Sonntag, 27. September 2009

Skepsis gegenüber akribischer Volkszählung

Volkszählungen lösen Ängste aus. Ob nun heute oder vor vielen hundert Jahren. Befürchtet wird seitens der zwangsweise Gezählten immer in etwa dasselbe:
  • die noch minutiösere Verzeichnung möglicher Steuersubjekte und -substrate; oder ganz allgemein
  • eine Bevormundung und Vereinnahmung durch staatliche Kontrollinstanzen jeglicher Art.

Antistes fordert jährliche Verzeichnisse

Diesen Unwillen spürten wohl auch die Pfarrer auf der Zürcher Landschaft, als sie im Mai 1628 von ihrem Antistes (Kirchenratspräsident) Johann Jakob Breitinger in der «Ordnung der Dieneren der Kilchen in der Statt u. uff der Landtschafft Zürich» aufgefordert wurden,

«alle Jahr und eines jeden besonder, in ein ordenliche Verzeichnuß [zu] bringen die Namen aller Hußvätteren, Kinden und Diensten, damit er wüsse die Zahl aller vertrauwten Seelen» (Mandate, StAZH III AA b 1, S. 503).

Da konnten die Pfarrer noch lange erklären, es gehe nur um den seelsorgerlichen Aspekt. Die immer stärker werdende Kraft des Staates war den Untertanen jedenfalls nicht entgangen. Und so verzichteten sehr viele Pfarrherren auf diese unangenehme Arbeit, zur strafferen Erfassung ihrer Schäfchen Bevölkerungsverzeichnisse, genannt «Catalogi» oder «Gmeind-Rödel» etc., aufzunehmen.

Saumselige Pfarrer gemahnt

Nach einigen Jahren griff Breitinger durch. Wie, wird in der Einleitung zum Findbuch E II 700 des Staatsarchivs des Kantons Zürich erklärt:

«Nachdem bis im Frühjahr 1634 nur ganz wenige Prädikanten dem Aufrufe gefolgt waren, sahen sich Bürgermeister und Rat erneut gezwungen - diesmal im Zusammenhang mit der Bekämpfung des "leichtfertigen Fluchens, Schwörens und Gotteslästerns" zu Stadt und Land - die saumseligen Pfarrer ernsthaft zur Ablieferung ihrer Verzeichnisse auf die Mai-Synode 1634 anzuhalten (E II 2 S. 75). Die Kataloge wurden sodann kapitelweise vereinigt, zu drei Folianten gebunden und so der Synode präsentiert (E II 2, S.105). Sie umfassen ausser den zürcherischen evangelischen Gemeinden diejenigen des Kantons Thurgau, des unteren Rheintales, der aargauischen Pfarreien Tegerfelden und Zurzach, sowie der schaffhausischen Orte Burg, Dörflingen und Stein am Rhein. In einem dreijährigen Turnus wurden sie bis 1649 jeweils neu aufgenommen. Sie brechen jedoch dann ab und setzen allgemein erst wieder um 1670/71 ein. In unregelmässiger Folge reichen sie teilweise bis tief ins 18. Jahrhundert hinein. Sie finden ihre Fortsetzung in den von den Pfarrern für ihren eigenen Gebrauch angelegten Haushaltungsrodeln (Abt.E III).»

Weiacher Bevölkerungsdaten 1634 - 1760

Dem staatlichen Datenhunger von damals verdanken wir heute den Fonds «E II 700.119 Weiach». Das ist eine Zusammenstellung aller Verzeichnisse der Weiacher Pfarrer in Form von Kopien, was den Zugang erleichtert und die Originale schont.

Erfasst sind die Jahre 1634, 1637, 1640, 1643, 1650, 1670, 1678, 1683, 1689, 1695, 1701, 1711, und nach einer langen Lücke noch 1760.

Das Verzeichnis von 1637 äussert sich speziell über Arme (S. 464), die Verzeichnisse von 1670, 1683, 1689, 1695 und 1701 führen auch die Abwesenden auf. Um die Wohnbevölkerung zu eruieren muss man also diese vom Gesamtbestand in Abzug bringen.

Verantwortlich für die Erfassung waren folgende Pfarrer:
1629-1637: Hans Jakob Bluntschli
1637-1659: Johann Rudolf Erni
1659-1693: Hans Rudolf Seeholzer
1693-1707: Hans Heinrich Brennwald
1708-1747: Hans Rudolf Wolf
1747-1753: Diethelm Meiss
1753-1769: Hartmann Escher

Für die Kulturgeschichte interessant

Die obigen Verzeichnisse sind manchmal nicht nur für Statistiker und Genealogen verwertbar: «Da die Verzeichnisse über nackte Namenlisten und Altersangaben hinaus auch auf die katechetischen Kenntnisse der einzelnen Personen eintreten, sowie die in den Familien vorhandenen Bücher bekannt geben, sind sie gleichermassen als genealogische wie als bevölkerungs- und kulturgeschichtliche Quellen geschätzt.» (Findbuch E II 700, Einleitung)

Vgl. dazu: Strehler, Hedwig: Beiträge zur Kulturgeschichte der Zürcher Landschaft. Kirche u. Schule im 17. und 18. Jahrhundert. Diss. phil.I. Zch 1934. Sowie von derselben Autorin: Kulturgeschichtliche Bilder aus der Zürcher Landschaft im 17. u. 18. Jahrhundert. In: Zürcher Taschenbuch 1935.

Quelle

Staatsarchiv Kanton Zürich (Hrsg.): Findbuch E II 700. Bevölkerungsverzeichnisse 17./18. Jahrhundert. Sonderkatalog zu den Xeroxkopien, geordnet nach Kirchgemeinden [Originale E II 210-271]

Samstag, 26. September 2009

Saurer Wein desinfizierte verseuchtes Wasser

Im Artikel des Tages-Anzeigers über die Weinbau-Ausstellung im Ortsmuseum (vgl. WeiachBlog vom 24. September 2009) wird auch die Sonderausgabe 2009 der Weiacher Geschichte(n) mit dem Titel: «Nasser Zehnten und der Schatz des Hunnenkönigs. Weinbau in Weiach – seit 700 Jahren?» erwähnt.

Daraus hat der Tagi-Autor folgendes Zitat entnommen: «Der Wein aber war gegenüber dem heute erhältlichen stark verdünnt und durch die Säure auch ziemlich sicher frei von schädlichen Krankheitserregern, wie sie im Wasser häufig zu finden waren».

Ohne Kontext kann diese Aussage leicht missverstanden werden. Dünner war der Wein vor allem deshalb, weil er vor dem Genuss mit Wasser verdünnt und gestreckt wurde.

Wein im Wasser schützt vor Krankheiten

Dazu der Beginn eines auch sonst sehr lesenwertens Artikel über den Wein und seine gesundheitlichen Vor- und Nachteile:

«Wein gehört zu den ältesten Kulturprodukten der Menschheit. Seit etwa 8000 v.Chr. werden Rebkulturen angebaut. Das älteste bekannte Zeugnis der Weinbereitung ist eine 8000 Jahre alte Wein- und Fruchtpresse, die bei Damaskus gefunden wurde. Ebenso alt ist aber auch das Wissen um die Wirkungen des Weines als Arzneimittel.

Hippokrates (460-377 v.Chr.) empfahl mit Wasser verdünnten Wein bei Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen. Plutarch (46-125 n.Chr.) schreibt: Wein ist von den Getränken das nützlichste, von den Arzneien das süßeste und von den Speisen die angenehmste.

Selbst Cäsar achtete darauf, dass seine Legionäre täglich die ihnen zugewiesene Menge Wein tranken. und konnte sie auf diese Weise selbst in verseuchten Gebieten von Darmkrankheiten, wie Cholera, Paratyphus, Typhus und Ruhr freihalten. Wein und Bier waren bis zur Neuzeit die einzigen Getränke, die kaum Krankheitserreger enthielten.
» (Frymark 1998-2003)

Das dürfte einer der Hauptgründe für den Eifer der Weiacherinnen gewesen sein, ihre Rebberge auch dann zu pflegen, wenn der Ertrag sauer, die Absatzmöglichkeiten bescheiden und die Sanktionen der Obrigkeiten wegen neu eingeschlagener Reben zuweilen happig waren (vgl. Sonderausgabe 2009, S. 11 – Link in den Quellenangaben)

Das Trinkwasser und die Art der Abwasserentsorgung war nämlich auch in Weiach nicht immer über alle Zweifel erhaben, sonst hätte es nicht regelmässig Epidemien gegeben, wie die Ruhr-Epidemie, der 1782 innert neun Wochen 35 Personen zum Opfer fielen (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 119 – Link in den Quellenangaben).

Auf der Landschaft DAS Getränk

Man kann sich also vorstellen, in welche Verlegenheit die Weiacher kamen, als es ihnen 1854 die Rebberge verhagelte:

«Den 23. Augsten ward die Gemeinde von einem starken Hagelwetter heimgesucht, das jedoch, da die Ernte glücklich eingebracht, nur an Bäumen und im Rebgelände Schaden verursachte, so dass wohl selten noch eine Zeit erlebt worden, in welcher ein so allgemeiner Mangel an Getränk vorherrschte.» (Quelle: Kirchturmdokument von 1855, vgl. Brandenberger 2009)

Quellen
  • Baer, Th.: 700 Jahre Weinbau in Weiach: Vom sauren Tropfen zum Qualitätserzeugnis. In: Tages-Anzeiger, 22. September 2009 – S. 55 Unterland.
  • Frymark, D.: Wein und Gesundheit. Website Wissenswertes über den deutschen Wein, 1998-2003. URL: http://www.kochen-wein.de/wein/gesund.htm
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollinger, Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach, 2003 - S. 28.
  • Brandenberger, U.: Nasser Zehnten und der Schatz des Hunnenkönigs. Weinbau in Weiach – seit 700 Jahren? Weiacher Geschichte(n) Sonderausgabe 2009. Ausstellung im Ortsmuseum. 32 S. Links: Sonderausgabe 2009 (eSnips)Sonderausgabe 2009 (Scribd)Sonderausgabe 2009 (Weber).
  • Brandenberger, U.: Wenn die Rote Ruhr zuschlägt. Massensterben wie 1782 rafften in Weiach Dutzende hinweg. Weiacher Geschichte(n) 119. Erscheint in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Oktober 2009; Vorabdruck vgl.: Nr. 119 (eSnips)Nr. 119 (Scribd) - Nr. 119 (Weber)

Freitag, 25. September 2009

Weinbau-Ausstellung im Ortsmuseum. Letzter Tag.

Am nächsten Sonntag hat das Ortsmuseum Weiach den zweiten seiner beiden offiziellen Öffnungstage - traditionsgemäss am Bettag und dem darauffolgenden Sonntag.

Die aktuelle Ausstellung über den Weiacher Weinbau ist nur noch am 27. September von 11-17 Uhr ohne spezielles Arrangement zu sehen. Wer diesen Termin verpasst muss beim Präsidenten der Ortsmuseumskommission, Daniel Bryner, eine Privatführung beantragen.

Die regionalen Medien haben bereits über den ersten Öffnungstag berichtet. Die Zürcher Landzeitung mit einem Kurzbeitrag, der Tages-Anzeiger Unterland mit einem längeren Artikel.

«Weiach - Weinbau-Studien am kommenden Sonntag

Das Ortsmuseum Weiach stellt derzeit Platz für eine besondere Ausstellung zur Verfügung. Noch am kommenden Sonntag, 27. September, können sich interessierte Besucher über den Weinbau in Weiach informieren. Neben der Auseinandersetzung mit Exponaten wie alten Dokumentationen zur Geschichte und zum Handwerk lassen sich auch örtliche Weinspezialitäten degustieren. Organisiert wird die Ausstellung von der Weiacher Ortsmuseumskommission. Am 27. September stehen die Türen von 11 bis 17 Uhr offen. (ZU/NBT)
»

Der von Freelancer Thomas Baer verfasste Tagi-Artikel bringt mit dem Titel
«700 Jahre Weinbau in Weiach: Vom sauren Tropfen zum Qualitätserzeugnis» die Entwicklungsrichtung auf den Punkt. Von der Quantität zur Qualität.

Noch 1880 gab es Dutzende Rebbergbesitzer im Dorf - die meisten produzierten für den Eigenbedarf. Heute kann man sie fast an einer Hand abzählen. Die beiden gewerbsmässigen Winzer, Matthias Angst und Hansruedi Meierhofer, achten darauf, dass ihr Tropfen den Käufern gut mundet. Kein Wunder: Sauren Wein kauft heute keiner mehr.

Quellen

Donnerstag, 24. September 2009

Kulturgeschichtliche Wanderung durch Weiach

Am Samstag, 26. September 2009 findet die zweite Auflage der Kulturhistorischen Exkursion «Von Bachs nach Rheinsfelden» statt. Sie ist Teil einer ganzen Reihe von solchen Exkursionen auf Kantonsgebiet und wird von der Kantonalen Denkmalpflege Zürich durchgeführt.

In der Ausschreibung auf der Website der KDZ wird die Exkursion wie folgt beschrieben:

«Vom Bauerndorf Bachs mit seinen prächtigen Riegelhäusern führt die Wanderung zur mittelalterlichen Höhlenburg Erdmannliloch und über Weiach an den Rhein. Mühlen und Sägereien an diesem Weg nutzten einst die Wasserkraft, das Kraftwerk Rheinsfelden, ein Höhepunkt der Industriekultur, ist noch heute in Betrieb. Die Grenzlage liess in der Römerzeit und im 20. Jahrhundert zahlreiche Wehrbauten entstehen.

Datum: 26. September 2009.
Treffpunkt: Bushaltestelle Bachs Post, 9.00 Uhr.
Ende der Exkursion: Bahnstation Zweidlen ca. 17 Uhr.
Dauer der Exkursion: 8 Std., davon 4 Std. Wanderzeit.
Anfahrt: S5 von Zürich HB nach Dielsdorf, Bus 535 bis Bachs Post.
Rückfahrt: S41 bis Eglisau, S5 bis Zürich HB.
Verpflegung: Aus dem Rucksack.
Charakter: Wanderung meist auf bequemen Wanderwegen. Beim Erdmannliloch sehr steiler Aufstieg, Trittsicherheit erforderlich.
Besichtigungen: Erdmannliloch, Kirche Weiach, Kraftwerk Rheinsfelden.
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk, Regenschutz, evtl. Wanderstöcke.
Anzahl: maximal 30 Personen.
»

Am 26. September nimmt auch der Autor der «Weiacher Geschichte(n)» an Teilen der Exkursion teil und gibt auf Wunsch zu Weiacher Themen Auskunft.

Anmelden kann man sich Online (Anmeldung Bachs-Rheinsfelden) oder per Telefon 043 343 45 00.

Die Exkursion kann aufgrund des Kartenausschnitts und der erläuternden Angaben im Faltprospekt auch eigenständig unternommen werden.


Weiach-bezogene Auszüge aus dem Prospekt

Wüstung Ruwenhusen (5). Im Tal südlich von Weiach stand die hochmittelalterliche Ausbausiedlung Ruwenhusen. Die sumpfigen Wiesen im Mas und der trockenere Boden in der Waldlichtung bei der Feuerstelle Müliboden wurden wohl einst von diesem Hof bewirtschaftet. Weiteres nutzbares Land gab es an den steilen Hängen nicht, weshalb der Betrieb nicht lange überlebte.

Kirche Weiach (6). Die reformierte Kirche Weiach wurde 1706 von Hans Caspar Werdmüller als Wehrkirche erbaut. Er konzipierte sie zusammen mit der Pfarrscheune, dem Pfarrhaus und der Friedhofsmauer als militärischen Stützpunkt gegen die katholische Grafschaft. Im 2. Villmergerkrieg bezog zürcherische Artillerie den befestigten Kirchhof, zu Kriegshandlungen kam es aber nicht.

Urgeschichtliche Funde aus Weiach. Spektakuläre Funde aus den Weiacher Kiesschichten lassen sehr weit in die Geschichte zurückblicken. Die Tierwelt der Altsteinzeit ist mit einem Rentiergeweih-Fragment und dem Teil eines Mammutstosszahns vertreten. Ein Steinbeil aus der Jungsteinzeit fand man südlich des Hardwalds. In diesem Wald konnten 1866 drei Grabhügel einer bronzezeitlichen Nekropole untersucht werden, wobei man auf bronzene Armringe, Nadeln und eine Dolchklinge stiess. Unweit davon brachte 2001 eine Rettungsgrabung im Kiesgrubenareal Keramikscherben, Steinkonzentrationen, Holzkohlestückchen und weitere Reste einer bronzezeitlichen Siedlung ans Tageslicht.

Befestigungen am Rhein. Germanische Vorstösse im 3. Jahrhundert n.Chr. lösten den Bau einer Reihe von römischen Befestigungen am Rhein aus. Gut erkennbar sind die Grundmauern eines nahezu quadratischen Wachturms (7) direkt am Rheinufer im Hardwald. Nur wenige hundert Meter flussaufwärts stand auf der Höhe des Kraftwerks Rheinsfelden ein weiterer solcher Turm. Bei archäologischen Untersuchungen fand man 1922 Keramikscherben, darunter Terra Sigillata, sowie 2,5 m dicke Mauerfundamente. Nicht nur zur Römerzeit, sondern auch während des Zweiten Weltkriegs war der Rhein eine befestigte Grenze. Mehrere Bunker der Sperrstelle Zweidlen-Lätten liegen direkt an der Wanderroute.

Donnerstag, 6. August 2009

Underthänig gehorsammer Diener

Mit dieser Schlussformel hat man als Pfarrer seinen Arbeitgeber (die hohe Obrigkeit zu Zürich) vor 300 Jahren brieflich seiner Loyalität versichert.

Jedenfalls setzte der Weiacher Pfarrer Hans Heinrich Brennwald im Jahre 1702 genau diese Formel an den Schluss eines Schreibens:

Das Aktenstück findet man in einem Konvolut von Papieren der ehemaligen Obervogtei Neuamt, welche heute im Staatsarchiv des Kantons Zürich (auf dem Gelände der Universität Zürich-Irchel) aufbewahrt werden.

Quelle

  • Akten der Obervogtei Neuamt 1661-1797 (StAZH A 135.4 Nr. 86)

Weitere WeiachBlog-Artikel in denen dieser Pfarrer vorkommt:

Mittwoch, 5. August 2009

Kantonsrätin Steinemann: Rede zum 1. August in Weiach

Mit der Rede von Regierungsrat Markus Kägi zum 1. August 2007 hat WeiachBlog zum ersten Mal die traditionelle Festansprache zum Bundesfeiertag im Wortlaut veröffentlicht.

Auch die Rede von EVP-Bezirkspräsident Daniel Elsener zum 1. August 2008 fand letztes Jahr ihren Weg auf die Seiten dieses Blogs.

So war es nur folgerichtig, auch die diesjährige Festrednerin, Kantonsrätin Barbara Steinemann aus Watt bei Regensdorf, um die Abdruckrechte zu bitten.

Frau Steinemann hat mir heute den Text ihrer Rede zugeschickt. Ich danke ihr für die Erlaubnis, ihn auf WeiachBlog zu publizieren!

Rede von Frau Kantonsrätin Steinemann

«Liebe Weiacherinnen, liebe Weiacher

Lassen Sie mich zuerst ganz herzlich Ihnen für die Einladung danken. Das ist mir natürlich eine besondere Ehre, heute Abend in einem so schönen, schön gepflegten Dorf zum Nationalfeiertag reden zu dürfen. Wenn wir heute am Geburtstag der Schweiz zusammenkommen, tun wir das ohne Sorge und in Dankbarkeit gegenüber der Heimat. Viele Länder haben andere Zeiten erlebt, aber unser Gebiet ist seit über 150 Jahren von militärischen Konflikten verschont geblieben. Andere Staaten können unberechenbar sein, die Schweiz ist es nicht, auf unsere Staatsidee ist Verlass.

Ein Blick zurück in die Vergangenheit und die Geschichtsbücher lehrt uns, dass die Schweiz im Zeitpunkt von ihrer Gründung ein rückständiges, überaus armes Land gewesen ist.

Wir haben weder Goldadern noch Oelquellen. Wir haben keinen Anstoss ans Meer und sind nicht von einem besonderen Klima begünstigt. Trotzdem haben wir es vom Armenhaus von Europa zum wahrscheinlich wohlhabensten und auch fortschrittlichsten Land der Welt geschafft. Es waren die bekannten Tugenden unserer Bevölkerung, die die Schweiz zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Wir können mit Recht stolz darauf sein, dass wir es in unserem Land zu etwas gebracht haben.

Aber da ist ja auch noch der ganze Prozess der Globalisierung, dieses Modewort, das seit Jahren die Gemüter erhitzt. Dass damit Vorteile für uns verbunden sind, streitet niemand ab, beispielsweise profitiert der Konsument von billigen Importen, aber die Nachteile sind nicht zu übersehen. So verunsichert viele von uns der Gedanke an eine völlige Liberalisierung der Agrarwirtschaft. Es darf nicht sein, dass ganze Berufsstände, die auch noch ein öffentliches Interesse darstellen, einer Wirtschaftsreform geopfert werden.

Niemand kennt die Auswirkungen der Globalisierung. Und niemand kann uns garantieren, dass diese rücksichtslose Öffnung der Märkte uns schlussendlich nicht um unseren, einst hart verdienten Wohlstand bringt.

Wichtige Entscheide werden zunehmend in der Anonymität und im Ausland gefällt, Gewinnmaximierung ist das oberste Gebot und sogenannte moderne Manager und ihre Berater schliessen ohne Gewissensbisse Betriebe, fusionieren, entlassen Personal oder verlagern Produktion und Arbeitsplätze einfach ins Ausland. Für Fehlentscheide wird niemand mehr zur Rechenschaft gezogen. Das sind meines Erachtens keine schweizerischen Tugenden und Werte und sind unserer Gesellschaft unwürdig.

Aber sehen wir es positiv und loben unser Geburtstagskind: Es käme ja niemanden in den Sinn, bei der Tischrede an einer Geburtsfeier mit dem Glas in der Hand dem Jubilar vor seinen Gästen vor allem seine negativen Seiten auszubreiten und ihm eine düstere Zukunft zu prophezeien.

Natürlich sind wir in der Schweiz nicht besser als unsere Nachbarn und der Rest der Welt. Wir sind bestenfalls anders: Wenn wir die gesamte staatliche und private Präsenz aufrechnen, stehen wir proportional gesehen in der Welt nicht schlecht da. Im Gegenteil: Auswanderung, Einwanderung, Welthandel, gute Dienste im diplomatischen Bereich und humanitäre Tätigkeit haben uns ein fast weltumspannendes Beziehungsnetz eingebracht. Eine solche Weltoffenheit sucht ihresgleichen.

Weltoffenheit und Solidarität im Denken und Handeln sind schon immer Teil der eidgenössischen Gesinnung gewesen, lange bevor andere daraus einen politischen Werbeslogan gemacht haben.

Die Schweiz zeigt, wie man Europa auch anders gestalten könnte: föderalistisch, bürgernah, wichtige Entscheide fallen an der Urne und nicht auf dem Pult von anonymen, realitätsfremden Bürokraten. Die Unabhängigkeit der Schweiz hält für viele Europäer die Hoffnung wach, dass auch eine direktdemokratische Staatsform möglich ist. Nirgends haben die Bürger so viel zu sagen wie in der Schweiz. Nicht irgend eine ferne Machtzentrale mit einem riesigen Beamtenapparat wird unsere Aufgaben erledigen, sondern nur wir allein, das Tun und Handeln jedes Einzelnen werden uns und die Schweiz weiter vorwärts bringen. Auch das ist ein Vorteil für die Schweiz: Wir haben wahrscheinlich den höchsten Grad an Freiheit. Keine Idee ist so elektrisierend wie die Idee der Freiheit. Wer einmal entdeckt hat, dass andere über Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte verfügen, der ist in seinem Bestreben nach selben nicht mehr zu bremsen.

Zwar haben wir etliche gut sichtbare Vertreter der Schweiz. Zuerst wird uns wohl die Landesregierung mit der Aussenministerin einfallen, die in unserem Namen um die ganze Welt jettet; Berufssportler sind unter unserer Flagge tätig; vielleicht auch noch so genannte Künstler, die, mit öffentlichen Mitteln versehen, irgendwo auf der Welt ihre persönliche Meinung über die Schweiz verkünden.

Aber unseren Wohlstand verdanken wir überwiegend all jenen, welche diese Freiheit genutzt haben: Für Innovation, Initiative, Unternehmergeist, und die Fleiss, Ausdauer und Sachkenntnis eingesetzt haben. Wertschöpfung, auch über den rein wirtschaftlichen Aspekt hinaus, schaffen nämlich alle, welche in irgendeiner Form eine Leistung erbringen. Mit ein paar Beispielen untermauert bedeutet das, dass alle Bauern bei ihrer Erwerbsarbeit gleich auch noch unsere Landschaft pflegen und damit nicht nur uns, sondern auch dem Tourismus eine wertvolle natürliche Grundlage bieten. Viele soziale Leistungen werden ohne irgendeine Einmischung von Behörden und unentgeltlich im Rahmen des Familiengefüges erbracht. Einen Dank könnte man auch all jenen aussprechen, die einen Lehrling ausbilden, nicht weil es all jene fordern, die selber nichts in diesem Bereich machen, sondern weil sie an die nachfolgenden Generationen glauben und wollen, dass ihr Gewerbe auch in Zukunft Bestand hat.

Wir wollen hier den Einsatz von Sportlern, Politikern und all den anderen Schweizern auf dem medienwirksamen Parkett gar nicht geringschätzen, aber ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und öffentliches Lob für die unbekannten Leute und generell die breite Masse, die etwas leistet und welche wahrscheinlich wirklich die Schweiz ausmachen, dürfte es schon sein. Artikel und Sendungen, die sich mit der Verantwortung des Einzelnen und den Leistungsträgern beschäftigen, zeigen nämlich wenig Resonanz. Darum kommt der Mittelstand und sowieso die breite Masse weder in der Tagesschau noch in den grossen Printmedien vor.

An Fragen und Aufgaben fehlt es nicht. Aber unser Land ist stark und unsere Bevölkerung ist schon immer offen gewesen für jede Art von Problemlösung.

Für uns Schweizer heisst es, 718 Jahre nach Gründung der Eidgenossenschaft und 161 Jahre nach der Errichtung des Bundesstaats Schweiz, wachsam zu bleiben bei aller Offenheit gegenüber Neuem, wachsam zu bleiben gegenüber unerwünschten Einflüssen von aussen, aber auch gegenüber gefährlichen Entwicklungen im Inneren.

Liebe Weiacherinnen, liebe Weiacher

ich möchte es nicht unterlassen, Ihnen nochmals für die Einladung zu danken. Letztenendes sind es Ortschaften wie Weiach, die das Bild, die Identität, den Lebensraum und die Gemeinschaft pflegen und damit die Schweiz prägen.

Die Schweiz wird auch in Zukunft nicht zuerst von staatlichem Handeln abhängen, entscheidend ist das Engagement der Menschen, die hier leben oder leben wollen. Sie müssen bereit sein, Verantwortung zu tragen. Wenn heute nicht mehr Verantwortung übernommen wird, ermöglicht das dem Staat, seine Bürger wie Schachfiguren zu behandeln. Wer nicht mitregiert, der wird regiert. Wer nicht mitverwaltet, der wird verwaltet. Wer nicht mitbestimmt, über den wird bestimmt. Eine gesunde Lebensgemeinschaft, so wie wir sie hier in Weiach vorfinden, lebt davon, dass alle Mitglieder gleichzeitig Gebende und Nehmende sind.

Ich danke Ihnen.
»

Hinweis: Wie üblich wurde diese Rede in Schweizerdeutsch gehalten. In der ursprünglichen Vorlage waren deshalb die Wörter so angeordnet, dass sie bei der Umsetzung in gesprochenen Text in der Grammatik der Mundart leicht ablesbar waren. Diese in der Standardsprache als stilistische Fehler geltenden Helvetismen wurden durch B. Steinemann korrigiert.

Dienstag, 4. August 2009

Süsse Mitbringsel Marke Weyach

Die Caffè-Bar Lounge Chamäleon bringt neue Produkte auf den lokalen Markt: Weycherli und Weycher Chiis.

Im Gegensatz zu den unverdaubaren Kiessorten aus dem Weiacher Hard ist letztere essbar und fällt in die Kategorie der süssen Versuchungen.

Die Etiketten stammen aus der Werkstatt von Hans Rutschmann, unverkennbar am Zeichenstil und dem charakteristischen Schriftbild:

«Weycherli mit dem stilisierten Weiacher Wappen, gibt es in den Sorten Grand Cru und Milchschokolade. Beide sind mit feinster Gianduja und Nougat gefüllt. [...] Preis pro Stk. CHF 5.90»

«Weycher Chiis besteht aus Mandeln, Nougat und Zucker. Erhältlich in den Grössen 70 Gramm zu CHF 6.50 und 200 Gramm zu CHF 8.90.»

Quelle
  • Werbeseiten Vereinigung Gewerbe Weiach. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, August 2008, S. 43

Dienstag, 28. Juli 2009

Weiacher Geschichte(n) - Direktlinks zu allen Artikeln

Seit 2002 waren alle bisher publizierten Weiacher Geschichte(n) auf http://de.geocities.com/weiachergeschichten abrufbar.

Leider hat sich die Firma Yahoo, die den Dienst Geocities besitzt, entschieden, ihn per 26. Oktober 2009 ersatzlos zu liquidieren.

Yahoo schmeisst uns raus!

Schon bisher war man als sogenannter Homesteader auf Geocities knapp geduldet. 15 MB Platz und Download-Limiten für die Besucher von wenigen Megabyte kann man beim besten Willen nicht als benutzerfreundlich bezeichnen.

Dazu passt, dass Yahoo jetzt den hinausgeschmissenen Homesteadern nicht einmal eine Homepage-Umleitung zur Verfügung stellt. Eine programmiertechnisch nicht allzu schwierige Angelegenheit. Aber eben...

Alles auf Scribd und eSnips verfügbar

Ich habe mich daher entschieden, bis Mitte Oktober alle noch nicht auf den Plattformen Scribd und eSnips verfügbaren Inhalte dorthin zu transferieren.

Scribd ist auf Dokumente spezialisiert und verwendet wie eSnips das iPaper-Format um eine Vorschau zu ermöglichen. Wer will kann dann das File als pdf-Datei downloaden.

Nachtrag ... und auf der neuen Website der Weiacher Geschichte(n)

Anfang Dezember 2009 konnten alle wesentlichen Inhalte der alten Geocities-Website auf eine neue Plattform transferiert werden, die vom evangelisch-reformierten Pfarramt Weiach (Pfr. Weber) zur Verfügung gestellt wird.

Entsprechend wird nun auch die Linkliste mit einem zusätzlichen Eintrag Nr. xy (Pfarramt) ergänzt. Diese Downloads haben weder eine Tageslimite noch wird eine Registrierung verlangt. (WG(n) - 15. Februar 2012)

Seit dem 25. Juli 2014 sind alle Inhalte unter dem eigenen Domain-Namen weiachergeschichten.ch abrufbar. Die Links mit dem Vermerk Pfarramt werden auf Nr. xy (Weber) umbenannt. (WG(n) - 14. September 2014)

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Vollständige Liste der Weiacher Geschichte(n)

Updated: 15. November 2009, 15. Februar 2012, 14. September 2014, 31. Juli 2021

Die Links zu sämtlichen Artikeln von 1992 bis 2009 sind unten angegeben:

Nr. 0: 10 Jahre MGW [Mitteilungen für die Gemeinde Weiach] – Nr. 0 (Weber)

Nr. 1: 1499–1799–1999: Weiach in Kriegsjahren – Nr. 1 (Weber)

Nr. 2: Wîach Wijach Wygach Wyach Weyach Weych Weiach. ei oder ey ? – Wie es zur Schreibweise «Weiach» kam – Nr. 2 (Weber)

Nr. 3: Tödlicher Streit im Pfarrhaus. Pfarrer ersticht Ehefrau – Täter flüchtig – Nr. 3 (Weber)

Nr. 4: Der Kirchhof zu Weyach: ein wehrhaftes Ensemble… – Nr. 4 (Weber)

Nr. 5: Weyach im 18. Jahrhundert – alte Lexika erzählen (Teil 1) – Nr. 5 (Weber)

Nr. 6: Weyach im 18. Jahrhundert – alte Lexika erzählen (Teil 2) – Nr. 6 (Weber)

Nr. 7: Stimmungen und Abstimmungen – Nr. 7 (Weber)

Nr. 8: 1000 Einwohner – Weiach durchbricht eine «Schallmauer» – Nr. 8 (Weber)

Nr. 9: Mit Mörsern gegen die Pest. Das «Erlufftungshaus» von 1720/21 (Teil 1) – Nr. 9 (Weber)

Nr. 10: Europäisches Handelshemmnis und lokale Einnahmequelle. Das «Erlufftungshaus» von 1720/21 (Teil 2) – Nr. 10 (Weber)

Nr. 11: Ehefrau davongelaufen – eine Klage vor Distriktgericht (Teil 1) – Nr. 11 (Weber)

Nr. 12: Ehefrau davongelaufen – eine Klage vor Distriktgericht (Teil 2) – Nr. 12 (Weber)

Nr. 13: Volkszählung – Frage des Vertrauens und Grundlage der Zukunft – Nr. 13 (Weber)

Nr. 14: Erdbeben – früher gefürchtet, heute unterschätzt – Nr. 14 (Weber)

Nr. 15: Weyach im 18. Jahrhundert – alte Lexika erzählen (Teil 3). Wie der Obervogt zu Kaiserstuhl die Welt sah… – Nr. 15 (Weber)

Nr. 16: Rastloser Kämpfer für die reformierte Sache. Tobias Egli, Pfarrer zu Weyach, 1558 – Nr. 16 (Weber)

Nr. 17: «Das Welschkorn hat einen Preis von 20 bis 25 Cent pro Buschel». Jakob Griesser schreibt aus dem fernen Amerika, April 1876 – Nr. 17 (Weber)

Nr. 18: Wie an und für sich normale Frauen zu Hexen wurden. Hexenverfolgungen (Teil 1) – Nr. 18 (Weber)

Nr. 19: WWW schon 1857 geplant! Warum Weiach im ersten Anlauf doch nicht zu einem Bahnanschluss kam – Nr. 19 (Weber)

Nr. 20: «Wann die Eröffnung indeß stattfindet, ist Gott bekannt». 125 Jahre Eisenbahnlinie Winterthur–Koblenz – Nr. 20 (Weber)

Nr. 21: New Public Eisenbahn Management. Die Station Weiach–Kaiserstuhl wird 125 Jahre alt – Nr. 21 (Weber)

Nr. 22: Das Geständnis der Elsa Keller, genannt Schlotter Elsi. Hexenverfolgungen (Teil 2) – Nr. 22 (Weber)

Nr. 23: «Nit glaßluter, sonnder gar ful» – ist das eine Hexe? Hexenverfolgungen (Teil 3) – Nr. 23 (Weber)

Nr. 24: Aus der Staatskasse bezahlt... Weyacher in den Rechnungen der «gmeinen Büchse» des Neuamts – Nr. 24 (Weber)

Nr. 25: Bussgelder, Wegzugssteuern und andere Ärgernisse (Teil 1). Wofür einige Weyacher ihr sauer verdientes Geld ausgeben mussten – Nr. 25 (Weber)

Nr. 26: Bussgelder (Teil 2). Teure Flüche, Schlägereien und Wirtshausbesuche. – Nr. 26 (Weber)

Nr. 27: Ein Trunkenbold auf Bewährung. Weisung der Zürcher Regierung an ihren Untervogt in Wyach – Nr. 27 (Weber)

Nr. 28: «Frömbd ußlendisch reisen». Reisläuferei zur Zeit des Ancien Régime (Reislaufen – Teil 1) – Nr. 28 (Weber)

Nr. 29: «Ales half dazu daß ich fremde Dienste nahm». Der lange Weg zum Totalverbot (Reislaufen – Teil 2) – Nr. 29 (Weber)

Nr. 30: «Erstlichen so lasst man die gemeinen brünnen abgan». 125 Jahre Haus– und Löschwasserversorgung Weiach (1877–2002) Teil 1 – Nr. 30 (Weber)

Nr. 31: Ein Sodbrunnen stösst sauer auf. 125 Jahre Haus- und Löschwasserversorgung Weiach (1877–2002) Teil 2 – Nr. 31 (Weber)

Nr. 32: «Mangel an genügendem Brunnenwasser verspürt». 125 Jahre Haus- und Löschwasserversorgung Weiach (1877–2002) Teil 3 – Nr. 32 (Weber)

Nr. 33: «... im Bezirk Dielsdorf die vollkommenste Anlage». 125 Jahre Haus- und Löschwasserversorgung Weiach (1877–2002) Teil 4 – Nr. 33 (Weber)

Nr. 34: Versilberungsganten. Teil 1. Was die Weiacher in der Wirtschaftskrise alles verpfänden mussten – Nr. 34 (Weber)

Nr. 35: Versilberungsganten. Teil 2. Wirtschaftskrise 1877/80: Ganze Haushaltungen unter dem Hammer – Nr. 35 (Weber)

Nr. 36: «Abnorm viele Rechtstriebe». Strenge Aufsicht des Obergerichts über den Gemeindammann – Nr. 36 (Weber)

Nr. 37: Assekuranznummern vs. Polizeinummern. Hausnummern-Konkordanz für das Gemeindegebiet fertiggestellt – Nr. 37 (Weber)

Nr. 38: Wiach seit 1200 kontinuierlich besiedelt. Scherbenfund im Ortsmuseum neu betrachtet – Nr. 38 (Weber)

Nr. 39: «Unsere Kleedreschmaschine ist weitherum die einzige». Wetter und Landwirtschaft in der Jahreschronik 1953 – Nr. 39 (Weber)

Nr. 40: CH-5468 Weyach / AG. Fünfhundertneunundsiebzig Jahre Zürich sind genug. Satirische Streitschrift – Nr. 40 (Weber)

Nr. 41: Amerikanische «Luftgangster»? 9. September 1944: US-Luftwaffe beschiesst Güterzüge bei Rafz und Weiach – Nr. 41 (Weber)

Nr. 42: Über Кайзерштуль nach Вейах? Sowjetisch-Weiach. Unsere Heimat auf russischen Generalstabskarten – Nr. 42 (Weber)

Nr. 43: Der erste Gemeindepräsident. Was die von Napoleon diktierte Mediationsakte in Bewegung brachte – Nr. 43 (Weber)

Nr. 44: «Di hütigi Jugend...!». Von der «Jugendordnung 1960» zur «Just Community»? – Nr. 44 (Weber)

Nr. 45: Getrübte Badefreuden. Warum Weiach seit Jahren kein eigenes Schwimmbad mehr hat – Nr. 45 (Weber)

Nr. 46: Ende 1883: die Käsereigenossenschaft Weiach wird gegründet. «Käserei in getrübter Vehfreude», Teil 1 [Orig. Titel/Utitel vertauscht] – Nr. 46 (Weber)

Nr. 47: Die Käsereigenossenschaft in Turbulenzen, 1904. «Käserei in getrübter Vehfreude», Teil 2 – Nr. 47 (Weber)

Nr. 48: Spätmittelalterliche Blutrache, obrigkeitlich kanalisiert. Wiacher ersticht Wiacher. In Abwesenheit als Mörder zum Tode verurteilt – Nr. 48 (Weber)

Nr. 49: Von Adventsfenstern und Samichläusen. Weihnachtsbräuche im Wandel der Zeiten – Nr. 49 (Weber)

Nr. 50: «Helse» an Neujahr, Fäschte am Bächtelistag. Bräuche zum Jahresanfang gestern und heute – Nr. 50 (Weber)

Nr. 51: Von der Ebene in die geschützte Nische. Frühe Siedlungsentwicklung bis zum 12. Jahrhundert (Siedlungsgeschichte 1) – Nr. 51 (Weber)

Nr. 52: Im Hochmittelalter gab es zwei Wiach. Was die Chälen vom Dorf trennte (Siedlungsgeschichte 2) – Nr. 52 (Weber)

Nr. 53: Die Wüstung Ruiwenhusen. Abgebrochener Siedlungsversuch im Maas (Siedlungsgeschichte 3) – Nr. 53 (Weber)

Nr. 54: Zelgensysteme widerspiegeln Dorfentwicklung. Wie sich die Teilung des Fronhofes auswirkte (Siedlungsgeschichte 4) – Nr. 54 (Weber)

Nr. 55: «Saufgelage!» - Statthalter verklagt Gemeinderatsschreiber. Öffentliche Schlammschlacht anlässlich der Wahlen 1866 – Nr. 55 (Weber)

Nr. 56: «Blinder Lärmen». Wie die Weiacherinnen 1703 gegen die Franzosen kämpfen wollten – Nr. 56 (Weber)

Nr. 57: Ziegel, Kohle, Geschirr, Seide und Wagenräder. Fünf Blicke auf ehemals blühende Handwerkszweige – Nr. 57 (Weber)

Nr. 58: Lotterie-Fieber vor 500 Jahren. Weiacher im Glückshafenrodel des Freischiessens zu Zürich von 1504 – Nr. 58 (Weber)

Nr. 59: Gemeinnützigkeit auf die Fahne geschrieben. 75 Jahre Frauenverein Weiach, 1929-2004 – Nr. 59 (Weber)

Nr. 60: «Übt Aug und Hand für’s Vaterland !». Die ersten Jahre der Schützengesellschaft Weiach, 1904-1913 – Nr. 60 (Weber)

Nr. 61: Die Stürme der Zeit überstanden. 100 Jahre Schützengesellschaft Weiach – die Jahre 1914 bis heute – Nr. 61 (Weber)

Nr. 62: HB-IPS «Weiach». Abgesang auf eine Swissair-Maschine, 1997-2002 – Nr. 62 (Weber)

Nr. 63: Geboren 1728. Wie alt ist das «Lieberthaus»? – Zur Baugeschichte des Ortsmuseums – Nr. 63 (Weber). Titel und Inhalt durch Dendrochronologie falsifiziert. Aktualisierte, weitgehend überarbeitete Version: Die Baumringe legen Zeugnis ab. Wie alt ist das «Lieberthaus»? – Zur Baugeschichte des Ortsmuseums. (Stand: April 2019) 

Nr. 64: Gemeindrath hintertreibt Heirat. Johannes Meier (25) klagt vor dem Bezirksgericht Regensberg – Nr. 64 (Weber)

Nr. 65: Albert Meierhofer-Erinnerungsschiessen. Wie das Weiacher Schützenfest zu seinem Namen kam – Nr. 65 (Weber)

Nr. 66: Maggi - c'est magique? Der Frauenverein Weiach zu Besuch in Kemptthal, 1912 – Nr. 66 (Weber)

Nr. 67: Zwei Pfund mehr für den Hausbau «wenn es uns gefallt». Subventionen des Klosters Oetenbach für einen Weiacher Bauern, 1505 – Nr. 67 (Weber)

Nr. 68: Zeitgeschmack und Holzwurmsorgen. Vor 75 Jahren wurde die erste grosse Weiacher Orgel festlich eingeweiht – Nr. 68 (Weber)

Nr. 69: Ein Spital als Finanzinstitut. Der Kaiserstuhler Liebfrauenspital – eine regionale Darlehensbank, 1545 – Nr. 69 (Weber)

Nr. 70: 750 Jahre Nachbarschaft. Aus der gemeinsamen Geschichte von Kaiserstuhl und Weiach, 1255-2005 – Nr. 70 (Weber)

Nr. 71: «Keine verspielte, teure und nutzlose Selbstdarstellung». Zur Erstaufschaltung der Website der Gemeinde Weiach am 15. September 2005 – Nr. 71 (Weber)

Nr. 72: Albert Erb-Saller (*4.11.1905 †16.12.2001). Erinnerung an einen der letzten Vertreter des Wagner-Handwerks. [GAusg: "Meister"] – Nr. 72 (Weber)

Nr. 73: Strohdachhaus abgebrannt – 12 Obdachlose in 5 Minuten. Einblick in ein amtliches Schadenverzeichnis vom 18. November 1805 – Nr. 73 (Weber)

Nr. 74: «... ein ganz drochner Winter ohne Schnee». Vor genau 300 Jahren, im Winter 1705/06, wurde unsere Kirche gebaut – Nr. 74 (Weber)

Nr. 75: Die virtuelle Chronikstube. Im «WeiachBlog» werden aktuelle Ereignisse und Vergangenes verwoben – Nr. 75 (Weber)

Nr. 76: Die Helvetier-Hypothese. Wie alt sind die Wallanlagen im Ebnet und auf dem Wörndel? (Teil 1) – Nr. 76 (Weber)

Nr. 77: «Unbekannte Zeitstellung». Wie alt sind die Wallanlagen im Ebnet und auf dem Wörndel? (Teil 2) – Nr. 77 (Weber)

Nr. 78: Keineswegs steinreich. Ein Porträt der Gemeinde Weiach in der «Zürcher Woche», 1960 – Nr. 78 (Weber)

Nr. 79: «Wegen Dünkle ab dem gerüst müessen». Während des Kirchenbaus: die totale Sonnenfinsternis vom 12. Mai 1706 – Nr. 79 (Weber)

Nr. 80: «Der Kirchturm wackelt, wenn mit allen Glocken geläutet wird». Zur Baugeschichte der Kirche Weiach, 1706-2006 – Nr. 80 (Weber)

Nr. 81: Schlichte Sachlichkeit mit barocken Farbtupfern. Kunsthistorische Betrachtungen zur Kirche Weiach, 1706-2006 (Teil 1) – Nr. 81 (Weber)

Nr. 82: Klare Absage an schummrige Mystik. Kunsthistorische Betrachtungen zur Kirche Weiach, 1706-2006 (Teil 2) – Nr. 82 (Weber)

Nr. 83: Ganz oben ist Psalm 127 deponiert. Zum Inhalt der vergoldeten Kirchturmkugel – Nr. 83 (Weber)

Nr. 84: Dorfzeichen, Wappen und Logo. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam (Teil 1) – Nr. 84 (Weber)

Nr. 85: 75 Jahre offiziell anerkanntes Wappen. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam (Teil 2) – Nr. 85 (Weber)

Nr. 86: Die Meierhofer kamen nach den Meiern. Thesen zur Entstehung der Namen altverbürgerter Weiacher Geschlechter – Nr. 86 (Weber)

Nr. 87: Für wen kämpften die Weyacher? Grenzwehr am Rhein in früheren Jahrhunderten – Nr. 87 (Weber)

Nr. 88: «Weiach – mein Heimatdorf». Ein Vortrag von Ruth Bersinger an der Bezirksschule, November 1941 (Teil 1) – Nr. 88 (Weber)

Nr. 89: «Die Trotte im Oberdorf war unser Eigentum». Ein Vortrag von Ruth Bersinger an der Bezirksschule, November 1941 (Teil 2) – Nr. 89 (Weber)

Nr. 90: Kein Beweis für das Jahr 1381. Wurde die frühere Kirche im Oberdorf schon im Mittelalter erbaut? – Nr. 90 (Weber)

Nr. 91: Vom Kampf gegen die Zettelflut zur Gemeindezeitung. 25 Jahre «Mitteilungen für die Gemeinde Weiach» – Nr. 91 (Weber)

Nr. 92: Kellerarrest – wenn sonst nichts fruchtet. Die «Disziplinar-Ordnung für die schulpflichtige Jugend» von 1917 – Nr. 92 (Weber)

Nr. 93: Holz über die Bäche legen ist verboten. Als die Dorfbäche noch regelmässig Sorgen bereiteten – Nr. 93 (Weber)

Nr. 94: «Von den Gespinstpflanzen ist der Hanf stark kultiviert». Aus der Geschichte der Hanf- und Flachs-Produktion im Gebiet von Weiach – Nr. 94 (Weber)

Nr. 95: Fruchtloser Kampf um die Kubikmeterentschädigung. Der erste Kiesausbeutungsvertrag mit der Firma Aymonod, Oktober 1957 – Nr. 95 (Weber)

Nr. 96: «E luschtigi Söili-Jagd». Aus dem Tagebuch der Gz. Füs. Kp. I/269 zu Beginn des 2. Weltkriegs – Nr. 96 (Weber)

Nr. 97: Frankenhalde und Franzosenhau. Was unsere Flurnamen mit der Kriegszeit von 1799 zu tun haben – Nr. 97 (Weber)

Nr. 98: Dreissig Tannen, vierzig Eichen und eine neue Feuerspritze. Warum vor 150 Jahren das Alte Gemeindehaus erbaut wurde – Nr. 98 (Weber)

Nr. 99: «Mit güete ald der marter». Die Weyacher Hexenprozesse von 1539 und 1589 – Nr. 99 (Weber)

Nr. 100: Den Obervogt als «Eyerfresser» beschimpft. Bestrafung eines Weyachers für Beleidigungen, Anno 1754 – Nr. 100 (Weber)

Nr. 101: Gewerbebetriebe sterben leise. Vor 50 Jahren verschwanden Bäcker und Schuhmacher aus dem Dorf – Nr. 101 (Weber)

Nr. 102: Habsburger-König Albrecht ermordet! Welche Rolle die Freiherren von Wart dabei vor 700 Jahren spielten – Nr. 102 (Weber)

Nr. 103: Bannumgang mit Trommeln und Pfeifen. Was die «Offnung zue Wyach» vom Juni 1558 den Weyachern bedeutete – Nr. 103 (Weber)

Nr. 104: Eine Karte der Zehntbezirke um 1600. Wie sich Fürstbischof und Almosenamt vor 400 Jahren die Steuern teilten – Nr. 104 (Weber)

Nr. 105: Hundertundfünfzehn Jahre auf der Datumsinsel. Warum Weiach und Kaiserstuhl einst nicht die gleiche Zeitrechnung hatten – Nr. 105 (Weber)

Nr. 106: Disput um die Finanzierung der Kirchturmrenovation. Was die alte Kirche im Oberdorf einem Grossbrand zu verdanken hat – Nr. 106 (Weber)

Nr. 107: «Anstalten zu Aufbauung eines zweckgemäßen Schuhlhauses». Das Protokoll einer Gemeindeversammlung im Oktober 1833 – Nr. 107 (Weber)

Nr. 108: «Verfluchter Platz». Liess ein römischer Wachtturm ihn bei den Weyachern in Verruf geraten? – Nr. 108 (Weber)

Nr. 109: Fixe Entschädigung statt Liebessteuern. 200 Jahre Gebäudeversicherung des Kantons Zürich, 1808-2008 – Nr. 109 (Weber)

Nr. 110: Staubplage, Hahnenzins und freilaufende Hühner. Womit sich der Gemeinderat vor acht Jahrzehnten herumschlagen musste – Nr. 110 (Weber)

Nr. 111: Als der nasse Zehnten noch auf den Weinbergen lastete. Seit über 700 Jahren werden in Weiach Reben gepflegt – Nr. 111 (Weber)

Nr. 112: Eine Gült wechselt die Hand. Der Bauernhof der Familie Ringli – vor 600 Jahren eine Kapitalanlage – Nr. 112 (Weber)

Nr. 113: Skepsis gegenüber Südländern und der Motorisierung. Weiach vor 50 Jahren – Notizen aus der Jahreschronik 1959 – Nr. 113 (Weber)

Nr. 114: Aufstand wegen neumodischen weltlichen Schulbüchern. Die Weiacher im «Stadlerhandel» vor 175 Jahren – Nr. 114 (Weber)

Nr. 115: Ein Leben im Dienste des Kindes. Zum 100. Geburtstag der Kinderärztin Marie Meierhofer (1909-1998) – Nr. 115 (Weber)

Nr. 116: «Die Collatur gehört dem kleinen Rath zu Zürich». Weiach in Standardwerken von 1742 bis 1820 – Nr. 116 (Weber)

Nr. 117: Zucht und Ordnung! Vom Wucherstier zur Viehzuchtgenossenschaft Weiach, 1596 bis 1999 – Nr. 117 (Weber)

Nr. 118: Blauer Säuerling oder der Schatz des Hunnenkönigs. Wie man in Weiach vor 150 Jahren die Reben pflegte – Nr. 118 (Weber)

Nr. 119: Wenn die Rote Ruhr zuschlägt. Massensterben wie 1782 rafften in Weiach Dutzende hinweg – Nr. 119 (Weber)

Nr. 120: Mangelernährung in der Kindheit. Was die Gräber auf dem alten Friedhof im Oberdorf erzählen – Nr. 120 (Weber)

Sonntag, 21. Juni 2009

Initiativrecht kaltblütig ausgehöhlt

Im Zürcher Unterländer vom Samstag, 20. Juni 2009 erschien auf der Leserbriefseite (S. 12) ein Beitrag des EVP-Politikers Daniel Elsener aus Weiach. Titel: Kontrolle des Souveräns bei Langzeitpflege ausgehebelt..

Der ZU wollte den Text nur gekürzt abdrucken, da interne Richtlinien die Höchstlänge einer Leserzuschrift auf 2700 Zeichen inkl. Leerschläge begrenzen. WeiachBlog kennt solche Begrenzungen nicht. Wir bringen den vollen Wortlaut.

Hintergrund: am 23. Juni findet in Weiach ab 20 Uhr eine Gemeindeversammlung statt. Thema ist im Traktandum 3 der politischen die Revision der Statuten eines Zweckverbands, die sich klar gegen die demokratische Mitsprache kleiner Gemeinschaften richtet. Lesen Sie selbst - und gehen Sie an die Gemeindeversammlung!

Kontrolle des Souveräns bei Langzeitpflege ausgehebelt !

Die Statutentotalrevision für den Zweckverband (ZV) Langzeitpflege Bezirk Dielsdorf ist noch immer nicht abgeschlossen. Nur die Gemeinde Weiach müsste noch zustimmen.

Ich muss davon ausgehen,- viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben nicht gewusst, dass unter dem schön klingendem Titel Einführung von Initiativ- und Referendumsrecht, die Mitsprache des Souveräns in den Statuten gleich wieder ausgehebelt wird.

1. Anders als im ZV Sozialdienste wo das Verhältnis zu kantonalen Angelegenheiten die benötigten Unterschriften von 500 in 6 Monaten (Initiative) zu 250 in 60 Tagen (Referendum) gewahrt ist, sind ausgerechnet im sensiblen Bereich Gesundheit die nötigen Unterschriften mit 800 zu 800 in 30 Tagen klar überhöht und somit ein Mitspracherecht der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in Sachen Zweckverband Langzeitpflege unerwünscht! Dies trotz den gleichen 22 Verbandsgemeinden und gleichermassen erhöhten Finanzkompetenzen.

2. Gänzlich ausgehebelt wird die demokratische Kontrolle des Souveräns im Artikel 18 unter Ausschluss des Referendums die 7 Punkte umfasst. Anders wie an den normal üblichen zwei Gemeindeversammlung im Jahr darf der Stimmbürger nichts aber gar nichts zu Voranschlag und Rechnung sagen oder abstimmen. Nur noch bezahlen der Betriebsdefizite und Investitionen über die Steuerrechnung und den davon galoppierende Krankenkassenprämien ist erlaubt. Wer zahlt befiehlt geht (gilt) hier gar nicht mehr! Das widerspricht doch unseren direkt demokratischen Strukturen und meiner Meinung nach, -auch der neuen Kantonsverfassung.

Wenn die Kontrolle entzogen ist darf man sich nicht wundern, wenn im Gesundheitswesen die Kosten dank kapitalen Interessen der Akteure und Leistungserbringer in den Himmel schiessen. 20 Jahre negative Kosten-Erfahrungen besitzt man heute schon damit ! Und ich bin mir nicht ganz sicher ob man der Bevölkerung einen Gesundheits-Rolls-Royce aufgeschwatzt hat, der bald kaum noch finanzierbar ist. Zudem ist sich die Delegiertenversammlung offenbar nicht ganz klar was sie mit dem Namen Langzeitpflege alles machen will, wie der verwirrliche Titel und Untertitel verrät. Soll's nun ein Gesundheitszentrum sein, oder Gesundheit und Pflege oder doch nur Langzeitpflege? Die Frage sei erlaubt: Ist für die komplexe Art Symbiose des gemischt wirtschaftlich geführten Unternehmens Spital Dielsdorf (Privat=Gewinn und Staatlich=Verlust) der Zweckverband überhaupt noch die richtige und zukunftsgerichtete Organisationsform? Hingegen klarer sieht man es beim Zweckartikel, wo man nebenher auch um den weiteren Ausbau besorgt ist. Ausbau und Wachstumswünsche gehören aber für mich nicht in den Zweckartikel sondern an die Urne!

In meinen Worten, um es klar zu stellen, geht es nicht um die Vertrauensfrage sondern um die Kontrolle (Vertrauen ist gut , Kontrolle ist besser). Wenn der Stimmbürger oberstes Organ im Verband ist, hat er oder sie auch die oberste Kontrollfunktion.

Solche Anträge sollten Anbetracht der explodierenden Gesundheitskosten, -auch für die Gemeinden und den Steuerzahler, in Zukunft nicht mehr so unbedarft unkritisch an Gemeindeversammlungen durch gewunken werden.

Es ist jetzt eine Minute vor 12 und ich gehe davon aus, dass diese wichtige Änderung eine Einstimmigkeit der Verbandsgemeinden braucht um wirksam zu werden.

Ich hoffe andere Weiacher denken gleich. Ich jedenfalls erlaube mir die Statutenrevision an der Gemeindeversammlung zurück zuweisen und fordere eine Überprüfung und Korrektur der erwähnten Punkte.

Daniel Elsener, Weiach


Man fragt sich, wieso alle anderen Gemeinden das einfach so abgenickt haben...

Dienstag, 5. Mai 2009

Eberhard übernimmt Weiacher Kies AG

Das seit Jahrzehnten wichtigste Unternehmen auf Gebiet der Gemeinde Weiach, die Weiacher Kies AG, ist in neuen Händen. Erstmals in ihrer Geschichte gehört sie einem Schweizer Unternehmen. Und nicht irgendeinem Konzern, nein, der neue Besitzer ist ein im Zürcher Unterland wohlbekanntes Familienunternehmen, die Eberhard AG mit Sitz in Kloten.

Damit ist eine Forderung erfüllt, die anfangs der 60er-Jahre im Kantonsrat zu hitzigen Wortmeldungen geführt hatte. Einzelne Ratsmitglieder warfen dem Weiacher Gemeinderat damals offen vor, er würde den «Ausverkauf der Heimat» vorantreiben. Von seiner Gründung 1962 bis 2004 gehörte das Kieswerk nämlich der Franz Haniel & Cie. GmbH, einem Mischkonzern mit 50'000 Mitarbeitern aus dem 600 Kilometer entfernten Duisburg-Ruhrort.

Besseres Verständnis für lokale Umstände

Die Zentrale der französischen Lafarge SA, einem Konzern mit 84'000 Mitarbeitern, der die Weiacher Kies AG im Frühling 2004 übernommen hatte, war zwar geographisch fast genau gleich weit entfernt, passte aber kulturell noch weniger zur KMU aus Weiach. Deshalb ist es ein Glücksfall, dass die neue Zentrale sich nicht nur in der Nähe befindet. In Kloten versteht man nicht nur die lokalspezifischen Gegebenheiten viel besser als in Paris, das Unternehmen hat mit 370 Mitarbeitern auch eine überschaubare Grösse.

Die nicht an der Börse kotierte und damit langfristig denkende Eberhard Holding schliesst mit dem Kauf eine der letzten Lücken in ihrem kleinen Bauimperium: «Sie baut nun Kies ab, ist im Tiefbau, im Rückbau und in der Altlastensanierung tätig, macht biologische Bodensanierungen und verfügt in Lufingen über eine Grube, in der sie eine Deponie bauen will», schreibt Sandra Zrinski im Tages-Anzeiger Unterland.

Gut für Weiach: Alle Stellen bleiben erhalten

In der heutigen Krisenzeit ist es besonders zu begrüssen, dass alle Standorte im bisherigen Rahmen und mit den gleichen Abläufen weiterbetrieben werden. Sämtliche Stellen in Weiach bleiben bestehen. Das ist auch für die Gemeindekasse wichtig, wie Zrinski ausführt:

«Für die Gemeinde Weiach, wo der Sitz der Weiacher Kies AG bisher war, ändert sich vorläufig nichts. Die Steuern werden weiterhin der Gemeinde zufliessen. Sie machen gemäss Gemeindeschreiber Peter Wunderli rund ein Fünftel der Steuereinnahmen des 1000-Seelen-Dorfes aus. Ausserdem erhalten die Gemeinde und Private für das an die Kiesfirma verpachtete Land pro Kubikmeter gewonnenem Kies eine Entschädigung; das Kiesgeld, wie es in der Gemeinde genannt wird. Die Beträge dafür variieren gemäss Peter Wunderli zwischen 10'000 und 80'000 Franken pro Jahr.»

Der Gemeindepräsident freut sich

Der frühere Gemeindepräsident Albert Meierhofer-Nauer hatte in Verhandlungen mit dem Haniel-Konzern erreicht, dass Weiach nicht nur Einsitz im Verwaltungsrat der Weiacher Kies hat, sondern auch über 5 Prozent der Aktien verfügt. Gregor Trachsel, der heutige Gemeindepräsident und Verwaltungsrat findet den Wechsel gut: «Die bisherige Besitzerin Lafarge ist ein grosser internationaler Konzern und der Hauptsitz in Paris sehr weit weg», zitiert ihn Sandra Zrinski.

Quelle