Am heutigen Schaltsekunden-Tag gilt es zu beichten. Und zwar einen Schnitzer, den ich mir vor bald zehn Jahren geleistet habe. Ausgerechnet im am häufigsten angeklickten Beitrag unter den bislang über 1200 Artikeln von WeiachBlog:
«Um 19:11:18 Uhr Lokalzeit kam es im Gebiet Surgen südlich des Dorfkerns von Weiach zum Zusammenstoss mit dem Terrain.» (WeiachBlog, 14. November 2005, Nr. 15, Vor 15 Jahren: Absturz Alitalia AZ 404)
Konsequenterweise habe ich diese Zeitangabe auch fünf Jahre später übernommen:
«Vor ganz genau 20 Jahren, am 14. November 1990 um 19:11 Uhr Ortszeit, ist eine DC 9-32 der Alitalia knapp unterhalb des Dorfes Weiach abgestürzt.» (WeiachBlog, 14. November 2010, Nr. 949
Heute abend vor 20 Jahren: Absturz Alitalia AZ 404)
Und diese Kombination «19:11 Uhr Ortszeit» ist kreuzfalsch.
UTC ist nicht LT
Mein Fehler: Ich habe die Zeitangaben im Flugunfalluntersuchungsbericht als Lokalzeit angenommen. Der Absturzzeitpunkt, den der amtliche Untersuchungsbericht nennt, ist aber nicht 19:11 Ortszeit, sondern 19:11 UTC (also nach dem in der Aviatik-Welt gebräuchlichen Zeitnormal), d.h. 20:11 LT (Local Time), die Ortszeit für Zürich.
Das findet man heraus, wenn man bei diesem Dokument genau hinschaut und auch die Fussnote auf Seite 7 unten liest, die klar und deutlich festhält: «Alle Zeiten sind UTC (Lokalzeit -1 Stunde), sofern nicht ausdrücklich anders bezeichnet.» (vgl. Schlussbericht der Eidgenössischen Flugunfall-Untersuchungskommission über den Unfall des Flugzeuges DC-9-32, ALITALIA, Flugnr. AZ 404, I-ATJA am Stadlerberg, Weiach/ZH, vom 14. November 1990"; abrufbar unter sust.admin.ch)
Um welche Zeit fanden die Fussball-Spiele statt?
Ähnliches würde man wohl auch herausfinden, wenn man die Anspielzeiten der damaligen Qualifikationsspiele für die Fussball-EM 1992 ausfindig machen könnte. Hat doch Daniel Rebetez, Mitarbeiter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS), vor ein paar Jahren folgendes geschrieben:
«14. November 1990: Ich war im Militärdienst und sah mir am Abend zusammen mit dem Kommandanten der Rettungskompanie IV/10 ein Fussballspiel im Fernsehen an. Plötzlich wurde die Meldung «Absturz einer DC-9-32 der Alitalia am Stadlerberg» eingeblendet.» (vgl. WeiachBlog, 31. August 2011, Nr. 1049, Den Alitalia-Absturz als Armeeoffizier erlebt)
Am 14.11. fand das Spiel San Marino - Schweiz statt. Übrigens das erste Spiel von San Marino im Rahmen einer EM-Qualifikation überhaupt, wie man dem Wikipedia-Artikel über den Zwergstaat in der Nähe von Rimini entnehmen kann:
«Das erste offizielle Spiel als Nationalmannschaft in der FIFA bestritt die san-marinesische Elf am 14. November 1990 gegen die Schweiz in der Qualifikation für die Europameisterschaft 1992 – San Marino verlor 0:4.»
Weitere Partien an diesem Abend: Bulgarien-Schottland, Tschechoslowakei-Spanien, Zypern-Norwegen, Dänemark-Jugoslawien, Österreich-Nordirland, Luxemburg-Wales, Irland-England sowie Türkei-Polen (vgl. Wikipedia-Artikel zur EM-Qualifikation).
Nachtrag in Original-Artikel eingefügt
Also noch einmal: Alle von mir bisher gemachten Angaben zum genauen Zeitpunkt «19:11 Ortszeit» beziehen sich auf UTC, nicht MEZ (Mitteleuropäische Zeit)! Ich habe in den beiden zuoberst genannten Artikeln direkt hinter der Zeitangabe einen Nachtrag eingefügt, der die Angelegenheit richtigstellt. So kann der Irrtum auch in den Original-Artikeln nachvollzogen werden.
Dienstag, 30. Juni 2015
Montag, 29. Juni 2015
Juniwetter 1965: überall vom Regen rotbraunes Futter
Nachdem man schon mit den ersten fünf Monaten des Jahre 1965 wettermässig überhaupt nicht zufrieden sein konnte (vgl. WeiachBlog vom 30. Mai 2015) war nach dem viel zu nassen Mai auch im folgenden Monat keine wesentliche Änderung zu verzeichnen:
«Juni. Das Heuwetter kommt immer noch nicht! Die ersten zwei Tage sind so, dass die Bauern mähen und mähen, weil sie nun doch auf Gutwetter hoffen. Aber schon ab dem 3.6. setzte wieder Regenwetter ein. Man sieht überall rotbraunes Futter, das nun eine ganze Woche lang im Regen gelegen oder gehangen hat. Es kann erst am Pfingstmontag, der endlich einmal einen geeigneten Nachmittag bringt, getrocknet und eingeräumt werden. Aber was für Futter, armes Vieh, das solches fressen muss! Der 12.6. schenkt den ersten richtigen Heuertag, dann erst der 15., der 18. wieder. Vom 24.6. ab bis zum Monatsende bleibt das Heuwetter endlich beständig, sodass nun doch bald „Ende-Heuet“ werden darf. Es war für die Bauern ein mühsames Arbeiten; man wusste nie recht, darf man’s wagen oder nicht. Auch an den vermeintlich schönsten Tagen hing immer wieder drohendes Gewölk im Westen parat. Der viele Regen hat in der Ostschweiz und im Zürcher Oberland zu Hochwasserkatastrophen geführt, die z.T. grosse Schäden verursachten. Aber auch unser Rhein stieg im „Rheinhof“ unten in den Tagen um mitte Monat so stark an, dass man den Fussweg unterhalb des Gehöftes nicht mehr begehen konnte; das Wasser reichte bis fast hart an die nördliche Hausmauer, trübes, schmutziges Wasser. Tage mit längeren oder kürzeren Niederschlägen: 12, Gewitter dreimal, meist nachts, 6 Tage bedeckt.
Höchsttemperaturen morgens 20°, mittags 27°, abends 26°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 11°, abends 10°»
Rotbraunes Futter! Heuet erst gegen Ende Juni! Man spürt den Unmut über das Wetter aus diesen Zeilen des Ortschronisten Walter Zollinger förmlich heraus.
[Und die Autokorrektur von Blogger verschlimmbessert mir «Heuet» immer wieder zu «Heute». Wirklich nervig, das!]
Quelle
«Juni. Das Heuwetter kommt immer noch nicht! Die ersten zwei Tage sind so, dass die Bauern mähen und mähen, weil sie nun doch auf Gutwetter hoffen. Aber schon ab dem 3.6. setzte wieder Regenwetter ein. Man sieht überall rotbraunes Futter, das nun eine ganze Woche lang im Regen gelegen oder gehangen hat. Es kann erst am Pfingstmontag, der endlich einmal einen geeigneten Nachmittag bringt, getrocknet und eingeräumt werden. Aber was für Futter, armes Vieh, das solches fressen muss! Der 12.6. schenkt den ersten richtigen Heuertag, dann erst der 15., der 18. wieder. Vom 24.6. ab bis zum Monatsende bleibt das Heuwetter endlich beständig, sodass nun doch bald „Ende-Heuet“ werden darf. Es war für die Bauern ein mühsames Arbeiten; man wusste nie recht, darf man’s wagen oder nicht. Auch an den vermeintlich schönsten Tagen hing immer wieder drohendes Gewölk im Westen parat. Der viele Regen hat in der Ostschweiz und im Zürcher Oberland zu Hochwasserkatastrophen geführt, die z.T. grosse Schäden verursachten. Aber auch unser Rhein stieg im „Rheinhof“ unten in den Tagen um mitte Monat so stark an, dass man den Fussweg unterhalb des Gehöftes nicht mehr begehen konnte; das Wasser reichte bis fast hart an die nördliche Hausmauer, trübes, schmutziges Wasser. Tage mit längeren oder kürzeren Niederschlägen: 12, Gewitter dreimal, meist nachts, 6 Tage bedeckt.
Höchsttemperaturen morgens 20°, mittags 27°, abends 26°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 11°, abends 10°»
Rotbraunes Futter! Heuet erst gegen Ende Juni! Man spürt den Unmut über das Wetter aus diesen Zeilen des Ortschronisten Walter Zollinger förmlich heraus.
[Und die Autokorrektur von Blogger verschlimmbessert mir «Heuet» immer wieder zu «Heute». Wirklich nervig, das!]
Quelle
- Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
Montag, 22. Juni 2015
Was auf den Weiacher Glocken wirklich draufsteht
Am 7. Mai 2006 hat WeiachBlog die ketzerische Frage gestellt (vgl. Artikel Nr. 184), ob die in der Literatur erwähnten Glockensprüche überhaupt auf den Glocken drauf seien. Antwort: Der verstorbene Sigrist Werner Attinger hatte recht. Auf den Glocken sind wirklich Sinnsprüche (auch Glockengedichte genannt) zu finden.
Weiter wurde im selben Artikel die Frage aufgeworfen, ob die Fassung von Marcel Hintermann in seinem Büchlein «Rund um Kaiserstuhl» aus dem Jahre 1955 den Text der Glockensprüche korrekt wiedergibt. Oder doch eher die am 6. Mai 2006 vorgestellte Fassung von Emil Maurer (vgl. WeiachBlog Nr. 183) in «Die Kirche zu Weiach» aus dem Jahre 1965.
Am 7. September 2006 machte ich dann den lapidaren Vermerk: «Mittlerweile ist die Frage nach den Glockensprüchen gelöst», versäumte es aber, gleich auch die korrekte Antwort mitzuliefern (vgl. WeiachBlog Nr. 271).
Nachdem die Inschriften auf den Glocken in der 2006 publizierten Broschüre zum 300-Jahr-Jubiläum der Kirche fehlen (der beschränkte Platz forderte eine Auswahl) sei dies hiermit - Jahre später - endlich nachgeholt.
Das Fazit nach einem persönlichen Augenschein im Glockenstuhl lautet: Keiner der beiden hat die Inschriften wirklich korrekt abgedruckt. Maurer liegt der Wahrheit immerhin näher als Hintermann.
Zusätzlich zu den - wie auf den Originalen in Grossbuchstaben wiedergegebenen - Glockensprüchen ist nachfolgend auch eine Beschreibung der übrigen Inschriften und Verzierungen der Glocken beigefügt.
Grosse Glocke – Nr. 1
Beschreibung
Unter sechszackigem, facettiert erhabenem Weiacherstern, der von einem runden Lorbeerkranz (?) umgeben ist, die Inschrift «DER LÖBLICHEN GEMEINDE WEYACH», welche von zwei Eichenzweigen eingerahmt ist (eindeutig, wg. Blattform und Eicheln):
Auf der Glocke sind ausserdem auf der Chorseite und der Schiffseite je zwei Figuren, ein Mann im Wintermantel mit Pelzkragen und Pelzmütze und eine Trachtenfrau mit Hut abgebildet:
Glockenspruch
WO IMMER WIRD MEIN TON ERSCHALLEN,
SOLL IEDER GERN ZUM TEMPEL WALLEN,
WO GOTTES WORT REIN WIRD VERKÜNDET,
DIE SEELE TROST UND LABUNG FINDET.
Gewicht 690 kg
Mittlere Glocke – Nr. 2
So genannte Betzeitglocke.
Beschreibung
Eichenzweige mit kleinem Weiacherstern in der Mitte
Glockenspruch
BIST MÜDE VON DER ARBEIT DU,
SO LADE ICH DICH EIN ZUR RUH,
UND WENN DANN FROH DER TAG ERWACHT,
MEIN RUF DICH WIEDER MUNTER MACHT.
O MENSCH ! GEDENK ZU IEDER FRIST,
DASS DU IN GOTTES HÄNDEN BIST.
Gewicht 340 kg
Kleine Glocke – Nr. 3
So genanntes Totenglöcklein.
Beschreibung
Nur Weiacherstern mit rundem Lorbeerkranz.
Weiter findet man auf der Glocke die Herstellerbezeichnung:
GEGOSSEN
VON
JAKOB KELLER
IN UNTERSTRASS
Glockenspruch
DU EILEST IETZ DER HEIMAT ZU,
IN DEINE EW’GE HIMMELSRUH,
WO DEIN HEILAND IESUS CHRIST,
EWIG NUR DEIN ALLES IST.
Gewicht 195 kg
[Fotos eingestellt am 27. Juli 2015]
Weiter wurde im selben Artikel die Frage aufgeworfen, ob die Fassung von Marcel Hintermann in seinem Büchlein «Rund um Kaiserstuhl» aus dem Jahre 1955 den Text der Glockensprüche korrekt wiedergibt. Oder doch eher die am 6. Mai 2006 vorgestellte Fassung von Emil Maurer (vgl. WeiachBlog Nr. 183) in «Die Kirche zu Weiach» aus dem Jahre 1965.
Am 7. September 2006 machte ich dann den lapidaren Vermerk: «Mittlerweile ist die Frage nach den Glockensprüchen gelöst», versäumte es aber, gleich auch die korrekte Antwort mitzuliefern (vgl. WeiachBlog Nr. 271).
Nachdem die Inschriften auf den Glocken in der 2006 publizierten Broschüre zum 300-Jahr-Jubiläum der Kirche fehlen (der beschränkte Platz forderte eine Auswahl) sei dies hiermit - Jahre später - endlich nachgeholt.
Das Fazit nach einem persönlichen Augenschein im Glockenstuhl lautet: Keiner der beiden hat die Inschriften wirklich korrekt abgedruckt. Maurer liegt der Wahrheit immerhin näher als Hintermann.
Zusätzlich zu den - wie auf den Originalen in Grossbuchstaben wiedergegebenen - Glockensprüchen ist nachfolgend auch eine Beschreibung der übrigen Inschriften und Verzierungen der Glocken beigefügt.
Grosse Glocke – Nr. 1
Beschreibung
Unter sechszackigem, facettiert erhabenem Weiacherstern, der von einem runden Lorbeerkranz (?) umgeben ist, die Inschrift «DER LÖBLICHEN GEMEINDE WEYACH», welche von zwei Eichenzweigen eingerahmt ist (eindeutig, wg. Blattform und Eicheln):
Auf der Glocke sind ausserdem auf der Chorseite und der Schiffseite je zwei Figuren, ein Mann im Wintermantel mit Pelzkragen und Pelzmütze und eine Trachtenfrau mit Hut abgebildet:
Glockenspruch
WO IMMER WIRD MEIN TON ERSCHALLEN,
SOLL IEDER GERN ZUM TEMPEL WALLEN,
WO GOTTES WORT REIN WIRD VERKÜNDET,
DIE SEELE TROST UND LABUNG FINDET.
Gewicht 690 kg
Mittlere Glocke – Nr. 2
So genannte Betzeitglocke.
Beschreibung
Eichenzweige mit kleinem Weiacherstern in der Mitte
Glockenspruch
BIST MÜDE VON DER ARBEIT DU,
SO LADE ICH DICH EIN ZUR RUH,
UND WENN DANN FROH DER TAG ERWACHT,
MEIN RUF DICH WIEDER MUNTER MACHT.
O MENSCH ! GEDENK ZU IEDER FRIST,
DASS DU IN GOTTES HÄNDEN BIST.
Gewicht 340 kg
Kleine Glocke – Nr. 3
So genanntes Totenglöcklein.
Beschreibung
Nur Weiacherstern mit rundem Lorbeerkranz.
Weiter findet man auf der Glocke die Herstellerbezeichnung:
GEGOSSEN
VON
JAKOB KELLER
IN UNTERSTRASS
Glockenspruch
DU EILEST IETZ DER HEIMAT ZU,
IN DEINE EW’GE HIMMELSRUH,
WO DEIN HEILAND IESUS CHRIST,
EWIG NUR DEIN ALLES IST.
Gewicht 195 kg
[Fotos eingestellt am 27. Juli 2015]
Dienstag, 16. Juni 2015
Steuersekretär musste per sofort sein Pult räumen
Eklat in der Gemeindeverwaltung Weiach. Der langjährige Steuersekretär musste gehen. Per sofort. Dies kann man der aktuellen Ausgabe (Juni 2015) der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach entnehmen:
«Der Gemeinderat löst das Arbeitsverhältnis mit dem Steuersekretär mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten auf und stellt den Mitarbeiter per sofort von seiner Arbeitsleistung frei. Seine Aufgaben übernimmt Stefanie Ammann im Rahmen eines zeitlich befristeten „Springereinsatzes“ bis die Nachfolge definitiv geregelt ist. Die Behörde genehmigt den entsprechenden Vertrag mit einem Honoraransatz von CHF 130.- / Std. mit der Federas AG, welche sich auf Gemeindedienstleistungen spezialisiert hat.» (MGW, Juni 2015, S. 5)
Noch Anfang Monat waren diese Zeilen auch in der online gestellten PDF-Datei zu lesen. Kurze Zeit später hat die Verwaltung das Dokument vom Netz genommen (WeiachBlog berichtete am 11. Juni).
Twitter wusste es bereits früher
Im Twitter-Space war dieses Ereignis schon etliche Tage vor der Veröffentlichung im Gemeindeblatt präsent (vgl. https://twitter.com/urex_ch/status/601395251325046785):
urex.ch ® @urex_ch
Der Steuersekretär der Politischen Gemeinde 8187 Weiach ist nicht mehr im Amt. Knall auf Fall?!?!
07:32 - 21. Mai 2015
Hansruedi Widmer @HansruediWidmer· 21. Mai 07:34
@urex_ch Kies-Probleme?
urex.ch ® @urex_ch· 21. Mai 07:37
@HansruediWidmer // Steuersekretäre haben "nichts" mit Unternehmenseinschätzungen (macht @kantonzuerich) zu tun. Nur Inkassowesen ...
Hansruedi Widmer @HansruediWidmer· 21. Mai 07:39
@urex_ch In meinem Dialekt ist "Kies" ein Wort für Geld. Und Weiach ist für (richtiges) Kies bekannt. Missglücktes Wortspiel halt.
Ein Verdacht steht im Raum
Widmer, gemäss seiner Twitter-Seite ein studierter Mathematiker (Dr. sc. math. ETH) aus Baden im Aargau, bringt mit seiner Antwort an urex.ch den Abgang des Steuersekretär mit Kies in Verbindung. Man könnte das nun so interpretieren, dass sich der Gemeindeangestellte einen Griff in die Kasse habe zuschulden kommen lassen.
Widmer entschuldigt zwar bereits 5 Minuten später sein «missglücktes Wortspiel». Trotzdem bleibt der Verdacht hängen. Und zwar zu Unrecht, wie von einer gewöhnlich gut unterrichteten Quelle im Umfeld der Gemeinde-Exekutive zu erfahren war. Bei genauer Analyse des Textes in den Mitteilungen darf man auch annehmen dass dem so ist. Es hätte ja auch noch die Möglichkeit einer fristlosen Entlassung gegeben.
Es ist verständlich, dass die Gemeinde sich nicht über die Gründe der Entlassung äussern will. Die gehören auch nicht an die Öffentlichkeit, wenn es nicht um strafrechtlich relevante Tatbestände geht.
Trotzdem würde man sich wünschen, dass nicht einfach die Juni-Ausgabe der Mitteilungen gelöscht und ansonsten rein gar nichts kommuniziert wird. Denn damit bleibt der Verdacht am ehemaligen Mitarbeiter haften. Nach obigem Getwittere und der Löschaktion auf der Gemeindewebsite wäre jetzt eine Stellungnahme angebracht.
Twitterer ist kein Unbekannter
Hinter dem Twitter-Account urex.ch steht übrigens die Firma Urex AG mit Sitz in Hochfelden ZH. Sie gehört Claudio Schmid (*1971) und ist auf Treuhanddienstleistungen spezialisiert, wozu auch Steuern gehören.
Und dieser Claudio Schmid ist nicht irgendwer. Bekannt geworden ist er in der Öffentlichkeit vor allem als streitbarer Zürcher Unterländer SVP-Kantonsrat, vgl. seine private Twitter-Seite https://twitter.com/claudio_schmid.
«Der Gemeinderat löst das Arbeitsverhältnis mit dem Steuersekretär mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten auf und stellt den Mitarbeiter per sofort von seiner Arbeitsleistung frei. Seine Aufgaben übernimmt Stefanie Ammann im Rahmen eines zeitlich befristeten „Springereinsatzes“ bis die Nachfolge definitiv geregelt ist. Die Behörde genehmigt den entsprechenden Vertrag mit einem Honoraransatz von CHF 130.- / Std. mit der Federas AG, welche sich auf Gemeindedienstleistungen spezialisiert hat.» (MGW, Juni 2015, S. 5)
Noch Anfang Monat waren diese Zeilen auch in der online gestellten PDF-Datei zu lesen. Kurze Zeit später hat die Verwaltung das Dokument vom Netz genommen (WeiachBlog berichtete am 11. Juni).
Twitter wusste es bereits früher
Im Twitter-Space war dieses Ereignis schon etliche Tage vor der Veröffentlichung im Gemeindeblatt präsent (vgl. https://twitter.com/urex_ch/status/601395251325046785):
urex.ch ® @urex_ch
Der Steuersekretär der Politischen Gemeinde 8187 Weiach ist nicht mehr im Amt. Knall auf Fall?!?!
07:32 - 21. Mai 2015
Hansruedi Widmer @HansruediWidmer· 21. Mai 07:34
@urex_ch Kies-Probleme?
urex.ch ® @urex_ch· 21. Mai 07:37
@HansruediWidmer // Steuersekretäre haben "nichts" mit Unternehmenseinschätzungen (macht @kantonzuerich) zu tun. Nur Inkassowesen ...
Hansruedi Widmer @HansruediWidmer· 21. Mai 07:39
@urex_ch In meinem Dialekt ist "Kies" ein Wort für Geld. Und Weiach ist für (richtiges) Kies bekannt. Missglücktes Wortspiel halt.
Ein Verdacht steht im Raum
Widmer, gemäss seiner Twitter-Seite ein studierter Mathematiker (Dr. sc. math. ETH) aus Baden im Aargau, bringt mit seiner Antwort an urex.ch den Abgang des Steuersekretär mit Kies in Verbindung. Man könnte das nun so interpretieren, dass sich der Gemeindeangestellte einen Griff in die Kasse habe zuschulden kommen lassen.
Widmer entschuldigt zwar bereits 5 Minuten später sein «missglücktes Wortspiel». Trotzdem bleibt der Verdacht hängen. Und zwar zu Unrecht, wie von einer gewöhnlich gut unterrichteten Quelle im Umfeld der Gemeinde-Exekutive zu erfahren war. Bei genauer Analyse des Textes in den Mitteilungen darf man auch annehmen dass dem so ist. Es hätte ja auch noch die Möglichkeit einer fristlosen Entlassung gegeben.
Es ist verständlich, dass die Gemeinde sich nicht über die Gründe der Entlassung äussern will. Die gehören auch nicht an die Öffentlichkeit, wenn es nicht um strafrechtlich relevante Tatbestände geht.
Trotzdem würde man sich wünschen, dass nicht einfach die Juni-Ausgabe der Mitteilungen gelöscht und ansonsten rein gar nichts kommuniziert wird. Denn damit bleibt der Verdacht am ehemaligen Mitarbeiter haften. Nach obigem Getwittere und der Löschaktion auf der Gemeindewebsite wäre jetzt eine Stellungnahme angebracht.
Twitterer ist kein Unbekannter
Hinter dem Twitter-Account urex.ch steht übrigens die Firma Urex AG mit Sitz in Hochfelden ZH. Sie gehört Claudio Schmid (*1971) und ist auf Treuhanddienstleistungen spezialisiert, wozu auch Steuern gehören.
Und dieser Claudio Schmid ist nicht irgendwer. Bekannt geworden ist er in der Öffentlichkeit vor allem als streitbarer Zürcher Unterländer SVP-Kantonsrat, vgl. seine private Twitter-Seite https://twitter.com/claudio_schmid.
Sonntag, 14. Juni 2015
Nein zu RTVG, Erbschaftssteuer und Stipendien
Es ist kurz nach Mittag und bereits hat das kantonale Statistikamt die Zahlen für die Volksabstimmungen vom 14. Juni auf seiner Website bereit.
Natürlich kann man zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie sich die Zürcher Unterländer Gemeinde diesmal in den kantonalen und nationalen Vergleich einsortiert. Aus langjähriger Erfahrung darf man aber annehmen, dass sich der konservative Trend auch am heutigen Abstimmungssonntag bestätigt.
Nur die Fortpflanzungsmedizin hatte eine Chance
Die Zahlen bestätigen obige Annahme, wie man an den folgenden Ja-Stimmenanteilen sieht:
Nationale Vorlagen
51.01 % Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie
14.33 % Stipendieninitiative
24.18 % Erbschaftssteuerreform
38.64 % Bundesgesetz über Radio und Fernsehen
Also knappes Jahr zur Präimplantationsdiagnostik, wuchtiges Nein gegen die Stipendienvorlage, etwas weniger heftig (aber immer noch mit mehr als drei Vierteln) das Nein gegen eine nationale Erbschaftssteuer und deutliche Ablehnung der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG).
Kantonale Vorlagen
38.89 % Obligatorisches Referendum für Gebühren
39.19 % Gebührenkatalog
48.35 % Keine Härtefallkommission für abgewiesene Asylsuchende
Die Mehrheit der abstimmenden Weiacherinnen und Weiacher folgten also dem Regierungsrat. Sie wollen keine Regelung für Gebühren, weder in der Kantonsverfassung (Referendum für kantonale Gebühren) noch im Gemeindegesetz (Gebührenkatalog auf Gemeindeebene). Wie man der offiziellen Abstimmungszeitung entnehmen kann, waren die beiden Vorlagen auch im Kantonsrat höchst umstritten. Nur knapp gescheitert ist in Weiach die Forderung nach Abschaffung der Härtefallkommission.
Schwache Stimmbeteiligung
Inwieweit diese Resultate aber für die Haltungen und Überzeugungen einer Mehrheit der Stimmberechtigten repräsentativ sind, das ist in Weiach weiterhin die Frage. Erneut ist die Beteiligungsquote bestenfalls mittelprächtig:
37.05 % Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie
37.05 % Stipendieninitiative
37.29 % Erbschaftssteuerreform
37.29 % Bundesgesetz über Radio und Fernsehen
34.17 % Obligatorisches Referendum für Gebühren
34.17 % Gebührenkatalog
34.29 % Keine Härtefallkommission für abgewiesene Asylsuchende
Die höchsten Mobilisierungswerte erreichen die beiden im öffentlichen Diskurs präsentesten Vorlagen zur Erbschaftssteuer und zum RTVG.
Mit dieser Stimmbeteiligung steht Weiach im Bezirksvergleich wieder einmal ziemlich schlecht da - in einer Reihe mit den Agglogemeinden Rümlang, Regensdorf und Niederhasli. Nur Oberglatt weist mit rund 31% für die nationalen Vorlagen eine massiv tiefere Beteiligung auf. Wie anders sieht es da in nächster Umgebung aus: Bachs: rund 49%, Neerach über 50%!
Natürlich kann man zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie sich die Zürcher Unterländer Gemeinde diesmal in den kantonalen und nationalen Vergleich einsortiert. Aus langjähriger Erfahrung darf man aber annehmen, dass sich der konservative Trend auch am heutigen Abstimmungssonntag bestätigt.
Nur die Fortpflanzungsmedizin hatte eine Chance
Die Zahlen bestätigen obige Annahme, wie man an den folgenden Ja-Stimmenanteilen sieht:
Nationale Vorlagen
51.01 % Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie
14.33 % Stipendieninitiative
24.18 % Erbschaftssteuerreform
38.64 % Bundesgesetz über Radio und Fernsehen
Also knappes Jahr zur Präimplantationsdiagnostik, wuchtiges Nein gegen die Stipendienvorlage, etwas weniger heftig (aber immer noch mit mehr als drei Vierteln) das Nein gegen eine nationale Erbschaftssteuer und deutliche Ablehnung der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG).
Kantonale Vorlagen
38.89 % Obligatorisches Referendum für Gebühren
39.19 % Gebührenkatalog
48.35 % Keine Härtefallkommission für abgewiesene Asylsuchende
Die Mehrheit der abstimmenden Weiacherinnen und Weiacher folgten also dem Regierungsrat. Sie wollen keine Regelung für Gebühren, weder in der Kantonsverfassung (Referendum für kantonale Gebühren) noch im Gemeindegesetz (Gebührenkatalog auf Gemeindeebene). Wie man der offiziellen Abstimmungszeitung entnehmen kann, waren die beiden Vorlagen auch im Kantonsrat höchst umstritten. Nur knapp gescheitert ist in Weiach die Forderung nach Abschaffung der Härtefallkommission.
Schwache Stimmbeteiligung
Inwieweit diese Resultate aber für die Haltungen und Überzeugungen einer Mehrheit der Stimmberechtigten repräsentativ sind, das ist in Weiach weiterhin die Frage. Erneut ist die Beteiligungsquote bestenfalls mittelprächtig:
37.05 % Verfassungsbestimmung zur Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie
37.05 % Stipendieninitiative
37.29 % Erbschaftssteuerreform
37.29 % Bundesgesetz über Radio und Fernsehen
34.17 % Obligatorisches Referendum für Gebühren
34.17 % Gebührenkatalog
34.29 % Keine Härtefallkommission für abgewiesene Asylsuchende
Die höchsten Mobilisierungswerte erreichen die beiden im öffentlichen Diskurs präsentesten Vorlagen zur Erbschaftssteuer und zum RTVG.
Mit dieser Stimmbeteiligung steht Weiach im Bezirksvergleich wieder einmal ziemlich schlecht da - in einer Reihe mit den Agglogemeinden Rümlang, Regensdorf und Niederhasli. Nur Oberglatt weist mit rund 31% für die nationalen Vorlagen eine massiv tiefere Beteiligung auf. Wie anders sieht es da in nächster Umgebung aus: Bachs: rund 49%, Neerach über 50%!
Donnerstag, 11. Juni 2015
MGW Juni 2015 vom Netz getilgt
Bereits am Sonntag, 7. Juni, gab es auf der Website der Gemeinde Weiach keine Spur mehr von einem Eintrag zur Juni-Ausgabe der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW). Auch das von Google gefundene Dokument selber ist weg. Der Link tot. Das war in den folgenden Tagen nicht anders. Und heute ebenso. Was ist da los? Ein Server-Fehler?
Mitnichten! Aus «internen Gründen» habe man die Ausgabe vom Netz nehmen müssen, war heute auf telefonische Nachfrage durch WeiachBlog bei der Gemeindeverwaltung Weiach zu erfahren. Man könne mir gern eine elektronische oder auch die Papier-Ausgabe zustellen. (Besten Dank für das Angebot. Ich habe sie mir bereits Anfang Monat heruntergeladen - als die Datei noch online war.)
Eine Massnahme, wie die gerade beschriebene, ist ja schon ziemlich ungewöhnlich. Zumal, wenn die gedruckte Version per Monatsbeginn in alle Haushaltungen verteilt wurde und sie selbst heute noch erhältlich wäre (sogar elektronisch im Format PDF) - wenn auch nur auf explizite Nachfrage hin.
Genaueres zu diesen «internen Gründen» wollte die Verwaltungsangestellte aber partout nicht sagen. Interessant ist dieser Umstand, weil es sich um diejenige Sachbearbeiterin handelt, die gemäss dem Personenregister auf der Gemeinde-Website für die Redaktion des «Mitteilungsblatts» zuständig ist. Ebenso interessant ist, dass sie für diese Auskunft zuerst Rücksprache innerhalb der Verwaltung halten musste.
Was soll das? Hat da jemand kalte Füsse bekommen? Etwa wegen dem Text auf Seite 5 betreffend die sofortige Freistellung des Steuersekretärs?
Mitnichten! Aus «internen Gründen» habe man die Ausgabe vom Netz nehmen müssen, war heute auf telefonische Nachfrage durch WeiachBlog bei der Gemeindeverwaltung Weiach zu erfahren. Man könne mir gern eine elektronische oder auch die Papier-Ausgabe zustellen. (Besten Dank für das Angebot. Ich habe sie mir bereits Anfang Monat heruntergeladen - als die Datei noch online war.)
Eine Massnahme, wie die gerade beschriebene, ist ja schon ziemlich ungewöhnlich. Zumal, wenn die gedruckte Version per Monatsbeginn in alle Haushaltungen verteilt wurde und sie selbst heute noch erhältlich wäre (sogar elektronisch im Format PDF) - wenn auch nur auf explizite Nachfrage hin.
Genaueres zu diesen «internen Gründen» wollte die Verwaltungsangestellte aber partout nicht sagen. Interessant ist dieser Umstand, weil es sich um diejenige Sachbearbeiterin handelt, die gemäss dem Personenregister auf der Gemeinde-Website für die Redaktion des «Mitteilungsblatts» zuständig ist. Ebenso interessant ist, dass sie für diese Auskunft zuerst Rücksprache innerhalb der Verwaltung halten musste.
Was soll das? Hat da jemand kalte Füsse bekommen? Etwa wegen dem Text auf Seite 5 betreffend die sofortige Freistellung des Steuersekretärs?
Samstag, 30. Mai 2015
Maiwetter 1965: Wiesen «knotschen» vor Nässe
Der März vor 50 Jahren machte den Wintermonaten ernsthafte Konkurrenz (vgl. WeiachBlog vom 30. März 2015) und auch der April war zum Abhaken gewesen (vgl. WeiachBlog vom 29. April 2015). So machte das Wetter den Weiachern keine Freude. Und das war leider auch im Mai 1965 nicht viel anders, wie Walter Zollinger schreibt:
«Mai. Will der Mai endlich gut machen, was März und April versäumt haben? Die ersten Tage sind nämlich sonnig und warm. Die Kirschbäume blühen allgemein und auch in den Gärten stellen sich endlich die Frühlingsblumen ein. Ebenso blühen unsere Birnspaliere. Aber eigentlich gegenüber dem Vorjahr ist doch alles etwa um 10 Tage im Rückstand und das Wetter der zweiten Maiwoche bessert nicht viel daran: viel Regen, wenig Sonne, kühle Morgen (einmal nur 4°). Erst ab dem 14.5. kommt’s endlich; die Temperaturen steigen auf 9 bis 15° morgens, einmal sogar 18°. An den Nachmittagen steht das Thermometer auf 20° und darüber. Die Tage vom 16. und 17.5. warten sogar mit kurzen Gewittern auf. Die Birnbäume stehn nun im vollen Blust und auch die Apfelbäume folgen rasch nach. Schade, dass bald wieder arge Regentage einsetzten und die Morgentemperaturen wieder sanken (2° am 21., 4° am 22.5.). So können die Bienen nicht ausfliegen und das viele Blust nicht besuchen, was sich wiederum ungünstig auf den Obstertrag auswirken wird. Zwischen dem 20. & 30. Mai konnte ich bloss 3 bis 4 sonnige Nachmittage notieren, aber fast jeden Tag während kürzerer oder längerer Zeit Niederschlag. „Die Wiesenböden knotschen vor Nässe“, steht unterm 29.5. Die schweren Traktoren schneiden tiefe Furchen ein. Obwohl mit dem Heuen zaghaft begonnen wird, geht es natürlich nicht vorwärts. Der Mai 1965 gehört zu den niederschlagsreichsten des letzten Jahrhunderts, berichtet eine Mitteilung der Meteorologischen: „Mit dem ebenfalls viel zu nassen April dieses Jahres entstand für Zürich eine Zweimonatssumme, die sogar für die letzten 100 Jahre an der Spitze der Niederschlagsmengen dieser beiden „Frühlingsmonate“ liegt.»
Ein rekordnasser Frühling also - amtlich bestätigt durch die Meteorologische Zentralanstalt (MZA – ab1979: SMA, heute MeteoSchweiz).
Quelle
«Mai. Will der Mai endlich gut machen, was März und April versäumt haben? Die ersten Tage sind nämlich sonnig und warm. Die Kirschbäume blühen allgemein und auch in den Gärten stellen sich endlich die Frühlingsblumen ein. Ebenso blühen unsere Birnspaliere. Aber eigentlich gegenüber dem Vorjahr ist doch alles etwa um 10 Tage im Rückstand und das Wetter der zweiten Maiwoche bessert nicht viel daran: viel Regen, wenig Sonne, kühle Morgen (einmal nur 4°). Erst ab dem 14.5. kommt’s endlich; die Temperaturen steigen auf 9 bis 15° morgens, einmal sogar 18°. An den Nachmittagen steht das Thermometer auf 20° und darüber. Die Tage vom 16. und 17.5. warten sogar mit kurzen Gewittern auf. Die Birnbäume stehn nun im vollen Blust und auch die Apfelbäume folgen rasch nach. Schade, dass bald wieder arge Regentage einsetzten und die Morgentemperaturen wieder sanken (2° am 21., 4° am 22.5.). So können die Bienen nicht ausfliegen und das viele Blust nicht besuchen, was sich wiederum ungünstig auf den Obstertrag auswirken wird. Zwischen dem 20. & 30. Mai konnte ich bloss 3 bis 4 sonnige Nachmittage notieren, aber fast jeden Tag während kürzerer oder längerer Zeit Niederschlag. „Die Wiesenböden knotschen vor Nässe“, steht unterm 29.5. Die schweren Traktoren schneiden tiefe Furchen ein. Obwohl mit dem Heuen zaghaft begonnen wird, geht es natürlich nicht vorwärts. Der Mai 1965 gehört zu den niederschlagsreichsten des letzten Jahrhunderts, berichtet eine Mitteilung der Meteorologischen: „Mit dem ebenfalls viel zu nassen April dieses Jahres entstand für Zürich eine Zweimonatssumme, die sogar für die letzten 100 Jahre an der Spitze der Niederschlagsmengen dieser beiden „Frühlingsmonate“ liegt.»
Ein rekordnasser Frühling also - amtlich bestätigt durch die Meteorologische Zentralanstalt (MZA – ab1979: SMA, heute MeteoSchweiz).
Quelle
- Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 5-6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
Freitag, 1. Mai 2015
So schnell starb das Milchbüchlein nicht
Wenn man die Zeilen Walter Zollingers über den Wechsel der Milcheinnehmer per 1. Mai 1965 zum Nennwert nimmt (vgl. WeiachBlog vom 30. April 2015), dann wurde auf diesen Zeitpunkt auch vom Milchbüechli auf die Milchmarken umgestellt.
So schnell wurde aber auch in Weiach das Büechli nicht abgeschafft. Und man konnte weiterhin mit Bargeld bezahlen, wenn man wollte. Das erklärte zumindest eine der beiden letzten Einnehmerinnen, Elisabeth Odermatt, im Gespräch mit WeiachBlog.
Was macht man bei Preisaufschlägen?
Odermatt (noch heute wohnhaft an der Riemlistrasse 13) war zwischen 1977 und 1989 eine feste Grösse im täglichen Leben des Dorfes. Zusammen mit Elisabeth Hösli schmiss sie den Laden in der «Hütte».
Interessant ist, dass die Weiacher nicht wie andere Genossenschaften auf die Idee kamen, bei Preisänderungen Löcher in die Marken stanzen zu lassen, um Jetons erkennen zu können, die noch nach altem Preis verkauft worden waren (vgl. Kunzmann 2013 für Beispiele).
Als der Verkaufspreis heraufgesetzt wurde, da habe der Präsident der Genossenschaft sparen und auf neue Marken verzichten wollen. Sie habe sich richtig wehren müssen für andersfarbige Jetons. Nach den Bestellbüchern von Güller zu schliessen dürfte sich diese Auseinandersetzung entweder 1979 oder 1985 abgespielt haben. Odermatt setzte sich durch und wohl deshalb gibt es heute verschiedenfarbige Milchmarken mit dem gleichen Nennwert.
Marken erleichtern Abrechnung
Auch Odermatt hebt die Vorzüge des Milchmarken-Systems hervor. Das habe viel Zeit gespart, weil sie nur noch einmal Ende Monat hätten abrechnen müssen. Auch zu ihrer Zeit habe es noch die Milchbüechli gegeben. Aber die meisten Kunden hätten jeweils die Marken bezogen.
Anfang Monat sei es jeweils ums Geld gegangen. Eine von ihnen beiden (Hösli oder sie) habe die Monatsabrechnung gemacht, die andere während dieser Zeit Milchmarken verkauft. Und den Erlös hätten sie dann samt Abrechnung dem Kassier abgegeben (ob es der Post-Ruedi gewesen sei, wisse sie nicht mehr sicher).
Die Zeit in der «Hütte» sei eine schöne gewesen. Gegen Ende der 80er-Jahre habe sie aber zunehmend gesundheitliche Probleme bekommen, vor allem mit dem Rücken, wegen der einseitigen Belastung durch das Hantieren mit schweren Milchkannen und das Ausschenken. Gerade gesund sei die Arbeit also nicht gewesen.
Besuche im Eichi Niederglatt
Im Januar 1990 sei dann die «Hütte» geschlossen, die Milch mittels Tankwagen ab dann direkt von den Höfen abgeholt worden. Da habe sie dann Zeit gehabt für anderes.
Zusammen mit Elisabeth Hösli hat Odermatt im Alterszentrum Eichi in Niederglatt regelmässig betagte Weiacherinnen besucht: darunter meine langjährige Nachbarin Luise Wagner, ehemals wohnhaft Chälenstrasse 25, sowie Frau Schwendener und Emma Erb. Die drei hätten immer ganz genau wissen wollen, was in Weiach laufe.
Quellen
So schnell wurde aber auch in Weiach das Büechli nicht abgeschafft. Und man konnte weiterhin mit Bargeld bezahlen, wenn man wollte. Das erklärte zumindest eine der beiden letzten Einnehmerinnen, Elisabeth Odermatt, im Gespräch mit WeiachBlog.
Was macht man bei Preisaufschlägen?
Odermatt (noch heute wohnhaft an der Riemlistrasse 13) war zwischen 1977 und 1989 eine feste Grösse im täglichen Leben des Dorfes. Zusammen mit Elisabeth Hösli schmiss sie den Laden in der «Hütte».
Interessant ist, dass die Weiacher nicht wie andere Genossenschaften auf die Idee kamen, bei Preisänderungen Löcher in die Marken stanzen zu lassen, um Jetons erkennen zu können, die noch nach altem Preis verkauft worden waren (vgl. Kunzmann 2013 für Beispiele).
Als der Verkaufspreis heraufgesetzt wurde, da habe der Präsident der Genossenschaft sparen und auf neue Marken verzichten wollen. Sie habe sich richtig wehren müssen für andersfarbige Jetons. Nach den Bestellbüchern von Güller zu schliessen dürfte sich diese Auseinandersetzung entweder 1979 oder 1985 abgespielt haben. Odermatt setzte sich durch und wohl deshalb gibt es heute verschiedenfarbige Milchmarken mit dem gleichen Nennwert.
Marken erleichtern Abrechnung
Auch Odermatt hebt die Vorzüge des Milchmarken-Systems hervor. Das habe viel Zeit gespart, weil sie nur noch einmal Ende Monat hätten abrechnen müssen. Auch zu ihrer Zeit habe es noch die Milchbüechli gegeben. Aber die meisten Kunden hätten jeweils die Marken bezogen.
Anfang Monat sei es jeweils ums Geld gegangen. Eine von ihnen beiden (Hösli oder sie) habe die Monatsabrechnung gemacht, die andere während dieser Zeit Milchmarken verkauft. Und den Erlös hätten sie dann samt Abrechnung dem Kassier abgegeben (ob es der Post-Ruedi gewesen sei, wisse sie nicht mehr sicher).
Die Zeit in der «Hütte» sei eine schöne gewesen. Gegen Ende der 80er-Jahre habe sie aber zunehmend gesundheitliche Probleme bekommen, vor allem mit dem Rücken, wegen der einseitigen Belastung durch das Hantieren mit schweren Milchkannen und das Ausschenken. Gerade gesund sei die Arbeit also nicht gewesen.
Besuche im Eichi Niederglatt
Im Januar 1990 sei dann die «Hütte» geschlossen, die Milch mittels Tankwagen ab dann direkt von den Höfen abgeholt worden. Da habe sie dann Zeit gehabt für anderes.
Zusammen mit Elisabeth Hösli hat Odermatt im Alterszentrum Eichi in Niederglatt regelmässig betagte Weiacherinnen besucht: darunter meine langjährige Nachbarin Luise Wagner, ehemals wohnhaft Chälenstrasse 25, sowie Frau Schwendener und Emma Erb. Die drei hätten immer ganz genau wissen wollen, was in Weiach laufe.
Quellen
- Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
- Kunzmann, R.: Milchmarken der Schweiz. Gietl-Verlag, Regenstauf, 2013 - S. 415.
- WeiachBlog: Gespräch mit E. Odermatt vom 20.7.2015
Donnerstag, 30. April 2015
Milchmarken statt Milchbüchlein
Milch und daraus hergestellte Produkte waren früher auch in Weiach ein wesentlicher Bestandteil der landwirtschaftlichen Realität. 1883 gründeten die Weiacher Landwirte zur besseren Vermarktung eine Käsereigenossenschaft (kurze Zeit später in «Käsereigesellschaft» umbenannt, vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 47). Diese Gesellschaft wurde im Juni 1910 aufgelöst.
Ab 1912 existierte dann die «Milchgenossenschaft Weiach», welche im November 2009 ihren Zweck änderte und sich seither «Bauerngenossenschaft Weiach» nennt.
Neue Einnehmer, neues Abrechnungssystem
Vor 50 Jahren war die «M.G. Weiach», wie sie in der Kurzbezeichnung hiess, noch sehr aktiv und betrieb auch die Milchhütte beim VOLG, eine Annahme- und gleichzeitig Verkaufsstelle für Rohmilch. Eine wichtige Position nahm die Stelle des Milcheinnehmers ein, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1965 notierte:
«Milchgenossenschaft Weiach: Mit dem 30.4.65 traten Herr und Frau Jost-Griesser als Milcheinnehmer zurück; neu übernahmen ab 1.5. diesen Posten Herr und Frau Walter Schmid-Gantert im Berg. Zugleich werden auf diesen Zeitpunkt anstelle der bisherigen Milchbüchlein nun Milchmarken ausgegeben, die jeweils anfangs jeden Monats im Milchlokal gekauft werden können.»
(G-Ch Weiach 1965, S. 20)
Von den Vorteilen der Milchmarken
Die durch Milchmarken ermöglichte Vereinfachung im täglichen Gebrauch leuchtete sowohl den Genossenschaften wie den Privathaushalten ein.
Für die Milcheinnehmer entfiel das mühsame Hantieren mit Bargeld, was nicht nur eine Zeitersparnis bedeutete (Austausch des Wechselgelds entfiel), sondern auch eine Verbesserung der Hygiene, denn der Kunde konnte seine Jetons in eine Schachtel legen und erhielt dafür die entsprechende Menge Milch in sein Kesseli abgemessen. Mütter konnten bereits kleine Kinder mit Kesseli und Jetons ausgerüstet zum Milchholen schicken. Und liefen dabei nicht Gefahr, dass Bargeld anderweitig verputzt wurde oder das Wechselgeld nicht stimmte.
Und nicht zuletzt konnte man auf diese Weise am Monatsanfang die ungefähr benötigte Menge Milch im Voraus bezahlen. Die Milchproduzenten erhielten so ihr Geld früher und liefen erst noch weniger Gefahr, sich bei Zahlungsausfall eines Kunden den Betrag ans Bein streichen zu müssen. Was beim Milchbüechli-System natürlich ab und zu passierte. Denn da wurde Milch auf Kredit ausgeschenkt und nicht gegen Einhändigung eines Zahlungsmittels, wie dem Ersatzgeld «Milchmarke».
Ein weites Feld für Numismatiker
Bei diesen praktischen Vorteilen wundert es nicht, dass solche Milchmarken im 20. Jahrhundert in der Schweiz weitherum üblich waren. Der Numismatiker Dr. Ruedi Kunzmann hat in seinem Buch «Milchmarken der Schweiz» hunderte von Beispielen dokumentiert. Sie sind nach seiner Einschätzung etwa ab 1910 entstanden und waren bis in die 90er-Jahre in Gebrauch.
In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Marken um runde Jetons aus Messing, ab den 50er-Jahren auch aus eloxiertem Aluminium (das damals erschwinglich wurde). Mit ihnen konnte auf einfache Weise der Warenbezug abgerechnet werden, wobei es sich praktisch immer um Milch handelt, seltener auch um Butter oder Rahm.
Neben der Milchgenossenschaft Weiach gaben nach dem 2013 publizierten Katalog von Kunzmann auch die Milchverkaufsstellen von Windlach, Bachs, Stadel und Steinmaur eigene Prägungen heraus. Was nicht bedeutet, dass es solche in Fisibach, Kaiserstuhl oder Glattfelden nicht gegeben hat.
Wie die Weiacher Marken aussahen
Ab und zu tauchen auf den Auktionsportalen auch solche Milchmarken auf. Im März 2011 zum Beispiel die unten abgebildeten,aus rot eloxiertem Aluminium geprägten Münzen (Vorder- und Rückseite):
Gemäss dem damaligen Anbieter auf Ebay hat die Wert-Marke für 1 Liter Milch der M.G. Weiach einen Durchmesser von 24,1 mm.
Auch im Katalog Kunzmann (1. Aufl. 2013) sind auf S. 415 unter den Nr. 2051 und 2052 vom Prägebild her identische Beispiele abgebildet. Dazu sind folgende Erläuterungen gegeben:
«WEIACH / M. G. (Milchgenossenschaft)Weiach (Kt. ZH)
2051
1/2 Liter Milch ohne Jahr
Legierung: Aluminium hellgrün oder hellblau eloxiert
Durchmesser: 20 mm
Prägestätte: Güller
Seltenheit: selten
Besonderes: Auslieferungen am 23.4.1965 und 10.5.1985
2052
1 Liter Milch ohne Jahr
Durchmesser: 24 mm
Prägestätte: Güller
Seltenheit: selten
Besonderes: Auslieferungen am 23.4.1965, 18.5.1965, 6.12.1966, 27.6.1979, 10.9.1979 und 10.5.1985»
Als «selten» bezeichnet Kunzmann Milchmarken, die er zwischen 2008 und 2013 zwischen 3 und 10 mal angetroffen hat.
Die auf Ebay verkaufte Marke eingerechnet gab es also Halblitermarken in hellgrün und hellblau, sowie Litermarken in natur (silbern) und rot. Wann genau welche Farben beschafft, bzw. im täglichen Gebrauch eingesetzt wurden, ist mir bislang nicht bekannt.
Die Angaben aus den Geschäftsbüchern der Firma Güller betreffend die erste Auslieferung per 23. April 1965 passt perfekt auf die Angaben von Zollinger, ab wann die Milchgenossenschaft Weiach Milchmarken in Umlauf brachte.
Fast alle Marken kamen aus dem Furttal
Die Prägestätte Güller war übrigens zu dieser Zeit der unangefochtene Quasimonopolist auf diesem Gebiet. Nach Kunzmanns Schätzung (vgl. S. 15 oben) stammten zur Blütezeit der Milchmarken (zwischen 1930 und 1960) mehr als 90% aller Auslieferungen an Milchmarken von dieser 1845 gegründeten und im kleinen Hüttikon im Furttal ansässigen Firma. Sie existiert bis heute als Familienunternehmen in der 6. Generation und arbeitet seit 1864 am selben Standort, vgl. http://www.guellersoehne.ch/
Die Herkunft aus dem Furttal erklärt denn auch, weshalb sich sehr viele Marken punkto Grösse und Design so sehr ähneln. Güller bot nämlich ihren Kunden an, für die Wert-Seite der Marke einen Standardstempel gratis mitbenutzen zu können. So musste jeweils nur die genossenschaftsspezifische Seite eigens hergestellt werden. Das sparte Kosten.
Quellen
Ab 1912 existierte dann die «Milchgenossenschaft Weiach», welche im November 2009 ihren Zweck änderte und sich seither «Bauerngenossenschaft Weiach» nennt.
Neue Einnehmer, neues Abrechnungssystem
Vor 50 Jahren war die «M.G. Weiach», wie sie in der Kurzbezeichnung hiess, noch sehr aktiv und betrieb auch die Milchhütte beim VOLG, eine Annahme- und gleichzeitig Verkaufsstelle für Rohmilch. Eine wichtige Position nahm die Stelle des Milcheinnehmers ein, wie Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1965 notierte:
«Milchgenossenschaft Weiach: Mit dem 30.4.65 traten Herr und Frau Jost-Griesser als Milcheinnehmer zurück; neu übernahmen ab 1.5. diesen Posten Herr und Frau Walter Schmid-Gantert im Berg. Zugleich werden auf diesen Zeitpunkt anstelle der bisherigen Milchbüchlein nun Milchmarken ausgegeben, die jeweils anfangs jeden Monats im Milchlokal gekauft werden können.»
(G-Ch Weiach 1965, S. 20)
Von den Vorteilen der Milchmarken
Die durch Milchmarken ermöglichte Vereinfachung im täglichen Gebrauch leuchtete sowohl den Genossenschaften wie den Privathaushalten ein.
Für die Milcheinnehmer entfiel das mühsame Hantieren mit Bargeld, was nicht nur eine Zeitersparnis bedeutete (Austausch des Wechselgelds entfiel), sondern auch eine Verbesserung der Hygiene, denn der Kunde konnte seine Jetons in eine Schachtel legen und erhielt dafür die entsprechende Menge Milch in sein Kesseli abgemessen. Mütter konnten bereits kleine Kinder mit Kesseli und Jetons ausgerüstet zum Milchholen schicken. Und liefen dabei nicht Gefahr, dass Bargeld anderweitig verputzt wurde oder das Wechselgeld nicht stimmte.
Und nicht zuletzt konnte man auf diese Weise am Monatsanfang die ungefähr benötigte Menge Milch im Voraus bezahlen. Die Milchproduzenten erhielten so ihr Geld früher und liefen erst noch weniger Gefahr, sich bei Zahlungsausfall eines Kunden den Betrag ans Bein streichen zu müssen. Was beim Milchbüechli-System natürlich ab und zu passierte. Denn da wurde Milch auf Kredit ausgeschenkt und nicht gegen Einhändigung eines Zahlungsmittels, wie dem Ersatzgeld «Milchmarke».
Ein weites Feld für Numismatiker
Bei diesen praktischen Vorteilen wundert es nicht, dass solche Milchmarken im 20. Jahrhundert in der Schweiz weitherum üblich waren. Der Numismatiker Dr. Ruedi Kunzmann hat in seinem Buch «Milchmarken der Schweiz» hunderte von Beispielen dokumentiert. Sie sind nach seiner Einschätzung etwa ab 1910 entstanden und waren bis in die 90er-Jahre in Gebrauch.
In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Marken um runde Jetons aus Messing, ab den 50er-Jahren auch aus eloxiertem Aluminium (das damals erschwinglich wurde). Mit ihnen konnte auf einfache Weise der Warenbezug abgerechnet werden, wobei es sich praktisch immer um Milch handelt, seltener auch um Butter oder Rahm.
Neben der Milchgenossenschaft Weiach gaben nach dem 2013 publizierten Katalog von Kunzmann auch die Milchverkaufsstellen von Windlach, Bachs, Stadel und Steinmaur eigene Prägungen heraus. Was nicht bedeutet, dass es solche in Fisibach, Kaiserstuhl oder Glattfelden nicht gegeben hat.
Wie die Weiacher Marken aussahen
Ab und zu tauchen auf den Auktionsportalen auch solche Milchmarken auf. Im März 2011 zum Beispiel die unten abgebildeten,aus rot eloxiertem Aluminium geprägten Münzen (Vorder- und Rückseite):
Gemäss dem damaligen Anbieter auf Ebay hat die Wert-Marke für 1 Liter Milch der M.G. Weiach einen Durchmesser von 24,1 mm.
Auch im Katalog Kunzmann (1. Aufl. 2013) sind auf S. 415 unter den Nr. 2051 und 2052 vom Prägebild her identische Beispiele abgebildet. Dazu sind folgende Erläuterungen gegeben:
«WEIACH / M. G. (Milchgenossenschaft)Weiach (Kt. ZH)
2051
1/2 Liter Milch ohne Jahr
Legierung: Aluminium hellgrün oder hellblau eloxiert
Durchmesser: 20 mm
Prägestätte: Güller
Seltenheit: selten
Besonderes: Auslieferungen am 23.4.1965 und 10.5.1985
2052
1 Liter Milch ohne Jahr
Durchmesser: 24 mm
Prägestätte: Güller
Seltenheit: selten
Besonderes: Auslieferungen am 23.4.1965, 18.5.1965, 6.12.1966, 27.6.1979, 10.9.1979 und 10.5.1985»
Als «selten» bezeichnet Kunzmann Milchmarken, die er zwischen 2008 und 2013 zwischen 3 und 10 mal angetroffen hat.
Die auf Ebay verkaufte Marke eingerechnet gab es also Halblitermarken in hellgrün und hellblau, sowie Litermarken in natur (silbern) und rot. Wann genau welche Farben beschafft, bzw. im täglichen Gebrauch eingesetzt wurden, ist mir bislang nicht bekannt.
Die Angaben aus den Geschäftsbüchern der Firma Güller betreffend die erste Auslieferung per 23. April 1965 passt perfekt auf die Angaben von Zollinger, ab wann die Milchgenossenschaft Weiach Milchmarken in Umlauf brachte.
Fast alle Marken kamen aus dem Furttal
Die Prägestätte Güller war übrigens zu dieser Zeit der unangefochtene Quasimonopolist auf diesem Gebiet. Nach Kunzmanns Schätzung (vgl. S. 15 oben) stammten zur Blütezeit der Milchmarken (zwischen 1930 und 1960) mehr als 90% aller Auslieferungen an Milchmarken von dieser 1845 gegründeten und im kleinen Hüttikon im Furttal ansässigen Firma. Sie existiert bis heute als Familienunternehmen in der 6. Generation und arbeitet seit 1864 am selben Standort, vgl. http://www.guellersoehne.ch/
Die Herkunft aus dem Furttal erklärt denn auch, weshalb sich sehr viele Marken punkto Grösse und Design so sehr ähneln. Güller bot nämlich ihren Kunden an, für die Wert-Seite der Marke einen Standardstempel gratis mitbenutzen zu können. So musste jeweils nur die genossenschaftsspezifische Seite eigens hergestellt werden. Das sparte Kosten.
Quellen
- Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 20. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
- Kunzmann, R.: Milchmarken der Schweiz. Gietl-Verlag, Regenstauf, 2013 - S. 415.
Mittwoch, 29. April 2015
Aprilwetter 1965: reichlich Regenfall und sehr kühle Winde
Ein «unfreundlicher, regnerischer und windiger Geselle» sei der März 1965 gewesen, schrieb Lokalchronist Zollinger vor bald 50 Jahren (vgl. WeiachBlog vom 30. März 2015). Der nachfolgende Monat überzeugte genauso wenig, wenn man ihn an der jahreszeitlich geeichten Erwartung misst:
«April. Auch dieser Monat fuhr ähnlich fort, immer über 10° Mittagswärme und nur nachts zuweilen wenig unter 5° sinkend. Die Nachmittage sind meist sonnig und angenehm. „Die Pfirsich- und Aprikosenspaliere blühen bereits, wenn auch noch nicht voll“, steht in meinem Heft. Die zweite Monatshälfte allerdings zeichnet sich dann durch reichlichen Regenfall und sehr viel kühle Winde aus, zweimal sogar noch Schneegestöber und Sturmnächte. Der letzte Apriltag schenkt uns dann nochmals einen schönen, sonnigen Nachmittag. Sonst also war die zweite Hälfte April sehr wechselvoll, regnerisch, unfreundlich. Dadurch konnten die Frühjahrssaaten erst verspätet und nur in unterbrochenen Intervallen durchgeführt werden, was sich ungünstig auf das ganze Wachstum auswirkte. Gut nur, dass nicht noch Spätfröste auftraten, sonst wär’s dann ganz gefehlt.
Höchsttemperaturen morgens 10°, mittags 19°, abends 11°
Tiefsttemperaturen morgens 2°, mittags 5°, abends 2°»
Ein April zum Abhaken also. Leider war auch die Hoffnung auf Besserung vergebens, wie man im späteren Verlauf des Jahres feststellen musste.
Quelle
«April. Auch dieser Monat fuhr ähnlich fort, immer über 10° Mittagswärme und nur nachts zuweilen wenig unter 5° sinkend. Die Nachmittage sind meist sonnig und angenehm. „Die Pfirsich- und Aprikosenspaliere blühen bereits, wenn auch noch nicht voll“, steht in meinem Heft. Die zweite Monatshälfte allerdings zeichnet sich dann durch reichlichen Regenfall und sehr viel kühle Winde aus, zweimal sogar noch Schneegestöber und Sturmnächte. Der letzte Apriltag schenkt uns dann nochmals einen schönen, sonnigen Nachmittag. Sonst also war die zweite Hälfte April sehr wechselvoll, regnerisch, unfreundlich. Dadurch konnten die Frühjahrssaaten erst verspätet und nur in unterbrochenen Intervallen durchgeführt werden, was sich ungünstig auf das ganze Wachstum auswirkte. Gut nur, dass nicht noch Spätfröste auftraten, sonst wär’s dann ganz gefehlt.
Höchsttemperaturen morgens 10°, mittags 19°, abends 11°
Tiefsttemperaturen morgens 2°, mittags 5°, abends 2°»
Ein April zum Abhaken also. Leider war auch die Hoffnung auf Besserung vergebens, wie man im späteren Verlauf des Jahres feststellen musste.
Quelle
- Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 5. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
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