Donnerstag, 18. Januar 2007

Fischzüge des Tages-Anzeigers - eine Bilanz

Die seit dem 6. November erscheinende Regional-Ausgabe Unterland des Tages-Anzeigers hat zu einer Zunahme von Zeitungs-Artikeln mit Bezug zu unserer Gemeinde geführt. In den letzten zehn Wochen sind es immerhin 18 Artikel, in denen der Name Weiach zumindest erwähnt wird. Das kann man der folgenden Übersicht aus der Pressedatenbank "Swissdox" entnehmen:

27-Nov-06: Bülach und Dielsdorf lehnen Ostmilliarde ab (Tages-Anzeiger)
28-Nov-06: Auch in Weiach kann man glücklich sein (Tages-Anzeiger)
28-Nov-06: Weiach: «Mehr Kinder wären gut» (Tages-Anzeiger)
29-Nov-06: Bunkeranlagen am Rhein der Nachwelt erhalten (Tages-Anzeiger)
29-Nov-06: Zeitzeugen entlang dem Rhein erhalten (Tages-Anzeiger) (Tages-Anzeiger)
29-Nov-06: ...ohne Titel... (Tages-Anzeiger)
29-Nov-06: Kaiserstuhl Fisibach Wahlen in der Kirchgemeinde (Mittelland Zeitung)
01-Dez-06: Nachts bald schneller zu Hause. Fisibach/Kaiserstuhl/Schneisingen Nachtnetz wird ab 10. Dezember ausgebaut. (Mittelland Zeitung)
08-Dez-06: Sie wissen nicht, wovon sie reden (Tages-Anzeiger)
08-Dez-06: BEZIRK DIELSDORF. Trinkwasser vom Langgrabenhof ist ok (Tages-Anzeiger)
11-Dez-06: «Klasse» contra «Mode»: (Neue Zürcher Zeitung)
13-Dez-06: Neues Mitglied für die Kirchensynode (Tages-Anzeiger)
28-Dez-06: Der Orkan Lothar hat dem Wald auch gut getan (Tages-Anzeiger)
30-Dez-06: Es sah immerhin so aus, als wäre Winter (Tages-Anzeiger)
03-Jan-07: BEZIRK DIELSDORF (Tages-Anzeiger)
04-Jan-07: FRAG-WÜRDIG: DIE WEIACHER BRÜDER BENJAMIN UND TOBIAS BAUMGARTNER NACH DEM SECHSTAGERENNEN. «Die Stimmung im Final war grossartig» (Tages-Anzeiger)
08-Jan-07: Weiach hat aufs neue Jahr angestossen (Tages-Anzeiger)
11-Jan-07: Schöne neue Fernsehwelt: Schweizer Familie
13-Jan-07: ...ohne Titel... (Tages-Anzeiger)
16-Jan-07: TAGESTIPP (Tages-Anzeiger)
17-Jan-07: Höri und das Neeracherried vom Durchgangsverkehr befreien (Tages-Anzeiger)
18-Jan-07: Schwimmunterricht gefährdet? (Tages-Anzeiger)

Da kann die NZZ höchstens noch über ihre Zürcher Landzeitung(en) mithalten. Leider auch da um einen hohen Preis. Das Neue Bülacher Tagblatt erscheint weitgehend gleichgeschaltet mit dem Zürcher Unterländer, nicht nur was das Layout der Website betrifft. Auch die Inhalte sind offenbar weitgehend dieselben. Jammerschade.

Sonntag, 14. Januar 2007

Die Pest aus Marseille

Im gestrigen Beitrag war die Rede von der sogenannten Marsilianischen Pest, also der Pest in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille.

Dass die Massnahmen des Zürcher Sanitätsrates vollauf gerechtfertigt waren (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 9 und Nr. 10) zeigt sich, wenn man die Suchmaschinen mit den Stichworten "Pest", "Marseille" und "1720" füttert.

Letzte Pest in Europa 1720

«Im Mai 1720 kam die Pest zum letzten Mal nach Europa. Angeblich eingeschleppt von einem Schiff, bei dessen Abfertigung die Quarantänebestimmungen nicht korrekt angewandt wurden, verbreitete sich die Krankheit von 172o bis 1722 über Marseille und die Provence. Die Pest von Marseille löste überall in Europa Maßnahmen aus. So erließ der Kurfürst von Sachsen am 10. Oktober 1721 ein „Mandat Wegen der in dem Koenigreiche Franckreich Sich je mehr und mehr ausbreitenden CONTAGION und Derer, dagegen anbefohlenen Anstalten". Da diese Epidemie auf den Süden Frankreichs beschränkt blieb, konnte der preußische König am 15. Juni 1723 die seit 1721 bestehenden Beschränkungen und Verbote des Handels mit Frankreich wieder aufheben, wie das, wie in der Verordnung ausdrücklich vermerkt wird, andere Staaten bereits getan hatten.» (Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen)

Auch in Sachsen war man also vorsichtig, wenn auch wesentlich später als in Zürich. Man konnte ja schliesslich nicht zum Voraus wissen, dass sich die Seuche nicht so rasant ausbreiten würde wie in früheren Fällen.

Eine andere Internetseite nennt sogar den Namen des Schiffes und weitere Details:

«Im Jahr 1720 lief die "Le Grand Saint Antoine" aus Syrien ein. Bereits während ihrer Seereise starben mehrere Matrosen an Bord an einer seltsamen Krankheit und hohem Fiber. Seit vielen Jahren schützt sich die Hafenstadt gegen Seuchen durch eine strikte Quarantäne verdächtiger Schiffe auf den Frioul Inseln. Doch dieses Mal - allem Anschein nach auch auf Druck einflussreicher Kaufleute aus der Umgebung, die die Waren an Bord des Schiffes sehnlichst erwarten - wird die strikte Verfahrensweise gelockert. Dies erwies sich schon bald als fataler Fehler. Die nun ausbrechende Pest-Epidemie tötete etwa 100.000 Menschen, davon allein 50.000 der 90.000 Marseillais.» (Huber)

Dass eine mysteriöse Krankheit mit hoher Todesrate als Pest bezeichnet wird ist nicht ganz abwegig. Unabhängig davon, um was es sich bei der Marsilianischen Pest gehandelt haben mag, gilt: Eine Katastrophe von solch gewaltigem Ausmass lässt sich nicht vertuschen.

Die alarmierenden Nachrichten darüber erklären, weshalb die Zürcher selbst Soldaten mit Kanonen an die Grenze stellten, um ihrer Entschlossenheit zur Seuchenquarantäne und damit dem Schutz ihres Landes Ausdruck zu verleihen.

Quellen und weitere Artikel

Samstag, 13. Januar 2007

5 Prozent Tote, jedes Jahr

Ja, das war bei uns vor 300 Jahren mit teils über 40 Toten in einem einzigen Jahr traurige Realität. Und die Todesursache ist nicht etwa in Kriegswirren zu suchen. Da handelte es sich vielmehr um ein «Drittweltproblem» wie man dem Abschnitt über Krankheiten von Walter Zollingers «Chronik Weiach» entnehmen kann:

«Zwischen 1676 und 1782 ist eine recht grosse Sterblichkeit (auch unter Kleinkindern) zu beobachten, die jährlich bei beständig 30 und mehr Personen liegt. Die Todesursachen waren manigfaltige; neben der Pest traten damals gerne auf: Pocken, Typhus, Ruhr, Auszehrung, Kindbettfieber. Sicherlich fehlte auch weitgehend die ärztliche Betreuung in den abgelegenen Orten der Landschaft. So starben im Jahre 1706 (Zeit des Kirchenbaues) 41, Anno 1707 und 1759 gar je 42 Dorfgenossen.

Um der Einschleppung solcher Epidemien entgegenzuwirken waren unsere Behörden oft zu drastischen Massnahmen genötigt; so zum Beispiel im Jahre 1720: "Bey Anlass der Marsilianischen Pest ward an diesem Gränzort nächst by dem Eichwald vor dem Dorf ein Quarantäne-Schopf erbauwet, ein Mörser dabey aufgepflanzet und eine Wache dazu gesetzet, auch alle dahin gebrachten Waaren ausgelegt und gereinigt."
»

Diese Quarantäne-Massnahmen fanden selbst in den damaligen Lexika über den Stadtstaat Zürich Erwähnung. Es scheint sich also um ziemlich drastische Eingriffe gehandelt zu haben. Beim herrschenden schlechten Hygiene-Standard und mangelndem medizinischen Wissen war das aber wohl die einzig mögliche Schutzmassnahme.

Quellen und weiterführende Artikel

  • Zollinger, W.: Von Krankheiten, Viehseuchen, Brandfällen, Erdbeben und Unwettern. In: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). 1. Aufl. 1972 (erschienen an Ostern), Staatsarchiv des Kantons Zürich: Dc W 28, Zentralbibliothek Zürich: FU 3003; 2. ergänzte Aufl. 1984. [Die 3., überarbeitete Auflage, erschien 2003 unter dem Titel: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes]
  • Mit Mörsern gegen die Pest. Das «Erlufftungshaus» von 1720/21 (Teil 1). Weiacher Geschichte(n) 9. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, August 2000 – S. 9.
  • Europäisches Handelshemmnis und lokale Einnahmequelle. Das «Erlufftungshaus» von 1720/21 (Teil 2). Weiacher Geschichte(n) 10. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 2000 – S. 13-14.

Freitag, 12. Januar 2007

Die Einheitskrankenkasse auf dem Podium

Ein gelber Zettel landete in den letzten Tagen in den Weiacher Briefkästen. Mit den Logos von SP und SVP. Eine Einladung. Zu einer «Öffentlichen Podiumsdiskussion am Mittwoch, 17. Januar 2007, 20 Uhr».

Das Thema: «Ist die Volksinitiative "Für eine solidarische Einheitskrankenkasse" die richtige oder die falsche Medizin für unser Gesundheitswesen?» Die Moderation übernimmt Urs Tremp, ein Redaktor des Tages-Anzeigers Unterland.

Das Thema ist aktuell, die Zeit nicht ungewöhnlich: es sind ja bald wieder Wahlen, da wollen sich die Politiker öffentlich zeigen. Dass dem so ist zeigen die Funktionen der Podiumsredner.

In diesem Fall handelt es sich bei den Kontrahenten auf der Pro-Seite nämlich um SP-Kantonsrat Thomas Hardegger, Rümlang und einen Kandidaten aus Oberglatt. Auf der Contra-Seite: SVP-Kantonsrat Werner Bosshard, ebenfalls aus Rümlang und einen Kandidaten aus Schleinikon.

Und was hat das jetzt mit Weiach zu tun?

Das Ungewöhnliche ist der Veranstaltungsort: Gemeindesaal Weiach. In den letzten Mitteilungen für die Gemeinde Weiach war über diese Veranstaltung kein Sterbenswörtchen erwähnt.

Das lässt eigentlich nur einen Schluss zu: dass hier Auswärtige als Veranstalter auftreten - etwa die Regionalredaktion Unterland des Tages-Anzeigers? Gut möglich. Dass es Auswärtige ohne wirkliche Ortskenntnisse sein müssen, das zeigt schon allein die Strassenangabe Schulweg 6 für den Gemeindesaal. Das ist die Adresse des neuen Schulhauses. Der Gemeindesaal hingegen liegt unter der Turnhalle und die Eingangstüre öffnet sich eindeutig auf der Seite Stadlerstrasse. «Bei der Bushaltestelle Weiach, Gemeindehaus» wäre eine wesentlich zielführendere Bezeichnung gewesen.

Sei's drum. WeiachBlog fragt sich nur noch was die ungenannt bleibenden Veranstalter dazu bewegt haben könnte, ihr Podiumsgespräch ausgerechnet am Rand des Kantons durchzuführen. Hey Leute, hier wohnen nur ein paar hundert Wähler!

Donnerstag, 11. Januar 2007

Wenn Frau will geht's in Rekordzeit

Das Bernbiet hat den Weiachern manches beschert. Nicht nur den derzeit ältesten Einwohner, den vor Jahrzehnten hierher gezogenen, mittlerweile 96-jährigen Paul Friedli. Nein, auch handfeste Bauwerke. Und das ging so:

«Die Milchgenossenschaft Weiach hat nun nach mehrmaligem Zögern doch beschlossen, eine sog. "Gemeinschafts-Tiefkühlanlage" zu erstellen. Am 11. Jan. nachmittags referierte eine Bäuerin aus Herzogenbuchsee, Frau Gerber, über die Nützlichkeit und Verwendungsmöglichkeit einer solchen Anlage gerade für die Bauernfamilien. Das Interesse, vor allem unserer Bauersfrauen, war derart gross, dass sofort an die Errichtung geschritten und die gesamte Anlage schon am 24. August dem Betrieb übergeben werden durfte. (Miete für je 100 Liter-Fach Fr. 35.- pro Jahr.).» (G-Ch Weiach 1957, S. 15)

Das alte Tiefkühl-Häuschen (Vers.-Nr. 378) zwischen dem Volg und der Liegenschaft Wolf. (Aufnahme Weiacher Geschichte(n) vom 27. November 2004)

Durchschlagskraft - auch ohne Frauenstimmrecht

Heute vor 50 Jahren beschlossen also die Frauen von Weiach, eine solche Anlage müsse her. Und die stand dann auch in Rekordzeit – gemessen an heute üblichen Bewilligungs-, Finanzierungs- und Planungszeiträumen. Zugegeben: es handelt sich um ein kleines Häuschen von den Abmessungen her in der Grösse einer Doppelgarage (oder nicht einmal), aber trotzdem: Bereits am 15. März erfolgte die Bauausschreibung in der Zeitung. Der Rest war in weniger als einem Jahr fixfertig installiert.


Übrigens ebenfalls heute vor 50 Jahren: «Der Schweiz. Schul- und Volkskino zeigt den lieblichen Tonfilm "Heidi und Peter".» (G-Ch Weiach 1957, S. 11)

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 11 & 15 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957).

Montag, 8. Januar 2007

Hausjubiläen 2007

Hohe Geburtstage von Einwohnern unserer Gemeinde findet man in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach.

Wenn ein Haus Geburtstag feiert, dann erfährt man das in der Regel nicht aus der Zeitung. Man muss entweder beim Hausbesitzer, bei der Gebäudeversicherung, im Staatsarchiv oder auf dem Grundbuchamt nachfragen. Oder eben hier hineinschauen - bei WeiachBlog.

Der Verfasser der Weiacher Geschichte(n) sammelt schon seit Jahren Informationen über die Gebäude in der Gemeinde. Sie stammen vor allem aus den sogenannten Lagerbüchern der Kantonalen Brandassecuranz (heute: Gebäudeversicherung des Kantons Zürich). Aus dieser und anderen Quellen lassen sich folgende Jubilare herausdestillieren:

300 Jahre

Pfarrscheune und Pfarrhaus. Obwohl 1707 noch keine Gebäudeversicherung bestand, kann man aufgrund verschiedener Indizien annehmen, dass beide Gebäude in etwa dieses Alter haben. Das glauben zumindest manche Experten. Andere sind vehement anderer Meinung. Für die Pfarrscheune gibt die Gebäudeversicherung z.B. das technische Erstellungsjahr 1895 an. Und für das Pfarrhaus gibt es Altersschätzungen auf die Jahre 1564, 1591 und 1706. Sicher ist nur, dass es im Fall der Pfarrscheune wiederverwendete Gebäudeteile gibt, die dendrochronologisch nachgewiesen ein noch viel höheres Alter aufweisen. Eine eichene Fachwerkschwelle ist nach diesen Analysen rund 500 Jahre alt (Dendro: um 1515) [Jahrzahl Dendro korrigiert am 3.10.2017; Fälschliche Bezeichnung als Türschwelle am 28.9.2020 korrigiert; vgl. WeiachBlog Nr. 1591].

200 Jahre

Ein wesentlich unscheinbareres Häuschen an der heutigen Stockistrasse 9 (Vers.-Nr. 567) wird von der Gebäudeversicherung auf das Jahr 1807 datiert. Die Lagerbücher zeigen, dass dieses Haus mit der traditionell angebauten Scheune ab 1812 die Nummer 118 und ab 1895 die Assekuranznummer 137 trug. Interessant ist auch die Ortsangabe im ersten Lagerbucheintrag von 1812: "In Kellen".

150 Jahre

Bekannter ist das 1857 errichtete Alte Gemeindehaus an der Büelstrasse. Es wird heute von der Gebäudeversicherung als "Friedhofgebäude" bezeichnet. Das entbehrt nicht einer gewissen Logik, denn vom Friedhof aus sind die im Untergeschoss des Hauses eingebauten Toiletten und weitere Räume erreichbar. Das Haus trug nach dem Nummerierungsschema 1812 die Bezeichnung 48A, ab 1895 die Assekuranznummer 81 und seit 1955 die Versicherungsnummer 237. Als Ortsangabe wird 1812 "Im Bühl" angegeben, als Funktion: "Löschgerätheschopf". Auch das stimmt, denn das Gemeindehaus diente einst nicht nur als Sitzungs- und Archivraum, sondern auch als Feuerwehrmagazin.

100 Jahre

Exakt hundertjährige Gebäude gibt es heute in Weiach keine. Der einzige Kandidat, das erste Schützenhaus der Gemeinde Weiach, wurde wohl nach dem Bau des neuen im Jahre 1948 abgetragen. Das alte trug nach dem Nummerierungsplan von 1895 die Assekuranznummer 169, das neue die Nummer 230. Eine Versicherungsnummer ist nach 1955 aber lediglich für das neue Schützenhaus bekannt: die Nr. 100 an der Haslistr. 4.

Vor exakt einhundert Jahren verschwunden ist übrigens ein (wohl beim Bau der Linie Winterthur-Koblenz im Jahre 1873-1876) im Hard errichtetes Bahnwärterhäuschen der Schweizerischen Nordostbahngesellschaft.

50 Jahre

Eine ganze Reihe Häuser können auf ihr 50-jähriges Bestehen zurückblicken:
  • Ein Wohnhaus mit Werkstatt an der Kaiserstuhlerstr. 10, d.h. die Tankstelle der Familie Willi (Vers.-Nr. 606)
  • Dann ein Schopf bei der Liegenschaft Büelstrasse 1 (Vers.-Nr. 221)
  • Das Lagergebäude der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Weiach an der Kaiserstuhlerstrasse 44 (Vers.-Nr. 672)
  • Das Einfamilienhaus Zeindler an der Stadlerstr. 22 (Vers.-Nr. 410)
  • Und schliesslich die ehemalige Gemeinschafts-Tiefkühlanlage (von der Gebäudeversicherung 2002 noch als "Kühlhaus" bezeichnet) hinter dem Volg an der Stadlerstrasse (Vers.-Nr. 378)

Sonntag, 7. Januar 2007

Glückliches Schlusslicht

«In Neerach lebt sichs am besten, nach Weiach soll man besser nicht zügeln. Stimmt das Bezirk-Dielsdorf-Rating der ZKB tatsächlich?» So fragte die noch junge Regionalredaktion des Tages-Anzeigers am 28. November 2006 provokativ.

«Weiach bleibt hinter Stadel und Bachs das Schlusslicht», heisst es im Artikel weiter. Die Redaktoren Simon Eppenberger, Manuela Moser und Lorenz Schmid begaben sich aus diesem Anlass zu den Einwohnern von Neerach (Bezirkssieger) und Weiach (Schlusslicht im Bezirk) und machten das, was Journalisten tun, wenn ihnen nichts besseres einfällt - eine Umfrage.

Abgedruckt wurden in der Tages-Anzeiger-Regionalausgabe Unterland vom 28. November die im gestrigen Beitrag bereits kommentierten Statements von vier Weiacherinnen und Weiachern.

Heute schauen wir uns noch den Hauptartikel mit dem tröstenden Titel «Auch in Weiach kann man glücklich sein» genauer an, aus dessen Lead wir eingangs schon zitiert haben.

Weiche Kriterien fehlen

Das Regionenrating stammt aus der Küche der Researchabteilung der Zürcher Kantonalbank, die es im Auftrag des Tages-Anzeigers durchführt. Zwar wird behauptet, die Kriterien umfassten alle wesentlichen Parameter um einen Standort zu bewerten. Das ist aber offensichtlich nicht der Fall, wie die Tages-Anzeiger-Redaktoren selber zugeben müssen:

«Die Studie bewertet die Gemeinden nach harten ökonomischen Kriterien. So erstaunt es nicht, dass beispielsweise Neerach mit seinen tiefen Steuern und der hohen Steuerkraft massiv punkten kann. Auch die hohen Immobilienpreise sprechen laut den Verfassern für Neerach. Beobachtet wurden aber auch demografische Kriterien wie der Anteil an Familien, die Altersstruktur der Gemeinde sowie die Bilanz der Zu- und Wegzüge.»

Wie sich die Dynamik der Zu- und Wegzüge genau auf die Standortqualität auswirkt, dürfte ziemlich umstritten sein. Je grösser die Fluktuation, desto grösser ist wohl auch die soziale Unrast und Entwurzelungstendenz. Kleine Fluktuation muss demgegenüber nicht bedeuten, dass eine Gemeinde als Wohnort unattraktiv ist - im Gegenteil.

Schon dieser Mangel lässt einen an der Tauglichkeit der Kriterienauswahl und dem Wert der Analyse zweifeln. Aber es kommt noch besser:

Lebensqualität nicht erfasst

«Das Regionenrating hält sich klar an die messbaren Fakten. Aspekte, die hingegen nicht direkt in einen Zahlwert umgemünzt werden können, jedoch für den Einwohner hinsichtlich seiner Lebensqualität nicht weniger interessant sind, werden weggelassen. So ist die verkehrstechnische Erreichbarkeit von Zürich ein Kriterium in dem Rating, die Einkaufsmöglichkeiten im Dorf werden aber nicht bewertet. Kann eine gute Anbindung an Zürich nicht auch negative Auswirkungen auf den Verkehr haben? Auch Faktoren wie Naherholungsgebiete, Freizeitangebote und nicht zuletzt der Fluglärm prägen eine Gemeinde.»

Der bereits vor Ort Wohnende hat also weniger Gewicht als der Neuzuzüger mit seinem kürzlichen Entscheid. Was man auch sieht, ist, dass das Rating einseitig Zürich-orientiert konstruiert wurde. Bei einer von der Stadt aus denkenden Zeitung und einer ebensolchen Kantonalbank auch nicht verwunderlich.

Dass allerdings die Einkaufsmöglichkeiten im Dorf überhaupt nicht bewertet werden, ist unverzeihlich. Denn das macht - vor allem für ältere und weniger mobile Menschen - einen grossen Unterschied. Nur eben: das ist nicht das hochmobile, tendentiell finanzkräftige Personensegment, dessen Entscheidungen in diesem Rating den Ausschlag geben.

Die Einheimischen beeindruckt das kaum

Deshalb ist auch das Fazit der Umfrage absehbar:

«Wie verhält es sich also in den Gemeinden wirklich? Der «Tages-Anzeiger» hat sich bei den Bewohnern der Tabellenschlusslicht-Gemeinde Weiach und bei den Einwohnern der Spitzenreitergemeinde Neerach umgehört.

Dass sie in der «schlechtesten» Gemeinde wohnen, kümmert die Weiacher kaum. Ähnlich gelassen reagierten die befragten Einwohner von Neerach auf ihre erneute Spitzenplatzierung. Es zeigte sich, dass man sich in beiden Gemeinden über den tiefen Steuerfuss zwar freut, doch dass dieser für viele kein entscheidendes Kriterium bedeutet. Die Leute schätzen vielmehr das Ländliche an ihrem Dorf, auch wenn teilweise ungünstige Verbindungen des öffentlichen Verkehrs bestehen. Es werden aber auch kritische Stimmen laut: Die hohen Immobilienpreise in Neerach oder die durch das Wachstum zunehmende Anonymität im Dorf beschäftigen die Bewohner.
»

Letzteres gilt auch für Weiach. Die enorme Zunahme der Bautätigkeit in den 90er-Jahren hat sich in einem massiven Wachstum der Bevölkerung und einem höheren Anteil der neu Zugezogenen niedergeschlagen.

Der tiefe Steuerfuss dürfte überdies - wie in Neerach - dazu beitragen, dass etliche dieser Neuzuzüger den Wohnort nur nach Steuerkriterien gewählt haben und gar nicht gewillt sind, eine tiefergehende Beziehung zu ihm aufzubauen. Erfreulich aber auch, dass ein höherer Steuerfuss für viele dann doch kein Grund fürs Wegziehen wäre.

So weit zu diesem Umfrage-Artikel.

Gehen wir noch etwas näher ans Regionenrating heran. Im Tages-Anzeiger vom 28. November findet man ein FAQ, zusammengestellt von Andreas Valda. Die Kommentare sind auch hier von WeiachBlog:

Die 5 häufigsten Leserfragen und ihre Antworten

Wer bestimmt die TA-Gesamtnote je Gemeinde?

«Indirekt die Mieter und Käufer von Immobilien. Indem sie einen Miet- oder Kaufvertrag abschliessen, verraten sie indirekt ihre Vorlieben für ein Angebot. Diese Vorlieben oder Präferenzen werden von Wissenschaftlern systematisch analysiert und bewertet. Sie errechnen darauf die so genannte «Kaufbereitschaft» für eine besondere Eigenschaft, sei es Lage, Gemeinde, Grösse, Standard und Qualität. Je wichtiger den Käufern und Mietern eine Eigenschaft ist, desto mehr sind sie auch bereit zu zahlen. Dem TA-Rating liegt nun das umgekehrte Prinzip zu Grunde: Je höher die durchschnittliche Kaufbereitschaft beträgt, desto grösser ist die Wertschätzung für eine Gemeinde.»

Kommentar: Bei nur wenigen Transaktionen gibt das Statistische Amt die Daten nicht frei. Eine Aussage zu wagen ist also für eine systematische Analyse höchst problematisch.

Ist die TA-Gesamtnote ein Durchschnitt aus den Einzelnoten?

«Nein. Die Einzelnoten der verschiedenen Kriterien dienen nur zu Veranschaulichung einer bestimmten Qualität. Ein Bezug zwischen der Gesamtnote und einigen Kriterien kann aber hergestellt werden, so etwa der Nähe zu Zürich oder der Steuerbelastung Privater. Oft gilt: je näher eine Gemeinde bei Zürich liegt und je tiefer die Steuerbelastung, um so höher die Gesamtnote. Diese Parallelität verdeutlicht, was Immobilienkäufern und Mietern in ihrem Standortentscheid wichtig ist: Die Nähe zu Zürich und tiefe Steuern.»

Kommentar: Hier sieht man besonders deutlich, wie der Blickwinkel auf die Immobilientransaktionen (und damit auf die Neuzuzüger) die Beurteilung der Attraktivität verzerrt.

Wer bestimmt die Einzelnoten?

«Sie werden von einem Computer errechnet. Als Grundlage verwenden die ZKB-Wissenschaftler die Erhebungen des Kantons, des Bundesamtes für Statistik und hauseigene Erhebungen der ZKB für die Wohnbautätigkeit und das Kauf-/Mietpreis-Verhältnis.»

Kommentar: Transparenz ist bei diesem Vorgehen natürlich nicht gegeben. Hauseigene Daten und den Algorithmus wird die ZKB ja wohl nicht offenlegen wollen.

Warum findet man bei dieser zweiten Runde des TA-Regionenratings eine Mehrzahl neue Einzelkriterien?

«Das letzte Mal lag der Fokus auf Kriterien, die mehrheitlich Immobilienkäufer interessierten. In der zweiten Runde stehen demographische und Mieter-Kriterien im Vordergrund. Zudem: Die Mehrzahl der bisherigen Beurteilungen, so etwa die der Fern- und Bergsicht, Erschliessung mit Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten verändern sich kaum oder gar nicht. Sie gelten weiterhin und sind auch weiterhin im Internet abrufbar.»

Kommentar: Da kann man sich fragen, ob überhaupt eine Vergleichbarkeit mit dem ersten Rating gegeben ist. Auch hier wäre es überdies hilfreich, mehr über die genauen Beurteilungsschemata zu erfahren. Beispielsweise darüber, welches demographische Profil aus welchen Gründen als besser gilt als ein anderes.

Ist die Benotung von Gemeinden aus verschiedenen Bezirken vergleichbar?

«Nein. Die Noten beziehen sich immer auf die Gemeinden im Bezirk. Gut möglich, dass die eine Gemeinde im Bezirksvergleich eine 6 hat, aber im Vergleich zur Gemeinde eines anderen Bezirks nur eine 3 hätte. Der Gesamtvergleich wird es am Ende des zweiten Ratings publiziert werden.»

Kommentar: Hier sieht man, woran das Regionenrating schon prinzipiell krankt. Je nach Abgrenzung der Region sind die Resultate nämlich irreführend - um nicht zu sagen unbrauchbar. Es macht absolut keinen Sinn, gewisse Gemeinden des Bezirks Dielsdorf miteinander zu vergleichen. Hüttikon und Weiach (um zwei eher ländliche Gemeinden herauszugreifen), liegen in zwei völlig verschiedenen Geländekammern und haben miteinander herzlich wenig zu tun. Schon allein aus geographischen und verkehrstechnischen Gründen. Viel wichtiger wäre ein Vergleich von Weiach mit den Rafzerfeld-Gemeinden, mit der Nachbargemeinde Glattfelden, mit Kaiserstuhl und Fisibach oder gar mit Hohentengen. Auf den Gesamtvergleich darf man gespannt sein.

Weitere Informationen zum Regionenrating

Alle bisherigen Regionenratings und Erläuterungen zur Methodik findet man unter www.tagesanzeiger.ch/regionenrating. Wer dennoch ratlos bleibe, könne sich an den Betreuer der Serie, Andreas Valda wenden: andreas.valda@tages-anzeiger.ch.

Offenbar wirft das Rating doch ziemlich hohe Wellen. Kein Wunder. Da geht es schliesslich um den Wert von Liegenschaften. Und damit um Vermögenswerte in Millionenhöhe. Mit dem Rating bewaffnet kann man in Weiach als Käufer versuchen, die Preise zu drücken - mit dem Argument der mangelnden Gunst der übrigen Marktteilnehmer.

Quellen
  • Eppenberger, S.; Moser, M.; Schmid, L.: Auch in Weiach kann man glücklich sein. In: Tages-Anzeiger, 28. November 2006 – S. 61 Unterland.
  • Valda, A.: Rümlang ist der überraschende Aufsteiger. In: Tages-Anzeiger, 28. November 2006 – S. 19.

Samstag, 6. Januar 2007

Kinder statt Rinder

Das Wortspiel soll eine Anspielung auf ein lokales Langzeitproblem sein. Nicht eine politische Aussage im Sinne des berühmt gewordenen Wahlkampfslogans «Kinder statt Inder» der deutschen Republikaner (vgl. den Wikipedia-Artikel über den CDU-Politiker Jürgen Rüttgers).

Angesichts der sinkenden Tendenz bei den Schülerzahlen ist es wahrscheinlich, dass die ehemals kinderreiche Bauerngemeinde Weiach sich vorbehaltlos zum Credo «Mehr Kinder wären gut» (einem Titel in der Unterland-Ausgabe des Tages-Anzeigers von Ende November) bekennen würde. Und das auch in einer breiter angelegten Umfrage (vgl. die vier Statements weiter unten).

Schlusslicht im Tagi-Rating über den Bezirk Dielsdorf

Anlass für den Besuch des Tagi in Weiach und die erwähnte Schlagzeile war das alle vier Jahre erneuerte Regionenrating aus dem Hause Tamedia. Dort bekam Weiach erneut die rote Laterne des Bezirks Dielsdorf verpasst: Note 1. Ein vernichtendes Urteil, das als Verdikt des Immobilienmarktes hingestellt wird:

«In der Gesamtnote des Regionenratings spiegelt sich der Wert der Lagen in der jeweiligen Gemeinde im Vergleich zu den anderen bewerteten Gemeinden wieder. Der Gesamtwert der Lage ergibt sich in der Analyse nicht aus einer Reihe von Expertenmeinungen, sondern er stammt unmittelbar und ausschliesslich aus der Analyse der Markttransaktionen. Sie entsprechen deshalb der aktuellen Wertschätzung aller Teilnehmer am Zürcher Immobilienmarkt.»

(Lead des Artikels TA-Immogesamtnote im Tages-Anzeiger vom 12.04.2005. Erstaunlich, dass ein Tagi-Journalist die Falschschreibung «wiederspiegeln» statt korrekt «widerspiegeln» verwendet. Noch erstaunlicher, dass dies beim Korrekturlesen durchging. Da wurde am Korrektorat wohl etwas gar zuviel gespart.)

Weiacher haben wenig «Pfupf»

Doch zurück zum Beitrag «Mehr Kinder wären gut» vom 28. November. Er steht als Kasten neben dem Hauptartikel mit dem Titel «Auch in Weiach kann man glücklich sein».

Zu Wort kamen in diesem Kasten vier Personen, von denen mindestens zwei den in der Öffentlichkeit Aktiven zugerechnet werden können (Kissling und d'Overschie).

Wie immer bei Zeitungs-O-Ton muss man Zitate mit etlicher Vorsicht geniessen. Dass die Zitate von den Zitierten gegengelesen wurden, erachte ich in diesem Fall als unwahrscheinlich.

Den Anfang macht der seit Jahren mit Herzblut in der Pfadi-Jugendarbeit engagierte Kissling (unter Pfadern als «Gufae» bekannt):

«Frank Kissling (36): Ich habe früher in Neerach gewohnt, doch weil ich als Leiter die Pfadi in Weiach aufgebaut habe, bin ich hierher gezogen. Die Weiacher sind etwas träge, haben wenig «Pfupf», nehmen nicht am Dorfleben teil. Die Neeracher sind da ganz anders. Doch ich lebe trotzdem sehr gern in Weiach. Es ist ländlich, überschaubar, man kennt sich. Ich habe kein Auto und bin auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Jeden Tag fahre ich zur Arbeit nach Zürich. Der Halbstundentakt am Morgen und am Abend ist ausreichend für mich. Tagsüber gibt es immerhin jede Stunde eine Verbindung. Mehr als der Fluglärm stören mich die vielen Autos, die durchs Dorf rasen. Und leider gibt es hier wenige Kinder. Doch das wird sich hoffentlich ändern.»

Das sind harte Worte von einem, dem man eine direkte Vergleichsmöglichkeit zubilligen muss. Der WeiachBlogger nimmt sich bei dieser Kritik durchaus nicht aus. Seine Teilnahme am Dorfleben beschränkt sich nämlich weitgehend auf die passive Beobachterrolle.

Dass sich Kissling an den Autos stört, hängt wohl mit seiner Wohnlage direkt an der Stadlerstrasse zusammen.

Ein Skaterpark muss her - die Bunkerdisco haben wir schon

Dann folgt ein junger Weiacher, der in der Gegend des Riemli oberhalb dem Bedmen wohnt, Gabriel B. (12):

«In Weiach ist wenig los. Mein jüngerer Bruder hat Unterschriften für einen Skaterpark gesammelt. Bald wird er genügend zusammenhaben. Denn wenn wir im Dorf skaten wollen, werden wir dauernd vertrieben und beschimpft, dass wir zu laut seien. Ich selbst werde zusammen mit vier Kollegen eine Disco auf die Beine stellen. Jeden zweiten Samstag wollen wir in einem privaten Bunker tanzen. Die Glitzerkugel haben wir schon, jetzt kann es losgehen. Ein CD-Laden oder ein Snowboard-Geschäft, das wäre schon toll. Immerhin gibt es hier einen Jugendtreff. In die Schule nach Stadel fahre ich mit einem Extrabus. Die Verbindung ist sehr gut. Und das Billet kriegen wir geschenkt. Ich habe gute Kollegen hier, darum wohne ich gerne in Weiach.»

Das Engagement ist beeindruckend. Ob Gabriel und sein Bruder allerdings mit ihrer Petition für einen eigenen Skaterpark durchdringen werden, ist fraglich. Denn beim Oberstufenschulhaus Neuwis-Hus in der Gemeinde Stadel gibt es so einen Skaterplatz bereits.

Der erwähnte Bunker wurde im Zweiten Weltkrieg für das Grenzfüsilierbataillon 269 erstellt. Er steht gleich oberhalb von Gabriels Elternhaus und gehört seit kurzem seinem Grossvater.

Zum Gratis-Abo für die Fahrten nach Stadel siehe den WeiachBlog-Artikel Harley-tramp-mein-Sohn für Weiacher Schüler vom 11. November 2006.

Was, wenn das Kies ausgeht?

Die Tagi-Reporter blieben vor Ort und interviewten gleich noch die Mutter des oben zitierten Zwölfjährigen, Theresa B. (38):

«Ich lebe seit 15 Jahren in Weiach. Was heute für viele Leute zählt, sind gute Verkehrsverbindungen, kein Nebel, ein grosses Freizeitangebot. Das alles kann Weiach nicht bieten. Doch es gefällt mir trotzdem hier. Ich habe meinen Mann in Weiach kennengelernt und bin von Amerika hierher gezogen. Wir führen zusammen das Restaurant «Wiesental» und sind daher an den Ort gebunden. In zehn Jahren wird Weiach überaltert sein. Deshalb braucht es mehr Angebote für die Jungen. Der tiefe Steuerfuss ist ein Vorteil. Doch wir haben ihn nur wegen des Kieswerks – wie lange noch? Das meiste Kies ist ausgeschöpft. Wenn die Steuern hochgehen, dann laufen noch mehr Leute weg.»

Viel deutlicher kann man es nicht ausdrücken. Theresa B. bringt das Kernproblem der Gemeinde auf den Punkt. Die Frage nämlich, welches Profil Weiach künftig haben soll, wenn die Steuererhöhungen nach dem Wegfall des Kiesgeldes unumgänglich werden. Wollen wir zum Industrie- und Gewerbestandort werden? Wo sind die entsprechenden Entwicklungs-Massnahmen? Und wenn die Reise in Richtung Naturpark (z.B. wie Bachs) gehen soll, dann müsste man sich für diese Richtung bewusst entscheiden. Momentan ist weder das eine noch das andere klar zu erkennen.

Note 1 ist Chabis

Als vierte und letzte Einwohnerin kommt eine Weiacherin zu Wort, die noch nicht zu den Alteingesessenen gehört:

«Isabelle d’Overschie (42): Hier gefällt es mir sehr gut. Die Note 1 im Regionenrating stimmt überhaupt nicht. Es ist richtig, dass wenige hierher ziehen. Wir wollen das ändern. Deshalb haben wir das «Forum von Weiach» gegründet. Unser Ziel ist es, dass hier wieder mehr Kinder leben. Sonst hat es in ein paar Jahren kleinere Klassen und weniger Lehrer. Wir werden beispielsweise einen Mittagstisch organisieren. Uns ist auch wichtig, dass der Volg und die Post erhalten bleiben und der öffentliche Verkehr verbessert wird. Dafür, dass wir ein kleines Dorf sind, ist das Schulniveau sehr gut.»

Da hat d'Overschie zweifellos recht. Es ist nicht nur so, dass wenige hinziehen. Per Saldo nimmt die Bevölkerungszahl nach einem Höchststand von 1014 Einwohnern (am 31. Dezember 2002) bereits wieder klar ab - und zwar durch Wegzug. Je schlechter das Infrastruktur-Gesamtpaket, desto unattraktiver wird das Dorf für Familien mit Kindern. Da vermag der tiefe Steuerfuss nicht wirklich Remedur schaffen.

In Neerach und Riedt hat man an einigen Lagen immerhin noch Fernsicht auf die Alpenkette, das zählt im Rating - und kompensiert, dass dort die Erreichbarkeit der Schulen im Tagi-Rating auch nur Note 2 erhält. Umso deutlicher sieht man, dass Note 1 für Weiach und Note 6 für Neerach aus dem Blickwinkel eines Immobilienmaklers zwar zutreffen mag. Nicht aber aus dem einer Familienfrau.

Quelle

  • Weiach: «Mehr Kinder wären gut». In: Tages-Anzeiger, 28. November 2006 – S. 61 Unterland.


Nachtrag vom 2. Mai 2011

Der zum Zeitpunkt der Publikation des TA-Artikels 12-jährige Gabriel B. hat mich heute gebeten, seinen Namen zu anonymisieren.

Ich komme diesem Ersuchen nach, da er zum Zeitpunkt des Interviews mit dem Tages-Anzeiger die Tragweite des "Für-immer-im-Internet-mit-Aussage-und-Namen-gespeichert-Seins" noch nicht erfassen konnte.

Um die Anonymisierung nicht gleich ad absurdum zu führen, sind in diesem Artikel auch der Name seiner Mutter sowie weitere Erwähnungen des Familiennamens B. zur Initiale umgebaut worden.

Freitag, 5. Januar 2007

Weiacher Feuerwehrabzeichen

Die beiden hier abgebildeten Herren waren schon einmal auf WeiachBlog zu sehen: Am 27. Mai 2006 im Artikel über den Jubiläumsanlass des Bezirksfeuerwehrverbands Dielsdorf (BFVD).

Es sind dies Gemeinderat Max Griesser und Ortsfeuerwehrchef Hauptmann Otto Meier.

Im Bild die wohl lokalpatriotischsten Gradabzeichen, die es aus Weiacher Sicht derzeit gibt. In genau einem Exemplar. Und sogar das ist dem Vernehmen nach ein Auslaufexemplar. Umso wichtiger, dass man es für die Nachwelt festhält.

Denn die ehedem mannschaftsstarke, selbstständige Weiacher Ortsfeuerwehr ist ja nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt Geschichte.

Donnerstag, 4. Januar 2007

Traktorenausstellung statt Pferdeweide

Die Chälenstrasse zeichnet sich dadurch aus, dass sie in ihrem vorderen Teil nicht lückenlos von Gebäuden gesäumt ist. Die Chälen und der Rest des Dorfes haben so immer noch eine gewisse Eigenständigkeit im Ortsbild - wenn auch nur für den aufmerksamen Beobachter, der aus diesem Fehlen von Gebäuden die richtigen Schlüsse zieht.

Nun soll eine der Wiesen zugebaut werden und zwar die zwischen den Liegenschaften Fölsch/Burckhardt (Chälenstr. 12, links im Bild), Gander (Chälenstr. 10, im Hintergrund) und Werthmüller (Chälenstr. 6, rechts nur das Grenzweglein sichtbar):


Vom Pferd zum Traktor

Und was soll da entstehen? Nachdem hochfliegende Pläne für ein Mehrfamilienhaus offenbar begraben werden mussten, ist nun ein neues Bauprojekt auf dem Tapet:

«Andreas Gander, Chälenstr. 20, 8187 Weiach
Neubau Traktorenausstellungsgebäude mit ausbaubarem Estrich
AV-Kat.-Nr. 130, Chälenstrasse, Kernzone A KA

Planauflage/Rechtsbehelfe

20 Tage bei der Gemeinderatskanzlei Weiach. Während dieser Zeit können Baurechtsentscheideschriftlich beim Gemeinderat angefordert werden. Wer das Begehren nicht innert Frist stellt, hat das Rekursrecht verwirkt. Die Rekursfrist läuft ab Zustellung des Entscheides (§§ 314 bis 316 PBG).
»

Noch ist allerdings gar nichts gelaufen. Die baumbestandene, als Pferdeweide genutzte Wiese ist nach wie vor unberührt. Und wenn es nach dem Schreibenden ginge, dann dürfte sie das auch noch lange bleiben. Denn wenige Meter quer über die Strasse gibt es ja bereits seit Jahren die Traktorenwerkstatt der Gebrüder Meier.

Dort könnte man die Boliden der Ackerfurche doch genauso gut besichtigen, findet der WeiachBlogger.

Quelle

  • Ausschreibung eines Bauprojektes. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Oktober 2006 - S. 5.