Montag, 23. November 2015

Lehrerwohnung mit Steinschleuder beschossen

Heute vor 150 Jahren, am 23. November 1865, brachte das «Schaffhauser Intelligenzblatt» (die heutigen «Schaffhauser Nachrichten») auch Kurzfutter aus dem Nachbarkanton:

«Zürich. Oberst Schärrer hat die Berufung zum eidgen. Oberinstruktor der Cavallerie abgelehnt. — In Weiach wurde letzten Samstag Nachts in die Wohnstube des Schullehrers Morf, während er mit seinem Knaben nebst noch einer dritten Person sich darin befand, ein scharf (mit Steinen geladener) Schuß abgefeuert. Es wurde jedoch Niemand getroffen. Der Thäter ist noch nicht ermittelt.»

Weitere Angaben zu diesem Vorfall habe ich bislang nicht gefunden. Es ist also offen, ob es sich um einen Lausbubenstreich gehandelt hat, oder um einen Anschlag von ernsthafteren Gegnern des Lehrers. Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass es diese Begebenheit in die Zeitung geschafft hat. Aus der damaligen Perspektive sicher weniger, zumal in früheren Zeiten ein Lehrer noch eine Respektsperson war, die anzugreifen eine Ungeheuerlichkeit darstellte. Denn bei ihm handelte es sich wie bei einem Pfarrherrn um einen Repräsentanten der Staatsgewalt.

Unter der oben zitierten Mitteilung stehen weitere Kurznachrichten über das Geschehen in der Stadt Zürich, von der nicht viel mehr Neues zu berichten sei, als dass man mit einem neuen Wirtshausgesetz dem Prostitutionsproblem Herr werden wolle und dass die Bahnen Kapazitätsprobleme hätten.

Zum Begriff Intelligenzblatt (im Sinne des englischen intelligence, d.h. von Nachrichten) siehe WeiachBlog-Artikel über das Berner Pendant vom 9. Januar 2014.

Quelle
  • Schaffhauser Intelligenzblatt, 23. November 1865, S. 1105. (Hinweis: Verfügbar für Abonnenten im Archiv auf www.shn.ch - Da die Schweizerische Nationalbibliothek sich am SHN-Digitalisierungsprojekt finanziell beteiligt hat, ist die Abfrage von den Webstationen der NB auch ohne Abo möglich)

Sonntag, 22. November 2015

Durch alle Böden hindurch ein SVP-Dorf

Die Nordwest-Ecke des Kantons (genauer: der Norden des Bezirks Dielsdorf) ist eine SVP-Bastion. Das ist seit langem bekannt und es hat sich im 2. Wahlgang für den Ständerat erneut bestätigt.

Nachdem im 1. Wahlgang der SP-Mann Jositsch bereits das absolute Mehr erreicht hatte, fand heute die Ausmarchung um den zweiten Zürcher Sitz im Stöckli statt. Angetreten waren Hans-Ueli Vogt von der SVP, Ruedi Noser von der FDP und der Grüne Bastien Girod.

Im Vorfeld wurde spekuliert, dass Girod aufgrund der Zersplitterung der bürgerlichen Seite durchaus der lachende Dritte werden könnte. Nach Auszählung aller Stimmen ist Noser gewählt - dank dem Umstand, dass diesmal kein absolutes Mehr erforderlich war. Girod hat kantonsweit immerhin 30% aller Stimmen abgeräumt, wenn auch mehrheitlich bei seiner städtischen Klientel, der SVP-ler Vogt hingegen nur etwas über 21%.

In Weiach, Bachs und Stadel wäre das ganz anders gelaufen. Der noch nicht vergebene Sitz wäre in diesem Gebiet klar an Vogt gegangen. Nachstehend die Weiacher Resultate:

Vogt, SVP: 133 Stimmen, 50.00%
Noser, FDP: 84 Stimmen, 31.58%
Girod, GP: 46 Stimmen, 17.29%

Die restlichen 1.13%, entsprechend 3 Stimmen gingen an nicht offiziell Kandidierende.

Mit 31.78% lag die Weiacher Wahlbeteiligung etwas unter der beim 1. Wahlgang im Oktober (38.55% Beteiligung).

Vergleichen wir die Weiacher Stimmenverteilung vom 1. Wahlgang:

Vogt SVP 168, Noser FDP 96, Jositsch SP 92, Vereinzelte 63, Girod GP 29, Bäumle GLP 26, Schmid-Federer CVP 24, Ingold EVP 21, Herzog Piraten 1 sowie von Allmen ECOPOP 1

Am 20. Oktober gingen also 32.2% aller Stimmen an den SVP-Kandidaten, gerade noch 18.4% an die FDP und 17.6% an die SP. Das sind über zwei Drittel aller Stimmen. Immerhin 12% gingen an Vereinzelte, d.h. nicht auf den offiziellen Wahllisten aufgeführte Personen. Die Grünen holten - ihrem Wähleranteil etwa entsprechend - gerade einmal 5.5% aller Stimmen.

Nehmen wir an, dass die sinkende Wahlbeteiligung die Kräfteverhältnisse nicht wesentlich beeinflusst hat, dann müssten 139 Stimmen auf Vogt entfallen, 80 Stimmen auf Noser und 24 auf Girod.

Woher die gegenüber dem 1. Wahlgang fast verdoppelte Stimmenzahl für Girod kommt, ist leicht erklärbar. Das ist wohl der harte Kern der SP-Wähler.

Mehr Fragen wirft die Verteilung innerhalb der Bürgerlichen auf. Sind da einige Weiacher dem Vogt abtrünnig geworden und dem Noser zugelaufen?

Samstag, 14. November 2015

Lasst die Vergangenheit ruhen - 25. Jahrestag des Absturzes

14. November 1990 - 20:11:18. In diesem Moment jährt sich das schrecklichste Unglück auf Gemeindeboden seit Menschengedenken zum 25. Mal. Sekunden vor dem Absturz hat der Pilot des Alitalia-Fluges AZ 404 den Durchstart abgebrochen. Sekunden haben gefehlt und 46 Menschen hätten ihre Leben weiterführen können. Stattdessen sind ihre Namen nun gemeinsam auf einem Gedenkstein verewigt. Und sie stehen gemeinsam im Zivilstandsregister der Gemeinde Weiach. Alle unter demselben Datum: 14. November.

Wo ich bei anderen Themen Schreibfreude und Recherchierlust verspüre, da bemerke ich bei diesem düsteren Moment in der Geschichte unserer Gemeinde, dass ich auf eine seltsame Art zögere mich darauf einzulassen. Dass ich sozusagen nur anekdotenhaft berichte. Anekdoten über die damaligen Geschehnisse, wie sie die Hiesigen erlebt haben.

Ich komme nicht umhin zu konstatieren, dass die Schatten dieses "memento mori" immer noch schwer auf den Seelen lasten. Inklusive meiner eigenen. Ich stelle gerade etwas verwundert fest, dass ich mit meinem eigenen Vater nie darüber geredet habe. Und der war damals als Feuerwehroffizier immerhin hautnah dabei. Er selber hat nie von sich aus davon erzählt - ein Verhalten wie man es von vielen Kriegsrückkehrern kennt.

Ich muss konstatieren, dass viele der damals direkt mit den Absturzfolgen Konfrontierten vergessen möchten. Ob man die Bruchstückhaftigkeit der Erinnerungen als Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung werten soll? Möglich wäre das schon.

An diesem Novemberabend wurde jedem damals in Weiach Ansässigen klar vor Augen geführt, was es bedeutet in einer Anflugschneise zu leben. Vielen war wohl auch intuitiv klar, dass es bei noch tieferer Anflughöhe durchaus auch im Dorf selber hätte Tod und Zerstörung geben können.

Einer von zehntausenden Überflügen zwischen 1976 (dem Zeitpunkt der Eröffnung der Blindlandepiste 14/32) und heute hat in nächster Nähe im Desaster geendet. Als ungefragt Überflogener verdrängt man die Möglichkeit, dass es jederzeit wieder passieren kann. Dass sich eine abstrakte Gefährdung in schreckliche Realität verwandelt - wie in Nassenwil oder Bassersdorf einige Jahre später.

Deshalb wollen wir diesen Teil der Vergangenheit nun ruhen lassen.


Dienstag, 10. November 2015

Ein halbes Jahrhundert Industriezone im Hard

Die Gemeindeversammlung hat das letzte Wort. Aber nur im engen Rahmen dessen, was die von oberen Ebenen vorgesehenen Korsette eben noch zulassen. Manchmal dienen Gemeindeversammlungen wirklich nur dem offiziellen Abnicken von vorschriftsgemässen Verwaltungsakten. Wie die Gemeindeversammlung vom 23. Juni 1965. Zollinger schreibt dazu in seiner Jahreschronik:

«Abnahme der Gutsrechnungen 1964;
daneben musste, auf Begehren des Regierungsrates die Bauordnung mit Zonenplan in folgenden Punkten abgeändert werden:
a. Aufhebung der Zone öffentlicher Bauten u. deren Zuteilung zur Dorfkern-Zone,
b. Ausscheidung eines Industriegebietes (ca. 8 ha im Hard), auf dem nur Bauten zugelassen sind, die im Zusammenhang mit der Ausbeutung u. Verarbeitung von Kies, Sand, Lehm stehen.
c. Ergänzung des Art. 21 (alt 22) mit einem neuen Absatz 3, mit dem die besonderen Vorschriften für die Ueberbauung des Industrieareals im Hard festgelegt wird.
»

Mit Zonenplänen hatte halt die Gemeinde noch nicht so viel Erfahrung. Und mancher betrachtete sie wohl eher als lästige bürokratische Pflichtübung und nicht als wertvolles Planungsinstrument für die kommenden Jahrzehnte. Offensichtlich wurden zumindest die Punkte b und c genehmigt, sodass folgende von Zollinger im Typoskript eingeklebte Bekanntmachung erscheinen konnte:

«Gemeinde Weiach - Zonenplanänderung

Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat am 8. Oktober 1965 den Beschluss der Gemeindeversammlung Weiach vom 23. Juni 1965 betreffend Umteilung der ehemaligen Zone für öffentliche Bauten in die zweigeschossige Dorfkernzone sowie die Ausscheidung einer rund 8 ha umfassenden Industriezone im Hard mit zugehöriger Bauordnungs-Bestimmung genehmigt.
Der Beschluss tritt am Tage nach der Veröffentlichung in Kraft.

Weiach, den 9. November 1965
Der Gemeinderat.
»

Wie bei Zollinger üblich: ohne jeden Hinweis in welcher Zeitung die Bekanntmachung erschienen ist.

Quellen
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 11a und 12. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 4. Januar 2016]

Sonntag, 8. November 2015

Risse im Mauerwerk durch Läuten der Kirchenglocken?

Es ist bald ein halbes Jahrhundert her seit der letzten grossen Restaurierung und Renovation der Kirche Weiach, vgl. die Jubiläums-Webseite 300 Jahre Kirche Weiach.

Wie man aus berufenem Munde (von Kirchenpfleger Daniel Elsener höchstpersönlich) hört, muss sich die Kirchgemeinde nun offenbar wieder grössere Baumassnahmen überlegen.

Elsener hat selber festgestellt, dass die Querstreben des Dachreiters sich sichtbar bewegen, wenn mit allen Glocken geläutet wird! Das tönt verdächtig ähnlich wie vor 50 Jahren, als man den Weiacherinnen und Weiachern die Gesamtrenovation u.a. mit dem Argument verkaufte, der Dachreiter wackle beim Läuten, vgl. die Weiacher Ge­schichte(n) Nr. 80 (Titel: «Der Kirchturm wackelt, wenn mit allen Glocken geläutet wird».)

Nun wird befürchtet, dass die anlässlich der letzten grossen Renovation 1968 vorgenommene Abstützung des Dachreiters auf das Mauerwerk im Verlaufe der Jahre zu grösseren Schäden in den Mauern geführt hat. So sind Risse in Fensterbögen sichtbar - ein Warnzeichen.

Elsener will deshalb herausfinden, wie die Bewegungen im Mauerwerk aussehen. Es interessiert insbesondere, was die dynamischen Lastwechsel durch das Läuten der Glocken mit den Mauern anstellen. Zu diesem Zweck wurde eine Firma engagiert, die auf das Detektieren von Bewegungen im Mauerwerk spezialisiert ist.

Zudem wird nun auch ein Monitoring des Innenraumklimas aufgezogen, weil bei der Installation der Bewegungssensoren an der Holzdecke im Innenraum Schimmelrasen entdeckt worden seien. Schimmelpilze deuten auf zu hohe Luftfeuchtigkeit hin.

Quelle
  • Telefongespräch vom 14.10.2015 mit Daniel Elsener, Mitglied der evang.-ref. Kirchenpflege Weiach
[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Montag, 2. November 2015

Kaiserstuhler Bäckerdynastie Geugel vor 50 Jahren in Ruhestand

Die Jahreschroniken von Walter Zollinger enthalten auf den letzten Typoskript-Seiten jeweils die Rubrik «Nachbarliches». Mit gutem Grund, denn etliche Gewerbetreibende, Ärzte etc. fanden die Einwohner von Weiach schon vor Jahrzehnten nur ausserhalb der eigenen Gemeindegrenzen. So war es ab 1958 auch, wenn man eine Bäckerei suchte, denn:

«Von jetzt an [1. April 1958] verkauft die ″Landwirtschaftl. Genossenschaft″ sämtliche Backwaren. Diese werden nun im Wechsel die eine Woche von Herrn Bäckermeister Hch. Hintermann Stadel und die andere Woche von Herrn Bäckerm. Emil Geugel Kaiserstuhl geliefert.» (zit. n. WG(n) Nr. 101, S. 394; Original: G-Ch Weiach 1958, S. 18)

Die Weiacher Konkurrenz war nach Auskunft des Sohnes des letzten Weiacher Bäckers eingegangen, weil er selber sie nicht weiterführen wollte. Dazu hatte er keine Lust, denn der Verdienst war nicht gerade berauschend und ausserdem habe es in Kaiserstuhl geheissen, der Weycher Beck habe «z’grossi Löcher im Brot», das Brot der beiden Kaiserstuhler Bäcker Jedele und Geugel sei viel fester. (WG(n) 101 , S. 390)

Ab 1958 konnten die Weiacher also vergleichen, welcher Bäcker der bessere war. In Kaiserstuhl gab es schon wenige Jahre später einen Wechsel, wie der Zollinger'schen Jahreschronik 1965 zu entnehmen ist:

«Die Bäckerei Geugel Kaiserstuhl, die auch nach Weiach Brot lieferte, geht mit dem 2. November an Fam. Kurt Meier-Kunz über. Seit 72 Jahren lag sie in den Händen der Familien Geugel (Vater, Sohn, Witwe).» (G-Ch Weiach 1965, S. 25)

Quellen


[Veröffentlicht am 4. Januar 2016]

Samstag, 31. Oktober 2015

Zehn Jahre WeiachBlog

«Einszweidrei, im Sauseschritt - Läuft die Zeit; wir laufen mit.» So textete Wilhelm Busch 1877 zu seinem Cartoon «Julchen».

Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass - je älter man wird - die Zeit immer schneller läuft. Wohl weil ein Jahr im Vergleich zu den bisher bereits erlebten Jahren einen immer kürzeren Zeitraum des Lebens ausmacht. Für einen Fünfjährigen ist ein Jahr 20%. Für einen Fünfzigjährigen nur noch 2%.

WeiachBlog hat am 31. Oktober 2005 das Licht der Welt erblickt, feiert also heute den 10. Geburtstag. Nach dem zum ersten Jahrestag (Ein Jahr WeiachBlog), dem zum zweiten (2 Jahre WeiachBlog) und dem zum fünfjährigen (WeiachBlog wird fünf Jahre alt) hier wieder einmal ein Rückblick in eigener Sache.

Änderung der Prioritäten

Zuerst einmal ist festzuhalten, dass es schon ziemlich ruhig geworden ist. Jedenfalls verglichen mit der stürmischen Anfangsphase, in der fast jeden Tag ein Artikel erschienen ist. Mittlerweile werden es selten mehr als zwei, drei Artikel pro Monat. Und der Grund ist ganz einfach: andere Prioritätensetzung beim Autor. Da kommt das Bloggen meist weit, weit hinten auf der Liste.

Dass dem wirklich so ist, zeigt die Aktualisierung der vor fünf Jahren erstmals aufgestellten, rein quantitativen Bilanz. In den verflossenen 10 Jahren:
  • wurden 1239 Artikel publiziert, d.h. für jeden dritten Tag einer (nach 5 Jahren waren es 946, also im Schnitt zu jedem zweiten Tag einer);
  • gab es darauf insgesamt 576 veröffentlichte Kommentare - reiner Spam wurde gelöscht (nach fünf Jahren waren es bereits 529);
  • ergibt dieses Material formatiert auf Lauftext-Grösse «Arial 12 Punkt» inkl. Vorwort und Inhaltsverzeichnis rund 1655 A4-Seiten (nach fünf Jahren: 1300 Seiten!)

Viele Seitenaufrufe - wenige Favoriten

Auch nach 200'000 von Blogger geloggten Seitenaufrufen in den letzten fünf Jahren hat sich eines nicht geändert: dass nämlich einige wenige Artikel häufiger (z.T. mehrmals täglich) aufgerufen werden - die grosse Mehrheit hingegen eher selten, einige fast gar nie. Das Phänomen ist unter der Bezeichnung «Long tail» bekannt (vgl. Der Wert von WeiachBlog).

Alle diese Beiträge haben eines gemeinsam: sie stehen - wählt man die Begriffskombination im Titel als Suchbegriffe - bei Google (und anderen) auf der ersten Resultat-Seite. Meistens sogar zuoberst. Der langjährige Rekordhalter - ein Artikel zum 15. Jahrestag des Flugzeugabsturzes von Alitalia AZ 404 - rangiert auch heute noch immer auf dem ersten Platz. Er wird aber wohl über kurz oder lang von der Nummer 2, einem Beitrag mit dem simplen Titel «Alte Monatsnamen» überholt. Der hat nämlich im Monatsvergleich jeweils deutlich mehr Klicks als sein früher publizierter Konkurrent.

[Veröffentlicht am 3. April 2016]

Freitag, 30. Oktober 2015

Oktoberwetter 1965: auch der Nebel «kochte» mit

Im September vor 50 Jahren stellte sich nach der sehr nassen Witterung der Vormonate die Frage, ob es für die Trauben noch reichen würde (vgl. WeiachBlog vom 30.9.2015). Offenbar hatten die Weiacher damals im Oktober Wetterglück, wenn man Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1965 folgt:

«Oktober. Höchsttemperaturen morgens 12°, mittags 19°, abends 14°
Tiefsttemperaturen morgens 2°, mittags 4°, abends 2°.
Die erste Woche war wirklich ordentlich warm (19, 17, 15, 13° um mittag herum). Erst ab dem 10.10. bleibt das Thermometer am mittag meist um 10° herum stehen, am Morgen und Abend entsprechend tiefer. Immerhin war es, mit Ausnahme der 3 Tage vom 24. bis 26. Oktober, nie unter 5°, sodass dieser Monat doch noch recht ausgiebig zum bessern Ausreifen des Obstes und der Trauben beitrug. Auch der viele Nebel an den Morgen (14mal) "kochte" also mit. Die Nachmittage und Abende waren sehr oft recht sonnig (13mal); oftmals zwar stand der Himmel hinter einer Wolkendecke verborgen (10 ganze u. 7 halbe Tage), stark bewölkt waren 5 ganze u. 2 halbe Tage; Regen fiel sehr wenig in diesem Monat, nämlich an 2 ganzen Tagen und 2mal des nachts. Auch der Wind verschonte uns. Ich notierte nur 3 Tage mit spürbarem Luftzug. Natürlich beginnt unter diesen Umständen jetzt das Obsten und Wümmen; am 14.10. sah ich den ersten Bauern, der seine Direktträger heimholte. Auch mit Obstpflücken begann alles; der Ertrag ist allerdings nur mittelmässig nach diesem nassen Sommer. Tafelobst ist rar, dagegen hat es genug Mostobst.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 8-9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

[Veröffentlicht am 4. Dezember 2015]

Dienstag, 20. Oktober 2015

Immer noch eine SVP-Hochburg

Bei den diesjährigen Wahlen für den Nationalrat und den Ständerat, die beiden Kammern des nationalen Parlaments der Schweiz, ist für Weiach nichts wirklich Überraschendes herausgekommen. Erneut hat sich bestätigt, was seit Jahren klar ist: Weiach ist immer noch eine SVP-Hochburg. Damit könnte man diesen Artikel bereits zum Abschluss bringen. Die Details sollen den Leserinnen und Lesern des WeiachBlog trotzdem nicht vorenthalten werden.

Ständerat: Vogt wäre gewählt

Bei den Ständeratswahlen sieht man den SVP-Effekt besonders schön. Diese Wahlen sind immer noch stark davon abhängig, welche Person sich zur Wahl stellt. Umso interessanter der Umstand, dass Hans-Ueli Vogt, ein Universitäts-Professor und dazu bekennender Schwuler, mit Abstand am meisten Stimmen auf sich vereint:
  • Vogt, SVP: 168
  • Noser, FDP: 96
  • Jositsch, SP: 92
  • Vereinzelte: 63
  • Girod, GP: 29
  • Bäumle, GLP: 26
  • Schmid-Federer, CVP: 24
  • Ingold, EVP: 21
  • Herzog, Piraten: 1
  • von Allmen, ECOPOP: 1
Damit gingen 32.2% aller Stimmen an den SVP-Kandidaten (absolut weniger Stimmen als mit 197 auf der SVP-Liste für den Nationalrat, wo man immerhin noch streichen und panaschieren kann). Gerade noch 18.4% konnte sich die FDP sichern. Dicht dahinter die SP mit - Jositsch sei Dank - stolzen 17.6%. Das sind über zwei Drittel aller Voten. Immerhin 12% gingen an Vereinzelte, d.h. nicht auf den offiziellen Wahllisten aufgeführte Personen.

Nachdem nur Jositsch den Sprung nach Bern im ersten Anlauf geschafft hat, wird die Ausmarchung nun wohl zwischen Vogt und Noser entschieden. Spannend wird sein, was die Linkswähler bei dieser Ausgangslage tun: auf einen Bürgerlichen setzen oder doch den Grünschnabel Girod wählen.

Nationalrat: Absolute Mehrheit für SVP

Bei den NR-Wahlen standen 35 Listen zur Auswahl (was in der Menge ungefähr den 25 Listen im Kanton Bern entspricht). Von den 869 Wahlberechtigten beteiligten sich immerhin 40.85% an den Nationalratswahlen (was beim Vergleich mit emotional diskutierten Sachvorlagen eher wenig ist). Von den 355 gültig eingelegten Wahlzetteln waren 158 unveränderte Listen, 192 veränderte (d.h. kumuliert, panaschiert oder sogar frei zusammengestellt).

Klare Wahlsiegerin in Weiach ist die SVP mit einem Plus von 4.81% (verglichen mit 2011), gefolgt von der SP mit +2.30%. Die Überraschung sind die Grünen mit einem kleinen Zugewinn von +0.14%. Auf tiefem Niveau ebenfalls praktisch stabil die EVP: -0.01.

Alle anderen Parteien haben teils massiv Wähleranteile eingebüsst. Grosse Verlierer in Weiach: BDP -2.63%, CVP -1.67%, FDP -1.53% sowie GLP -1.24%. Auch die EDU hat Terrain verloren: -0.57%. Völlig bedeutungslos geworden sind bei den Hiesigen die Schweizer Demokraten (SD) - abgestürzt von 0.30 auf 0.02%!

Erreicht wurden folgende Anteile: SVP 56.41%, SP 12.09%, FDP 8.17%, EVP 4.68%, glp 4.66%, BDP 4.46%; Grüne 2.37%, CVP 2.01%, EDU 1.34%, jEDU 1.17%, Piraten 0.60%, JUSO 0.55; AL 0.35%, TPS 0.31%, JSVP 0.30. Alle übrigen Listen erreichten lediglich 0.1% oder weniger.

Würden die Parlamentarier nach den Weiacher Resultaten nach Bern entsandt, so ergäbe sich bei den ersten 28 von 35 Sitzen folgende Verteilung: 19 SVP, 4 SP, 2 FDP, 1 EVP, 1 glp, 1 BDP. Der Rest würde nach Listenverbindungen verteilt (eine komplizierte Rechnung, die ich mir hier erspare).

Berücksichtigen muss man indes die vielen Verflechtungen unter den Listen. So gibt es vier grosse Blöcke, denen lediglich 6 Listen nicht angehören (Liste 10 Schweizer Demokraten (SD), Liste 11 Unabhängigkeitspartei up!, Liste 17 Anti-PowerPoint-Partei. Liste 24 DU Die Unpolitischen, Liste 34 Flückiger Hans Ulrich (Hanf Ueli), unabhängig. Liste 35 Schweizer Freiheit und Recht)

Die grossen Blöcke sind (vgl. die Übersicht Listenverbindungen):
I SVP/EDU/Auto
II Sozialdemokraten/Grüne/Zentrumspartei/AL/PdA/K+P
III FDP
IV GLP/BDP/CVP/EVP/ECOPOP/Piraten/TPS

Köppel räumt auch in Weiach ab

Der neu kandidierende Chef der Weltwoche, Roger Köppel, kam in Weiach besonders gut an: 2.1% aller Stimmen entfielen allein auf ihn. Ansonsten war das Resultat weitgehend von den Kumulierungen und Panaschierungen auf den SVP-Listen dominiert:
  1. Köppel 250; Listenplatz 17
  2. Steinemann 229; Listenplatz 11 (Watt-Regensdorf)
  3. Rickli 226; Listenplatz 1
  4. Heer 216; Listenplatz 3
  5. Rutz 200; Listenplatz 7
  6. Sulser 200; Listenplatz 18 (Otelfingen)
  7. Matter 199; Listenplatz 9
  8. Fehr 197; Listenplatz 4 (Eglisau)
  9. Vogt 197; Listenplatz 10
  10. Schläpfer 193; Listenplatz 22
  11. Langhart 193; Listenplatz 23
  12. Hauser 193; Listenplatz 27 (Hüntwangen)
  13. Haab 192; Listenplatz 12
  14. Stahl 191; Listenplatz 5
  15. Suter 191; Listenplatz 28
  16. Lehmann 190; Listenplatz 20 (Glattfelden)
  17. Egloff 187; Listenplatz 6
  18. Walliser 187; Listenplatz 14
  19. Tuena 187; Listenplatz 16
  20. Kuoni 187; Listenplatz 19
  21. Zanetti 186; Listenplatz 15
  22. Hübscher 185; Listenplatz 31
  23. Mörgeli 184; Listenplatz 2
  24. Trachsel 181; Listenplatz 13
  25. Schibli 180; Listenplatz 8 (Otelfingen)
  26. Liebi 180; Listenplatz 24
  27. Hofer 181; Listenplatz 30
  28. Scheck 181; Listenplatz 33
  29. Oswald 179; Listenplatz 26
  30. Rogenmoser 179; Listenplatz 34 (Bülach)
  31. Krebs 178; Listenplatz 21
  32. Frei 178; Listenplatz 25
  33. Walder 177; Listenplatz 29
  34. Dalcher 169; Listenplatz 32
  35. Fischer 161; Listenplatz 35
Bei der SP kam Jositsch auf 84 Stimmen, Hardegger auf 67 (Gemeindepräsident von Rümlang), Badran auf 58, Galladé auf 54 und Naef auf 51. Die neu gewählte Min Li Marti holte lediglich 42 Stimmen. Ohne Proporzwahlrecht hätte auch die drittplatzierte FDP kaum Chancen, ginge es nur nach Weiach: Noser 56 Stimmen (wenig, verglichen mit den 96 im Ständeratswahlkampf), weiter Fiala 36 und Bigler 34. Auch da: ein Gewerbler erhält in Weiach nicht viele Stimmen, wenn er nicht auf einer SVP-Liste steht. Ingold von der EVP kam auf 36 Stimmen (mehr als im Ständeratswahlkampf mit 21!), Bäumle von den Grünliberalen auf 41 (ebenfalls mehr als für den Ständerat; dort 26). Bei der CVP schliesslich zeigte sich der «Bauerneffekt»: Winkler (Landwirt aus Ellikon a.d.Th.) kam auf 31 Stimmen, die in den Nationalrat gewählte Quadranti holte in Weiach nur 26 Stimmen.

[Veröffentlicht am 11. März 2016]

Montag, 12. Oktober 2015

Jakob Meyerhofer - im Aktivdienst 1915 umgekommen

Vor hundert Jahren blieb es den Schweizer Wehrmännern erspart, von feindlichen Kugeln, Granaten, etc. zerfetzt und in den Schützengräben in sinnlosem Stellungskrieg verheizt zu werden.

Dennoch: Kriege fordern Opfer. Zivile und militärische gleichermassen. Und die meisten von Ihnen kommen nicht etwa durch direkte Gewalteinwirkung seitens des Aggressors ums Leben. Nein, sie fallen ganz banalen Unfällen, Krankheiten und dergleichen anheim.

So war es hierzulande auch im 1. Weltkrieg. Am 12. Oktober 1915 wurde ein Weiacher Soldat zu Grabe getragen, ums Leben gekommen bei einem tragischen Unfall.

Die Zusendung des nachstehenden Ausrisses aus der Zürcher Wochenchronik verdanke ich Willi Baumgartner-Thut:

WEHRSTAND

+ Jak. Meyerhofer von Weiach, Soldat, Guid. Schw. 36

Anläßlich der Wiedermobilisierung der 4. Division war die Landw.-Guiden-Schwad. 36 zum aktiven Dienst nach Zug auch einberufen. Das Schicksal wollte es, daß schon am ersten Tage ihres Dienstes ein Soldat durch Unglücksfall das Leben einbüßen mußte.

Meyerhofer, Jakob, Soldat der Guiden-Schwadron 36, wurde beim Transporte von Pferden vom Stellungsplatze nach den Stallungen von einem Pferdehufschlag so unglücklich am Kopfe getroffen, daß er auf der Stelle liegen blieb. Abends gegen 7 Uhr fanden ihn seine Dienstkameraden in bewußtlosem Zustande und leisteten ihm die erste Hilfe. Sie verbrachten ihn nach dem Bürgerspital, wo die ärztliche Untersuchung rechtsseitige Schädelzertrümmerung und Hirnverletzung feststellte. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er nach zwei Tagen, am 8. Oktober, nachmittags 4 1/2 Uhr, in Gegenwart seiner herbeigeeilten jungen Gattin.



Ein kurzes ehrendes Wort sei dem allgemein beliebten Verstorbenen anmit als bescheidener Nachruf gewidmet: Jakob Meyerhofer ist 1875 als Sohn einer in weitem Umkreise in hohem Ansehen stehenden Landwirtsfamilie in Weiach geboren. Er war berufen, sich der Landwirtschaft zu widmen. Nach mit Auszeichnung bestandener Schulzeit begann er sein Wirken auf dem Gute seines Vaters. Schon von Anfang an zeigte er Schaffensfreude, und überall wo Arbeit war, sah man ihn fleißig mitarbeiten. Immer mehr entwickelten sich in ihm Energie und Liebe zu dem einmal begonnenen Berufe; er nahm mit Interesse Anteil an allen Unternehmungen seines Vaters, zeigte klares Verständnis für alle Fragen und wurde zum eifrigen Mitförderer für fortschrittliche Einrichtungen. An dem Aufschwunge und der Blüte ihres Betriebes fällt ihm nicht geringes Verdienst zu. Auch in Gemeindeangelegenheiten beteiligte er sich und war gerne gesehenes Mitglied verschiedener Verwaltungskommissionen.

Er war ein unermüdlicher Arbeiter, gewissenhaft in Erfüllung seiner Pflichten und die schwer zu ersetzende Stütze seines nun betagten Vaters. Bescheidenheit, goldlauterer Charakter, Freundlichkeit, humanes Handeln machten ihn zum allgemein beliebten Mann.

Den Verhältnissen gemäß ging er vor einem Jahre daran, sich selbständig zu machen, bezog ein zugekauftes Heimwesen mit extra darauf neuerbautem Wohnhaus und wähnte sich mit seiner ihm letztes Frühjahr angetrauten lieben Gattin glücklich darin. Hoch freute er sich, eine blühende Existenz geschaffen zu haben und stolz war er darauf, bald Vater werden zu dürfen.

Es sollte aber anders werden. - Er wurde für einige Tage zum Militärdienst einberufen und nachdem er mit Sorgfalt und Mühe noch alles geordnet und bestellt hatte - nichts durfte fehlen - verließ er am frühen Morgen des 6. Oktober Haus und Hof. Als gesunder Mann, der er immer war, und als schöner, strammer Soldat zog er hinaus in den Dienst fürs Vaterland, im Weggehen den Seinen noch zurufend: "Ja ich komme ja bald wieder heim." Tatsächlich hätte er schon am 9. Oktober, als an seinem Geburtstage, wieder heimgehen dürfen, aber ein Befehl höherer Macht kam diesem zuvor und beorderte ihn da hinüber, wo ewiger Friede herrscht.

Der Kommandant der Guid.-Schw. 36, Herr Hauptmann Boller, gerührt von Mitleid für die Angehörigen, äußerte großes Bedauern über den auf diesem unglücklichen Wege erfolgten Verlust des ihm als guten Soldaten bekannt gewordenen J. Meyerhofer; das gleiche ließen die Unteroffiziere und Soldaten der Guiden-Schwadron auch bekunden.

Am 9. Oktober fand die Ueberführung der Leiche nach Weiach statt. Offiziere des Platzkommandos Zug und eine Abteilung der Haub.-Batt. 79 gaben ihr das Ehrengeleite bis zum Bahnhof daselbst. Die militärische Beisetzung am 12. Oktober in Weiach gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie sie wohl an diesem Orte noch nie gesehen worden ist. Die Massenteilnahme gab beredtes Zeugnis dafür, was der Verstorbene im Leben gewesen ist. Leute aus weiter Umgebung und die Guid.-Schw. 36 vollzählig nahmen daran teil. Die Kirche vermochte sie nicht alle zu fassen. Bei der kirchlichen Feier zeichnete der Herr Pfarrer ein Lebensbild des Verstorbenen, wie es erhebender und schöner nicht sein kann. Dann folgte am Grabe ein militärischer Akt, der gewaltigen Eindruck machte. Die ganze Trauerversammlung nahm Aufstellung auf dem Friedhofe, in der Mitte die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Guid.-Schw. - In markanter, tiefergreifender Ansprache spendete Herr Hpt. Boller der Trauerfamilie Trost und dem ihm einst Unterstellten den Abschiedsgruß.

Namens der Kameraden trug Guide Pfister einen in rührenden Versen gereimten Nachruf vor, worauf Feldw. Vogt den Ehrengruß, "drei Salven", folgen ließ. Dann schloß sich das Grab über einem zur ewigen Ruhe gebetteten guten Kameraden, einem treuen Freund und Bürger. U.


Damit verlassen wir die Bühne der Beerdigung des heute vor 100 Jahren verabschiedeten Weiachers und wenden uns dem militärischen Hintergrund zu.

Guiden und Dragoner

Meyerhofer war also ein Guide - und diese taten ihren Dienst zu Pferde. Nach Angaben auf den Webseiten der Compagnie 1861, einer historischen Sektion des kantonalen Unteroffiziersverbandes Zürich und Schaffhausen, bestand die Aufgabe der Guiden «hauptsächlich aus Melde- und Stafettendienst, Bewachung der Hauptquartiere der Divisionen sowie aus heerespolizeilichen Aufgaben». Leicht anders formuliert die Funktionsbeschreibung auf derselben Website (Beschreibung der Dragoner): «Guiden. Letztere waren für den Aufklärungs- und Heerespolizeidienst bestimmt, oder waren den Divisionsstäben zugeteilt für Kurier- und Staffettendienst». Und für solche Aufgaben nimmt man in der Regel die erfahrenen, älteren Semester. Dass die Guiden-Schwadron 36 eine Landwehrformation war, passt also ins Bild. Bei den Dragonern hingegen waren mehrheitlich Wehrmänner des Auszugs eingeteilt, denn die Dragonerschwadronen waren die Kampfverbände der Kavallerie.

Kantonale Militärhoheit

Eine Suche auf dem Schweizer Archivportal archives-online.org zeigt, dass die Guiden-Schwadron 36 entweder eine Thurgauer oder eine Schaffhauser Einheit war:
  • Staatsarchiv des Kantons Thurgau (StATG): «4'423'35: Guiden Schwadron 36, s.d. (sine dato)»
  • Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen (StASH): «Militaria 5/370: Korpskontrolle, Guiden, Schwadron 36 und 41, Landwehr. Enthält Personalien, Details der Dienstleistungen, Beförderungen, Bemerkungen. ca. 1890-ca. 1920»
Da der Thurgauer Bestand gemäss der übergeordneten Archiveinheit nur bis ca. 1906 reicht, ist es durchaus möglich, dass die Schwadron 36 im Jahre 1915 schaffhausisch war. Genauer liesse sich das abklären, wenn die Sperrfrist des Schaffhauser Staatsarchivs nicht bis Ende 2020 laufen würde.

Wie dem auch sei: die sehr traditionsbewussten Kavallerie-Einheiten gehörten als kantonale Formationen sozusagen zu deren Kernbestand. Einen der Gründe für diese Zuordnung erklärt der Artikel zur Schweizer Kavallerie auf Wikipedia (Stand am 15. Oktober 2015):

«Die Militärorganisation von 1907 war ein Kompromiss, der dem Umstand Rechnung trug, dass die vollständige Zentralisierung des Militärwesens bei der Volksabstimmung von 1895 scheiterte. Die Kantone stellten weiterhin die Dragonerschwadronen und beschafften deren persönliche Ausrüstung. Die Militärorganisation 1907 brachte die Unterstellung der Guiden auf die sechs Divisionen (je eine Abteilung zu zwei Kompagnien).

Der Erste Weltkrieg mit seiner erhöhten Feuerkraft, den Giftgaseinsätzen und dem Umstand, dass die Dragoner während der Grenzbesetzung zu Fuss dienten, stellte die weitere Existenz der Kavallerie in Frage. 1916 waren die 24 Dragoner-Schwadronen in vier Kavallerie-Brigaden zu zwei Regimentern mit je drei Schwadronen eingeteilt. Daneben gab es zwölf Guiden-Schwadronen und acht Mitrailleur-Schwadronen. Damit wurde der Höchststand mit 6'600 Mann erreicht. 1918 musste die Kavallerie beim Generalstreik die innenpolitisch heikle Aufgabe des Ordnungsdienstes übernehmen.
»

Gerade dieser Auftrag kam nicht von ungefähr, handelte es sich doch bei den Kavalleristen meist um konservativ eingestellte Soldaten vom Land, die mit den sozialistischen Ideen der Streikenden nicht viel am Hut hatten. Fraternisierungen waren da nicht zu befürchten.

Eine Chronik aus der Stadt Zürich

Schliesslich sei noch kurz etwas zur Herkunft des Ausrisses, der Zürcher Wochen-Chronik erwähnt, die zwischen 1899 und 1918 herausgegeben wurde. Auf der Website Alt Züri steht dazu:

«Die Wochenchronik erschien als Loseblattausgabe wöchentlich am Samstag und berichtete über Amtliches, Strassenbauarbeiten, Kurioses, Unfälle, Polizeinachrichten sowie liebevolle Bildreportagen aus den Quartieren, der Region und einzelnen Bauwerken. Die Loseblattausgaben wurden dann nach Jahrgängen, pro Buch ein Jahrgang, zur Buchausgabe gebunden. Format 25.5 x 32 cm, zwischen 400-600 Seiten, je nach Jahrgang.» Als Verlag zeichnete das «Art. Institut Orell Füssli».

Wer sich weiter in die Zürcher Wochen-Chronik vertiefen möchte, findet sie im Staatsarchiv des Kantons Zürich (StAZH Dm 25; Jg. 17 (1915)), im Stadtarchiv Zürich (STAR (Zürich) Pd 3 USTAR) oder im Schweizerischen Landesmuseum (SLM Ze ZH 9).

Quelle
  • Zürcher Wochen-Chronik, Jg. 17 (1915), S. 373-374
[Veröffentlicht am 10. November 2015]