Mittwoch, 22. August 2007

Schon wieder ein neuer Jugendarbeiter

In Weiach geben sich die Jugendarbeiter die Klinke in die Hand. Wieviele waren es in den letzten Jahren? Drei, vier oder fünf? Man verliert leicht die Übersicht, wenn im Schnitt alle anderthalb Jahre ein Neuer kommt.

Jedenfalls war ich nicht sonderlich überrascht, im gestrigen Zürcher Unterländer zu lesen, dass Weiach nun schon wieder einen neuen Jugendarbeiter angestellt hat. Eine interessante Neuigkeit ist hingegen die Entwicklung in Richtung einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit:

«Nauer hat in Weiach eine 30-Prozent-Stelle. Zurzeit laufen betreffend die Jugendarbeit jedoch Gespräche zwischen Weiach und seinen aargauischen Nachbargemeinden Kaiserstuhl und Fisibach. «In diesen beiden Gemeinden besteht ebenfalls das Bedürfnis nach einem Jugendarbeiter», erklärt der Weiacher Gemeinderat Boris Macullo. «Darum arbeiten wir zurzeit an einem gemeinsamen Konzept.» Im Moment könne er aber noch nichts Genaueres sagen», zitiert Florian Riesen unseren Sozialvorstand.

Von einer 30%-Stelle kann man schlecht leben

Wie von Macullo heute zu erfahren war, ist es in der Jugendarbeiter-Community durchaus üblich, dass die Engagements so kurz sind. Dazu komme im Falle von Weiach, dass es sich a) um eine Einzelkämpferposition handle und b) nur eine 30%-Stelle geboten werden könne. Viele würden lieber in einem kleinen Team arbeiten. Und die meisten seien auf einen lebenssichernden Verdienst angewiesen - tiefe Stellenprozente würden daher vor allem Studierende ansprechen.

Damit wird klar, dass nicht etwa schlechtes Betriebsklima und Ärger mit dem Gemeinderat zu den Abgängen führte. Es ist vielmehr eine Kombination aus branchenüblichem Fluktuationsverhalten und zu tiefen Verdienstmöglichkeiten, die zur raschen Abwanderung führt.

Bleibt zu hoffen, dass ein künftig zusammen mit Kaiserstuhl und Fisibach auf eine bessere Basis gesetzter Posten dessen Inhaber zu längerem Bleiben bewegen kann. 50 Stellenprozent würden da schon genügen und so viel Bedarf, dass es für 20% reicht, haben die zwei Aargauer Nachbargemeinden durchaus.

Längere Engagements der Jugendarbeiter erleichtern den Behörden die Arbeit. Für die Jugendlichen scheint dies hingegen weniger wichtig zu sein. Sie wachsen schliesslich in wenigen Jahren über das Alter hinaus, in dem dieses Angebot interessant ist.

Quelle

  • Riesen, F.: Eine Brücke zur Jugend schlagen. Weiach - Christian Nauer ist neuer Jugi-Leiter. In: Zürcher Unterländer, 21. August 2007.

[Veröffentlicht am 23. August 2007]

Dienstag, 21. August 2007

Jokertage - neue Broschüre der Primarschulgemeinde

Gestern hat das Schulsekretariat die Ausgabe 07/08 der Infobroschüre der Primarschulgemeinde Weiach online gestellt.

Wenn man sie mit der letztjährigen Ausgabe vergleicht, dann fällt eine Neuerung auf: die Jokertage.

«Jokertage sind schulfreie Tage, die von den Eltern ausserhalb der üblichen Absenzenregelung beantragt werden können.»

Sie sind zwar anscheinend nicht erst dieses Jahr eingeführt worden. Als liberales Instrument zur Verhinderung allzu häufiger Absenzengesuche (oder gar Strafverfahren wegen eigenmächtiger Ferienverlängerung etc.) scheinen sie sich aber bewährt zu haben, sonst wären sie nicht landauf landab beschlossen worden.

In der Primarschule Weiach gelten für den Bezug folgende Regeln:

  • Pro Schuljahr können Eltern ihre Kinder im Umfang von 2 Jokertagen dispensieren.
  • Der Bezug von Jokertagen muss der Klassenlehrperson durch die Eltern 1 Tag im Voraus schriftlich gemeldet werden.
  • Die Benachrichtigung der Lehrpersonen von Musik- und Therapiestunden ist Sache der Eltern.
  • Wird nur ein halber Tag bezogen oder findet am besagten Tag nur halbtags Schulunterricht statt, wird trotzdem ein ganzer Jokertag verrechnet.
  • Verpasste Stoffinhalte müssen in eigener Verantwortung und nach Absprache mit der Klassenlehrperson erarbeitet werden.
  • Nicht unter diese Regelung fallen Absenzen, welche gesetzlich geregelt sind: Krankheit, Unfall, besondere Vorkommnisse in der Familie (Todesfall, Hochzeit usw.).

Auch sonst enthält die Broschüre viel Wissenswertes für alle Eltern von schulpflichtigen Kindern. Und für alle übrigen Weiacher vermittelt sie neben den offiziellen Besuchstagen einen Eindruck davon, wo mehr als die Hälfte unserer Gemeindesteuern hinfliessen - eben in die kommunale Schule.

[Veröffentlicht am 1. November 2007]

Montag, 20. August 2007

Frei von Sinn... ist doch einfach schön

«Hier entsteht etwas schönes ………» behauptet die lokale FDP-Ortsgruppe auf ihrer Website vollmundig. Und lässt die Besucher dann frei in der Luft hängen.

Was da für den Zuständigkeitsbereich «Stadel-, Neerach-, Weiach-, Bachs» genau entstehen soll, darüber kann man nämlich nur rätseln. Genauso wie über die kommabewehrten Bindestriche zwischen den einzelnen Gemeindenamen. Wollte die FDP so verhindern, dass Fusionsängste aufkommen?

Immerhin scheint es um so etwas wie Kommunikation zu gehen - bei einem Webauftritt naheliegend - denn der Titel der einzig verfügbaren Seite lautet: «Grundform für Brief innerhalb FDP, 1/3, Fenster» und so sieht der Inhalt des Source-Files denn auch aus. Tonnenweise Steueranweisungen wie sie für datenbankgesteuerte Serienbriefe nun einmal nötig sind.

So ist das offenbar heutzutage mit der alten Dame FDP. Sie redet nur noch mit sich selber. Keiner versteht was sie zu sagen hat. Aber liberal nennt sie sich.

Und ist offensichtlich in der Lage Sinnfreies auf dem Internet zu publizieren. Frei von Sinn.

Sonntag, 19. August 2007

Augustwetter 1957

Den Ausführungen des Dorfchronisten Walter Zollinger über das Wetter vor 50 Jahren merkt man ganz deutlich an, dass Weiach damals noch eine von bäuerlichen Sorgen mitgeprägte Gemeinde war:

«Der August bringt gottlob während der ganzen ersten Woche das längst ersehnte Erntewetter und es geht mithilfe allermöglicher Maschinen nun rasch vorwärts. Die vorher voll aufgepuppter Garben stehenden Aecker entleeren sich; bereits beginnen ein paar "Frühfertige" mit emden. Ab 9. August setzt dann wieder recht wechselvolles Wetter ein, fast täglich oder nächtlich einige Regenschauer, manchmal Platzregen, daneben aber auch sonnige, oft gar schwüle Nachmittage, dann wieder ganz angenehme Abende, mehrmals Morgennebel. Das feuchtwarme Klima ist den Kartoffeln nicht besonders bekömmlich, weshalb bereits gegen Ende Monat mit dem Ausfahren begonnen wird.
Tiefsttemperaturen: Morgens +5°, mittags +14°, frühabends +12°, Höchsttemperaturen: Morgens +17°, mittags +28°, frühabends +21°.
»

Also alles in allem kein hitziger August, sondern eine eher feuchte Angelegenheit. Interessant ist, dass dies nach Einschätzung von Meteo Schweiz auch im August 2007 nicht viel anders war:

«Die Schweiz wurde im August 2007 vor allem von den enormen Niederschlagsmengen in Atem gehalten. Die Monatstemperatur bewegte sich in den meisten Gebieten sehr nahe dem langjährigen Durchschnitt, während die Besonnung unterdurchschnittlich ausfiel.»

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 5 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2007]

Sonntag, 5. August 2007

Wissenschaft ist nur, was von der Hochschule kommt

Dieser Ansicht ist man zumindest bei swisstopo, dem Bundesamt für Landestopographie in Wabern bei Bern.

Diese Bundesstelle, angesiedelt in der Gruppe armasuisse beim VBS von Samuel Schmid, ist eine Goldgrube. Denn sie kann kraft einer Bundesverordnung die Drittverwendung ihrer Produkte mit happigen Gebühren belegen. Und zwar auch die Backlist.

Alles im grünen Bereich, wenn es Dritten darum geht, mit der Abbildung oder Weiterverarbeitung von Landeskartenmaterial einen Profit zu machen. Die sollen die happigen Ansätze ruhig bezahlen, denkt sich der Hobby-Ortshistoriker. Bei ehrenamtlichen Non-Profit-Aktivitäten sieht das seiner Meinung nach anders aus.

Was das Wörtchen «rein» so alles bedeutet

Und da Art. 10 Abs. 1 lit. c der Verordnung über die Benützung des eidgenössischen Kartenwerkes vom 24. Mai 1995 bei der Verwendung von «Kartendaten für rein wissenschaftliche Veröffentlichungen» die Möglichkeit einer «Gebührenfreien Benützung von Karten» bzw. einer «Gebührenherabsetzung» vorsieht, kann man es ja einmal mit einem Gesuch probieren.

Doch weit gefehlt: Die Weiacher Geschichte(n) und mit ihr alle anderen ortsgeschichtlichen Werke gälten nicht als wissenschaftliche Publikationen, belehrte man mich seitens swisstopo. Es sei denn, es handle sich dabei um Veröffentlichungen direkt aus dem universitären Elfenbeinturm.

Die Lizenzabteilung schrieb auf mein Gesuch um Gebührenerlass:

«Der erwähnte Artikel für die gebührenfreie Benützung von Karten bezieht sich auf rein wissenschaftliche Veröffentlichungen. Als rein wissenschaftlich gelten:
- Veröffentlichungen der Universitätsinstitute, der naturwissenschaftlichen und archäologischen Forschungsstellen sowie Dissertationen, Semesterarbeiten udgl.
- Projekte, die vom Schweiz. Nationalfonds unterstützt werden.
»

Willkürlich auslegbare Verordnung?

Dann sollen sie das doch bitte auch genau so in die Verordnung schreiben... «rein wissenschaftlich» habe ich nämlich so verstanden, dass damit keine Profitabsicht verbunden ist - und nicht als eine willkürliche Einschränkung auf den Forschungsträger.

Man ahnt, was im Schreiben von swisstopo nun unweigerlich folgen muss:

«Publikationen zur Information der Bevölkerung, welche auch einen massgebenden Anteil von wissenschaftlicher Arbeit beinhalten, gelten hingegen nicht als rein wissenschaftlich, auch dann nicht, wenn sie von Verwaltungsstellen herausgegeben werden. Dazu gehören populärwissenschaftliche Publikationen, wie Ortsgeschichten, usw.

Deshalb können wir Ihnen leider keine gebührenfreie Bewilligung erteilen. Die Gebühren für den gewünschten Kartenausschnitt betragen Fr. 50.00 (+ MWSt).
»

Und das nota bene für einen Miniausschnitt (9 auf 10 cm) und eine Auflage von nicht einmal 500 Exemplaren. Ein stolzer Preis. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich die Arbeit der Landestopographie seit vielen Jahren via Bundessteuer mitfinanziere.

Warum ist es kein Bildzitat?

Man kann sich auch fragen, warum man in einem solchen Fall nicht von einem Bildzitat sprechen kann. Textausschnitte darf man ja schliesslich auch in ein eigenes Produkt einbinden, sofern es sich nicht um ein Vollzitat handelt - und das ohne den Urheber zu fragen und ohne ihm etwas dafür bezahlen zu müssen.

Diese Frage können wohl nur Juristen mit jahrelanger Erfahrung in Theorie und Praxis des Immaterialgüterschutz-Rechts beantworten.

Ungerechtfertigte Ungleichbehandlung

Besonders lachhaft ist nun, dass lediglich Universitäten nichts für eine Veröffentlichung bezahlen müssen, Verwaltungsstellen (inkl. das VBS selber) aber sehr wohl, ausgenommen wenn sie in einer Abstimmungsunterlage mit Hilfe eines Landeskartenausschnitts etwas illustrieren wollen.

Wenn man sich das vorstellt, wie häufig es dank dieser komplizierten Regelung zu Verletzungen der Rechte von swisstopo durch Amtstellen kommt - von Gemeinden bis zum Bund ... das gibt ja schon wieder Arbeit für einen weiteren Bundesangestellten, der all diesen Verstössen nachgeht.

Sollte man bei swisstopo nämlich auf die Idee kommen, systematisch und flächendeckend nach Schwarzveröffentlichungen fahnden zu lassen, wie das von der Billag mit den Schwarzsehern bereits praktiziert wird, dann könnte es für ein paar Website-Betreiber teuer werden. Was denen blüht, erklärt Artikel 18 der bereits genannten Verordnung.

Unabhängige Forschung kostet extra

Für einmal beisse ich in den sauren Apfel und zahle für dieses Ausschnittchen. Aber eigentlich finde ich es eine Zumutung, dass die Bestimmung «rein wissenschaftlich» so stur gehandhabt wird.

Denn damit wird die universitäre Forschung (auch Semesterarbeiten mit teils fragwürdiger Qualität fallen darunter) einseitig mit einem finanziellen Wettbewerbsvorteil bedacht und de facto auch noch mit einem amtlichen Gütesiegel versehen.

Die ebenso unentgeltlich geleistete Forschungstätigkeit im öffentlichen Interesse dagegen wird nicht nur explizit als «populärwissenschaftlich» bezeichnet und damit in den Augen der Öffentlichkeit in die Nähe der Unwissenschaftlichkeit gerückt, sondern auch noch - amtlich abgesegnet - finanziell abgestraft.

Es wäre fairer und näher an der Kostenwahrheit auch für den Ausbildungsbereich, wenn alle zahlen müssten - auch die Elfenbeintürme, die mit Artikel 10 Absatz 1 Buchstabe c obgenannter Verordnung unter obrigkeitlichen Heimatschutz gestellt werden.

Alte Kartenwerke sind freigegeben

Kostenpflichtig ist übrigens nur die Verwendung der aktuellen Serie der "Landeskarten der Schweiz" (LK). Die sogenannte Siegfried-Karte (offiziell «Topographischer Atlas der Schweiz», Abkürzung «TA»), sowie die ältere Dufour-Karte (offiziell «Topographische Karte der Schweiz», Abkürzung «TK») sind zum kostenlosen Abdruck freigegeben.

Das erklärte mir ein swisstopo-Mitarbeiter am Telefon. Aber vorsichtshalber fragt man im konkreten Fall doch noch einmal nach, ob dem auch wirklich noch so ist.

Donnerstag, 2. August 2007

Regierungsrat Markus Kägi: Ansprache zum 1. August in Weiach

Dass Weiach am selben Tag von NZZ und Tages-Anzeiger erwähnt wird, ist selten. Da muss schon ein Flugzeug abstürzen, Sereina Trachsel Schweizermeisterin werden oder - wie gestern - ein Zürcher Regierungsrat seine 1. August-Ansprache hier halten.

«Baudirektor Markus Kägi zieht es nach Weiach, wo er auf dem Schulhausareal die Ansprache hält», schrieb der Tagi am Dienstag.

Damit traf er voll ins Schwarze, denn Kägi hat tatsächlich eine ganz besondere und langjährige Beziehung zu unserem Dorf. Worin diese besteht, erklärte er in seiner gestrigen Ansprache gleich selber.

Weil ich leider selber nicht dabeisein konnte und es auch Weiacher in aller Welt gibt, die gern wissen möchten, was Kägi gestern abend gesagt hat, habe ich seine Kommunikationsabteilung um den Text und die Abdruckrechte gebeten.

Eine Rede ist keine Schreibe

Wie üblich steht natürlich auch über diesem Redetext «ES GILT DAS GESPROCHENE WORT» - der Redner soll schliesslich kurzfristig auf aktuelle Gegebenheiten vor Ort reagieren können und sich nicht sklavisch an sein Manuskript halten müssen.

Es ist also gut möglich, dass Kägi gestern abend auch noch Anderes gesagt, oder im Text Enthaltenes nicht erwähnt hat.

Trotzdem hat die stellvertretende Leiterin Kommunikation Baudirektion nach Rücksprache mit Regierungsrat Kägi den integralen Abdruck erlaubt. Sie teilte der Redaktion des WeiachBlog heute nachmittag mit, «dass Sie die Rede telquel verwenden können».

Merci villmal! Die Leser des WeiachBlog finden nachstehend den vollen Wortlaut von RR Kägis gestriger Ansprache - und Kommentare erst ganz am Schluss:

1. Augustfeier 2007 in Weiach
Ansprache von Regierungsrat und Baudirektor Markus Kägi


«Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident,
liebe Weycherinnen und Weycher, geschätzte Gäste

Ich danke Ihnen für Ihre Einladung hier nach Weiach und freue mich, die heutige Bundesfeier mit Ihnen begehen zu können. Die Schweiz, unser Heimatland, feiert heute ihren Geburtstag. Den 716. Eine stolze Zahl, doch wie Sie wahrscheinlich wissen, ist Weiach gemäss Urkunden noch 20 Jahre älter, denn Ihr Dorf wurde bereits 1271 in einem Dokument erstmals schriftlich erwähnt. Tatsächlich jedoch geht die Geschichte Weiachs noch wesentlich weiter zurück, deuten doch zahlreiche archäologische Fundstellen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde darauf hin, dass dieses Territorium schon seit dem Ende der letzten Eiszeit ein bedeutendes Siedlungsgebiet war.

Von Max Frisch, dem bedeutenden Schweizer Dramatiker und Erzähler, stammt das Zitat: "Heimat sind die Menschen, die wir verstehen und die uns verstehen." Ich möchte es noch einfacher formulieren. Für mich ist Heimat da, wo ich mich zuhause fühle. Und hier in Weiach fühle ich mich zuhause, auch wenn in dieser Gemeinde der absolute Tiefpunkt des Kantons Zürich erreicht wird – topografisch gesehen! Doch Spass beiseite. Es ist wirklich so, dass mich mit Weiach ganz besondere Beziehungen verbinden, dass dieser Ort für mich ein echtes Stück Heimat ist. Hier ging ich schon als Bub immer mit meinem Vater auf die Jagd, und bin auch heute noch ein begeisterter Jäger. Hier hat unsere Familie ihre Jagdhütte, was mich allerdings etwas beunruhigt. Denn es soll ja vorkommen, dass in Weiach gelegentlich eine Jagdhütte – wie die Jagdhütte Sanzenberg – gewissermassen über Nacht abhanden kommt und auf dem Gebiet einer anderen Gemeinde wieder auftaucht.

Verstehen und verstanden werden, dies trifft für mich und die Weiacher zu. Ich bin oft und gerne hier und kenne zahlreiche Menschen, den Gemeinderat, die Bauern. Wobei mir die Bauern natürlich ganz besonders am Herzen liegen. Als neuer Baudirektor des Kantons bin ich nämlich auch zuständig für die Landwirtschaft, da ja das Amt für Landschaft und Natur vor einem Jahr der Baudirektion angegliedert worden ist. So freut es mich denn umso mehr, dass von der Gesamtfläche der Gemeinde Weiach noch heute rund ein Drittel von der Landwirtschaft beansprucht wird und knapp die Hälfte Wald ist, wobei grosse Teile des Waldes der Gemeinde gehören.

Weiach war seit jeher von der Landwirtschaft geprägt und in dieser Hinsicht schon früh sehr fortschrittlich. So entfaltete der im Jahre 1846 gegründete Landwirtschaftliche Verein, dem einige aufgeschlossene Gemeindemitglieder angehörten, eine rege Tätigkeit. Seine Bestrebungen wurden über Jahre hinweg von den Preisgerichten an landwirtschaftlichen Festen mehrmals öffentlich anerkannt. Ab 1848 erhielten die Absolventen der Abschlussklasse praktische Unterweisungen in der Obstbaumzucht. In dieser eigens zu diesem Zweck beim Schulhaus errichteten kleinen Baumschule, gab es zudem auch einige Beete für Rebensetzlinge besserer Sorten. Zu den fortschrittlichen Ideen des Vereins gehörten die Prüfung und Anwendung moderner Anbaumethoden sowie die Einführung neuer Kulturpflanzen wie Mais, Hopfen oder Tabak. Wer weiss, vielleicht ist ja hier in Weiach das Urkonzept für die Landwirtschaftsschule Strickhof entstanden?

Zur Baudirektion des Kantons Zürich gehört auch das Amt für Raumordnung und Vermessung. Dort ist die Kantonsarchäologie angesiedelt. Unsere Kantonsarchäologen sind auf dem Gebiet der Gemeinde Weiach verschiedentlich zum Einsatz gekommen. Neben Funden von monumentalen Mammutzähnen wurde hier im Jahre 1979 auch ein frühmittelalterliches Gräberfeld sichergestellt. Im Frühjahr 2001 entdeckten die Archäologen bei Notgrabungen eine bronzezeitliche Siedlung.

All dies hing zusammen mit einer anderen Art von Grabungen, dem Kiesabbau. Informiert man sich im Internet über Weiach, so kann man dazu Folgendes lesen: Die Ausbeutung des einzigen in nennenswerten Quantitäten vorhandenen Bodenschatzes der Schweiz liess die Gemeinde zum ersten Mal in ihrer Geschichte ihre Finanzprobleme vergessen. 1995 machte Weiach als steuergünstigste Gemeinde des Kantons Schlagzeilen.

Im Zusammenhang mit dem Kiesabbau hier in Weiach und mit einer allfälligen Verlagerung wurden in letzter Zeit einige Fragen aufgeworfen. Natürlich gibt es in dieser Sache – wie sollte es auch anders sein – ganz offensichtliche Interessenskonflikte, denn auf jedem Quadratmeter Land lasten mehrfache Ansprüche. Für mich als Baudirektor und meine zuständigen Ämter ist dies eine grosse Herausforderung und ich bin dankbar, dass uns das Instrument der Richtplanung zur Verfügung steht. Wir sehen uns mit zahlreichen Sachzwängen konfrontiert und haben uns mit Nutzungskonflikten auseinander zu setzen. Aber, doch ich bin zuversichtlich, dass wir über einen vernünftigen Dialog Lösungen finden werden.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, meine Damen und Herren, wenn man als Regierungsrat des Kantons Zürich hier in Weiach in der Öffentlichkeit spricht, führt kein Weg daran vorbei, auch ein Problem anzuschneiden, das die Gemeinde und Sie ganz persönlich stark beschäftigt: der Fluglärm, der gekröpfte Nordanflug und die damit verbundene Sicherheit.

Mit Schrecken denke ich zurück an den Flugzeugabsturz von 1990 am Stadlerberg. Ich kann deshalb nur zu gut verstehen, dass die Bevölkerung von Weiach sensibilisiert ist und berechtigte Angst davor hat, dass sich ein derartiges Ereignis wiederholen könnte. Die negativen Auswirkungen eines gekröpften Nordanflugs auf die Gemeinde sind denn auch nicht von der Hand zu weisen und ich kann bestens nachvollziehen, dass der Gemeinderat zusammen mit den Mitgliedgemeinden der Interessengemeinschaft Nord eine Einspracheschrift einreichen wird. Damit ist das Problem natürlich nicht gelöst, zumal die gegenseitigen Standpunkte unvereinbar scheinen und die Verhandlungen mit Deutschland in einer Sackgasse gelandet sind. Was also tun?

Ich habe dazu meine ganz persönliche Meinung, denn ich lebe seit 53 Jahren in Niederglatt und weiss, wovon ich spreche, wenn es um Fluglärm geht. Ich habe die Zeiten noch miterlebt, als die Caravelle gestartet und gelandet ist. Da haben bei uns im Geschirrschrank die Gläser geklirrt. Als direkt Betroffener muss ich jedoch feststellen, dass man – wie meistens im Leben – nicht alles haben kann, auch in dieser Frage gibt es nicht den Föifer und das Weggli. Es geht darum, nach einer optimalen Lösung zu suchen, die für alle Anwohner erträglich ist. Wir, die um den Flughafen herumwohnen, profitieren ja auch von ihm. Und einen Flughafen ohne Lärm kann es nun einmal nicht geben, zumindest in naher Zukunft nicht. Aber ich bin entschieden dafür, dass dieser unvermeidliche Lärm gerecht verteilt wird und dass es in dieser Angelegenheit keine Privilegien geben darf. Es sollte doch möglich sein, dieses Problem freundeidgenössisch zu lösen!

Eidgenössisch oder Eidgenossenschaft – was ist das überhaupt? Ich finde, so eine Bundesfeier ist die ideale Gelegenheit, wieder einmal über unsere eigene Identität nachzudenken. Die Schweiz, unsere Heimat, ist ein grossartiges Land. Darauf dürfen stolz sein, dafür sollten wir aber auch dankbar sein. Und gemeinsam dafür sorgen, dass dies so bleibt.

Was macht denn die Schweiz so aussergewöhnlich? Denken wir zuerst einmal an unsere weltweit einmaligen demokratischen Rechte. Wir haben nicht nur das Recht, alle vier Jahre eine demokratische Regierung zu wählen, sondern auch das Recht, in allen wichtigen Sachgeschäften mitbestimmen zu können – doch leider verzichten regelmässig viel zu viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auf dieses Recht. Denken wir weiter an unseren Föderalismus, der die Macht auf das ganze Land verteilt und nicht zentralistisch in Bern konzentriert. Denken wir an unseren Wohlstand, unsere Sozialwerke und das gut funktionierende Gesundheitswesen.

Denken wir aber auch daran, dass dies alles nicht selbstverständlich ist, sondern bewusst gepflegt werden muss. Dabei geht es um mehr als um persönlichen, wirtschaftlichen oder politischen Erfolg oder um die Steigerung unseres Wohlstandes. Es geht auch um das Verlangen nach Sicherheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Zuverlässigkeit, Solidarität und Vertrauen. Auch diesen menschlichen Grundbedürfnissen hat unsere Wirtschaft und Politik Rechnung zu tragen. Daher brauchen wir heute in unserem Land viel mehr Frauen und Männer, für die die Gesellschaft als Gemeinschaft und die soziale Verantwortung ganz allgemein wichtiger sind als eigenes Prestige, Selbstverwirklichung und Gewinnoptimierung.

Wir brauchen Frauen und Männer, die solche Ideale umsetzen und nicht nur auf die Fehler und Mängel anderer zeigen, die nicht nur Krisen, sondern auch Chancen sehen. Wir neigen dazu, uns selber schlecht zu machen und nörgeln ständig an allem herum. Ich denke, wir sollten das Verantwortungsbewusstsein von uns allen für andere und damit für unsere Gesellschaft ganz allgemein neu entdecken und zugunsten der Allgemeinheit einen kleinen Teil unserer eigenen Überzeugung in den Hintergrund rücken. Wir sollten den Mut haben, uns für ethische Grundwerte einzusetzen, welche das Gemeinsame, die Solidarität und nicht den Egoismus fördern.

Freuen wir uns doch über das Gute in unserem Land, in unserem Kanton, in unserem Dorf, aber auch bei unseren Nachbarn und bei unseren Behörden – und reden wir darüber. Nörgler und Stänkerer haben keine Zukunft. Lassen wir uns anstecken von der Tatsache, dass es uns eigentlich gut geht. Sich freuen, fröhlich und zufrieden sein ist ansteckend und schafft eine gute Laune. Und die wünsche ich ihnen zum heutigen Feiertag ganz besonders!

Ich danke Ihnen.
»

Kommentar WeiachBlog

Der Einstieg mit der lokal üblichen Eigenbezeichnung Weych ist Kägi gelungen. Auch mit seinen geschickten Hinweisen auf seine eigene Verbundenheit mit dem Ort seiner Ansprache und ihrer Geschichte dürfte er bei den Zuhörern Punkte gemacht haben.

Mit dem launigen Einwurf, es beunruhige ihn etwas, hier eine Jagdhütte zu besitzen, «denn es soll ja vorkommen, dass in Weiach gelegentlich eine Jagdhütte – wie die Jagdhütte Sanzenberg – gewissermassen über Nacht abhanden kommt und auf dem Gebiet einer anderen Gemeinde wieder auftaucht», nimmt er auch ein Thema eines WeiachBlog-Artikels auf: Wo die Jagdhütte Sanzenberg hingekommen ist.

Wenig überzeugt hat Kägi leider auf dem politischen Minenfeld Nummer 1 des Kantons, dem Thema Fluglärm-Verteilung oder -Kanalisierung. Er fühlte sich wohl verpflichtet, darauf einzugehen.

Bei dieser Ansprache unter freiem Himmel war das unvermeidlich, wurden doch nach Angaben von Unique sämtliche Flugbewegungen über den Norden abgewickelt - aus Sicherheitsgründen. Warum? Im Süden des Flughafens hat man dieses Jahr wieder Millionen per Feuerwerk in höhere Luftschichten verpulvert. Das Risiko, dass dabei eine Maschine getroffen oder auch nur durch Irritation der Piloten gefährdet würde, wollten die Sicherheitsverantwortlichen nicht eingehen. Deshalb dürfte unser 1. August-Redner mehrmals von Fluglärm unterbrochen worden sein.

Dennoch greift der Herr Regierungsrat quasi in die Verharmlosungskiste, wenn er davon spricht, früher hätten beim Start einer Caravelle noch die Gläser im Kasten gezittert. Solche Einzelereignisse mag man damals noch eher toleriert haben. Unter anderem weil von einer Mengenausweitung, wie wir sie seither erlebt haben, in der Anfangszeit weder etwas zu spüren, noch explizit die Rede davon war. Aber dass wir quasi stellvertretend für alle anderen den Fluglärm schlucken sollen, damit die Wirtschaft gedeiht, das haben breite Kreise im Unterland schon lange als ungerecht empfunden - auch zu den Zeiten der Caravelle. Man frage nur einmal die alteingesessenen Bewohner von Höri.

Hoffen wir, dass Kägi seiner Aussage: «Aber ich bin entschieden dafür, dass dieser unvermeidliche Lärm gerecht verteilt wird und dass es in dieser Angelegenheit keine Privilegien geben darf» in seiner Arbeit als Regierungsrat auch gegenüber seinen Amtskollegen wirklich nachlebt. Und vor allem, dass er nicht einknickt, wenn die Südschneiser wieder ihre unverschämten Forderungen nach immerwährender Ruhe auf Kosten aller anderen Miteidgenossen und deutschen Nachbarn durchzudrücken versuchen.

Quellen

Mittwoch, 25. Juli 2007

Das Erdbeben vom 25. Juli 1855

Unsere mittlerweile 301-jährige Kirche hat schon vieles erlebt. Interessanterweise traf es nicht nur die grosse Sonnenfinsternis gerade auf den Zeitpunkt ihres Baus, auch bei Renovationen geschah Ungewöhnliches. So bei der Kirchturm-Renovation von 1855:

«Am 25. Juli wurde nachmittags 1 Uhr 05 Minuten ein so starkes Erdbeben verspürt, dass die Arbeiter von den Gerüsten sich begaben, die Dielen krachten, was an den Wänden hing, sich hin und her bewegte und alles Volk erstaunt zusammenlief. Am 26. vormittags und am 28. während des Mittagläutens wiederholten sich dieselben Erschütterungen.»

Epizentrum Vispertal

Diese Erdstösse führten in Weiach zu keinen Schäden, im Wallis aber sehr wohl, wie ein Artikel des Schweizerischen Erdbebendienstes mit dem Titel «Das nächste Erdbeben kommt bestimmt» erläutert:

«St. Niklaus, 25. Juli 1855, kurz vor ein Uhr Mittags, es ist regnerisch trüb. Die meisten Leute sitzen noch beim Essen als ein dumpfes Geräusch aus dem Untergrund zu vernehmen ist, dann ein erster Schlag, gefolgt von starkem schütteln, Gegenstände rutschen durch den Raum, Deckenteile brechen ein und Risse ziehen sich durch das Mauerwerk. Alle flüchten in Panik aus den Häusern. Draussen, unsichtbar im Nebel und in den von den Gebäuden aufsteigenden Staubwolken stürzen mächtige Felsblöcke mit lautem Krachen von den steilen Bergflanken herab. Ein sicherer Ort ist nirgends zu finden.

Erst nachdem sich der Staub gesetzt hat, sind die Folgen des Erdbebens zu erkennen: Zwischen Visp und St. Niklaus ist kaum ein Gebäude unbeschädigt geblieben. Zum Teil sind ganze Wände eingestürzt, der Kirchturm von Visp steht ohne Spitze da. Ein Kind ist von einer umstürzenden Mauer erschlagen worden, Verletzte müssen mühsam über herabgestürzte Felsmassen zu Tal getragen werden. In den folgenden Tagen richten einige der unzähligen Nachstösse weitere Schäden an.
»

Schäden bis zu 9 Milliarden Franken

Solche Erdbeben können sich auch heute jederzeit ereignen. Weil die Gebäude heute wesentlich zahlreicher und teurer sind als noch vor 150 Jahren, müsste in der Schweiz heute bei einer Wiederholung dieses Erdbebens mit Gebäudeschäden von 580 - 8720 Millionen Franken gerechnet werden.

Die Streuungsbreite der Schadensumme entspricht dem Unterschied zwischen einer optimistischen und einer worst-case-Schätzung und umfasst nur die Gebäudeschäden. Andere Sachwerte und wirtschaftliche Folgekosten sind nicht eingerechnet. Auch Verluste an Menschenleben und deren finanzielle Folgen nicht.

Quellen
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). 1. Aufl. 1972, 2., ergänzte Aufl. 1984.
  • Deichmann, N.; Fäh, D.: Das nächste Erdbeben kommt bestimmt. Obwohl sie weniger häufig auftreten als in der Türkei, sind Erdbeben eine in der Schweiz stark unterschätzte Naturgefahr. Presseartikel des Schweizerischen Erdbebendienstes, ETH Zürich
[Veröffentlicht am 18. November 2007]

Sonntag, 22. Juli 2007

Juliwetter 1957

Wie sehr das Wetter vor 50 Jahren vom damaligen Dorfchronisten Walter Zollinger noch aus der Sicht der Landwirte gesehen wurde, das zeigt sich praktisch in jeder Monatsbeschreibung. So auch in dieser hier:

«Heiss beginnt der Juli, 35° am Nachmittag des ersten Tages auf der schattseitigen Laube unseres Hauses und so gings während der ganzen Woche weiter, sogar auf über 36° stieg das Quecksilber. Dann aber wandte sich das Blatt plötzlich, und die nachfolgenden drei Wochen brachten fast täglich längere oder kürzere Regengüsse, vornehmlich nachts. Die Nachmittagstemperaturen sanken entsprechend und hielten sich nur mehr zwischen 18 bis höchstens 25°. Wohl waren die Abende meist ordentlich; aber für die Erntearbeiten, die nun fällig geworden wären, immer zu spät. Erst gegen Ende des Monats besserte es und die letzten zwei Tage waren wieder prächtige Sommertage. Nun „läufts“ in den Roggen- und Weizenfeldern unten!»

Mit «unten» meinte der im Oberdorf nahe der Mühle wohnhafte Zollinger die Ebene zwischen Kaiserstuhl und dem Weiacher Hardwald vor Rheinsfelden.

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel


Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 5 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 2. November 2007]

Samstag, 14. Juli 2007

Die Funkstille brechen...

Nach wochenlanger Sendepause (seit 12. Juni 2007, 16:53) habe ich mich heute dazu entschlossen, den WeiachBlog ab sofort wieder mit neuen Inhalten zu bestücken. Geplant war das zwar schon lange, aber eben ...

Es gibt Gründe, die dagegen sprechen: wenn man(n) sich beruflich verändert, dann bindet das halt Ressourcen. Schliesslich will man ja im neuen Arbeitsumfeld als Top-Performer und nicht als lahme Ente auffallen.

Allerdings gibt es auch etliche Gründe auf der Befürworterseite. Das wären erstens einmal die regelmässigen Besucher dieses Blogs:

  • die Weiach-Fans mit einer Engelsgeduld, die trotz unangekündigter Sendepause unverdrossen mindestens einmal täglich auf WeiachBlog vorbeischauen und noch nie gemotzt haben - obwohl der Autor ja per e-mail erreichbar wäre (ich denke da vor allem an eine Zürcher Anwaltskanzlei, die hier aus Gründen des Datenschutzes nicht genannt wird),
  • die stillen Subscriber, welche WeiachBlog über ihren Newsreader abonniert haben.
  • die "Eingeborenen", von denen einige ab und zu auch diesen Blog lesen und - selten aber immerhin - sogar kommentieren. Die meisten davon offline oder per privater e-mail.

Dann natürlich der nicht abreissende Strom von Weiach-Bezogenem, das durch den Blätterwald rauscht und - zweckentsprechend - auch Kommentare und Verweise auf neuere Ausgaben der Weiacher Geschichte(n). Die aktuelle Nr. 92 wurde am 2. Juli sogar vom Tages-Anzeiger verwertet.

Finden wir also die Balance - und die wird einstweilen vor allem im Nachholen von Artikeln mit Datum ab dem 28. Mai liegen. Inhalte gibt es mehr als genug. Nur müssen sie halt einmal in Form gegossen werden.

Neues gibt's also einstweilen unterhalb dieses Postings - nicht drüber wie sonst üblich. Jedenfalls so lange, bis das Datum des 13. Juli erreicht ist. Bin gespannt, wie lange das dauert.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Wenn OL-Läufer Eichen pflanzen

Dass unter Jägern und Förstern nicht immer eitel Freude über die OL-Läufer herrscht, ist bekannt. Deshalb freut ein Artikel über gegenseitige vertrauensbildende Massnahmen - besonders wenn sie mit langfristigen Wirkungen verbunden sind.

Der Titel «Kapreöli planzten Eichen» auf der Website des im Zürcher Unterland tätigen OLC Kapreolo sagt denn auch exakt, worum es ging: um die Zukunft eines Waldes, er u.a. auch unser Wald ist:

«Stadel/Weiach/Bachs: Normalerweise rennen sie an den jungen und alten Bäumen herum. Am vergangenen Samstagmorgen jedoch [d.h. am 31. März] pflanzten 15 Mitglieder des Glattaler OL Klubes Kapreolo für einmal 100 Eichen und montierten alte und nun wirklich gefährliche Umzäunungen, sowohl für das Wild wie auch für OL Läufer, im Stadlerberg ab. Hintergrund ist natürlich ein gutes Einvernehmen mit den weiteren Waldbenützern wie Forst- und Jagdbehörden im Hinblick auf die Durchführung der Anfang September 07 stattfindenden SOM [Schweizer OL-Meisterschaft]. Wie meinte denn auch Förster Roland Steiner beim anschliessenden Essen diplomatisch: „Wir beide haben halt ab und zu unterschiedliche Auffassungen……„

Unter der Anleitung der beiden Förster Roland Steiner und Max Holenweg, sowie Jagdobmann Kurt Griesser (Jagdgesellschaft Sanzenberg) erledigten die OL Läufer diese Arbeiten trotz zu Beginn nasser und kalter Witterung in schnellem Tempo. So dass Förster Steiner plötzlich fragte: "Kann man Euch mieten?" Bereits nach 13 Uhr konnte zum Risotto- und Wurstessen am warmen Lagerfeuer geschritten und das eine oder andere Gespräch geführt werden.

"Eichen setzen wir jetzt aus klimatischen Gründen und weil Eichenbäume wegen den zu erwartenden, wärmeren und trockeren Sommer robuster als zB. Rotbuchen etc. sind", so Förster Steiner. "Zudem lieben Wildschweine diese Art von Baum sehr und mit der jetzigen Anpflanzung hoffen wir, dass wir diese Schweine in einigen Jahren dadurch etwas mehr von den Feldern - wo sie für die Landwirte meist grössere Schäden anrichten - im Wald zurückbehalten werden können." Bis es allerdings soweit sein dürfte, werden noch einige Jahrzehnte vergehen und der eine oder andere der nun gepflanzten Bäume eingehen. Um die noch ganz jungen Eichen vor voreiligem "Ab-Frasse" durch Kollege Wild zu schützen, wurden sie mit einem Holzpfahl und grünem Kunststoffgehege mit Kabelbinder geschützt.
» (wü/zvg)

Die Renaissance der Eichen ist besonders interessant. War Weiach doch einst für seine Eichenwälder weitherum berühmt. Diese standen zwar vor allem im Hard, wo der Boden über dem Kies schneller austrocknet und feuchtigkeitsliebendere Bäume als die Eiche Probleme bekommen. Dasselbe Phänomen ist auch auf den Ebenen den Steins und des Sanzenbergs zu beobachten. Und es wird - da gehe ich mit Förster Steiner einig - wohl noch zunehmen. Also ist es ein Gebot der Stunde, vermehrt trockentolerante Eichen zu setzen.

Quelle
  • Wuelsi: Kapreöli planzten Eichen. Source: Website des OLC Kapreolo - datiert: 1. April 2007. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors; Daniel Wülser, Bülach

[Veröffentlicht am 24. November 2007]