Die Dreifachladung an vermeintlichen Vokalen "eia" (i ist keiner) offenbar weniger.

Quellen

Montag, 5. Juni 2006

Seit 1970 unter eidg. Denkmalschutz

Die evangelisch-reformierte Kirche von Weiach steht als einziges Baudenkmal auf Gemeindegebiet unter dem Schutz der Eidgenossenschaft:


Der gründlichen Restaurierung mit Unterstützung des Bundes Ende der 60er-Jahre folgte 1970 der offizielle Eintrag im Register des EDI:

«Reg. Nr.: 1072
Objekt: Weiach. Reformierte Kirche
Unter Bundesschutz seit: 8.12.70
LK Blatt: 1051
Koordinaten: 675.21 / 267.92
»

Quelle

  • Verzeichnis der Baudenkmäler, die unter dem Schutze der Schweizerischen Eidgenossenschaft stehen. Eidg. Departement des Innern, Bern 1971 – S. 2.

Sonntag, 4. Juni 2006

Im Jahre 1659 begann die Diktatur der Uhr

Mit dem neuen Kirchturm (vgl. WeiachBlog vom 3. Juni) kam die Revolution. Die Revolution der Zeitmessung um genau zu sein. Seit der Errichtung des ersten Kirchturms verfügte die Gemeinde Weiach nämlich auch über eine öffentliche, für alle sichtbare Uhr.

Im gestern schon erwähnten, ältesten Kirchturmdokument von 1659 findet man unmittelbar nach den Angaben über den Dachdeckermeister Hans Temperli eine Information über die neu installierte Uhr:

«dises Zit ist von neuwem erkauft worden von dem meister Tobias Liechtly […] umb 55 Gl. […] vor dem ist kein Zeit in diser Kilchen gesin.»

Im Jahre des Herrn 1659 begann also für die Weiacher eine ganz neue Epoche. Die der öffentlichen Zeitmessung.

Diktatur mag ein hartes Wort sein. Es dürfte jedoch wenig gegeben haben, was das tägliche Leben der Dorfbevölkerung von da an und verglichen mit dem Mittelalter mehr veränderte als gerade diese Uhr.

Plötzlich liess sich die Zeit nun für alle sicht- und hörbar (Stundenschlag) in Scheibchen schneiden. Plötzlich galt für alle Menschen in der Gemeinde dieselbe Zeit. Pünktlichkeit konnte erst jetzt recht eigentlich zu einer Tugend gemacht werden.

In unserer von der Uhr getakteten Zeit macht man sich zu selten klar, was für eine Macht Uhren eigentlich ausüben - im Positiven wie im Negativen.

Und wenn man sich das recht überlegt, so ist eigentlich nur eines erstaunlich: dass sich die Menschen nicht gegen dieses «Zit» gewehrt haben - jedenfalls hat ein allfälliger Widerstand keine mir bekannte, bis heute erhaltene schriftlichen Spuren hinterlassen.

Eine wichtige Voraussetzung dürfte gewesen sein, dass die Betroffenen selber so ein «Kilchenzit» wollten und es ihnen nicht von aussen aufoktroyiert wurde. Leider steht im oben zitierten Kirchturmdokument nichts über die Vorgeschichte und die Beweggründe, welche die erste Turmuhr nach Weiach brachten.

Samstag, 3. Juni 2006

Der erste Kirchturm stand nur 47 Jahre

[Wichtiger Hinweis zum Titel: Im Kirchturmdokument von 1659 ist an keiner Stelle die Rede davon, es handle sich um den ersten Turm überhaupt. Es ist - angesichts des desolaten Zustands, der durch die Inspizienten des Dorfbrandes von 1658 festgestellt wurde (vgl. Weiacher Geschichte(n) 106, s. Kommentar unten) - sehr wohl möglich, dass gleich die gesamte Konstruktion ersetzt und damit neu «ufgestelt» werden musste. Die Fehlinterpretation, es handle sich um den ersten Turm, stammt einzig und allein vom Autor des WeiachBlog - WG(n), 31. Dezember 2017]

Das älteste sogenannte Kirchturmdokument von Weiach stammt aus dem Jahre 1659. Es wurde anlässlich der Restauration Ende der 1960er-Jahre im Kirchturmknopf gefunden. Dies war früher der übliche Aufbewahrungsort für an die Nachwelt gerichtete Dokumente.

Im ältesten Dokument, verfasst vom damaligen Pfarrer Erni, ging es noch um die alte Kirche, die ihren Platz beim alten Waschhaus im Oberdorf (heute Altölsammelstelle) gehabt haben soll.

Über die Geschichte des Vorgängerbaus der heutigen Kirche äussert sich Erni wie folgt: «in dem jar 1658 ist diser thurm ufgestelt worden durch meister hanns frey von niderhaslen […] In dem Jar darnach, alls man 59 zalt, ist ein thurm durch meister hanns tämperli […] zugethekt und mit schindlen beschlagen auch mit Knöpf und fahnen geziert».

Es ist also durchaus möglich, ja sehr wahrscheinlich, dass Teile der Ausrüstung der neuen Kirche im Bühl im Jahr 1706 direkt vom Vorgängerbau übernommen wurden.

Das gilt wohl auch für Knopf und Wetterfahne. Die musste man nach bloss 47 Jahren wohl nicht wieder neu beschaffen. Im alten Knopf war bereits das Dokument von Erni drin, das zweite Dokument von 1706 wurde diesem beigelegt und der Knopf montiert.

Die alte Kirche soll abgetragen worden sein. Ob vor Vollendung der neuen Kirche oder erst danach, ist mir nicht bekannt.

Freitag, 2. Juni 2006

Vor genau 300 Jahren: Zimmerleute schwangen die Äxte


Die Witterungsbedingungen müssen 1706 optimaler gewesen sein als im aktuellen Jahr. Jedenfalls ging es rasch vorwärts mit dem Bau der neuen Weiacher Kirche.

Noch war allerdings das Dach nicht aufgerichtet, wie auf dem obenstehenden Stich von Heinrich Meister, welcher das vollendete Bauwerk zeigt:

«Weil es ein ganz drochner Winter ohne Schnee gewesen, hat man fast immerzu mit steinbrechen u. führen fort fahren können, so dass das Fundament 6 Schue tief und 4 Schue breit Donstags den 11. Tag Merzen 1706 gelegt worden, das Mauerwerk 26 Schue aus dem Boden war bis auf eingangs dess Brachmonates follendet», schrieb Pfr. Brennwald.

Der Brachmonat ist der Juni. Gestern vor 300 Jahren waren die Maurerarbeiten vollendet und heute begannen die Zimmerleute, den Dachstuhl aufzurichten. Der Turm kam dann als Dachreiter obendrauf:

«Donstags den 2. brachmon. hat mann angefangen aufrichten, welches 5 Tag lang gewährt. Montags den 9. Augstmonat wurd der Knopf und Fahnen hinauf gethan.»

Die ersten fünf Tage (vom 2. bis 7. Juni) waren also besonders aufregend und anstrengend. Samt Dachdeckerarbeiten dauerte die Errichtung von Dachstuhl und Dachreiter schliesslich gute zwei Monate.

3 Wochen zuvor: die Sonnenfinsternis

Am 12. Mai war «morgen umb 9 uhr ein so gross sonnenfinsternus gewesen, dass man die Sternen sehen können und die Maurer wegen Dünkle ab dem gerüst müessen.»

Eine totale Sonnenfinsternis ist wahrscheinlich das eindrücklichste Ereignis, das uns Himmelskörper bieten können. Die Sonne wird für Sekunden bis maximal sieben Minuten komplett vom Mond verdeckt. Sichtbar wird dann die lichtschwache Korona um die Sonne (vgl. WeiachBlog vom 24. Mai über die grosse Sonnenfinsternis von 1706).

Quellen
  • «... ein ganz drochner Winter ohne Schnee». Vor genau 300 Jahren, im Winter 1705/06, wurde unsere Kirche gebaut. Weiacher Geschichte(n) 74. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Januar 2006 – S. 17-20. (vgl. WeiachBlog vom 5. Januar)
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). 1. Aufl. 1971, 2., ergänzte Aufl. 1984. [in der 3. und 4., überarbeiteten Ausgabe findet man die Sonnenfinsternis auf S. 29]
  • Auszüge aus dem Kirchturmdokument von August 1706 in der Transkription von Walter Zollinger, 1966.

Donnerstag, 1. Juni 2006

Ansichtskarte - Blick von der Fasnachtsflue


Schon wieder ebay. Artikelnummer: 7748927778. Verkäufer ist Falko's-Ansichtskarten-Shop in Eilenburg, Deutschland. Er bietet eine Postkarte (so nennt man das bei uns in der Schweiz) mit Aufschrift Gruss aus Weiach, 400 m. üb. Meer. Sinnigerweise mit Blick nach Deutschland (die Hügel am Horizont).

Das Bild wurde offenbar im Frühling aufgenommen (blühender Baumast im Vordergrund unten rechts). Der Fotograf stand auf der Höhe der früheren Rebberge auf der Fasnachtsflue mit Blickrichtung Westen. Unter der Mitte ganz rechts der Kirchturm, links davon der Dorfkern.

Weitere Informationen des Verkäufers über obige Postkarte:
-Gelaufen: nein, Alter geschätzt: um 1940
-Zustand: gut (siehe Bild)
-Verlag: Photopol, Thalwil


Wenn "Gelaufen: nein" so viel wie "ungebraucht" bedeutet, d.h. nicht mit Marke und Poststempel versehen, dann ist auch klar weshalb das Alter nur geschätzt werden kann.

Für die Karte will Falko's einen Fixpreis: EUR 4,99 zuzüglich Versandkosten.