Samstag, 2. Dezember 2006

Abenteuer mit einem Kiesbomber

Dass es Weiach vor allem dank dem Kies finanziell überdurchschnittlich gut geht, ist in der Region eine Binsenweisheit.

Von denen, die das mit ihrer täglichen Arbeit möglich machen, liest man aber herzlich wenig.

Am Anfang der Verarbeitungskette steht der einsame Held im Pneulader, der das Wandkies aufs Förderband kippt. Am Schluss die Kapitäne der Landstrasse, die mit ihren Lastwagen das gewaschene Kies auf der Baustelle abliefern. Von ihnen sieht und hört man allenfalls etwas.

Um so spannender ist es, einmal einen flott geschriebenen Bericht aus erster Hand auszugraben, der auch noch zum Schmunzeln anregt.

Gefunden habe ich ihn auf der Website von Swissmotor in der Rubrik «Lenkradgeschichten»:

«Ich wohnte damals in Bülach, einer Neubausiedlung, war frisch verheiratet und fuhr "Kiesbomber". Diese nicht gerade schmeichelhafte Bezeichnung verpasste die dortige Bevölkerung den unzähligen Sattelschleppern und Anhängerzügen, die in beinahe lückenlosen Kolonnen Wandkies von den riesigen Kiesvorkommen im Rheinknie bei Hüntwangen, Weiach, Glattfelden und Windlach nahe der deutschen Grenze auf Baustellen in und um Zürich karrten. Die Arbeit war gut bezahlt und stellte für mich die rationellste Art und Weise dar, schnellstmöglich Fahrpraxis sowohl mit Anhängern als auch mit Sattelaufliegern zu bekommen...»

Auf welch beeindruckend athletische Art und Weise der junge Chauffeur seinen Lastwagen meistern lernte, erfährt man hier: Weiterlesen.

Quelle
  • Baumann, R.: Selbsthilfe [Link inaktiv]. Aus der Reihe: «Lenkradgeschichten». Online-Publikation von «Swissmotor». [Aktiver Link am 2. Dezember 2016]

Freitag, 1. Dezember 2006

Adventsfenster leuchten ab heute in die Nacht hinaus

Auch in diesem Jahr und bereits zum 16. Mal lebt heute in Weiach der Adventsfenster-Brauch auf. Jeden Tag kommt an einem anderen Ort im Dorf ein weiteres liebevoll dekoriertes, leuchtendes Fenster hinzu. Das «Öffnen» des Fensters wird meist mit einem kleinen Empfang gefeiert.

Selbstverständlich ist das nicht. Denn die bisherige Organisatorin, Sonja Kalt, ist nach mehreren Jahren etwas amtsmüde geworden - und um ein Haar wäre der Brauch gestorben.

Wenn da nicht Claudia Meier und Esther Utzinger gewesen wären. In der Oktober-Nummer der Gemeindemitteilungen publizierten sie unter dem Titel «Die Weihnachtsfenster sollen nicht sterben !!! mached mit - dänn wird’s en Hit !» folgenden Aufruf:

«Bald ist es wieder soweit, es beginnt die Weihnachtszeit !

Für die einen ist es Stress und Horror pur, die anderen geniessen einfach nur...Kerzen anzünden, das Heim schön schmücken, Guetzli backen und vielleicht auch Geschenke einpacken.....

Wir finden das Dorf Weiach soll weihnachtlich geschmückt sein.. Ein Fenster, eine Haustür oder etwas im Garten... einfach einer von 24 Tagen im Dezember. 24 Fenster = 24 Einwohner, die sich Zeit und Aufwand nicht scheuen. Bitte helfen Sie mit, diesen Brauch nicht aussterben zu lassen und melden Sie sich bald bei uns.
»

Erneut erfolgreich lanciertes Brauchtum

Wenn man in die heute in alle Haushaltungen verteilte Dezembernummer schaut, dann ist die Idee «Adventsfenster» vom Sterben weit entfernt.

War es mühsam, die Weiacher dafür zu begeistern? «Nenei», sagt Claudia Meier auf Anfrage von WeiachBlog. Am Schluss sei es zwar immer schwieriger geworden, die einzelnen Daten noch zu vergeben. «Ich habe mir dann halt erlaubt, direkt anzurufen», erklärt die aufgestellte Organisatorin. Wie man sieht waren ihre Akquisitionsanrufe von Erfolg gekrönt.

«Mir säget vill mal Danke - und wünsched allne e besinnlichi, zfriedeni Adväntsziit», steht denn auch als Motto über dem diesjährigen Kalender mit den Fensterstandorten und Empfangszeiten.

Ob man sie nun «Weihnachtsfenster» oder «Adventsfenster» nennt, ist nicht so wichtig. Was zählt ist allein, dass es sie gibt. Und natürlich, was sie für den Zusammenhalt im Dorf bedeuten.

Literatur und Quellen

Donnerstag, 30. November 2006

Altersheim Weiach?

Weiach werde zusehends überaltern, es fehlten die Kinder. Das liest man dieser Tage in den Zeitungsspalten der Tages-Anzeiger-Regionalausgabe Unterland.

Was machen eigentlich die ganz Alten? Nicht alle können noch mit über 90 Jahren einen eigenen Haushalt führen.

Ein eigentliches Altersheim gibt es bei uns nicht. Dafür ist die Gemeinde zu klein. Das Weiacher Altersheim steht deshalb in Niederglatt:

«Im neuen Dorfzentrum Eichi wurden 1979/80 eine Kirche, ein Oberstufenschulhaus und ein grösserer Mehrzwecksaal fertig gestellt. In den Jahren 89/90 ist das Zentrum mit dem Gemeindehaus und dem Altersheim mit 40 Betten ergänzt worden. Am Altersheim sind auch die Gemeinden Höri, Neerach, Stadel und Weiach beteiligt.» (Quelle: Website der Gemeinde Niederglatt)

«Das Altersheim Eichi liegt an ruhiger, zentraler Lage in Niederglatt. Zusammen mit der Kirche, dem Gemeindehaus, dem Oberstufenschulhaus und der Bibliothek bildet es das Zentrum Eichi. Zum Zentrum gehören viel Freiraum mit Grünflächen, Garten und der romantische "Eichi-See". Reizvolle, verkehrsfreie Wege und naturnahe Spazierwege entlang der Glatt bieten sich in nächster Umgebung als Erholungsgebiet an. Post, Bank und verschiedenste Einkaufsgeschäfte sind zu Fuss bequem erreichbar. Es bestehen Busverbindungen nach Bülach-Dielsdorf und nach Stadel-Oberglatt-Flughafen. Die Bushaltestelle "Altes Schulhaus" liegt in unmittelbarer Nähe des Heims. Die S-Bahn Station ist zu Fuss in 8 bis 10 Minuten erreichbar.» (Quelle: Website des Altersheim Eichi)

Mit anderen Worten: das Altersheim ist von Weiach aus selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln in vernünftiger Zeit zu erreichen. Und mit nur einmal Umsteigen. Das erleichtert Besuche auch wenn man im fortgeschrittenen Alter nicht mehr selber ans Steuer sitzen darf. Ein klares Plus für einen aus Weiacher Sicht gut ausgewählten Standort.

Mittwoch, 29. November 2006

Kaiserstuhler Katholiken mit Weiacher Verstärkung

Seit dem Kirchenschisma der Reformation ab 1519 und der Rückkehr der Kaiserstuhler zum katholischen Glauben im Oktober 1531 [Korrektur aufgrund WeiachBlog Nr. 1543 am 14.7.2020] ist der konfessionelle Graben unübersehbar.

Dennoch sind die Verbindungen nach Kaiserstuhl enger als die zur römisch-katholischen Kirchgemeinde Glattfelden-Eglisau zu der das Weiacher Territorium gehört.

Das kann man mindestens daraus schliessen, dass die Kaiserstuhler Kirchenpflege sogar Weiacher Verstärkung hat, wie man in der Aargauer Zeitung von heute lesen konnte:

«Bei den Gesamterneuerungswahlen in der Katholischen Kirchgemeinde Kaiserstuhl-Fisibach haben 35 Stimmberechtigte (18 Prozent) teilgenommen. Als Gemeindeleiter bestätigt wurde Walter Blum, Nussbaumen (35 Stimmen). Als Mitglieder der Kirchenpflege gewählt wurden: Zdena Kudrna, Fisibach (35), Felix Vögele, Fisibach (33), Christa Surenmann, Weiach (31). Als Präsident der Kirchenpflege bestätgt haben die Stimmberechtigten Felix Vögele (33). Als Mitglied der Synode gewählt wurde Hanspeter Bräm, Fisibach (32).»

Quelle
  • Kaiserstuhl-Fisibach. Wahlen in der Kirchgemeinde. In: Aargauer Zeitung, 29. November 2006.

Dienstag, 28. November 2006

Zollgarbenstreit beigelegt

Heute vor 215 Jahren, am 28. No­vember 1791, trafen sich Vertreter der Gemeinde Weiach, des fürstbischöflich-konstanzischen Obervogts zu Röteln und des Rates der Stadt Zürich «mit und neben den Herren Obervögten des Neu-Amts» im Städtchen Eglisau zu einer Konferenz.

Da­bei kam ein Ver­gleich zustande, der schon 1789 vom konstanzischen Ober­vogt Freiherr von Landsee vorgeschlagen worden war.

Es hiess da: «Wer einen Zug [4 Stiere] hat, muss dem Zoller zu Kaiserstuhl jährlich eine Zollgarbe oder Korngarbe geben [...], wer einen halben Zug [also 2 Stiere oder Kühe] hat, muss eine halbe Garbe abliefern [...], wer keinen Zug hat, der muss nur jedes dritte Jahr eine Korngarbe (und nit mehr) geben.»

Der Streit war deshalb entbrannt, weil der Vogt von Rötelen «immer zuviel» abforderte, in­dem er Bauernhöfe, die inzwi­schen durch Erbschaft oder andere Ursachen (Aufteilung und Landverkauf) kleiner geworden waren, noch «als ganze oder halbe Züge qualifizierte». (Quelle: Staatsarchiv Zürich, Neuamt A 135/4.)

Bei diesem Zollgarbenstreit um die Bemessungsgrundlagen handelte es sich letztlich um die Frage, wer wie viel an die Besoldung des Brückenzoll-Beamten bezahlen müsse.

Die Frage des Unterhalts der Brücke selber gab übrigens auch zu Streitigkeiten Anlass. Aber das ist eine andere Geschichte.

Literatur

Zitate nach Walter Zollinger: «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Dielsdorf 1972. -- Die 2. Auflage (von 1984) ist als pdf-Datei verfügbar unter: http://weiachergeschichten.ch

Montag, 27. November 2006

Gutgläubigkeit ausgenutzt

Das grösste Boulevard-Medium der Schweiz, der «Blick» aus dem Hause Ringier führt eine «Wut-Ecke» für Leserreaktionen der besonderen Art.

Letzten Samstag wurde Esther Werthmüller, Weiach ZH mit folgenden Sätzen zitiert:

«Kürzlich klopfte es an unser Stubenfenster. Ein ca. 30-jähriger, netter Mann erzählte aufgeregt, ihm sei die Tasche mit allen Wertsachen gestohlen worden. Ob wir ihm 150 Franken auslehnen würden. Er bringe das Geld am nächsten Tag samt einer Flasche Wein zurück. Gutgläubig gaben wir ihm das Geld, warten aber immer noch aufs Retourbringen. Inzwischen haben wir erfahren, dass er es noch an anderen Orten versuchte. Wir werden niemandem Fremden mehr glauben. Unser Vertrauen in die Menschen hat den Nullpunkt erreicht!»

Fazit: Gesundes Misstrauen ist immer angebracht. Auch auf dem Land, das immer mehr zur Stadt wird.

Wer auf diese Weise angeschnorrt wird, der/die sollte nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Um eine Telefonnummer bitten, wo die Person Hilfe erwarten kann. Selber dort anrufen. Wenn die Person dann flüchtet: Signalement notieren. Meldung an die Polizei.

Noch besser: Gleich die Polizei rufen und dies der Person auch ankündigen. Schliesslich sollte der (behauptete) Diebstahl ja gemeldet werden. Auf diese Weise kann am besten überprüft werden, ob jemand Dreck am Stecken hat.

Quelle

  • BlickLeser Wut Ecke. In: Blick, 25. November 2006, S. 13

Sonntag, 26. November 2006

Weiach stimmt mehrheitlich konservativ

Alles wie gehabt. Wenn man sich die Ergebnisse der heutigen Volksabstimmung ansieht, dann wird schnell klar: Weiach ist wie eh und je ein von SVP-Parolen stark beeinflusstes Gebiet. Man sieht aber auch klar den Einfluss der städtisch geprägten Neuzuzüger der letzten paar Jahre.

Bei einer Stimmbeteiligung von immerhin 47.9% zeigte sich der SVP-Effekt besonders stark bei der kantonalen Vorlage: Mit Hüttikon, Glattfelden, Bachs, Rafz und Wil ist Weiach (mit 51%) eine der wenigen Gemeinden im Zürcher Unterland, die sich für Annahme der Volksinitiative «Nur eine Fremdsprache an der Primarschule» entschieden hat. Von den grossen Parteien hat sich nur die SVP für ein Ja ausgesprochen. FDP, CVP und SP gaben Nein-Parolen aus.

Kohäsionsmilliarde wuchtig abgelehnt

Auch bei den Eidgenössischen Volksabstimmungen sind deutliche nationalkonservative Tendenzen zu erkennen:

Keine Überraschung bei der Kohäsionsmilliarde (offiziell: «Bundesgesetz vom 24. März 2006 über die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas»). Sie wurde wuchtig abgelehnt. Nur 34.5% waren dafür. Platz 3 hinter Hofstetten und Hüttikon.

Das Familienzulagengesetz (offiziell: «Bundesgesetz vom 24. März 2006 über die Familienzulagen») hingegen wurde angenommen. Weiach liegt mit 54% Ja-Stimmen sogar noch vor Herrliberg (52.8%). Hüttikon lehnte als einzige Gemeinde ab.

Quelle

Samstag, 25. November 2006

«Slach inn huffen» oder: Familiengeschichte zum Anfassen

Nicht nur Ortshistoriker befassen sich mit der Geschichte unserer Gemeinde. Das tun auch die Genealogen (oder zu deutsch: Familienforscher). Sie spüren den oft verzwickten Verwandtschaftsverhältnissen von Menschen nach, die Jahrzehnte bis Jahrhunderte vor unserer Zeit lebten. Und können dabei ganz schön hartnäckig sein. Müssen sie auch, denn das Entziffern der Handschriften in manchem Kirchenbuch ist kein Zuckerschlecken.

Seit einigen Monaten gibt es für den mitteleuropäischen Raum eine neue Diskussionsplattform: das Geneal-Forum. Selber bezeichnet sie sich als

«Diskussionsforum in deutscher und französischer Sprache für alle Ahnenforscher in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein.»

Als solches ist es auch für Weiach schon erstaunlich ergiebig. Über die Suchfunktion kann man nach beliebigem Text suchen. Sucht man nach «Weiach», so erscheint derzeit eine Liste mit 13 verschiedenen Threads, wie die Themen genannt werden. Einige alteingesessene Weiacher Geschlechter wie die Baumgartner, Meier oder Bersinger werden bereits in einem oder mehreren eigenen Threads diskutiert.

Besonders aktiv ist der im Waadtland wohnhafte Eddie. Eduard G. Meier, wie er mit vollem Namen heisst, erforscht die Geschichte seiner eigenen Vorfahren mit Akribie und hat dem Weiacher Ortshistoriker schon etliche Aha-Erlebnisse beschert.

Und was ist mit diesem brutalen Schlägertypen? Dem «Slach inn huffen»? Nun, das wäre heute wohl ein «Schlagenhauf». Zur Quelle und der Diskussion geht es mit diesem Link. Besuchen Sie das Geneal-Forum. Es lohnt sich.

Freitag, 24. November 2006

Bei der Schulhauseinweihung den Eltern ins Gewissen geredet

Heute feiert das zweitälteste öffentliche Gebäude in Weiach seinen 170. Geburtstag. Es steht im Dorfkern zwischen Oberdorf und Chälen. Die Rede ist vom «Alten Schulhaus».

Diesen Namen trägt es seit der 1976 erfolgten Eröffnung der Mehrzweckanlage Hofwies (mit neuem Schulhaus), welche für das u.a. als Standort der Gemeindebibliothek genutzte Bauwerk den Namenszusatz «Altes» nötig machte.



Grosser Opferwillen der Weycher

Die Einweihung fand am 24. November 1836 unter grosser Beteiligung von Erwachsenen und Schülern statt. Angesichts der hohen Baukosten von 8750 Gulden verwundert das nicht. Der Beitrag des Staates belief sich auf ganze 750 Gulden, nicht einmal 10%. Den Rest mussten die Weyacher aus eigener Kraft aufbringen.

Der damalige Schulpräsident und Pfarrer Johann Heinrich Burkhard pries daher in einer äusserst lang geratenen Weiherede den Mut und Eifer der Behörden genauso wie den grossen Opferwillen der Dorfbewohner:

«Wenn alle Bürger dieser lieben Gemeinde den besten Dank verdienen für die vielfachen Aufopferungen an Zeit und Kraft, die sie sich bey diesem Bau gefallen liessen, wenn auch die verschiedenen Handwerker durch geschickte, schöne und dauerhafte Arbeit […] unsere beste Anerkennung erworben haben […], so sbreche ich es doch bey diesem Anlass öffentlich aus, dass alle Bürger und ich […] dem unermüdet thätigen Herrn Präsidenten der verehrlichen Bau-Commission und jeden Mitgliedern derselben […] innigsten Dank schuldig sind […], Lohn an irdischer Ehre oder Gut habet ihr dafür nie gefordert; aber der höhere Lohn eines guten Bewusstseyns wird euch in reichem Masse dafür zu Theil werden.»

Diese derart über den grünen Klee gerühmte Baukommission bestand aus: Jakob Baumgartner, Gemeindeammann, und Rudolf Meyerhofer, von der Schulpflege abgeordnet; Hans Ulrich Schenkel, Gemeindepräsident, und Hans Heinrich Willy, vom Gemeinderat bestimmt; Rudolf Meyerhofer, Gemeinderat, Johann Meyer, Weibel, und Johann Baumgartner, Bezirksrichter, von der Bürgerschaft gewählt. (Quelle nach W. Zollinger: Gemeindearchiv Weiach, Band IV, B IIa.)

Wider die Geringschätzung der Schule

Der Opferwille der Weyacher ist erstaunlich, vor allem wenn man bedenkt, dass sich manche von ihnen nur zweieinhalb Jahre zuvor aktiv am berühmt-berüchtigten Stadlerhandel beteiligt haben sollen.

Damals drang eine aufgebrachte Menge ins Schulhaus von Stadel ein und warf die neu eingeführten Lehrmittel unter Protest auf die Strasse. Dass der Katechismus plötzlich nicht mehr als Schulbuch gelten und altgediente Schulmeister als unfähig bezeichnet und von ihren Posten entfernt wurden, konnte man nur schwer begreifen.

Pfarrer Burkhard redete deshalb in seiner Ansprache den Eltern ins Gewissen. Er machte ihnen klar, dass die wirkliche Arbeit jetzt erst beginne. Mit dem Aufstellen eines Hauses sei es nicht getan. Wahre christliche Eltern müssten

«der Geringschätzung und Verachtung gegen die Schule und gegen das, was darin gelehrt wird, entsagen, und die Übungen, die mit ihren Kindern da vorgenohmen werden, die Kenntnisse die ihnen da beygebracht werden, achten und schätzen lernen, wenn ihnen auch der Nuzen davon nicht allemal sogleich in die Augen leuchtet.»

Deutlicher kann man es kaum ausdrücken. Sprachlich etwas modernisiert würden solche Ermahnungen auch manchen Eltern der heutigen Zeit nicht im Geringsten schaden. Immer vorausgesetzt, dass sie aus dazu berufenem Munde kommen.

Für obiges Zitat trifft das zu: Als Präsident der Bezirksschulpflege hatte Pfr. Burkhard den Stadlerhandel von 1834 natürlich hautnah miterlebt, weshalb sich seine Worte direkt auf die jüngste Vergangenheit bezogen - ohne diese auch nur mit einer Silbe zu erwähnen.

Nachtrag vom 10. Juni 2016

Zur Bedeutung des Stadlerhandel vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 114 vom Mai 2009.

Literatur
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 37-38. Ein pdf-File der 4. Auflage ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.

Donnerstag, 23. November 2006

Weiacher Kirchennachrichten - Zeitung in der Zeitung

Der Herbst ist voller Überraschungen. Von der für die Jahreszeit zu warmen Witterung einmal abgesehen.

Denn auch die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde macht von sich reden. Genauer gesagt: deren Pfarrverweser Christian Weber und die von ihm vorangetriebenen Projekte.

Zuerst die Website dann das eigene Nachrichtenmagazin

Mitte Oktober entdeckte WeiachBlog eine vielversprechende, offiziell noch nicht freigeschaltete Website (und konnte es nicht lassen, diesen Fund der Welt zu präsentieren; vgl. den Artikel Premiere: Web(er)-Auftritt der Kirche Weiach).

Äxgüsi, Herr Pfarrer! Er nahm dem "Weiachblogger" das Vorpreschen aber offenbar nicht allzu übel, wie man einige Tage später lesen konnte (vgl. Abschnitt "Wir sind entdeckt!" unten).

Anfang November fand die geneigte Leserin nämlich beim Durchblättern der Mitteilungen für die Gemeinde Weiach eine ganz neue Dachrubrik: Die Weiacher Kirchennachrichten, eine zehnseitige Zeitung in der Zeitung, die folgende Themen führte:

  • 300 Jahre Kirche Weiach: Die Jubiläumsfeier (von Christina Witz), S. 1
  • Die Jubiläumspredigt (von Pfr. Christian Weber), S. 5
  • Wir sind entdeckt! (von Pfr. Christian Weber), S. 8
  • Kalender November 2006, S. 10

Den Kalender kann man auch auf der Kirchen-Website einsehen. Den Volltext der übrigen Artikel samt farbigen Bildern findet man hier (auf der Website der politischen Gemeinde).

WeiachBlog bringt deshalb nur einige ausgewählte Abschnitte.

Zuerst zur frühzeitigen Aufdeckung der neuen Kirchenwebsite, die der Pfarrer mit Fassung trug und mit Schalk wie folgt kommentierte:

Wir sind entdeckt!

«Unsere Tarnung ist aufgeflogen, nun weiss es die ganze Welt: Die Reformierte Kirchgemeinde Weiach hat eine Internetseite. Unsere Arbeit im Internet hat Spuren hinterlassen, auf die der Weiachblogger* Ulrich Brandenberger gestossen ist, obwohl unsere neue Website auf www.kirche-weiach.ch bis zu ihrer Fertigstellung noch hätte versteckt bleiben sollten. Aber Brandenberger hat recht, vieles ist bereits jetzt schon nützlich und soll deshalb niemandem mehr vorenthalten bleiben.»

Dazu ein Screenshot des Artikels vom 15. Oktober und als Ergänzung ein Kasten mit der Erklärung: Was ist ein Blogger? Ja, das wissen immer noch viele nicht. Auch wenn das die Blogosphäre-Insider nicht ganz verstehen können. Man kann auch ohne ganz gut leben. Ehrlich. ;)

Zu den hinterlassenen Spuren nur so viel: Sitemeter erfasst u.a. auch eine Referring URL. In diesem Fall die Link-Seite der neuen Website. Ein Klick und schon war ich mittendrin.

Einige Seiten weiter vorne steht ein ausführlicher Bericht mit vielen Fotos samt Bildlegenden über die Jubiläumsfeier vom 1. Oktober. Hier der Abschnitt über den historischen Wortbeitrag:

Schiessscharten und Schussloch

«Nach dem Essen gab es einen aufschlussreichen Vortrag vom Ortshistoriker Ulrich Brandenberger zur Geschichte der Kirche Weiach. Zu erfahren war zum Beispiel, dass die frühere Kirche an einem anderen Platz stand. Einige ältere Bewohner Weiachs erinnerten sich noch, dass früher Kinder im Oberdorf mit Totenschädeln gespielt hätten. "Dass sich niemand darüber aufgeregt hat", erläuterte Brandenberger, "zeigt, dass damals den Leuten der Standplatz des alten Friedhofes noch gegenwärtig war."»

Zum Standort dieses alten Friedhofs und den erwähnten Schädelfunden hat WeiachBlog am 2. Oktober den Artikel Güllenloch gegraben und Skelette gefunden veröffentlicht.

«Auch interessante und rätselhafte Details über die Kirchturmkugel, die "Flaschenpost aus der Vergangenheit", gab es zu hören. Der Inhalt der Kirchturmkugel wurde bei der letzten grossen Renovation 1967 geborgen und dem – extra für den Festtag geöffneten und rege besuchten – weiacher Ortsmuseum anvertraut. Leider sind einige Dokumente durch Rost teilweise unkenntlich geworden. Denn die Kirchturmkugel, so führte Brandenberger aus, wies ein Einschussloch auf. Während sich die jüngeren Zuhörer noch wunderten, wie um Himmelswillen das goldene Wahrzeichen einen Schuss abbekommen hatte, und ob dies etwa gar etwas mit der Schiessscharte unter der Kanzel zu tun hatte, schienen die älteren Zuhörer kein bisschen erstaunt.»

Für nicht schon seit Jahren Ortsansässige (die Verfasserin ist die Lebenspartnerin des Pfarrverwesers) war die geballte Ladung an Daten und Fakten wohl doch des Guten etwas zu viel. Interessant ist allemal was davon hängengeblieben ist: das Gruselige *schmunzel*.

Das Schussloch in der Kugel ist - wie man im Dorf erzählt bekommt - nicht etwa kriegerischen Ereignissen geschuldet (was beim amerikanischen Luftangriff auf einen Güterzug am 9. September 1944 durchaus hätte passieren können). Nein, das war eher die Folge eines Lausbubenstreichs anfangs der 60er Jahre. An dieser Tat soll - horribile dictu - auch der Sohn des damaligen Pfarrers beteiligt gewesen sein.

Wie auch immer: die Rostflecken auf den ältesten Urkunden dürften wesentlich älteren Datums sein.

Quellen und weitere Artikel