Montag, 11. August 2008

Kartoffelkäferbekämpfung nicht mehr subventioniert

Es war kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als ein neuer Schädling die Schweiz erreicht hatte. Den Rhein überschritt der Kartoffelkäfer gemäss Wikipedia im Jahre 1936.

Friedrich Traugott Wahlen (später als «Mister Anbauschlacht» berühmt geworden) war in einer internationalen Arbeitsgruppe zur Bekämpfung dieses auch Koloradokäfer genannten Schädlings tätig (BBl 1938 I 804). Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement im August 1938 eine Verfügung «betreffend die Bekämpfung des Kartoffelkäfers» (BS 9 412) erliess. Die Nachfolgeverordnung wurde erst 1962 aufgehoben.

Im Sommer 1958 kein so grosses Problem mehr?

Offenbar war das Problem bereits einige Jahre früher nicht mehr derart drängend. Im Sommer vor 50 Jahren diskutierte der Gemeinderat Weiach das «Fallenlassen der Gemeindebeiträge für die Kartoffelkäferbekämpfung». Die so genannte «Spritzmittelvergütung» sollte nicht mehr ausbezahlt werden:

«Auf Empfehlung von Gemeindepräsident Meierhofer fasst die Behörde den Beschluss:
  1. Für die Kartoffelkäferbekämpfung werden keine Gemeindebeiträge (Spritzmittelvergütungen) mehr ausgerichtet.
  2. Es ist ein entsprechendes Zirkular zu erlassen.»
Quelle
  • Gemeinderat Weiach: Protokoll der 15. Sitzung des Gemeinderates am 12. Juli 1958 (Nr. 189)

Sonntag, 10. August 2008

Betonierungsrate: ein Brienzersee pro Jahr und Schweiz

Sämtliche Versuche Hitlerdeutschlands, die Metropole an der Themse und andere englische Städte durch Luftangriffe zu zerstören, haben nicht das zustande gebracht, was die Architekten Britanniens seit dem Zweiten Weltkrieg mit London angestellt haben.

So äusserte sich der längst ergraute Thronfolger Prinz Charles in einer Ansprache und zog sich damit den Zorn der Kritisierten zu. Wenn man sich vor Augen führt, welche Bausünden in den letzten Jahrzehnten ganz Europa verunstaltet haben, dann muss man dem blaublütigen Biolandwirtschafts-Unternehmer allerdings Recht geben.

Urban sprawl made in Switzerland

Ausserhalb der Städte sieht es kaum besser aus: wir sind Zeuge der Zubetonierung ganzer Landstriche mit einem undefinierbaren Siedlungsbrei.

Dem «Beobachter» kommt das Verdienst zu, wieder einmal deutlich auf eins der grössten Probleme unseres Landes (und der Welt als Ganzes) aufmerksam zu machen: der friedlichen Zerstörung der Landschaft.

Jede Sekunde werde in der Schweiz ein Quadratmeter Boden verbaut, schreibt der Beobachter. In einem Jahr macht das 60x60x24x365 = 31'536'000 Quadratmeter. 10'000 Quadratmeter sind eine Hektare, hundert Hektaren ein Quadratkilometer. Das wären 31.5 qkm - der Brienzersee misst gerade einmal 29.8 qkm. Effektiv verbaut werden zwar nur 2700 Hektaren pro Jahr.

Trotzdem: das ist zu viel. Viel zu viel. In 40 Jahren macht das nämlich in etwa die Fläche des Kantons Zürich aus! Und meist werden ja nicht etwa unproduktive Berghänge mit Einfamilienhäuschen, Wohnsiedlungen und Strassen zugestellt. Sondern ausgerechnet die fruchtbaren Talebenen.

Ursache: Gemeindeegoismus, Steuerbegehrlichkeiten und zu grosse Bauzonen

Eigentlich hat die Schweiz ja eine Raumplanungsgesetzgebung. Und trotzdem hat man den Eindruck von planlosem Vorgehen. Die Ursache liegt auch bei den Gemeinden, die eifersüchtig ihre oft völlig überdimensionierten Bauzonen hegen. In Weiach ist das nicht anders als in anderen Gemeinden im Unterland.

Die Baulandreserven werden in der Hoffnung verteidigt, neue Steuerzahler und junge Familien anzuziehen, welche entweder mehr Steuergelder oder mehr Kinder für die aussterbenden Schulen bringen. Deshalb werden Flächen eingezont belassen, die man eigentlich nie hätte als Baugebiet bezeichnen dürfen.

Rückgängig machen lässt sich eine Einzonung von Bauland nicht ohne weiteres. Tut man dies, so stehen Schadenersatzforderungen seitens der Grundeigentümer ins Haus. Und man riskiert Aufschreie bei den Steuerverwaltungen. Bauland kostet nämlich locker das 100-fache derselben Fläche in der Landwirtschaftszone. Je nach Lage und Erschliessung oft noch mehr. Rückzonungen haben darum auch Steuerausfälle zur Folge.

Therapie: Bauzonen sofort radikal verkleinern

Letztlich führt aber kein Weg an einer radikalen Verkleinerung der Baulandreserven vorbei. Wir müssen in die Zukunft schauen, müssen wieder überlegen, womit wir die vielen Einwohner dieses Landes in der kommenden, postfossilen Ära ernähren wollen. Ohne möglichst viel gutes Ackerland geht das nicht. Und deshalb wäre auch die Durchsetzung per Notrecht am Platz. Sprich: grossflächige Umzonungen von Bauland in die Landwirtschaftszone.

Das sind wir auch den Gründervätern dieses Landes schuldig. Denn mit welchem Recht überbauen wir bestes Landwirtschaftsland, das unsere Vorfahren mühsam gerodet und jahrhundertelang gepflegt haben?

Quelle
  • Benz, D. & Grossrieder, B.: Verschandelte Schweiz. Ein Land wird zugebaut. In: Beobachter, 16/2008 - S. 22-28.

Freitag, 8. August 2008

Hard bedeutet Eichenwald

Wenn man etwas dick auftragen wollte, so könnte man behaupten: In Weiach Eichen zu pflanzen sei wie Wasser in den Rhein oder Eulen nach Athen tragen. Einen wahren Kern hat diese Aussage durchaus. Denn nach wie vor stehen die grössten Eichenbestände des Kantons Zürich u.a. auf Gemeindegebiet von Weiach.

Eichelmast wichtiger als Holznutzung

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden Eichenwälder multifunktional genutzt. Es war noch nicht einmal das harte Holz, das den Wert eines solchen Waldes ausmachte, sondern die Kapazität für die Schweinemast. Gerechnet wurde also mit dem kapitalisierten Erlös der jährliche zu erwartenden Eicheln. Schweine wurden zur Mast in diese Wälder getrieben, weshalb man auch scherzhaft davon sprach, die besten Schinken würden auf den Eichen wachsen.

Der Hardwald war ein Eichen-Weidewald

Eichenwald stand auf Weiacher Gebiet vor allem im Hard. Dieser Flurname steht nach Angaben des Forsthistorikers Karl Alfons Meyer aus dem Jahre 1931 für einen offenen Eichen-Weidewald. Es gibt viele weitere Flurnamen, die nach K.A. Meyer mit solchen Eichen-Weidewäldern in Zusammenhang stehen (vgl. S. 38f der unten referenzierten BUWAL-Publikation).

Übrigens war dies kein Wald, wie wir ihn uns heute vorstellen. Sondern eher ein Mittelwald mit buschartigen Hagebuchen, Linden, etc., die regelmässig gefällt und zu Brennholz verarbeitet wurden. Über diese Schicht hinaus ragten wenige grosse Einzelbäume mit entsprechend ausladenden Kronen. Vor allem Eichen liess man gross und stark werden.

Heute ist der Wald viel dichter als damals, denn Nutztiere im Wald weiden zu lassen ist schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr erlaubt. Deshalb kennen wir heute vor allem Hochwälder.

Was uns der Name Hardrütenen sagt

Mit zunehmender Bevölkerung musste der Ackerbau intensiviert werden. Etliche Wälder - auch Eichen-Weidewald - wurden deshalb ab dem 16. Jahrhundert gerodet. In Weiach kann man das an Flurnamen wie Hardrütenen ablesen. Das bezeichnet ganz eindeutig eine Fläche, die einmal ein Eichenwald gewesen ist. Dort wo heute das Kieswerk ist war einst auch Eichenwald.

Auch wenn man die alten Gyger-Karten aus dem 17. Jahrhundert konsultiert, kommt man zum selben Schluss: Der Weiacher Hardwald reichte früher tatsächlich einiges näher an den Dorfkern heran.

Quellen

Donnerstag, 7. August 2008

Wenn Pferde sich mit der Landwirtschaftszone beissen

Pferde sind nur etwas für relativ Wohlhabende. Das war schon vor Jahrhunderten so, als nur die dörfliche Oberschicht sich eins oder gar mehrere Pferde im Stall leisten konnte. Alle anderen spannten ihre Kühe oder gar sich selber vor den Pflug.

Pferde als Spiegel postmodernen Wohlstandes

Heute werden Pferde nicht mehr ihrer PS wegen und zwecks Ziehen von landwirtschaftlichen Geräten und Wagen aller Art gehalten. In der überwiegenden Zahl sind es Reitpferde, die dem Vergnügen dienen.

Das können sich von den 1.3 Millionen Einwohner des Kantons schon einmal einige leisten. Wohl deshalb «werden immer mehr Baugesuche für Pferdepensionen in der Landwirtschaftszone gestellt», wie der Tages-Anzeiger am 4. August schreibt. Jährlich würden 50 bis 100 Baugesuche für Bauten ausserhalb der Bauzone gestellt, die mit Pferdehaltung in Zusammenhang stehen.

Auch in der noch immer relativ ländlichen Gemeinde Weiach spürt man diese Nachfrage. Es gibt meines Wissens mindestens 4 Höfe rund um den Dorfkern, bei denen Pferde eingestellt werden können. Und zwei Landwirte haben nach Recherchen der Tages-Anzeiger-Journalistin Sandra Zrinski gegenwärtig je ein Baugesuch für Rossstallungen laufen.

Da Pferde Platz brauchen (150 Quadratmeter pro Pferd sieht beispielsweise das Gesuch von Hans Willi vor), ist es verständlich, wenn man dafür nicht teures potentielles Bauland verwenden will.

Ein Grundbucheintrag wider die unkontrollierte Proliferation

Gegen die Flut von neuen Pferdeställen in den Landwirtschaftszonen hat die zuständige kantonale Behörde geeignete Massnahmen ergriffen. Eine Bewilligung gibt es beispielsweise nur gegen einen Eintrag im Grundbuch. Dieser sieht vor, dass freistehende mit der Pferdehaltung im Zusammenhang stehende Bauten wieder entfernt werden müssen, sobald das landwirtschaftliche Unternehmen seinen Betrieb einstellt. Diese Bestimmung ist mit ein Grund dafür, dass Pferdeboxen häufig in bestehende Gebäude eingebaut oder daran angebaut werden.

Diese Einschränkung will der Weiacher Landwirt Manfred Baumgartner für die südlich seines bestehenden Hofes geplanten Bauten nicht akzeptieren, hat Zrinski in Erfahrung gebracht. Gegen den Eintrag dieser Rückbauverpflichtung bei nichtlandwirtschaftlicher Umnutzung, einer sogenannten Dienstbarkeit im Grundbuch, habe er Rekurs eingelegt.

Aus seiner Sicht verständlich - schliesslich kann er ja nicht wissen, wann seinem Betrieb der Schnauf ausgeht. Nicht nur die Investition wäre dann verloren, auch für den Rückbau kämen signifikante Ausgaben hinzu.

Bauern werden am Überleben gehindert, könnte man da meinen. Die in der Raumplanungsgesetzgebung vorgesehene, ordnende Hand des Staates ist aber ganz entscheidend dafür verantwortlich, dass in unserer Gegend überhaupt noch Bauernbetriebe überlebt haben. Denn sonst wären sie von der Kapitalmacht der Städter längst verdrängt worden. Dass man nicht jeden Rösselertraum unbesehen bewilligt, ist also auch ein Schutz - für unsere Bauern und unsere Landschaft.

Quelle
  • Zrinski, S.: Immer mehr Pferdeställe werden im Landwirtschaftsgebiet geplant. In: Tages-Anzeiger, 4. August 2008 - S. 45 Unterland.

Mittwoch, 6. August 2008

Als es noch ein Gemeindemietamt gab

Das Statistische Amt des Kantons Zürich teilte gestern mit, von den rund 650'000 Wohnungen im Kanton seien Anfang Juni nur 3980 leer gestanden. Das sind gut 20 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Leerwohnungsziffer sank auf 0,61 Prozent.

Mehr Leerwohnungen als im Kantonsschnitt

In Weiach war gemäss Angaben des Amts 1.15 Prozent Leerbestand gemeldet worden. 40 Prozent davon Wohnungen in Einfamilienhäusern, 20 Prozent in Neubauten jünger als 2 Jahre. Schon an diesen runden Zahlen kann man erahnen, dass sich die Zahlen in engen Grenzen hielten. Total 5 Wohnungen waren am Stichtag nicht vermietet: eine 2-Zimmerwohnung, eine mit 3 Zimmern, zwei 4-Zimmer-Wohnungen und eine 5-Zimmer-Wohnung. Nach Strübys Rechnungsbüechli ergibt das also einen Gesamtbestand von 435 Wohnungen. Und bei geschätzten 980 Einwohnern etwa 2.25 Personen pro Wohnung.

Mieterschutz vor 50 Jahren

Wenn Wohnungsknappheit vorherrscht, dann haben Vermieter Oberhand und die Mieter müssen nehmen was sie bekommen - zu fast jedem Preis. Es sei denn, die Kräfte des freien Marktes werden gezähmt. Die Antwort der späten 50er-Jahre auf dieses Problem hiess «Gemeindemietamt».

Davon, dass es ein solches auch in Weiach einmal gegeben hat, zeugt ein weiterer Eintrag des schon mehrfach zitierten Gemeinderatsprotokolls vom 12. Juli 1958. Unter der Rubrik «Niederlassung und Aufenthalt. Mietamt und Mieterschutz» heisst es da:

«Wahl des Gemeindemietamtes für die Amtsdauer 1958-1962:

Gestützt auf § 3 der kant. Verordnung über die Beschränkung des Kündigungsrechtes und das Verfahren der Mietzinskontrollstellen vom 20. Mai 1954 nimmt der Gemeinderat folgende Bestätigungs- bezw. Neuwahl vor.

Gemeindemietamt:

Präsident:
Albert Meierhofer-Meier, a. Gemeinderat;

Mitglieder:
Julius Lauber-Werner, Festungswächter; (Vertreter der Mieter)
Robert Meierhofer-Järventaus; (Vertreter der Vermieter)

Protokoll:
Ernst Pfenninger, Gemeinderatsschreiber
»

Quelle
  • Gemeinderat Weiach: Protokoll der 15. Sitzung am 12. Juli 1958 (Nr. 190)
  • Bischoff, C.: Deutlich weniger verfügbare Wohnungen, 5. August 2008 - Medienmitteilung des Statistischen Amts des Kantons Zürich

Dienstag, 5. August 2008

Festungswacht entfernt Bäume im Stacheldraht

Die Lage von Weiach an der Grenze zu Deutschland brachte es mit sich, dass im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach umfangreiche militärische Geländebefestigungen gebaut und unterhalten werden mussten.

Viele von diesen Zeitzeugen sind heute verschwunden. Darunter auch die meisten Stacheldrahtverhaue, die man besonders am Rheinufer antraf.

Noch vor 50 Jahren aber war ein Abbau des Stacheldrahts kein Thema. Das wird aus einem weiteren Verhandlungsgegenstand des Weiacher Gemeinderates von Mitte Juli 1958 deutlich.

Unter dem Titel «Militär. Kulturschäden» findet man folgende Notiz:

«Festungswacht. Mit Schreiben vom 19. Juni 1958 des Kommandanten der Festungswacht Kp.6 wird die Entfernung von Waldbäumen in Stacheldrahthindernissen bewilligt.»

Wahrscheinlich hätte das heissen sollen «Mit Schreiben vom... an den Kommandanten». Unklar ist, ob der Gemeinderat diese Rodungsaktion bewilligen musste. Möglicherweise war eine andere Stelle dafür zuständig, denn dieser Eintrag steht unter der Rubrik «Kenntnisnahmen».

Quelle
  • Gemeinderat Weiach: Protokoll der 15. Sitzung am 12. Juli 1958 (Nr. 184)
Nachtrag vom 14.2.2012

Es gibt selbstverständlich noch eine weitere Möglichkeit die gemeinderätliche Notiz zu interpretieren - ohne einen Fehler zu unterstellen wie ich dies gemacht habe:

Wenn die Entfernung von Bäumen aus einem Stacheldrahtverhau auf Wunsch und Rechnung eines Privaten erfolgte, der damit eine Gefahr für sein Kulturland abwenden wollte, dann macht die Bewilligung des FWK-Kdt durchaus Sinn. Die Parzellen mit den Stacheldrahtverhauen waren nämlich Bundeseigentum. Und demzufolge musste auch ein Eigentümervertreter einen solchen Eingriff bewilligen.

Montag, 4. August 2008

Waldstrassen neu kiesen: 16.- pro Stunde

WeiachBlog schaut 50 Jahre zurück und hat zu diesem Zweck in den Gemeinderats-Protokollen des Jahres 1958 geblättert. Am 12. Juli 1958 nahm die Behörde wie in jeder Sitzung Kenntnis von verschiedenen Mitteilungen. So beispielsweise aus dem Bereich Forstwesen zum Thema Waldstrassen:

«Präsident Meierhofer orientiert: Die Winzeln-, Flüh- und Stockistrasse müssen überkiest werden. Griesser Gottlieb, Baugeschäft, Weiach und Rubin, Glattfelden übernehmen den Transport gemeinsam mit ihren Lastwagen zu Fr. 16.-- pro Stunde.» (Nr. 182)
Beim genannten Gemeindepräsidenten handelt es sich um Albert Meierhofer-Nauer (vgl. WeiachBlog vom 14. April 2007), den Namensgeber des alle zwei Jahre durchgeführten Albert-Meierhofer-Erinnerungsschiessen.
Das Baugeschäft Griesser gibt es heute noch. Von einem Unternehmen namens Rubin ist in Glattfelden dagegen nichts mehr festzustellen.
Was verdienten die Bauarbeiter in der Stunde?
16 Franken Unternehmerlohn. Die Lastwagenchauffeure selber dürften da wohl nicht viel mehr als 3 Franken pro Stunde verdient haben, denn ein kommunaler Waldarbeiter verdiente damals Fr. 2.60 in der Stunde.
Heute müsste man angesichts der Teuerung eigentlich nur etwas mehr als das Dreifache rechnen - also weniger als 10 Franken. Denn bezogen auf 1914=100 Punkte stand der Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise Ende Juli 1958 auf 250.3 und Ende Juli 2008 auf 1049.3 Punkten.
Quelle
  • Protokolle des Gemeinderates Weiach: 15. Sitzung am 12. Juli (Geschäft 182) sowie 17. Sitzung am 29. August 1958 (Geschäft 220)

Sonntag, 3. August 2008

Jugendliche (Zer)-Störungslust

Weiach kann es punkto Graffiti-Dichte mit Vorstadt-Ghettos nördlich und westlich von Zürich zum Glück nicht aufnehmen.

Aber erste Vorboten der Agglomerationsverwahrlosung stehen auch bei uns unverkennbar an die Wände geschrieben. Zum Beispiel an der Postauto-Haltestelle Weiach-Gemeindehaus (Bild vom 9. Mai 2008):


Man fragt sich wirklich, wie gross die Langeweile bei einigen Exemplaren der heutigen Jugendlichen sein muss, dass sie derartige pubertäre Schmierereien hinterlassen.

Oder gar Zerstörungen anrichten, die sich nur als bewusste Sabotage am Mitmenschen verstehen lassen. Das Bild vom 31. Juli 2008 zeigt unten rechts die Spur eines Feuerzeugs auf dem Schutzplastik - genau über den Zahlenangaben des Busfahrplans:


Das zeigt zweierlei: mangelnden Respekt vor dem öffentlichen Raum und null Respekt vor dem Steuer- und Gebührenzahler!

Durchgreifen - und zwar konsequent

Die Täter sollte man nicht nur ins Gebet nehmen und ihnen gegebenenfalls die Ohren lang ziehen. Man sollte ihnen auch die vollen Reparatur- und Reinigungskosten aufbrummen. So begreifen vielleicht manche, was sie anrichten.

Wenn für Sachbeschädigungen und Verschmutzungen, die mangelnden Respekt vor der Gemeinschaft zeigen, subsidiär auch einige Dutzend Stunden Gratisarbeit im Dienste der Allgemeinheit zum Standard werden, dann würde das wohl nicht schaden.

Natürlich kann man auch einfach über all das hinwegsehen. Das rächt sich jedoch ziemlich schnell. Warum?

Es ist wie mit einer Reihe hintereinanderstehender Dominosteine. Wenn derartigen Aktivitäten nicht kompromisslos der Riegel geschoben wird, dann muss man sich über die folgenden Eskalationsstufen, wie Zerstörung ganzer Bahnwagen durch Polsteraufschlitzen sowie Sprayereien im grossen Stil, auch nicht mehr wundern.

Samstag, 2. August 2008

Miteinander statt gegeneinander. Ansprache zum 1. August

Die letztjährige Rede zum Bundesfeiertag hat ein Politiker gehalten - der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi, Mitglied der Jagdgesellschaft Sanzenberg (vgl. WeiachBlog vom 2. August 2007).

Auch dieses Jahr stand wieder ein Politiker mit Weiacher Verankerung am Rednerpult: Daniel Elsener, EVP-Vorstandsmitglied, von Beruf FEAM und ehemaliger Biobauer, heute wohnhaft an der Winkelstrasse.

Seine Rede hat – wie er selber – Ecken und Kanten. Sie zeigt, was Gemeinschaft und Gesellschaft in der Schweiz ausmachen kann und seiner Ansicht nach ausmachen soll.

Auf Anfrage von WeiachBlog hat der Redner uns seinen Text zur Veröffentlichung auf dem WWW überlassen. So kann ihn auch lesen, wer gestern Abend nicht dabei sein konnte. Vielen Dank, Daniel.

Nachfolgend die Rede im vollen Wortlaut.

«Sehr geehrte Weiacherinnen und Weiacher
Liebe Gäste und offizielle Behördenmitglieder!

Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu unserer Bundesfeier. Schön sind Sie da bei uns.

Ich bin angefragt worden, diese Festansprache zu halten – und diese ehrenvolle Aufgabe nehme ich gerne wahr.

Zu aller erst möchte ich aber der Trachtengruppe Wehntal danken, welche die Feier durchführt und organisiert hat – vielen Dank. Ist sicher ein Applaus wert.

Die einen wissen, dass ich in der Rechnungsprüfungskommission bin, aber auch für die Evangelische Volkspartei politisiere. Ich bin ein politisch Aktiver und nehme meine Rechte und Pflichten wahr, wie sie in unseren Verfassungen festgeschrieben sind.

Eben, als politisch Aktiver könnte man zwar sehr vieles aus dem Nähkasten erzählen, aber …

Darum hab ich mal die Jungen gefragt : „Was sagt dir der 1. August ?“
Nach den grossen Augen und der Schrecksekunde kommt’s dann:
„Nationalfeiertag – man hat Frei.“
Der Pyroman sagt: „Feuerwerk“, reibt sich die Hände und fügt an: „Augustfeuer“.
„Und was noch?“, frage ich.
„Party und festen!“ Und dann nichts mehr.

Sie können sich vorstellen – ich war da schon etwas enttäuscht und habe mir etwas mehr vorgestellt.

Aber ist es nicht gerade das – der Unterschied zwischen Jung und Alt? Das Alter, die Lebenserfahrung und damit der Blickwinkel oder auch der persönliche Horizont, wie man seine Welt und Umwelt, aber auch die Geschichte wahrnimmt.

Darum habe ich immer sehr gern älteren Leute beim Erzählen zugehört. Ich liebe das.

Für mich ist die Symbolik der drei Eidgenossen auf dem Rütli ein ganz sack starkes Signal: sie transportiert die Idee der Gleichheit in der Verschiedenheit oder anders gesagt: die Vielfalt in der Einheit.

Sie und sie, Du und du, alle sind wir verschieden, aber in der Einheit sind wir stark und alle haben die gleichen Rechte und Pflichten. Das ist der Mythos „Eidgenossenschaft“, das ist es, was die Schweiz ausmacht:

Mitenand statt gägenand.

Ich staune immer wieder über unsere demokratischen Rechte, es ist absolut und weltweit einmalig – gerade wenn wir erfahren was alles im Ausland so abgeht.

Aber unserer direkten Demokratie müssen wir auch Sorge tragen und erhalten. Denn die Gesellschaft, das heisst: wir, sind der Staat. Nicht irgendwelche anderen.

Es gibt schlechte Beispiele: Die 5%-Hürde beim Doppelten Pukelsheim – das ist ein neues Wahlverfahren im Kanton Zürich. Schafft eine Partei das an einem Ort nicht, dann ist sie draussen. Das dient nur der Machtstärkung der grossen Parteien.

Aber auch die Volkswahl des Bundesrates wäre schlecht. Nach amerikanischem Muster: nur wer das grösste Portemonnaie, die meiste Kohle und die grösste Propaganda macht, könnte in Zukunft BundesrätIn werden.

Und das Schöne bei uns ist ja gerade, dass im Grundsatz jede Schweizerin und jeder Schweizer das Recht aber auch die Pflicht hätte, eine Aufgabe, auf welcher Stufe auch immer, auszuüben und zu übernehmen.

In der freiwilligen Arbeit, ehrenamtlich in Vereinen oder Verbänden, vielleicht sogar in einer Partei, in einer Behörde oder in einem Parlament. Alle sind aufgerufen an diesen Diskussionen und politischen Prozessen mit zu machen. Unsere Politik ist kein Sonntagskind sondern allgegenwärtige Realität und betrifft jede und jeden in irgendeiner Art und Weise.

Weil: die Politik macht die Gesetze und Gesetze betreffen uns alle. Tagtäglich. Sie regelt aber auch das Zusammenleben.

Gerne denkt man an frühere Zeiten zurück, an die schönen Dinge im Leben, nach dem Motto: „Früher war alles besser“. Die schlechten blendet man aus. Würden wir denn gerne in der Zeit ohne Kühlschrank leben? Ich nicht.

Es ist noch kaum 100 Jahre her, mussten viele Schweizer wegen Hungersnöten das Land verlassen. Und Gott sei Dank hat sie auch jemand aufgenommen. Und so hat jede Zeit ihre Probleme.

Der Schweiz geht es heute gut. Nach so vielen Jahren Eidgenossenschaft können zwar nicht alle Bankdirektor sein und es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber uns geht es gut.

Doch zeigt die Individualisierung unserer Gesellschaft eine eigenartige Entwicklung, zum Beispiel dann, wenn man für Kühe mehr Geld bekommt als für ein Kind.

Oder wenn jemand in einem schlecht bezahlten Beruf 1291 hätte anfangen müssen zu arbeiten, damit er oder sie auf ein Jahresgehalt von Novartis-Chef Daniel Vasella kommt, da reden dann einige von einer Neidkultur.

Puh, da sage ich: „Das hat nichts mehr mit Neid zu tun, das ist einfach nur noch pervers“.

Selbst Herr Ospel von der UBS beweist: auch ein hoher Lohn kann nicht verhindern das 40 Milliarden in den Sand gesetzt werden können. Die einen sagen, das sei halt Wirtschaft, ich sage das ist Volkswirtschaft! An dem werden wir noch lange zu kauen haben.

Würden sich die Leute in unserem schönen christlichen Abendland mehr an die zehn Gebote halten, dann würden wir sicher auch nicht so viele Gesetze brauchen.

Ich will gerade heute nicht verschweigen, dass durch die wirtschaftlichen Exzesse die Familien mit Kindern, in welcher Form auch immer, mehr und mehr in Bedrängnis kommen. Auch die hohen Scheidungszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Doch dafür, das detailliert auszuführen, reicht die Zeit nicht aus.

Vor 10 Jahren kam unsere Familie von Bachs nach Weiach. Ein neuer Lebens­abschnitt begann, nachdem wir den landwirtschaftlichen Pachtbetrieb aufgegeben hatten. Als Pionierbetrieb und einer der ersten Bio-Betriebe im Zürcher Unterland bauten wir Bio-Gemüse an, welches wir direkt vermarkteten. Als Pionier ist man ein unverbesserlicher Idealist und wird nicht reich dabei. Jedoch ist die Gewissheit da, etwas Gutes getan zu haben, ansonsten würden heute nicht COOP und Migros damit viel Geld verdienen.

Damals war ich Mitglied in der Fachkommission Bio-Gemüse in der Bio-Suisse (der Dachorganisation der Bio-Bauern) und bin heute noch ein Vorstandsmitglied der Schweizer Kleinbauernvereinigung. So kam ich auch in die Politik.

Ich bekenne mich schuldig, ich bin in den 90er Jahren mitverantwortlich für die Ökologisierung der Schweizer Landwirtschaft. Ich bin einer dieser „Bösen“ und bin heute noch 100%ig überzeugt, dass die Schweizer Landwirtschaft nur mit einer Qualitätsstrategie überleben kann.

Stichwort Lebensmittelskandale inkl. Gentechnologie und Welthandelsorganisation, was die Landwirtschaft massiv unter Druck setzt. Es braucht auch die Akzeptanz der Bevölkerung, um die vielen nötigen Subventionen abzuholen.

So oder anders kann es einem den Ärmel reinziehen. Ich verspüre immer wieder Lust, etwas zu bewegen.

Auch das Weiacher Forum will in der Gemeinde etwas bewegen und das finde gut.

Je aktiver eine Gemeinde ist, umso lässiger ist es für alle.

Als ich noch ein Tal weiter war, feierten wir 900 Jahre Bachs. Mit einem grossen Theater und Festspiel, welches die Dorfgeschichte erzählte, mit Umzug und Dorfbeizen und eigens dafür komponierten Liedern. Das ganze Dorf war auf den Beinen, um das Volksfest zum Erfolg zu bringen – und das verbindet.

Und ich sage Ihnen, das Dorf – vorher und nachher – es war nicht mehr das, was es einmal war. Nicht mehr zu erkennen. Die Menschen waren wie ausgetauscht, und alle waren glücklich und selig, aber auch irgendwie stolz auf ihr Erbrachtes.
Warum? Ganz einfach: Mitenand statt gägenand.

Miteinander statt Gegeneinander ist mein Appell an Sie.

25'000 junge Pfadis sind heute im Bundeslager in der Linthebene und leben genau das. Endlich weg von Mami und Papi können sie ihre Pfadi-Freiheit ausleben.

Auch unsere Weiacher Pfadi ist da. Im Zusammenhang mit der Jugendproblematik ein sehr positiver Anlass. Doch bereits nach der ersten Nacht kamen die ersten Rekla­mationen.

Wir können nicht eine Freiheitspolitik propagieren und dauernd dem Anderen seine Freiheit einschränken.

Es gibt Grenzen – aber auch Grenzen im Kopf . Diese bergen Konfliktpotenzial. Erst wenn solche weg sind, dann ist der Weg frei für die Freiheit und für das Zusammen­kommen.

Welche Freiheit gibt das Recht, dem anderen oder den Nachkommen ihre Lebens­grundlage zu zerstören?

Zukünftige Aufgaben können wir nur gemeinsam lösen: Mitenand statt gägenand.

Zum Geburtstag hat man einen Wunsch frei. Mein Wunsch besteht darin, die Individualität, den Egoismus etwas zurückzunehmen, damit wieder mehr zusammen gemacht werden kann.

Ich danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit und hoffe es können alle die Landeshymne mitsingen – ich kann sie auch nicht so gut.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, viel Gesundheit und trotz dem Regenwetter weiterhin ein gutes und schönes Fest zum 717. Geburtstag der Schweiz.

Herzlichen Dank!
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(Bearbeitung für die Veröffentlichung durch Redaktion WeiachBlog)

Freitag, 1. August 2008

Hundert Prozent Fluglärm. Das 1.August-Geschenk der Unique AG

Der Skandal am Abend unseres Bundesfeiertages findet heute schon seine siebte Auflage. Seit 2002 werden sämtliche An- und Abflüge am Abend des 1. August von und nach Norden abgewickelt.

Mit anderen Worten: Wir im Zürcher Unterland nördlich des Flughafens haben statt 80% aller Anflüge nun sogar die ganze Last des Verkehrs zu tragen.

Und warum? Die Feuerwerke und Freudenfeuer könnten die Piloten irritieren, lässt die Propagandazentrale der Unique AG verlauten. Mit anderen Worten: Flugbetrieb nur im Norden, damit alle anderen Anwohner im Süden und Osten umso ungenierter mit ihren Feuerwerkskörper die Luft verpesten können.

Dürfen die Höremer kein Feuerwerk abbrennen?

Warum die Unique AG den Flugbetrieb nicht gleich ganz einstellt, ist schleierhaft. In die Luft gejagte pyrotechnische Erzeugnisse könnten nämlich auch bei uns im Norden den Flugverkehr gefährden. Eine einzige hoch fliegende Rakete reicht.

Denn wie die Südschneiser am Pfannenstil so lassen auch Weiacher, Stadler, Höremer, etc. ihr Feuerwerk gen Himmel steigen. Von einem Verbot, heute abend in Weiach, Stadel oder Höri Feuerwerk abzufeuern, hätte WeiachBlog jedenfalls noch nie etwas gehört.

Es riecht nach Sicherheitsgeschwafel zwecks Diskriminierung

Warum also diskriminiert man erneut die Minderheit im Norden? Das Sicherheitsgeschwafel scheint nur vorgeschoben zu sein. Über das Warum dieser «Sicherheitsmassnahme» lässt man sich bei Unique gar nicht erst aus.

Dieses Jahr lautet die Medienmitteilung vom 29.07.2008 zum Flugbetrieb am 1. August 2008 wie folgt:

«Am Abend des Schweizer Nationalfeiertages wird ausnahmsweise von Norden her auf den Pisten 14 oder 16 gelandet. So wird sichergestellt, dass die traditionellen Feuerwerke und Höhenfeuer den Flugbetrieb nicht beeinträchtigen.

Am 1. August, dem schweizerischen Nationalfeiertag, werden traditionsgemäss zur Abend- und Nachtzeit schweizweit Feuerwerke gezündet. Um den Flugbetrieb durch die Feuerwerkskörper nicht zu gefährden (Irritation der Piloten durch die hoch fliegenden Feuerwerkskörper etc.), erfolgen die Landungen ab 21 Uhr bis Flugbetriebsende von Norden her auf den Pisten 14 oder 16. Die Starts erfolgen Richtung Norden. Dieses An- und Abflugregime am 1. August hat sich in den letzten Jahren bewährt.

Gemäss deutscher Verordnung müsste abends ab 21 Uhr von Osten her auf der Piste 28 gelandet werden. Nach Rücksprache mit den zuständigen deutschen Stellen wird aus Sicherheitsgründen im Sinne einer Ausnahmeregelung am Abend des schweizerischen Nationalfeiertages wie schon in den vergangenen Jahren auf diese Regelung verzichtet.
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Absprache? Was für eine Absprache?

Interessanterweise erfährt man selbst in der ersten Auflage der Medienmitteilung von 2002 über diesen fragwürdigen Deal nicht viel mehr, als dass mit «den betroffenen Gemeinden in dieser Zone» (im Unterland?) «eine Absprache» darüber bestehe.

Worin diese Absprache besteht? Das wird mit keinem Wort erwähnt. Über solche Details äussern sich die Herren des Flughafens selbstverständlich nicht. Davon müssen die Belärmten im Norden deren Ansicht nach wohl auch nichts wissen. Das ist ja nur eine kleine Minderheit. Ergo irrelevant.