Samstag, 4. Juni 2016

Wenn der Gotthard in der Weiacher Kiesgrube liegt

Nun sind die Festreden also gehalten, die hohen Politiker der umliegenden Staaten wieder abgereist: die Eröffnung des Gotthardbasistunnels ist über die Bühne gerauscht. Ein Tunnel samt Anfahrtstrecken und Profilausbauten auf denselbigen, den die Schweiz primär für die restlichen Europäer erstellt hat. Nur für den Binnenverkehr ins Tessin hätte es die herkömmliche Infrastruktur auch getan. 20 Milliarden, investiert für Europa.

Offenbar staunte das Ausland nicht nur über die ingenieurtechnischen Innovationen, die das Bauwerk an sich ermöglicht haben, sondern vor allem darüber, wie es in der konsensorientierten und mit langwierigen Entscheidungsabläufen doch manchmal als schwerfällig gescholtenen Eidgenossenschaft möglich wurde, ein solches Megaprojekt nicht nur im Zeitplan und ohne gigantische Kostenüberschreitungen durchzuziehen. Sondern offenbar auch noch ganz ohne endlose Proteste von Wutbürgern - wie sie u.a. bei Stuttgart 21 aufwallten.

Am Donnerstag fuhr der erste reguläre Güterzug (Blick am Abend berichtete darüber in der Freitagsausgabe vom 3. Juni, S. 6) - und sinnigerweise war das ein Kieszug (allerdings mit Holcim-Wagen, ob Wagen der Weiacher Kies AG dabei waren, geht aus dem Bild nicht hervor). Sinnigerweise, weil beim Bau enorme Kubaturen an Beton verbraucht wurden.

Womit wir beim Thema Material wären. Dem, was aus dem Tunnel hinaus- und dem was zum Bauen hineinbefördert werden musste. Eine «kluge Materialbewirtschaftung» ist das A und O und sozusagen das Grundprinzip der Alp Transit AG, wie man der NZZ entnehmen konnte:

«An technischen Pionierleistungen mangelt es gleichfalls nicht. Eine davon ist die Verarbeitung von grossen Mengen der 28,2 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial direkt vor Ort zu Beton (vgl. Artikel auf Seite 7). Man habe rund 10 Millionen Franken in die Forschung für die Materialbewirtschaftung investiert, erklärt der ehemalige Vorsitzende der Geschäftsleitung der Alptransit Gotthard AG (ATG), Peter Zbinden. Auch die sechs künstlichen Inseln in den Flachwasserzonen im Urnersee vor Flüelen, die mit 3,3 Millionen Tonnen Ausbruch aus Amsteg aufgeschüttet wurden, waren Teil des Materialbewirtschaftungskonzepts der ATG. Verantwortlich für das Projekt war die Urner Regierung, die ATG transportierte das Gestein und finanzierte die Aufschüttung. «Planung und Bauleitung kosteten den Kanton nichts, und für uns waren die Aufschüttungen günstiger, als mit dem Material zur Deponie nach Weiach zu fahren», hält Zbinden fest.»

Wie WeiachBlog auf Anfrage von Urs Wiesendanger, Betriebsleiter der Weiacher Kies, erfuhr, ist dennoch auch Material aus dem Gotthardtunnel-Ausbruch auf unserem Gemeindegebiet gelandet. Wenn auch stark bearbeitet. Das Ausbruchmaterial wurde nämlich zuerst bei Bodio gelagert. Dort wurde es soweit von den Eigenschaften her möglich vor Ort zu Betonzuschlagstoffen und anderen im Tunnelbau verwendbaren Chargen verarbeitet. Ein Teil von dem, was man wirklich nicht mehr brauchen konnte, landete schliesslich in Weiach in der Inertstoffdeponie. Dabei habe es sich, so Wiesendanger, vor allem um sehr weiches Material gehandelt.

Quellen
  • Feusi, Alois: Ein Tunnel der Superlative und des technischen Fortschritts. In: Neue Zürcher Zeitung, Dienstag, 24. Mai 2016 - Beilage Gotthard-Eröffnung, S. 8 sowie NZZ Online, 1. Juni 2016
  • Ruh, Boas: Aus dem Berg in den See und anderswohin. In: Neue Zürcher Zeitung, Dienstag, 24. Mai 2016 - Beilage Gotthard-Eröffnung, S. 7

Freitag, 3. Juni 2016

Parzelle 1403 - eine nasse Angelegenheit

Die amtliche Vermessung des Staatsgebietes erfasst ausnahmslos alles und jedes. Völlig egal, wie die Oberfläche beschaffen ist. Was eine Fläche hat wird vermessen. Punkt.

So kommt es dann zu Parzellen wie der Kataster-Nummer «1403 Weiach». Sie gehört dem Kanton und ist zwar flächenmässig nicht das grösste, aber sicher das langgezogenste Grundstück in der ganzen Gemeinde – 3100 Meter lang, rund 60 Meter breit.

Nummer 1403 ist im Wesentlichen die Oberfläche des Rheins, soweit er zur Schweiz gehört (d.h. die südliche Flusshälfte) von der Glattfelder bis zur Kaiserstuhler Grenze. Zusätzlich gehören abschnittsweise auch noch einige Uferstreifen dazu. In Teilabschnitten verläuft auf diesen der beliebte Rheinufer-Wanderweg.

Manchmal ist aber auch das Ufer die Grundstücksgrenze. Das stacheldrahtumzäunte Objekt westlich der Einmündung des Dorfbachs in den Rhein (Parzelle 535) stösst direkt ans Ufer.

Der auffällige Betonklotz unmittelbar östlich des Rheinhofs gehört hingegen zur Parzelle 1403. Er trägt auf dem Katasterplan die Bezeichnung «nv508.1», was zeigt, dass er nicht gebäudeversichert ist (nv) und früher auf Parzelle 508 stand (.1 für das erste nicht versicherte Objekt auf der Parzelle). Offenbar gehört das wehrhaft aussehende Objekt (mittlerweile) dem Kanton.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Abhülfe für ungebührliches Verhalten verlangt

Im WeiachBlog-Beitrag vom 11. Januar war bereits vom Kantonspolizisten Müller die Rede - er weigerte sich, dem Gemeinderat seine Informationsquellen preiszugeben.

Dieser Beamte (das waren die Polizisten damals tatsächlich noch) war vor 85 Jahren äusserst aktiv und beschäftigte den Gemeinderat Weiach in praktisch jeder Sitzung.

So beantragte er unter anderem, einen Verhaltensauffälligen in einer geeigneten Einrichtung zu «versorgen»:

«Lt Schreiben von Polizist Müller soll Baumgartner Oskar an Verfolgungswahn leiden und ersucht Müller das Waisenamt dafür zu sorgen, dass Baumgartner versorgt werde. Da die Eltern des Baumgartner noch leben wurde Präsident Griesser beauftragt mit seinen Eltern über eine evt Versorgung zu unterhandeln.» (10. Januar 1931, Traktandum 3, S. 153)

Damals waren die Fürsorgebehörden der Gemeinde noch allein zuständig für solche Fälle. Und in der Regel versuchten sie wirklich alles, um das Problem erst einmal in der Familie - und damit kostengünstiger als durch Versorgung - in Richtung einer Lösung zu bringen.

Auch eine wenige Tage darauf erfolgte, zweite Demarche in gleicher Angelegenheit, diesmal von einem anderen Amtsträger, hat den Gemeinderat nicht von dieser Grundhaltung abgebracht:

«Von Albert Griesser, Organist wurde ein Beschwerdeschreiben eingereicht über das ungebührliche Verhalten des Baumgartner Oskar, in welchem er baldige Abhülfe verlangt. Wurde beschlossen den Vater des Oskar Baumgartner zu veranlassen, dass unbedingt dafür Abhülfe geschaffen werde.» (31. Januar 1931, Traktandum 9, S. 157-158)

Auch hier verliert das Protokoll kein Wort darüber was vorgefallen war (dafür hatte man ja den Beschwerdebrief). Aus dem Kontext darf aber angenommen werden, dass Baumgartner das Orgelspiel in der Kirche gestört hatte.

Nach diesem Datum habe ich in diesem Band des Gemeinderatsprotokoll keine Spuren des Falles mehr gefunden. Was aber nicht heisst, dass die für die Fürsorge Zuständigen sich nicht doch noch zu weitergehenden Massnahmen veranlasst sahen - oder durch die Familie des Aufgefallenen gar dazu gedrängt wurden.

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934, S. 153 u. 157-158. [Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; Signatur: IV B 02.11]

Mittwoch, 1. Juni 2016

Kinder durch umstürzende Grabsteine gefährdet

Spätestens seit der Eröffnung des neuen Friedhofs-Teils «Fuori le mure» im Jahre 2004 hat sich der Friedhof zum kommunalpolitischen Minenfeld entwickelt. In Weiach liegt der Friedhof zwar unmittelbar bei der reformierten Kirche, gehört aber dennoch in die Zuständigkeit der politischen Gemeinde, wie überall im Land.

Der neue Friedhof wurde von Landschaftsarchitekten gestaltet und mit einer Art Lattenzaun umfriedet, der Bezug nehmen sollte auf die Holzzäune der Bauerngärten. Damit sollte der ländliche Charakter der Gemeinde betont werden. Das Entzücken der Fachwelt war gross, die Fachmedien berichteten und «Fuori le mure» wurde 2006 sogar für den Europäischen Preis für Landschaftsarchitektur nominiert (vgl. La ampliación del cementerio de Weiach, WeiachBlog Nr. 144 vom 28. März 2006), worauf der damalige Gemeindepräsident Trachsel stolz hinwies.

Urteil der Fachwelt interessiert die Einheimischen nicht

Etlichen Weiacherinnen und Weiachern waren und sind solche Expertenmeinungen allerdings schnurzpiepegal. Sie finden die neue Anlage «schrecklich», «unpassend», ja geradezu «pietätlos». Vor allem der Lattenzaun war ihnen ein Dorn im Auge. Aber auch die Gestaltung und Bewirtschaftung der Gemeinschaftsgräber.

Und wie sich zeigt, ist der Friedhof immer noch ein höchst emotional diskutiertes Thema. So lädt der Gemeinderat in den Mitteilungen vom Mai 2016 und sogar in einer separaten Einladung auf der Gemeinde-Website auf heute Mittwoch, 1. Juni 2016, 19.00 Uhr, zum «Diskussionsabend» zu ebendiesem Thema. Der Gemeindepräsident schreibt dazu:

«In jüngster Vergangenheit wurde ich vermehrt mit Fragen, Wünschen und Anliegen im Zusammenhang mit dem Friedhof angesprochen. Da die Bedürfnisse ganz unterschiedlich sind, diese geplant und priorisiert werden müssen, lädt sie der Gemeinderat zu einem Diskussionsabend ein.» [...] «Alle Einwohnerinnen und Einwohner welche gerne ihre Anliegen im Zusammenhang mit dem Friedhof beim Gemeinderat platzieren möchten sind herzlich eingeladen.»

Mutiger Gemeinderat

Die Gemeindeväter wollen es also wissen und wagen es, das heisse Eisen anzufassen. Sie begeben sich dazu sozusagen in die Höhle der wütenden Löwinnen. Denn die Kritik dürfte heute Abend im Gemeindesaal vorab von weiblicher Seite kommen.

Eine ältere Weiacherin ereiferte sich im Gespräch mit dem Autor des WeiachBlog über die Art und Weise wie der Friedhof geführt werde. Auch im alten Teil liege einiges im Argen. Da gebe es teils 40-jährige Gräber (vor allem auf der Ostseite zwischen Kirche und Pfarrscheune). Eigentlich sei da ja die Liegezeit längst abgelaufen und trotzdem würden die Gräber nicht geräumt. Mittlerweile seien etliche davon sogar zu Sicherheitsrisiken geworden.

Zum Glück wurde niemand getroffen

Erwähnt wurde von ihr ein Vorfall, der gerade noch glimpflich ausgegangen ist: Bei der Beerdigung von «Bedmen Hanni» im Jahre 2015 sei der Grabstein von Griesser Berta umgekippt. Das Grab, zu dem dieser Stein gehörte, liegt direkt beim Durchgang zur Pfarrscheune - auf dem Weg in den neuen Friedhofsteil. Und offensichtlich stützen sich viele Friedhofbesucher auf diesem Stein ab, um die Stufe beim Durchgang leichter zu bewältigen. Bis zu eben dieser Beerdigung.

Nicht auszudenken, was dieser Stein hätte anrichten können. Immerhin würden auch kleine Kinder (genannt wurden die Zwergli- und Domino-Schüler) genau diesen Weg nehmen. Der umkippende Stein hätte also ein Kind schwer verletzen oder gar töten können.

Meine Gesprächspartnerin ist der Ansicht, der Friedhofvorsteher habe seit dem Vorfall mit dem umkippenden Grabstein rein gar nichts zur Verbesserung der Situation unternommen.

Nun, da darf man gespannt sein, wie sich die Gemeindeväter im Minenfeld Friedhof bewegen und was ihre Antwort auf den geschilderten Fall sein wird.

Dienstag, 31. Mai 2016

Das allzu kurze Leben des Seerenwegs

Im Geografischen Informationssystem des Kantons Zürich findet man immer wieder Neuerungen zur lokalen Toponomastik, das heisst zur Benennung der Landschaft.

Jüngster Strassenname auf Gemeindegebiet ist - von mir erst vor wenigen Tagen gefunden - der «Seerenweg». Bei der letzten Enquête Anfang Januar (vgl. WeiachBlog Nr. 1256) gab es den noch nicht.

Der Seerenweg liegt auf der Parzelle 1202, beginnt gemäss Amtlicher Vermessung bei der ersten Linkskurve der Sackgasse «Im See», verläuft in südwestlicher Richtung und mündet nach rund 100 Metern in die Seerenstrasse, vgl. untenstehenden Ausschnitt aus dem Plan der Amtlichen Vermessung:



Die Seerenstrasse ist den Einheimischen schon länger ein Begriff - und mittlerweile auch eine Wohnadresse vieler Neo-Weiacher. Sie erschliesst die neuen Überbauungen südlich des Gebiets «Dörndlihag». Die Seerenstrasse beginnt an der Kaiserstuhlerstrasse vis-à-vis des ehemaligen Polizeipostens, führt um den Dörndlihag herum (hier stehen die neuen Gebäude Seerenstrasse 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 13, 15, 17, 19, 21 und 23) und verläuft danach in schmälerer, noch feldwegartiger Bauweise zum schon länger bestehenden Gebäude Seerenstrasse 61 (ehemals: Im Hasli 110), das gemäss Kantonaler Gebäudeversicherung aus dem Jahre 1921 stammt. Dann überwindet sie die Geländestufe zum Hasli hinauf.

Protest neu zugezogener Anwohner

Zurück zum Seerenweg. Die Gemeinde liess - gemäss Informationen aus gut unterrichteter Quelle - bereits eine Tafel mit dem Namen des neuen Wegs montieren. So weit, so gut.

Nun ergibt sich aber das Problem, dass nach den offiziellen Empfehlungen des Bundes der Hauseingang die Adresse des Gebäudes bestimmt. Im Glossar liest sich die Definition des «Gebäudeeingang» wie folgt: «Stelle des Gebäudes, an der man das Gebäude mit der Vorstellung einer bestimmten Gebäudeadresse betritt». Gedacht wurde dabei an die meist nicht ortskundigen Notfalldienste, die eine Adresse ja möglichst schnell finden sollen (vgl. Abschnitt 1.1 der Empfehlungen).

Wie man auf dem Plan der Amtlichen Vermessung oben sieht, liegt der Hauseingang des Gebäudes Nummer 8 eindeutig am Seerenweg. Trägt aber dennoch die Adresse «Im See 8», was (nach Aussage eines Anwohners) bei Lieferanten und Besuchern regelmässig zu Verwirrungen führe - vor allem weil der Hauseingang eben auf der West- statt der Ostseite des Gebäudes liege.

Folgt man den Empfehlungen der Eidgenössischen Vermessungsdirektion müsste das erst kürzlich im Rahmen der Grossüberbauung auf dem Gelände des ehemaligen Restaurants Bahnhof entstandene Gebäude «Im See 8» nun also bereits wieder eine neue Adresse erhalten, z.B. «Seerenweg 1», wenn man den Weg von Norden her beginnen lässt. Das fanden - immer gemäss meiner Quelle - einige Bewohner besagter Liegenschaft überhaupt nicht lustig. Sie protestierten bei der Gemeinde und diese hat nun offenbar die neue Strassentafel bereits wieder abmontieren lassen.

Was für ein Schildbürgerstreich! Aber offensichtlich kann man sich solche Fehlplanungen finanziell immer noch locker leisten.

Eine sinnvolle Beschilderung muss her

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Stockwerkeigentümergemeinschaften sowie die Eigentümer der Mietwohnungen bald auf eine verständliche Beschilderung einigen. Zum Beispiel auf eine Übersichtstafel an der Einmündung zur Kaiserstuhlerstrasse - oder zumindest kleine Hinweistafeln, die unmissverständlich zeigen, wo welcher Hauseingang zu finden ist. Sonst gehen bei der Suche nach dem Eingang von Nummer 8 unter Umständen wirklich einmal genau die Sekunden verloren, die über Tod und Leben entscheiden.

Nachtrag vom 9. Juni 2016

Gemeindeschreiber Wunderli hat gegenüber WeiachBlog die offizielle Existenz des Seerenwegs bestätigt. Es gibt gemäss seiner Aussage keine Pläne, die Benennung rückgängig zu machen. Der Name dürfte also auf den Karten erhalten bleiben. Nach dieser Aussage stellt sich nun allerdings die Frage, ob das Schild a) nie montiert war, b) wieder abmontiert wurde oder c) immer noch montiert ist.

Nachtrag vom 2. Juli 2016

Wie ein persönlicher Augenschein am 1. Juli ergeben hat, gibt es am Seerenweg keine Spur einer Strassentafel. Die Variante c) fällt also aus.

Montag, 30. Mai 2016

Maiwetter 1966: ein Monat mit Aprilallüren

Im Gegensatz zum nassen und kalten Mai 2016 liess sich derselbe vor 50 Jahren doch etwas angenehmer an. Aber auch damals war es teils empfindlich kalt, wie man den Aufzeichnungen Zollingers entnehmen kann:

«Mai. Viel versprechend lassen sich die ersten Maientage an, schön und sonnig, auch warm; schon morgens um 10° und mehr. Auch die Apfelbäume beginnen zu blühen. Ab dem 5.5. ändert's dann, schon in der Nacht Regen, tagsüber etwas besser, aber dann vom 5. auf den 6. Mai wiederholt's sich und der ganze 6.5. ist ein unfreundlicher, kühler Geselle. Wir heizten die Wohnstube! Die nächste Zeit, bis zum 10.5. bringt recht wechselvolle Witterung, oft bewölkt oder bedeckt, hie und da ein Schauer, daneben aber wieder niederschlagslose, sogar milde Nachmittage und Abende, Mittagstemperaturen zwischen 12 und 15°C. Zwei sehr schöne Tage sind der 11. und 12. Mai. Die zweite Monatshälfte dann eher wieder durchzogen; immerhin liegen die Mittagstemperaturen ziemlich hoch, zwischen 16 bis 25° & es kann doch vorweg Heu eingebracht werden. Gewitter eigentlich fast nie und es heisst doch:

"Viel Gewitter im Monat Mai,
singt der Bauer Juchhei."

Höchsttemperaturen morgens 15°, mittags 25°, abends 22°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 8°, abends 6°.
»

Nun, dieses Jahr hatten wir die Gewitter am Monatsende. Man wird sehen ob die Landwirte sich freuen können.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1966 – S. 4-5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1966].
[Veröffentlicht am 1. Juni 2016]

Dienstag, 17. Mai 2016

Zwei unsichtbare Brücken mitten im Dorf

Gemäss der Karte «Strassennetz» auf dem Geografischen Informationssystem (GIS) des Kantons Zürich (maps.zh.ch) unterhält der Kanton auf Gemeindegebiet zwei Kunstbauten.

Diese beiden Objekte wurden in den Jahren 1972 bis 1974 erstellt und sind für den unkundigen Betrachter völlig unsichtbar, da niveaugleich mit dem umliegenden Terrain in die (gebaute) Landschaft integriert.

Wo die beiden Brücken zu finden sind, zeigen die nachstehenden GIS-Einträge (102 ist die Gemeindenummer des Bundesamts für Statistik):

Objektnummer 102-001
Bezeichnung Dorfbach Glatttalerstrasse (AWEL S53)
Kategorie Brücken, Lehnenviadukte, Tagbautunnel, Objekte mit lichter Weite/Höhe > 1.50m
Verantwortlich Kanton (Staatsstrasse)
X-Koordinate 675075
Y-Koordinate 267993

Objektnummer 102-002
Bezeichnung Dorfbach Stadlerstrasse
Kategorie Brücken, Lehnenviadukte, Tagbautunnel, Objekte mit lichter Weite/Höhe > 1.50m
Verantwortlich Kanton (Staatsstrasse)
X-Koordinate 675039
Y-Koordinate 267917


Über das Objekt 102-002 quert die Regionale Verbindungsstrasse nach Stadel (RVS 566) den eingedolten Sagibach. Folgt man dessen unterirdischem Verlauf nach Nordosten, so trifft man nur wenige Meter weiter, nach der Vereinigung mit dem Mülibach, auf die andere unsichtbare Brücke. Mit dem Objekt 102-001 quert die Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur (HVS 7) den Dorfbach auf der Höhe des ehemaligen Weiacher Postbureaus am Bachweg 2.

Notabene: Ortskundigen, die den Eintrag zum Objekt 102-001 genau gelesen haben, ist die schräge Strassenbezeichnung wohl schon aufgefallen. Statt «Glatttalerstrasse» müsste es «Glattfelderstrasse» heissen. Aber vielleicht weiss der Kanton ja mehr und die Gemeinde will die Strasse längst umbenennen. Richtung Glatt führt sie auf jeden Fall. Und das Dorf Glattfelden kommt im Strassenverlauf erst hinter der Glatt.

Quelle

Samstag, 30. April 2016

Aprilwetter 1966: wenn die Bienen nicht immer fliegen wollen

Wie der März so zeigte sich auch der April vor 50 Jahren in unserem Dorf von der gewohnten Seite. Wechselhaft. Teils angenehm warm. Und deshalb - wie man den Notizen Walter Zollingers entnehmen kann - mit durchaus positivem Effekt auf landwirtschaftliche Belange:

«April. Die erste Aprilwoche ist gar nicht leid; sie bringt täglich einige sonnige Stunden, manchmal schon vormittags nach leichtem Nebel; auch ist's immer windstill. So kann ich am 7.4. notieren: "Das angenehme Wetter der letzten Tage hat die Aprikosen- und Pfirsichbäume zum Blühen gebracht, die Kirschbäume werden "eiswägs" folgen, die Knospen der Birnspaliere "drücken" auch hervor. Bis mitte Monat folgt dann sehr abwechslungsreiche Witterung, bald bewölkt, etwas neblig, einigemal leicht netzend, aber nachmittags oder abends immer wieder angenehm: "Gäbig Wetter zum Kartoffeln stecken." Allerdings der Karfreitag und der Ostersonntag brachten trübe, regnerische Vor- und Nachmittage. Ab 16.4. geht oft ein kühler Wind, auch folgen nochmals ergiebige Nachtregen. Erst ab dem 22.4. schenkt der April uns wieder eine sonnige Woche. Eine Ausnahme dabei machen zwar der 25. und 26.4. als ziemlich arge Regentage und am 28.4. nachmittags gewittrige Schauer mit Donnerrollen. Trotzdem blühen nun die Steinobst- und Birnbäume. Schade nur, dass in den letzten Tagen die Bienen wegen des feuchten Wetters nicht fliegen wollen!

Höchsttemperaturen morgens 12°, mittags 20°, abends 13°
Tiefsttemperaturen morgens 0° (1.4.), mittags 7°, abends 5°.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1966 – S. 4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1966].
[Veröffentlicht am 17. Mai 2016]

Samstag, 23. April 2016

Shakespeares Tod: ein kalendarischer Irrtum

Wer die Todesdaten der beiden Nationaldichter von Spanien und England nachschlägt, stellt fest, dass beide exakt am 23. April 1616 gestorben sein sollen. Also heute vor 400 Jahren. Trotzdem überlebte Shakespeare den Cervantes um mehrere Tage. Wie kann das sein?

Miguel de Cervantes verstarb in Madrid am Samstag, 23. April 1616, während William Shakespeare am Dienstag, 23. April 1616 in Stratford-upon-Avon das Zeitliche segnete. Ein und derselbe Tag - aber verschiedene Wochentage?

Des Rätsels Lösung heisst: unterschiedliche Kalender. Genauer: der Unterschied zwischen dem Gregorianischen Kalender und dem Julianischen Kalender. Als Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 ganze zehn Tage ausfallen und auf den 5. den 14. Oktober folgen liess, da folgten ihm wohl die streng katholischen Spanier. Nicht aber die anglikanischen Engländer, die seit 1531 die Autorität des Papstes nicht mehr anerkannten.

In Tat und Wahrheit lebte der Engländer noch bis zum Samstag, 3. Mai 1616. Das Datum kann also trügen, der dazu genannte Wochentag jedoch nicht. An der Abfolge der Wochentage wurde bei der Kalenderumstellung nämlich überhaupt nichts geändert.

N.B.: Cervantes soll schon am 22.4. gestorben - und am 23.4. beerdigt worden sein...

Quellen

[Veröffentlicht am 22. August 2017]

Sonntag, 3. April 2016

Als man Telephone noch suchen musste

Auto und Telefon-Anschluss. Was seit den 1970er-Jahren so ziemlich bei jedem Schweizer Haushalt zum Standard wurde, war es in der Zwischenkriegszeit noch längst nicht. Da hatten viele noch kein Telefon.

Wenn man telephonieren musste ging man z.B. auf das PTT-Bureau. Damals gab es beim Staatsbetrieb Post-, Telefonie- und Telegrafie-Dienstleistungen noch aus einer Hand.

Wichtige Amtsstellen, Ärzte, öffentliche Einrichtungen und dergleichen verfügten allerdings bereits vor mehr als 80 Jahren über ein eigenes Telephon, wie man dem Gemeinderatsprotokoll entnehmen kann:

«Dem Gesuche des Polizisten Müller um einen Beitrag im Betrag von Frk. 10.- aus der Gemeindekasse für die Telephoninstallation im Schulhause wurde entsprochen.» (Protokoll vom 7. Mai 1928)

«Lt. Mitteilung der Telephonzentrale ist nun von jetzt an, das Telephon bei Bütler zum Wiesenthal den ganzen Sonntagnachmittag ohne Extraentschädigung offen, dagegen muss der Empfänger eines Telephons dem Ueberbringer Bütler eine Entschädigung von 50 Rp. zahlen.» (Protokoll vom 14. Juni 1930)

Ohne Extra-Entschädigung hiess, dass der vom Restaurant Wiesental aus Telefonierende die auflaufenden Gebühren zu zahlen hatte.

Zu bedenken ist, dass 50 Rappen damals noch ziemlich viel Geld war. Legt man den Landesindex mit Basis 1914=100 zugrunde, dann ergibt sich für 1928/1930 ein Mittelwert von 160, wobei heute mit 1025 gerechnet werden kann. Nimmt man also einen Faktor 9.65, dann erhält man - konservativ gerechnet - in etwa die Höhe der heutigen Entschädigungen. Der Botengang wurde also mit einem Fünfliber verrechnet.

Nicht berücksichtigt ist dabei, dass die Löhne zu damaligen Zeiten wesentlich tiefer lagen als die heutigen. Zumal auf der Landschaft, wo viele Aspekte des täglichen (Über-)Lebens noch auf Selbstversorgung basierten.

Quelle
  • Protokoll des Gemeinderates 1928-1934 [Archiv der Politischen Gemeinde Weiach; Signatur: IV B 02.11]