Montag, 21. Juni 2010

Das Melken war Frauenarbeit

«In Weyach ist Fütterung und Bestellung des Rindviehs im Stalle Sache der männlichen, das Melken dagegen die der weiblichen Bevölkerung, was den guten Milchspenderinnen wohl bekannt zu sein scheint, denn viel willkommener als mit dem Milchkübel ist ihnen der Mann in der Futtertenne, zumal, da man die Maulrationen noch nicht abzuwägen pflegt, und je nach Vorrath wohl einschiebt.» (Kohler, 1852 - S. 140)

Diese Passage in einer Broschüre über die landwirtschaftlichen Verhältnisse von sieben Zürcher Gemeinden Mitte des 19. Jahrhunderts deutet darauf hin, dass es sich bei der genannten Art von Arbeitsteilung um etwas Besonderes, im Zürichbiet eher Unübliches gehandelt hat.

In der Schweiz war das Melken meist Männersache, so auch im Kanton Bern, aus dem viele der Auswanderer stammten, die in Deutschland lange dafür sorgten, dass der Begriff «Schweizer» zum Synonym für «Melker» wurde.

«Kuhschweizer» war denn auch ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert der Kampfbegriff der Süddeutschen für ihre Nachbarn. Von den Eidgenossen wurden sie dafür mit dem Schimpfwort «Sauschwabe» bedacht.

Ob das damit zusammenhing, dass es den Schwaben seltsam vorkam, wenn Männer sich mit Kühen herumschlugen - und umgekehrt den Schweizern, dass im nördlichen Nachbarland Schweine von Männern gehütet wurden?

Interessant ist es jedenfalls schon, dass die Weyacher wie die Bayern fanden, die Versorgung der Kühe, das Melken und die Weiterverarbeitung der Milch sei Frauensache - mindestens was das Melken betrifft. (vgl.: http://www.hdbg.de/frauen/fbruf.htm)

Quelle
  • J. M. Kohler: Landwirthschaftliche Beschreibung der Gemeinden Dettenriedt, Höngg, Thalweil-Oberrieden, Uitikon, Wangen, Weyach. Zürich 1852 - S. 140

Sonntag, 20. Juni 2010

Tour de Suisse 2010 durchgerauscht

Am gestrigen Samstagnachmittag kurz vor 15:30 Uhr herrschte auf der Hauptstrasse Nr. 7 Koblenz-Winterthur, die nördlich am Dorf Weiach vorbeiführt, für kurze Zeit der Ausnahmezustand. Das Postauto nach Kaiserstuhl wurde gerade noch durchgelassen. Dann hiess es: Strasse gesperrt!

Mit dem Segen des Gemeinderats

Interessanterweise musste der Weiacher Gemeinderat diese Sperrung bewilligen, obwohl es sich bei der Hauptstrasse Nr. 7 klar um eine Kantonsstrasse handelt:

«Der Gemeindrat erteilt folgende Durchfahrtsbewilligungen: Tour de Suisse am Samstag, 19. Juni 2010 auf der Glattfelderstrasse. Clubinternes Radrennen des Velo Club Zürich-Affoltern am Samstag, 03. Juli 2010 auf der Kaiserstuhler- und Stadlerstrasse. Züri-Metzgete am Samstag, 05. September 2010 auf der Kaiserstuhler- und Stadlerstrasse.» (Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2010 - Rubrik Polizeiwesen, S. 8)

Wenn man es nun ganz genau genommen hätte, dann wäre nach diesem Wortlaut an der Sternenkreuzung Endstation gewesen. Die Bewilligung erstreckte sich aber sicher auch auf die Kaiserstuhlerstrasse, in die sich die Glattfelderstrasse verwandelt, sobald man die Sternenkreuzung Richtung Westen passiert.

Soldat auf der Kreuzung

Vor Ort präsentierte sich die Lage zum obgenannten Zeitpunkt so: Ein Polizeiauto mitten auf der Kreuzung. Ein Soldat als Verkehrsposten, der die auf der Stadlerstrasse herannahenden Fahrzeuge abzuweisen hatte. Und am Strassenrand eine Handvoll Schaulustige aus dem Dorf. Die Durchfahrt des Tour-de-Suisse-Trosses wollten sie sich trotz nass-kaltem Regenwetter nicht entgehen lassen.

Was da durchrauschte war vor allem eine beeindruckende Menge an Motorrädern. Neben solchen der Kantonspolizei Zürich, waren auch Töffs der Schaffhauser und Aargauer Kapo auszumachen. Dann natürlich die offiziellen Tour-Motorräder. Und dazwischen viele Personenwagen - auffallend häufig solche der Marke Skoda, Modell Octavia.

Die Pedaleure als eigentliche Hauptakteure gingen angesichts dieser motorisierten Armada fast unter. Zuerst sauste eine Spitzengruppe vorbei, 1 Minute 32 Sekunden dahinter, so verkündete ein Speaker-Wagen, folge dann das Feld. Und so war es dann auch: ein langgezogener Pulk mit einigen Dutzend in Regenkleidern verpackten Rennfahrern, dahinter die Mannschaftswagen und einige versprengte Fahrer die zum Feld aufzuschliessen versuchten, bevor man die ruppigen Steigungen des Siglistorfers erreichte.

Weniger los als früher

Ein Zuschauer mit Mapei-Käppchen erinnerte sich fast wehmütig an frühere Zeiten. Da habe es zwar auch schon viele Begleitfahrzeuge gegeben. Aber viel mehr Lautsprecher-Lärm von Werbefahrzeugen. Heute seien nur noch wenige Zuschauer da - und Werbegeschenke gebe es auch keine mehr.

Ein anderer Zaungast werweisste, ob da wohl mehr Begleitfahrzeuge als Rennfahrer unterwegs seien. Und meinte dann, eigentlich müsste man diese Veranstaltung in «Tour de Töff» umbenennen. Zum Glück gibt es noch kleinere Radrennen, die nicht derart verkommerzialisiert sind - zum Beispiel am 3. Juli.

Samstag, 19. Juni 2010

Brückenwaage abgebrochen

Manchmal erkennt man an ganz unscheinbaren baulichen Veränderungen, dass Weiach je länger je weniger ein Bauerndorf ist und definitiv zur Agglomerations-Schlafgemeinde mutiert hat.

In landwirtschaftlich geprägten Gebieten wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Gemeinwesen über eine öffentliche Waage verfügt. Aus einem einfachen Grund: Wenn landwirtschaftliche Güter dem Engroshändler geliefert werden, dann müssen Lieferant wie Abnehmer wissen, um welches Gewicht es sich handelt, seien es nun Zuckerrüben, Mostobst, Trauben oder gar eine Ladung Heu.

Ausserbetriebsetzung, da zu wenige Bauern

Vergangene Zeiten, kann man da mit Bezug auf Weiach nur noch sagen, wenn man folgende gemeinderätliche Notiz aus den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach zur Kenntnis nehmen muss:

«Der Gemeinderat verzichtet auf die periodisch vorgeschriebene Eichung der Brückenwaage an der Kaiserstuhlerstrasse und ordnet deren Ausserbetriebsetzung an. Die entstehenden Kosten für die Sanierung und Eichung der Brückenwaage stehen nach Meinung der Behörde in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen.» (MGW Mai 2008 - S. 5.)

Die Ausserbetriebsetzung sah man der Waage auch an:


Letzter Waagmeister der Gemeinde Weiach war Felix Eugster, der Verwalter des Ladens der Landi Weiach-Siglistorf. Die Vergabe des Amtes an ihn machte Sinn, denn die Brückenwaage stand gleich neben seinem Arbeitsplatz.

Abbruchbefehl umgesetzt

In der Mai-Ausgabe der Mitteilungen dann die logische Folge des Entscheids von 2008: «Der Gemeinderat bewilligt einen Kredit von CHF 5'500.- für den Rückbau der einsturzgefährdeten Brückenwaage bei der Landi.» (MGW Mai 2010 - S. 6.)

Wer heute auf der Hauptstrasse Nr. 7 das Gebäude der Landwirtschaftlichen Genossenschaft passiert, wird feststellen, dass das ehemals nordwestlich davon gelegene Waaghaus mit der Assekuranz-Nummer 674 bereits verschwunden ist.


Gebaut wurde die Anlage gemäss der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich im Jahre 1975. Und zwar als Ersatz für die Brückenwaage nördlich des Dorfkerns, die wie das alte Schlachthaus 1974 dem Ausbau der Hauptstrasse weichen musste.

Freitag, 18. Juni 2010

Eine Lehranstalt für Seidenweberinnen

War man anfangs des 19. Jahrhunderts in Weiach noch auf die Seidenspinnerei beschränkt (vgl. WeiachBlog vom 17. Juni 2010), so machte sich die Gemeinde um 1844 an den Aufbau einer eigenen Seidenproduktion über die komplette Wertschöpfungskette hinweg, vom Kokon bis zum fertigen Stoff.

Erkundigungen wurden eingeholt, Maulbeerbäume gepflanzt und Raupen gezüchtet. Zu den treibenden Kräfte in dieser Angelegenheit gehörten die führenden Mitglieder des 1846 gegründeten Landwirtschaftlichen Gemeindevereins. Einer von ihnen, der Weiacher Pfarrer Hans Konrad Hirzel konnte bereits am Sängerfest des Bezirks Regensberg von 1851 eine «aus selbst gezogener Seide verfertigte Fahne» stiften.

Gross aufgezogene Produktionskapazität

Wie gross die Weyacher die Angelegenheit schliesslich aufzogen, zeigt die folgende Passage aus der 1940 publizierten Dissertation von Helene Baltensberger zum Armenwesen im Kanton Zürich:

«In Weiach wurde 1853 eine Lehranstalt für Seidenweberinnen mit ca. 40 Stühlen errichtet, die später durch Private übernommen wurde und durch die die Seidenweberei eine ziemliche Verbreitung fand. Ein gleicher Versuch wurde 1852 in Turbenthal gemacht. Lehrgeld und Webstühle wurden durch das Armengut bezahlt.» (S. 55)

Ob das Turbenthaler Modell die Weyacher inspiriert hat? Ausgeschlossen ist das nicht. Genausowenig wie die Finanzierung der Anschaffungskosten aus dem Armengut.

Gezielt Zusatzverdienst schaffen

1847 hatte man beispielsweise bereits 20 Jucharten Eichenwald im Hard gerodet und in 80 Vierlingsteilen an arme Familien verpachtet. Von dieser Hilfe zur Selbsthilfe mittels Pachtland, das aus dem Besitz der politischen Gemeinde ins Armengut transferiert wurde, versprachen sich die Steuerzahler tiefere Kosten.

Erste Erfolge dieser Wirtschaftsförderungsmassnahmen zeigten sich 1854, als man über 40 Webstühle zählte, an welchen monatlich an die 800 Franken verdient wurden.

War die Lehranstalt im «Seidenhof» untergebracht?

Stellt sich noch die Frage, wo man diese rund 40 Webstühle aufgestellt hat. Solche Maschinen brauchen ja nicht grad wenig Platz - schon eine allein füllt schnell einmal ein halbes Zimmer.

Wo die Lehranstalt sich befunden hat, darüber kann man ohne genauere Kenntnis allfällig noch vorhandener Hinweise in den Gemeindeversammlungs- und Gemeinderatsprotokollen jener Jahre nur spekulieren.

Vielleicht war die Angelegenheit von Anfang an so aufgezogen worden, dass die angeschafften Webstühle dezentral in den Stuben der Lernenden aufgestellt wurden - und nur die für die Ausbildung nötigen Stühle an einem zentralen Ort standen. Etwa im 1836 erstellten Alten Schulhaus?

Dass es sich bei dieser Lokalität um den auf der Wildkarte eingezeichneten «Seidenhof» gehandelt hat, ist eher unwahrscheinlich, denn ein mitten im Dorf gelegenes einzelnes Wohnhaus mit diesem Namen wird bereits in Friedrich Vogels «Neuem Orts-Lexikon des Kantons Zürich» von 1841 erwähnt. Interessanterweise wird in dem ebenfalls von Vogel herausgegebenen Ortslexikon aus dem Jahre 1835 der Seidenhof noch nicht aufgeführt.

Quellen
  • Baltensberger, Helene: Das Armenwesen des Kantons Zürich vom Armengesetz von 1836 bis zu den Revisionsbestrebungen der 60er Jahre. Diss. Volksw. Univ. Zürich. Verlag E. Lang, 1940.
  • Brandenberger, U.: Ziegel, Kohle, Geschirr, Seide und Wagenräder. Fünf Blicke auf ehemals blühende Handwerkszweige. Weiacher Geschichte(n) 57. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, August 2004 – S. 12-14.
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 43.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Seidenspinnerei im Verlagssystem

Seidenspinnerei wurde in Weiach nachweislich bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts betrieben. Wenn auch in recht bescheidenem Rahmen. Das Verlustverzeichnis eines Brandes von 1805 in Weiacher Geschichte(n) Nr. 73, wo u.a. «4 Pfund Siden vom Hr Moralt auf dem graben» und «4 Sidenreder» aufgeführt sind, gibt einen Hinweis darauf.

Laut der Dissertation von Thomas Meier über nichtagrarische Erwerbsformen im Zürcher Unterland des 18. Jahrhunderts, gab es 1787 in Weyach nur zwei Seidenwinder bzw. Seidenkämbler, die aus den Kokons der Seidenraupen den Faden spannen.

Für Glattfelden wird angegeben, es sei in den 1780er-Jahren eine Seidenmanufaktur errichtet worden. Wieviele Beschäftigte diese Zwirnerei hatte, ist gemäss Meier aber nicht bekannt - auch werde sie in der oben erwähnten Statistik von 1787 nicht erwähnt.

Nur arme Schlucker

Viel warf diese Arbeit nicht ab, denn sonst hätte Franz Joseph Stalder in seinem Werk «Versuch eines schweizerischen Idiotikon» von 1812 nicht folgenden Eintrag aufgenommen: «Kämbeln v. act u. n. (engl. to Kemb) Wolle kämmen; mühselig arbeiten, und doch wenig dabey verdienen.»

Bei dieser ersten Stufe der Seidenverarbeitung, dem Spinnen der Fäden, blieb es. Die weiteren Verarbeitungsschritte in der Wertschöpfungskette erfolgten ausserhalb der Gemeinde. Laut Meier zählte man in Weiach im Jahre 1787 nämlich keine professionellen Seidenweber (Tabelle III, S. 412-413).

Quelle
  • Meier, Thomas: Handwerk, Hauswerk, Heimarbeit: nichtagrarische Tätigkeiten und Erwerbsformen in einem traditionellen Ackerbaugebiet des 18. Jahrhunderts (Zürcher Unterland). Chronos-Verlag, Zürich 1986
  • Stalder, Franz Joseph: Versuch eines schweizerischen Idiotikon: mit etymologischen Bemerkungen untermischt, Band 2. Verlag Heinrich Remigius Sauerländer, 1812.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Juniwetter 1960: Einige Tage Heuferien

Der Juni 2010 ist eine eher nasse Angelegenheit. Neben einigen wenigen heissen Tagen regnet es oft und manchmal wolkenbruchartig.

Wie war das Wetter vor 50 Jahren? Der frühere Weiacher Primarschullehrer Walter Zollinger schreibt in seiner Jahreschronik 1960:

«Juni: Gleich vom 1. bis 8. Juni kamen nun die fälligen Heuferien dran. Die Witterung war richtig sommerlich, immer ziemlich schwül und an den Nachmittagen sonnig, Temperaturen zwischen 25 und 30°, höchstens morgens etwas neblig oder bewölkt. Es konnte tatsächlich wacker vorwärts gemacht werden mit heuen. Dann aber gabs wieder eine zeitlang fast einen Stillstand; tagtäglich Wechsel zwischen Regenschauern, Gewittern bis zum 14.6. Von da an endlich wieder durchwegs schön bis zum 23. Juni. "Gut, so schwindet endlich das Heugras weg, es ist höchste Zeit dazu!" Die letzte Monatswoche begann mit einem Gewitter und argem Platzregen in der Nacht vom 23./24.6., dann bliebs unsicher, regnerisch oder doch mit kurzen Schauern durchsetzte und trübe Tage. Erst der 29. und 30. Juni waren wieder niederschlagslos, wenn auch zeitweise bewölkt.»

Wenn die Ferien sich nach dem Wetter richten

Heuferien! Das war die Konzession der Schule an die Bedürfnisse der bäuerlichen Familienbetriebe. Wenn es schon einmal schön war, mit leichtem Wind und starker Sonneneinstrahlung, dann mussten auch die schulpflichtigen Kinder anpacken. Sie hatten zwar schulfrei, aber nicht arbeitsfrei.

Erst 1963 wurden in Weiach die - gemäss Zollinger «jahrhundertalten» - Heuferien abgeschafft. Grund: «Man braucht auf den mechanisierten Bauernhöfen die Kinder kaum mehr zur Mitarbeit».

In der Jahreschronik 1963 liest sich dies wie folgt: «Für unser "Bauerndorf" neu ist, dass die Schulpflege sich entschlossen hat, die "Heuferien" aufzuheben und sich nun endgültig für Einführung der 5wöchigen Sommerferien aussprach, à la Stadt!». (G-Ch Weiach 1963)

Mit anderen Worten: Witterungsunabhängige Sommerferien gibt es in Weiach noch keine 50 Jahre!

Heuferien noch nicht ausgestorben

Dass man aber im Kanton Zürich auch im 21. Jahrhundert noch Gemeinden findet, welche «Heuferien» kennen, zeigt eine Zuschrift in der «Dorfposcht», dem Mitteilungsblatt der Gemeinde Thalheim an der Thur im Zürcher Weinland:

«Was schätzen Sie, wie viele Gemeinden im Kanton Zürich führen noch Heuferien durch? Es sind dies tatsächlich deren 16. Im Bezirk Andelfingen betrifft es die Gemeinden Ossingen, Thalheim a.d. Thur und Truttikon, im Bezirk Hinwil ist es die Gemeinde Fischenthal, im Bezirk Pfäffikon die Gemeinden Sternenberg, Wila und Wildberg und im Bezirk Winterthur betrifft es die Gemeinden Altikon, Bertschikon, Dinhard, Elgg, Ellikon a.d. Thur, Hagenbuch, Hofstetten, Rickenbach und Wiesendangen. Interessanterweise variieren die Daten dieser Ferien sogar innerhalb desselben Bezirks. Dieses Jahr z.B. sind in Ossingen und Truttikon die Heuferien vom 28.05. bis 8.6.2007, während in unserer Gemeinde diese eine Woche früher beginnen» (Dorfposcht Nr. 93, 21. Mai 2007).

Diese Art von zeitlicher Fixierung ist wohl als eine Art Kompromiss zwischen bäuerlicher Tradition und modernem, schulbürokratischen Planungs-Bedürfnis zu verstehen. Heuferien im klassischen Sinne sind dies nicht mehr.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1960 - S. 5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1960].
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1963 - S. 14. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1963]
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). 1. Aufl. 1972; 2. ergänzte Aufl. 1984; 3., überarbeitete Auflage, 2003, von Ulrich Brandenberger unter dem Titel: «Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes», Weiach 2003 - S. 56
  • Heuferien. In: Dorfposcht. Mitteilungsblatt der Gemeinde Thalheim an der Thur, Nr. 93, Mai 2007.

Dienstag, 15. Juni 2010

Wasserrad beim Rheinhof weggeschwemmt

Das Hochwasser von Mitte Juni 1910 verursachte in Weiach nicht nur Erosionsschäden (vgl. dazu WeiachBlog von gestern, 14. Juni 2010).

Da in der ganzen Schweiz grosse Regenmengen niedergingen und die Schneeschmelze beschleunigt wurde, führte auch der Rhein Hochwasser. Mit Folgen für den Besitzer des Rheinhofs, wie Fussnote 7c auf S. 120 von Leemanns Dissertation beweist:

«Weiach. Der Rhein hat in der letzten Nacht einen Wasserstand erreicht wie seit 1876 nie mehr. Das dazumal von den Fluten weggerissene und von Schenkel wieder erstellte kleinere Wasserwerk mußte auch diesmal wieder der Gewalt weichen.» (Der Wehnthaler, 17.6.1910)

Auch die Bülach-Dielsdorfer Wochen-Zeitung vom 17.6.1910 berichtete über diesen Schaden, wird aber von Leemann nicht zitiert.

Gab es 1912 schon wieder ein verheerendes Hochwasser?

Stellt sich die Frage, ob Schenkels das Wasserrad auch diesmal wiederaufgebaut haben oder nicht. Der WeiachBlog-Artikel «Der Rheinhof im Griesgraben» (22. April 2007) würde dafür sprechen:

«Das Wohnhaus wurde 1810 erstellt und hat schon etliche Gefahren überlebt, vor allem mehrere Rheinhochwasser. Eines spülte 1876 eine Mühle weg, 1912 riss ein weiteres ein Wasserrad mit.»

Diese Information stammt aus dem entsprechenden Blatt (Nr. 199) der Serie 1895 der Weiach betreffenden Lagerbücher der kantonalen Gebäudeversicherung. Dort steht der Vermerk, das Wasserrad sei 1912 «fortgeschwemmt» worden (vgl. auch Weiacher Geschichte(n) Nr. 37).

Also noch ein Hochwasser? Vielleicht doch nicht, denn über ein solches habe ich in den Annalen bislang nichts gefunden.

Nummer 199 im Jahre 1926 neu vergeben

Das Wasserrad trug die Assekuranz-Nr. 199 (nach dem Nummerierungssystem 1895). Da exakt diese Nummer aber für das 1926 vollendete Gemeinde-Schlachthaus wiederverwendet wurde, kann man daraus schliessen, dass es nach dem Schaden von 1910 nicht wieder aufgebaut wurde.

Es kann sein, dass diese Tatsache der Gebäudeversicherung erst 1912 zur Kenntnis gebracht und dann im Lagerbuch eingetragen wurde. Für diese These spricht, dass die Prämie wohl nicht allzu hoch war. Sonst hätte Besitzer Schenkel sicher sofort versucht, das Objekt löschen zu lassen.

Gipsmühle, Dreschmaschinen, Sägerei

Die andere (und im Original des Lagerbuches noch zu prüfende) Variante wäre, dass das Wasserrad sehr wohl wieder aufgebaut wurde. Die Gebäudeversicherung hätte es dann aber in die Police für die Asskuranznummer 198 miteingeschlossen - unter Freigabe der Nr. 199.

Unter der Nummer 198 waren folgende Objekte versichert: «Gipsmühle, Dreschmaschinen und Sägegebäude». Sie erscheinen bereits vor 1895 in den Lagerbüchern, und zwar als Nr. 157. Nach dem Nummerierungssystem von 1812 ist das die höchste je vergebene Nummer, was darauf hindeutet, dass diese Objekte eher gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein dürften. Möglicherweise sogar nach dem Bau der Bahnlinie (1874-1876), denn die höheren Nummern wurden im System 1812 nicht nach einem quartierweise aufgebauten Nummernplan vergeben. Die Gebäude der Nordostbahn erhielten die Nummern 146-151, die Kegelbahn und Trinkhalle des Restaurants Bahnhof die Nr. 153.

Das Wasserrad selber wurde aber erst nach 1895 (und damit wohl nicht als direkte Folge des Hochwassers von 1876) als selbstständiges Objekt versichert, denn für die Zeit vor 1895 gibt es keine Assekuranznummer.

Sich ein Bild machen

Wie das Wasserrad ausgesehen haben dürfte, kann man dem Bildarchiv Online der ETH-Bibliothek Zürich entnehmen. Und zwar der Postkarte Nr. 8099 der Sammlung Feller. Der Absender fragte den Adressaten auf der Rückseite «Wo isch ächt das?». Sollte diese Frage leicht scherzhaft gemeint gewesen sein? Weil es das Wasserrad zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr gab? Die Karte wurde nämlich erst 1925 verschickt.

Quelle

Montag, 14. Juni 2010

Wolkenbrüche fördern die Bodenerosion

Vor 100 Jahren machten den Weiachern etliche Wetterkapriolen zu schaffen. Schon im Januar 1910 ging es mit übermässigen Wassergüssen los (vgl. WeiachBlog vom 18. Januar 2010).

Am 10. Juni ging ein heftiger Hagelsturm über das Dorf hinweg (vgl. den Artikel Baumnussgrosse Hagelkörner). Auf dieses Ereignis bezieht sich Albert Leemann, wenn er in seiner Dissertation schreibt:

«Eine Woche vor der großen Überschwemmung vernichtet ein kurzes, heftiges Gewitter, begleitet von wolkenbruchartigen Regengüssen und Hagelschlag, einen Teil der Ernte. Solche intensive Niederschläge (innert ganz kurzer Zeit fallen 21,2 mm Regen) vermag der Untergrund nicht vollständig aufzusaugen. Nur ein Teil des Wassers versickert, durchfeuchtet dabei die oberste Schicht und gestaltet so den Boden rutschfreudiger. Der größere Teil des Wassers vermag oberflächlich abzufließen. Die langen Muldentälchen auf den Terrassenflächen wirken dabei als Wassersammler; sie leiten das Wasser «kanalisiert» gegen die Gräben. Bei der Versteilung des Gefälles schneidet der Bach kräftig ein. Das erodierte Material gelangt bei starker Wasserführung auf der Terrassenfläche zur Ablagerung; ist die Wasserkraft geringer, wird der weggeschwemmte Schutt bereits im sich verflachenden unteren Grabenteil abgelagert. Für Wasserschäden ist nicht nur die Menge der Niederschläge, sondern vor allem die Regenintensität maßgebend (vgl. auch Lit. 58, 1953)» *7b.

Die hier erwähnte Fussnote 7b ist im WeiachBlog-Artikel vom 10. Juni 2010 abgedruckt. Und die Schäden waren denn auch der Intensität entsprechend, zumal bereits wenige Tage später, am 14. und 15. Juni 1910 (heute vor genau 100 Jahren) schon wieder Wolkenbrüche zu verzeichnen waren:

«Die Niederschlagsmengen vom 14.6. und 15.6. beweisen dies deutlich: 31,9 mm und 11,8 mm werden gemessen - Zahlen, die sich bescheiden ausnehmen, verglichen mit der maximalen Tagesmenge von 76,5 mm am 25.6.1953. Und trotzdem genügen die relativ geringen Mengen, um bedeutenden Überschwemmungen zu rufen. Zwei Faktoren sind dabei entscheidend:

1. Der wolkenbruchartige Charakter der Niederschläge.

2. In der übrigen Schweiz gehen über Berg und Tal beträchtliche Niederschläge nieder; Regen fällt bis 3000 m. Somit schwellen auch die großen Ströme an und treten über die Ufer»*7c.

In Fussnote 7c sind als Beleg für die obigen Aussagen die Ergebnisse der täglichen Niederschlagsmessungen von 1910 wie folgt wiedergegeben:

«Mitte Juni gingen über einen Teil der Schweiz außerordentlich starke Niederschläge nieder. Diese gaben Veranlassung zu gewaltigen Hochwassern verschiedener Flüsse und damit zu wahren Katastrophen, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt hatten.... Das war nun das Entscheidende für den katastrophalen Charakter des 14. Juni: über Berg und Tal gingen die gleichen enormen Regenmengen nieder. In den Bergen fällt Regen bis 3ooo m und eine intensive Schneeschmelze setzt ein.»

Quelle

Sonntag, 13. Juni 2010

Ausserfamiliäre Kinderbetreuung abgelehnt

Der harte Kern Stimmberechtigter, der an jeder Volksabstimmung teilnimmt, hat in Weiach erneut für ein klar konservatives Signal gesorgt. Ganze 21.5 Prozent gingen an die Urne oder schickten ihre Abstimmungszettel ein. Dieses Resultat liegt knapp über dem Schnitt des Bezirks Dielsdorf, der mit 19.82% der tiefste Resultat aller Bezirke aufweist. In der Nordwestecke des Zürcher Gebiets ist das Interesse am Thema offensichtlich an einem kleinen Ort.

Nur Vorschulkinder oder auch alle Schulpflichtigen?

Worum ging es eigentlich? Zu entscheiden war am heutigen Abstimmungssonntag lediglich über zwei kantonale Vorlagen - eine Initiative und den Gegenvorschlag dazu. Die Kernfrage war, ob der Staat mehr für die ausserfamiliäre Kinderbetreuung tun solle oder nicht.

Die Initiative verlangte «ein der Nachfrage entsprechendes, qualitativ gutes und breit gefächertes Angebot an familienergänzenden Betreuungsmöglichkeiten für Säuglinge, Kinder und Jugendliche bis zum Abschluss der obligatorischen Schulpflicht.» (§ 1 Gesetz über die Kinderbetreuung; vgl. Abstimmungszeitung, S. 8)

Der Gegenvorschlag des Kantonsrates wollte von einer Ausweitung auf schulpflichtige Kinder nichts wissen. Er sah lediglich Massnahmen für kleine Kinder vor: «Die Gemeinden sorgen für ein bedarfsgerechtes Angebot an familienergänzender Betreuung von Kindern im Vorschulalter.» (§ 15a Abs. 1 Jugendhilfegesetz; vgl. Abstimmungszeitung, S. 8)

Weiach in der ländlichen Ablehnungs-Phalanx

Die Volksinitiative «Kinderbetreuung Ja», die ein eigentliches «Gesetz über die Kinderbetreuung» in Kraft setzen wollte, hat eine vernichtende Niederlage erlitten. Sie fand gerade einmal in den vier Stadtzürcher Kreisen 3,4,5 und 6 eine Mehrheit. Im übrigen Kanton Zürich wurde sie teils wuchtig bachab geschickt.

Bezüglich Ablehnung der Initiative unterscheidet sich Weiach wenig von den Seegemeinden: 28.47% Ja-Stimmen wäre ein Resultat, das dort kaum auffiele. So extrem auf SVP/EDU-Kurs wie die kleine Gemeinde Hüttikon im Furttal mit nicht einmal 14% Ja, ist Weiach, die einzige Gemeinde des Bezirks Dielsdorf mit Rheinanstoss, dann aber doch nicht.

Auch der Gegenvorschlag fand keine Gnade

Der Gegenvorschlag über die «Familienergänzende Betreuung», die im bereits bestehenden Jugendhilfegesetz geregelt werden sollte, fand dagegen im Kanton viele Ja-Stimmen und ist mit (in städtischen Gebieten teils grosser) Mehrheit angenommen.

Hier war eine Mehrheit der stimmenden Weiacherinnen und Weiacher (56.64%) wieder einmal Teil der kleinen Minderheit konservativer Landgemeinden im Norden und Osten, die sich konsequent gegen alle städtischen Neumödigkeiten sperren.

Gemeindeinternes Patt

Bei der Stichfrage, welche Vorlage bei Annahme sowohl der Initiative wie des Gegenvorschlags in Kraft treten solle, entschieden sich immerhin 38.02% der Weiacherinnen und Weiacher für die Initiative.

Die Meinungen sind bei den politisch aktiven Hiesigen also geteilt. Die einen wollen den Staat von jeder Einmischung in familiäre Angelegenheiten der Kinderbetreuung fernhalten. Die andern finden, Mithilfe bei der Kinderaufzucht sei (auch) eine Staatsaufgabe - und nicht nur Sache der Eltern.

55% gegen staatliche Einmischung, 45% dafür. Diese Weiacher Ausgangslage zeigt deutlich den Gegensatz zwischen ländlich-wertkonservativen, den Linien von SVP und EDU nahen Kreisen sowie den mehrheitlich in den letzten Jahren zugezogenen städtisch orientierten Personen.

Oder etwas vereinfacht ausgedrückt: den Graben zwischen alteingesessenen Weychern und dem f.o.r.u.m. Weiach. Entlang dieser Bruchlinie verläuft der gemeindeinterne Kampf um die Frage, ob eine ausserfamiliäre Betreuung nötig und erwünscht sei oder nicht.

Angesichts der an diesem Abstimmungswochenende wieder einmal bestätigten Lage der Fronten dürfte sich die Primarschulpflege Weiach weiterhin sehr vorsichtig verhalten, wenn es um Anliegen wie einen Mittagstisch oder dergleichen geht. Solch heikle Sachen überlässt man lieber den Aktivistinnen des f.o.r.u.m.

Samstag, 12. Juni 2010

Viehunterstand in Brand: Zeusler am Werk?

Grossbrände gibt es zum Glück nur selten. Dass unsere Feuerwehr aber auch immer wieder ausrückt, um kleinere Störungen zu beheben, bekommt die Allgemeinheit meist gar nicht mit. Wie im Fall eines abgebrochenen Viehunterstands, der unversehens zum Löschobjekt wurde.

Brandbekämpfung vom 18.05.2010, 23:32

«Alarmmeldung:
Im Bruchli, Weiach Blickrichtung Bachs Feuer im Wald

Situation beim Eintreffen:
Feuer auf einem Holzbalkenboden innerhalb einer Betonumrandung eines ehemaligen Stalles, auf einer sichtbaren Fläche von ca. 1.5 m x 1.5 m. Unterhalb des Holzbalkenbodens hatte sich das Feuer schon weiter ausgedehnt.

Tätigkeiten:
- Löschen des Feuers auf dem Holzbalkenboden
- Entfernen der Holzbalken mit Axt und Pickel und löschen der Glutnestern

Eingesetzte Mittel:
TLF, 10 AdF ab Lokal Glattfelden nach einer Mannschaftsübung
»

Ganz oben an der Buhalde

Wie Oberleutnant Marcel Graf, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach auf Anfrage von WeiachBlog erklärte, handelt es sich beim brennenden Objekt um die Reste eines abgebrochenen Stalles an der Buhalde direkt unterhalb des Waldes. (Im Bild das Gebäude Im Bruchli 1 mit Blickrichtung auf den Brandherd)


Der im Besitz der Familie Griesser an der Bachserstrasse stehende Viehunterstand wurde gemäss Gebäudeversicherung des Kantons Zürich im Jahre 1965 erstellt und erhielt die Assekuranznummer 51 zugeteilt.

2010 wurde er nun abgebrochen. Und offenbar hielten es die mit dem Abbruch Beschäftigten für einfacher, das Holz an Ort und Stelle zu verbrennen. Deshalb sah man am Waldrand gegen Süden auch in der Nacht noch einen Feuerschein leuchten.

Quellen
  • Website der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach (Abgerufen am 3. Juni 2010)
  • Telefongespräche mit Oblt Marcel Graf, Kdt Stv Feuerwehr GlaStaWei und Hans Meier, alt Gemeindeschreiber.
  • Gebäudenummernkonkordanz der Gemeinde Weiach: 1812–1895–1955–1992. Elektronisches Spreadsheet, Weiach 2002-2005.