Freitag, 26. Oktober 2007

FORUM-Gründungsfest am Samstag, 27. Oktober

«f.o.r.u.m. weiach» nennen sich die 16 Mitglieder. Das soll ein Akronym sein für «fröhliche offene runde unkomplizierter menschen». Und eigentlich wollten sie gar kein Verein werden. Wollten mit Vereinsstatuten und Generalversammlungen und Mitgliederbeiträgen nichts am Hut haben. Denn das engt ein.

Aber eben: wenn man etwas bewegen will, dann schlagen schnell die Sachzwänge zu. Banken verlangen für eine Kontoeröffnung Statuten, die Gemeinde will eine Vereinsstruktur sehen, wenn sie Beiträge für einen Mittagstisch sprechen soll, etc. Kurz: Jemand muss formell die Verantwortung tragen. Und deshalb ist das FORUM Weiach jetzt doch ein Verein geworden. Am Samstag, 27. Oktober ist offizielles Gründungsfest.


Im Dorf, mit dem Dorf, für das Dorf. Der gelbe Flyer, der in allen Weiacher Haushaltungen gelandet ist, kündigt einen ganzen Strauss von Aktivitäten von Weiachern für Weiacher an. Die sollen durchs Band weg Spass machen und zeigen, dass in Weiach etwas läuft. Für Familien und alle die etwas bewegen wollen. So wie die Präsidentin, Isabelle d'Overschie.

Selbstverständlich leisten die Weiacher Geschichte(n) auch ihren Beitrag. Mit ein paar lustigen Geschichten, die sich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Weiach zugetragen haben. WeiachBlog fällt morgen die Rolle der Berichterstattung zu.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Wenn die Versetzung einer Ortstafel ein halbes Jahrhundert dauert

Vor einigen Tagen war auf WeiachBlog von der Allgemeinen Umfrage einer Gemeindeversammlung vor genau 50 Jahren die Rede. In der ersten Frage ging es um den Ausbau der Kantonsstrasse mit einem Trottoir vom Sternen bis zur Kantonsgrenze.

Die zweite und dritte Frage drehten sich um die SBB-Station und ihre nächste Umgebung:

b) Beanstandung betr. SBB-Stationsplatz Weiach-Kaiserstuhl

«Meierhofer Walter, Posthalter, appelliert an die Behörde, in Bezug auf die unmögliche Bekiesung des Stationsplatzes bei den zuständigen SBB-Instanzen vorstellig zu werden. Er erhält vom Vorsitzenden die Auskunft, dass auch in dieser Beziehung bereits bei den SBB reklamiert worden sei und endlichen eine Verhandlung in Aussicht stehe.»

Worin das «Unmögliche» der Bekiesung bestand, darüber schweigt sich das Protokoll leider aus.

Damit war der Ärger rund um das Stationsgebiet noch nicht ausgestanden, denn auch die nächste Frage zielte dorthin:

c) Gefährdung des Verkehrs durch unhaltbare Parkierungsverhältnisse im Stationsgebiet

«Siegenthaler Robert, Förster, empfiehlt der Gemeindeversammlung, eine Resolution zu fassen betr. Beseitigung der Unfallgefahr im Stationsgebiet durch Schaffung geordneter Parkierungsverhältnisse für Motorfahrzeuge. Er wird unterstützt von Dietschi Robert, welcher es als Pflicht der Gemeindebehörde bezeichnet, ihr möglichstes zu tun, damit endlich die für die Beseitigung des gefahrvollen Zustandes nötigen Anordnungen getroffen würden. Auch bittet er die Gemeindebehörde, dafür besorgt zu sein, dass die Innerortstafel an der Kaiserstuhlerstrasse westlich der hiesigen Schäftefabrik der Firma Walder & Co. versetzt würde. - Beiden Rednern werden von Seiten des Präsidenten die schon im Gange befindlichen Bestrebungen des Gemeinderates in Bezug auf die Beseitigung der Unfallgefahr bestätigt.»

Was der damalige Gemeinderat dann tatsächlich getan hat, um der monierten Unfallgefahr zu begegnen, ist WeiachBlog nicht bekannt.

Die Versetzung der Innerortstafel an die von Dietschi beantragte Stelle liess jedenfalls noch fast ein halbes Jahrhundert auf sich warten. Sie erfolgte erst nach der Jahrtausendwende - wohl auch im Hinblick auf die Umsetzung der Quartierpläne «Bedmen» und «See».

Quelle

  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 48 unten. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Ortstafeln-Rochade - ein Nachtbubenstreich

Von einem gelungenen Nachtbubenstreich berichtet die heutige Ausgabe der Zürcher Landzeitung. Unbekannte hätten letzte Woche die Ortstafeln von Weiach, Stadel und Bachs abmontiert und reihum vertauscht wieder sauber montiert, schreibt Roland Tellenbach:

«Postautochauffeur André Frank traute letzte Woche seinen Augen nicht mehr: Da fuhr er früh morgens mit dem Bus wie schon unzählige Male zuvor auf seiner Route Richtung Stadel. Die Häuser, die Strassen – kein Zweifel, er näherte sich Stadel. Aber auf dem Ortsschild stand unzweifelhaft etwas anderes, nämlich Weiach»!

Offensichtlich hat sich da jemand einen Streich erlaubt

Der von den Postchauffeuren und anderen aufmerksamen Frühaufstehern avisierte Stadler Gemeindeschreiber informierte den Unterhaltsdienst des kantonalen Strasseninspektorats, welcher seine Mitarbeiter auf die Piste schickte.

«Diese stellten fest, dass das Stadler Ortsschild abgeschraubt und in Bachs wieder montiert worden ist. Jenes von Bachs hing in Weiach und das Weiacher Schild in Stadel», erklärte Erwin Zengaffinen vom Unterhaltsdienst. Er und sein Personal hätten zwar Arbeitszeit investieren müssen, «aber wenigstens haben die Lausbuben nichts kaputt gemacht».

Und gearbeitet haben sie genauso wie die Männer vom Unterhaltsdienst. Sechs Mal mussten sie sich an einer Tafel zu schaffen machen - je dreimal abschrauben und dreimal wieder anschrauben.

Fusion kein Thema

Auch der Stadler Gemeindeschreiber Richard Kälin trug die Angelegenheit mit Humor: «Es haben sich einige Leute gemeldet und sich gefragt, ob wir über Nacht mit der Gemeinde Weiach fusioniert hätten. Das ist natürlich nicht der Fall, wobei es sich für uns Stadler vom Steuerfuss her durchaus lohnen würde.»

Ob bei einem Zusammengehen der Steuerfuss nicht gleich auf Stadler Niveau ansteigen würde, müsste man sich erst noch ausrechnen. Eine Fusion ist aber tatsächlich kein Thema. Bei der Feuerwehr und der Oberstufenschule mag man ja durchaus zusammenarbeiten. Aber für mehr sind die Zeiten noch längst nicht reif. Dazu sind die drei Gemeinden wohl einfach zu unterschiedlich.

Quelle

  • Tellenbach, R.: Aufgeschnappt: Weiach ist Bachs ist Stadel. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 24. Oktober 2007 - S. 9.

Dienstag, 23. Oktober 2007

Weiacher Stimmbeteiligung im kantonalen Durchschnitt

Der Mobilisierungseffekt dieser eidgenössischen Parlamentswahlen war auch in Weiach deutlich zu spüren. Ob das nun an den im Unterland bevorzugt auf Landwirtschaftsparzellen entlang der Strassen zu Hunderten platzierten SVP-Plakaten lag (wie die Zürcher Landzeitung heute mutmasst) oder an der dank Schäfchenpolemik und Bundesplatzkrawall ganz generell aufgeheizten Stimmung: die Stimmbeteiligung war verglichen mit dem Urnengang im Mai 2006, mehr als doppelt so gross. Sie erreichte 48.1 Prozent. Das liegt nur knapp unter dem Kantonsdurchschnitt von rund 48.9 Prozent der Stimmberechtigten.

Wie die Verteilung nach Gemeinden aussieht, das kann man auf den Wahlresultat-Seiten des kantonalen Statistischen Amts nachschauen. Da sieht man dann, welch hohe Prozentwerte die kleinen, noch stark agrarisch geprägten Landgemeinden des Weinlandes aufweisen. An der Spitze liegt Truttikon mit 64.6%. Verglichen mit den über 80 Prozent in gewissen Walliser Gemeinden (vor allem im Bezirk Leuk) ist das immer noch wenig.

In Weiach sind die urbanen Zeiten und die Zugehörigkeit zur Agglomeration Zürich auch am Grad des Urnenabsentismus abzulesen. Das benachbarte Bachs gehört nach den Kriterien des Bundesamts für Statistik nicht zur Agglo - und erreicht mit 59 Prozent die beste Stimmbeteiligung im Bezirk Dielsdorf.

Spekulationen über ungültige Stimmabgaben

In Weiach beteiligten sich von 726 Stimmberechtigten deren 372 an der Wahl. 93.8 % warfen gültige Wahlzettel ein. Immerhin 6.2 % der eingegangenen Wahlzettel waren aber ungültig (sie werden als «nicht in Betracht fallende» bezeichnet). 23 Stimmberechtigte haben also etwas falsch gemacht, z.B. mehrere Listen im Couvert, den Stimmrechtsausweis nicht beigelegt oder diesen nicht unterschrieben - der möglichen Gründe sind viele.

Verglichen mit anderen Gemeinden ist das wenig. Mit Verlust muss man rechnen. Was soll man aber beispielsweise von den unglaublichen 35.3% ungültigen Stimmen in Volken halten? Oder von den 0% in Kyburg? Beides lässt einen leicht verwundert zurück. Wenn man nämlich bei einer Population eine Normalverteilung wahlbezogener Intelligenz annimmt, dann müsste so ziemlich genau das herauskommen wie in Weiach: ein kleiner Prozentsatz schnallt es einfach nicht. Aber mehr als ein Drittel?

Bleibt die Frage: Gibt es eine Qualitätskontrolle für Wahlbüros? Wer schaut denen auf die Finger? Das wäre ja einmal eine Aufgabe für neutrale Wahlbeobachter.

Quellen

  • Wahl-Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich
  • Riedel, S.: Viele Plakate bringen viele Stimmen. Unterland: Lächeln für den Wahlsieg – SVP-Gesichter dominieren Strassenränder und den Wahlkampf. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 23. Oktober 2007.

Montag, 22. Oktober 2007

SVP baut absolute Mehrheit weiter aus

Die Nationalratswahlen 2007 brachten in der Zürcher Unterländer Gemeinde Weiach keine Überraschung - jedenfalls nicht was die unangefochtene Führungsposition der SVP anbelangt. Denn unser Dorf ist eine traditionelle SVP-Hochburg.

Gegenüber 2003 konnte die SVP ihre absolute Mehrheit wieder ausbauen. An die über 60% Wähleranteil, welche vor dem Zuzug von städtisch geprägten Stimmbürgern zur Norm gehörten, kann die SVP aber heute in Weiach nicht mehr anknüpfen.

Dennoch ist die Dominanz der «Blocher-Sünneli-Messerstecher-Schwarze-Schafe-Partei» erdrückend. Wäre Weiach die Schweiz, so sähen die Prozentanteile im Nationalrat für die nächste Legislaturperiode nämlich wie folgt aus:

SVP 54.80% [Kantonsschnitt: 33.92%]; SP 12.87% [19.81%]; FDP 7.98% [13.15%]; Grüne 5.86% [10.37%]; Grünliberale 5.14% [7.01%]; CVP 4.70% [7.56%]; EVP 4.26% [3.68%]; EDU 1.88% [2.12%]; FPS/AP 0.88% und SD 0.87% [0.54%]. (Listen ohne Listenverbindungen unter 0.5% nicht erwähnt; Kantonswert in eckigen Klammern)

Ständeratswahlen: Galladé mit Achtungserfolg

Das obige Bild setzt sich auch bei den Ständeratswahlen fort. Die besten Resultate erzielten Ueli Maurer mit 181 und Felix Gutzwiller mit 160 Stimmen - was nicht erstaunt, denn das war das offizielle bürgerliche Ticket.

Schon erstaunlicher, wie gut Chantal Galladé abschnitt (67 Stimmen). Ganz im Gegensatz zu der Grünliberalen Verena Diener (39) und dem Grünen Daniel Vischer (28).

Die Parteien mit christlichem Anstrich folgen dicht dahinter: Kathy Riklin (CVP) mit 19 und Ruedi Aeschbacher (EVP) mit 18 Stimmen; der abgewählte EDU-Nationalrat Markus Wäfler holte immerhin noch 9 Stimmen. Völlig abgeschlagen der Alternativaktivist Niklaus Scherr aus Zürich, sowie die unbekannten Einzelmasken Anton Stadelmann und Heinz Zaehner mit je 1 Stimme und Politclown Marian Danowski mit 0 Stimmen. Spannend ist der im Kantonsvergleich hohe Anteil von 50 Vereinzelte (!).

Weiacher Kandidaten wie erwartet unter ferner liefen

Zurück zum Nationalrat. Während die Grünliberale ex-Regierungsrätin Verena Diener zeigte, dass bei hohem Bekanntheitsgrad auch ein Listenplatz 34 nicht davor schützt, mit dem drittbesten Resultat für eine kürzlich neu gegründete Partei in den Nationalrat gewählt zu werden, hatten die Weiacher Kandidaten erwartungsgemäss nicht den Hauch einer Chance:

Peter Wild (FDP) schaffte es dank kantonsweit 42475 Stimmen immerhin noch auf Platz 30 seiner Liste (von Listenplatz 32 aus). Der örtliche Lokalbonus spielte für ihn: in Weiach liegt er mit 53 Stimmen um Längen vor den gewählten FDP-Grössen. Da kumulierten und panaschierten offenbar doch mindestens 10-15 Weiacher zu seinen Gunsten.

Ganz wenige Weiacher Auto- und Hanffreunde

Erika Fehr (Freiheitspartei/Autopartei) hingegen holte nur 244 Stimmen (Weiach: 3 Stimmen) und landete mit Listenplatz 14 auf Platz 25 ihrer Partei. Sie wurde von ihrem Mann Peter Fehr geschlagen, der es auf 312 Stimmen (Weiach: 7) brachte und damit vom Listenplatz 22 auf Platz 14 vorstiess. Hier ist überhaupt kein Weiach-Bonus festzustellen.

Gegenüber den beachtlichen 7500 Stimmen (Weiach: 3), die der mutterseelenallein auf Liste 9 kandidierende «Hanf Ueli» über den ganzen Kanton hinweg auf sich vereinen konnte, ist das schon recht mickrig.

Wenn man aber nicht über die aus im Dunklen liegenden Kanälen geschöpften Werbe-Millionen der SVP (und anderer grosser Parteien) verfügt, dann ist dieses Abschneiden keine Schande für die Kandidierenden - eher für diejenigen Wähler, die sich von den Propaganda-Stahlgewittern eines permanenten Wahlkampfs in den Bann schlagen lassen und nicht selber nachdenken.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Hirsch-Schnitzel an Weiacher Quittenrahmsauce

Sind Sie wild auf Wild? Nicht auf den Weiacher Nationalratskandidaten und FDP-Politiker Peter Wild natürlich, sondern auf saisonal passenden kulinarischen Genuss?

Dann hat das Restaurant Vorderer Sternen am Bellevue mitten in der Stadt Zürich heute noch etwas ganz Spezielles im Angebot. AOC Weiach sozusagen, wie die aktuelle Karte verrät (nur am Samstag & Sonntag 20. / 21. Oktober 2007 so abrufbar):

Wild

«Hirsch-Schnitzel
an Weiacher Quittenrahmsauce
34.50

Reh-Pfeffer
mit Champignons, Speck, Perlzwiebeln & Brotcroûtons
42.00

Reh-Geschnetzeltes
mit Pilzen & Trauben an Wildrahmsauce
39.00

Zu diesen drei Gerichten servieren wir Ihnen unsere hausgemachten Spätzli und ½ Apfel gefüllt mit frischen, marinierten Cranberries
».

Da läuft einem ja das Wasser im Munde zusammen. Wenn ich nicht schon zu einem Wild-Essen im privaten Rahmen eingeladen wäre, dann wüsste ich heute abend wohin: auf ins Sterne Föifi! Gutes darf auch seinen Preis haben.

P.S.: Dass der Leiter des Vorderen Sternen engere Verbindungen nach Weiach hat als andere Gastrounternehmer, das kann man sich bei dieser Quittenrahmsaucen-Kreation ja denken, oder?

Samstag, 20. Oktober 2007

Die Urne - Verkörperung des Volkswillens

Sie ist Eigentum der politischen Gemeinde, ist korrekt mit Inventarnummer in einem Verzeichnis vermerkt und kommt jedes Jahr mehrmals zum Einsatz - aktuell gerade für die eidgenössischen Parlamentswahlen. Was ist das?

Die Rede ist von der kommunalen Wahl- und Abstimmungsurne.


Am Samstagabend hat das Wahllokal jeweils von 19-20 Uhr geöffnet, am Sonntagmorgen von 9-10 Uhr. Bewacht wird die Urne in den genannten Stunden von Mitgliedern des Wahlbüros. Bei der vorzeitigen Stimmabgabe auf der Gemeindeverwaltung sind Angestellte der Gemeinde für's Hüten zuständig.

Nach Schliessung des Wahllokals werden alle Wahlzettel herausgenommen und die Urne wird wieder ins Lager gestellt.


Die Bilder zeigen die Urne am Sonntagabend auf dem Tisch im Eingangsbereich des Gemeindehauses.

[Veröffentlicht am 21. Oktober 2007]

Freitag, 19. Oktober 2007

Zahlen die Aargauer für die Trottoirs bis zur Grenze?

Am Schluss jeder Gemeindeversammlung steht die sogenannte Allgemeine Umfrage auf der Traktandenliste. Das ist oft der weitaus interessanteste Teil des Abends, denn da geht es nicht mehr um die von der Exekutive zur Abstimmung gebrachten Geschäfte. Da kommt zur Sprache, was den Bürgern aktuell unter den Nägeln brennt und der Gemeinderat muss Red' und Antwort stehen.

Im Zusammenhang mit der Materialsammlung für die Weiacher Geschichte(n) Nr. 95 über die ersten Gehversuche der Kiesindustrie vor 50 Jahren bin ich in den Gemeindeversammlungsprotokollen auch auf die Themen von damals gestossen.

Was in der Versammlung vom 19. Oktober 1957 aufs Tapet kam, darüber wird WeiachBlog nun in lockerer Folge in den nächsten Tagen berichten - Wortmeldung für Wortmeldung.

In der ersten Frage ging es um den

Ausbau der Kantonsstrasse von der Kantonsgrenze bis zum Sternen

«Nepfer Albert wünscht vom Gemeinderat Auskunft über das Gerücht, dass die Kaiserstuhlerstrasse von der Kantonsgrenze bis zum Sternen nächstens ausgebaut werde. Er erhält von Gemeindepräsident Meierhofer die Auskunft, dass das Projekt hiefür gegenwärtig beim Gemeinderat zur Prüfung liege, dass aber noch einige Fragen der Abklärung bedürfen. Er meint damit die fragliche Beitragsleistung der aargauischen Gemeinden an die Erstellung eines Trottoirs von der Bahnstation bis zur Kantonsgrenze, die Gehweg- und Stationsplatzgestaltung auf der Bahnstation, die fragliche Uebernahme eines Teils des alten Strassengebietes bei der Station durch die Gemeinde. Die Behörde hofft, im Verlaufe der nächstens mit den Organen der SBB stattfindenden Verhandlung zu einem annehmbaren Ziel zu kommen.»

Dass die Gemeinde Weiach von den aargauischen Nachbarn Kaiserstuhl und Fisibach Beiträge an die Kosten erwartete ist einfach zu erklären. Der gemeinsam genutzte Bahnhof Weiach-Kaiserstuhl liegt einige hundert Meter östlich der Kantonsgrenze auf Weiacher Gebiet. Von der Strecke Bahnhof-Kantonsgrenze lag der Nutzen bei den Aargauern, die Weiacher dagegen hatten nichts davon - ausser den Kosten.

Quelle

  • Gemeinde Weiach: Gemeindeversammlungsprotokoll. Gemeindeversammlung vom 19. Okt. 1957 - S. 48 unten. [Archiv der politischen Gemeinde, Abteilung IV B]

[Veröffentlicht am 25. Oktober 2007]

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Hände weg von Defibrillationsgeräten?

Feuerwehrleute sollen nicht an diesen Reanimationsgeräten ausgebildet werden, findet unsere Exekutive:

«Der Gemeinderat lehnt im Rahmen der Vernehmlassung der kantonalen Feuerwehr die Ausbildung und den Einsatz von Feuerwehrangehörigen als „First-Responder“ im Sinne des Antrages der Sicherheitskommission des Zweckverbandes ab. Der Auftrag dieser Feuerwehrangehörigen besteht im Ersteinsatz bei Herzstillständen mit Defibrillationsgeräten. Die Behörde ist der Meinung, dass für diesen Einsatz medzinisches Fachpersonal eingesetzt werden soll, welches auch den allgemeinen Geamtzustand der betroffenen Personen beurteilen kann.» (MGW, Oktober 2007 - S. 5)

Copy/Paste und ein unpassender Titel

In der Zürcher Landzeitung wurde dies fast wörtlich übernommen:

«Der Weiacher Gemeinderat lehnt im Rahmen der Vernehmlassung der kantonalen Feuerwehr die Ausbildung und den Einsatz von Feuerwehrangehörigen als «First-Responder» im Sinne des Antrages der Sicherheitskommission des Zweckverbandes ab. Dies teilt er aus seinem neuesten Verhandlungsbericht mit. Der Auftrag dieser Feuerwehrangehörigen besteht im Ersteinsatz bei Herzstillständen mit Defibrillationsgeräten. Die Behörde ist der Meinung, dass für diesen Einsatz medizinisches Fachpersonal eingesetzt werden soll, welches auch den allgemeinen Geamtzustand der betroffenen Personen beurteilen kann.» (Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 18. Oktober 2007 - S. 7)

Immerhin haben die Lektoren den «Geamtzustand» in einen «Gesamtzustand» überführt und das «medzinische» zum «medizinischen» Fachpersonal gemacht.

Aber sonst? Sonst wird da munter paraphrasiert - wie vor über 100 Jahren, als das Übernehmen der Texte Anderer noch üblicher war als heute!

Sind die Risiken wirklich so gross?

Auch der Titel ist leicht irreführend. Denn aus dem ablehnenden Entscheid des Gemeinderates Weiach alleine geht noch längst nicht hervor, dass nun die (Weiacher) Feuerwehrleute nicht mehr als «First Responder» eingesetzt würden. Das ist nur die Meinung eines Gremiums - die unseres Gemeinderates.

Ob die fünf Weisen im Gemeindehaus da wirklich auf objektiver Grundlage entschieden haben ist eine andere Frage, denn der Trend geht ganz klar in die entgegengesetzte Richtung. Medizinisch geschultes Personal komme oft zu spät, schrieb die Pharmazeutische Zeitung aus Deutschland schon vor sechs Jahren:

«Die Effizienz der Defibrillation und damit die Überlebenschance sinkt pro verstrichener Minute um bis zu 10 Prozent. Nach neun Minuten sei der Patient schon fast nicht mehr zu retten, sagte Arntz. Ein Notarzt schafft es nur selten, früher zur Stelle zu sein. Wie also kann die Zeitspanne weiter verkürzt werden? "Es geht nur mit Laien", sagte Siegfried Steiger, Präsident der Björn-Steiger-Stiftung. "Wir brauchen Leute, die in den ersten drei Minuten vor Ort sind, Menschen also, die man nicht rufen muss."»

Mittlerweile sind die Defibrillatoren in vielen Firmen und öffentlichen Einrichtungen schon fast Standard. Stellt sich also die Frage, ob sich der Gemeinderat nicht vorwerfen lassen müsste, Hilfeleistung verweigert zu haben.

Quellen
  • Czajka, S.: Defibrillieren kann jeder. URL: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/pza/2001-40/medizin5.htm [Download am 31. Oktober 2007]
  • Gemeinderat Weiach: Rubrik Sicherheitszweckverband. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Oktober 2007 - S. 5.
  • Weiach. Feuerwehrangehörige nicht im Einsatz. In: Zürcher Landzeitung/ZU/NBT, 18. Oktober 2007 - S. 7

[Veröffentlicht am 31. Oktober 2007]

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Oktoberwetter 1957

Dem Oktober vor 50 Jahren setzte Walter Zollinger ein trockenes, frostiges Denkmal, was man sich anhand der unten beschriebenen Nacht- und Nebelaktion mit den eigenen Topfpflanzen bildlich vorstellen kann:

«Der Oktober ist, wie letztes Jahr, wiederum recht nebelreich, vor allem an den Vormittagen (14mal), dazu kommen 13 Tage mit einer Hochnebeldecke oder doch "wechselnd bewölkt". Auch war's durchwegs ziemlich kühl, morgens wie abends. Viermal lag bereits Reif und am 23.10. war's abends so kalt geworden, dass ich noch nach der Kirchenchorprobe, also um ca. 22.30 Uhr, alle "Majen" auf den Lauben und vor dem Haus herein nehmen musste. Wohl gab's auch 12mal sonnige Nachmittage mit Temperaturen um 15°C, nur ein einzigesmal aber über 20°, am 12.10. Dennoch kann der Oktober eigentlich als trocken bezeichnet werden, sodass die herbstlichen Feld- und Gartenarbeiten günstig profitierten. Regen fiel nur wenigemal, dann aber gleich von stürmischem Wind begleitet, nämlich vom 19./20. und am 22. Oktober.»

In diesem Jahr war der Oktober gemäss Meteo Schweiz ebenfalls eine trockene Angelegenheit. Jedoch nicht so kalt wie der vor einem halben Jahrhundert:

«Der Oktober 2007 war weitgehend hochdruckbestimmt. Entsprechend zeigte sich im Allgemeinen die Sonne etwas häufiger als im langjährigen Oktobermittel, und es gab in vielen Landesteilen sehr wenig Niederschlag.»

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1957 – S. 6 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1957)

[Veröffentlicht am 30. Dezember 2007]