Mittwoch, 1. November 2006

Sind wir im Vogelgrippe-Korridor oder nicht?

Kaum wird es Herbst holen einen schon wieder die vergrippten Vögel ein.

Unter dem Titel «Vogelgrippe» steht im neuesten Mitteilungsblatt, Rubrik «Aus dem Gemeinderats-Sitzungszimmer»:

«Die Gemeinde Weiach liegt teilweise im Bereich der Risikozone, welche einen Korridor von 1 km entlang des Rheins umfasst. In diesem Gebiet gilt u.a. ein Verbot für Geflügelhaltung im Freien vom 15. Oktober 2006 bis voraussichtlich 30. April 2007 und die bereits im vergangenen Jahr geltenden Vorsichtsmassnahmen im Umgang mit totem Geflügel. Für die übrigen Gebiete sind vorläufig keine besonderen Schutzmassnahmen festgesetzt worden.»

An Bodensee, Untersee und entlang des Rheins...

Dass dieser Korridor sich durch die ganze grenznahe Nordschweiz zieht, kann man erahnen, wenn man die News-Seite der Gemeinde Berlingen (im Kanton Thurgau am Bodensee gelegen) aufruft:

«Entlang von Bodensee, Untersee und Rhein gilt ein 1 Kilometer breiter Streifen als Risikozone. In diesem Gebiet gilt für das Hausgeflügel die Stallhaltepflicht vom 15. Oktober 2006 bis 30. April 2007. Für den Vollzug und die Kontrolle dieser Massnahme ist der Kanton zuständig.

Einsammeln von Wildvogelkadavern

In den Gemeinden mit direktem Uferanstoss an Bodensee, Untersee und Rhein müssen vom 15. Oktober 2006 bis 30. April 2007 folgende Wildvogelkadaver eingesammelt werden:
- Alle Wasser- und Greifvögel
- Andere Vögel, nur wenn 5 oder mehr Kadaver innerhalb von 24 Stunden am gleichen Ort gefunden werden.
Für das Einsammeln der Wildvogelkadaver sind die Gemeinden zuständig.
»

Zweierlei Recht im Dorf?

Nun ist es so, dass das Hasli, das Bahnhofquartier (See-Winkel), das Bedmen, der Sternenparkplatz und mit ihm Teile des Bühls und der unteren Chälen weniger als 1000 Meter Luftlinie vom Rheinufer entfernt sind, die obere Chälen, das südliche Bühl, das gesamte Oberdorf, die Hofwiese und das Bergquartier aber jenseits dieser 1000-Meter-Marke liegen.

Wie ist das nun? Haben nur die Hühner im Norden des Dorfes Hausarrest und die in den südlicheren Teilen nicht? Gibt es eine parzellenscharfe Abgrenzung?

Fragen über Fragen. Und für Geflügelhalter doch recht entscheidende. Was man doch mit dem lieben Federvieh für Ärger bekommen kann...

Quellen

  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2006 - S. 6.
  • Website der Gemeinde Berlingen TG

Dienstag, 31. Oktober 2006

Ein Jahr WeiachBlog

Genau ein Jahr und zwei Stunden ist es her, seit der allererste WeiachBlog-Artikel online ging.

Zusammen mit diesem hier sind mittlerweile 302 Beiträge erschienen. Einige davon haben zu heftigen verbalen Scharmützeln Anlass gegeben, besonders solche über den Fluglärm - dort sind auch die Kommentar-Spitzenreiter zu finden.

Kampfplatz Fluglärmstreit

Wer sich in dieses politische Minenfeld vorwagt, der hat mit fast allem zu rechnen, wie WeiachBlog mehrmals feststellen musste. Denn für gewisse Protagonisten des Kampfes gegen Südanflüge herrscht «Krieg» (vgl. Tages-Anzeiger vom 26. & 27. Oktober).

Mit anderen Worten: in der Enttäuschung über den Staat sind einige wenige bereit, jegliche Grenzen zu überschreiten - nicht nur die des Anstandes.

Die Spitze der Hitparade

Nach wie vor ungeschlagener Spitzenreiter bei den Seitenabrufen (vgl. Bilanz über 250 Artikel) ist der Beitrag über den Flugzeugabsturz vom 14.11.1990 - den opferreichsten Unfall auf Gemeindegebiet seit Menschengedenken.

Es ist erstaunlich, wie häufig heute - bald 16 Jahre nach dem Ereignis - noch Informationen zu diesem Fall gesucht werden. Interessant ist, dass die internationalen Medienlandschaft für die einzige zeitgleich erfolgte, weltweite Verbreitung des Ortsnamens Weiach (selbst in regionalen Printmedien der USA wurde über den Absturz geschrieben) zielgenau ein Thema herausgepflückt hat, das offensichtlich selbst heute noch einige Menschen interessiert.

Zugriffsstatistik - gut 5000 Besucher

Seit dem Beginn der systematischen Traffic-Erfassung am 27. Dezember 2005 (d.h. ca. zwei Monate nach dem Start) sind 4998 Besucher zu verzeichnen.

Macht also im Durchschnitt 24 Besucher pro Tag. Die meisten kommen via eine Suchmaschine und bestimmte Begriffe hinein und sind ebenso schnell wieder weg (Average Visit Length: 1 Minute 30 Sekunden).

Die überwiegende Mehrheit greift über einen Schweizer Provider auf den WeiachBlog zu. Auf den Plätzen folgen Benutzer aus Deutschland und Österreich. Auch Italien, Frankreich, Schweden und die USA sind gelegentlich vertreten.

Wenige Stammleser

Nur sehr wenige bleiben hängen und werden sozusagen Stammleser. Ihre Zahl ist schwierig zu schätzen, dürfte sich aber im Rahmen von einem bis zwei Dutzend bewegen, was bei diesem «Orchideenthema», das eine Zielgruppe von maximal einigen hundert Personen hat, schon recht viel ist.

Nach wie vor unbekannt ist, wieviele Personen WeiachBlog über einen Feedreader lesen, da diese in der Regel keine Spuren in der Zugriffsstatistik hinterlassen.

Klickraten und Kommentare

Die Besucher klicken meist nur eine Seite an, die wenigen Stammleser auch wesentlich mehr, was sich dann in einem Total von 7'867 page views und einem Schnitt von 1.5 pro Besuch oder 35 pro Tag ausdrückt.

Insgesamt wurden zu den 302 Artikeln 165 Kommentarbeiträge abgegeben. Die meisten von WeiachBlog selber - als Nachträge auf den Artikel oder als Repliken auf Kommentare von Lesern. Spitzenreiter ist klar das Fluglärmthema, bei dem einige Südschneiser regelmässig ihren Standpunkt deponieren.

Montag, 30. Oktober 2006

Dem Nebel nach zu schliessen ist es doch Herbst

Das Oktober-Wetter war rekordverdächtig. Mit viiiiieeell Sonne. Jetzt soll es diese Woche noch wirklich unangenehm werden. Nasskalt, regnerisch, kurz gesagt: wääääk...

Aber das gehört halt zum Gesamtpaket. Schliesslich leben wir nicht am Äquator - und haben dafür lange Sommerabende und richtige Jahreszeiten.

Momentan ist es allerdings erst den frischen Temperaturen und den farbigen Blättern an den Bäumen zuzuschreiben, dass man dem Kalender glaubt, es sei Herbst. Die Sonnenscheindauer spricht da eine andere Sprache.

In Weiach spürt man den Herbst jeden Morgen. Der rheinbedingte Nebel hält sich an gewissen Tagen hartnäckig - manchmal bis gegen Mittag. Vom herbstlichen Weiacher Nebel hier eine Aufnahme, datiert auf den 11. Oktober, 08:00 MESZ. Im Bild das von Kaiserstuhl an die Haltestelle «Weiach, Gemeindehaus» heranbrausende Postauto der ZVV-Linie 515:

Sonntag, 29. Oktober 2006

e-mail-Transfer: Aus «schweiz.ch» mach «schweiz.org»

Vor fünf Monaten, am 29. Mai, stellte WeiachBlog die Frage, was mit den langjährigen e-mail-Adressen der Domain «schweiz.ch» passieren wird, wenn die Eidgenossenschaft die Domain schweiz.ch übernimmt - wie von ihr mittels schiedsgerichtlichem Verfahren angestrebt.

Anfang September teilte der aktuelle Betreiber der Domain, Stefan Frei, die Modalitäten der Abtretung von schweiz.ch mit:

«Per 30. November werden die CH-Domains auf die Schweizerischen Eidgenossenschaft übertragen, sämtliche Email-Dienste @schweiz.ch/@suisse.ch/@svizzera.ch werden per diesem Datum eingestellt.»

Der Bund kann also ab Anfang Dezember theoretisch den ganzen Mailverkehr an irgendwelche schweiz.ch-Adressen mitlesen. Der eigentliche Empfänger erfährt davon aber nichts, denn eine zeitlich befristete Weiterleitung oder zumindest einen anständigen Bouncing-Service («Sorry, diese Adresse ist nicht mehr in Betrieb, versuchen sie es mit *@schweiz.org o.ä.») scheint es nicht zu geben.

Schöne Aussichten, das! Bleibt also nichts anderes als das Zügeln.

Überlassung der Domain schweiz.org

Immerhin: Frei konnte mit dem Bund eine Überlassung der Domain «schweiz.org» aushandeln. Das vertraglich zugesicherte Nutzungsrecht sei unbeschränkt, schreibt er. Hoffen wir, dass die Eidgenossenschaft sich auch daran hält.

Die bisherige Adresse der «Weiacher Geschichte(n)» (weiacher.geschichten@schweiz.ch) ist schon vor einigen Wochen nach weiacher.geschichten@schweiz.org umgezogen.

Reaktionen auf die «Weiacher Geschichte(n)» deshalb ab sofort nur noch an die neue «schweiz.org»-Adresse! Danke.

Freitag, 27. Oktober 2006

DJ Bobo an den Karren gefahren

Der früher in Eglisau und seit einigen Monaten in Weiach wohnhafte Kommunikationsberater Hanspeter Bühler ist ein aktiver Leserbriefschreiber.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund und kommentiert das im Blätterwald publizierte Zeitgeschehen mit spitzer Feder. Und seine Zeilen finden das Interesse der zuständigen Redaktoren. Sie schaffen es deshalb häufig in die gedruckte Zeitungswelt.

Allein in den letzten 30 Tagen sind Beiträge Bühlers zu unterschiedlichen Themen erschienen. Als da wären:

Die Kontroverse um das Berliner Aufführungsverbot für Mozarts «Idomeneo», oder die aufgeregte Diskussion zu Bundesrat Blochers «Afrikaner-Aussage».

Aber auch Sportler und Popstars werden zu Bühlers Sujet. Im Blick vom 24. Oktober «Schumi», der kürzlich zurückgetretene Formel-1-Rennfahrer und heute im Tages-Anzeiger DJ Bobo - mit bürgerlichem Namen «Baumann».

DJ Bobo lehnte ab

Bühler reagierte auf den Tagi-Artikel «DJ Bobo kämpft gegen den Hunger auf der Welt» von gestern Donnerstag:

«Noch vor Jahresfrist habe ich als Vorstandsmitglied des kleinen Wasserhilfswerks «Die Wüste lebt - Wasser für alle» Herrn Baumann angefragt, ob er ehrenamtlicher Botschafter unseres Drittwelt-Wasserbeschaffungshilfswerks werden wolle. Er hatte keine Zeit dafür und lehnte auch ein Gespräch kurzerhand ab. Offenbar ist ihm die Publizität des aufgeblasenen, Hunderte von Millionen verschlingenden Papiertigers Uno wichtiger als eine unkomplizierte, unbürokratische Hilfe vor Ort - dort, wo so genannte stille Katastrophen bestehen, die nicht im Fokus der Weltmedien sind. DJ Bobo ist ein Produkt der heutzutage grassierenden Oberflächlichkeiten.»

Dienstag, 24. Oktober 2006

Bissiger Siebenschläfer

Im Bundesarchiv in Bern liegen die Kommandantentagebücher vieler militärischer Verbände der Schweizer Armee aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Darunter auch das der Grenzfüsilierkompanie I/269. Diese Einheit war zu Beginn des Krieges (Polenfeldzug) in Weiach stationiert.

Zu einer anderen Einheit desselben Bataillons gehörte auch ein gewisser Wachtmeister Zollinger, Weiacher Lehrer und Ortschronist, dessen Uniform heute im von ihm mitbegründeten Ortsmuseum hängt.

Wider den langweiligen Wachtdienst

Im Tagebuch der Kp I/269 gibt es - just zu dieser Zeit Ende Oktober - zwei Einträge zu einem Siebenschläfer:

«23. Oktober 1939

Wetter: Regen und Wind ohne Unterbruch.
Der Kp. Kdt fängt im Kaibengraben einen Siebenschläfer, welcher im Kp.-Büro in einen Käfig gesperrt wird.

26. Oktober 1939

Die Büroordon. Bär meldet um 20.10, der Siebenschläfer sei ausgebrochen und spaziere im Kp.-Büro. Nach einer tollen Jagd, die eine halbe Stunde dauerte, gelang es dem Kp. Kdten als bekannter Jäger, das bissige Tier einzufangen.
»

Der Kaibengraben ist ein ehemaliges Bachtobel am Rheinufer, das seinen Namen angeblich aus der Zeit des Zweiten Koalitionskrieg von 1799 hat. Damals sollen dort tote Pferde entsorgt worden sein.

Der erwähnte Kompaniekommandant (Kp.Kdt) hiess Cäsar Linsi und war kantonaler Fischereiaufseher in einem Revier am Zürichsee. Als solcher hatte er natürlich auch ein Jagdpatent.

Über das weitere Schicksal des Siebenschläfers schweigt sich das Tagebuch leider aus.

Quelle
  • Kommandantentagebuch der Gz. Füs. Kp. I/269. Original im Besitz des Schweizerischen Bundesarchivs (BAR); Signatur: E 5790 1871 Bd.2

Montag, 23. Oktober 2006

Seldwyla und die chinesischen Pflastersteine

Gottfried Keller hat Seldwyla mit Liebe zum Detail und beissendem Spott beschrieben. Als schweizerisches Schilda sozusagen.

Im Unterland ist man seither überzeugt: Seldwyla ist Bülach. Was die Bülacher mittlerweile sogar selber akzeptiert haben. Die Bülacher Theatertruppe par excellence heisst nicht zufällig «Spielleute von Seldwyla».

Eine lustige Reminiszenz an den Dichter aus dem 19. Jahrhundert - dachte ich bis vor einigen Stunden.

Tempi passati? Mitnichten!

Mit einigem Erstaunen konnte man letzten Samstag im Zürcher Unterländer lesen, dass die heutige Bülacher Stadtregierung für Seldwylereien der Extraklasse gut ist.

Vor dem Rathaus in der Altstadt wird derzeit gebaut. Im Tiefbau, um genau zu sein. Eine Begegnungszone soll entstehen. Bis 2009 in der ganzen Altstadt. Und weil sich Asphalt nicht so heimelig anfühlt, kommen Pflastersteine zum Einsatz.

Schön und gut. Nur: die auf dem Rathausplatz gerade verbauten Steine stammen aus dem «Reich der Mitte». Schreibt ZU-Korrespondent Friedel K. Husemann. Ich dachte erst, ich lese nicht richtig. Aber es scheint leider zu stimmen.

Pflastersteine werden in China abgebaut, um den halben Globus transportiert und in der Bülacher Altstadt verlocht. Was für ein Schildbürgerstreich! Wie wenn es in diesem Land keine Steinbrüche gäbe, welche mindestens so gute Qualität liefern könnten.

Nächstens kommen die Bülacher noch auf die Idee, ihren Wandkies ebenfalls aus China zu importieren. Aber vielleicht erinnern sie sich dann doch noch daran, dass in Weiach und im Rafzerfeld der Kies grad vor der Haustüre zu haben ist. Anschauungsunterricht gäbe es ja mehr als genug: Schüttgüterwaggons der Kiesunternehmen mit grossen Schriftzügen, die durch den Bülacher Bahnhof gezogen werden, bzw. nächtens dort herumstehen.

Engstirnig auf kurzfristige Optimierung fokussiert

Vielleicht sollte die heutige Stadtregierung wieder einmal ihrem Alt-Stadtpräsidenten Menzi zuhören, wenn er Gottfried Kellers «Die Leute von Seldwyla» interpretiert:

«Der Glattfelder Schriftsteller habe damit die damaligen Bülacher vor Augen gehabt. Diese seien engstirnig und arrogant gewesen und hätten ihr Fähnlein gern nach dem Wind gehängt. Tatsächlich wurde Bülach, so Menzi, zweimal von den Eidgenossen in Brand gesetzt, weil es sich im Krieg auf die «falsche» Seite gestellt hatte.» (Unterländer, 5. Juli 2005)

Die falsche Seite wäre diesmal die der Energieverschwender und Arbeitsplatzverschieber. Ob man auch künftig dazu gehören möchte oder weiterhin kurzsichtigem Spareifer huldigt, sollten sich die Bülacher Stadtväter vielleicht besser überlegen, bevor sie die nächste Tranche Pflastersteine aus China ordern.

Quellen
  • Husemann, F.K.: Die Altstadt wirkt weiträumiger. Bülach - Bauarbeiten für die erste Etappe der Begegnungszone werden demnächst beendet. In: Zürcher Unterländer, 21. Oktober 2006
  • Calislar, F.: Die neuen «Leute von Seldwyla». Bülach - Rund 70 Neuzuzüger waren als Gast der Stadtverwaltung im «Stedtli» unterwegs. In: Zürcher Unterländer, 5. Juli 2005.

Sonntag, 22. Oktober 2006

Im Kreise der Wehrkirchen Europas

Jüngst publizierte Schriften, wie die Broschüre zum Jubiläum «300 Jahre Kirche Weiach», laufen immer Gefahr, dass kurz nach Redaktionsschluss und abgeschlossenem Druck noch etwas bisher Unbekanntes auftaucht - und sei es auch nur eine Literaturstelle.

In diesem Fall handelt es sich um einen Bildband des deutschen Kirchenexperten Karl Kolb aus dem Jahre 1983. Auf 179 Seiten beschreibt er das Phänomen der Wehrkirchen in Europa.

Vor allem in Ungarn und in Siebenbürgen, aber auch in Frankreich, findet man befestigte Gotteshäuser noch heute in grosser Zahl: die Insel Mont Saint-Michel ist lediglich die bekannteste unter diesen Kirchenfestungen.

Grosses Thema - komprimierte Abhandlung

Kolb hatte eine Herkules-Arbeit mit Reisen durch ganz Europa hinter sich und die schwierige Aufgabe, ein weitgespanntes Thema auf weniger als 200 Seiten abzuhandeln - Literaturverzeichnis und Ortsregister inklusive.

Die Wehrkirchen der Schweiz umfassen im Textteil nur gerade fünf Seiten. Im Bild vorgestellt werden u.a. die Bergkirche von Raron im Kanton Wallis, die St.Arbogast-Kirche in Muttenz und die Kirche von Boswil im Kanton Aargau.

«Längst vergessene Religionskämpfe» und andere Ungereimtheiten

Ein Abschnitt über die Nordostschweiz streift auch den Kanton Zürich:

«Als anderswo die Religionskämpfe als Folge der Reformation längst vergessen waren, erreichten in der Schweiz die Villmerger Kriege ihren Höhepunkt. Um 1700 stand noch ein weiterer Kampf mit den 1656 besiegten reformierten Ständen bevor. Deshalb bauten die Züricher überall dort ihre Kirchhöfe aus, wo sie Überfälle aus der Nachbarschaft befürchteten.

Im Kunsthistorischen Museum von Genf hängen zwei Gemälde, die sich über diesen Krieg lustig machen. Ein Bär und ein Stier übernehmen die Rolle der Hauptleute, die ihre Mannen ins Feld führen.

In Weiach ZH wurde sogar die alte Kirche abgerissen und 200 Meter weiter an einer taktisch günstigeren Stelle eine neue von dem Züricher Festungingenieur Hans Caspar Werdmüller errichtet. Zusammen mit dem Pfarrhaus von 1591 und dem Friedhof entstand so ein Fort. Von dieser Kirchenfestung des 18. Jahrhunderts zeugen noch die Schießscharten in der hohen Friedhofsmauer.

Derselbe Festungsingenieur hatte zuvor schon die militärischen Kirchenneubauten in Schönenberg ZH am Hirsel (1702) und danach in Bachs ZH (1713) errichtet, und 1662 kam der übereck gestellte Festungsbau mit Wehrgang und Schießscharten dazu.
»

Zu diesen Ausführungen ist ein ganzes Büschel von Anmerkungen zu machen:

  • Erstens wage ich zu bezweifeln, dass anfangs des 18. Jahrhunderts, kaum mehr als 50 Jahre nach dem Westfälischen Frieden von 1648, die erbitterten Religionskämpfe des Dreissigjährigen Krieges «längst vergessen» waren. Über den 2. Weltkrieg diskutieren wir schliesslich auch heute noch.
  • Zweitens übernimmt Kolb für das Pfarrhaus Weiach eine in der Literatur zwar häufig genannte, aber irreführende Jahrzahl. Es ist keineswegs bewiesen, dass es sich bei dem 1591 für den ersten in Weiach wohnhaften Pfarrer von der Zürcher Obrigkeit angekauften Haus um das anfangs des 18. Jahrhunderts zusammen mit der neuen Kirche in die Befestigung integrierte heutige Pfarrhaus handelte. Mitte des 17. Jahrhunderts soll das Weiacher Pfarrhaus nämlich bei einem Dorfbrand den Flammen zum Opfer gefallen sein.
  • Weiter wundert man sich über die Verschreibung des Hirzel zu «Hirsel», was verdächtig nach einer Niederschrift nach mündlicher Mitteilung aussieht.
  • Vollends unklar wird die Darstellung schliesslich beim «übereck gestellten Festungsbau» von 1662. Es ist mir schleierhaft, auf welche Anlage sich Kolb hier bezieht. Jedenfalls kann es sich nicht um einen von Hans Caspar Werdmüller (1663-1744) erstellten Bau handeln.
  • Daneben nimmt sich die - bei einem deutschen Autor und deutschem Verlag leider zu erwartende, aber von Hiesigen als falsch empfundene - Schreibform «Züricher» noch harmlos aus.

Alles in allem lässt dieses Werk also etliche Fragen offen. Die Zweifel an der Exaktheit der Darstellung werden auch nicht kleiner, wenn man entdeckt, dass auf Seite 158 unsere Kirche sogar in einer Kartenskizze mit dem Titel «Die Wehrkirchen im Rheintal» eingezeichnet ist.

Die Skizze beginnt bei Weiach, vermerkt Kaiserstuhl (sonst nirgends im Text erwähnt) und Muttenz und endet mit Köln.

Hier ist die Problematik, die damit verbunden ist, eine Kirchenfestung des beginnenden 18. Jahrhunderts mit den rheinabwärts gelegenen, eher mittelalterlichen Bauwerken in eine Reihe zu stellen, deutlich zu spüren.

Risiken und Nebenwirkungen von Google

Anmerkung: Ohne Google Books wäre ich kaum auf diese Literaturstelle gestossen. Zu früheren Trouvaillen und den mit dem Google-Projekt verbundenen Risiken vgl. die WeiachBlog-Artikel vom 17. November 2005 und 16. März 2006.

Quelle

  • Kolb, K.: Wehrkirchen in Europa. Eine Bild-Dokumentation. Echter Verlag, Würzburg 1983 - S. 133 u. 158.

Samstag, 21. Oktober 2006

Oktoberwetter 1956

Wie der September, so entschädigte auch der Oktober für den nassen August. Es gab noch einmal einige wunderbar warme Tage.

Etwas anders das Wetter vor 50 Jahren. Zollingers Beschreibung liest sich als geradezu typischer Steckbrief für den Herbst am Zürcher Rhein:

«Der Oktober zeichnet sich durch seinen "Nebelreichtum" aus. Meist hielt derselbe bis über Mittag hinaus stand und hob sich dann zu einer Hochnebeldecke, so dass wenig Sonnenschein registriert werden konnte. An 12 Tagen jeweils irgend einmal Regen, sei's vorm., nachm., abends. Der 6., der 26. und der 29. Oktober sind in meinem Notizheft sogar als "scheusslich, mit Regen und stürmischen Winden" eingetragen. Gegen Monatsende sanken die Morgentemperaturen mehrmals bis in die Nähe der Nullgrad-Grenze, sodass man bereits Morgenfröste befürchten musste. Am 27. "leuchten die Höhen im Deutschen drüben schneeweiss herüber".»

Bei den genannten Höhen handelt es sich vor allem um den Wannenberg (690 m ü.M.) ob Bergöschingen und den Kalter Wangen (671 m ü.M.) ob Stetten. Von der L 161a aus, die nahe beim Kalter Wangen über einen Pass von Stetten nach Grießen führt, kann man bei klarer Sicht Teile der Alpenkette sehen.

Zum Vergleich: der Ortskern von Weiach liegt auf ca. 390 m ü.M., die höchsten Punkte auf Gemeindeboden im Gebiet des Stadlerbergs auf ca. 615 m ü.M.

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Weiacher Wetter im Jahre 1955 (28. Dezember 2005)
Januarwetter 1956 (14. Januar 2006)
Februarwetter 1956 (12. Februar 2006)
Märzwetter 1956 (6. März 2006)
Aprilwetter 1956 (13. April 2006)
Maiwetter 1956 (9. Mai 2006)
Juniwetter 1956 (12. Juni 2006)
Juliwetter 1956 (13. Juli 2006)
Augustwetter 1956 (22. August 2006)
Septemberwetter 1956 (20. September 2006)

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1956 – S. 4-5 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1956)

Montag, 16. Oktober 2006

Jeder 10. Korb Mist drückt doppelt schwer

Der Wümmet ist in vollem Gange. «Die Blauburgundertrauben sind reif — jetzt drängt die Zeit. Weinbauern aus der Region sind zufrieden mit der diesjährigen Qualität der Trauben», titelt das Neue Bülacher Tagblatt heute.

WeiachBlog schaut in diesem Beitrag noch etwas weiter zurück als vor einer Woche, wo es um die Ablösung des so genannten nassen Zehnten im Jahre 1878 ging.

Die Weyacher musste man im Gegensatz zu anderen Gemeinden offenbar nicht zwingen, diese Lehenlasten abzulösen. Sie waren ihnen lästig, wie aus der Ortsbeschreibung von Anno 1850/51 hervorgeht. Im Kapitel 4 über den Weinbau schreibt Pfarrer Conrad Hirzel:

«Ungünstig wirkt [...] der Umstand, dass, während der trockene Zehnden schon zu Anfang dieses Jahrhunderts losgekauft wurde, der nasse noch fortwährend auf dem Grundbesitz lastet und bei jedem 10. Korbe Mist oder Erde, der die steile Höhe hinangetragen wird, auch doppelt schwer auf den Rücken drückt, und so zur gründlichen Verbesserung Muth u. Lust raubt. »

Weiter unten findet man in Hirzels Text auch noch etwas über aktuelle Erträge und die Verwendung des eigenen Rebensaftes:

«Der durchschnittliche Jahresertrag sämmtlicher Weiacherreben ist laut der Zehntenrechnung ca. 400 Saum. Anno 1850 betrug der Gesammtertrag des Rebgeländes nicht viel über 80 Saum in einem Werthe von kaum 3 Thlr. der Saum. Nimmt man an, dass auch ein 3fach so grosses Quantum in der Gemeinde selbst consumiert und nur wenig davon aufgelagert, noch weniger ausgeführt würde, so ist sich über den Durst nach einem guten Neuen nach solchem Jahrgang nicht zu wundern, zumal wenn dem so gelinden Winter ein heisser Sommer nachfolgt.»

1850 war also ein hundsmiserabler Jahrgang. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass damals Mangel an Getränk mit Mangel an Wein gleichzusetzen ist und der Wein stark verdünnt von jedermann getrunken wurde, dann kann man sich die Bedeutung der Weinberge leicht ausrechnen.

Ein Saum Wein entsprach in der Schweiz etwa 150 Litern. Die erwähnten gut 3 mal 80 Saum entsprechen also 37'500 Litern. 1850 hatte Weiach eine zahlreiche Einwohnerschar: 716 Personen. Macht 52 Liter pro Person und durchschnittliches Jahr. Im Durstjahr 1850 waren es nicht einmal 17 Liter!

Quelle
  • Ortsbeschreibung Weiach Anno 1850/51. Verfasser: Pfr. Konrad Hirzel, a. Zunftgerichtspräsident Baumgartner, Vieharzt Hs. Hch. Willi, Schulpfl. Joh. Baumgartner. Original aus Turmkugel, 1967 herausgenommen. Abschrift: W. Zollinger, a. Lehrer. (Kap. 4 Weinbau. Verf.: C. Hirzel)