Donnerstag, 9. Mai 2024

Wenn der Chrueg kein Dorfkrug ist

Auf einem Plan des Meliorations- und Vermessungsamts des Kantons Zürich aus dem Jahre 1991 findet sich ein Weiacher Flur- bzw. Ortsteilname, den man sonst nirgends antrifft, auch nicht in der sonst recht umfassenden Datenbank ortsnamen.ch: «Chrueg»  (s. unmittelbar links des Bildzentrums)

Ein Krug? Ist das die Gegend, wo der «Dorfkrug» steht, mögen sich einige bildungsbürgerlich beflissene Deutsche fragen. Aber so wird das Wirtshaus nur in Norddeutschland genannt. Bei uns nannte man sie Tavernenwirthschaft, bzw. Weinschenke (wenn damit kein Beherbergungsrecht verbunden war).

Richtig ist: Chrieg...

Was uns hier vorliegt, ist ein klassischer Verschreiber. Der eigentlich gemeinte Flurname lautet: «Chrieg». 

Dass dem so ist, wussten die Mitglieder der informellen Weiacher Strassenbenennungskommission in just dieser Zeit (1991/92) besser als die Kartenzeichner in Zürich. Sie wollten den genau an dieser Stelle auf der Karte verlaufenden Privatweg daher eigentlich «Chriegweg» nennen. 

Daran hatten allerdings die Anwohner (und Grundeigentümer) gar keine Freude. Sie wünschten sich den Namen «Birkenweg» und drangen damit durch. 

...aber wo genau ist er?

Dass sie dadurch eine historisch zwar in Schriftquellen belegbare, in der Landschaft aber in ihrer Verortung nicht eindeutig feststehende Benennung verhindert haben, kommt uns Heutigen zupass.

Denn beim Durchsehen aller mir heute verfügbaren Quellen findet man mehrere Varianten. Laut diesen kann «Im Chrieg» etliche Stellen im Raum des westlichen Ortsteils Chälen bezeichnet haben: 

Von (A) einer Häusergruppe an der oberen Stockistrasse, wo sie in grösserer Steigung Richtung Sanzenberg entschwindet, über (B) den gesamten Streifen am Hang unterhalb des Wingert zwischen Stockistrasse und Riemlistrasse, bis hin zu (C) einer Häusergruppe an der Riemlistrasse, deutlich unterhalb der Abzweigung Weinbergstrasse. 

Alles nah beieinander im Umkreis von 250 Metern. Aber eben nicht an derselben Position.

Um diese Belege und was sie für die Flurnamenforschung bedeuten, soll es in den Artikeln der nächsten Tage gehen.

Quelle

  • Gemeinde Weiach. Provisorischer Übersichtsplan 1:5000. Ausgabe 1991. Signatur: StAZH PLAN B 2636.

Mini-Serie «Im Chrieg. Ein Weycher Flurname»

Teil 1 = dieser Artikel (WeiachBlog Nr. 2096); Teil 2 (WeiachBlog Nr. 2097); Teil 3 (WeiachBlog Nr. 2098); Teil 4 (WeiachBlog Nr. 2099)

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