Dienstag, 15. April 2014

Hausarzt schneller erreichbar

Mit den Hausärzten ist es ja so eine Sache. Die Handwerker der medizinischen Grundversorgung sind auf dem Land nicht immer in der wünschbaren Dichte ansässig. Zu gross sind wohl die Präsenzzeiten und zu gering die damit korrespondierenden Verdienstaussichten - Hausarzt sein, das muss Dr. med. schon wollen. Umso erfreuter waren die Weiacher vor 50 Jahren, dass sie es nun näher hatten zum Herrn Doktor:

«In Kaiserstuhl eröffnet auf mitte April an der Rheingasse 27 Herr Dr. med. Heinz Hedinger seine ärztliche Praxis. Damit ist es endlich soweit, dass die Heilung suchenden Einwohner unseres Dorfes nicht mehr den weiten Weg nach Zurzach (Dr. med. M. Erb), nach Stadel (Dr. med. Oetiker) oder nach Glattfelden (Dr. med. Ebnöther) zu gehen oder zu fahren haben. Dr. Hedinger ist zudem bei uns kein Unbekannter, da er schon während geraumer Zeit in Kaiserstuhl wohnt und im Weiacher Kirchenchor, sowie bei unsern Pistolenschützen eifrig mitmacht.»

Dieses letztgenannte Kundenbindungsprogramm ist wohl bis heute einer der Erfolgsfaktoren für einen Landarzt.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – S. 25. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].
 

Montag, 14. April 2014

Die Weicherpöschä als Milchpanscher

Im WeiachBlog-Beitrag Nr. 1101 vom 27. April 2012 (vgl. Ein Werbevideo für die Gemeinde Weiach) habe ich mich etwas über den neuen Imageträger mokiert:

«Trotzdem vergibt der Video eine Chance, zum Schluss einen Appell an den Zuschauer zu richten: Weiach einen Besuch abzustatten und sich zu überlegen, ob man dorthin ziehen will.»

Diese Kritik wurde durch ein Posting des damals noch aktiven Weiacher Pfarrers Christian Weber auf Youtube teilweise aufgenommen. Und zwar schon im Titel: Weiach - da möchte ich wohnen! Also. Geht doch!

Volkult73 neckt die Weiacher

Nun aber zu dem Inhalt, der diesem Beitrag den Titel gibt: einem Kommentar von volkult73 zum Video «Weiach - da möchte ich wohnen!». Volkult73 gibt sich am 6. November 2012 als Einwohner/in der südöstlich von Weiach gelegenen Ortschaft Raat zu erkennen und schreibt:

«Die Weicherpöschä sind so saubere Leute, die waschen sogar die Milch. Gruss aus Raat!»

Nachdem der Verfasser dieses Blogs einmal über diesen Satz gestolpert war, hat ihn natürlich der Hafer gestochen. Er stellte volkult73 am 15. Februar 2014 schliesslich auf dessen Diskussionsseite folgende Frage:

«Liebe(r) volkult73 aus Raat: Können Sie mir sagen, wo Sie diesen Übernamen her haben? Höre ihn zum ersten Mal und finde es spannend, dass es neben den "Bachser Igeln" nun offenbar auch einen neuzeitlichen Übernamen für die Weiacher gibt.»

Was weiss man in der «Linde»?

Und die Antwort? Die kam am Abend des 21. Februar 2014:

«Der Name ist uralt und die Anspielung auf das Mich Waschen kommt daher, dass mal vor langer Zeit beinahe die Hälfte der Bauern im wegen Milchpanscherei im Gefängnis sass. Genaueres erfahren Sei sicher, wen Sie in der Linde nachfragen. ;)»

Nun, das werde ich bei Gelegenheit einmal tun. Vielleicht weiss der Linden-Otti ja tatsächlich etwas Handfestes darüber. Bis dahin seien die Raater daran erinnert, dass bei ihnen 1754 das ganze Dorf kollektiv in Konkurs gegangen ist (vgl. Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel Raat, Stand: 23.7.2010). Auch nicht gerade ein Ruhmesblatt, eine solche Massenpleite ;)

Nun muss nur noch jemand erklären was «Pöschä» sind. Hat das etwas mit «Chrottepösche» (also Löwenzahn) zu tun?

Samstag, 12. April 2014

Schützengräben beim Bunker West

Gestern hat WeiachBlog über das jüngste Online-Angebot des Bundes berichtet, das Luftbildinformationssystem LUBIS. Wenn man darin etwas stöbert und insbesondere die Bilder mit kleinem Ausschnitt und demzufolge hohen Detailauflösungen auswertet, findet man Erstaunliches.

Der im Zweiten Weltkrieg erstellte Infanteriebunker nordwestlich oberhalb des Dorfkerns von Weiach steht heute mitten in einem Wäldchen - fast schon unsichtbar.

Das war nicht immer so, wie man dem untenstehenden Luftbild vom 20. Juli 1944 entnehmen kann. Am Tag des Sprengstoff-Attentats auf Adolf Hitler aufgenommen, zeigt das Bild nicht nur eine ungehinderte Sicht auf den Bunker, sondern auch die Schützengräben in seiner unmittelbaren Nähe.

Anders kann man die zickzack-kurvigen Gebilde auf diesem Bildausschnitt kaum deuten:


Oder haben Sie eine bessere Erklärung für diese Strukturen?

Quelle
  • LUBIS, Luftbildinformationssystem der Landestopografie, Bildnummer: 19440350410702. Flugdatum: 20-07-1944. Filmart: Glasplatte

Freitag, 11. April 2014

Luftbilder dokumentieren Verstädterung

Seit den 1920er-Jahren lässt die Schweizer Landestopographie Flugaufnahmen erstellen. Und seit gestern sind rund 320'000 Luftbilder über den mit neuen Funktionen lancierten LUBIS Datenviewer (Luftbild-Informationssystem) auf map.lubis.admin.ch verfügbar. Dies meldet swisstopo (das Bundesamt für Landestopografie) gestern, 10. April in einer Medienmitteilung.

Die Hälfte dieser Aufnahmen sei «bereits in voller Auflösung zu sehen» und bis «ins Jahr 2020 wird diese Bildsammlung laufend ergänzt und wird dann etwa 500'000 Luftbilder und Lufbildstreifen [sic!] enthalten». Wie viele Aufnahmen ihren Zentralpunkt allein über dem Gemeindegebiet von Weiach hatten, zeigt der Kartenausschnitt:

  
Swisstopo schreibt weiter: «Diese Bilder sind ein einzigartiges Kulturgut, welches erhalten und nun der Öffentlichkeit online zugänglich gemacht wird. Ursprünglich wurden sie für die Erstellung und Aktualisierung der Landeskarten verwendet, heute dienen sie unter anderem dazu, Stadt- und Landschaftsentwicklungen zu erforschen und zu dokumentieren.»
Dem kann man nur beipflichten. Die Luftbilder ermöglichen wirklich sehr eindrückliche Vergleiche. Sie zeigen zum Beispiel, von wie vielen Obstbäumen die Häuser von Weiach früher umstanden waren (es waren Hunderte!, siehe oberer Ausschnitt des Dorfkerns von 1954) und wie wenige es heute gibt (vgl. im Bild unten der Stand von 2007).


In sehr vielen Fällen mussten diese Bäume der in den letzten 25 Jahren neu erstellten Bausubstanz weichen. Es gibt kaum einen schonungsloseren Beweis für die Verstädterung eines ehemaligen Bauerndorfes als gerade diesen Bildvergleich.

Donnerstag, 10. April 2014

Pfarrer Robert Wyss 97-jährig gestorben

«... Kappel am Albis, Maur und zuletzt in Weiach, ist 97-jährig gestorben.» Dieses Satzfragment bekommt man bei Eingabe des Begriffs Weiach in der Volltextsuche von Swissdox angezeigt. Als Quelle wird die Rubrik «Namen» der Publikation «Reformierte Presse» vom Freitag, 4. April 2014 genannt.

Recherchieren bei Zollinger hilft

Dass es sich um den früheren Pfarrer Robert Wyss handeln muss (1916-2014), wird klar, wenn man die bisherigen Beiträge auf WeiachBlog durchstöbert - und zwar dank einem Zitat aus der Jahreschronik 1962 von Walter Zollinger:

«Eine Pfarrwahlkommission, bestehend aus alter und neuer Kirchenpflege, sowie 2 Vertretern von Kaiserstuhl/Fisibach und 2 Frauen dazu, schlug als Nachfolger den bisher in Maur/ZH amtenden Pfarrer Robert Wyss vor, der dann auch in der Wahl vom 27. Mai durch die Kirchgenossen ehrenvoll als neuer Ortspfarrer bestimmt wurde. Hr. Pfr. Wyss steht im Alter von 46 Jahren, sodass erhofft werden darf, dass unsere Gemeinde nicht mehr als "Lehrblätz" für junge Pfarrherren herhalten muss, wie die letzten zweimal.»   (vgl. Rücktritt der Kirchenpflege wegen Streit um Pfarrer, WeiachBlog Nr. 1068, 4. März 2012)

Und so lautet der vollständige Text in der «Reformierten Presse»: «Robert Wyss, ehemaliger Pfarrer der Zürcher Landeskirche in Andelfingen, Kappel am Albis, Maur und zuletzt in Weiach, ist 97-jährig gestorben.»

Kein einfacher Zeitgenosse

Im Jahre 1981 (oder schon im Vorjahr?) wurde Pfr. Wyss pensioniert. Sein Nachfolger war der heute in Zollikerberg tätige Pfr. Thomas Kölliker. Die lange Amtszeit von fast zwanzig Jahren deutet darauf hin, dass die Weiacherinnen und Weiacher wohl wirklich mehr Glück hatten mit Robert Wyss. Oder sie mit ihm zumindest irgendwie z'Schlag kamen.

Denn ganz so einfach war das mit Robert Wyss nicht. Willi Baumgartner-Thut, damals Mitglied der Kirchenpflege charakterisiert ihn als «kurligen» Mann mit Hund und einer Glockensammlung.

Auch eine Weiacherin, die zur Zeit der Kirchenrenovation (1965-1968) unter Präsident Emil Maurer Mitglied der Kirchenpflege war, erklärte mir, Pfarrer Wyss sei «halt echli en eigne gsi». Er konnte «poldere und usrüefe», dass es eine Art hatte. Einen richtigen «Berner Grind» habe er gehabt - es musste ganz einfach nach seinem Kopf gehen.

Der Präsident der Kirchenpflege und der Herr Pfarrer hätten sich überhaupt nicht gut miteinander verstanden. Was auch immer Maurer wollte, Wyss habe dagegen gehalten. Die Renovationsphase sei deshalb sehr mühsam gewesen: «es isch immer öppis hagels gsi». Seien es die Bänke oder das Rückpositiv der neuen Orgel.

Trotzdem viel gemacht für die Gemeinde 

Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass er und seine Frau Luise viel gemacht hätten in der und für die Gemeinde. Seine Frau Luise habe etliches auf die Wege gebracht. Sie war u.a. von 1969 bis 1980 Präsidentin des Frauenvereins Weiach (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 59) - und sagte dort «wo dure». Fazit der ehemaligen Kirchenpflegerin: Ich «has nid so chöne mit ene».

Ganz so einfach hat es wohl kein Pfarrer mit den Weiachern, denn die sind eben auch oft etwas eigen. Und nicht unbedingt leicht von pfarrherrlichen Meinungen zu überzeugen.

So sei denn dieser kurze Nachruf zwar nicht ganz nach dem Motto «de mortuis nil nisi bene» verfasst, aber immerhin mit dem Hinweis abgeschlossen, dass die Weiacher ihn als Pfarrer immer wieder gewählt haben. Auch eine Art Anerkennung. Requiescat in pace!

Quellen

Dienstag, 8. April 2014

Dem Zement-Elefanten entgangen

Gestern konnte man in allen Zeitungen von der geplanten Elefantenhochzeit zwischen den beiden Baustoffweltkonzernen Holcim (Hauptsitz in der Schweiz) und Lafarge (Hauptsitz in Frankreich) lesen.

Was dieser Vorgang mit Weiach zu tun hat? Nichts Direktes. Aber wäre die Weiacher Kies AG nicht im Frühling 2009 von der mittelständischen Eberhard-Gruppe übernommen worden (vgl. WeiachBlog vom 5. Mai 2009), so würde sie wohl noch zum Lafarge-Konzern gehören. Und wäre damit sehr direkt von dieser Fusion betroffen.

Warum dem nicht so ist, erklärte Heinz Eberhard, Verwaltungsratspräsident der Eberhard-Gruppe in seiner letztjährigen 1. August-Rede:

«Im Februar 2009 erfuhr mein Bruder Hansruedi vom Direktor der Weiacher abends spät an der Bar, dass bei der Lafarge infolge der Finanzkrise die Finanzen im Argen stehen. Die weltweit enormen Zukäufe von Lafarge, wie so üblich mit Fremdkapital finanziert, gingen nicht mehr auf. Es startete ein Milliarden-Desinvestitionsprogramm, das Tafelsilber musste verscherbelt werden. Und dazu zählte auch die Weiacher Kies AG.»  (Quelle: Wünsche und Träume eines Unternehmers zum 1. August, WeiachBlog vom 8. August 2013)

Die aktuellen Besitzer müssen nicht auf möglichst gute Quartalsabschlüsse «spaniflen», nur um die Börsenkurse zu befeuern. Sie können langfristiger planen und agieren. Glück gehabt!

Holcim hat auch weiterhin keinen Zugriff in Weiach

Interessant ist diese Fusion aber auch unter einem anderen Aspekt. Einem viel weiter zurückliegenden:

Als es bei der Errichtung des Weiacher Kieswerks anfangs der 60er-Jahre um die Wurst ging, tobte nämlich ein erbitterter Kampf zwischen der deutschen Haniel-Gruppe und der damals noch «Holderbank» genannten heutigen Holcim.

Der WeiachBlog-Beitrag Nr. 1017 vom 10. Juli 2011 mit dem Titel «Kapitaler deutscher Hecht mischt Schweizer Teich auf» gibt näheren Aufschluss über diese Vorgänge. Kurzfassung: Holcim hatte das Nachsehen und konnte den Schweizer Markteintritt des deutschen Konkurrenten nicht verhindern.

Weitere Details aus der Zeit vor rund 50 Jahren sind auf der Themenseite Kies im Abschnitt «Was hinter den Kulissen geschah» zu finden: http://weiachergeschichten.ch/kies/

Montag, 7. April 2014

Garagenanbau und Abortumbau

Heute vor 50 Jahren entschied der Gemeinderat Weiach ein Baugesuch zu publizieren. Nichts was spektakulär genannt werden könnte. Wenn dieser baurechtliche Vorgang dennoch in den Jahreschroniken Walter Zollingers Eingang fand, zeigt dies, dass damals noch nicht eine derartige Bauwut ausgebrochen war, wie sie seit rund 25 Jahren grassiert.
 
Zollinger schnitt die Anzeige aus der Zeitung aus (aus welcher erwähnt er leider nicht) und klebte das Papierstückchen in sein Typoskript:
 

«Herr Robert Bersinger, Kellen, Weiach:
Anbau einer Garage nordwestlich des Gebäudes Assek.-Nr. 508, Kellen
7. April 1964  Die Gemeinderäte
»

Das Gebäude mit der Versicherungsnummer 508 (die bis 1992 mit der Hausnummer identisch war) trägt heute die Bezeichnung Chälenstrasse 24. Heute ist dort Ronny Willi mit seiner Familie und seinem Unternehmen Willi Holzideen ansässig.

Im selben Monat war gleich noch ein weiteres Bauvorhaben in der Chälen bewilligungsreif:

«Herr Karl Willi-Gut, Kellen, Weiach:
Abortumbau am Gebäude Assek.-Nr. 460, Kellen
21. April 1964  Die Gemeinderäte
»

Bei der Assekuranznummer 460 handelt es sich um das Gebäude Chälenstrasse 2, an der Einmündung zur Stadlerstrasse und beim Sternen-Parkplatz. Man lernt daraus, dass sich der Hauseigentümer schon damals selbst kleinste Umbauten bewilligen lassen musste.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 – zw. S. 21 u. 22. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Sonntag, 30. März 2014

Hängelampe pendelt wegen Beben in Obwalden

Unter dem Abschnitt März erwähnt Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 noch ein weiteres Naturgeschehen:

«Zu erwähnen ist auch noch, dass in der Nacht v. 13./14. März um 03.40 Uhr zwei deutliche Erdbebenstösse zu verspüren waren. Die Hängelampe pendelte noch eine zeitlang in S-N-Richtung. Die Zeitungen berichten anderntags von einem ziemlich heftigen Beben im Obwaldnerland.»

In der Datenbank ECOS-09 des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH Zürich (seismo.ethz.ch) findet man dieses Beben zu genau der angegebenen Zeit (vgl. Link; 03:39 MEZ = 02:39 UTC):

«Details zu Beben 1964/03/14 02:39:00.0 UTC
Epizentrum: Sarnen
Datum und Zeit: 1964/03/14 02:39:00.0 UTC
Bebentyp: Erdbeben
Quellagentur SED (ECOS-09)
Status: certain
Herdtiefe (HT): 5. km
[...]
Momentenmagnitude (Mw): Magnitude: 5.3
»

Lokalbeben in Eglisau

Seit dem Jahre 1800 gab es übrigens 9 Erdbeben mit Epizentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu Weiach, nämlich in Eglisau (vgl. TA Online, 13.2.2012 mit Karte), ein Phänomen, das schon der am Ende des Ancien Régime bis 1799 zu Eglisau residierende zürcherische Landvogt Salomon Landolt kannte: «In Eglisau soll es mehrmals im Jahr leichte Erdstösse geben – angeblich wurden sie vom früheren Landvogt Salomon Landolt erfunden, um unliebsame Besucher rascher loszuwerden.» (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr.14). Einen wahren Kern hatten diese relativ häufigen Beben also. Nur konnte natürlich auch Landolt sie nicht exakt voraussagen, wiewohl er dies gegenüber Besuchern, die seine Zeit stahlen, gern behauptete.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 - S. 4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Samstag, 29. März 2014

Märzwetter 1964: Donnerrollen ins leere Holz

So wie am vergangenen Wochenende auch dieses Jahr der Winter noch einmal zurückkehrte, so hatte man auch vor 50 Jahren winterliche Tage im März. Allerdings doch etliche mehr, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1964 berichtet:

«März: Er bringt "endlich" noch etwas winterliche Stimmung, jetzt, wo man lieber darauf verzichtet hätte! An 3 Vormittagen und 6mal des nachts fällt Schnee, nie viel zwar, aber doch so, dass Wiesen, Gärten und Hausdächer davon belegt sind. Auch regnerische Tage (6) oder Halbtage (5) und 2mal des nachts gab es. Sehr viel war dadurch der Himmel natürlich bedeckt (8mal ganztägig und ebensooft halbtägig). Nebel verzeichnete ich an wiederum 8 Vormittagen. Nur 6mal durften wir uns der Sonne erfreuen und davon nur 1mal schon vom Morgen an. Bewölkt bis leicht-leicht-sonnig waren 11 Halbtage oder sogar erst gegen Abend. Siebenmal besuchte uns noch der kalte Oberwind, einmal lag Reif. Erst gegen Ende Monat drang dann der Föhn durch. Am 21. und am 23. je mitte des Nachmittag hörte man sogar Donnerrollen nach vorangegangenen kurzen Blitzen. Da dachte man unwillkürlich an die alte Bauernregel: "Donnert es in leere Holz, so schneits dann ins volle."

Höchsttemperaturen  morgens +6°, mittags +14°, abends +9°
Tiefsttemperaturen  morgens -5°, mittags -1°, abends -5°.
»

Neben diesem Frühjahrsdonner berichtet Zollinger gleich unter diesen Zeilen noch von einem anderen ungewöhnlichen Naturphänomen. Doch davon morgen mehr.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1964 - S. 3-4. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1964].

Freitag, 28. März 2014

Der Gemeinderat bleibt die letzte Männerbastion

Man konnte es den Zeitungen entnehmen (u.a. Zürcher Unterländer vom Samstag 22. März) und sieht es nun auch in den Mitteilungen (MGW, März 2014, S. 4), wo das Kandidatenverzeichnis der Wählerversammlung zu den Gemeindewahlen 2014 abgedruckt ist: Der Kapitän geht von Bord. Die vier übrigen Gemeinderäte haben sich entschieden, für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren.

Nach nur einer Amtsperiode als Gemeindepräsident steigt Paul Willi definitiv aus der aktiven Politik aus. Die Belastungskombination aus Beruf und Amt ist eben nicht zu unterschätzen, besonders wenn man als Manager beim üblichen Rhythmus des  heutigen internationalen Geschäftslebens mithalten muss.

Kandidatenreichtum - wenigstens für den Gemeinderat

Das Wahljahr 2014 wird zum «kandidatenreichsten» (Zitat Zürcher Unterländer) seit langem. Nicht weniger als sieben Personen bewerben sich für die fünf Gemeinderatssitze. Drei dieser Kandidaten wollen Gemeindepräsident werden, darunter der bisherige Gemeinderat Thomas Steinmann:


Zum Kandidatenfeld gibt es zwei Bemerkungen:
  1. Zwei der sieben Kandidaten sind aktive oder ehemalige Berufskader der Schweizer Armee.
  2. Es fällt auf, dass sich nur Männer haben aufstellen lassen.
Es ist schön, dass der Bund als Arbeitgeber das Milizprinzip noch hochhält und die Bekleidung von öffentlichen Ämtern positiv bewertet (und dafür auch bezahlten Urlaub gibt). Das ist bei privaten Arbeitgebern längst nicht mehr überall der Fall.

Weniger schön ist der mutmassliche Hintergrund für das gänzliche Fehlen von Frauen. Die haben möglicherweise ganz einfach keine Lust mehr. Was angesichts der Vorgänge nach den letzten Wahlen nicht wirklich verwundert. Da sah sich die eigentlich rechtsgültig frisch gewählte Elsbeth Ziörjen genötigt, umgehend zurückzutreten (vgl. WeiachBlog vom 7. Februar 2010). Im zweiten Wahlgang gewann dann Paul Willi den freiwerdenden Gemeinderatssitz und wurde auch als Gemeindepräsident gewählt.

Weiterführende Beiträge auf WeiachBlog