Samstag, 23. Oktober 2010

Die Pfarrfrau steht für die Pro Senectute

Wie jedes Jahr im Herbst meldet sich auch heuer wieder die Pro Senectute mit ihrer Herbstsammlung zu Wort.

«Ist Lebensfreude selbstverständlich?», fragt sie auf dem Umschlag. Und gibt im Brief gleich selber die Antwort: Sie sei es nicht. Vor allem dann nicht, wenn Betagte zu wenig Geld zur Deckung der laufenden monatlichen Kosten hätten.

Ein weiteres Problem wird im Brief höchstens indirekt angesprochen: die oft anzutreffende Vereinsamung im Alter. Diese lässt sich monetär nicht beziffern, dürfte aber ein noch grösseres Problem sein als das rein finanzielle Durchkommen.

Lokales Engagement hat Tradition

Wie schon vor drei Jahren setzt die 1917 gegründete Stiftung auf ihre Verankerungen in den Gemeinden. Jede Ortsvertretung kann die Vorlage mit eigenen Textbausteinen ergänzen und so die lokal Ansässigen direkt ansprechen. Die Leiterin der Ortsvertretung Weiach, Christina Weber, ist als Frau unseres Pfarrers in der Gemeinde vielseitig engagiert. Dieser Bekanntheitgrad hilft beim Spendensammeln.

2007 las sich unser Textbaustein so: «In Weiach gratulieren die Freiwilligen von Pro Senectute den Hochbetagten zum Geburtstag und organisieren den beliebten Spielnachmittag. Das wöchentliche Turnen bringt frohe Gemeinschaft und hilft mit, beweglich zu bleiben.»

Dieses Jahr hat man ihn etwas anders formuliert: «In Weiach findet für alle, die sich gerne bewegen, wöchentlich das Seniorenturnen statt. Jeweils mittwochs findet ein Spielnachmittag statt, zu dem alle, die Freude daran haben, herzlich eingeladen sind. Die Freiwilligen des Besuchsdiensts freuen sich jeweils, die hochbetagten Jubilarinnen und Jubilare zu besuchen und ihnen ein kleines Präsent zum Geburtstag zu überreichen.»

Der Besuchsdienst hat übrigens schon eine lange Tradition - ohne enge Zusammenarbeit mit dem Frauenverein wäre er aber nicht möglich.

Weiterführende Artikel


[Veröffentlicht am 24. Oktober 2010]

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Frauenfreier Gemeinderat

Frauen in höchsten Ämtern? Noch dazu an der Spitze? Das mag vielleicht auf Bundesebene so sein, wo National- und Ständerat von Frauen präsidiert werden und mittlerweile die Mehrheit des Bundesrates weiblich ist. Aber nicht im Zürcher Unterland. Da ist das noch gar nicht üblich.

Parteilose öffentliche Ämter

Weiach liegt im Trend des Unterlands. Diesen Eindruck kann man mindestens haben, wenn man man einen gestern vom «Zürcher Unterländer» publizierten Artikel über die Exekutivmitglieder unserer Gegend liest.

Unter dem Zwischentitel «Frauenarme, bürgerliche Region» heisst es da:

«In den 45 Unterländer Gemeinden amten derzeit 257 Exekutivmitglieder (Gemeinderäte oder Stadträte). Davon sind 101 parteilos (39 Prozent), 75 sind Mitglied der SVP (29 Prozent), 44 der FDP (17 Prozent), 9 der SP (4 Prozent) und 8 der CVP (3 Prozent).»

Hier ist Weiach ausnahmslos im Feld der relativen Mehrheit der Parteilosen anzutreffen. Bei uns kommt niemand auf die Idee, sich als Parteimitglied in ein öffentliches Amt wählen zu lassen. Man ist vielleicht als Privatperson Mitglied, hängt das aber nicht an die grosse Glocke, wenn es um die Gemeindewahlen geht. Parteien sind nach Ansicht vieler Weiacherinnen und Weiacher Privatsache und haben in der Gemeindepolitik nichts verloren.

Frauenfreie Zone

Und Frauen auch nicht? Der «Unterländer» zum Thema Gemeinderäte weiter: «Lediglich 49 sind Frauen, womit der Frauenanteil in Unterländer Exekutiven mit 19 Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt liegt – in den 9 Gemeinden Bülach, Glattfelden, Wil, Winkel, Bachs, Niederhasli, Otelfingen, Steinmaur und Weiach sitzt gar keine Frau in der Exekutive.»

In 20 Prozent der Unterländer Exekutiven sitzt also keine Frau. Und Weiach gehört auch 2010 noch zu dieser altväterischen Bastion.

Wenn jeweils von einer Exekutive die Rede ist, dann eben nur von der der politischen Gemeinde. In der Schulpflege, der Kirchenpflege oder anderen Gremien sind die Weiacher Frauen stark vertreten. Die evangelisch-reformierte Kirchenpflege wird gar seit Jahren von Frauen präsidiert.

Nur in den prestigeträchtigsten Bereich, den Gemeinderat, hat es in Weiach bisher keine Frau geschafft. Um genau zu sein: nicht dauerhaft geschafft. Elsbeth Ziörjen, die einzige bisher rechtmässig in den Weiacher Gemeinderat gewählte Frau, hat sich vor einigen Monaten kurz nach der Wahl zurückgezogen, als klar wurde, dass der erst in letzter Minute für das Amt des Gemeindepräsidenten aufgestellte Paul Willi dem Stimmvolk wohl eher zugesagt hätte (vgl. WeiachBlog-Beiträge vom 31. Januar 2010 und 7. Februar 2010).

Quellen

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Anzahl Websites in Weiach gemäss SWITCH

Ende 2009 zählte die Schweiz 7'593'494 Einwohner. Diese Zahl nennt SWITCH, eine Stiftung der Schweizer Hochschulen, welche Teleinformatikdienste für Lehre und Forschung anbietet und im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation auch die Internet-Toplevel-Domain «.ch» verwaltet.

Wer eine Internet-Domain im Bereich «.ch» registrieren will, muss dies bei SWITCH tun. Per Jahresende 2009 waren 1'225'115 Domain-Namen registriert. Auf jeden sechsten Schweizer kommt also bereits ein Domain-Name. BTW: Bei einer Jahresgebühr von CHF 17.- pro Domainname ergibt das Einnahmen von rund 21 Mio Franken.

Jede Gemeinde ist abrufbar - von Corippo bis Zürich

Wer wissen will, welcher Kanton oder welche Gemeinden in Sachen Domainnamen die Nase vorn haben, kann die seit 2008 verfügbare interaktive Domainnamen-Dichtekarte konsultieren. Für jede Gemeinde sind zu den Jahren 1999 bis 2009 die Bevölkerungszahl sowie die Anzahl registrierter Domainnamen abrufbar. Ausschlaggebend für die Zuteilung zu einer Gemeinde sind offenbar die Adressangaben des Domaininhabers.

Man kann sich die Entwicklung seit 1999 sogar wie eine Diaschau vorspielen lassen und dabei erleben, in welchen Zentren (nämlich Zürich und Zug) das Domainnamen-Registrieren zuerst abgehoben hat.

Weiach mit Wachstumsknick

«Zoomen Sie in unsere interaktive Karte und finden Sie heraus, wo Ihre Gemeinde rangiert!», fordert SWITCH auf. Um zu den absoluten Zahlen zu gelangen, muss man den Mauszeiger auf dem Gemeindegebiet positionieren. Und erhält dann für Weiach die folgenden Zahlen:

Man sieht deutlich, dass das Wachstum nicht immer stetig war. Nach den ersten rund 50 Domains stagnierte die Anzahl rund drei Jahre lang. Von 2005 bis 2009 ist wieder eine starke Zunahme festzustellen.

Ob allerdings all diese Domains aktive Internet-Auftritte anbieten, darf bezweifelt werden.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Weycher Möcke

Noch vor wenigen Jahrzehnten stand es um die Zahngesundheit bei der Bevölkerung noch nicht so gut wie heutzutage. Da hatten vor allem ältere Leute an harten Lebensmitteln schwer zu beissen.

Also weichten sie das Brot zum Beispiel im Kaffee auf. «Kafimöcke» waren eine beliebte Art und Weise Brot so weich zu machen, dass man es problemlos essen konnte - auch ohne gute Zähne.

Womit wir beim Wort «Möcke» wären, das ganz allgemein für Brocken von etwas steht. So in der Zusammensetzung «Mess-Mocke», welche im Schweizerischen Idiotikon erklärt wird als «dicker, kurzer Zuckerstengel (parfümiert, auch etwa mit Chokolade, Mandeln usw. vermischt), eine Spezialität der Messe und bei der Jugend sehr beliebt.» (Id. IV, 141)

Ein Scherz der Neeremer

«Möcke» mussten aber nicht zwangsläufig süss sein. Das belegt die in der Gemeinde Neerach offenbar gebräuchliche Bezeichnung «We'icher-Möcken = Herdöpfelmöckli ZNer.». Gemeint ist eine Mahlzeit mit Kartoffelstückchen als Hauptbestandteil.

Als Erklärung geben die Idiotikon-Redaktoren an: «Benannt nach der benachbarten Gem. Weiach, wo wie es scheint, dieses Gericht bes. häufig auf den Tisch kommt. Übrigens ist jene ganze Landesgegend kartoffelreich, daher die dorthin führende Bahn scherzweise die Herdöpfel-ban genannt wird.» (Id. IV, 142)

Wie man die Kartoffeln genau zubereitet hat, ob sie nur gesotten oder gebraten wurden etc., wird im Idiotikon leider nicht erwähnt.

Da die Weiacher aber damals ziemlich zahlreich und nicht gerade auf Rosen gebettet waren, kann man sich durchaus vorstellen, dass diese Bezeichnung ebenso neckisch gemeint war, wie die Herdöpfelbahn.

Gemeint ist die von 1865-1877 bestehende Bülach-Regensberg-Bahn, die von Zürich-Oerlikon nach Oberglatt führte und sich dort nach Dielsdorf bzw. Bülach verzweigte. Der Name kommt angeblich vom hauptsächlichen Transportgut - eben Kartoffeln.

Quellen
  • Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. Herausgegeben mit Unterstützung des Bundes und der Kantone. 1881-2010ff (bislang erschienen: 217 Hefte in 16 Bänden). Hier Band IV, Spalten 141 u. 142.
  • Bülach-Regensberg-Bahn. Private Website von Fabian Sollberger (Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland; WWW.DVZO.CH.VU)

Montag, 18. Oktober 2010

Ein Häftling versucht, sich umzubringen

Vor rund 150 Jahren nahm man es mit dem Schutz der Persönlichkeitsrechte noch nicht so genau wie heute. Da wurden Namen und Wohnorte in amtlichen Jahresberichten und öffentlichen Zeitungen offen genannt. Dass Delinquenten dadurch an den Pranger gestellt wurden, nahm man in Kauf - vielleicht auch weil diesem Umstand eine generalpräventive Wirkung zuschrieben wurde.

Nachfolgend ein Beispiel: Nichts von «U. R. aus W.»! 1865 konnte jedermann aus dem «Jahresbericht des Arztes an der Kantonal-Strafanstalt» entnehmen, dass Ulrich Rüdlinger aus Weiach nicht nur im Gefängnis war, sondern dies offensichtlich auch schlecht ertrug.

Eine erfolgreiche Selbsttötung, zwei Suizidversuche

Dr. Zwicky, der Arzt der kantonalen Strafanstalt, ging im Jahresbericht 1864 über die Verwaltung des Medizinalwesens auf folgende ungewöhnlicheren Fälle aus seinem Bereich ein: «Außerdem wurden von 3 männlichen Sträflingen Selbstmordsversuche gemacht, von denen aber nur einer mit dem Tode endigte.»

Unter den drei Genannten ist auch ein Weiacher: «Ulrich Rüedlinger von Weiach, 47 Jahre alt, brachte sich mit einem ziemlich stumpfen Brodmesser am 22. März eine oberflächliche Wunde seitlich am Halse bei, die keinen bedeutenden Blutverlust herbeiführte und nach einigen Wochen ganz geheilt war.»

Was genau Ulrich Rüedlinger, geb. 1817, zu diesem Selbstmordversuch veranlasste, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Was ihn ins Gefängnis gebracht hatte, müsste man in den Gerichtsakten nachlesen können. Weitere Angaben zu seinem Leben, Eltern, allfällige Heirat und Kinder sind den Kirchenbüchern zu entnehmen. Alles Stoff für weitere Nachforschungen genealogisch Interessierter.

Weniger Gefängnis-Insassen

Interessant sind übrigens Zwickys Angaben zur Anzahl der Insassen in der Kantonal-Strafanstalt: 249 seien «am 31. Dezember 1863 verblieben und 229 im folgenden Jahre neu eingetreten». Und weiter: «Der höchste Stand der Gefangenen war am 24. November 1864: 265, der niedrigste am 26. Juni: 237. Die tägliche Durchschnittszahl betrug 251.»

Vor rund 150 Jahren sassen etwa 0.1 Prozent der Kantonsbevölkerung von ca. 275'000 Personen in der kantonalen Strafanstalt (1860: 266'265 Einwohner; 1870: 284'047 Einwohner, vgl. Statistische Berichte 1/1992). Zum Vergleich: Ende 2009 lag dieser Wert bei rund 0.06 Prozent. Der Kanton Zürich hatte nämlich 1'344'900 Einwohner und verfügt über rund 850 Vollzugsplätze. Prozentual also tendentiell weniger.

Quelle
  • Jahresbericht über die Verwaltung des Medizinalwesens. Die öffentlichen Krankenanstalten und den allgemeinen Gesundheitszustand des Kantons Zürich im Jahr 1864 nebst Mittheilungen aus der Praxis der Aerzte und Thierärzte erstattet von der Direktion der Medizinalangelegenheiten. Zürich, Druck von Zürcher und Furrer. 1865 - S. 78-79. (Jahresbericht des Arztes an der Kantonal-Strafanstalt; von Herrn Dr. Zwicky).
  • Die Bevölkerungsentwicklung des Kantons Zürich 1850-1990, und wie geht es weiter? Statistische Berichte des Kantons Zürich Heft 1/1992 - S. 8.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Kein Ortszuschlag für Bundespersonal in Weiach?

Zuweilen findet man einen Ortsnamen an höchst unerwarteter Stelle. Oder hätten Sie gedacht, dass Weiach im Anhang der «Verordnung des EFD zur Bundespersonalverordnung» (VBPV, SR 172.220.111.31) auftaucht?

Um die Entlöhnung der Bundesangestellten an die unterschiedlichen Verhältnisse der einzelnen Dienstorte anzupassen, hat das Eidgenössische Finanzdepartement eine Liste von über 2400 Gemeinden und teils deren Ortsteilen angelegt. Jeder dieser Orte ist mit einer Ortszuschlag-Stufe bewertet.

Fein verästelte Bestimmungen

Gemäss Art. 15 Abs. 4 des Bundespersonalgesetzes (BPG) können Zuschläge zum Lohn vorgesehen werden, «um diesen an die regionale Arbeitsmarktlage, an die örtliche Infrastruktur und an die branchenspezifischen Bedürfnisse anzupassen.»

Artikel 43 der Bundespersonalverordnung (BPV) legt basierend auf Art. 15 BPG fest: «Zum Lohn wird ein Ortszuschlag ausgerichtet, der abgestuft ist nach den Lebenskosten, den Steuern sowie der Grösse und Lage des Arbeitsortes. Der Ortszuschlag darf 6000 Franken nicht übersteigen.»

Nochmals weiter eingeschränkt werden diese Bestimmungen durch Art. 11 der eingangs erwähnten EFD-Verordnung (VBPV) die sich auf Art. 43 BPV bezieht: «Der Ortszuschlag beträgt im Jahr höchstens 4953 Franken (Indexstand 2001). Die Arbeitsorte mit Ortszuschlag werden in 13 Stufen eingereiht. Die Beträge sind in Anhang 1 aufgeführt. Ist der Ortszuschlag für den Wohnort der angestellten Person höher als derjenige für den Arbeitsort, so wird er nach dem Wohnort festgesetzt.»

Nicht einmal auf der untersten Stufe

Weiach ist mit Stufe 0 bewertet. Wer hier wohnt und arbeitet erhält keinen Ortszuschlag ausbezahlt. Das dürfte aber auf niemanden zutreffen. Denn Grenzwächter mit Dienstort Weiach gibt es keine mehr.

Sind Wohn- und Arbeitsort nicht identisch, kommt es darauf an, ob der Arbeits- oder der Wohnort höher bewertet ist. Die Stadt Zürich liegt beispielsweise auf der höchsten Stufe 13 - und das entspricht einer Ortszulage von jährlich 4953 Franken.

Ein Berufsunteroffizier mit Dienstort Kloten und Wohnort Weiach (trifft für mindestens zwei Weiacher zu) wird in die Stufe 10 eingereiht (CHF 3810). Einer mit Dienstort Bülach und Wohnort Weiach nur in die Stufe 7 (CHF 2667). Wenn man beim VBS Standorte zusammenlegt (z.B. zum Waffenplatz Kloten-Bülach) macht das die Bewertung eines Dienstortes also nicht gerade einfacher.

Samstag, 16. Oktober 2010

Oktoberwetter 1960: Unsicher, öfters Regenfälle

Der Oktober 2010 hat sich bislang ganz leidlich angelassen. Der herbstliche Hochnebel hält zwar die Sonne ab, Dauerregen aber ist uns bislang erspart geblieben.

Wie war das Wetter vor 50 Jahren? Die Jahreschronik 1960 verfasst vom damaligen Weiacher Primarschullehrer Walter Zollinger, gibt auch Auskunft über die Auswirkungen auf die Landwirtschaft:

«Schon in den ersten Oktobertagen beginnt das Obstpflücken und auch ans Wümmen machen sich schon einzelne Familien. Der meist warme, oder doch milde September hat die Obst- und Traubenreife ordentlich gefördert und die erste Oktoberwoche war ebenfalls meist von sonnigen Nachmittagen gesegnet. Die nächsten 14 Tage dagegen, vom 7. bis 23. Oktober, sind wieder eine unfreundliche Zeit mit öftern Regenfällen oder doch sehr unsicherm, wechselvollem Wetter, auch ziemlich viel Wind. Die Morgentemperaturen sinken schon bis auf 5° und 3° herab, nachmittags bis um 10° herum. Die letzte Woche ist wieder besser und bringt 2 ganz prächtige Herbsttage, die übrigen doch an den Nachmittagen sonnig oder sogar z.T. föhnigwarm. Das Obsten und Härdöpflen geht zuende.»

Quellen

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1960 - S. 7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1960].

Freitag, 15. Oktober 2010

Mensch bei Weyach von Wölfen aufgefressen

Was wie ein Schauermärchen tönt, hat sich nach dem früheren Zürcher Staatsarchivar Gerold Meyer von Knonau (1804-1858) tatsächlich ereignet. In seinem Werk «Erdkunde der Schweizerischen Eidsgenossenschaft. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde» von 1838 schreibt Meyer von Knonau auf Seite 108 über den Kanton Zürich:

«Raubthiere sind gänzlich verschwunden, obgleich die Wolfgarne, welche noch vor nicht langer Zeit in den meisten Gemeinden vorhanden waren, ihr zahlreiches Dasein bezeugen. Die letzte Nachricht, daß ein Mensch von Wölfen (bei Weiach) verzehrt worden sei, fällt in das Jahr 1680.»

Dass das keine Märchen sein müssen, zeigen dokumentierte Vorkommnisse auch in jüngster Zeit (vgl. Wikipedia-Artikel Wolf attacks on humans). In Westeuropa kommt es aktuell nur deshalb zu keinen grösseren Problemen, weil es extrem wenige Wölfe gibt und diese ausserdem genügend andere Nahrung (Wildtiere sowie ab und zu Schafe, etc.) finden, um sich zu ernähren.

Kriege bringen Wölfe hervor

Wo es hingegen viele Wölfe gibt, in den Wäldern kein Wild mehr zu finden ist (von den Menschen zu stark bejagt) und/oder die wirtschaftlichen Verhältnisse so katastrophal sind wie nach dem Dreissigjährigen Krieg, da kann es durchaus Tote geben.

«Kriegszeiten bringen Tod und Not, Elend und Seuchen, und bis ins 19. Jahrhundert regelmässig im Gefolge auch eine Wolfsplage», schreiben Silke Grefen-Peters und Hans Rudolf Sennhauser in ihrem Beitrag «Der Wolf von Müstair» (S. 223).

Entsprechend wundert es auch nicht, wenn das Wolfproblem des 17. Jahrhunderts wie folgt beschrieben wird: «1638, 1642 und 1661 wurden im ganzen Gebiet des Standes Zürich Wolfsjagden durchgeführt, und 1642 erliess Schaffhausen den Befehl, in jedem Quartier des Landes 10 Wolfgarne machen zu lassen. Gegen das Jahrhundertende nahm die Wolfsgefahr ab; 1684 wurde in Zürich, 1695 in Appenzell, 1707 in Zug und 1721 in Schaffhausen der letzte Wolf erlegt.» (Grefen-Peters, a.a.O)

Übrigens kann man das Phänomen auch an herrenlosen, verwildernden Hunden und der damit einhergehenden Rudelbildung beobachten. Solche Tiere können in Kriegsgebieten dem Menschen gefährlich werden, so zum Beispiel im Kosovo in den ersten Jahren nach dem Abzug der serbischen Armee-Einheiten.

Quellen
  • Meyer v. Knonau, G.: Erdkunde der Schweizerischen Eidsgenossenschaft. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde. Erster Band. Zweite, ganz umgearbeitete, stark vermehrte Auflage. Zürich, Druck und Verlag von Orell, Füszli und Compagnie 1838 - S. 108
  • Grefen-Peters, S.; Sennhauser, H.R.: Der Wolf von Müstair. In: Sennhauser, H.R.: Müstair- Kloster St. Johann. Naturwissenschaftliche und technische Beiträge. vdf Hochschulverlag, Zürich 2008 - S. 219-226 (hier: S. 223).

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Die Weiacher Kirche in Nüschelers «Gotteshäusern»

In der gestrigen Rezension des Reprints von Nüschelers «Die Gotteshäuser der Schweiz» wurde nur am Rande erwähnt, dass es auch einen Eintrag zur Weiacher Kirche gibt. Hier deshalb noch das Original (aus Heft 2, Seite 15):


«Weiach (Wiach 1281) [Fn 4] war bis zur Reformation nach Hohenthengen-Kaiserstuhl kirchgenössig und wurde nachher bis 1591 als Filiale von Zürich aus versehen, in letzterm Jahre aber auf Bitte der Einwohner zu einer Pfarrei erhoben [Fn 5]. Im Thurm der 1707 neu erbauten und auf einen andern Platz versetzten Kirche hingen zwei seither umgegossene Glocken, wovon die eine aus dem Jahre 1682 stammte, und die andere die Inschrift trug: "O . Rex . glorie . Christe . veni . cum . pace" [Fn 6]»

Die angegebenen Fussnoten lauten wie folgt:
  • Fn 4: «Staatsarchiv Z.» [Nüscheler nimmt hier wohl Bezug auf die 1900 im Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich (UBZH V,138) veröffentlichte Verkaufsurkunde von 1281.]
  • Fn 5: «Vogel, die alten Chroniken der Stadt und Landschaft Zürich. 1845 p. 818.»
  • Fn 6: «Vögeli, G. B.» [Hier ist wohl das «Glockenbuch» von Vögeli gemeint. Diese Handschrift gehörte damals der Stadt-Bibliothek Zürich, steht heute also bei der Rechtsnachfolgerin, in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich: «Glockenbuch oder Verzeichnis aller in den Kirchen des Cantons Zürich theils ehemals theils jetzt befindlichen Glocken und derselben Inschriften, fortgesetzt und ergänzt durch Tonhöhe und Tonqualität durch Pfr. L. Stierlin 1863.»]
Ergänzungen nötig

Anzumerken ist zu Nüschelers Text, dass Weiach bereits seit 1540 regelmässig durch von Zürich entsandte Prädikanten betreut wurde. Mit der Reformation und der dadurch verursachten Kirchenspaltung wurde das ursprüngliche Filialverhältnis der Kapelle von Weiach zur Mutterkirche in Hohentengen nämlich hinfällig. Und da Weiach überhaupt erst durch diese Trennung zu einer eigenen Kirchgemeinde werden konnte, stand die Kollatur (das Recht den Pfarrer einzusetzen) von Anfang weg der Zürcher Regierung zu.

Weiter ist die Frage zu stellen, wie Nüscheler für die Kirche auf das Baujahr 1707 kommt. Entweder hat er diese Angabe aus der Memorabilia Tigurina von 1742 oder aus dem Leu'schen Lexikon von 1764 entnommen (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 116: «Die Collatur gehört dem kleinen Rath zu Zürich». Weiach in Standardwerken von 1742 bis 1820. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2009). Korrekt daran ist nur, dass 1707 die Neugestaltung des gesamten Kirchenbezirks abgeschlossen gewesen sein dürfte - nämlich mit der Fertigstellung der Pfarrscheune. Die eigentliche Kirche wurde bereits 1705/06 errichtet.

Die Glocke von 1682 erlitt am 22. Januar 1842 [recte: 1843; vgl. WeiachBlog Nr. 1582 v. 17. September 2020] einen irreparablen Schaden. Sie wurde daher (wenn Nüschelers Darstellung stimmt) zusammen mit der im Glockenbuch erwähnten zweiten Glocke eingeschmolzen und zu den heutigen Glocken verarbeitet.

Schliesslich noch ein Hinweis auf die Angabe «Wiach 1281»: Bei dieser Jahreszahl handelt es sich nicht um die erste Erwähnung eines Gotteshauses in Weiach oder um die älteste Datierung in einem erhalten gebliebenen Schriftstück, wie auch schon fälschlicherweise angenommen (vgl. 1281? Der Irrtum des Bülacher Volksfreunds. In: WeiachBlog, 24. April 2007, Nr. 436).

Weiterführende Lektüre

Siehe für eine kurze Übersicht den Wikipedia-Artikel Reformierte Kirche Weiach sowie für eine umfassende Darstellung die Festschrift «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. (Online-Ausgabe, April 2007; pdf, 17156 kB)

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Reprint von Nüschelers «Gotteshäusern»

Print-on-demand ist seit der Mitte der 90er-Jahre zu einer Selbstverständlichkeit geworden (vgl. den Wikipedia-Artikel Book-on-demand). Da man die Bücher jeweils nur in sehr kleinen Auflagen druckt um die Lagerkosten tief zu halten - oder sogar nur in einem einzigen Exemplar, wenn gerade jemand bestellt hat, können auch bislang kommerziell völlig uninteressante Werke aufgelegt werden.

Auch Reprints sind möglich. Also Bücher, die längst vergriffen, aber dennoch ab und zu von Interesse sind. Eines dieser Werke ist «Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen» von Arnold Nüscheler (1811-1897).

Leider ein Etikettenschwindel

Die ersten drei Hefte sind 1864, 1867 und 1873 bei «Orell, Füssli und Comp.» in Zürich erschienen. (vgl. die bei Google Books abrufbaren in einem Band vereinigten Hefte 1 und 2; die Kirche Weiach ist erwähnt in Heft 2, S. 15).

Die Neuauflage 2010 durch den «Europäischen Hochschulverlag GmbH & Co KG, Bremen» trägt den vollmundigen Titel «Alle Gotteshäuser der Schweiz bis zum Jahre 1860».

Und der Umschlagtext legt gleich noch ein Brikett nach: «Diese einzigartige Bibliographie aus dem Jahre 1864 beschreibt alle seinerzeitigen Gotteshäuser in der gesamten Schweiz mit ihrer Geschichte, ihren Besonderheiten und vielen wissenswerten Details.»

Von nahe besehen ist diese Werbebotschaft das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist bzw. werden soll. Weder handelt es sich um eine eigentliche Bibliographie, in der man Bücher zum Thema erwarten würde, noch enthält der vorliegende Nachdruck «alle seinerzeitigen Gotteshäuser in der gesamten Schweiz». Der Reprint umfasst nämlich lediglich die beiden ersten Hefte aus den Jahren 1864 und 1867, die sich mit Teilen der Bistümer Chur und Konstanz befassen. Die Westschweiz fehlt völlig. Bei dieser Sachlage von der «gesamten Schweiz» zu sprechen ist Etikettenschwindel.

Insgesamt entsteht der Eindruck eines überhasteten, von keinerlei Sachkenntnis beleckten verlegerischen Schnellschusses.

Was alles in einen Reprint eingebaut werden müsste...

Es bleibt zu hoffen, dass es dereinst einmal eine wirkliche Gesamtausgabe der Nüscheler'schen «Gotteshäuser» als Reprint geben wird. Dazu müsste man aber seriöser recherchieren. Spätere «Hefte» sind nämlich nicht nur als Separata, sondern vor allem als Teil von etablierten historischen Publikationen erschienen, wie schon eine simple Suche nach «Arnold Nüscheler» auf NEBIS ergibt.

Selbstständig bei Orell, Füssli und Comp. publiziert:
  • Heft 1: Bisthum Chur. Zürich, 1864
  • Heft 2, Abth. 1: Bisthum Constanz: Archidiaconate Breisgau, Klettgau, vor dem Schwarzwald und Thurgau. Zürich, 1867
  • Heft 3, Abth. 2: Bisthum Constanz: Archidiaconat Zürichgau. Zürich, 1873

In «Der Geschichtsfreund» beim Verlag von Matt, Stans, erschienen:

  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: Dekanat Cham (Bremgarten). In: Der Geschichtsfreund, Bd. 39 (1884), S. 75-144.
  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: Dekanat Cham (Bremgarten), zweite Abteilung. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 40 (1885), S. 3-82.
  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: (Dekanat Luzern), erste Abtheilung. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 44 (1889), S. 1-78.
  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: (Dekanat Luzern), zweite Abtheilung. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 45 (1890), S. 285-336.
  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: (Dekanat Luzern), dritte Abtheilung. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 46 (1891), S. 45-107.
  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: (Dekanat Luzern), vierte Abtheilung. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 47 (1892), S. 117-224.
  • Bisthum Constanz: Archidiakonat Aargau: (Dekanat Luzern), fünfte und letzte Abtheilung. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 48 (1893), S. 1-80.

In «Argovia» beim Verlag Sauerländer, Aarau, erschienen:

  • Die Aargauischen Gotteshäuser in den ehmaligen Dekanaten Frickgau und Sisgau, Bisthum Basel. In: Argovia, Bd. 23 (1892), S. 121-241.
  • Die Aargauischen Gotteshäuser in den Dekanaten Hochdorf, Mellingen, Aarau und Willisau, Bisthums Konstanz. In: Argovia, Bd. 26 (1895), S. 1-129.
  • Die Aargauischen Gotteshäuser in den Dekanaten Hochdorf, Mellingen, Aarau und Willisau, Bisthums Konstanz (Fortsetzung). Argovia, Bd. 28 (1900), S. 1-66.
Weitergeführt wurde Nüschelers Werk von Konrad Lütolf, vgl.:
  • Kapitel Hochdorf. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 57 (1902), S. 93-128.
  • Dekanat Sursee. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 60 (1905), S. 163-231.
  • Dekanat Willisau. In: Der Geschichtsfreund, Bd. 61 (1906), S. 221-267.

Ebenfalls zu einer Gesamtausgabe müsste ein gutes Stichwortverzeichnis gehören. Zum Beispiel das von August Waldburger verfasste 68-seitige «Register zu Dr. Arnold Nüscheler "Die Gotteshäuser der Schweiz"», das 1900 als Beilage zum «Anzeiger für Schweizerische Geschichte» erschienen ist.

Separatdrucke sind gemäss dem Online-Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek zwischen 1884 und 1893 auch beim Verlag Benziger & Co. in Einsiedeln erschienen.

Das alles müsste man also einmal seriös sichten und abklären, ob noch weitere, hier nicht aufgeführte Drucke existieren.

Aber obacht! Auch wenn man nun all diese Seiten zwischen Buchdeckeln vereinte - der 2010 vom Europäischen Hochschulverlag in der norddeutschen Tiefebene gewählte Titel bleibt Illusion. «Alle seinerzeitigen Gotteshäuser in der gesamten Schweiz» sind es dann immer noch nicht.

Quellen

  • Nüscheler, A.: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zürich, 1864-1873; Aarau, 1892-1900; Stans, 1884-1906; Bern, 1900. (Details im Text oben)
  • Nüscheler, A.: Alle Gotteshäuser der Schweiz bis zum Jahre 1860. Europäischer Hochschulverlag GmbH & Co KG, Bremen - 2010. ISBN: 978-3-86741-310-7