Dienstag, 27. September 2011

Septemberwetter 1961: prächtige Witterung für die Trauben

Böse Zungen behaupten ja, das Jahr 2011 sei eins mit zwei Sommern gewesen, einem im Frühling und einem im Herbst. In der Tat ist es auch Ende September noch so warm, dass man nach Sonnenuntergang abends im T-Shirt draussen arbeiten kann.

Wagen wir einen Blick 50 Jahre zurück, so gibt uns der entsprechende Monatseintrag in Walter Zollingers Jahreschronik eine ganz ähnliche Information:

«September. Ein sehr schöner Herbstmonat! Nur dreimal tagsüber regnerisch, sechsmal des Nachts oder frühmorgens, an 8 Tagen zeitweise bedeckt oder bewölkt, sonst aber, nach jeweilen bis gegen 9 oder 10 Uhr andauerndem Nebel, immer sonnige Vormittage, Nachmittage oder ganze Tage. Temperaturen an Nachmittagen beinahe konstant zwischen 18 und 22° stehend; einmal darunter (12° am 8.) und zweimal darüber (24° am 1. und am 4. Sept.). Prächtige Witterung zum Reifen der Trauben wie des Obstes. Es sollte von Letzterm nur mehr haben! Die Kartoffelernte dagegen geht bereits ihrem Ende entgegen.»

Obst hat es heuer in Hülle und Fülle, da kann man sich wahrlich nicht beklagen. Nur die zahlreichen Wespen sind eine Plage. Aber sonst könnte man sich glatt an dieses Wetter gewöhnen.

Quelle

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 5-6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].

Samstag, 10. September 2011

Erste Erwähnung von Wyach im Druck

Die älteste erhalten gebliebene handschriftliche Notiz, welche den Ortsnamen des Dorfes Weiach erwähnt, lässt sich bekanntlich auf das Jahr 1271 datieren. Dort wurde er in der Form «Wiach» notiert. Wann aber ist Weiach erstmals im Druck erwähnt worden?

Das älteste gedruckte Dokument, das WeiachBlog bislang gefunden hat, ist ein offizieller Erlass der Zürcher Regierung, welcher nach 1532 bei Christoph Froschauer erschienen ist, die:

«Christenlich Ordnung vnnd satzung eines Ersamen Rats der Statt Zürych, den gmeinen Kilchgang vnd predigen, die Widertöuffer, Frömbde Religion, Verbotten aberglöubig künst, Kilchenrechnu[n]gen, Fyrtagen, Gottslesteren, Spilen, Zutrincken, Kleider, Waffenzetragen, Hochzyt vnd tantzen, Schebeten vnd zeeren, Reißlouffen, Wucher vnd furkouff, Die Ee vnd ander derglychen stuck, belangend: Sampt der ordnung Synodi, vornaher vßgangen. Yetzund aber alles in ein kurtzen begriff verfaßt vnd zusamen gestelt vnd in truck geben».

Solche Titel zierten damals tatsächlich das Deckblatt - ein Titel mit Inhaltsangabe sozusagen.


Zitat und Bild geben den Titel des Drucks von 1550 wieder. Auf Seite 35 des unpaginierten amtlichen Papiers wird Wyach als eine der Pfarreien des Kapitels Regensberg erwähnt:


Die Liste wird mit dem Satz «Und sind die Pfarren also ußgeteilt unnd zuo Capitlen verordnet, volgender gstalt» eingeleitet.

Ganz am Schluss der Liste folgt das «Rägensperger cap.» mit den Pfarreien «Höngg», «Wyningen», «Rägenstorff», «Dellickon», «Otelfingen», «Buchs», «Dielstorff», «Wäningen. Diac.», «Steinmur», «Stadel», «Bülach Diac.», «Niderhaßlach», «Oberglatt», «Rümlang», «Kloten», «Basserstorff», «Eglisow», «Glattfelden», «Wyl», «Raffz» und «Wyach».

Dass der Bezirk Regensberg, bzw. das entsprechende Pfarrkapitel ganz am Schluss aufgeführt wird, hat - aus welchen Gründen auch immer - Tradition in der schriftlichen Überlieferung.

Quelle

Online-Ausgaben des zitierten Werks findet man sowohl bei Google Books, wie auf e-rara.ch, einem Gemeinschafts-Portal der Schweizer Bibliotheken mit hunderten digitalisierten alten Drucken: e-Rara ZBZ.

Mittwoch, 31. August 2011

Den Alitalia-Absturz als Armeeoffizier erlebt

Daniel Rebetez, Chef Zivilschutz im Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), einer der Chefbeamten von Bundesrat Ueli Maurer, beginnt das Editorial der jüngsten Ausgabe des Magazins «Bevölkerungsschutz» mit einer Erfahrung, die er mit vielen Weiacherinnen und Weiachern teilt. Dem Alitalia-Absturz vor über 20 Jahren:

«Liebe Leserin, lieber Leser

14. November 1990: Ich war im Militärdienst und sah mir am Abend zusammen mit dem Kommandanten der Rettungskompanie IV/10 ein Fussballspiel im Fernsehen an. Plötzlich wurde die Meldung «Absturz einer DC-9-32 der Alitalia am Stadlerberg» eingeblendet. Noch in derselben Nacht erhielt die Kompanie den Befehl, die zivilen Behörden zu unterstützen. Als Nachrichtenoffizier des Bataillons begleitete ich den Einsatz. Das Flugzeug war beim Absturz in den Wald in Brand geraten und zerschellt. Die Bergung der verkohlten Leichen erfolgte durch Freiwillige der Rettungskompanie. Nie werde ich den Geruch, der über der Absturzstelle lag, und den Anblick der weinenden Angehörigen bei der Gedenkfeier vergessen.
»

Rebetez geht dann auf einen Verkehrsunfall ein, den er als Feuerwehroffizier erlebte und führt mit diesen beiden persönlichen Beispielen das Thema der Ausgabe «Der Faktor Mensch im Katastrophenfall» perfekt ein:

«Katastrophen und auch viele Alltagsereignisse belasten die Betroffenen und die Einsatzkräfte psychisch stark. Die meisten verarbeiten das Erlebte glücklicherweise ohne nachhaltige Störungen. Jedoch überstehen manche ein Unglück zwar körperlich unbeschadet, zerbrechen aber psychisch daran.»

Umso wichtiger ist das Defusing von Einsatzkräften untereinander. Reden und schreiben darüber hilft. Wie das geht, darüber berichtet «Der Faktor Mensch im Katastrophenfall».

Diese und auch die früheren neun Themen-Ausgaben der Zeitschrift «Bevölkerungsschutz» sind es wert gelesen zu werden: Link auf die BABS-Seite.

Quelle

Weiterführende Literatur zum Absturz

Dienstag, 30. August 2011

Der Landschreiber soll im Neuamt wohnen

Die Obervögte der Zürcher Obervogtei Neuamt residierten zu Zeiten des Ancien Regime nicht etwa vor Ort (wie z.B. auf Kyburg in einem Landvogteischloss mitten in der Vogtei), sondern blieben in der Stadt Zürich wohnhaft.

Konsequenterweise war ihre Kanzlei in der Nähe untergebracht. Das änderte sich auch in der Restaurationszeit ab 1813 nicht: im Mai 1814 unterzeichnete «Landschreiber Heß, zu Stadelhofen» zuhanden der «Canzley Neuamt» (vgl. Zürcherisches Wochen-Blatt, Nro. 40, Donnstag Den 19. May 1814 bzw. Nro. 43, Montag Den 30. May 1814). Mit anderen Worten: der Landschreiber hatte seine Kanzlei direkt vor den Toren der Stadt und wohnte wohl auch nicht weit davon entfernt.

Die Notariatskanzlei für Weiach war in der Stadt Zürich

Für die Weiacher und andere Neuämtler bedeutete dies, dass sie für notarielle Geschäfte rund einen Tag einrechnen mussten. So lange dauerten die Reise von Weiach nach Zürich, der Amtstermin und die anschliessende Rückreise - selbst wenn man ein Pferd zur Verfügung hatte.

Noch 1830 war die Kanzlei wie selbstverständlich mitten in der Stadt Zürich ansässig, wie nachstehende Umzugsanzeige beweist:

«Es wird hiermit bekannt gemacht, daß vom 26ten dieses Monaths an die unterzeichnete Canzley nicht mehr in No. 102 in Gassen sondern im Hause zum Waldros [?] No. 282 große Stadt, oben an der Spiegelgasse, zu finden ist. - Canzley Neuamt, Rümlang und Weyach.» (Zürcherisches Wochen-Blatt Nro. 22. Donnerstag, den 18. März 1830, Avertissements Nr. 15)

Verlegung des Aufenthaltsorts ins Neuamt verlangt

Nach der liberalen Staatsumwälzung fassten sich die Neuämtler ein Herz und verlangten von der neuen Regierung, dass die Kanzlei näher bei ihnen angesiedelt sein solle.

Am 22. Oktober 1831 beriet der Regierungsrat über ein «Gesuch der Gemeinden des Kanzleybezirkes Neuamt, daß ihr Landschreiber angehalten werden möchte, seinen Wohnsitz in Niederglatt zu nehmen»:

«Ein vom 8ten d. M. [dieses Monats] datirtes Gesuch der Gemeinden des Kanzleybezirkes Neuamt, daß ihr Landschreiber angehalten werden möchte, in Niederglatt als dem Mittelpunkte des Bezirkes seinen Wohnsitz aufzuschlagen, wird der L. [Löblichen] Gesetzes-Revisions-Commißion überwiesen, auch den Petenten von dieser Verfügung Kenntniß gegeben.» (RRB 1831/1328; StAZH MM 2.4, S. 158)

Daraufhin scheint wenig Konkretes gegangen zu sein, sonst hätte sich der Regierungsrat nicht am 24. September 1833 mit dem inhaltlich identischen «Ansuchen der Notariatsangehörigen von Neuamt um Verlegung des Aufenthaltsortes des Landschreibers in ihre Mitte» befassen müssen. Sie formulierte deshalb eine höfliche Beschwerde an die Adresse der zuständigen Kommission:

«Das vom 19. d. M. datirte Gesuch der zum Notariatskreise Neuamt gehörenden Gemeinden, daß der dasige Landschreiber angehalten werden möchte, seinen Wohnsitz in Niederglatt als dem Mittelpunkt des Notariates aufzuschlagen, wird der Gesetzgebungs-Revisions-Commißion überwiesen, auch bey dieser Gelegenheit der Wunsch gegen diese verehrliche Stelle ausgedrückt, daß sie möglichst die Vorlegung der Notariatsordnung beschleunigen möchte.» (RRB 1833/1697; StAZH MM 2.13, S. 225)

Niederhasli und Höri fahren Extrazügli

Aber auch jetzt ging monatelang gar nichts, weshalb nun einzelne Gemeinden aktiv wurden und versuchten, den Amtssitz in ihre eigene Mitte zu ziehen:

Am 23. Dezember 1834 hatte der Regierungsrat das «Gesuch der Gemeinde Niederhasle um Verlegung des Notariats Neuamt nach da» auf dem Tisch und beschloss:

«Das vom 10. d. M. datirte Gesuch der Gemeinde Niederhasle, daß der Sitz der Kanzley Neuamt dahin, als den Mittelpunkt des Notariatskreises, verlegt werden möchte, – wird der Gesetzgebungs-Revisions-Commißion zu gutfindendem Gebrauche überwiesen». (RRB 1834/2092; StAZH MM 2.21, S. 102)

Der Grosse Rat soll endlich entscheiden

Offensichtlich war auch mehr als 2 Jahre später noch kein Umzug ins Neuamt erfolgt, weshalb der Regierungsrat am 28. Februar 1837 über ein «Gesuch der Gemeinden Weiach und Niederhasle um Abänderung des Wohnsitzes des Landschreibers der Kanzley Neuamt» zu befinden hatte und ins Protokoll schreiben liess:

«Die vom 8. und 21. d. M. datirten Gesuche der Gemeinden Weiach und Niederhasle, daß dem nächsten Großen Rathe ein Gesetzesvorschlag betreffend Veränderung des Wohnsitzes des Landschreibers der Kanzley Neuamt vorgelegt werden möchte, werden der Gesetzesrevisions-Commißon zu gutfindendem Gebrauche überwiesen.» (StAZH MM 2.34 RRB 1837/0340, S. 291)

Regierungsrat genervt

Nachdem sich die Gesetzesvorlage weiter verzögerte und am 1. April 1837 schon wieder ein Gesuch auf die regierungsrätliche Traktandenliste kam - das «Gesuch der Gemeinde Höri um Verlegung des Sitzes des Landschreibers der Kanzley Neuamt nach Ober-Höri» - lässt die Formulierung im Protokoll keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Regierung offensichtlich ziemlich genervt war und darauf drängte, der Kantonsrat möge sich endlich mit der Angelegenheit befassen:

«Das vom 25. v. M. datirte Gesuch der Gemeinde Höri, daß der Sitz des Landschreibers der Notariatskanzley Neuamt nach Ober-Höri verlegt werden möchte, wird der Gesetzgebungs-Revisions-Commißion mit der Einladung überwiesen, dem Großen Rath mit möglichster Beförderung einen Antrag über das erwähnte Begehren zu hinterbringen.» (RRB 1837/0537; StAZH MM 2.35, S. 147)

Ob und was das Parlament schliesslich beschlossen hat, dürfte ein Blick in die Protokolle des Grossen Rates zeigen.

Aus der Archivdatenbank des Staatsarchivs geht hervor, dass es erst 1842 einen «Entwurf zum Gesetz betr. Veränderung und Abgrenzung der Notariatskreise: Kyburg-Winterthur, Neuamt, Grüningen, Herrliberg, Andelfingen, Greifensee, Wädenswil, Pfäffikon und Knonau» gegeben hat (vgl. StAZH P 10.2.1).

Weiterführende Artikel

Zur Obervogtei und ihrer Kanzlei vgl. die folgenden Beiträge auf WeiachBlog:

Montag, 29. August 2011

Bewaffnete Frauen errichten «Strassensperre»

Gemeinderat Thomas Steinmann hat in seiner Bundesfeier-Rede (vgl. WeiachBlog vom 2. August 2011) die zunehmend schwindende Solidarität mit dem Gemeinwesen beklagt. Konkret: das sich in Luft auflösende Milizprinzip.

Ob sich die Situation wirklich so stark verschlimmert oder es sich bloss um die in nicht allzu einfachen Zeiten üblichen Klagen handelt, sei dahingestellt.

Wenn es um die Wurst geht, dann stehen wieder genug Leute selbstlos und mutig hin. So wie die Weiacherinnen vor 300 Jahren Wehrhaftigkeit bewiesen haben.

Früher «Frauenhilfsdienst»

Wie sich diese manifestiert hat wurde von verschiedenen Autoren berichtet, unter anderem auch Jürg Stüssi-Lauterburg (Chef der Bibliothek am Guisanplatz (BiG) in Bern, in der die frühere Eidgenössische Militärbibliothek aufgegangen ist).

Stüssi-Lauterburg befasste sich mit der Geschichte der Frauen in der Armee und kam dabei auf den sogenannten «Blinden Lärmen» von 1703 zu sprechen:

«Als Anna Willi Meyerhofer aus Weiach 1703 bei Kaiserstuhl den Feind zu erspähen glaubte, mobilisierte sie, angesichts der Abwesenheit der Männer ihres Dorfes an der Musterung, 20 behelfsmässig bewaffnete Frauen und errichtete eine Strassensperre gegen Kaiserstuhl. Es handelte sich 1703 um einen Fehlalarm, die Reaktion ist aber typisch geblieben.»

Ist auf der Strasse stehen = Strassensperre errichten?

Was ist unter dieser «Strassensperre» zu verstehen? Behelfsmässig errichtete Barrikaden? Es ist völlig unklar, was Stüssi-Lauterburg mit dieser Bezeichnung meinte und noch unklarer, welche Quellen er dafür anführen müsste.

In den Protokollen von 1703 selber (vgl. Weiacher Geschichte(n) 56) wird lediglich erwähnt, Untervogt Maag habe «20 Weiber mit Mistgablen» angetroffen.

Und Gustav Jakob Peter schreibt in seiner Dissertation «Geschichte des zürcherischen Wehrwesens im XVII. Jahrhundert» auch nur davon, dass die Weiacherinnen sich «alsbald mit Mistgabeln bewaffnet, auf der Strasse gegen Kaiserstuhl postierten». Diese Ortsangabe ist - verglichen mit dem Protokoll der Zürcher Obrigkeit von 1703 - ebenfalls eine Novität. Dort wird nämlich nicht erwähnt, wo genau Maag die Weiber angetroffen hat.

Die Details und Quellen zu diesem «Lärmen» kann man übrigens in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 56 nachlesen.

Quellen

Sonntag, 28. August 2011

Augustwetter 1961: erst schwül-heiss, dann herbstlich

Überdurchschnittlich warm ist der August 2011. Wie das Wetter in Weiach vor 50 Jahren ausfiel, darüber berichtet Walter Zollinger in der Jahreschronik 1961. Er geht gleich zu Beginn auf die Bundesfeier ein (vgl. dazu auch WeiachBlog vom 1.8.2011):

«August. Er beginnt recht sonnig und schwül, "verhebt" aber doch, sodass die Bundesfeier auf dem nun vergrösserten Schulplatz trocken durchgeführt werden kann. Erst um Mitternacht setzt Regen ein und hält dann aber auch fast während des ganzen 2. Augusttages an. Ab 3.8. bis zum 6.8. ein paar recht schöne Sommertage, bis zu 28°C an den Nachmittagen. Die nächsten sechs Tage sind ebenfalls düppig, aber ausnahmslos von gewittrigen Regenschauern durchsetzt, bald nachmittags, bald in der Nacht. Darauf folgen wieder drei niederschlagslose Tage, aber mit nebligen Morgen. Die zweite Monatshälfte bringt zahlreiche Tage mit bedecktem oder bewölktem Himmel am Morgen, Nebel am Vormittag, dann aber aufheiternd und schöne sonnige Nachmittage und Abende, auch recht öfters Wind. Ausnahmen hievon machten der 17.8., frühmorgens mit Sudelwetter beginnend und den ganzen Tag sehr wechselvoll bleibend, sowie der 22.8., der wiederum etliche Regenschauer brachte. Das Monatsende, vom 24.8. an, erfreute dann noch durch recht sonniges Wetter, allerdings frühmorgens jeweils lag immer etwas Nebel um's Dorf.

Höchste Nachmittagstemperatur des Monats 28°C;
tiefste Nachmittagstemperatur des Monats 15°C.
»

Das Aufkommen von Morgennebel ist in Weiach ein typisches Herbstzeichen. Der Nebel hüllt das Dorf dann meist bis um die Mittagszeit ein. Wenn man Glück hat, lacht bereits auf dem Kistenpass in Raat schon die Sonne.

Quellen

  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 5-6. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].
  • Bundesfeier – vor 50 Jahren auf dem Schulplatz. In: WeiachBlog, 1. August 2011 [Nr. 1035]

Samstag, 27. August 2011

Fest des Missionsverbands am Zürcher Rhein, 1961

Heute vor 50 Jahren fand in Weiach ein sogenanntes «Missionsfest» statt. Organisiert wurde es vom «Missionsverband am Zürcher Rhein».

Der Begriff «Zürcher Rhein» umfasst die Gemeinden Buchberg, Eglisau, Glattfelden, Hüntwangen, Rafz, Rüdlingen, Wasterkingen, Weiach und Wil. Er beschränkt sich also nicht nur auf das Gebiet des Kantons Zürich. Auch die beiden Gemeinden der Südexklave des Kantons Schaffhausen (Buchberg und Rüdlingen) gehören dazu.

Hier natürlich vor allem, weil der Kanton Schaffhausen traditionell evangelisch-reformiert ausgerichtet ist. Denn um eine Veranstaltung dieser Prägung handelt es sich bei diesem «Missionsfest», das am Nachmittag des «Sonntag, 27. August 1961 in der Kirche Weiach» durchgeführt wurde.

Auf dem Programm standen «Liedervorträge der vereinigten Kirchenchöre der Verbandsgemeinden», dann ein «Vortrag von Herrn Missionar J.E.E. Scherrer, Schaffhausen» mit dem Titel «Eine Inselwelt in Bewegung» (wahrscheinlich über irgendein klassisches Missionsgebiet in der Südsee) und schliesslich «Geselliges Beisammensein im Restaurant Bahnhof».


Ein halbes Jahrhundert später gibt es das Restaurant Bahnhof nicht mehr. Sogar das Gebäude wurde dem Erdboden gleich gemacht. Und auch der Missionsverband am Zürcher Rhein dürfte das Zeitliche gesegnet haben. Selbst der Begriff «Zürcher Rhein» ist nicht mehr allzu gebräuchlich.

[Veröffentlicht am 28. August 2011]

Montag, 22. August 2011

Kein zweites Weiach werden

Es passiert bekanntlich nicht allzu häufig, dass Weiach als Dorf mit nicht einmal 1000 Einwohnern in Zeitschriften erwähnt wird (auch in Zeitungen nur, wenn es sich um regionale Blätter wie den «Zürcher Unterländer» oder das «Neue Bülacher Tagblatt» handelt).

Wenn es dann doch vorkommt, hat es entweder etwas mit Kiesabbau, NAGRA-Sondierlöchern oder Erdgasbohrungen zu tun. Oder wie in anderen kleinen Gemeinden mit Sportlern oder aufsehenerregenden Verbrechen.

Atomkraftwerke sind geräuschloser als Kieswerke

Interessant dieser Tage ist die ziemlich unerwartete Erwähnung im Beobachter vom 18. August 2011, welche den Bogen von den für die Atomabfallentsorgung auf Weiacher Boden abgeteuften Prospektionsbohrungen zur Produktion dieses Abfalls einige Kilometer rheinabwärts spannt:

«Anfang der sechziger Jahre tauchte der erste Vorbote der neuen Zeit im Dorf auf. «Grüezi, Odi esch min Name», sagte er. «Elektrowatt.» Nicht zu verwechseln mit Otti, dem Gemeindeschreiber. Herr Odi war scharf auf Land vor dem Dorf, sicherte sich 200 Blätz bestes Ackerland durch Kaufrechtsverträge. Erst dachte man, der habe es auf die Kiesvorkommen da draussen abgesehen. Nein, ein zweites Weiach wollte man nicht werden! Es kam anders: Kernspaltung statt Kiesabbau. 1965 sagte der Leibstädter Gemeindeammann Ernst Kramer zu einer Zeitung: «Das Atomkraftwerk ist sauber, macht keinen Lärm und ist krisenfest.» Das war Mainstream damals. Sonst hätte das Atomkraftwerk im nahen Beznau nicht ohne jeglichen Widerstand von 1965 bis 1972 gebaut werden können. Atomkraft war hip, es war die Zukunft. Und wer hätte es ihnen verargen wollen, voll darauf zu setzen, den Bewohnern dieser Region, die schon immer im toten Winkel der Eidgenossenschaft gelebt hatten?»

Ein Image hat man schnell

Leibstadt südwestlich Waldshut ist eines der Aargauer Atomdörfer. Und die KKL, die Kernkraftwerk Leibstadt AG, ist für diese Gemeinde, was die Weiacher Kies AG für unser Kiesdorf. Sie bringt Geld - aber auch ein Image. Und nicht immer das beste. Es ist entweder verbunden mit einem gähnenden Loch oder mit einem dampfenden Turm. Beides Auswirkungen einer «Zuvielisation», die von deren Profiteuren gerne in die Peripherie abgeschoben werden. Ganz nach dem Motto «Not in my backyard»: die negativen Folgen meines Strom- bzw. Kieshungers sollen andere ausbaden.

Vor 50 Jahren war es für die Aargauer Gemeinden nahe des Zurzibiets offensichtlich erstrebenswerter, das Land für Nuklearreaktor und Kühlturm zu verkaufen, als es wie die Weiacher für ein Kiesloch lediglich langfristig zu verpachten.

Quelle
  • Schilling, Christoph: Leibstadt. Das Dorf und das Atom. In: Der Schweizerische Beobachter, Ausgabe: 17, 18. August 2011 - S. 40.

Montag, 15. August 2011

Abgebrannt: Das Haus des Weberliheiri

Heute vor 50 Jahren traf Weiach ein Ereignis der feurigen Art. Es brannte in der Chälen. Und zwar dort, wo sich heute die Kreuzung mit der Stockistrasse befindet. Walter Zollinger berichtet in seiner Jahreschronik 1961:

«Am 15. August brannte das alte Häuschen des "Weberliheiri", das unbewohnt war, gänzlich nieder. Grund: zeuseln des Knaben Roland bei Köllikers. Der früher jahrelang einsam drin wohnende Besitzer, Heinrich Meier-Dellenbach, ist erst vor kurzer Zeit (24. Mai) im 76. Altersjahr gestorben.»

Dass es sich dabei um ein für die lokale Bauhistorie interessantes Haus gehandelt hat, erwähnt Zollinger in seinem Büchlein «Weiach 1271-1971»: «1961: eines der ältesten Gebäude des Dorfes, das kleine Gütchen des erst im Mai vorher verstorbenen sogenannten Weberliheiri in der Chälen wurde das Opfer eines zäuselnden Knaben.» [nach Zoll72], (vgl. WeiachBlog vom 11. Januar 2011)

Leider verfügt WeiachBlog über keine Nahaufnahme dieses Hauses. Auf alten Postkarten kann aber mindestens erahnt werden, wie das Gebäude ausgesehen hat (Zum Vergrössern Bild anklicken):


Das durch den Brand vernichtete und nicht wiederaufgebaute Haus ist im Zentrum der roten Ellipse zu sehen. Es zeichnet sich durch ein Steildach aus, was ein Hinweis auf sein hohes Alter ist, denn die früher (im 17. und 18. Jahrhundert) vorherrschenden Strohdächer waren steiler als unsere heutigen Ziegeldächer.

Ebenfalls in der Ellipse: links des heute verschwundenen Objekts die landwirtschaftliche Liegenschaft Chälenstrasse 18, die von Max Griesser bewirtschaftet wird, hinter dem Objekt die ehemalige Liegenschaft Marie Meier-Bleuler (Chälenstrasse 16) mit dem charakteristischen Knick in der nordexponierten Dachhälfte.


Quellen
  • Bildausschnitt: Postkarte der Edition Photopol, Thalwil (gelaufen 1929)
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1961 - S. 15/16. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1961].
  • Zoll72: Chronik Weiach 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach. Autor: Walter Zollinger - erschienen 1972.
  • GIS Kanton Zürich, Ausschnitt Chälenplatz mit Verzweigung Stockistr./Chälenstrasse.

Sonntag, 14. August 2011

Brief von Holderbank an Haniel nicht auffindbar

Der Zürcher Regierungsrat Dr. Paul Meierhans erwähnte laut Kantonsratsprotokoll zur Sitzung vom 9. Oktober 1961, dass Holderbank Financière versucht habe, die deutsche Firma Haniel «vom schweizerischen Kiesgeschäfte abzuhalten». Interessant auch die Aussage, in dem Brief habe der Verwaltungsrat von Holderbank «auch auf die grosse Empfindlichkeit des Schweizers in Fragen der Überfremdung des Bodens» hingewiesen. Ein solcher Druckversuch lässt aufhorchen. Existiert dieser Brief noch? Vielleicht sogar im Original?

WeiachBlog recherchierte und korrespondierte mit dem Leiter des Haniel-Archivs in Duisburg, mit dem Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln sowie mit dem Verantwortlichen des Archivs der Holcim-Gruppe.

Haniel findet indirekten Nachweis

Ulrich Kirchner, Leiter des Haniel-Archivs antwortete am 8. Juli:

«Leider konnten wir diesen Brief in unseren Akten nicht finden. Die Angaben zum Brief stimmen meiner Meinung nach nicht: So heißt es, dass der Brief an den Direktor der Haniel AG Dortmund verfasst worden ist. Eigentlich müßte der Brief an die Franz Haniel & Cie. GmbH geschickt worden sein und die hat seit mehr als 250 Jahren ihren Sitz in Duisburg.»

Dieser Patzer war mir bis dahin noch gar nicht aufgefallen. Er zieht sich durch das gesamte Kantonsratsprotokoll hindurch. Kirchner fand aber einen indirekten Nachweis, dass es einen solchen Beeinflussungsversuch per Brief tatsächlich gegeben hat:

«Allerdings habe ich in der Akte mit der Signaturnunmmer ZABW:201 einen Hinweis auf einen anderen Brief der Holderbank gefunden, der im Dezember 1960 an Hermann Reusch geschickt wurde. Dieser war zu diesem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzender der Gutehoffnungshütte, die wiederum bis 1960 einer der Gesellschafter der Franz Haniel & Cie. GmbH war. Leider haben wir diesen Brief auch nicht finden können. Es gibt jedoch ein Archiv der Gutehoffnungshütte, in dem dieser Brief sein müßte. Und meiner Meinung nach müßte es sich um den Brief handeln, den Sie suchen. Denn, wenn es einen Brief an den Vorsitzenden der Franz Haniel & Cie. GmbH gegeben hätte, dann hätte dieser eigentlich in der Akte ZABW:201 sein müssen.

Das Archiv der Gutehoffnungshütte befindet sich im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln. Ansprechpartner hier ist Herr Dr. Jürgen Weise.
»

Keine Verbindung zur Gutehoffnungshütte

Der von WeiachBlog daraufhin kontaktierte Jürgen Weise antwortete am 12. Juli:

«Wir haben den Nachlass Hermann Reusch innerhalb des Unternehmensbestandes Gutehoffnungshütte Oberhausen (GHH) auf Ihre Fragen hin überprüft. Leider sind die zahlreich vorhandenen Akten nicht differenziert erschlossen, sondern es wurden nur die Titel aufgenommen. Sie können sich den gesamten Bestand als Online-Findbuch auf unserer Seite ansehen (Abt. 130). Dabei werden Sie feststellen, dass es neben der Nennung konkreter Korrespondenzpartner auch viele Akten A-Z gibt und auch thematisch zugeordneten Schriftwechsel. Wir können daher nicht sicher davon ausgehen, ob das Schreiben, nach dem Sie suchen, tatsächlich vorhanden ist oder nicht.»

Immerhin. Da müsste man also tief ins Archiv steigen und vielleicht würde man dann tatsächlich etwas finden. Eigens dafür nach Köln zu reisen wäre aber schon etwas übertrieben. Weise weiter:

«Was wir in diesem Zusammenhang nicht verstehen, ist die Verbindung zu Haniel. Die GHH AG gehörte zwar zu einem großen Teil der Familie Haniel, sie hat aber ihre Geschäfte selbständig getätigt. Warum sollte H. Reusch als Vorstand der GHH AG für die Firma Haniel, einer Kommanditgesellschaft, in der Weise tätig werden?»

Warum die Holderbank ausgerechnet an Reusch gelangte? Nun, es ist ja schon etwas ungewöhnlich einen solchen Beeinflussungsversuch zu starten. Und offenbar glaubte man bei Holderbank, Dr. Hermann Reusch könnte Haniel noch umstimmen.

Bei Holcim keine Spur vom Beeinflussungsbrief

Nun interessiert natürlich noch, ob der fragliche Brief im Holderbank-Firmenarchiv als Durchschlag vorhanden ist. Auch Holcim-Archivar Philip Zumstein wurde nicht fündig. Er antwortete am 25. Juli:

«Ich habe unser Archiv nun auf den Kopf gestellt, muss Ihnen aber leider mitteilen, dass sich bei uns kein solcher Brief (oder andere Informationen zu dieser Angelegenheit mit Haniel) auffinden lassen. Unser Archiv geht zwar weiter zurück als 50 Jahre, allerdings waren die Richtlinien für die Aufbewahrung von Dokumenten dazumals auch anders. Falls dieser Brief so existierte, wird wohl nun der damalige Delegierte des VR wissen, wo er sich befindet ... Tut mir leid Sie zu enttäuschen.»

Fazit: Ein solcher Brief muss zwar tatsächlich existiert haben (vgl. die Hinweise aus dem Haniel-Archiv in WeiachBlog vom 12. Juli 2011). Er wird vielleicht irgendwann einmal gefunden. Aber für den Moment lassen wir die Angelegenheit jetzt einmal ruhen.

Den beteiligten Archivaren Kirchner, Weise und Zumstein sei hier für ihre Unterstützung noch einmal herzlich gedankt.