Samstag, 17. Mai 2025

Rodungsauftrag am Flughafen ging an zwei Weiacher Unternehmer

Bekanntlich wurde der Flughafen Kloten im Jahre 1948 eröffnet. Bis es so weit war, musste der 1911 gegründete Artilleriewaffenplatz Kloten-Bülach weichen. Die wichtigsten Zielgebiete für Artillerieschiessen waren bis dahin die Geländekammern Äntennest, Cheibenwinkel und Rütiallmend (vgl. Stabsadj Sieber), die man nun sukzessive von unexplodierten Granaten säubern musste.

An dieser gefährlichen Arbeit waren die Weiacher O. Meierhofer und A. Moser zwar nicht beteiligt. Wohl aber an ebenfalls nicht risikolosen Rodungsarbeiten, vor und nach der Aufnahme des Flugbetriebs. Wie es dazu kam, erläutern die Erwägungen eines mittlerweile 75 Jahre alten Regierungsratsbeschlusses:

«A. In der südlichen Ausflugschneise der Blindlandepiste des Interkontinental-Flughafens Zürich mussten zwecks Schaffung der Hindernisfreiheit für die Flugzeuge im Unterhau, Gemeinde Kloten, ca. 435 Aren Wald geschlagen werden. Der Waldschlag erfolgte im Winter 1948/1949. Dabei blieben die Wurzelstöcke im Boden.

Im vergangenen Sommer blieb dieses Land sich selbst überlassen. Es verbreiteten sich darin Disteln und anderes Unkraut. Wenn die Bodenverbesserung erst im Zusammenhang mit der Randzonenmelioration durchgeführt werden kann, entsteht im Verlaufe der nächsten Monate eine weitere Verunkrautung, welcher nur durch Abmähen oder Bespritzen mit chemischen Mitteln begegnet werden kann.»

Kampf der Verunkrautung alternativlos

Es musste also etwas gehen, denn wie im RRB weiter ausgeführt wird: Dieses verunkrautete ehemalige Waldstück lag nämlich unmittelbar neben bewirtschaftetem Kulturland. Und dessen Bewirtschafter wollten natürlich keine Unkrautsamen auf ihr Land geweht bekommen.

«Die Rodungsarbeiten im Unterhau bilden einen Bestandteil der Vorlage für die noch auszuführenden Rodungen in der Erweiterungsfläche des Flughafens, deren Gesamtkosten auf Fr. 500 000 veranschlagt sind. Dieser Kredit ist mit der Volksabstimmung vom 7. Mai 1950 bewilligt worden. Gemäss Regierungsratsbeschluss Nr. 3611 vom 22. Dezember 1949 kann an die Urbarisierungsarbeiten ein Beitrag von 40% aus dem Budgetkredit für die Unterstützung von Bodenverbesserungen ausgerichtet werden. Das Rodungsareal Unterhau liegt von den übrigen Rodungsflächen getrennt zwischen gut bewirtschaftetem Kulturland, für welches schon heute eine rege Nachfrage für die pachtweise Bewirtschaftung besteht. Es handelt sich um die der Stadt Zürich am nächsten gelegene Rodungsfläche im Vorgelände des Flughafens, welche Eigentum des Staates ist.»

Auch eine mächtige Organisation hat den Zuschlag nicht auf sicher

Die kantonale Verwaltung löste also ein Submissionsverfahren aus und nahm Offerten entgegen. Offenbar gab es nur ihrer zwei:

«B. Die Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft (SVIL) reichte im November 1949 folgende Offerte [...] ein: [..] Stöcke roden und abführen, Gräben eindecken, Boden planieren, Erstumbruch mit Sesampflug, Verarbeitung der Furchen mit Scheibenegge (zwei bis dreimaliges Befahren) 4,35 ha à Fr. 5150 [...]»

Diese Organisation war am Ende des Ersten Weltkriegs gegründet worden und im Verlauf des Zweiten Weltkriegs unter ihrem Mitbegründer und damaligen Geschäftsführer, dem ETH-Professor und Zürcher Ständerat Hans Bernhard (1888-1942) massgeblich an den konzeptionellen Arbeiten für die Anbauschlacht beteiligt. Die SVIL wurde auf diese Weise zu einem einflussreichen parastaatlichen Planungsunternehmen für Meliorationen aller Art. Trotzdem zog sie hier den Kürzeren:

«Am 17. Februar 1950 ging eine weitere Offerte von O. Meierhofer und A. Moser, Weiach, ein. Diese Akkordanten verlangen für das Roden und Entfernen der Stöcke, das Planieren, Pflügen und Eggen des Bodens eine Entschädigung von Fr. -.40 per m2 oder für die ganze Fläche von 4,35 ha total Fr. 17 400 [...]. Diese Offerte ist somit Fr. 5000 billiger als diejenige der SVIL. Die beiden Akkordanten Moser und Meierhofer erhielten bereits bei der Rodung für den Flughafen Zürich ein Los zugeteilt und haben ihre Arbeiten zuverlässig ausgeführt. Es rechtfertigt sich deshalb, ihnen die Rodung zu einem Preise von Fr. 17 400 zu vergeben.»

Der Regierungsrat beschloss demnach, diese Rodungsarbeiten den beiden Akkordanten A. Moser und O. Meierhofer in Weiach zum offerierten Preis zu übertragen. Und die Volkswirtschaftsdirektion wurde ermächtigt, den Auftrag sofort ausführen zu lassen.

Quellen

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