Samstag, 10. Februar 2007

80'000 Gulden um 1799 - wieviel Geld wäre das heute?

«In dem Kriegsjahr 1799 litt Weyach vorzüglich großen Schaden durch theilweise Verheerung und Abnutzung des herrlichen Eichwaldes, wo französische Truppen lange Zeit kampirten. Ein Viertheil desselben soll geschlagen worden sein; der Schaden ward auf circa 80,000 fl. berechnet. Ferneren großen Verlust erlitt die Gemeinde durch Einäscherung des Schul-, Gemeind- und Spritzenhauses, Plünderung in Haus und Feld, und besonders noch durch Einquartierung und Requisitionslasten.» (Chroniken 1857)

Es ist sehr schwierig, die Kaufkraft von 80'000 Gulden (fl.) damaliger Währung in heutige Geldwerte umzurechnen. Man kann aber folgende Faustregeln zu Hilfe nehmen:
  1. Bei der Umstellung auf die Frankenwährung im Jahre 1851 galt 1 Gulden neu Fr. 2.33 (Zollinger 1972).
  2. Die vom Bundesamt für Statistik (Ritzmann-Blickenstorfer 1996; Gross 1998) ermittelten Indexwerte für das 2. Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts liegen in etwa auf dem Indexstand von 1914=100.
  3. Im Zweiten Weltkrieg stiegen die Preise massiv an. Landesindex der Konsumentenpreise Indexstand 1939: 138.0; 1940: 150.8; 1941: 173.9.

Unter der Annahme, dass ein Gulden relativ zum späteren Franken im Jahre 1799 gleich zu bewerten war wie 1851, kann man 1.73 x 2.33 = 4.03 rechnen.

Da der heutige Indexstand basierend auf 1914 ungefähr bei 1000 liegt, muss man gegenwärtig von Faktor 10 ausgehen.

Auf aktuelle Verhältnisse umgerechnet entstand der Gemeinde also ein Schaden in Millionenhöhe. Zum Vergleich: 1 Steuerprozent entspricht heute ca. 22'500 Franken.

Quellen

  • Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 neu bearbeitet von Friedrich Vogel, Sekretär des Baudepartements. Zürich, 1857 – S. 818f.
  • Zollinger, W.: Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. (Chronik Weiach. 1271-1971). 1. Aufl. 1972 (erschienen an Ostern), [Staatsarchiv des Kantons Zürich: Dc W 28, Zentralbibliothek Zürich: FU 3003] ; 2. ergänzte Aufl. 1984. - Anhang.
  • Ritzmann-Blickenstorfer, H. (Hrsg.): Historische Statistik der Schweiz. Zürich 1996 – S. 502.
  • Gross, Th.: Preisbewegungen in der Schweiz des 19. und 20. Jahrhunderts: Hinweise zur Datenlage, zur Methode und zu den Ergebnissen. In: Geschichte und Informatik, Vol. 9, Bern 1998 – S. 85-102.

[Veröffentlicht am 24.2.2007]

Freitag, 9. Februar 2007

«Allenwinden» steht zum Verkauf

Für 1.1 Millionen ist man bei den Leuten. Bei denen, die als Käufer für eine Liegenschaft im Bereich des Quartierplans See-Winkel in Frage kommen.

Das Haus Allenwinden, in diesem Blog im Zusammenhang mit dem Bau der Kanalisation schon zweimal genannt (vgl. Quellen unten), wurde nach Angaben der Kantonalen Gebäudeversicherung um 1924 erbaut. Und steht nun zum Kauf:

Freistehendes älteres Einfamilienhaus oder doch Villa?

Die Liegenschaft an der Kaiserstuhlerstrasse 45 in Weiach («Grundstückfläche (m2): 1'528») ist ein schmaler Schlauch, direkt an der Hauptstrasse Nr. 7 Basel-Winterthur und der Bahnlinie Winterthur-Koblenz gelegen.

Es gilt als Einfamilienhaus. «Anzahl Zimmer: 6.0; Wohnfläche (m2): 300.» Als Baujahr wird im Inserat interessanterweise 1930 genannt. Verfügbar ist es nach Vereinbarung und der Verkaufspreis wird auf Anfrage bekanntgegeben.

Auf anderen Portalen als Homegate (z.B. hier bei Immostreet als Villa bezeichnet) ist sogar ein Preis genannt. Von da stammt meine Angabe zu Beginn des Beitrags. Bei Comparis findet man beide Inserate.

Zahlenangaben sind Glücksache

Aussicht hat man, z.B. nach Hohentengen. Ein Cheminée, Parkplatz, Sitzplatz, Garage und ISDN-Anschluss hat das Haus natürlich auch.

Die weiteren Angaben sind allerdings etwas freihändig:

• Öffentl. Verkehr: 2'000 m
• Einkauf: 2'500 m
• Kindergarten: 1'000 m
• Primarschule: 1'000 m
• Autobahnanschluss: 3'000 m


Die Postauto-Haltestelle Alter Bahnhof ist weniger als einen halben Kilometer entfernt. Bei den Einkaufsgelegenheiten fragt man sich, was der Referenzpunkt sei. Der VOLG im Dorfzentrum kann es nicht sein, zumal die praktisch am selben Ort gelegene Primarschule und der Kindergarten nur 1000 m entfernt sein sollen. Einkaufsmöglichkeiten aber nicht?

Bei der Angabe zum Autobahnanschluss (die Umfahrung Glattfelden) muss ich regelmässig schmunzeln. Als ob es darauf ankäme. Wahrscheinlich verlangt die Eingabemaske ultimativ nach so einer Angabe. Die man dann halt gibt.

Aber wenigstens sind die Eckdaten bei Immostreet und Homegate fast dieselben:

«6 zi.EFH, mit ausgebautem Dachstock, grosser Keller, Garten. Ausgebauter (2,5zi)Anbauteil mit Chemineé, kleine Garage, 6 PP. Landanteil 1528 m2. BAULAND WG3» (Homegate)

«Freistehendes älteres EF, 6 zi.3 stöckig, ausgebauter Dachstock, grosser Keller, ausgebauter (2,5 zim) Anbauteil mit Chemineé. Kleine Garage, ca 6 Parkpl. Renoviert 1983 Landant. 1528m2 Bauland WG3» (Immostreet)

Weiterführende Artikel

[Veröffentlicht am 24.2.2007]

Donnerstag, 8. Februar 2007

Die Schützengesellschaft rührt die Werbetrommel

Eigentlich hätte der Aufruf der Schützengesellschaft Weiach ja schon in der Januar-Ausgabe der Mitteilungen erscheinen sollen. Dass es erst für die Februar-Nummer geklappt hat ist auch kein Beinbruch. Schliesslich geht es um Grundsätzliches. Nämlich ums Überleben. Langfristig gesehen zumindest.

Mitgliederschwund - auf der Suche nach den Gründen

Nach 102 Jahren unter dem Namen SG Weiach (es gab auch Vorgängervereine) lahmt die Gesellschaft etwas. Die Zahl ihrer Aktivmitglieder habe in den letzten Jahren stetig abgenommen, schreibt der Vorstand der Schützengesellschaft. Und selbstkritisch stellt man sich in aller Öffentlichkeit der Frage nach dem Warum:

  • Liegt es daran, dass nur noch wenige Jahrgänge die militärische Schiesspflicht
    zu erfüllen haben?
  • Liegt es am Interesse der Einwohner?
  • Ist eine Vereinszugehörigkeit noch gefragt?
  • Haben wir die Jugendarbeit vernachlässigt?
  • Gehen wir zu wenig auf neue Einwohner zu, um diese auf unseren Verein aufmerksam zu machen?

Offensichtlich ist man zum Schluss gekommen, dass zumindest der letzte Punkt zutreffe. Deshalb fährt man jetzt eine Informationsoffensive und beantwortet die Fragen gleich selber:

«Fest steht, dass die Reduktion der Armee einen Mitgliederschwund bewirkte. Dass das Interesse an einer Vereinzugehörigkeit nachgelassen hat. Die Jugendarbeit – sprich Jungschützenkurse und Schiesskurse für Jugendliche -, zum Teil mangels Interesse möglicher Teilnehmer vernachlässigt wurden. Wir zu wenig aktiv auf unseren Verein aufmerksam machten. Muss noch ein weiterer Verein der Gemeinde Weiach "sterben"? Wir sind der Meinung: Nein!!!!»

Damit es nicht so weit kommt, muss man mit den Pfunden wuchern die man hat. Und das wären?

Jugendschiessen und Wyberschiessen ist beliebt

«Das von uns alljährlich durchgeführte Jugendschiessen zeigt, dass sich Jugendliche für diesen Anlass interessieren und begeistern. Das am gleichen Tag stattfindende "Wyberschiessen" erfreut sich grosser Beliebtheit. Die Schiessenden werden an diesem Anlass durch erfahrene Schützenmeister betreut. Gute Resultate machen Freude. Das gemütliche Absenden und die Preisverteilung werden gerne besucht. Also packen wir es an: Sie kommen, wenn man sie ruft.»

Flugs wird für die erkannte Zielgruppe ein neues Produkt lanciert. Auf dem Land geht das ja noch. Da wird nicht diskutiert, ob die Waffe des Wehrmannes in den heimischen Kasten gehört. Das IST so. Und liest sich dann so:

Neu: Schiesskurs für Jugendliche von 10-16

«Wir rufen die Jugend und deren Eltern zum Mitmachen auf. Im Frühjahr bietet die Schützengesellschaft Weiach einen Schiesskurs für Jugendliche (10 bis 16 Jahre) unter Leitung erfahrener Jungschützenleiter an. Wir werden darauf achten, dass die Kursdaten so gelegt werden, dass andere Aktivitäten (sprich Jugendriege/Mädchenriege) nicht tangiert werden.»

Da ist aber noch nicht alles. Auch der Jungschützenkurs für 17-18-Jährige soll weitergeführt werden. Und: Frauen und Männer seien nicht nur als Aktivschützen sondern auch als Helfer im Verein willkommen. Man muss also nicht einmal Mitglied werden. Das war zu Zeiten der militärbehördlich verordneten Zwangsmitgliedschaften auch schon anders.

Dass auch Nichtmitglieder willkommen sind, zeigt sich am wohl traditionsreichsten Anlass der Schützengesellschaft:

20. Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessen

Seit 1969 wird in allen ungeraden Jahren das Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessen durchgeführt. Am 13./14. und 20./21. April 2007 wird zum 20. Mal die Schiessfahne für diesen Anlass gehisst. Auch das Weiacher Vereins-, Behörden- und Familiengruppenschiessen werde wieder in diesen Anlass integriert, lässt die Schützengesellschaft verlauten:

«Stellen sie eine Gruppe (vier Teilnehmer) zusammen. Zeigen Sie durch eine Teilnahme an diesem Anlass, dass Sie zum Dorf gehören. Falls Sie keine eigene Waffe haben, stellt sie der Verein zur Verfügung.»

Da muss wohl auch der WeiachBlogger selber in die Hosen und sich hinter die Flinte klemmen. Das ausführliche Programm ist für das nächste Mitteilungsblatt der Gemeinde Weiach (MGW) (d.h. die Märznummer) zur Veröffentlichung vorgesehen. Schauen wir mal.

Quelle

  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2007 - S. 31-32.

[Veröffentlicht am 24.2.2007]

Mittwoch, 7. Februar 2007

Der Schulzahnarzt untersucht und bohrt

Auch vor 50 Jahren war der Zahnarzt kaum beliebt. Das galt wohl auch für die Weiacher Schülerinnen und Schüler.

Im Abschnitt über das Schulwesen findet man in Zollingers Jahreschronik 1957 den folgenden Eintrag:

«7. Februar: Der Schulzahnarzt erscheint mit seiner Assistentin, um die Gebisse der Kinder zu untersuchen, und v. 8.-18.2. also gleich anschliessend, unterziehen sich 37 Schüler der zahnärztlichen Behandlung.»

Aua... Interessant daran ist, dass es damals offenbar noch keine Schulzahnklinik in Bülach gab (wie zu Schulzeiten des Schreibenden), sondern der Zahnarzt quasi auf Stör ging und seine wichtigsten Utensilien samt Sprechstundenhilfe mitnahm.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 11 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 19.2.2007]

Dienstag, 6. Februar 2007

Politisches Gemeindegut: 0% Steuer

In den Zollingerschen Jahreschroniken dürfen die rein monetären Belange der verschiedenen Gemeinwesen in Weiach natürlich nicht fehlen. Auch nicht in der auf das Jahr 1957:

«Unterm 6. Februar wurden wiederum die zu erhebenden Steuern auf Antrag der betr. Behörden von der Stimmbürgerschaft beschlossen, nämlich:
  • Politisches Gemeindegut: 0%
  • Armengut: 10%
  • Primarschulgut: 50%
  • Kirchengut: 60%
  • Sekundarschulgut Stadel: 55%
Somit sind für 1957 gesamthaft 175% des einfachen Staatssteuerertrages (mutmasslich Fr. 18'000.- = 100%) vorgesehen. Finanzausgleich gabs diesmal Fr. 14'205.-, der voll dem Primarschulgut zugeteilt werden konnte.
» (G-Ch 1957)

Bei einem Indexstand von ca. 250 für das Jahr 1957 und einem von ca. 1000 (auf Basis 1914=100) pro 2007 für die Konsumentenpreise, würde sich der damalige Steuerertrag samt Finanzausgleich auf heutige Verhältnisse umgerechnet bei unter 185'000 Franken bewegen. Heute kostet der Gemeindehaushalt (inkl. Oberstufe) selbst teuerungsbereinigt ein Mehrfaches!

Das sollte uns wieder einmal passieren, dass die politische Gemeinde keine Steuern beziehen will. Vor 50 Jahren war das offensichtlich noch möglich.

Dass all diese Steuerfüsse am selben Tag beschlossen wurden ist übrigens ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Tradition, alle Budgetgemeindeversammlungen am selben Abend durchzuführen schon ziemlich alt sein dürfte.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 8 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 19.2.2007]

Montag, 5. Februar 2007

So en Chaibe Grabe!

Die Worte «Chaib» und «chaibe» können in alemannischen Dialekten alles Mögliche bedeuten. Ich habe für diesen Beitrag nun keine Mundart-Lexika gewälzt und mich auch nicht ins Idiotikon vertieft. Was folgt ist deshalb meine ganz eigene Interpretation - z.T. gestützt auf lokale und im Internet per Google-Abfrage verfügbare Quellen.

Das Verb «chaibe» bedeutet meines Wissens vor allem «rennen» oder «laufen» (letzteres im Sinne der deutschen Standardsprache).

Als Substantiv verwendet ist «Chaib» (oder «Cheib» geschrieben) so etwas wie ein Universalausdruck für eine bestimmten Typ Mensch: «er isch en liebe Chaib» oder «sonen Luuschaib!» wird noch eher wohlwollend verwendet. Anders sieht es mit dem «dumme Chaib» oder gar dem «Sauchaib» aus. Analog ist die Verwendung als Adjektiv möglich: «die chaibe Tüütsche». Das sind klar pejorativ verwendete Worte, die je nach Kontext als Beleidigung aufgefasst werden können.

Chaibegrabe?

Nun gibt es in Weiach und anderswo Flurnamen für Geländeinschnitte, die mit «Chaib-» beginnen. Worum geht es da? Es kann wohl nicht die oben grad erwähnte Bedeutung damit verbunden sein. Oder doch? Jedenfalls bezeichnet der Begriff nichts Erfreuliches.

Erklärt wird der Name «Chaibegrabe» von lokalen Quellen folgendermassen: «Dieser Graben trägt den Namen, weil in ganz früheren Zeiten dort die toten Pferde begraben wurden.» (Bersinger, 1941)

Das Wörterbuch Schriftdeutsch - Alemannisch der Grund- und Hauptschule Hausen im Wiesental (einer nördlich der Stadt Basel gelegenen süddeutschen Gemeinde) nennt das Verb «verchaibe» und erklärt es mit «verderben, mutwillig stören, zerstören».

Zuschanden gebrachte und eingegangene Tiere würde man im Alemannischen also wohl «verchaibete» nennen.

Wo es überall Chaibegräben gab

Hier noch die (nicht repräsentative) Aufzählung der von mir gefundenen Orts- und Flurnamen mit mutmasslich gleicher Bedeutung:
  • «Chaibegrabe»: Weiach ZH, Leuggern AG, Mettau AG
  • «Chaibengraben»: Obersiggenthal AG
  • «Galerei Cheibengraben»: Lostorf SO
  • «Cheibengraben» Urdorf/Dietikon ZH (Massnahmenplan Wasser des AWEL zum Einzugsgebiet Limmat und Reppisch vom 30. April 2005)
Quellen
  • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.
[Veröffentlicht am 19.2.2007]

Sonntag, 4. Februar 2007

Die erste Taufe in der neuen Kirche, 1706

Letztes Jahr standen viele Beiträge auf WeiachBlog und eine Artikel-Serie der Weiacher Geschichte(n) ganz im Zeichen des Jubiläums unserer Pfarrkirche im Bühl. Eine Aufstellung findet sich auf der Sonderseite «300 Jahre Kirche Weiach».

Nun hat mir Edouard G. Meier, Mitglied der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Zürich, welcher gegenwärtig nach seinen aus Weiach stammenden Ahnen forscht, den folgenden Ausschnitt aus dem Weiacher Taufbuch zukommen lassen:

[Bild E. G. Meier: die erste Taufe in der neuen Kirche. Zum Vergrössern anklicken]

Abgebildet ist ein Screenshot ab dem Displaygerät: der erste Eintrag nach der Einweihung der Kirche im Bühl.

Überschrieben ist er mit: «Hier sind verzeichnet die Kinder welche in der neuen Kirchen getauft wurden - 1706»

Am 9. August war die Kirche mit der Befestigung von «Knopf und Fahnen» auf der Kirchturmspitze fertiggestellt. Am Sonntag, 17. Oktober erfolgte die Einweihung mit einem ersten Gottesdienst.

Die erste Taufe am neuen Platz fand am 7. November statt: ein Hans Heinrich Baumgartner.

Für die Abdruckerlaubnis geht ein herzliches Dankeschön an E. G. Meier in die Romandie.

Weiterführende Literatur

  • Brandenberger, U.: «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». 300 Jahre Kirche Weiach, 1706 – 2006. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach und der Ortsmuseumskommission Weiach. Weiach, September 2006 – S. 47.

[Veröffentlicht am 19.2.2007]

Samstag, 3. Februar 2007

Unser Feuerwehrkommandant tritt ab

Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Sollte man meinen. Manchmal stecken aber auch die Kollegen dahinter. So beim Abschied auf die feurige Art, den die Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach ihrem Vize-Kdt Otto Meier aus Weiach bereitete:

«Am frühen Morgen des 12. Dezember musste Otti einen besonderen Einsatz bestehen: In einer Weiacher Liegenschaft dringt Rauch aus dem Gebäude - hinter dem Fenster ist Feuer erkennbar.

Kurz nach sechs Uhr wird Otti vom Pager geweckt - was er aber nicht weiss: Der Rauch stammt von einer Rauchmaschine, der Feuerschimmer von einigen Kerzen, die eine Delegation der Feuerwehr Glattfelden - Stadel - Weiach bereit gestellt haben. Zudem wird nur er aufgeboten! Otti wundert sich zwar, dass noch kein Licht ist im Weiacher Feuerwehrlokal - eilt aber trotzdem zum Einsatzort. Der Hausbesitzer ruft ihm zu, dass im Stall Rauch und Feuer zu sehen sei. Eilig erkundet er das Gebäude. Wie komme ich hinein? Wo kann ich halten?

Erst jetzt bemerkt er, dass sich im als Partyraum eingerichteten Stall einige seiner Kollegen befinden... Noch etwas verschlafen kann der abtretende Chef Einsatzzug Weiach und Kdt Stv die ersten Glückwünsche zu seinem 50. Geburtstag mit einem 'Happy birthday...' entgegennehmen. Danach gings auch für Otti am von Moni vorbereiteten 'Zmorgebuffet' gemütlicher weiter!
»

Soweit der Text auf der Website der Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach, der mit vielen Bildern der Verabschiedungsübung illustriert ist.


Im Bild: Eine der letzten Übungen unter der Leitung von Hptm Otto Meier, vor dem mittlerweile abgebrochenen Bauernhaus von Oskar Meierhofer an der Winkelstrasse 2. Aufnahme vom 8. Juni 2006. Otto ganz rechts. Zum Vergrössern klicken.

Einer aus der alten Garde

Zu gönnen ist ihm das, denn Otto Meier ist in den letzten Jahrzehnten schon zu so etwas wie einer Institution geworden. Die Inkarnation des Weiacher Feuerwehrwesens sozusagen. Er liest es zwar nicht gerne, wenn man ihn als Kommandanten bezeichnet - schliesslich gibt es die eigenständige Ortsfeuerwehr seit Jahren nicht mehr. Aber das ficht auch die Exekutive unseres Gemeinwesens nicht an:

«Der Gemeinderat verabschiedet anlässlich eines gemeinsamen Nachtessens Otto Meier, Feuerwehrkommandant, Bergstr. 1, mit dem herzlichen Dank für die während 30 Jahren geleisteten Dienste in der Feuerwehr rückwirkend auf den 31. Dezember 2006. Der Kredit von CHF 950.- für das an den Zurückgetretenen überreichte Geschenk, einen Aufenthalt in Beckenried für 2 Personen, wird bewilligt.»

So wird auch der Ehefrau endlich einmal für Ihr Verständnis gedankt. Denn so ein Amt erledigt sich nicht ohne Nebenwirkungen auf das Privatleben. Auch von WeiachBlog kommt so ein herzliches: Merci, Otto!

Frühere WeiachBlog-Artikel zum Thema Feuerwehr

Quellen

  • Feuerwehr Glattfelden-Stadel-Weiach (Hrsg.): Einsatz Otti. Veröffentlicht am Freitag, 22. Dezember 2006 20:39:52.
  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2007, S. 5.

[Veröffentlicht am 19.2.2007]

Freitag, 2. Februar 2007

Weiacher Kantonsratkandidaten 2007/2011

Bald stehen wieder Kantonsratswahlen an. Das spürt man an den landauf, landab häufigeren Podiumsdiskussionen (vgl. den WeiachBlog zum Thema Einheitskrankenkasse), neuerdings merkt man es auch an den Gesichtern im Grossformat, die einem bald in jeder Ecke des Unterlandes von regulären und wilden Plakatwänden entgegensmilen.

Für den Bezirk Dielsdorf sind im Kantonsrat 10 Sitze reserviert. Für die Weiacher also rein theoretisch etwas mehr als ein Zehntelssitz (959 Weiacher auf 72768 Einwohner im Bezirk, Zahlen: Dez. 2005). So kommt es, dass nur alle paar Jubeljahrzehnte einmal ein Weiacher in den Kantonsrat gewählt wird.

Die Eingabefrist für die Erneuerungswahlen vom 15. April läuft am 6. Februar ab. In Weiach wohnhafte Kandidaten wurden vom Tagi wie folgt genannt (Stand Ende Januar; Kommentar von WeiachBlog):

  • SVP: keine (eigentlich erstaunlich, gilt doch Weiach nach wie vor als Hochburg der früheren Bürger-, Gewerbe- und Bauern-Partei).
  • SP: keine (nicht erstaunlich; die Sozis haben bei den Hiesigen traditionell einen schweren Stand).
  • CVP: keine (ebenfalls nicht verwunderlich; der Katholiken-Anteil ist nach wie vor klein).
  • Grüne: keine (Sympathien gab's zwar für die Grünen durchaus. Nachdem jetzt die grünliberale Alternative zur Wahl steht werden sie wohl massiv Federn lassen müssen).
  • FDP: Obwohl die Freisinnigen vor allem am unteren Zürichsee stark sind, so haben sie doch auch einen Kandidaten in Weiach: Peter Wild.
  • EVP: Die Evangelische Volkspartei mit traditionellen Hochburgen im östlichen Kantonsteil, besonders im Oberland, hat bisher noch nie einen Kantonsrat aus dem Bezirk Dielsdorf gestellt. Ihr Weiacher Kandidat ist dennoch eines der profilierteren animaux politiques aus und in Weiach: Daniel Elsener.
  • Grünliberale: Rund drei Monate nach ihrer Gründung steigt die Grünliberale Partei des Bezirks Dielsdorf in den Wahlkampf ein. Ihr Weiacher Kandidat heisst Kurt Hüppi.

Es ist klar, dass bei nicht einmal 1000 Einwohnern kaum ein statistisch repräsentatives Abbild der Präferenzen der Bevölkerung in Form von Kandidaten und deren Profilen zu erwarten ist. Der Vergleich ist trotzdem spannend - zumal es in Weiach keine Ortsparteien gibt. Sondern nur Köpfe. In diesem Wahljahr die von Wild, Elsener und Hüppi.

Quelle

  • Eppenberger, S.: Kantonsratskandidaten aus dem Bezirk Dielsdorf. In: Tages-Anzeiger, 31. Januar 2007, S. 61 Unterland.

[Veröffentlicht am 15.2.2007]

Donnerstag, 1. Februar 2007

Drei Weiacher mit dem Inf Bat 70 im Einsatz

Die Schweizer Armee zeigt sich im Unterland seltener als auch schon. In der Zivilschutzanlage der Gemeinde Weiach unter dem Schulhausplatz (Eingang beim Gemeindesaal) sind zwar immer noch ab und zu Soldaten einquartiert. Aber nicht mehr für die Dauer ganzer Wiederholungskurse, sondern meist nur noch für mehrtägige Übungen.

Die Armeeangehörigen stammen aus der halben Schweiz und kaum aus dem Unterland. Deshalb ist es etwas Besonderes, wenn das zu zwei Dritteln aus Zürchern bestehende Infanteriebataillon 70 sich diese Woche im Rahmen der Übung ADRASTEA für ein paar Tage im Unterland zeigt.

Zum Bestand des Bataillons von ca. 1200 Mann, darunter 220 Unterländer, gehören dieses Jahr auch drei Weiacher, deren Namen hier aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genannt werden.

Raumsicherung: Umstrittener Operationstyp

Die Übung ADRASTEA (nach einem der Jupitermonde benannt) wird im Raum Unterland und Weinland bis nach Diessenhofen durchgeführt. Trainiert wird die sogenannte Raumsicherung, eine Einsatzform unterhalb der Kriegsschwelle.

Das Reglement Taktische Führung der Schweizer Armee erklärt Raumsicherung wie folgt:

«Raumsicherungsoperationen erzeugen eine stabilisierende Wirkung und stellen die Sicherung des Staatsgebietes, seiner Grenzen und der strategisch wichtigen Infrastruktur primär im Falle einer asymmetrischen und nichtmilitärischen Bedrohung sicher. Sie sind als Fortsetzung der Existenzsicherung zu verstehen, wenn die Bedrohung ein so grosses Ausmass annimmt, dass das normale Funktionieren des Staates ohne militärische Gegenmassnahmen in Frage gestellt ist. Es geht um die Gewährleistung der Sicherheit der Bevölkerung, die Wahrung der Funktionsfähigkeit von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Sicherstellung der politischen Handlungsfähigkeit. Mit Blick ins Ausland gilt es zu signalisieren, dass in der Schweiz kein Machtvakuum besteht und dass unser Land willens und fähig ist, auf seinem eigenen Territorium Stabilität zu bewahren.» (Taktische Führung XXI, Ziff. 45, nach Medienmitteilung Inf Bat 70)

Dieser Operationstyp ist umstritten. Das kann man der jüngsten Ausgabe der Weltwoche entnehmen. Bundeshausredaktor Beni Gafner stellt mit Verweis auf ein VBS-internes juristisches Gutachten fest, die gesetzlichen und verfassungsmässigen Grundlagen fehlten.

Mein Kommentar: Die (rechtliche) Unsicherheit in Lagen zwischen Krieg und Frieden wird man auch mit juristisch halbwegs wasserdichten Definitionen nicht in den Griff bekommen. Da helfen nur gesunder Menschenverstand und Fingerspitzengefühl. Und zwar auf allen Seiten: beim Bürger in Uniform (Militär, Polizei, etc.) genauso wie bei dem ohne Uniform.

Quellen

  • Kdo Inf Bat 70: ADRASTEA – Manöver in heimatlichen Gefilden. Medienmitteilung. 30. Januar 2007, 02:45 Uhr
  • Schurter, D.: Die Armee probt den Ernstfall im bewohnten Gebiet. In: Tages-Anzeiger Regionalteil Zürcher Unterland, 31. Januar 2007, S. 57 Unterland.
  • Blansjaar, K.: Lebenswichtiges schützen. Unterland - Manöver noch bis morgen. In: Zürcher Unterländer, 31. Januar 2007, S. 1.
  • Blansjaar, K.: Die Angreifer kommen nachts. Eglisau - Bataillon noch bis Donnerstag im Einsatz. In: Zürcher Unterländer, 31. Januar 2007, S. 2.
  • Blansjaar, K.: Lebenswichtiges schützen. Unterland - Manöver noch bis morgen. In: Neues Bülacher Tagblatt, 31. Januar 2007, S. 1.
  • Blansjaar, K.: Die Angreifer kommen nachts. Eglisau - Bataillon noch bis Donnerstag im Einsatz. In: Neues Bülacher Tagblatt, 31. Januar 2007, S. 2.
  • Gafner, B.: Übungen im rechtsfreien Raum. In: Weltwoche Nr. 04/2007.

[Veröffentlicht am 15.2.2007]