Mittwoch, 31. Oktober 2007

2 Jahre WeiachBlog

«Tempora mutantur et nos mutamur in illis.»

Die Zeit läuft tatsächlich. Heute feiert WeiachBlog bereits den zweiten Geburtstag. Der erste Beitrag überhaupt ging nämlich am 31.10.05 um 18:56 online.

Lokalpolitisches Sprachrohr

Aus einer Ergänzung zu den Weiacher Geschichte(n) wurde im Laufe der Monate ein eigenständiges Produkt, das sich nicht nur auf Korrigenda und Zusatzinformationen zu bereits erschienenen Artikeln beschränkt, sondern darüber hinaus auch eine Art lokalpolitisches Sprachrohr geworden ist.

Der Betreuer von WeiachBlog hat sich entschieden, Position zu beziehen, hartnäckig und zuweilen polemisch bis satirisch überspitzt aktuelle Angelegenheiten auf den Punkt zu bringen.

Dies sehr zum Leidwesen und nicht gerade kleinen Ärger gewisser Schneiser. Die finden es alles andere als nett, dass ihnen da jemand aus dem Flughafennorden in die Parade reitet. Das kann man an der Anzahl und Art der Kommentare bei fast allen Artikeln zur Flughafen-Kontroverse und Fluglärmfrage deutlich ablesen.

Mosaiksteinchen von gestern und heute

Gleichzeitig hat sich das Format aber auch in seiner eigentlichen Zweckbestimmung bewährt: Nämlich als eine Art Archiv und Mosaiksteinchen-Sammlung zu Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Weiach zu dienen.

Die mittlerweile von durchschnittlich 25 Besuchern pro Tag angeklickten Beiträge (aktuell rund 530) decken ein weites Feld ab. Umformatiert in ein Textverarbeitungs-Format sind bis dato über 750 A4-Seiten zusammengekommen. Und es ist ernsthaft zu überlegen, wie die Navigation und damit der Lesernutzen mittels einem Kategorien-System (und dem sog. Tagging) verbessert werden kann.

Hauptproblem: Zeitmangel

Eigentlich gäbe es noch viel mehr zu schreiben. Neben einem Vollzeitjob, Familie und gesellschaftlichen Verpflichtungen muss WeiachBlog aber oft zurückstehen. Seit etwa einem halben Jahr hat sich daher ein Material-Vorrat für Dutzende von Artikeln aufgebaut.

Manches davon wird - so Zeit vorhanden ist - nachgeliefert. Erkennbar ist dies dann am eckigen Klammervermerk «[Veröffentlicht am ...]» ganz am Fuss eines Beitrags. Nur Artikel ohne diesen Vermerk (wie der vorliegende) wurden auch tatsächlich am oben orange angegebenen Tag ins Netz gestellt.

Es geht weiter, aber in gemächlicherem Tempo

Trotz Zeitmangel: es soll weitergehen. Mit grösseren Pausen ist aber jederzeit zu rechnen. Und auch damit, dass aktuelle Themen nicht immer (sofort) aufgegriffen und kommentiert werden.

An dieser Stelle dankt «WG(n)» allen, die WeiachBlog verlinkt und in ihren Artikeln erwähnt haben. Dann natürlich all jenen, welche die Beiträge lesen und Kommentare dazu abgeben - auch den Schneisern. Vor allem aber seiner Frau: Danke, dass Du mein Steckenpferd immer noch tolerierst! It must be love.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Humor aus dem Appenzellerland - live in der Gemeindebibliothek

Heute abend um 20 Uhr findet in der Schul- und Gemeindebibliothek Weiach im Alten Schulhaus eine Autorenlesung statt.

Zu Gast ist der Erfinder des Appenzeller Witzwanderwegs, Peter Eggenberger. Der Ex-Legionär und Autor diverser Bücher, u.a. eines autobiographischen Kriminalromans, liest aus seinen Werken.

Mit diesem Einzelblatt (also nicht Teil des Mitteilungsblatts) lädt die Bibliothekskommission zu diesem Anlass mit anschliessendem Apéro ein:


Nachtrag vom 31. Oktober

Der mit ca. 30 Personen sehr gut besuchte Anlass war ein voller Erfolg. Nach wenigen Minuten hatte der Referent die Zuhörer im Sack. Keine Spur von dröger Lesung.

Der - dem Klischee entsprechend - kleinwüchsige Eggenberger erzählte allerlei Müsterchen, von den obligaten Appenzeller Witzen über die Naturheilerszene bis zu seinen Erfahrungen in der französischen Fremdenlegion. Sein Kurzenberger Dialekt war die erste Überraschung. Der tönt nämlich so, als ob da ein Schaffhauser aus dem Klettgau zu uns sprechen würde, mit dem charakteristischen langen A, wie in «Schlaaate saaat mä» (dem Werbeslogan der Schleitheimer, mit dem sie Auswärtigen die lokal korrekte Aussprache ihres Ortsnamens beibringen).

So gab er denn auch viele Geschichtchen aus Walzenhausen und Umgebung zum Besten, wie z.B. die vom kleinwüchsigen Seppetoni (75 cm gross), der mit seinen träfen Sprüchen vor ca. 70-100 Jahren zum Magneten für eine der Gastwirtschaften auf dem Berg wurde. Viele Gäste seien nur gekommen, um dieses Original sehen und hören zu können.

Eggenberger sprach mit Schalk in den Augen davon, wie sich eine feministische Kommission aus der Stadt St. Gallen darüber aufgehalten habe, einige Witze auf den Tafeln des von ihm mitinitiierten Witzwanderwegs seien frauenfeindlich, wie z.B. dieser: Sind zwei Kollegen unterwegs und wollen in einem Wirtshaus einkehren. «Und, was gits?», fragt der eine den anderen, der gerade die Karte studiert hat. Da stehe: «Hier essen Sie wie zuhause» gibt er zur Antwort. Darauf der Fragende: «I dem Fall gömer besser es Huus wiiter!» (sinngemäss in Zürichdeutsch geschrieben, da mir Appenzellerisch nicht so gut von der Hand geht).

Oder der hier (zu finden auf dem Flyer «Lache isch gsond» über den von Heiden nach Wolfhalden und Walzenhausen verlaufenden Witzweg): «Woromm sääd me, de Alkohol sei Gift?, fröget de Lehrer i de Schuel. Doo mänt de Hansli: Will d'Mueter jedesmool giftig weerd, wenn de Vatter en Ruusch hääbringt.»

Besonders spannend war auch der Blick auf die vielfältige Heilerszene im Appenzell-Ausserhodischen, seit den 1870er-Jahren das einzige Reservat für nicht-akademisch gebildete Naturärzte. Einige von denen waren wirkliche Kapazitäten, andere blosse Geschäftemacher - halt wie bei den universitär gebildeten Medizinern auch.

Man spürt, dass Eggenberger Land und Leute in seiner engeren Heimat genau kennt und gern hat - und gerade deshalb mit spitzer Feder Allzumenschliches aufs Korn nimmt. Die fünfjährige Abwesenheit bei der Legion (1959-1964) hat ihm den Blick von aussen erst eigentlich ermöglicht.

Fazit: Ein vergnüglicher Abend!

Weiterführende Links

Montag, 29. Oktober 2007

Gemeinderat verschlampt Massnahmen gegen schmutziges Brunnenwasser

Auch in diesem Artikel geht es wieder um die Allgemeine Umfrage einer Gemeindeversammlung am 19. Oktober 1957. Nach Fragen zum Ausbau der Kantonsstrasse zwischen dem «Sternen» und der Grenze bei Kaiserstuhl sowie den Problemen rund um das Stationsgebiet wurde in den Voten Nr. 4 und 5 die Wasserversorgung thematisiert.

Erneut meldete sich Förster Siegenthaler zu Wort. Und zwar zur

d) Vergebung grösserer Arbeiten für die Wasserversorgung

«Auf Anfrage», heisst es da im Protokoll, erhielt er «vom Gemeindegutsverwalter Pfenninger die Auskunft, dass grössere Arbeiten für die Wasserversorgung in der Regel auf Grund der vom Technischen Büro Gujer in Rümlang eingezogenen und geprüften Offerten mindestens zweier Unternehmen zur Vergebung gelangen».

Das letzte Thema hatte es nun in sich. Denn hier musste sich der Gemeinderat gröbere Versäumnisse vorhalten lassen:

e) Beanstandung der Brunnenwasserversorgung in der Kellen


[Bild: Der Brunnen an der Stockigasse]

«Meier-Bleuler Hans rät der Behörde dringend, nun endlich einmal die Brunnenwasserversorgung in der Kellen in Ordnung zu bringen. Bei Regenwetter führen die Kellen-Brunnen schmutziges Wasser. Dieser Zustand dauert schon lange. - Die nachfolgende Diskussion ergibt, dass eine diesbezügliche Meldung von Brunnenmeister Walter Meierhofer bei einem Mitglied des Gemeinderates stecken geblieben ist. Der Vorsitzende sichert raschmöglichste Abhilfe zu.»

Raschmöglichst verschlampt

Was darunter zu verstehen war, kann man sich ausrechnen, wenn man im Protokoll der Gemeindeversammlung vom 22. Januar 1958 unter dem Traktandum «Allgemeine Umfrage» liest:

«Gemeinderat Baumgartner nimmt eine wiederholte Anfrage von Meier-Bleuler Hans betr. Sanierung der Brunnen in der Kellen zur Kenntnis. Er verspricht, sich mit dieser Angelegenheit zu befassen.»

Peinlich, peinlich. Es ist zwar bis dato nicht bekannt, wo im Dorf das säumige Mitglied des Gemeinderats seine Hofstatt hatte. Sollte er aber im Oberdorf gewohnt haben, dann war man in der Chälen schnell mit dem Vorwurf zur Hand, den interessiere es halt nicht, weil es nur um das «Chälepack» gehe - und nicht um seine Oberdörfler.

Von solchen Problemen ist dem Schreibenden in den letzten drei Jahrzehnten nichts zu Ohren gekommen. Das Wasser an den öffentlichen Brunnen in der Chälen erfreute immer mit sehr guter Qualität - Regenwetter hin oder her.

Quelle
  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 49. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

[Veröffentlicht am 31. Oktober 2007]

Sonntag, 28. Oktober 2007

Muss Weiach wiederbelebt werden?

Manchmal staunt man schon etwas über die Sprachkreationen professioneller Zeitungsmacher. Und reibt sich ob Schlagzeilen wie: «Neuer Verein soll Weiach wiederbeleben» die Augen.

Wiederbelebung? Das tönt ja gerade so, als würde die Gemeinde quasi im Koma liegen. Das ruft nach Bildern wie Mund-zu-Mund-Beatmung oder dem Einsatz von Defibrillationsgeräten (den unser Gemeinderat der Feuerwehr nicht zumuten will).

Reanimation ist zum Glück noch nicht nötig

So ist ja wohl nicht. Jedenfalls dürften die meisten Weiacher anderer Meinung sein - es läuft ja schliesslich einiges! Nur nicht so breit gefächert wie sich das manche wünschen würden. 950 Einwohner sind halt keine Grossstadt.

Das erklärte Ziel des vom Tages-Anzeiger thematisierten neuen Weiacher Vereins «f.o.r.u.m.» ist es, dem Reanimationsfall präventiv entgegenzuwirken. Das Anliegen wird vom Gemeinderat aktiv unterstützt, denn: Gegensteuer muss man früh geben, will man nicht riskieren, dereinst die Schule schliessen müssen, nur weil regelmässiger Nachwuchs ausbleibt.

Und deshalb soll der sich abzeichnenden Überalterung und der demographischen Lücke bei den 20-29jährigen aktiv Paroli geboten und die Gemeinde als Wohnort und Lebensraum für junge Familien mit kleinen und grösseren Kindern (wieder) attraktiv(er) gemacht werden (vgl. den Artikel von gestern).

Quellen
  • Zrinski, S.: Engagement für die Gemeinde. Weiach - Bisherige Interessengemeinschaft gründet den Verein Forum. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 19. Oktober 2007 - S. 8.
  • Georgoulas, V.: Neuer Verein soll Weiach wiederbeleben. In: Tages-Anzeiger Zürcher Unterland, 27. Oktober 2007.

[Veröffentlicht am 31. Oktober 2007]

Samstag, 27. Oktober 2007

Ein FORUM-Nachmittag für die Kinder

Im Beitrag vom Freitag habe ich auf das FORUM-Gründungsfest hingewiesen. Das taten heute Samstag auch Plakate am Dorfeingang, wie z.B. dieses hier:


Prominent beim Sternenbrunnen platziert, wenn auch nicht in wirklich auffallender und von weitem (z.B. aus dem Auto lesbarer) Schrift angepriesen.

(Hinweis: Zum Vergrössern Bilder anklicken. Text der Einladung auch als Flyer erschienen; vgl. Beitrag von gestern)

Within walking distance

Vor dem Alten Schulhaus sind bereits um 17 Uhr alle Parkplätze besetzt. Auf welche weiteren Plätze dieser Wegweiser zeigen soll? Das ist selbst dem Ortskundigen nicht klar.

Aber es ist ja auch ein Anlass von Weiachern für Weiacher. Da müssen nur die ersteren mit dem Auto kommen. Wer nicht schwer zu tragen hat, der kann zu Fuss ins Dorfzentrum kommen - es sei denn er wohne im Ofen draussen.


Nicht auf die Alten zugeschnitten

Selbstkritisch erklärte Mitinitiant Andreas Brüngger gegen Schluss des Anlasses gegenüber WeiachBlog, man habe wohl etwas zu wenig für die älteren Semester gemacht.

Mag sein. Nun besteht aber eines der Hauptziele des vor kurzem gegründeten Vereins f.o.r.u.m. weiach darin, unser Dorf für Familien mit Kinder (wieder) attraktiver zu machen. Das erreicht man sicher nicht primär mit Altersnachmittagen - die werden ja schon von anderen Institutionen (Frauenverein, etc.) organisiert.

Sondern eben mit einem Happening für den Nachwuchs. Und für den war der Spielnachmittag schon «de Plausch»:


Volle Konzentration am Töggelikasten...


... und eifrig dabei bei weiteren Spielen der kleinen "Dorfolympiade", wie man an diesen Resultatzetteln sieht:


Wobei für den OL quer durch das Dorf die Regel «Je älter, desto grösser der Aktionsradius» galt:


Derweil bereiteten sich die Vereinsmitglieder in der zum Festsaal umgebauten Turnhalle auf den Abend vor:


Die Jury (u.a. mit Dorfmaler Hans Rutschmann) machte sich an die schwierige Aufgabe, die Resultate des Zeichnungswettbewerbs zu begutachten. Die Kinder sollten das Dorf so zeichnen, wie sie es sich wünschten.

Im Kindergarten kam dabei eine Gemeinschaftsproduktion in Form einer Collage heraus (jedes Kind steuerte sein Haus bei):


Die Primarschüler befassten sich in Einzelarbeiten mit dem Thema. Und es kamen durchaus bedenkenswerte Optionen für mögliche künftige Raumordnungs-Konzepte zusammen. Vom völlig autofreien Dorf mit Bäumen, Weihern und vielen Tieren (besonders Pferdehaltung) aber auch einem sich im Ortszentrum behauptenden VOLG...


... bis hin zur technisch optimierten Variante mit der eigenwilligen Namenschreibung «Waiach». Schnurgerade Strassen, genormte Häusern und das Schwimmbad (komplett mit Riesenrutschbahn und 10-m-Sprungturm samt Kiosk), wie der Konfiseur (!) in nächster Nähe des Schulhauses:


Bemerkenswert, wie stark sich die Marke «Fleischli» (ein im Zürcher Unterland sehr erfolgreicher Bäcker-Konditor, der von Niederglatt aus mit innovativen Konzepten seit Jahren fleissig expandiert) bereits im Bewusstsein von Primarschülern festsetzt. Wenn das kein erfolgreiches Marketing ist...

Sehr gut besuchtes Abendprogramm

Die Abendveranstaltung mit Pasta à discretion, zubereitet von Michael Bärtsch, dem Koch des Vorderen Sternens am Zürcher Bellevue (ja genau, der mit der Weiacher Quittenrahmsauce) lockte gegen 200 Besucher an, welche die Halle gut, aber nicht bis auf den letzten Platz füllten.

Sie sahen Darbietungen der Jugendriege und hörten Ansprachen der Vereinsgründer selber, des Gemeindepräsidenten und des Autors der Weiacher Geschichte(n) in der alten Militär-Uniform von Walter Zollinger - seinerzeit Lehrer in Weiach und Autor der ersten gedruckten Weiacher Chronik.

Alles in allem ein schöner Erfolg für den jungen Verein. Ad multos annos!

[Veröffentlicht am 29.10.2007]

Freitag, 26. Oktober 2007

FORUM-Gründungsfest am Samstag, 27. Oktober

«f.o.r.u.m. weiach» nennen sich die 16 Mitglieder. Das soll ein Akronym sein für «fröhliche offene runde unkomplizierter menschen». Und eigentlich wollten sie gar kein Verein werden. Wollten mit Vereinsstatuten und Generalversammlungen und Mitgliederbeiträgen nichts am Hut haben. Denn das engt ein.

Aber eben: wenn man etwas bewegen will, dann schlagen schnell die Sachzwänge zu. Banken verlangen für eine Kontoeröffnung Statuten, die Gemeinde will eine Vereinsstruktur sehen, wenn sie Beiträge für einen Mittagstisch sprechen soll, etc. Kurz: Jemand muss formell die Verantwortung tragen. Und deshalb ist das FORUM Weiach jetzt doch ein Verein geworden. Am Samstag, 27. Oktober ist offizielles Gründungsfest.


Im Dorf, mit dem Dorf, für das Dorf. Der gelbe Flyer, der in allen Weiacher Haushaltungen gelandet ist, kündigt einen ganzen Strauss von Aktivitäten von Weiachern für Weiacher an. Die sollen durchs Band weg Spass machen und zeigen, dass in Weiach etwas läuft. Für Familien und alle die etwas bewegen wollen. So wie die Präsidentin, Isabelle d'Overschie.

Selbstverständlich leisten die Weiacher Geschichte(n) auch ihren Beitrag. Mit ein paar lustigen Geschichten, die sich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Weiach zugetragen haben. WeiachBlog fällt morgen die Rolle der Berichterstattung zu.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Wenn die Versetzung einer Ortstafel ein halbes Jahrhundert dauert

Vor einigen Tagen war auf WeiachBlog von der Allgemeinen Umfrage einer Gemeindeversammlung vor genau 50 Jahren die Rede. In der ersten Frage ging es um den Ausbau der Kantonsstrasse mit einem Trottoir vom Sternen bis zur Kantonsgrenze.

Die zweite und dritte Frage drehten sich um die SBB-Station und ihre nächste Umgebung:

b) Beanstandung betr. SBB-Stationsplatz Weiach-Kaiserstuhl

«Meierhofer Walter, Posthalter, appelliert an die Behörde, in Bezug auf die unmögliche Bekiesung des Stationsplatzes bei den zuständigen SBB-Instanzen vorstellig zu werden. Er erhält vom Vorsitzenden die Auskunft, dass auch in dieser Beziehung bereits bei den SBB reklamiert worden sei und endlichen eine Verhandlung in Aussicht stehe.»

Worin das «Unmögliche» der Bekiesung bestand, darüber schweigt sich das Protokoll leider aus.

Damit war der Ärger rund um das Stationsgebiet noch nicht ausgestanden, denn auch die nächste Frage zielte dorthin:

c) Gefährdung des Verkehrs durch unhaltbare Parkierungsverhältnisse im Stationsgebiet

«Siegenthaler Robert, Förster, empfiehlt der Gemeindeversammlung, eine Resolution zu fassen betr. Beseitigung der Unfallgefahr im Stationsgebiet durch Schaffung geordneter Parkierungsverhältnisse für Motorfahrzeuge. Er wird unterstützt von Dietschi Robert, welcher es als Pflicht der Gemeindebehörde bezeichnet, ihr möglichstes zu tun, damit endlich die für die Beseitigung des gefahrvollen Zustandes nötigen Anordnungen getroffen würden. Auch bittet er die Gemeindebehörde, dafür besorgt zu sein, dass die Innerortstafel an der Kaiserstuhlerstrasse westlich der hiesigen Schäftefabrik der Firma Walder & Co. versetzt würde. - Beiden Rednern werden von Seiten des Präsidenten die schon im Gange befindlichen Bestrebungen des Gemeinderates in Bezug auf die Beseitigung der Unfallgefahr bestätigt.»

Was der damalige Gemeinderat dann tatsächlich getan hat, um der monierten Unfallgefahr zu begegnen, ist WeiachBlog nicht bekannt.

Die Versetzung der Innerortstafel an die von Dietschi beantragte Stelle liess jedenfalls noch fast ein halbes Jahrhundert auf sich warten. Sie erfolgte erst nach der Jahrtausendwende - wohl auch im Hinblick auf die Umsetzung der Quartierpläne «Bedmen» und «See».

Quelle

  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 48 unten. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Ortstafeln-Rochade - ein Nachtbubenstreich

Von einem gelungenen Nachtbubenstreich berichtet die heutige Ausgabe der Zürcher Landzeitung. Unbekannte hätten letzte Woche die Ortstafeln von Weiach, Stadel und Bachs abmontiert und reihum vertauscht wieder sauber montiert, schreibt Roland Tellenbach:

«Postautochauffeur André Frank traute letzte Woche seinen Augen nicht mehr: Da fuhr er früh morgens mit dem Bus wie schon unzählige Male zuvor auf seiner Route Richtung Stadel. Die Häuser, die Strassen – kein Zweifel, er näherte sich Stadel. Aber auf dem Ortsschild stand unzweifelhaft etwas anderes, nämlich Weiach»!

Offensichtlich hat sich da jemand einen Streich erlaubt

Der von den Postchauffeuren und anderen aufmerksamen Frühaufstehern avisierte Stadler Gemeindeschreiber informierte den Unterhaltsdienst des kantonalen Strasseninspektorats, welcher seine Mitarbeiter auf die Piste schickte.

«Diese stellten fest, dass das Stadler Ortsschild abgeschraubt und in Bachs wieder montiert worden ist. Jenes von Bachs hing in Weiach und das Weiacher Schild in Stadel», erklärte Erwin Zengaffinen vom Unterhaltsdienst. Er und sein Personal hätten zwar Arbeitszeit investieren müssen, «aber wenigstens haben die Lausbuben nichts kaputt gemacht».

Und gearbeitet haben sie genauso wie die Männer vom Unterhaltsdienst. Sechs Mal mussten sie sich an einer Tafel zu schaffen machen - je dreimal abschrauben und dreimal wieder anschrauben.

Fusion kein Thema

Auch der Stadler Gemeindeschreiber Richard Kälin trug die Angelegenheit mit Humor: «Es haben sich einige Leute gemeldet und sich gefragt, ob wir über Nacht mit der Gemeinde Weiach fusioniert hätten. Das ist natürlich nicht der Fall, wobei es sich für uns Stadler vom Steuerfuss her durchaus lohnen würde.»

Ob bei einem Zusammengehen der Steuerfuss nicht gleich auf Stadler Niveau ansteigen würde, müsste man sich erst noch ausrechnen. Eine Fusion ist aber tatsächlich kein Thema. Bei der Feuerwehr und der Oberstufenschule mag man ja durchaus zusammenarbeiten. Aber für mehr sind die Zeiten noch längst nicht reif. Dazu sind die drei Gemeinden wohl einfach zu unterschiedlich.

Quelle

  • Tellenbach, R.: Aufgeschnappt: Weiach ist Bachs ist Stadel. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 24. Oktober 2007 - S. 9.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Weiacher Stimmbeteiligung im kantonalen Durchschnitt

Der Mobilisierungseffekt dieser eidgenössischen Parlamentswahlen war auch in Weiach deutlich zu spüren. Ob das nun an den im Unterland bevorzugt auf Landwirtschaftsparzellen entlang der Strassen zu Hunderten platzierten SVP-Plakaten lag (wie die Zürcher Landzeitung heute mutmasst) oder an der dank Schäfchenpolemik und Bundesplatzkrawall ganz generell aufgeheizten Stimmung: die Stimmbeteiligung war verglichen mit dem Urnengang im Mai 2006, mehr als doppelt so gross. Sie erreichte 48.1 Prozent. Das liegt nur knapp unter dem Kantonsdurchschnitt von rund 48.9 Prozent der Stimmberechtigten.

Wie die Verteilung nach Gemeinden aussieht, das kann man auf den Wahlresultat-Seiten des kantonalen Statistischen Amts nachschauen. Da sieht man dann, welch hohe Prozentwerte die kleinen, noch stark agrarisch geprägten Landgemeinden des Weinlandes aufweisen. An der Spitze liegt Truttikon mit 64.6%. Verglichen mit den über 80 Prozent in gewissen Walliser Gemeinden (vor allem im Bezirk Leuk) ist das immer noch wenig.

In Weiach sind die urbanen Zeiten und die Zugehörigkeit zur Agglomeration Zürich auch am Grad des Urnenabsentismus abzulesen. Das benachbarte Bachs gehört nach den Kriterien des Bundesamts für Statistik nicht zur Agglo - und erreicht mit 59 Prozent die beste Stimmbeteiligung im Bezirk Dielsdorf.

Spekulationen über ungültige Stimmabgaben

In Weiach beteiligten sich von 726 Stimmberechtigten deren 372 an der Wahl. 93.8 % warfen gültige Wahlzettel ein. Immerhin 6.2 % der eingegangenen Wahlzettel waren aber ungültig (sie werden als «nicht in Betracht fallende» bezeichnet). 23 Stimmberechtigte haben also etwas falsch gemacht, z.B. mehrere Listen im Couvert, den Stimmrechtsausweis nicht beigelegt oder diesen nicht unterschrieben - der möglichen Gründe sind viele.

Verglichen mit anderen Gemeinden ist das wenig. Mit Verlust muss man rechnen. Was soll man aber beispielsweise von den unglaublichen 35.3% ungültigen Stimmen in Volken halten? Oder von den 0% in Kyburg? Beides lässt einen leicht verwundert zurück. Wenn man nämlich bei einer Population eine Normalverteilung wahlbezogener Intelligenz annimmt, dann müsste so ziemlich genau das herauskommen wie in Weiach: ein kleiner Prozentsatz schnallt es einfach nicht. Aber mehr als ein Drittel?

Bleibt die Frage: Gibt es eine Qualitätskontrolle für Wahlbüros? Wer schaut denen auf die Finger? Das wäre ja einmal eine Aufgabe für neutrale Wahlbeobachter.

Quellen

  • Wahl-Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich
  • Riedel, S.: Viele Plakate bringen viele Stimmen. Unterland: Lächeln für den Wahlsieg – SVP-Gesichter dominieren Strassenränder und den Wahlkampf. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 23. Oktober 2007.

Montag, 22. Oktober 2007

SVP baut absolute Mehrheit weiter aus

Die Nationalratswahlen 2007 brachten in der Zürcher Unterländer Gemeinde Weiach keine Überraschung - jedenfalls nicht was die unangefochtene Führungsposition der SVP anbelangt. Denn unser Dorf ist eine traditionelle SVP-Hochburg.

Gegenüber 2003 konnte die SVP ihre absolute Mehrheit wieder ausbauen. An die über 60% Wähleranteil, welche vor dem Zuzug von städtisch geprägten Stimmbürgern zur Norm gehörten, kann die SVP aber heute in Weiach nicht mehr anknüpfen.

Dennoch ist die Dominanz der «Blocher-Sünneli-Messerstecher-Schwarze-Schafe-Partei» erdrückend. Wäre Weiach die Schweiz, so sähen die Prozentanteile im Nationalrat für die nächste Legislaturperiode nämlich wie folgt aus:

SVP 54.80% [Kantonsschnitt: 33.92%]; SP 12.87% [19.81%]; FDP 7.98% [13.15%]; Grüne 5.86% [10.37%]; Grünliberale 5.14% [7.01%]; CVP 4.70% [7.56%]; EVP 4.26% [3.68%]; EDU 1.88% [2.12%]; FPS/AP 0.88% und SD 0.87% [0.54%]. (Listen ohne Listenverbindungen unter 0.5% nicht erwähnt; Kantonswert in eckigen Klammern)

Ständeratswahlen: Galladé mit Achtungserfolg

Das obige Bild setzt sich auch bei den Ständeratswahlen fort. Die besten Resultate erzielten Ueli Maurer mit 181 und Felix Gutzwiller mit 160 Stimmen - was nicht erstaunt, denn das war das offizielle bürgerliche Ticket.

Schon erstaunlicher, wie gut Chantal Galladé abschnitt (67 Stimmen). Ganz im Gegensatz zu der Grünliberalen Verena Diener (39) und dem Grünen Daniel Vischer (28).

Die Parteien mit christlichem Anstrich folgen dicht dahinter: Kathy Riklin (CVP) mit 19 und Ruedi Aeschbacher (EVP) mit 18 Stimmen; der abgewählte EDU-Nationalrat Markus Wäfler holte immerhin noch 9 Stimmen. Völlig abgeschlagen der Alternativaktivist Niklaus Scherr aus Zürich, sowie die unbekannten Einzelmasken Anton Stadelmann und Heinz Zaehner mit je 1 Stimme und Politclown Marian Danowski mit 0 Stimmen. Spannend ist der im Kantonsvergleich hohe Anteil von 50 Vereinzelte (!).

Weiacher Kandidaten wie erwartet unter ferner liefen

Zurück zum Nationalrat. Während die Grünliberale ex-Regierungsrätin Verena Diener zeigte, dass bei hohem Bekanntheitsgrad auch ein Listenplatz 34 nicht davor schützt, mit dem drittbesten Resultat für eine kürzlich neu gegründete Partei in den Nationalrat gewählt zu werden, hatten die Weiacher Kandidaten erwartungsgemäss nicht den Hauch einer Chance:

Peter Wild (FDP) schaffte es dank kantonsweit 42475 Stimmen immerhin noch auf Platz 30 seiner Liste (von Listenplatz 32 aus). Der örtliche Lokalbonus spielte für ihn: in Weiach liegt er mit 53 Stimmen um Längen vor den gewählten FDP-Grössen. Da kumulierten und panaschierten offenbar doch mindestens 10-15 Weiacher zu seinen Gunsten.

Ganz wenige Weiacher Auto- und Hanffreunde

Erika Fehr (Freiheitspartei/Autopartei) hingegen holte nur 244 Stimmen (Weiach: 3 Stimmen) und landete mit Listenplatz 14 auf Platz 25 ihrer Partei. Sie wurde von ihrem Mann Peter Fehr geschlagen, der es auf 312 Stimmen (Weiach: 7) brachte und damit vom Listenplatz 22 auf Platz 14 vorstiess. Hier ist überhaupt kein Weiach-Bonus festzustellen.

Gegenüber den beachtlichen 7500 Stimmen (Weiach: 3), die der mutterseelenallein auf Liste 9 kandidierende «Hanf Ueli» über den ganzen Kanton hinweg auf sich vereinen konnte, ist das schon recht mickrig.

Wenn man aber nicht über die aus im Dunklen liegenden Kanälen geschöpften Werbe-Millionen der SVP (und anderer grosser Parteien) verfügt, dann ist dieses Abschneiden keine Schande für die Kandidierenden - eher für diejenigen Wähler, die sich von den Propaganda-Stahlgewittern eines permanenten Wahlkampfs in den Bann schlagen lassen und nicht selber nachdenken.