Montag, 21. Dezember 2009
Prediger Hebeisen mischt das Dorf auf
Nach Punkt 7 des Berichts taten sich im 1. Weltkrieg besonders evangelikale Freikirchen hervor, die der Pfingstbewegung zuzurechnen sind, wie die spätere Volksmission entschiedener Christen.
«Ad 7. Anfangs Febr. 1915 hielt ein gewisser Prediger Hebeisen Versammlung im "Sternen Weiach" ab, u. erregte durch seine flammenden Busspredigten u. sein schwärmerisches Wesen die Gemüter vieler Frauen. Anfänglich hielten sich Kirchenpflege u. Pfarrer beobachtend zurück, schliesslich sah sich letzterer genötigt, gegen das ungesunde u. aufreizende Treiben dieses Mannes in einer überaus zahlreich besuchten Versammlung Stellung zu nehmen, was bei vielen abklärend u. beruhigend wirkte. Immerhin fanden in einer Bauernstube noch lange Versammlungen Hebeisens statt [-] abwechselnd mit Prediger Ruff von der Pfingstgemeinschaft. Schliesslich erkannte Letzterer samt der Hausgemeinde das Unlautere des gefährlichen Hebeisen u. sagten sich von ihm los. Nun ist nur noch ein kleiner Kreis der Pfingstgemeinde vorhanden, der sich mehr in der Stille versammelt u. sich auch nicht mehr so einseitig ablehnend gegen die Landeskirche verhält.»
Sonst funktioniert die Zusammenarbeit
Damit war die Gefahr für die Landeskirche gebannt und die Kirche wieder im Dorf, denn abgesehen vom Prediger Hebeisen gab es sonst offenbar keine gravierenden Probleme, im Gegenteil:
«Etliche Töchter u. Frauen besuchen die Chrischona Versammlungen in Glattfelden, andere diejenige der Brüdergemeinschaft in Raat, sind aber daneben fleissige Besucherinnen der Landeskirche und fördern das relig. Leben wohl eher. Im Allgemeinen suchen wir eher ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen u. zusammen zu arbeiten. So haben wir bei unserer ersten Evangelisation Pfarrer der Landeskirche u. einen Prediger der Chrischona das Wort gegeben und diesen Winter soll jener Prediger, Hausvater Kägi in Beringen allein die Evangelisations-Ansprachen halten; - Von einer antikirchl. Propaganda anderer Gemeinschaften, oder der Freidenker merken wir wenig.»
Die erwähnte «Pilgermission St. Chrischona» sowie der «Evangelische Brüderverein», der sich heute «Gemeinde für Christus» nennt, sind bis zum heutigen Tag feste Bestandteile des religiösen Lebens in den Gemeinden Weiach, Glattfelden und Stadel. Auch die Standorte ihrer Versammlungslokale haben sich nicht verändert.
Hebeisen weiter aktiv
Wie man den Erinnerungen von Karl Friedrich Fix (1897-1969), des Gründers der «Volksmission entschiedener Christen», entnehmen kann, reiste dieser Prediger Hebeisen noch jahrelang in Süddeutschland und der Schweiz herum:
«Schon bald durfte durch Vermittlung meiner Verwandten in Süddeutschland die Verbindung zum Weckhof (bei Künzelsau), meiner späteren zweiten geistigen Heimat, hergestellt werden. Bruder Georg Breuninger (sen.) war seinerseits bereits Leiter der örtlichen Gemeinde. Dort lernte ich auch den lieben, alten Bruder Hebeisen kennen, der mich in seine Schweizer Arbeit einlud, und dann und wann durfte ich nun in der Schweiz dienen, wenn es auch schwer war, von der Gestapo jeweils eine Ausreiseerlaubnis zu erhalten. Unvergeßlich bleibt zuerst noch ein Besuch in Basel. Ich durfte dort im "Verein entschiedener Christen" Klingentalgraben 7, Versammlungen halten.» (Quelle: Begegnungskirche Berlin. Exaktes Zitat auch hier).
Weitere Artikel zum Thema Visitationsbericht
vgl. die Übersichtsseite auf dem Portal der Weiacher Geschichte(n)
Sonntag, 20. Dezember 2009
Tupac an der Bushaltestelle
«R.I.P. 2PAC 1971-1996»
hingeschrieben. Eine Filzstift-Grabinschrift. 2PAC?
Gemeint ist «Tupac». Tupac Amaru Shakur, gemäss Wikipedia «(* 16. Juni 1971 in Brooklyn, New York City; † 13. September 1996 in Las Vegas, Nevada; eigentlicher Name Lesane Parish Crooks), auch bekannt unter seinem Künstlernamen 2Pac und Makaveli, war einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Rap-Musiker.»
Für welche Lebenshaltung Rap steht, weiss man ja. Die Bezeichnung «Crooks» ist alles in allem eine gute Umschreibung für das Phänomen. Mit dieser präpotenten Schmiererei sind nun also die US-amerikanischen Gangsta-Rapper auch bei uns angekommen.
Schöne neue globalisierte Welt. Den Drogenhandel haben wir schon. Nur die Schiessereien fehlen noch. Weiach wird Agglo.
Samstag, 19. Dezember 2009
Jünglingsverein und Posaunenchor
«Ad 6. Das Beispiel von Weiach ist wohl typisch für kleine Landgemeinden. Im Jahre 1914 (18. Jan) baten etliche Jünglinge den Ortspfarrer, er möchte einen Jünglingsverein u. wo möglich einen Posaunenchor gründen. Das erstere geschah, aber das letztere nicht wegen Schwierigkeiten in der Beschaffung von Instrumenten. Die anfängliche Begeisterung verschwand deshalb rasch, u. schon im Dez. 1915 musste die Auflösung des Vereins erfolgen wegen mangelhafter Beteiligung der wenigen Mitglieder. Unsere heranwachsende Jugend will frei sein nach der Konfirmation u. ungebunden leben, u. sich nicht unter die direkte Leitung des Pfarrers stellen. Auch Versuche mit Konfirmandenvereinigungen brachten Enttäuschungen.»
Der jugendliche Sturm und Drang ist - man sieht es - ein Dauerthema, gestern wie heute.
Einen der Hauptgründe für das Scheitern nennt Kilchsperger hier nicht explizit: den Ausbruch des 1. Weltkriegs Anfang August 1914. Diese Initial-Katastrophe des 20. Jahrhunderts liess 1915 auch die erste Dorfmusik (gegründet 1913 aus einem bereits 1903 entstandenen Posaunenchor) eingehen (vgl. Dorfmusik Weiach – vor 50 Jahren aus der Taufe gehoben, WeiachBlog, 20. Januar 2007).
Weitere Artikel zum Thema Visitationsbericht
vgl. die Übersichtsseite auf dem Portal der Weiacher Geschichte(n)
Freitag, 18. Dezember 2009
Als Seite-1-Girl im «Blick»
Kaum zur Freude von traditionalistisch eingestellten Zeitgenossen, die darin - zu Recht oder Unrecht - eine weitere Manifestation von Sodom und Gomorrah sehen. Auch viele längst verstorbene Weiacher Pfarrer (wie Albert Kilchsperger; vgl. die Artikel über den Visitationsbericht) würden sich wohl im Grab umdrehen, wenn sie erführen, wie Boulevardzeitungen heutzutage mit ihren Schäfchen Quote und Umsatz zu bolzen versuchen.
Gelernte Landwirtin
So gerade gestern, am 17. Dezember, als der «Blick» einer Weiacherin namens Petra ihre Warhol'schen 15 Minuten Berühmtheit zukommen liess: In der Rubrik «Heute bin ich ein Star!» als Blickfang und Pinup-Girl für den voyeuristischen Leser.

Verlinkt ist die entsprechende Seite Petra (28) aus Weiach ZH mit einem Vorher-Foto und etlichen Bildern des Shootings mit halbnackten Tatsachen.
«Petra ist das heutige Seite-1-Girl. Die 28-Jährige steht auf Feuerstühle – und hat heute Geburtstag! Wir gratulieren», posaunt die Seite.
Unter dem Zeitstempel «Aktualisiert um 00:37 17.12.2009» auch ein «Steckbrief» abgedruckt. Und so sieht Berühmtheit im Telegramm-Stil aus:
«Petra (1,64m/56kg) ist gelernte Landwirtin, arbeitet aber als Pöstlerin. Die Singlefrau wohnt zurzeit mit ihrem Vater in einer Wohngemeinschaft. In ihrer Freizeit geht sie am liebsten mit Hund Rocky spazieren. Unser Star des Tages hat heute Geburtstag – wir gratulieren!
Mir gefallen... meine Haare. Sie sind gesund und ich erhalte viele Komplimente dafür.
Weniger schön... ist meine Haut. Sie wird vor allem im Winter viel zu weiss. Dennoch: ins Solarium würde ich nicht, das ist viel zu ungesund.
Bei einem Mann achte ich... auf seine Hände und einen knackigen Hintern.
Männer beneide ich um... sie sind so schön unkompliziert und sie sind immer schnell gut angezogen, dazu brauchts bloss eine Jeans und ein Shirt.
Mein Traum: Die Schweiz erkunden und zwar auf dem Motorrad und mit Rocky. Alle wollen ins Ausland, dabei ist es hier so schön!».
Offenherzig an der Stallwand
Bei ihrer Herkunft hätte sich Petra durchaus auch für den Bauernkalender, das rustikale Pendant zum Pirelli-Kalender, bewerben können.
Und tatsächlich hat die junge Frau auch schon Vorstösse in die entsprechende Richtung gemacht, wie man dem Tages-Anzeiger Unterland am 29. Mai 2007 entnehmen konnte: «Eine Weiacherin will in den Bauernkalender!» wurde dort mit dem passenden Titel «Offenherzig an der Stallwand!» bekanntgeben. Für den gedruckten Bauernkalender reichte es nicht, jetzt aber für den Blick.
Immerhin sind auch auf der Kalenderwebsite noch ein paar Spuren zu finden: ein Pressebild sowie den erwähnten Artikel aus dem Tages-Anzeiger. Und der ist wenigstens etwas ausführlicher als der Blick-Auftritt.
Präsentation der Köder
Ihre Netze werfen die Boulevard-Macher gezielt in attraktiven Fischgründen aus: «Weiblich, zwischen 18 und 30 Jahren alt» müsse man sein. Den Auserwählten schenke man dann «ein professionelles Foto-Shooting»:
«Eine Hair- und Make-up-Artistin holt das Beste aus dir heraus, du trägst edle Wäsche und der erfahrene Profi-Fotograf Geri Born rückt dich ins beste Licht. Zusammen wird am Schluss ein sexy Bild ausgewählt, das auf der Titelseite des BLICKs gedruckt wird. Nach dem Fototermin erhälst du als Erinnerung die besten Fotos in einer Mappe plus eine CD mit allen Aufnahmen — und 200 Franken als Entschädigung für deinen Aufwand.»
Donnerstag, 17. Dezember 2009
Für Spitex ist die Gemeinde zu klein
Immerhin hatte die Privatinitiative schon damals zur Bildung eines Krankenmobilien-Fonds geführt, wie der letzte Abschnitt zum Punkt 5 zeigt (vgl. erste zwei Abschnitte im Artikel vom 15. Dezember):
«Betreff Kranken-Fürsorge geschieht privatim Manches, die Kleinheit der Gemeinde verunmöglichte bis jetzt die Anstellung einer Krankenschwester. Dagegen werden Kranken-Mobilien gegen bescheidene Taxen ausgeliehen u. Neuanschaffungen von der Armenpflege bezahlt.
Pro Juventute u. pro Senectute wird jährlich eine Sammlung veranstaltet und konnten aus beiden Institutionen willkommene Gaben vermittelt werden, z.Z. 5 Unterstützungen für alte Leute.»
Die Ausleihe von Krankenmobilien ist noch heute ein fester Bestandteil der Spitex, wie man dem Angebot der Spitex-Dienste Stadel-Bachs-Weiach entnehmen kann.
Frühere Artikel zum Thema Visitationsbericht
- «Auflösung der Autorität» wegen 1. Weltkrieg (WeiachBlog, 26. November 2009)
- Bibeln wie Hochzeitskleider gebraucht (WeiachBlog, 27. November 2009)
- Kasualien als gute, fromme Sitte (WeiachBlog, 30. November 2009)
- Kirchliche Liebestätigkeit gewachsen (WeiachBlog, 15. Dezember 2009)
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Wo ist Malzendingen?
«Wihlelm Dietsche, Kübler, seßhaft in Weiach, gebürtig in Malzendingen, Grossherzogthum Baden» hatte ihm seine Ehefrau ausgespannt und lebte seither mit ihr zusammen: «Laut der Klage welche bei dem Wohl. Löb. Bez. Gerichte Regensperg liegt, beweiße ich, daß seit in März 1854 dieße Beklagten mit einander ein Hauß weßen geführt.» (aus: Weiacher Geschichte(n) Nr. 29)
Wenn man nur sich selbst findet
Den Verdacht, dass da etwas nicht stimmen kann, schöpfte ich, als eine Google-Suche nach der im Titel gestellten Frage für «Malzendingen» genau einen einzigen Treffer ergab. Nämlich einen Verweis auf den eigenen, vorstehend gerade zitierten Artikel.
Via andere Suchverfahren getätigte Abklärungen, ob es im ehemaligen Grossherzogtum Baden eine Ortschaft dieses Namens gegeben hat, verliefen im Sande.
Hatte ich mich vor sieben Jahren verlesen? Beim Austausch von nur zwei Buchstaben ergibt sich immerhin der Name «Malterdingen», eine Gemeinde im Breisgau, nahe der französischen Grenze gelegen. Passen könnte das, zumal Malterdingen tatsächlich einmal zum Grossherzogtum Baden gehört hat.
Original überprüfen hilft
Nachdem ich nun aber anhand des Scans des Originalbriefs überprüft habe, ob Bersinger das tatsächlich so geschrieben hat oder ich mich verlesen habe, muss ich hier mitteilen, dass der Fehler allein bei mir liegt.

Die Ortschaft wurde von Bersinger als «Wolpen dingen» bezeichnet (zum Vergrössern Bild anklicken, vgl. zweites Wort in der siebten Textzeile).
Und wenn man etwas auf die Suche geht, dann ist das eine sehr seltene Alternativschreibweise zur Ortschaft Wolpadingen, die seit 1971 zur Gemeinde Dachsberg im Südschwarzwald gehört und in der Nähe der Klosterstadt St. Blasien liegt.
Korrektur auf «Wolpadingen»
Der Kübler Dietsche stammt ziemlich sicher aus diesem Dorf gar nicht so weit von Weiach entfernt. Malzendingen ist wohl Wolpadingen.
Was in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 29: «Ales half dazu daß ich fremde Dienste nahm». Der lange Weg zum Totalverbot (Reislaufen – Teil 2). entsprechend korrigiert ist.
Keine Korrektur ist beim Artikel «Die Flucht in den Söldnerdienst» möglich, der in der Reihe «Geschichte und Geschichten aus dem Unterland» im Tages-Anzeiger Unterland vom 13. März 2009 erschienen ist. Dort steht nun bis in alle Ewigkeit ein fiktives Malzendingen drin. Peinlich.
Dienstag, 15. Dezember 2009
Kirchliche Liebestätigkeit gewachsen
Aus dem Kirchenvisitationsbericht 1912-1923 des Weiacher Pfarrers Kilchsperger ist schon in drei früheren Artikeln von WeiachBlog zitiert worden. Hier nun was er zum Thema Kollekten und Spenden (früher als «Liebessteuern» bezeichnet) zu sagen hatte.
Lieber für auswärtige Bedürftige
«Ad 5. Die kirchl. Liebestätigkeit ist in den letzten Jahren entschieden gewachsen. Im allgemeinen wird für wohltätige Zwecke ausserhalb der Gemeinde lieber gegeben, als für solche innerhalb der Gemeinde.»
Interessant ist, dass Kollekten für Dritte ausserhalb der Gemeinde besser ankommen. Das hat wohl damit zu tun, dass die Bürger bereits mit den Armensteuern belastet wurden und wohl fanden, damit genug getan zu haben - und auch damit, dass man die Verfehlungen der eigenen Armengenössigen sehr wohl kannte, die von fremden aber eher ausblenden konnte.
Protestantische Mission findet Zuspruch
«Besonderer Liebe erfreut sich die Basler Mission, so dass neben der Fünferkollekte noch die Halbbatzenkollekte eingeführt werden konnte, wobei im ersten Anlauf sechzig Geber gewonnen wurden. Die Missions-Sonntagsgottesdienste, sowie die Jahresfeste des Missionsverbandes am Zürcher Rhein fördern den Missionssinn. Daneben wird auch des protst. kirchl. Hülfsvereins gedacht, u. ihm seit etlichen Jahren die Pfingststeuer zu gewiesen.»
Dass die anfangs des 19. Jahrhunderts gegründete Basler Mission grossen Zuspruch erhielt, verwundert angesichts ihrer Wurzeln in pietistischen Kreisen nicht wirklich. Protestantische Basisfrömmigkeit und damit verbundene Missionierung und Evangelisierung haben in Weiach durchaus Tradition, was sich auch an der Verbreitung von protestantischen Freikirchen ablesen lässt.
Frühere Artikel zum Thema Visitationsbericht
- «Auflösung der Autorität» wegen 1. Weltkrieg (WeiachBlog, 26. November 2009)
- Bibeln wie Hochzeitskleider gebraucht (WeiachBlog, 27. November 2009)
- Kasualien als gute, fromme Sitte (WeiachBlog, 30. November 2009)
Sonntag, 13. Dezember 2009
Weyacher Veteran will St. Helena-Medaille
Ob Rudolf Baumgartner von Weyach einer dieser Überlebenden war, weiss man nicht. Aber er muss wohl irgendwann zwischen 1792 und 1815 in französischen Heeren Dienst geleistet haben.
Baumgartner bewarb sich nämlich 1855 um einen Anteil an den Napoleonischen Legaten, wie man einem Verzeichnis entnehmen kann, das heute im Staatsarchiv des Kantons Zürich zu finden ist. Er scheint jedoch leer ausgegangen zu sein.
Vom Grossvater gestiftet, vom Enkel dekretiert
Napoleon I., der im Jahre 1821 auf dem Atlantik-Eiland St. Helena starb, bestimmte nämlich testamentarisch die noch lebenden Angehörigen seiner Armeen zu Erben von immerhin 8 Millionen Franc, damals eine beträchtliche Summe.
Weil aber die Zahl der noch Lebenden immerhin bei 405'000 lag, konnte der Einzelne nicht grosse Reichtümer erwarten - nur eine Ehrengabe. Immerhin ein Orden.
Mit der 1857 durch den französischen Kaiser Napoleon III. gestifteten Sankt-Helena-Medaille wurden die noch lebenden Soldaten der Kriege unter Napoleon I. ausgezeichnet.
Die Medaille trägt die Inschrift: «Campagnes de 1792 à 1815. A ses compagnons de gloire sa dernière pensée. Ste. Hélène, 5 Mai 1821».
Quelle
- StAZH Q I 137a: St. Helena-Medaille und Napoleonische Legate, 1855-1858)
- Brandenberger, Ulrich: «Ales half dazu daß ich fremde Dienste nahm». Der lange Weg zum Totalverbot (Reislaufen – Teil 2). Weiacher Geschichte(n) Nr. 29, In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, April 2002.
- Diskussion auf einem Numismatikforum
- Die St. Helena-Medaillen Webauftritt eines Projekts zur Geschichte der Napoleon-Veteranen.
- Abbildungen der Medaille
Samstag, 12. Dezember 2009
Gesamtsteuerfuss steigt um 2 Prozent
Dass es in diesem Stil weitergeht, konnte man dem Online-Auftritt des Tages-Anzeigers bereits am 23. November entnehmen: «50 Gemeinden senken die Steuern» war der Artikel von René Donzé überschrieben. Bei Senkungen auf solch breiter Front könne von Krise keine Rede sein, meinte der Journalist, um dann weiter unten anzumerken: «Steuererhöhungen planen zudem Gemeinden im Unterland von Oberweningen und Weiach über Regensberg, Rümlang, Regensdorf bis nach Kloten.»
In verdaubaren Schritten nach oben
Auf nächstes Jahr hin erhöht die politische Gemeinde ihren Steuerfuss also erneut. Eines der Traktanden der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember war denn auch die «Genehmigung des Voranschlages für das Jahr 2010 und Festsetzung des Steueransatzes auf 24% (Vorjahr 21%)» (MGW, November 2009, S.3).
Heute Samstag titelt der Tages-Anzeiger Unterland auf Seite 25 simpel mit «Weiach erhöht die Steuern», was angesichts der letztjährigen Erhöhung und der bisher jahrelang rekordtiefen Gesamtsteuerbelastung tatsächlich News ist. Jedenfalls für all diejenigen, die einen Umzug in die Nordwestecke des Kantons vor allem oder gar ausschliesslich aus fiskalischen Gründen ins Auge gefasst hatten. Was der Tagi schreibt, tönt gar nicht so spektakulär:
«Weiach – 43 Stimmberechtigte (5,7 Prozent) genehmigten am Donnerstag eine Steuererhöhung der Politischen Gemeinde Weiach um 3 Punkte auf 24 Prozent. Der Gesamtsteuerfuss steigt neu auf 87 Prozent (Vorjahr: 85 Prozent), weil die Oberstufenschulgemeinde ihren um ein Prozent senkt. Die Versammlung gab grünes Licht für das Budget 2010, das mit einem Defizit von fast 400 000 Franken schliesst. Weiter hiessen die Weiacher auch den Kredit von 560 000 Franken für die Sanierung des Abwartshauses am Schulhaus gut. Das Budget der Schule schliesst mit einem Plus von rund 120 000 Franken bei einem Aufwand von 1,2 Millionen Franken. Die Ausgaben fallen um 73 000 Franken tiefer aus als im Vorjahr.»
Der Gesamtsteuerfuss steigt also gesamthaft nur um 2 Prozent, da die Oberstufenschule Stadel ihren Steuerfuss um 1% zurückschraubt.
Gemeindevermögen wird weiter geplündert
Darüber, was hinter der Steuererhöhung der politischen Gemeinde wirklich steckt, erfährt man allerdings in diesem Kurzbeitrag nur zwischen den Zeilen etwas.
Der entscheidende Punkt ist, dass das Budget 2010 trotz Steuererhöhung immer noch 400'000 Franken Defizit vorsieht. Man lebt also in Weiach ein weiteres Jahr von der Substanz. Eine Praxis, die auf diesem Blog schon vor Jahren kritisiert wurde (vgl. den WeiachBlog-Artikel vom 17. November 2006).
Was wäre die Unique Selling Proposition?
Offensichtlich fürchtet der Gemeinderat zu starke Steuererhöhungen nach wie vor wie der Teufel das Weihwasser - nicht unbedingt wegen der bereits hier Ansässigen. Die ziehen nicht so schnell weg, vor allem wenn sie bereits Wohneigentum erworben haben. Anders sieht es mit potentiellen Neuzuzügern aus.
Die Frage ist: wie hoch darf der Steuerfuss steigen, dass andere als Nachteil empfundene Faktoren (Abgelegenheit, Fluglärm, suboptimale Anbindung ans öV-Netz, etc.) in der Gesamtbetrachtung nicht zu stark ins Gewicht fallen. Oder anders gefragt: Was ist das Alleinstellungsmerkmal, das unseren Standort deutlich von anderen im Zürcher Unterland abhebt, wenn der tiefe Steuerfuss wegbröckelt?
Montag, 7. Dezember 2009
Weiacher Geschichte(n) auf neuer Homesite
Wie Ende Juli bereits mitgeteilt, hat die Besitzerin unseres langjährigen Webhosters Geocities ihre Ankündigung wahrgemacht, den Dienst eingestellt und per 26. Oktober sämtliche Sites gelöscht. Mittlerweile sind sie nicht einmal mehr über Google zu finden.
Die Ersatz-Lösung mit einem Hosting der Artikel auf esnips.com bzw. Scribd.com befriedigt die Nutzer nicht. esnips.com ist wegen seiner Werbelastigkeit und vielen kapazitätsfressenden Multimedia-Anwendungen in der Kritik. Scribd.com hat in jüngerer Zeit die Bedingung eingeführt, dass Nicht-Mitglieder die Dateien nur anschauen, aber nicht downloaden können.
Heimspiel: Lokale Lösung gefunden
Der Weiacher Pfarrer Christian Weber hat den Weiacher Geschichte(n) und weiteren Materialien zur Ortsgeschichte der Gemeinde Weiach nun eine neue Heimat verschafft, die nicht nur werbefrei auftreten kann, sondern auch für die Downloads der PDF-Dateien keine Mitgliedschaft verlangt.
Der neue Webauftritt ist unter dem Domain-Namen der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Weiach angesiedelt:
http://weiachergeschichten.kirche-weiach.ch/
Auf den sechs Reitern ist beinahe alles versammelt, was zuvor unter Geocities zu finden war:
- die Einstiegseite (vgl. Link oben).
- das Artikel-Archiv Weiacher Geschichte(n) samt downloadbarem Inhaltsverzeichnis zur Gesamtausgabe.
- Unter Historia Wiachiana ist das Quellen- und Literaturverzeichnis zur Geschichte von Weiach zu finden. Weiter die Monografien zur Ortsgeschichte von Brandenberger (4. Auflage), sowie ein Link auf WeiachBlog. Weiter wird auf den Reiter Zollinger-Home verwiesen.
- WeiachWeb listet Websites auf, die Bezug zu Weiach aufweisen, aber nicht vom Autor der Weiacher Geschichte(n) verantwortet werden. Diese Liste ist bei Bedarf noch ausbaubar, z.B. mit dieser Linkliste (WeiachBlog, 5. Mai 2008).
- Auf Zollinger-Home sind die Zugänge zu den Zollinger'schen Ortsgeschichten (1. und 2. Auflage) zu finden.
- Und natürlich darf auch die Broschüre zum grossen Jubiläum der Pfarrkirche Weiach nicht fehlen. Unter 300 Jahre Kirche ist die Online-Ausgabe, April 2007 von «ein nöüer Kirchenbauw allhier zu Weyach». Weiach, 1706 – 2006. abgelegt.
Herzlichen Dank an die Kirchgemeinde!