Donnerstag, 7. August 2008

Wenn Pferde sich mit der Landwirtschaftszone beissen

Pferde sind nur etwas für relativ Wohlhabende. Das war schon vor Jahrhunderten so, als nur die dörfliche Oberschicht sich eins oder gar mehrere Pferde im Stall leisten konnte. Alle anderen spannten ihre Kühe oder gar sich selber vor den Pflug.

Pferde als Spiegel postmodernen Wohlstandes

Heute werden Pferde nicht mehr ihrer PS wegen und zwecks Ziehen von landwirtschaftlichen Geräten und Wagen aller Art gehalten. In der überwiegenden Zahl sind es Reitpferde, die dem Vergnügen dienen.

Das können sich von den 1.3 Millionen Einwohner des Kantons schon einmal einige leisten. Wohl deshalb «werden immer mehr Baugesuche für Pferdepensionen in der Landwirtschaftszone gestellt», wie der Tages-Anzeiger am 4. August schreibt. Jährlich würden 50 bis 100 Baugesuche für Bauten ausserhalb der Bauzone gestellt, die mit Pferdehaltung in Zusammenhang stehen.

Auch in der noch immer relativ ländlichen Gemeinde Weiach spürt man diese Nachfrage. Es gibt meines Wissens mindestens 4 Höfe rund um den Dorfkern, bei denen Pferde eingestellt werden können. Und zwei Landwirte haben nach Recherchen der Tages-Anzeiger-Journalistin Sandra Zrinski gegenwärtig je ein Baugesuch für Rossstallungen laufen.

Da Pferde Platz brauchen (150 Quadratmeter pro Pferd sieht beispielsweise das Gesuch von Hans Willi vor), ist es verständlich, wenn man dafür nicht teures potentielles Bauland verwenden will.

Ein Grundbucheintrag wider die unkontrollierte Proliferation

Gegen die Flut von neuen Pferdeställen in den Landwirtschaftszonen hat die zuständige kantonale Behörde geeignete Massnahmen ergriffen. Eine Bewilligung gibt es beispielsweise nur gegen einen Eintrag im Grundbuch. Dieser sieht vor, dass freistehende mit der Pferdehaltung im Zusammenhang stehende Bauten wieder entfernt werden müssen, sobald das landwirtschaftliche Unternehmen seinen Betrieb einstellt. Diese Bestimmung ist mit ein Grund dafür, dass Pferdeboxen häufig in bestehende Gebäude eingebaut oder daran angebaut werden.

Diese Einschränkung will der Weiacher Landwirt Manfred Baumgartner für die südlich seines bestehenden Hofes geplanten Bauten nicht akzeptieren, hat Zrinski in Erfahrung gebracht. Gegen den Eintrag dieser Rückbauverpflichtung bei nichtlandwirtschaftlicher Umnutzung, einer sogenannten Dienstbarkeit im Grundbuch, habe er Rekurs eingelegt.

Aus seiner Sicht verständlich - schliesslich kann er ja nicht wissen, wann seinem Betrieb der Schnauf ausgeht. Nicht nur die Investition wäre dann verloren, auch für den Rückbau kämen signifikante Ausgaben hinzu.

Bauern werden am Überleben gehindert, könnte man da meinen. Die in der Raumplanungsgesetzgebung vorgesehene, ordnende Hand des Staates ist aber ganz entscheidend dafür verantwortlich, dass in unserer Gegend überhaupt noch Bauernbetriebe überlebt haben. Denn sonst wären sie von der Kapitalmacht der Städter längst verdrängt worden. Dass man nicht jeden Rösselertraum unbesehen bewilligt, ist also auch ein Schutz - für unsere Bauern und unsere Landschaft.

Quelle
  • Zrinski, S.: Immer mehr Pferdeställe werden im Landwirtschaftsgebiet geplant. In: Tages-Anzeiger, 4. August 2008 - S. 45 Unterland.

Mittwoch, 6. August 2008

Als es noch ein Gemeindemietamt gab

Das Statistische Amt des Kantons Zürich teilte gestern mit, von den rund 650'000 Wohnungen im Kanton seien Anfang Juni nur 3980 leer gestanden. Das sind gut 20 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Leerwohnungsziffer sank auf 0,61 Prozent.

Mehr Leerwohnungen als im Kantonsschnitt

In Weiach war gemäss Angaben des Amts 1.15 Prozent Leerbestand gemeldet worden. 40 Prozent davon Wohnungen in Einfamilienhäusern, 20 Prozent in Neubauten jünger als 2 Jahre. Schon an diesen runden Zahlen kann man erahnen, dass sich die Zahlen in engen Grenzen hielten. Total 5 Wohnungen waren am Stichtag nicht vermietet: eine 2-Zimmerwohnung, eine mit 3 Zimmern, zwei 4-Zimmer-Wohnungen und eine 5-Zimmer-Wohnung. Nach Strübys Rechnungsbüechli ergibt das also einen Gesamtbestand von 435 Wohnungen. Und bei geschätzten 980 Einwohnern etwa 2.25 Personen pro Wohnung.

Mieterschutz vor 50 Jahren

Wenn Wohnungsknappheit vorherrscht, dann haben Vermieter Oberhand und die Mieter müssen nehmen was sie bekommen - zu fast jedem Preis. Es sei denn, die Kräfte des freien Marktes werden gezähmt. Die Antwort der späten 50er-Jahre auf dieses Problem hiess «Gemeindemietamt».

Davon, dass es ein solches auch in Weiach einmal gegeben hat, zeugt ein weiterer Eintrag des schon mehrfach zitierten Gemeinderatsprotokolls vom 12. Juli 1958. Unter der Rubrik «Niederlassung und Aufenthalt. Mietamt und Mieterschutz» heisst es da:

«Wahl des Gemeindemietamtes für die Amtsdauer 1958-1962:

Gestützt auf § 3 der kant. Verordnung über die Beschränkung des Kündigungsrechtes und das Verfahren der Mietzinskontrollstellen vom 20. Mai 1954 nimmt der Gemeinderat folgende Bestätigungs- bezw. Neuwahl vor.

Gemeindemietamt:

Präsident:
Albert Meierhofer-Meier, a. Gemeinderat;

Mitglieder:
Julius Lauber-Werner, Festungswächter; (Vertreter der Mieter)
Robert Meierhofer-Järventaus; (Vertreter der Vermieter)

Protokoll:
Ernst Pfenninger, Gemeinderatsschreiber
»

Quelle
  • Gemeinderat Weiach: Protokoll der 15. Sitzung am 12. Juli 1958 (Nr. 190)
  • Bischoff, C.: Deutlich weniger verfügbare Wohnungen, 5. August 2008 - Medienmitteilung des Statistischen Amts des Kantons Zürich

Dienstag, 5. August 2008

Festungswacht entfernt Bäume im Stacheldraht

Die Lage von Weiach an der Grenze zu Deutschland brachte es mit sich, dass im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach umfangreiche militärische Geländebefestigungen gebaut und unterhalten werden mussten.

Viele von diesen Zeitzeugen sind heute verschwunden. Darunter auch die meisten Stacheldrahtverhaue, die man besonders am Rheinufer antraf.

Noch vor 50 Jahren aber war ein Abbau des Stacheldrahts kein Thema. Das wird aus einem weiteren Verhandlungsgegenstand des Weiacher Gemeinderates von Mitte Juli 1958 deutlich.

Unter dem Titel «Militär. Kulturschäden» findet man folgende Notiz:

«Festungswacht. Mit Schreiben vom 19. Juni 1958 des Kommandanten der Festungswacht Kp.6 wird die Entfernung von Waldbäumen in Stacheldrahthindernissen bewilligt.»

Wahrscheinlich hätte das heissen sollen «Mit Schreiben vom... an den Kommandanten». Unklar ist, ob der Gemeinderat diese Rodungsaktion bewilligen musste. Möglicherweise war eine andere Stelle dafür zuständig, denn dieser Eintrag steht unter der Rubrik «Kenntnisnahmen».

Quelle
  • Gemeinderat Weiach: Protokoll der 15. Sitzung am 12. Juli 1958 (Nr. 184)
Nachtrag vom 14.2.2012

Es gibt selbstverständlich noch eine weitere Möglichkeit die gemeinderätliche Notiz zu interpretieren - ohne einen Fehler zu unterstellen wie ich dies gemacht habe:

Wenn die Entfernung von Bäumen aus einem Stacheldrahtverhau auf Wunsch und Rechnung eines Privaten erfolgte, der damit eine Gefahr für sein Kulturland abwenden wollte, dann macht die Bewilligung des FWK-Kdt durchaus Sinn. Die Parzellen mit den Stacheldrahtverhauen waren nämlich Bundeseigentum. Und demzufolge musste auch ein Eigentümervertreter einen solchen Eingriff bewilligen.

Montag, 4. August 2008

Waldstrassen neu kiesen: 16.- pro Stunde

WeiachBlog schaut 50 Jahre zurück und hat zu diesem Zweck in den Gemeinderats-Protokollen des Jahres 1958 geblättert. Am 12. Juli 1958 nahm die Behörde wie in jeder Sitzung Kenntnis von verschiedenen Mitteilungen. So beispielsweise aus dem Bereich Forstwesen zum Thema Waldstrassen:

«Präsident Meierhofer orientiert: Die Winzeln-, Flüh- und Stockistrasse müssen überkiest werden. Griesser Gottlieb, Baugeschäft, Weiach und Rubin, Glattfelden übernehmen den Transport gemeinsam mit ihren Lastwagen zu Fr. 16.-- pro Stunde.» (Nr. 182)
Beim genannten Gemeindepräsidenten handelt es sich um Albert Meierhofer-Nauer (vgl. WeiachBlog vom 14. April 2007), den Namensgeber des alle zwei Jahre durchgeführten Albert-Meierhofer-Erinnerungsschiessen.
Das Baugeschäft Griesser gibt es heute noch. Von einem Unternehmen namens Rubin ist in Glattfelden dagegen nichts mehr festzustellen.
Was verdienten die Bauarbeiter in der Stunde?
16 Franken Unternehmerlohn. Die Lastwagenchauffeure selber dürften da wohl nicht viel mehr als 3 Franken pro Stunde verdient haben, denn ein kommunaler Waldarbeiter verdiente damals Fr. 2.60 in der Stunde.
Heute müsste man angesichts der Teuerung eigentlich nur etwas mehr als das Dreifache rechnen - also weniger als 10 Franken. Denn bezogen auf 1914=100 Punkte stand der Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise Ende Juli 1958 auf 250.3 und Ende Juli 2008 auf 1049.3 Punkten.
Quelle
  • Protokolle des Gemeinderates Weiach: 15. Sitzung am 12. Juli (Geschäft 182) sowie 17. Sitzung am 29. August 1958 (Geschäft 220)

Sonntag, 3. August 2008

Jugendliche (Zer)-Störungslust

Weiach kann es punkto Graffiti-Dichte mit Vorstadt-Ghettos nördlich und westlich von Zürich zum Glück nicht aufnehmen.

Aber erste Vorboten der Agglomerationsverwahrlosung stehen auch bei uns unverkennbar an die Wände geschrieben. Zum Beispiel an der Postauto-Haltestelle Weiach-Gemeindehaus (Bild vom 9. Mai 2008):


Man fragt sich wirklich, wie gross die Langeweile bei einigen Exemplaren der heutigen Jugendlichen sein muss, dass sie derartige pubertäre Schmierereien hinterlassen.

Oder gar Zerstörungen anrichten, die sich nur als bewusste Sabotage am Mitmenschen verstehen lassen. Das Bild vom 31. Juli 2008 zeigt unten rechts die Spur eines Feuerzeugs auf dem Schutzplastik - genau über den Zahlenangaben des Busfahrplans:


Das zeigt zweierlei: mangelnden Respekt vor dem öffentlichen Raum und null Respekt vor dem Steuer- und Gebührenzahler!

Durchgreifen - und zwar konsequent

Die Täter sollte man nicht nur ins Gebet nehmen und ihnen gegebenenfalls die Ohren lang ziehen. Man sollte ihnen auch die vollen Reparatur- und Reinigungskosten aufbrummen. So begreifen vielleicht manche, was sie anrichten.

Wenn für Sachbeschädigungen und Verschmutzungen, die mangelnden Respekt vor der Gemeinschaft zeigen, subsidiär auch einige Dutzend Stunden Gratisarbeit im Dienste der Allgemeinheit zum Standard werden, dann würde das wohl nicht schaden.

Natürlich kann man auch einfach über all das hinwegsehen. Das rächt sich jedoch ziemlich schnell. Warum?

Es ist wie mit einer Reihe hintereinanderstehender Dominosteine. Wenn derartigen Aktivitäten nicht kompromisslos der Riegel geschoben wird, dann muss man sich über die folgenden Eskalationsstufen, wie Zerstörung ganzer Bahnwagen durch Polsteraufschlitzen sowie Sprayereien im grossen Stil, auch nicht mehr wundern.

Samstag, 2. August 2008

Miteinander statt gegeneinander. Ansprache zum 1. August

Die letztjährige Rede zum Bundesfeiertag hat ein Politiker gehalten - der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi, Mitglied der Jagdgesellschaft Sanzenberg (vgl. WeiachBlog vom 2. August 2007).

Auch dieses Jahr stand wieder ein Politiker mit Weiacher Verankerung am Rednerpult: Daniel Elsener, EVP-Vorstandsmitglied, von Beruf FEAM und ehemaliger Biobauer, heute wohnhaft an der Winkelstrasse.

Seine Rede hat – wie er selber – Ecken und Kanten. Sie zeigt, was Gemeinschaft und Gesellschaft in der Schweiz ausmachen kann und seiner Ansicht nach ausmachen soll.

Auf Anfrage von WeiachBlog hat der Redner uns seinen Text zur Veröffentlichung auf dem WWW überlassen. So kann ihn auch lesen, wer gestern Abend nicht dabei sein konnte. Vielen Dank, Daniel.

Nachfolgend die Rede im vollen Wortlaut.

«Sehr geehrte Weiacherinnen und Weiacher
Liebe Gäste und offizielle Behördenmitglieder!

Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu unserer Bundesfeier. Schön sind Sie da bei uns.

Ich bin angefragt worden, diese Festansprache zu halten – und diese ehrenvolle Aufgabe nehme ich gerne wahr.

Zu aller erst möchte ich aber der Trachtengruppe Wehntal danken, welche die Feier durchführt und organisiert hat – vielen Dank. Ist sicher ein Applaus wert.

Die einen wissen, dass ich in der Rechnungsprüfungskommission bin, aber auch für die Evangelische Volkspartei politisiere. Ich bin ein politisch Aktiver und nehme meine Rechte und Pflichten wahr, wie sie in unseren Verfassungen festgeschrieben sind.

Eben, als politisch Aktiver könnte man zwar sehr vieles aus dem Nähkasten erzählen, aber …

Darum hab ich mal die Jungen gefragt : „Was sagt dir der 1. August ?“
Nach den grossen Augen und der Schrecksekunde kommt’s dann:
„Nationalfeiertag – man hat Frei.“
Der Pyroman sagt: „Feuerwerk“, reibt sich die Hände und fügt an: „Augustfeuer“.
„Und was noch?“, frage ich.
„Party und festen!“ Und dann nichts mehr.

Sie können sich vorstellen – ich war da schon etwas enttäuscht und habe mir etwas mehr vorgestellt.

Aber ist es nicht gerade das – der Unterschied zwischen Jung und Alt? Das Alter, die Lebenserfahrung und damit der Blickwinkel oder auch der persönliche Horizont, wie man seine Welt und Umwelt, aber auch die Geschichte wahrnimmt.

Darum habe ich immer sehr gern älteren Leute beim Erzählen zugehört. Ich liebe das.

Für mich ist die Symbolik der drei Eidgenossen auf dem Rütli ein ganz sack starkes Signal: sie transportiert die Idee der Gleichheit in der Verschiedenheit oder anders gesagt: die Vielfalt in der Einheit.

Sie und sie, Du und du, alle sind wir verschieden, aber in der Einheit sind wir stark und alle haben die gleichen Rechte und Pflichten. Das ist der Mythos „Eidgenossenschaft“, das ist es, was die Schweiz ausmacht:

Mitenand statt gägenand.

Ich staune immer wieder über unsere demokratischen Rechte, es ist absolut und weltweit einmalig – gerade wenn wir erfahren was alles im Ausland so abgeht.

Aber unserer direkten Demokratie müssen wir auch Sorge tragen und erhalten. Denn die Gesellschaft, das heisst: wir, sind der Staat. Nicht irgendwelche anderen.

Es gibt schlechte Beispiele: Die 5%-Hürde beim Doppelten Pukelsheim – das ist ein neues Wahlverfahren im Kanton Zürich. Schafft eine Partei das an einem Ort nicht, dann ist sie draussen. Das dient nur der Machtstärkung der grossen Parteien.

Aber auch die Volkswahl des Bundesrates wäre schlecht. Nach amerikanischem Muster: nur wer das grösste Portemonnaie, die meiste Kohle und die grösste Propaganda macht, könnte in Zukunft BundesrätIn werden.

Und das Schöne bei uns ist ja gerade, dass im Grundsatz jede Schweizerin und jeder Schweizer das Recht aber auch die Pflicht hätte, eine Aufgabe, auf welcher Stufe auch immer, auszuüben und zu übernehmen.

In der freiwilligen Arbeit, ehrenamtlich in Vereinen oder Verbänden, vielleicht sogar in einer Partei, in einer Behörde oder in einem Parlament. Alle sind aufgerufen an diesen Diskussionen und politischen Prozessen mit zu machen. Unsere Politik ist kein Sonntagskind sondern allgegenwärtige Realität und betrifft jede und jeden in irgendeiner Art und Weise.

Weil: die Politik macht die Gesetze und Gesetze betreffen uns alle. Tagtäglich. Sie regelt aber auch das Zusammenleben.

Gerne denkt man an frühere Zeiten zurück, an die schönen Dinge im Leben, nach dem Motto: „Früher war alles besser“. Die schlechten blendet man aus. Würden wir denn gerne in der Zeit ohne Kühlschrank leben? Ich nicht.

Es ist noch kaum 100 Jahre her, mussten viele Schweizer wegen Hungersnöten das Land verlassen. Und Gott sei Dank hat sie auch jemand aufgenommen. Und so hat jede Zeit ihre Probleme.

Der Schweiz geht es heute gut. Nach so vielen Jahren Eidgenossenschaft können zwar nicht alle Bankdirektor sein und es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber uns geht es gut.

Doch zeigt die Individualisierung unserer Gesellschaft eine eigenartige Entwicklung, zum Beispiel dann, wenn man für Kühe mehr Geld bekommt als für ein Kind.

Oder wenn jemand in einem schlecht bezahlten Beruf 1291 hätte anfangen müssen zu arbeiten, damit er oder sie auf ein Jahresgehalt von Novartis-Chef Daniel Vasella kommt, da reden dann einige von einer Neidkultur.

Puh, da sage ich: „Das hat nichts mehr mit Neid zu tun, das ist einfach nur noch pervers“.

Selbst Herr Ospel von der UBS beweist: auch ein hoher Lohn kann nicht verhindern das 40 Milliarden in den Sand gesetzt werden können. Die einen sagen, das sei halt Wirtschaft, ich sage das ist Volkswirtschaft! An dem werden wir noch lange zu kauen haben.

Würden sich die Leute in unserem schönen christlichen Abendland mehr an die zehn Gebote halten, dann würden wir sicher auch nicht so viele Gesetze brauchen.

Ich will gerade heute nicht verschweigen, dass durch die wirtschaftlichen Exzesse die Familien mit Kindern, in welcher Form auch immer, mehr und mehr in Bedrängnis kommen. Auch die hohen Scheidungszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Doch dafür, das detailliert auszuführen, reicht die Zeit nicht aus.

Vor 10 Jahren kam unsere Familie von Bachs nach Weiach. Ein neuer Lebens­abschnitt begann, nachdem wir den landwirtschaftlichen Pachtbetrieb aufgegeben hatten. Als Pionierbetrieb und einer der ersten Bio-Betriebe im Zürcher Unterland bauten wir Bio-Gemüse an, welches wir direkt vermarkteten. Als Pionier ist man ein unverbesserlicher Idealist und wird nicht reich dabei. Jedoch ist die Gewissheit da, etwas Gutes getan zu haben, ansonsten würden heute nicht COOP und Migros damit viel Geld verdienen.

Damals war ich Mitglied in der Fachkommission Bio-Gemüse in der Bio-Suisse (der Dachorganisation der Bio-Bauern) und bin heute noch ein Vorstandsmitglied der Schweizer Kleinbauernvereinigung. So kam ich auch in die Politik.

Ich bekenne mich schuldig, ich bin in den 90er Jahren mitverantwortlich für die Ökologisierung der Schweizer Landwirtschaft. Ich bin einer dieser „Bösen“ und bin heute noch 100%ig überzeugt, dass die Schweizer Landwirtschaft nur mit einer Qualitätsstrategie überleben kann.

Stichwort Lebensmittelskandale inkl. Gentechnologie und Welthandelsorganisation, was die Landwirtschaft massiv unter Druck setzt. Es braucht auch die Akzeptanz der Bevölkerung, um die vielen nötigen Subventionen abzuholen.

So oder anders kann es einem den Ärmel reinziehen. Ich verspüre immer wieder Lust, etwas zu bewegen.

Auch das Weiacher Forum will in der Gemeinde etwas bewegen und das finde gut.

Je aktiver eine Gemeinde ist, umso lässiger ist es für alle.

Als ich noch ein Tal weiter war, feierten wir 900 Jahre Bachs. Mit einem grossen Theater und Festspiel, welches die Dorfgeschichte erzählte, mit Umzug und Dorfbeizen und eigens dafür komponierten Liedern. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um das Volksfest zum Erfolg zu bringen – und das verbindet.

Und ich sage Ihnen, das Dorf – vorher und nachher – es war nicht mehr das, was es einmal war. Nicht mehr zu erkennen. Die Menschen waren wie ausgetauscht, und alle waren glücklich und selig, aber auch irgendwie stolz auf ihr Erbrachtes.
Warum? Ganz einfach: Mitenand statt gägenand.

Miteinander statt Gegeneinander ist mein Appell an Sie.

25'000 junge Pfadis sind heute im Bundeslager in der Linthebene und leben genau das. Endlich weg von Mami und Papi können sie ihre Pfadi-Freiheit ausleben.

Auch unsere Weiacher Pfadi ist da. Im Zusammenhang mit der Jugendproblematik ein sehr positiver Anlass. Doch bereits nach der ersten Nacht kamen die ersten Rekla­mationen.

Wir können nicht eine Freiheitspolitik propagieren und dauernd dem Anderen seine Freiheit einschränken.

Es gibt Grenzen – aber auch Grenzen im Kopf . Diese bergen Konfliktpotenzial. Erst wenn solche weg sind, dann ist der Weg frei für die Freiheit und für das Zusammen­kommen.

Welche Freiheit gibt das Recht, dem anderen oder den Nachkommen ihre Lebens­grundlage zu zerstören?

Zukünftige Aufgaben können wir nur gemeinsam lösen: Mitenand statt gägenand.

Zum Geburtstag hat man einen Wunsch frei. Mein Wunsch besteht darin, die Individualität, den Egoismus etwas zurückzunehmen, damit wieder mehr zusammen gemacht werden kann.

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und hoffe es können alle die Landeshymne mitsingen – ich kann sie auch nicht so gut.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Gesundheit und trotz dem Regenwetter weiterhin ein gutes und schönes Fest zum 717. Geburtstag der Schweiz.

Herzlichen Dank!
»

(Bearbeitung für die Veröffentlichung durch Redaktion WeiachBlog)

Freitag, 1. August 2008

Hundert Prozent Fluglärm. Das 1.August-Geschenk der Unique AG

Der Skandal am Abend unseres Bundesfeiertages findet heute schon seine siebte Auflage. Seit 2002 werden sämtliche An- und Abflüge am Abend des 1. August von und nach Norden abgewickelt.

Mit anderen Worten: Wir im Zürcher Unterland nördlich des Flughafens haben statt 80% aller Anflüge nun sogar die ganze Last des Verkehrs zu tragen.

Und warum? Die Feuerwerke und Freudenfeuer könnten die Piloten irritieren, lässt die Propagandazentrale der Unique AG verlauten. Mit anderen Worten: Flugbetrieb nur im Norden, damit alle anderen Anwohner im Süden und Osten umso ungenierter mit ihren Feuerwerkskörper die Luft verpesten können.

Dürfen die Höremer kein Feuerwerk abbrennen?

Warum die Unique AG den Flugbetrieb nicht gleich ganz einstellt, ist schleierhaft. In die Luft gejagte pyrotechnische Erzeugnisse könnten nämlich auch bei uns im Norden den Flugverkehr gefährden. Eine einzige hoch fliegende Rakete reicht.

Denn wie die Südschneiser am Pfannenstil so lassen auch Weiacher, Stadler, Höremer, etc. ihr Feuerwerk gen Himmel steigen. Von einem Verbot, heute abend in Weiach, Stadel oder Höri Feuerwerk abzufeuern, hätte WeiachBlog jedenfalls noch nie etwas gehört.

Es riecht nach Sicherheitsgeschwafel zwecks Diskriminierung

Warum also diskriminiert man erneut die Minderheit im Norden? Das Sicherheitsgeschwafel scheint nur vorgeschoben zu sein. Über das Warum dieser «Sicherheitsmassnahme» lässt man sich bei Unique gar nicht erst aus.

Dieses Jahr lautet die Medienmitteilung vom 29.07.2008 zum Flugbetrieb am 1. August 2008 wie folgt:

«Am Abend des Schweizer Nationalfeiertages wird ausnahmsweise von Norden her auf den Pisten 14 oder 16 gelandet. So wird sichergestellt, dass die traditionellen Feuerwerke und Höhenfeuer den Flugbetrieb nicht beeinträchtigen.

Am 1. August, dem schweizerischen Nationalfeiertag, werden traditionsgemäss zur Abend- und Nachtzeit schweizweit Feuerwerke gezündet. Um den Flugbetrieb durch die Feuerwerkskörper nicht zu gefährden (Irritation der Piloten durch die hoch fliegenden Feuerwerkskörper etc.), erfolgen die Landungen ab 21 Uhr bis Flugbetriebsende von Norden her auf den Pisten 14 oder 16. Die Starts erfolgen Richtung Norden. Dieses An- und Abflugregime am 1. August hat sich in den letzten Jahren bewährt.

Gemäss deutscher Verordnung müsste abends ab 21 Uhr von Osten her auf der Piste 28 gelandet werden. Nach Rücksprache mit den zuständigen deutschen Stellen wird aus Sicherheitsgründen im Sinne einer Ausnahmeregelung am Abend des schweizerischen Nationalfeiertages wie schon in den vergangenen Jahren auf diese Regelung verzichtet.
»

Absprache? Was für eine Absprache?

Interessanterweise erfährt man selbst in der ersten Auflage der Medienmitteilung von 2002 über diesen fragwürdigen Deal nicht viel mehr, als dass mit «den betroffenen Gemeinden in dieser Zone» (im Unterland?) «eine Absprache» darüber bestehe.

Worin diese Absprache besteht? Das wird mit keinem Wort erwähnt. Über solche Details äussern sich die Herren des Flughafens selbstverständlich nicht. Davon müssen die Belärmten im Norden deren Ansicht nach wohl auch nichts wissen. Das ist ja nur eine kleine Minderheit. Ergo irrelevant.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Untere und obere Amtsrichters. Von Häusern und ihren Menschen.

Journalisten schreiben manchmal einfach, was sie grade denken (Blogger auch). Sauber recherchierende Journalisten fragen aber nach. Und sind dann auch bereit, ein paar Tage auf Antworten zu warten. So wie Florian Riesen vom Zürcher Unterländer, der vom Autor der «Weiacher Geschichte(n)» Näheres zum Baumgartner-Jucker-Haus und dessen Speicher wissen wollte.

Baujahr 1820 plus 1

Was ein Besuch im Gemeindearchiv und die Konsultation schon bestehender Unterlagen ergeben haben, will ich den ortshistorisch Interessierten nicht vorenthalten:

Gemäss Angaben der Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) wurde das seit den 1990er-Jahren im Gemeindebesitz stehende Baumgartner-Jucker-Haus (Bild:Wikipedia) an der Stadlerstr. 11 mit seinen wesentlichen, tragenden Teilen im Jahre 1820 erbaut (im Bild unten links). Der im gleichen Stil errichtete Speicher an der Büelstrasse 18 gleich daneben folgte im Jahre 1821 (im Bild unten rechts).


Nach der 1812 eingeführten Zählung der damals schon bestehenden kantonalen Brandassecuranz erhielten die neuen Gebäude die Nummern 45A und 45B. Sie wurden ab 1895 auf 75 und 76 umnummeriert und seit 1955 mit den Nr. 246 (Wohnhaus) und 244 (Speicher) versehen. Als Standort wurde 1820 ganz klar «Oberdorf» angegeben (und nicht etwa «Bühl» - das ist das Gebiet vom Friedhof an nach Norden bis zur Hauptstrasse).

Eigentümer: die «untern Amtsrichters»

Man sieht es dem Haus auch heute noch an, dass da keine armen Leute wohnten, sondern jemand mit Grundbesitz und Ansehen.

Das wird denn auch bestätigt, wenn man die Assekuranz-Bücher konsultiert. Dort findet man unter anderem den «Namen des Eigenthümers». In diesem Fall war das um 1834 ein Johannes Baumgartner, näher bezeichnet als «Bez. Rchtr.», d.h. Bezirksrichter.

Es ist gut möglich, dass dieser Zweig der Baumgartner deswegen den Zunamen «untere Amtsrichters» erhalten hat. Denn bis 1830 gehörte Weiach noch zum Oberamt Regensberg - wo ein Amtsgericht tagte. Erst mit den durch den Brand von Uster und die Umwälzungen im Kanton Zürich einhergehenden Reformen wurde daraus der Bezirk Regensberg (ab 1871: Bezirk Dielsdorf).

Die «oberen Amtsrichters» wohnen übrigens heute noch gleich ein Haus die Stadlerstrasse hoch (Stadlerstrasse 13, bzw. offiziell Oberdorfstrasse 2, vgl. Bild). Bis vor kurzem lebte dort auch «Amtsrichters Edi», der u.a. als Wildhüter tätig war (heute im Altersheim in Stadel).


Gebäudebeschreibung im Versicherungsstil

Stadlerstr. 11 (Baumgartner-Jucker-Haus)
Oberdorf. N° 45a (1812); 75 (1895)


Wohnhaus mit Scheune, Stall und (Wagen-)Schopf. Das Haus wurde 1842 als zu 1/6 gemauert und zu 5/6 aus Fachwerk (Riegel) eingeschätzt. Scheune, Stall und Wagenschopf waren zu 1/3 gemauert und zu 2/3 aus Holz erstellt. Das Dach war mit Ziegeln gedeckt.

Das als «freistehend» bezeichnete Haus wurde 1834 mit 3100 Gulden, 1853 nach der Einführung der landesweit einheitlichen Währung mit 7000 Franken bewertet. 1893 stand es mit 15'000 Franken zu Buche (anscheinend nach Bauarbeiten, denn noch 1888 belief sich der «Kadaster-Anschlag» auf lediglich 12'000.-).

1895 wurden 15500 Franken veranschlagt, 1904 waren es 16'200 Franken und nach dem Ersten Weltkrieg teuerungsbedingt bereits 42'200 Franken, 1930 dann 55'000 Franken und 1938 mit 52'000 Franken etwas tiefer. Gebaut wurde aber wohl nur unwesentlich, höchstens einige kleinere Unterhaltsarbeiten. Erst 1949 ist von «Bauten» die Rede, wohl der bei der jüngsten Renovation wieder entfernte nördliche Garagenanbau. Der Wert: 110'000 Franken (Basis 1939: 55'000 Franken). Schon an diesen Steigerungen sieht man, welch enorme Inflation sich durch die Kriegs- und Krisenjahre ergeben hatte.

Als weitere Eigentümer werden genannt:
1853: Joh. Baumgartner, a. Bezirksrichter
1858: Jakob Bamgartner, a. Schulverwalter
1866: Jakob Baumgartner, Schulverwalter
1888: Jb. Baumgartner
1893: Eduard & Albert Baumgartner
1895: Albert Baumgartner

Büelstr. 18 (Speicher)
Oberdorf. N° 45b (1812); 76 (1895)


Als Verwendungszweck dieser kurz nach dem Wohnhaus erstellten Annex-Baute wird angegeben:

1834: «Waschhaus» und «Schütte», bzw. «Schütti», Versicherungssumme: 100 Gulden.
1858: Das Gebäude ist für 350 Franken versichert.
1866: zusätzlich ist noch ein Schweinstall gebaut worden. Die Versicherungssumme steigt auf 400 Franken.
1888: wird das Waschhaus nicht mehr erwähnt, dafür die «Schütti» neu als «Speicher» bezeichnet und der «Schweinstall» als «Schweinstallanbau».

Im selben Jahr scheinen Bauarbeiten erfolgt zu sein, was zu einer Korrektur der Versicherungssumme auf 750 Franken führte. 1895 wird der Wert bereits auf 1300 Franken geschätzt (Schweinstallanbau: 300 Franken)! Da wurde also gebaut.

Auch vor 1920 hatten die Besitzer offenbar in den Speicher investiert, die Versicherungssumme stieg nämlich auf 2800 Franken. 1930 war noch ein Schopfanbau dazugekommen, was den Wert auf 6000 Franken anhob. 1938 war dann schon von «1 Speicher u. 2 Schöpfe mit Schweineställen» die Rede. Und 1949 war das Gebäude mit 12'000 Franken in den Büchern (Basis-Wert 1939: 6000 Franken). Also eine Verdoppelung, die rein kriegsbedingt ist.

Eigentümer waren dieselben wie die der Stadlerstr. 11, ausser im Jahre 1888. Da werden für den Speicher eigentümlicherweise gleich drei Besitzer genannt: Jakob, Eduard und Albert Baumgartner.

Was die Neeracher Jucker damit zu tun haben

Wie kommt es nun zum Namen Baumgartner-Jucker-Haus? Gleich wie beim Weiacher Ortsmuseum, dem sogenannten Liebert-Haus, handelt es sich um den Namen der letzten Eigentümerin. Walter Zollinger notierte in der Chronik auf das Jahr 1958, wie «Tante Ruth» zu ihrem Haus und damit zum Wohnsitz Weiach kam:

«Ende Jahr vernimmt man eben noch, dass das Heimwesen des 62jährigen Jungesellen Albert Baumgartner, untern Amtsrichters, in den Besitz der Geschwister Ruth Baumgartner-Jucker und Schmiedmeister Johann Jucker, Neerach übergegangen sei. Frau Ruth Baumgartner ist die Schwägerin des obgenannten Alb. Baumgartner. Ihr Mann, Ernst Baumgartner geb. 1903, ist bereits 1951 gestorben und nun hatte seine Gattin natürlich erblichen Anteil am Heimwesen.» (G-Ch 1958 - S. 16)

Quellen
  • Brandenberger, U.: Gebäudenummernkonkordanz der Gemeinde Weiach: 1812–1895–1955–1992. Elektronisches Spreadsheet, Version 1.0. Weiach, September 2002.
  • Zollinger, W.: «Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1958» Handschriftenabteilung Zentralbibliothek Zürich, Signatur: G-Ch Weiach 1958 – S. 16. unter dem Titel: Bautätigkeit / Handaenderungen
  • Assekuranzbücher ab 1834 . Archiv der Politischen Gemeinde Weiach, Signaturen: IV.B.06.01 (1834-1894) und IV.B.06.02 (1895-1949)

Dienstag, 29. Juli 2008

Allplus.com besser als Cuil.com

In der Blogosphäre wird derzeit eifrig über die neue Suchmaschine Cuil (gälisch: Wissen) diskutiert. Einige finden sie cool (z.B. wegen dem schwarzen Bildschirmhintergrund, der beim User Rechnerpower sparen soll), andere weniger (z.B. wegen der Darstellung der Ergebnisse in Spalten statt im Zeilenformat).

Wenn es um das Thema Weiach geht, dann ist Cuil klar suboptimal - jedenfalls in der heutigen Form. Gibt man nämlich den Suchbegriff «Weiach» ein, so werden einem Dutzende von geklonten, kommerziellen Wikipedia-Abklatschen geboten. Auch sonst ist viel davon redundant - von Tausenden automatisch generierter Websites ins Internet eingespeiste «Informationen». Und oft ist darunter (mit Verlaub gesagt) reiner Schrott. In diesem Sumpf kann man waten bis man schwarz wird - der Informationssuchende fühlt sich wie ein Mineur, der im Untertagebau nach Gold gräbt.

Wenn es darum geht, nicht nur den Giganten Google zu propagieren, dann favorisiere ich derzeit klar Allplus, eine Meta-Suchmaschine. Da ist zwar auch Google drin, aber nicht nur.

Was Allplus alles bietet

Allplus (Eigenwerbung: «The Universal Meta Search and Discovery Engine™») verfügt über den heutzutage nach Google-Vorbild üblichen spartanischen Startbildschirm, präsentiert das Gefundene dann aber wesentlich übersichtlicher als alle mir sonst bekannten (Meta-)Suchmaschinen.

In der Mitte stehen die «Web Results, die man mittels Stichworten aus dem links positionierten «Cluster Tree», einer Art semantischem Netzwerk, einschränken kann.
Auch der «Cluster Graph funktioniert nun endlich.

Auf der rechten Seite werden einem übereinander die neuesten Resultate aus den Bereichen «News», «Images», «Videos» und «Blogs» präsentiert.

Im Fall von Weiach ist das meist wirklich das Neuste, was es gibt und wofür man z.B. bei Google mehrere Abfragen tätigen muss. Hier hat man alles beisammen. Praktisch.

Mittwoch, 2. Juli 2008

EU: Die Tröge bleiben – nur die Schweine wechseln

Irland sorgte vor ca. 3 Wochen für einen Eklat. Die Stimmbürger lehnten den Vertrag von Lissabon in einer Volkabstimmung ab. Zu diesem Thema griff auch der oft publizierte Leserbriefschreiber Hanspeter Bühler, Kommunikationsberater aus Weiach, in die Tastatur - oder zur Feder. Und wie man es von ihm gewohnt ist, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Im Fall Irland diagnostiziert er «Angst vor den Bürgern»:

«Rein gar nichts wissen die EU-Exponenten von Demokratie! Die Regeln waren klar: Einstimmigkeit bei der Ratifizierung des EU-Erneuerungsvertrages. Nun grenzt man das einzige Land, das durch seine Bürger direkt- demokratisch abstimmen liess, einfach aus. Gleichzeitig sagen Merkel und Konsorten, dass das negative Votum Irlands den Demokratie-Prozess der EU bremst – und sind selbst gegen demokratische Einbeziehung der EU-Bürger – aus panischer Angst vor den Bürgern – also dem Demos (altgriechischer Begriff für «Volk») – weil sie eine panische Angst vor dem Volkswillen haben. Die Administration der Europäischen Union ist weiter vom Volk entfernt denn je – was für ein Saftladen, der geführt wird von Anti-Demokraten, von Funktionären, die sich am Tropf des Reichtums der EU gesund stossen. Wie sagte meine Mutter schon früher immer: «Die Tröge bleiben – nur die Schweine wechseln!»»

Quelle
  • EU-Bürger misstrauen Brüssel. Leserbrief Hanspeter Bühler, Weiach. In: Tages-Anzeiger, 17. Juni 2008 - S. 35.