Sonntag, 28. Januar 2007

Viereinhalb Jahrzehnte als Lehrerin in Weiach

In der heutigen Zeit des job hopping und der Tendenz, sich alle paar Jahre wieder eine neue «Herausforderung» zu suchen, muten jahrzehntelange Arbeitsverhältnisse eigenartig an. Was für eine Loyalität einem Arbeitgeber gegenüber, ja einem einzelnen Ort, wenn man sein ganzes Arbeitsleben dort verbringt!

Fräulein Luise Vollenweider war so ein Mensch. Sie blieb zeitlebens ledig. Und ihre einzige Leidenschaft scheint das Lehrerdasein gewesen zu sein. Zumindest wohnte sie gleich im Schulhaus.

Ruth Schulthess-Bersinger schrieb in ihrem im November 1941 gehaltenen Schüler-Vortrag: «Die Weiacher Lehrerin, (Luise Vollenweider) und ihre Schwester (Ida) wohnen schon über 35 Jahre in diesem grossen Gebäude.» Gemeint ist das (heute als das «alte» bezeichnete) Schulhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Kampf den schlechten Theater-Vorführungen!

Auch in den Protokollen des Frauenvereins taucht Fräulein Vollenweider auf. Da heisst es zum Beispiel über einen der Vereinsabende im November 1949: «In lebhaften und praktischen Beispielen zeigte uns die Referentin [nicht Frl. Vollenweider, Anm. d.Vf.] wie sich unsere Gespräch[e] auswirken auf die Kinder, und wie ein gutes Wort einen Menschen auf seinem Lebensweg begleiten kann. Wohl alle wurden sich bewusst, dass wir uns viel zu wenig besinnen, was und wie wir sprechen und welchen Einfluss wir dadurch auf die Kinder ausüben! Mit neuen Vorsätzen gingen wir nach einer kurzen Disskusion auseinander.» (Zit. nach Weiacher Geschichte(n) Nr. 59)

Bereits im Dezember wurde obiges Thema, bei dem Lehrerin Vollenweider natürlich im Element war, erneut aufgenommen : «Frau Pfarrer [Hauser-Pestalozzi] war an der Kindervorstellung des Turnvereins. Sie sagte solch schlechte Theater seien doch nichts für die Kinder, und wir möchten nun die Vereine anfragen, ob Sie in Zukunft diese Kindervorstellungen nicht weglassen möchten? Frl. Vollenweider unterstützte dies lebhaft. Um dies zu erreichen wurden Unterschriften gesammelt. (ca 25)» (ebenfalls zit. nach Weiacher Geschichte(n) Nr. 59)

Lehrerin in Weiach von 1906-1952

In der im Oktober 2004 zum 75-jährigen Bestehen des Frauenvereins Weiach publizierten Fassung der Weiacher Geschichte(n) Nr. 59 habe ich irrtümlich geschrieben, Frl. Vollenweider sei 1911-1952 Lehrerin in Weiach gewesen.

Wer die Jahreschronik 1954 von Walter Zollinger aber genau liest, der stellt fest, dass sie schon früher in unserem Dorf tätig war:

«1906/11» führte «Fräulein L. Vollenweider» die «Realabteilung (incl. 7.8. Kl.)» und «1911/52» ein «Fräulein Louise Vollenweider» die «Elementarabteilung (1.-4., später 1.-3. Kl.)»

Folgerichtig schreibt ihr langjähriger Lehrerkollege Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1957: «Die während 46 Jahren an unserer Schule tätig gewesene a. Lehrerin Frl. L. Vollenweider (1952 pensioniert u. seither in ihrem Heimatort Langnau/ZH wohnhaft) erhält von der Schulpflege anlässlich ihres 70. Geburtstages (am 28. Jan.) ein prächtiges Blumenangebinde.» (G-Ch 1957, S. 12)

Dass über 40 Jahre Treue auch damals nicht selbstverständlich waren, scheinen die Weiacher durchaus erkannt zu haben. In der Gemeindeversammlung vom 10. Mai 1957 «bewilligten die Schulgenossen an die Ruhegehalte von Frl. Vollenweider a. Lehrerin und Frau Berta Stegmüller a. Nähschullehrerin freiwillige Ergänzungszulagen von jährlich Fr. 300.- bzw. Fr. 100.-.» (G-Ch 1957, S. 13)

Nöd grad de Huufe. Deshalb gedenken wir heute einer treuen Seele, die mit dem heutigen Tag just 120 Jahre alt geworden wäre.

Quellen

  • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 12 & 13 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)
  • Brandenberger, U.: Gemeinnützigkeit auf die Fahne geschrieben. 75 Jahre Frauenverein Weiach, 1929-2004. Weiacher Geschichte(n) 59. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Oktober 2004 – S. 15-22.

[Veröffentlicht am 11.2.2007]

Samstag, 27. Januar 2007

Der Kanalisationserstellung dritte Etappe

Die Kanalisationsbauten der Gemeinde Weiach entstanden gestaffelt über mehrere Jahre hinweg. Und zwar vom Rhein her rückwärts bis in die bewohnten Gebiete hinein.

Mitte Januar 1955 begann man mit den Aushubarbeiten auf der untersten Strecke, vom Rhein bis zum Haus "Allenwinden" und im Oktober desselben Jahres wurden die Arbeiten auf das gesamte Stationsgebiet ausgedehnt. Die zweite Etappe umfasste 1956 die Strecke von der Strassenbeugung bei der Liegenschaft Allenwinden bis zum Bedmen (vgl. dazu auch die unter Quellen aufgeführten früheren WeiachBlog-Artikel).

1957 stand eine weitere Tranche an: «Im Verlaufe dieses Jahres wurde die III. Etappe der Kanalisation, nämlich das Stück vom Bedmen bis zum "Sternen" durchgeführt: Kosten Fr. 18'862.10 (Kreditbewilligung vom 9.6.56 = Fr. 20000).»

Nach gut drei Jahren war man also am Siedlungsschwerpunkt der Gemeinde angelangt.

Quelle

[Veröffentlicht am 12.2.2007]

Freitag, 26. Januar 2007

Weisser Rauch von der Pfarrwahlkommission

«Habemus Verbi Divini Ministrum», hätte die Pfarrwahlkommission verkünden könnnen. Aber Weiach ist nicht der Vatikan. Uns reicht ein bodenständiger Pfarrer (Verbi Divini Minister) - ohne Brimborium und weissen Rauch von verbrannten Wahlzetteln.

Und so ist denn auch die dazugehörende Meldung in der Regionalpresse eine denkbare schlichte. Unter dem Titel Christian Weber soll Pfarrer werden findet man den Lead: «Die Weiacher Pfarrwahlkommission schlägt Pfarrer Christian Weber zur Wahl vor. Er ist seit Juli Pfarrverweser in der Gemeinde.»

Try & hire - die Chemie stimmt

Nachstehend der dem Lead folgende Artikel von Unterländer-Redaktor Florian Riesen:

«Die Pfarrwahlkommission hat ihre Tätigkeit im vergangenen Herbst aufgenommen. Nun hat sie sich für Christian Weber entschieden. «Wir hatten die Gelegenheit, uns in den letzten Monaten gegenseitig kennen und schätzen zu lernen», erklärt Elsbeth Meierhofer, Präsidentin der Pfarrwahlkommission. «Die Chemie stimmt.» Die Wahl soll an einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung nach dem Gottesdienst vom 1. April stattfinden.

Christian Weber hat im vergangenen Juli seinen Antrittsgottesdienst gehalten. «Ich habe mich in Weiach gut eingelebt», erklärt der reformierte Pfarrer. «Von den Leuten hier bin ich sehr herzlich aufgenommen worden.» Webers Pfarrstelle in Weiach entspricht einem 70-Prozent-Pensum. Die restlichen 30 Stellenprozente arbeitet der 40-jährige in der Spitalseelsorge im Kantonsspital Winterthur.

Weber wird demnächst zusammen mit seiner zukünftigen Frau ins Weiacher Pfarrhaus einziehen. Am 28. April lassen sich die beiden vom Stadler Pfarrer Hans Caspers in der Kirche Weiach trauen. (fr)
»

Die eigentliche Wahl: wohl eine reine Formsache

Schon allein der feststehende Zügeltermin und die fix gebuchte kirchliche Trauung zeigen, dass es sich bei der Wahl vom 1. April nicht um einen Aprilscherz, sondern wohl nur noch um eine Formsache handeln dürfte. Denn wenn nicht wirklich Feuer im Dach ist, dann folgen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde nämlich in aller Regel dem Antrag ihrer Kirchenpfleger.

Quelle
  • Riesen, F.: Weiach - Christian Weber soll Pfarrer werden. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 25. Januar 2007 - S. 9.

[Veröffentlicht am 12.2.2007]

Donnerstag, 25. Januar 2007

«Buschzulage» für den Herrn Pfarrer

Nach der Selbstauflösung der DDR und der «Wende» sprach man in Deutschland im Zusammenhang mit den Sonderzulagen der in den Osten entsandten West-Beamten von der sogenannten «Buschzulage».

Sind wir gleichermassen Entwicklungsgebiet? In gewisser Hinsicht schon. Das Pfarramt Weiach war und ist keine Vollstelle. Es umfasst heute gerade einmal ein 70%-Pensum. Wenn man bedenkt, dass es auch vor 50 Jahren nicht einfach war, unter dieser Prämisse einen Pfarrer in unser Dorf zu locken und ihn dort zu halten (vgl. den Artikel Pfarrer Ryhiners Amtseinsetzung vom 21. Januar 2007), dann kann man schon versucht sein, das Folgende eine «Buschzulage» zu nennen:

«Die freiwillige Gemeindezulage an den Pfarrer wurde auf Fr. 1000.- bis Fr. 1600.- mit jährlicher Erhöhung um 100.- festgesetzt. Die Besoldung unseres Pfarrers setzt sich zusammen aus der staatlichen Besoldung, dieser freiwilligen Gemeindezulage, einer Entschädigung des Schulgutes für den Religionsunterricht der 7.8.Kl. und einer solchen der Bezirksschule Kaiserstuhl.» (G-Ch 1957, S. 9)

Immerhin musste der Herr Pfarrer nicht mehr eigenhändig zum Nebenerwerbsbauern werden, wollte er seine Familie durchbringen. Dass sich sein Gehalt aus (mindestens) fünf separaten Kassen speiste, dürfte er verschmerzt haben.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 9 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)
[Veröffentlicht am 12.2.2007]

Mittwoch, 24. Januar 2007

Elektrisch geläutet wird erst seit 50 Jahren

Über Jahrhunderte war das Läuten der Weiacher Kirchenglocken reine Handarbeit. Da musste man sich richtig hineinhängen. Und das auch noch pünktlich und genau so lange wie vorgegeben. Denn die Dorfbevölkerung schaute dem Sigrist (auch Mesmer genannt) genau auf die Finger:

«S' hät immer so Schpezialischte gha, wo mit der Uhr sind go kontrolliere ob me gnueg lang glütet hät», sagte Emma Erb, die Ehefrau des letzten Sigristen der noch von Hand läuten musste, im Gespräch mit dem Autor der Weiacher Geschichte(n).

So ist es leicht verständlich, dass sich die Sigristenfamilie über die Ankunft der elektrischen Heinzelmännchen freute, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik schreibt:

«Ein längst gehegter Wunsch des Mesmers, Herr Albert Erb, ging endlich in Erfüllung: der Einbau des elektrischen Antriebes des Kirchengeläutes und der Umbau der Turmuhr auf el.-automatischen Aufzug. Die Gesamtkosten betrugen Fr. 4'853.40 bzw. Fr. 3'357.70. An diese bewilligte das politische Gut gesamthaft Fr. 4'665.15.» (G-Ch 1957, S. 9)

Warum die Gemeinde auch etwas daran bezahlte ist schnell erklärt. Jeder Einwohner, ob reformiert oder nicht, hatte schliesslich etwas vom regelmässigen Gang der Turmuhr und den Läutezeichen. Glocken und Uhr strukturierten den Tagesablauf für alle - auch für die Katholiken.

Automatisch läuten = Weniger Lohn

Die Kosten liessen die Kirchenoberen aber dennoch ans Sparen denken. «So, jetzt gits weniger Lohn», habe der Kirchenpflegepräsident zu ihnen gesagt, als die elektrische Läutung endlich installiert war.

Das fand die Familie Erb dann doch mehr als knauserig. Vor allem wenn man bedenkt wie wenig sie bisher schon für das täglich mehrmals fällige Läuten ausbezahlt erhielten - ganze 1200 Franken im Jahr.

Nach heutigem Geldwert sind dies nicht einmal 5000 Franken (Index 1914=100; 1957=245.1; 2006=1000). Wahrlich nicht viel Geld wenn man sich ausrechnet, wieviele Einsätze dafür bei jedem Wetter und zu allen Tageszeiten zu leisten waren.

Quellen

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 9 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)
  • Persönliches Gespräch des Verfassers mit Frau Emma Erb am 21. Oktober 2005 im Altersheim Eichi, Niederglatt
  • Albert Erb-Saller (* 4.11.1905 † 16.12.2001). Erinnerungen an einen der letzten Vertreter des Wagner-Handwerks. Weiacher Geschichte(n) 72. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2005 – S. 13-17.

[Veröffentlicht am 11.2.2007]

Dienstag, 23. Januar 2007

Weiach, Germany: haarscharf daneben

Schon Ende März 2006 mussten wir in einem Artikel mit dem Titel La ampliación del cementerio de Weiach feststellen, dass Weiach zu Alemania gehört. Jedenfalls aus der Sicht der Öffentlichkeitsarbeiter der IV Biennal Europea de Paisatge Rosa Barba. So stand es nämlich damals in den Zeitungen spanischer und katalanischer Sprache.

Und so findet man es bis heute auf der Website der Landschaftsarchitektur-Biennale. Auch ein e-mail, das auf die falsche Benennung hinweist, scheint nichts zu nützen. «Weiach, Germany» ist zwar auf einer Weltkarte nur haarscharf daneben - aber eben daneben.

Bis man im fernen Barcelona begreift, dass Weiach historisch gesehen zwar sehr wohl zur Alemannia (dem Stammland der Alamannen) und der deutschsprachigen Schweiz, nicht aber zum heutigen Deutschland gehört, heisst halt auch der Dateiname dieses fast 2 MB grossen Fotos auf der Website des Col·legi d'Arquitectes de Catalunya weiterhin: Cementery_Extension_Weiach_Germany.jpg.
Der Passant hinter dem Bretterzaun ist dennoch eindeutig ein Schweizer. Nämlich unser Gemeindepräsident Gregor Trachsel.

Quelle

[Veröffentlicht am 11.2.2007]

Montag, 22. Januar 2007

Limitierte Privatsphäre bei Künstlernachlässen

Manchmal stösst man beim Durchkämmen des Webs mittels Suchmaschinen auf wirklich Überraschendes. So auf das Inventar des Archivs einer noch lebenden Schriftstellerin, der 1922 geborenen Erika Burkart. Und darin auf eine unverhoffte Verbindung nach Weiach. Aber der Reihe nach.

Die Kurzbiographie des Ammann-Verlags, bei dem sie einige ihrer Werke publizierte, verrät ein paar Eckdaten:

«Nach dem Lehrerinnenseminar arbeitete Erika Burkart 1942-1952 als Primarlehrerin. Sie ist verheiratet mit dem Autor Ernst Halter und lebt als freie Schriftstellerin im »Kapf«, einem alten Äbtehaus in Althäusern/Kt. Aargau. Dieses Haus und die es umgebende Landschaft spielen eine wichtige Rolle in Erika Burkarts Werk. Erika Burkarts Gedichte stehen in der Nachbarschaft derjenigen von Huchel, Eich und Bobrowski; sie markieren einen Höhepunkt der modernen Schweizer Lyrik.»

Letztgenannte Einschätzung wird dadurch untermauert, dass Burkart in den vergangenen fünfzig Jahren eine ganze Reihe von Preisen gewonnen hat:
- Meersburger Droste-Preis 1957
- Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 1961
- Johann-Peter-Hebel-Preis 1978
- Literaturpreis des Kantons Aargau 1980
- Mozart-Preis 1990
- Gottfried-Keller-Preis 1991
- Joseph-Breitbach-Preis 2002
- Großer Schillerpreis 2005

Im Archiv gelandet. Verstauben war gestern

Wenn man älter wird macht man sich in der Regel Gedanken, wem man seine irdischen Güter vermachen will. Bei Künstlern ist das mitunter eine recht umfangreiche Angelegenheit.

Burkart übergab ihre Materialsammlung dem Schweizerischen Literaturarchiv, das in den Räumen der Schweizerischen Nationalbibliothek an der Hallwylstrasse 15 in Bern untergebracht ist (und auch URL-mässig zu dieser gehört).

Der akribischen Aufstellung des Schweizerischen Literaturarchivs («erstellt von Corinna Jäger-Trees») ist zu entnehmen, was sich aus der Zeit von 1950-2005 alles in der Sammlung Burkart befindet:

«Zusammenfassung : Das Archiv Burkarts umfasst bezüglich des literarischen Materials (A) Manuskripte von drei Romanen und einigen Gedichten; sehr umfangreich erhalten sind Typoskripte der Gedichte und Romane, ausserdem Manuskripthefte mit Notizen und Skizzen zu Werken, Briefen und tagebuchartigen Notaten. Ausserdem enthält ihr Archiv Korrespondenzen (B) und persönlich-literarische Tagebücher der Jahre 1984-1999 (C), die sich allerdings noch bei der Autorin befinden. Die Rubrik Sammlungen (D) umfasst eine grosse Sammlung mit Presseausschnitten zu Leben und Werk der Autorin, die dazugehörige Sekundärliteratur, in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckte Texte Burkarts sowie Fotos. Etliche Materialien der Rubriken B-D befinden sich nach wie vor bei der Autorin. Das erweiterte Archiv (E) umfasst Briefsammlungen von Briefen Erika Burkarts an Luzia Elmer und Carl Naef.
Umfang : 48 Schachteln
Signatur : SLA-EBUR
»

Postkarte aus Weiach

Man ahnt, dass es da auch sehr persönliche Dinge drin hat. Und tatsächlich - es hat. Zum Beispiel erfährt man, dass sie von dem vor Jahren im unteren Bühl zu Weiach wohnhaften und tätigen Komponisten und Dirigenten René Dublanc zwei Karten erhalten hat:

B-2-DUBL Dublanc, René
Rohr/ Weiach
1990-12-18
1998-05-20
2 Kt.


Was da drauf steht muss noch nicht einmal bekannt sein. Das Fazit ist klar: Wer Schriftstellern Postkarten schickt, der muss damit rechnen, dereinst noch zu Lebzeiten über die minutiöse archivalische Erfassung von deren Nachlass unfreiwillig geoutet zu werden. Schöne neue Internet-Welt.

[Veröffentlicht am 11.2.2007]

Sonntag, 21. Januar 2007

Pfarrer Ryhiners Amtseinsetzung

Momentan hat die Kirchgemeinde Weiach ja wieder einmal keinen gewählten Pfarrer. Es war noch nie einfach, jemanden dazu zu bewegen, seinen Wirkungskreis weit weg von der Stadt aufzubauen - zumal in früheren Jahrhunderten, als das Kirchengut eher zum Sterben denn zum Leben reichte.

Vor 50 Jahren musste sich der Weiacher Pfarrer zwar nicht mehr um das physische Überleben seiner Familie sorgen. Die ländliche Abgeschiedenheit war jedoch geblieben.

Umso grösser dürfte die Freude der Weiacher vor fast genau einem halben Jahrhundert gewesen sein, als sie am 20. Januar 1957 ihren neuen Pfarrherrn offiziell in sein Amt einsetzen liessen. Zum festlichen Anlass wurde eigens eine Einladung gedruckt:

[Zum Vergrössern: Bild anklicken]

Walter Zollinger schrieb dazu in seiner Jahreschronik 1957:

«Unter dem Geläute der Kirchenglocken zog am 15. Januar unser neugewählte Herr Pfarrer W. Ryhiner mit seiner Braut, Fräulein El. Landenberger, ins Dorf ein. Da im Pfarrhaus durch den Kanton aber noch umfangreiche Renovationsarbeiten erst fertig gemacht werden müssen, wohnt Herr Pfr. R. vorerst in der z.Zt. grad leeren Wohnung über dem neuen Postbüro. - Am 20.1. sodann fand in der fast überfüllten Kirche die Pfarreinsatzfeier statt. Die Weihe vollzog Herr Dekan O. Studer aus Buchs/ZH; Kirchen- und Männerchor wirkten selbstverständlich wacker mit.» (G-Ch Weiach 1957)

Willi Ryhiner war der 86. Pfarrer von Weiach seit 1542 (nach der Zählung des «Zürcher Pfarrerbuch 1519-1952»). Sein Name wird manchmal auch zu «Rihyner» verschrieben (so im Anhang zu «Die Kirche zu Weiach» aus dem Jahre 1965).

Bereits nach fünf Jahren verliess Ryhiner die Weiacher wieder und übernahm das Pfarramt von Dussnang-Bichelsee an der Grenze vom Hinterthurgau zum Zürcher Oberland.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 10 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 11.2.2007]

Samstag, 20. Januar 2007

Dorfmusik Weiach - vor 50 Jahren aus der Taufe gehoben

Oder doch schon vor 55 Jahren? Wenn man die publizierte Literatur (Weiach 1271-1971) konsultiert, dann muss man das Geburtsjahr 1952 annehmen. Wenn man sich jedoch auf eine ältere, unpublizierte Jahreschronik desselben Autors stützt, das Jahr 1957.

Wenig Publiziertes

Gesichert erscheint momentan, dass in Weiach 1903 ein Posaunenchor gegründet wurde, woraus 1913 eine erste Dorfmusik entstand. Was weiter mit ihr passierte, darüber gibt Walter Zollinger in der Fussnote 77 seiner 1972 erschienenen Monographie Auskunft:

«Der Erste Weltkrieg hemmte leider ihr Weiterbestehen, 1915 löste sie sich auf. Erst 1952 ist sie neu erstanden», steht da kurz und sec.

Für die Neuauflage von 2003 wurden diese Informationen in die Fussnote 150 übernommen und ergänzt:

«Der Erste Weltkrieg hemmte leider ihr Weiterbestehen, 1915 löste sie sich auf. Erst 1952 ist sie neu erstanden, kämpfte jedoch an der Wende zum 21. Jahrhundert mit geringen Mitgliederzahlen. Die Dorfmusik stand im Jahre 2002 vor ihrer Auflösung.»

In der Überarbeitung zur vierten, als pdf-Datei erhältlichen Auflage wurden durch Abänderung des letzten Satzes auch die jüngsten Entwicklungen reflektiert:

«Die Dorfmusik hat sich Mitte 2003 aufgelöst. Ihre Mitglieder spielen nun teilweise in Kaiserstuhl und Glattfelden.»

Die Jahreschronik vermittelt ein anderes Bild

Aufgrund der Angaben in Zollingers Jahreschronik 1957 muss man nun an der Geburtsangabe 1952 zweifeln. Denn in diesem Typoskript steht auf Seite 14:

«Ende letzten Jahres [also 1956] erliessen einige Freunde der Blasmusik einen Aufruf zur Wiederauflebung eines Musikvereins; es hatte nämlich vor rd. 45 Jahren bereits einer bestanden, der dann aber bei Ausbruch des ersten Weltkrieges eingegangen war. – Mit Neujahr 1957 konnte nun die „Dorfmusik Weiach“ ihre Neugründung mit 20 Mitgliedern melden. Durch Gemeindebeiträge und eine private Sammlung wurde die Anschaffung von Blechinstrumenten ermöglicht und sogleich begann ein eifriges Ueben im Saal zum „Sternen“ und unter Anleitung eines begabten Bläsers. Anlässlich der Bundesfeier auf dem Schulhausplatz konnten sich dann die „neugebackenen Blasmusiker“ zur grossen Freude der Einwohnerschaft zum erstenmal produzieren und am 13.9. gaben sie ihr erstes Platzkonzertchen im Dorf. Am 22.9. wirkten sie anlässlich des Absendens des Veteranenschiessens, wie der Männerchor, mit, und endlich beteiligten sie sich auch schon an der kirchlichen Sylvesterfeier.»

Stattlicher Gemeindebeitrag

Etwas weiter vorn in derselben Jahreschronik 1957 findet sich auf Seite 9 ein Eintrag zur Gemeindeversammlung vom 19. Oktober:

«a. Ausrichtung eines Beitrages von Fr. 1300.- pro 1957 und von Fr. 1900.- pro 1958 an die Dorfmusik zur Anschaffung von Musikinstrumenten. Dabei wurde mitgeteilt, dass die private Sammlung hiefür Fr. 2500.- ergeben habe.»

Aufgrund dieser beiden Fundstellen neige ich heute zur Ansicht, dass sich Zollinger in seiner Monographie zur Geschichte von Weiach im Gründungsjahr geirrt haben könnte.

Deshalb steht gegenwärtig folgender Text in der aktuellen Fassung der oben erwähnten Fussnote 150:

«Der Erste Weltkrieg hemmte leider ihr Weiterbestehen, 1915 löste sie sich auf. Erst 1957 ist sie neu erstanden, kämpfte jedoch ab den Neunzigerjahren mangels Mitgliedern ums Überleben. Die Dorfmusik hat sich Mitte 2003 selbst aufgelöst. Ehemalige Mitglieder spielen nun teils in Kaiserstuhl bzw. Glattfelden.»

Quellen

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 9 & 14 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). Hrsg.: Gemeinderat Weiach. 1. Auflage 1972; 2., ergänzte Auflage 1984.
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – 80 S. (Hrsg. von der Gemeinde Weiach). Aktuellste Fassung auf Anfrage beim Verfasser erhältlich.

[Veröffentlicht am 11.2.2007]

Freitag, 19. Januar 2007

Die Grenzwache verlässt die Grenze

«Schengen» hat Folgen. Das Voranschreiten der europäischen Integration löst einen tiefgreifenden Strukturwandel aus. Auch bei uns. Denn die Schweiz kann sich diesem Entwicklungssog nicht entziehen. Und Weiach liegt an der Grenze. Da spürt man den Wandel besonders gut.

Am augenfälligsten wird «Schengen» mit der Neuorganisation des GWK nach Regionen und dem damit verbundenen Rückzug der Grenzwache von der Landesgrenze. Die physische Präsenz an der Grenzlinie löst sich quasi in Luft auf.

Das Festungswachtkorps zeichnet das Schicksal vor

Schon seit längerem ist das Grenzwachtkorps zum Einsatz mobiler Patrouillen übergegangen, der Not der immer dünneren Personaldecke der Oberzolldirektion gehorchend.

Es hat schon fast Seltenheitswert, zwei Grenzwächter zusammen auf Patrouille zu entdecken. Meist besteht das Zweierteam aus einem Grenzwächter und einem Berufssoldaten der Militärischen Sicherheit (MilSich) als Begleitschutz.

Die Entwicklung des früheren Festungswachtkorps zur heutigen MilSich kann man wohl als Vorläufer dessen ansehen, was mit dem Grenzwachtkorps mittel- bis langfristig passieren wird. Auch ein Blick nach Norden über die Grenze zeigt den Trend. Der deutsche Bundesgrenzschutz (BGS) wurde jüngst in «Bundespolizei» umbenannt.

Bauliche Relikte nahe der Grenze

Das sogenannte Zöllnerhaus am Dörndlihag 6 in Weiach hat diese Entwicklung schon längst vorausgenommen. 1960 wurde es vom Bund als Wohnung für Grenz- und Festungswächter sowie deren Familien errichtet. Heute ist es von anderen Mietern belegt.

[Veröffentlicht am 10.2.07]