Mittwoch, 22. November 2006

Cablecom spart auf unsere Kosten

«Schlechte Qualität und überrissene Tarife!». Das würde man wohl von manchem Weiacher hören, spräche man ihn auf seine Meinung zum Kabel-Anbieter Cablecom an. Viele machen seit Jahren die Faust im Sack.

Die Wut der Kunden

Und damit wären sie in guter Gesellschaft. Gemessen an der Anzahl Beiträge im Internetforum der Sendung Kassensturz des Schweizer Fernsehens ist der Unmut landauf, landab nämlich beträchtlich:

«Was halten sie davon, dass Cablecom immer mehr Sender aus dem Grundangebot ins teurere, digitale Programm kippt?», fragte der Kassensturz nach einer Sendung zum Thema «Cablecom: TV-Angebot immer teurer» im Oktober.

Das Resultat: eine Sturzflut an Kommentaren. 891 Einträge zählt das Forum zu diesem Thema, allesamt verfasst zwischen dem 11. und 17. Oktober. Zum Vergleich: bei einem Thema wie «die Pille» sahen sich nicht einmal zwei Dutzend Personen veranlasst, einen Kommentar zu schreiben.

Modernisierung lohnt sich nicht - abkassiert wird trotzdem

Es gibt zwar nur einen einzigen Beitrag von einem Weiacher. Was Matthias Hauser am 12.10.2006 schrieb, hat es aber dennoch in sich (Originaltext ab Website sf.tv):

«In Weiach ist noch eine ganz andere Unverschämtheit gegenüber den Cablecom-Kunden. Wir haben nur das alte analoge Programm zur Verfügung mit sehr mieser Bildqualität und weniger Sendern als in grösseren Ortschaften. Trotz Reklamation über die Gemeinderäte will Cablecom das Netz bei uns nicht modernisieren, weil es sich für 1000 Einwohner nicht lohnt. Wir haben kein Didit-TV, kein High_speed-Internet etc. im Angebot, verlieren aber immer mehr Sender im Angebot, weil sie aus dem Analogen Netz genommen werden . Wir können kein Digit empfangen über cablecom! Wir erhalten auch kein MTV und TSI 2 und TSR 2 kommen nur voller Schnee und etliche Sender in mieser Bildqualität. Die Bildqualität innerhalb des Dorfes variiert zudem von Liegenschaft zu Liegenschaft.Alle bezahlen aber gleichviel und Cablecom hat noch die Frechheit bei Neubauten werbung zu machen und einen nur auf 2 Jahre per jeweils Ende Jahr kündbaren Vertrag auszustellen. Die Jahregebühr ist im voraus für ein Jahr zu zahlen und dann ist der Abonnent ausgeliefert! Ich wollte die schon früher dem Kassensturz mitteilen, doch Frau Weiss von Otelfingen meinte damals frech, es sei so bewilligt vom Konsumentenschutz!! Vielleicht nehmen Sie diese Problematik mal auf mit der Cablecom. Übrigens können pro Satellitenantennen-Schüssel (85cm) zahlreiche Wohnungen (also auch 20 Wohnungen einer Liegenschaft) angeschlossen werden. Die Schüssel sind fix installiert und nicht mehr zu schwenken früher. Also braucht nicht jeder Balkon eine.»

Anmerkung: Die Firma Cablecom ist in Otelfingen domiziliert.

Altbekanntes Problem

Neu sind solche Klagen nicht. Das kann man sogar im Internet sehen. Beispielsweise in einem Eintrag in der Netzwoche vom 5.12.2003 (Originaltext): «Die Cabelcom Angebote wären eigentlich schon sehr attraktiv, nur leider immer noch nicht überall vorhanden. So zum Beispiel in Weiach.»

Und darüber, dass die Netz-Monopolisten durch Investitionsunlust auffallen hat sich auch WeiachBlog schon geäussert:

«Leider gibt es [...] zwei Querschläger, die auch sonst nicht gerade durch übermässige Investitionen auf Gemeindegebiet auffallen: Leitungen für Kabelfernsehen und Telefon wurden nicht ins neue GIS eingespiesen. Die Cablecom wollte dafür kein Geld ausgeben und die Swisscom hat ihr eigenes System und gab die Daten nicht heraus.»

Digitalangebot erst am St. Nimmerleinstag?

Hauser ist mit seiner Kritik nicht allein. Ähnliches hört man auf Nachfrage auch von anderen Einwohnern. Sogar beim Sender SF1 schneie es, heisst es im Oberdorf. Und die Qualität des Radioangebots sei auf dem Niveau eines Mittelwellensenders, sagt ein Klassikfan.

Wieso dauert es mit dem Digitalangebot denn so lange? Auch das kann man Hausers Beitrag entnehmen. Einige hundert Anschlüsse in Stadel, Windlach, Weiach, Kaiserstuhl und Hohentengen sind den Konzernoberen der Cablecom offensichtlich zuwenig lukrativ.

Antragswelle für Satellitenschüsseln zu erwarten

Also lässt man die Kunden warten. Spannend wird es nach 2010, wenn alle Analogangebote abgeschaltet werden und unser Netz immer noch nicht auf Digitalbetrieb umgestellt ist. Das dürfte die Cablecom mit einem Exodus von sich verschaukelt vorkommenden Kunden bezahlen.

Bis dahin werden wohl viele Weiacher bei der Gemeinde eine Satellitenschüssel beantragen und diese auch bewilligt bekommen - je mehr Sender aus dem Analogangebot gekippt werden, desto eher.

Denn auch wenn die Bau- und Zonenordnung der Gemeinde Weiach solche Aussenantennen aus Gründen des Ortsbildschutzes zu verhindern sucht: das Prinzip der Informationsfreiheit steht im Zweifelsfall immer höher und wird von den Gerichten regelmässig geschützt.

Dienstag, 21. November 2006

Novemberwetter 1956

Der Herbst 2006 ist ungewöhnlich warm und Stürme gibt es eigentlich fast gar keine. Das wunderschön gefärbte Laub hängt deshalb auch noch allenthalben an den Bäumen. Die einzige Parallele zum Wetter vor 50 Jahren ist der Nebel:

«Die ersten drei Wochen des November reihen sich in ziemlich analoger Art dem Vormonat an: neblige Morgen, Hochnebel, nur einige wenige Male Sonnenschein; Tagestemperaturen halten sich zwischen +3° und +7°. Vom 21. an aber wirds kälter, meist am Morgen etwas unter 0°. Am 23. z.B. zeigen die Ablesungen -3 1/2° am Morgen, -1° am Nachmittag. Auch traten bereits am 29. und 30.11. die ersten, wenn auch nur geringen Schneefälle ein.»

Nun, wir werden sehen ob es von heute an kälter wird. So wie damals vor 50 Jahren. Für Schnee bis in die Niederungen wird man aber wohl noch etwas länger Geduld haben müssen.

Bereits im WeiachBlog erschienene Wetterartikel

Weiacher Wetter im Jahre 1955 (28. Dezember 2005)
Januarwetter 1956 (14. Januar 2006)
Februarwetter 1956 (12. Februar 2006)
Märzwetter 1956 (6. März 2006)
Aprilwetter 1956 (13. April 2006)
Maiwetter 1956 (9. Mai 2006)
Juniwetter 1956 (12. Juni 2006)
Juliwetter 1956 (13. Juli 2006)
Augustwetter 1956 (22. August 2006)
Septemberwetter 1956 (20. September 2006)
Oktoberwetter 1956 (21. Oktober 2006)

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1956 – S. 5 (Original in der Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Signatur: G-Ch Weiach 1956)

Montag, 20. November 2006

Ein roter Stern im Wappen?

Vor einigen Tagen war bereits von der Arbeit der Zürcher Gemeindewappen-Kommission die Rede (vgl. WeiachBlog vom 13. November).

Hätten Sie gedacht, dass sich die Kommission das Weiacher Gemeindewappen durchaus auch in den Farben «rot/silber» statt «blau/silber» hätte vorstellen können? Mit einem achtzackigen Stern, nicht mit einem fünfzackigen wie in der Sowjetwelt, aber immerhin. Auch die Farbe Rot wäre aus heraldischer Sicht begründbar gewesen.

Farben des Niedergerichtsherrn verwenden?

Am 31. März 1931 notierte Heinrich Hedinger, der Beaufragte der Kommission für den Bezirk Dielsdorf, folgende Zeilen auf ein Begleitkärtchen:

«Bei Weiach bin ich nicht mehr sicher ob Rot (Konstanzerfarbe) oder Blau bestimmt wurden. Sollte Rot sein, so müsste im Text der Hinweis auf Konstanz noch beigefügt werden (1295 erwarb Domstift Konstanz niedere Gerichtsbarkeit v. Wyach, auch Kirchensatz)». Die Angabe zum Kirchensatz ist gestrichen und die Änderung mit dem Vermerk «vergl. Nüscheler II 15 und Wirz, Etat» versehen.


Dieses im Archivdossier enthaltene, handschriftliche Begleitschreiben an ein Kommissionsmitglied (oder den beauftragten Grafiker?) ist eine der Trouvaillen aus den Nachforschungen zur Geschichte unseres Gemeindewappens. Denn es gibt einen deutlichen Hinweis auf Diskussionen in der Kommission.

Man hat also ernsthaft in Erwägung gezogen, statt der Farben der Hohen Obrigkeit diejenigen des Niedergerichtsherrn zu verwenden! Der Zeichner erstellte denn auch eine Version des heute vertrauten Wappenschildes in Rot-Weiss, statt Blau-Weiss:

In diesem kleinen Intermezzo sind die beiden jahrhundertelangen Konkurrenten um die Macht in Weyach sozusagen symbolisch ein letztes Mal gegeneinander angetreten: der Stadtstaat Zürich als Inhaber der Hohen Gerichtsbarkeit (seit 1424) und das Fürstbistum Konstanz als Inhaber der Niederen Gerichtsbarkeit (seit 1295).

Noch im Jahre 1925 lagen die zürcherische Herrschaft (1424-2006) und die konstanzische (1295-1798) punkto Dauerhaftigkeit gleichauf. Mittlerweile ist die Wahl der Farben Blau und Silber die einzig logische - auch wenn es nur nach Jahren der Herrschaftsausübung geht.

Nimmt man allerdings die realpolitischen Verhältnisse zum Massstab, so war das mächtige Zürich gegenüber dem etwas schwächlichen Fürstbistum spätestens seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts klar im Vorteil - und setzte folglich auch seinen Machtanspruch in Weiach klar durch. Ein Umstand, den das heute geltende Wappen mit der Übernahme der Farben Blau und Silber/Weiss widerspiegelt.

Quellen
  • Archivdossiers der Wappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 1925-1936. Depot im Staatsarchiv des Kantons Zürich. Signaturen: N 1219.1 [Allgemeines]; N 1219.7 [Weiach et al.].
  • Nüscheler, A.: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zweites Heft: Bisthum Constanz. Erste Abtheilung: Archidiakonate Breisgau, Klettgau, vor dem Schwarzwald und Thurgau. Zürich, 1867. [Bisthum Constanz in Heft 2-3, Zürich 1864–1873. Fortsetzung in: Der Geschichtsfreund 39–48 (1884–1893)].
  • Wirz, K.: Etat des Zürcher Ministeriums von der Reformation bis zur Gegenwart. Aus gedruckten und ungedruckten Quellen zusammengestellt und nach Kirchgemeinden geordnet. Zürich, 1890.

Sonntag, 19. November 2006

Weiacherstern auf altem Dachziegel?

In den Archiv-Beständen des Ortsmuseums Weiach ist Zollingers Ortsgeschichte-Ordner eine der ergiebigsten Quellen überhaupt.

[Hinweis vom 14.9.2017; Handschriften-Vergleich hat ergeben, dass die Abschriften im Ortsgeschichte-Ordner überwiegend nicht von Zollinger sondern von Pfister stammen dürften, vgl. auch Zollinger 1972, Vorwort des Verfassers].

Da findet man u.a. ein mit einer Handzeichnung versehenes Dokument, das zwar leider keinen Urhebervermerk trägt. Dafür aber nachstehende mit rotem Farbband maschinengetippte Erläuterung:

«Am 13.6.1941 fand Maurer Griesser auf dem Dach von Ernst Baumgartner, Friedensrichters, im Oberdorf den oben [hier: links abgebildet] gezeichneten Ziegel mit dem achtzipfligen Stern im Fünfeck. Unten links Handwerkerzeichen? Rings um das Fünfeck mit Spachtel eingegrabene Strahlen die sich schneiden.

Handelt es sich um den im Weiacherwappen vorkommenden Stern?

Sehr wahrscheinlich stammt der Ziegel aus der Ziegelei, die ehemals unter dem Gemeindehaus stand. (heute findet sich dort das Haus der Frau Nepfer-Demuth)

Zwei Tage vor diesem, fand ich auf Rafen unter demselben Dach zwei Hohlziegel mit der Jahrzahl 1688.
»

Dem Heimatkundeunterricht sei Dank

Wer ist dieser Ich-Erzähler? Es handelt sich ziemlich sicher um den früheren Weiacher Lehrer Adolf Pfister, der zwischen 1936 und 1942 ortsgeschichtliches Material zusammentrug. Das muss man jedenfalls aus dem bereits anderweitig auf WeiachBlog zitierten, im November 1941 in der Bezirksschule in Kaiserstuhl gehaltenen Vortrag von Ruth Bersinger schliessen (vgl. Beitrag vom 28. August).

Interessant ist die in oben abgebildeter Ritzzeichnung hervortretende Andeutung der Facettierung des Sterns, wie sie früher üblich war - so z.B. auf der ältesten Darstellung eines Weiacher Wappens von 1719 (Dekanatsbuch des Kapitels Regensberg) oder auch in der Wappentafel von Krauer, die um 1860 gedruckt wurde (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 84 für Abbildungen).

Alt Ortsmuseumspräsident Hans Rutschmann vermutet, bei dem Geritzten handle es sich um blosses Feierabendgekritzel. Was den Stern anbelangt bin ich da anderer Meinung. Die Analogien zum achtzackigen Stern nach Krauers Wappentafel sind jedenfalls augenfällig. Lediglich die Teilung des Sterns durch den Zürcherschild ist nicht vorhanden. Die findet man aber auch auf der Gesangvereinsfahne von 1860 und den Glocken von 1843 nicht.

Standorte des Funddaches und der Ziegelei

Dieses ergiebige Dach von Ernst Baumgartner, Friedensrichters, gibt es heute noch. In renoviertem Zustand natürlich. Es handelt sich um das Haus Baumgartner-Brennwald an der Oberdorfstrasse 26, Vers.-Nr. 286, mit technischem Baujahr 1782. Die Hohlziegel waren also zur Bauzeit fast hundert Jahre älter und stammen möglicherweise von einem Vorgängerbau an gleicher Stelle. Das nennt man sparsamen Umgang mit Ressourcen.

Das kleine Haus der Frau Nepfer (s' Näpferhüsli) auf dem Platz zwischen dem Alten Gemeindehaus und der Abzweigung Luppenstrasse steht schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Dort hat die Gemeinde 1985 ein modernes Mehrfamilienhaus errichten lassen.

Quellen
  • Zollinger, W.: Ortsgeschichtlicher Ordner. Archiv des Ortsmuseums Weiach, noch ohne Signatur
  • Bersinger, R.: "Weiach!" 20Min-Vortrag in der Bezirksschule Kaiserstuhl. Handschrift, 10 Seiten. Zusammengestellt im November 1941. Xero-Kopie im Archiv des Ortsmuseums Weiach.
  • Brandenberger, U.: Dorfzeichen, Wappen und Logo. Wie unsere Gemeinde zu ihren Erkennungszeichen kam (Teil 1). Weiacher Geschichte(n) Nr. 84. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2006 - S. 11-15.

Samstag, 18. November 2006

Elf Jahre Fernwärme dank Holzschnitzelheizung

Am 18. November 1995 konnten auf dem Gelände der Schulanlage Hofwies nach knapp einjähriger Bauzeit gleich drei neue Gemeinschaftswerke eingeweiht werden: der Gemeindesaal, die Holzschnitzel-Heizung und der Kinderspielplatz.

Schon vor dem Bau der Schulanlage (eingeweiht 1976) war über eine Holzheizung diskutiert worden. Als die Ölheizung schliesslich einer Sanierung bedurfte, befasste sich die 1991 konstituierte «Kommission Wärmeverbund» mit der Möglichkeit der Wärmenutzung der NAGRA-Bohrung.

Da die Bau- und Unterhaltskosten einer Leitung vom Bohrloch bis ins Dorfzentrum zu hoch gewesen wären und die Preise für Industrieholz seit 1982 in den Keller gestürzt waren, entschied man sich im September 1994 für den Bau einer Holzschnitzelheizung.

Nachschub direkt aus dem Gemeindewald

Die Befüllung des Bunkers unter dem unteren Schulhausplatz mit noch grünen und feuchten Schnitzeln erfolgt per Lastwagen direkt aus den gemeindeeigenen Wäldern. Kürzer könnten die Anfahrtswege kaum sein. Und die Kohlendioxid-Bilanz kaum besser.

Die Zentrale hat eine Nennleistung von 450 kW. Sie befindet sich im Untergeschoss des Turnhallentraktes und verfügt über eine Spitzenlastergänzung durch einen Ölbrenner. Das dazugehörende Fernwärmenetz wies im Erstausbau eine Länge von 850 Metern aus. Das gesamte Projekt kostete die Gemeinde 1.6 Mio Franken.

Damit hat das Fernwärmesystem der Gemeinde Weiach sozusagen die Nachfolge des früheren Bürgernutzens angetreten (vgl. WeiachBlog vom 5. Mai 2006: Brennholz nur für Einheimische).

Literatur
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 65. (Ein pdf-File der 4. Auflage ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.)

Freitag, 17. November 2006

Leben von der Substanz

Der Gemeinderat hat sich offensichtlich erneut dafür entschieden, den Steuerfuss konstant zu halten und noch ein weiteres Jahr von der Substanz zu leben. «Entnahme aus dem Eigenkapital» heisst das Zauberwort - oder etwas weniger vornehm ausgedrückt: Die Gemeindekasse wird schamlos geplündert.

Steuerfuss müsste eigentlich 22% höher liegen

Nachlesen kann man den Entscheid in den Gemeinde-Mitteilungen. Der Zürcher Unterländer nahm das Thema am 8. November auf:

«Der Gemeinderat Weiach hat den Voranschlag 2007 der Politischen Gemeinde verabschiedet. Wie er im jüngsten Verhandlungsbericht mitteilt, soll der Steuerfuss unverändert bei 18 Prozent liegen.

In der laufenden Rechnung wird mit einem Aufwand von 3,6 Mio. Franken (Vorjahr 3,3 Mio. Franken) und einem Ertrag von knapp 2,7 Mio Franken (2,5 Mio Franken) und somit mit einem Aufwandüberschuss von rund 900 000 Franken gerechnet. Dieser soll durch den Steuerertrag von 430 000 Franken und durch die Entnahme von einer halben Million Franken aus dem Eigenkapital gedeckt werden. Die Nettoinvestitionen werden mit rund 600 000 Franken angegeben (ZU).
»

Da ein Steuerprozent in Weiach gegenwärtig etwa 22'500 Franken entspricht, müsste der Steuerfuss der Politischen Gemeinde eigentlich mehr als das Doppelte betragen, nämlich 40%.

Hidden Agenda: Quartierpläne nicht gefährden

Warum will man weiterhin auf Kosten der Zukunft leben? Der Grund ist ganz einfach: Würde der Steuerfuss von 85 auf 107% steigen, dann wäre die gute Platzierung im vordersten Feld der Tiefsteuergemeinden im Kanton Zürich dahin.

Weiach würde zwar immer noch etliche Prozentpunkte unter dem Maximalsteuersatz von 123% liegen und etwa um die Plätze 50-55 herum klassiert werden. Bei einem Total von 171 Gemeinden wäre das gar nicht so schlecht.

Die Befürchtung der Gemeindeoberen ist offenbar eine ganz andere. Bei einer solchen Erhöhung würde die bauliche Entwicklung der Gemeinde in den vor wenigen Monaten vom Kanton bewilligten Gebieten der Quartierpläne See/Winkel und Bedmen einen empfindlichen Knick erfahren. Vor allem wenn man noch den Strassen- und den Fluglärm dieser Gebiete in Betracht zieht. Von der peripheren Lage zu den Beschäftigungszentren im Grossraum Zürich ganz zu schweigen.

Fazit: Wer in den erwähnten Quartierplangebieten Land besitzt oder sich Bau- und andere Aufträge erhofft, der ist noch so gerne bereit, eine unheilige Allianz mit dem Steuerzahler einzugehen und für tiefe Steuerfüsse zu plädieren. Und darauf zu hoffen, dass spätere Generationen die Zeche bezahlen werden - wenn die Rechnung nicht aufgehen sollte.

Prognose 2007: Weiach auf Rang 16

Gemäss der Neuen Zürcher Zeitung von gestern, 16. November 2006, liegt Weiach mit beantragten unveränderten 85% ex aequo mit Stäfa (Senkung um 5%) und Aesch (Erhöhung um 3%) auf dem 16. Platz - und dürfte damit auch 2007 noch unter den 10% günstigsten Steuerdomizilen landen.

Eine Spitzenplatzierung auf Zeit. Denn spätestens wenn die Weiacher Kies AG in einigen Jahren nach Ausbeutung der letzten Reserven ihren Betrieb einstellen muss, sieht es mit den Gemeindefinanzen noch wesentlich schlechter aus. Dann wird eine Anhebung des Steuerfusses wohl unumgänglich.

Aber bis dahin will man den finanziellen Realitäten anscheinend lieber nicht so direkt ins Auge sehen.

Quellen und weitere Artikel

Donnerstag, 16. November 2006

Verkaufsverträge am St. Otmarstag besiegelt

Am Tage des Heiligen Otmar im Jahre 1380, dem 16. November, beurkundeten «Rüdiger Maness, Ritter, Burgermeister», sowie «der Rath und die Zunftmeister der Stadt Zürich», dass Rudolf Mos, Bürger von Zürich, seinen Hof «ze Wyach gelegen […] ze köffen geben hat Johans Smit von Keiserstuel umb achtzig Gul­den an Gold». (Quelle: Urkundenregesten des Staatsarchivs des Kantons Zürich, 1987-2002, Band II, Nr. 2746.)

In einer Urkunde der Fraumünster-Abtei, ebenfalls vom 16. November, aber drei Jahre später (1383) ausgegeben, wird eine weitere Transaktion besiegelt, die das heutige Gemeindegebiet von Weiach betrifft.

Diesmal sind zwei Bürger des Nachbarstädtchens Kaiserstuhl untereinander handelseinig geworden. Sie liessen das Geschäft von der Lehensinhaberin beglaubigen. Die Äbtissin fungierte als eine Art Notariatsperson. Die Genehmigung des Verkaufs selbst dürfte reine Formsache gewesen sein:

«Wir Beatrix von Wolhausen, von gottes gnaden aebtissin des gotteshauses Zürich in Con­stantzer bistumb, bekunden allen, die disen brieff lesent oder hörend lesen, das füer uns [vor uns] kham der erber [ehrbare] mann Walter Grebel von Kayserstuel unnd ein hofstat gele­gen ze Wyach im dorff vor Hannss Wissmanns hauss, die mann nennet die Bünten, stosst ein­halb an die bach, annderhalb an die mathen und ist erb von unserm gotshauss, umb ei­nen Züricher pfenning iährlich davon ze geben, mit steeg, mit weg unnd sonderlich mit aller zue­gehört, mit unnser handt willen unnd gunst recht unnd redlich ze khauffen geben hat dem erbern knecht Johannsen Schmidt von Kayserstuel umb acht unnd viertzig pfund pfen­ning gueter unnd gewonlicher Züricher müntze.» (Quelle gemäss Zollinger 1972: Nüscheler, Regesten)

Dieser Johannes Schmid war also offensichtlich wohlhabend (vielleicht durch Handel zu Geld gekommen) und kaufte in den 80er-Jahren des 14. Jahrhunderts Land zusammen. Systematisch, wie es scheint.

Während die Ortsangabe von 1380 nicht genau spezifiziert, um welchen Dorfteil es sich handelt (Chälen, Bühl oder Oberdorf), ist die Urkunde von 1383 deutlicher: «gele­gen ze Wyach im dorff» bedeutet, dass die Hofstatt im heutigen Oberdorf gelegen haben muss.

Literatur
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 15. [Eine pdf-Datei der 4. Auflage ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.]
  • Brandenberger, U.: Im Hochmittelalter gab es zwei Wiach. Was die Chälen vom Dorf trennte (Sied­lungsgeschichte 2). Weiacher Geschichte(n) 52. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2004 – S. 14-16.

Mittwoch, 15. November 2006

Luftgewehr und Steinschleuder?

Was ein Lokalredaktor aus einer dürren Mitteilung aus dem Gemeinderats-Sitzungszimmer alles machen kann, zeigt der zweite Weiacher Artikel im seit 6. November erscheinenden Regionalbund Zürcher Unterland des Tages-Anzeigers.

Der Titel «Neue Beleuchtung» ist schon fast verdächtig unspektakulär für die Recherche-Ergebnisse von Lorenz Schmid:

«Weiach. - Die Strassenlampen an der Oberdorfstrasse werden bis Ende Jahr ersetzt. Der Gemeinderat hat knapp 11 000 Franken bewilligt, um die defekte Beleuchtung zu ersetzen. Dabei bleiben die Ständer bestehen, ausgetauscht werden nur die Leuchteinheiten. «Viele haben kein Schutzglas mehr drin, da diese ab und zu einem Luftgewehr oder einer Steinschleuder zum Opfer fielen», sagt Gemeindeschreiber Peter Wunderli. Die neuen Lampen verfügen wieder über ein Schutzglas, welches die Birne vor Witterungseinflüssen schützt und das Herunterfallen von Teilen verhindert, sollte die Birne einmal bersten. Zudem bieten die Lampen eine verbesserte Lichtstreuung, was die Sicherheit erhöht. Eine Reparatur der bestehenden Anlagen ist nicht möglich, da deren Hersteller nicht mehr existiert und keine Ersatzteile mehr erhältlich sind. (los)»

Von derartigen Vandalenakten war in der offiziellen Verlautbarung in den November-Mitteilungen keine Rede. Die entsprechende Passage sei zum Vergleich hier abgedruckt: «Der Gemeinderat bewilligt einen Kredit von CHF 10'481.70 für den Ersatz der defekten Auf- und Ansatzstrassenleuchten an der Oberdorfstrasse. Für die defekten Leuchten sind keine Ersatzteile mehr erhältlich, da der Leuchtenhersteller nicht mehr existiert.»

Da fragt man sich nun, ob a) das ein für Weiach neues Phänomen ist, sich b) der Gemeinderat eine Strafanzeige gegen die mutmassliche Täterschaft überlegt und c) ob auch andere Strassenzüge betroffen sind.

Konsequent und mit harter Hand vorgehen müsste man gegen systematische Vandalenakte. Bei vereinzelten Lausbubenstreichen wäre das wohl unverhältnismässig, zumal es den einen oder anderen kühnen Schuss übermütiger Weiacher - sei's mit Luftgewehr oder Steinschleuder - auch vor Jahrzehnten schon gegeben hat.

Die Nachbarn der Kirche wissen jedenfalls noch heute ganz genau, welche Lausbuben für das Loch in der Kirchturmkugel (vgl. den Artikel «Zeitmaschine Kirchturmkugel» vom 21. Juni 2006) verantwortlich sind.

Quellen
  • Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, November 2006, S. 5. (Rubrik «Aus dem Gemeinderats-Sitzungszimmer», Abschnitt «Finanzen»)
  • Schmid, L.: Neue Beleuchtung. In: Tages-Anzeiger, 14. November 2006, Zürcher Unterland - S. 62.

Dienstag, 14. November 2006

Kommunale Feuerschau vor 400 Jahren

In der Weiacher Gemeindeordnung vom 14. November 1596, erlassen «durch unserer gnedigen herren von Zürich als der hohen oberkeit verordnete» findet man u.a. auch Vorschriften für die Feuerschauer. Ihre Aufgabe wird ausführlich beschrieben:

«Sy, die geschwornnen, söllent auch jerlich jm dorf von einem huß zum andern umbhin gaan, die öfen, herdstatten unnd andere ort, alda man fhüret, besichtigen. Unnd wo sy fundent, das es fhürs halb gefharlich unnd nit wol versorget were, als dann sy an zechen pfund pfenning bůß gebieten unnd heißen, das zeënderen, zů verbeßeren unnd dermaß zemachen, das man fhürs halb ohn sorg syn möge.»

Eigene Strafkompetenz der Gemeinde

Für solche, deren Feuerstätten nicht in guter Verfassung befunden wurden, konnte von diesen Geschworenen also eine Busse bis auf «10 pfund Pfenning» ausgesprochen werden. Das war 1 Pfund mehr als die höchstzulässige Geldstrafe, die der Fürstbischof von Konstanz als Niedergerichtsherr durch seine Verwalter in Kaiserstuhl verhängen lassen konnte.

Angesichts der Tatsache, dass Bauernhäuser in unserer Gemeinde damals noch praktisch ohne Ausnahme Holzständerbauten mit Strohdächern waren, kann man sich vorstellen, wie wichtig diese Vorschrift für die Prävention von Dorfbränden war.

Verhindern konnte man sie trotzdem nicht, wie die Brandkatastrophen im 17. Jahrhundert zeigen.

Quelle und Literatur
  • Akten Staatsarchiv des Kantons Zürich über die Obervogtei Neuamt, Signatur: A 135.4
  • Pestaluz, J.: Vollständige Sammlung der Statute des eidg. Kantons Zürich. Zürich, 1834. Bd. 1 – S. 199.
  • Offnung der Gmeind Weyach von Anno 1596. In: Zeitschrift für schweizerisches Recht, Alte Folge Bd. 4 (1855) – II. Rechtsquellen, S. 174-183.
  • Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft; Erster Band: Das Neuamt; Aarau, 1996.
  • Rechtsquellen Neuamt Nr. 183. Gemeindeordnung. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, September 1997 – S. 22-24.
  • Brandenberger, U.: Weiach – Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes. Dritte, überarbeitete Auflage von Walter Zollingers «Weiach. 1271-1971. Aus der Vergangenheit des Dorfes Weiach». Oktober 2003 – S. 47. Ein pdf-File der 4. Auflage (2326 KB) ist verfügbar auf weiachergeschichten.ch.

Montag, 13. November 2006

Heinrich Hedingers «Gemeinde-Wappen im Bezirk Dielsdorf»

Die von der Tamedia beauftragte Agentur SFLB hat sich zum Zwecke der Vermarktung der neuen Regionalausgaben die Zürcher Wappen gekrallt (WeiachBlog kommentierte am 5. November).

Die gerade eben gegründete Redaktion Zürcher Unterland des Tages-Anzeigers nimmt dies zum Anlass, in ihrem Regionalbund in lockerer Folge eine Gemeindewappen-Serie laufen zu lassen.

Quelle für die neuesten Weiacher Geschichte(n)

Lustige Koinzidenz: Im November 2006 sind genau 75 Jahre vergangen, seit der Weiacher Gemeinderat offiziell die Annahme des schon seit über hundert Jahren genutzten Gemeindewappens bestätigt hat.

Die Weiacher Geschichte(n) Nr. 84 und 85 vom November und Dezember gehen deshalb den Ursprüngen unseres Gemeindewappens auf den Grund. (Nr. 84 kann hier bezogen werden, Nr. 85 erscheint am 1. Dezember in den Mitteilungen für die Gemeinde Weiach und wird gleichentags auf der Website aufgeschaltet.)

Der nachfolgend in Auszügen unverändert wiedergegebene Text mit dem Titel «Die Gemeinde-Wappen im Bezirk Dielsdorf stammt von Dr. h.c. Heinrich Hedinger. Er wurde in zwei Teilen, am 7. und 10. Februar 1936, in der Zeitung Der Wehnthaler abgedruckt. (Apropos: Der Wehnthaler erschien von 1871 bis 1947 und ging dann im Zürichbieter auf, der später seinerseits mit dem Zürcher Unterländer fusionierte.)

Hedingers Vortrag ist für den WeiachBlog zwecks besserer Lesbarkeit in neue Absätze gegliedert und mit Zwischentiteln versehen worden. Bühne frei für Hedinger:

Nicht nur so ein Wäpplein

« [...] Ehre und Ansehen ihres Wohnortes waren den Vorfahren nicht gleichgültig, was gerade aus der Wappengeschichte deutlich hervorgeht. Ihr Dorfschild sollte sie in Freud und Leid daran erinnern, wurde von ihnen ganz anders gewertet als "nur so ein Wäpplein" und war darum ehedem recht häufig zu sehen, z.B. auf prächtigen Glasgemälden, Brunnen und Glocken, aber auch an Feuerspritzen und teilweise in den Fähnlein, unter denen die Unterländer zum Krieg ausrückten. So erschienen diese alten Ehrenzeichen vielen Geschichtsfreunden als würdig, nach den Grundsätzen der Wissenschaft und des Heimatschutzes erhalten, bereinigt, renoviert und künftigen Geschlechtern endgültig richtig überliefet zu werden.»

Von Rittern erfunden - von Bürgern und Bauern übernommen

«Zum allgemeinen Verständnis der nachfolgenden Wappengeschichte sind vorerst noch allerlei Bemerkungen nötig. Die Wappen entstanden vor etwa 1000 Jahren zur Zeit des Rittertums aus rein praktischen Bedürfnissen. Wenn nämlich so ein gepanzerter Edelmann daher kam und gar noch das Helmvisier geschlossen hatte, war er fast nicht zu erkennen. Deshalb ließ er seinen Schild mit weithin sichtbaren Zeichen bemalen, die er dann auch auf Siegel, Mantel, Pferdedecke, Fähnchen und schliesslich, wie ein Bauer seinen Brennstempel, auf allen Waffen anbrachte, aus welch letzterem Wort die mittelhochdeutsche Bezeichnung "Wapen" entstanden ist. Mit den gleichfarbigen Abzeichen war der Vorreiter des Herrn geschmückt, der sogenannte Herold, weshalb man auch von einer Heroldskunst oder Heraldik redet. Dabei entwickelten sich schon früh einige Fachausdrücke und Regeln, an die man sich heute noch in ganz Europa hält.»

Heraldisches Fachchinesisch - leicht erklärt

«Die äußere Form eines Schildes ist nebensächlich und richtet sich nach Stil oder Raumverteilung. Altem Brauch entsprechend wird links und rechts in der Heraldik umgekehrt angegeben, d.h. so, wie wenn der Beschauer das Abzeichen selbst auf seiner Brust trüge. Gespalten ist z.B. das Wappen von Luzern, geteilt das von Freiburg und schräggeteilt jenes von Zürich. Ein senkrechter Streifen wird als Pfahl bezeichnet, ein waagrechter mit Balken. Natürliche Figuren dürfen den Schildrand nicht berühren und müssen stilisiert und flächenhaft dargestellt werden. Als Haupterfordernis gilt die Einfachheit eines Wappens; denn es soll auf weite Sicht rasch zu erkennen sein und darum keine nebensächlichen Zutaten enthalten. Aus diesem Grunde geschah die Bemalung von Anfang an nur mit wenigen leuchtenden Grundfarben. Statt Weiß und Gelb wurden oft Silber und Gold verwendet. Im 17. Jahrhundert kam als Notbehelf gegenüber der teuern farbigen Darstellung jene mit Schraffuren auf, wie sie auch in den folgenden Wappen zu finden ist. Senkrechte Striche bedeuten Rot, waagrechte Blau und schräge Grün, ferner gelten punktierte Felder als gelbe oder goldene. Braun kennt man in der Heraldik nicht, und es wird meist durch Rot oder Gold ersetzt. Wegen der Kontraste darf nie Farbe auf Farbe kommen, z.B. Blau auf Rot, wobei die grünen Dreiberge eine Ausnahme machen. Gold und Silber galten hier ehedem nicht als Farben, sondern als Metalle. Heute hingegen braucht ein Maler dafür nicht besondere Bronzen zu verwenden, und eine silberne Rose ist z.B. sinngemäß weiß darzustellen. Alle diese Regeln samt vielen anderen waren also bei der Bereinigung etlicher Wappen maßgebend. Warum erschien eine solche da und dort als notwendig?»

Vom Dorfzeichen zum offiziellen Gemeindewappen

«Die Geschichte unserer ältesten Dorfzeichen geht bis weit ins Mittelalter zurück, weshalb es verständlich ist, wenn einige im Lauf der Jahrhunderte allerlei Aenderungen unterworfen waren oder manche ursprüngliche Form vergessen wurde. Das bewog neben geschäftlichen Interessen den Zürcher Lithographen Krauer, 1860 eine neue kantonale Sammlung von Gemeindewappen herauszugeben und durch billigen Verkauf weit zu verbreiten.

Weil diese sogenannte "Krauertafel" ziemlich eilig entstanden war, enthielt sie viele Fehler. Von den 158 angegebenen Wappen waren 80 ganz oder teilweise falsch, und 22 politische Gemeinden hatten hier gar keines. Mit der Zeit regte sich manchenorts von selbst die Erkenntnis, daß auf diesem schönen Porträt vieles nicht stimme. Etwa hatten ältere Bürger das Dorfzeichen von früher her noch in Erinnerung, oder man sah es in seiner ehemaligen Gestalt da und dort noch vor Augen.

Diesem Wirrwar wollte das Staatsarchiv ein Ende machen, indem es 1917 an alle Gemeindekanzleien große Fragebogen verschickte mit der Bitte um genaue Angaben über die betreffenden Wappen. Allein unsere Behörden hatten damals, zum Beginn der Rationierungsmaßnahmen, den Kopf voll andere Sorgen und antworteten meist nur mangelhaft oder gar nicht, so daß die vorgesehene Bereinigung nicht erfolgen konnte.

Nach dem Krieg fing dann die bekannte Kaffee Hag-Aktiengesellschaft an, zu Reklamezwecken schweizerische Wappenbildchen herauszugeben, und immer mehr wurden die Beamten des Staatsarchivs mit Anfragen nach den richtigen Gemeindezeichen bestürmt, besonders von Vereinen. Weil auch sie derartige Berichte nicht von heute auf morgen liefern konnten, und die Natur der Sache einer einseitigen Lösung von Zürich aus widersprach, kam man auf den üblichen Ausweg, d.h. der Vorstand unserer kantonalen Antiquarischen Gesellschaft bestellte Ende 1924 eine Kommission zum privaten Studium dieser verwickelten Fragen. Sie war präsidiert von Prof. Dr. F. Hegi und nach dessen Tod von Dr. E. Hauser. Entschädigungen wurden mit Ausnahme der Bahnspesen etc. keine ausbezahlt.

In jedem Landesteil [d.h. Bezirk] mußte ein mit den örtlichen Verhältnissen bekanntes Mitglied vorerst das reichliche Material zusammensuchen. Das geschah im Bezirk Dielsdorf wieder mit Fragebogen, die im Februar 1925 versandt wurden und bis Ende 1927 an den Schreibenden zurück kamen, nachdem er vielenorts seinen "Agenten" in den Gemeinden selbst behilflich gewesen war. Darin berichteten diese nun eingehend mit Wort und Bild, wie das betreffende Wappen in ihrem Dorfe dargestellt wurde, z.B. auf Marksteinen, Feuerspritzen, Windlichtern, Feuerkübeln, Glocken, Vereinsfahnen, Gebäuden, Brunnen, Möbeln, Fruchtsäcken, Glasgemälden, Siegeln, Stempeln, Briefköpfen, Drucksachen, Dokumenten, Bildern, Karten und dergleichen, ferner wurden im Zweifelsfall stets noch alte Ortsbürger befragt. C. Biedermanns kurze Bezirksgeschichte aus 1882 erwies sich auch hier als unzuverläßig. An dieser Stelle sei allen Mitwirkenden nochmals herzlich Dank gesagt.

Die Ergebnisse ihrer wertvollen Untersuchungen wurden dann durch die Arbeitsgemeinschaft unserer Wappenkommission ergänzt mit vielen zweckdienenden Angaben aus alten Vorlagewerken des zürcherischen Stadtarchivs, des Staatsarchivs, der Zentralbibliothek und des Landesmuseums sowie aus andern Quellen. Es waren hauptsächlich das Wappenbuch von Gerold Edlibach aus 1488, Stumpfs Schweizerchronik von 1548 und die vielbändigen Geschlechterbücher von Pfarrer Erhard Dürsteler ab 1737 und J. F. Meiß ab 1740. Diese werden bei den einzelnen Abschnitten weiter hinten mit dem bloßen Verfassernamen zitiert. Ganz besonders wichtig war für den Bezirk Dielsdorf eine Akten- und Wappensammlung des ehemaligen Pfarrkapitels Regensberg, das sogenannte Dekanatsbuch aus 1719. So kam ein umfangreiches Beweismaterial zusammen, das gegenüber allerlei phantasievollen Legenden oder vorgefaßten Meinungen, die eine irrtümliche Tradition verteidigen wollten, meist entscheidend war. Es wird durch allfällige neue Funde später kaum wesentlich verändert.

Weil alles Wissen Stückwerk ist, schickte dann die Kommission ihren begründeten Vorschlag mit einer farbigen Skizze in demokratischer Weise dem betreffenden Gemeinderat zur Genehmigung, die fast überall ziemlich bald erfolgte, teilweise sogar durch formelle Beschlüsse von Gemeindeversammlungen. Ihr Datum ist ordnungshalber bei den einzelnen Abschnitten stets am Schluß notiert. Wo es Differenzen gab, was verständlich war, reiste der Bezirksvertreter nochmals hin, unterhandelte persönlich mit den Behörden, schrieb aufklärende Zeitungsartikel oder hielt Vorträge. In noch schwierigeren Fällen begab sich die die ganze Kommission auf den Kampfplatz oder lud Gemeindeabgeordnete zu sich ins Staatsarchiv ein, wo sie meist die bessern Gründe anerkannten und in diesem Sinn ihre Mitbürger beeinflußten.

Ferner wurden durch unsern besondern Verlag (Plattenstr. 44, Zürich 7) viele Tausende netter Wappenkarten, die als Mustervorlagen dienen können, unter das Volk gebracht, und nächstens kommt eine große neue Tafel in den Handel. Sie sei Behörden und Privaten bestens empfohlen! Unterdessen ist ja bereits ein prächtiger Abreißkalender des Dielsdorfer Baugeschäftes Schäfer im Unterland verbreitet worden, worauf die hiesigen Gemeindewappen farbig dargestellt sind.

Nach über 100 Sitzungen hat die Kommission Ende 1935 ihre schöne Arbeit abgeschlossen. Das wird nicht aus Prahlerei gesagt, sondern um darauf hinzuweisen, mit welcher Achtung und Sorgfalt die einzelnen Mitglieder unsere ländlichen Ehrenzeichen behandelten. (Aehnliche jahrelange Forschungen durch solche Arbeitsgemeinschaften aus Stadt und Land würden, nebenbei bemerkt, auch andern Teilaspekten der Zürchergeschichte sehr zugute kommen, z.B. jenen betreffend Familienwappen, Geschlechts- und Flurnamen, Volkstrachten oder alte Währungen und Maße.) Die so bereinigten Wappen aller politischen Gemeinden unseres Kantons machen nach der vorn geschilderten Art ihres Entstehens Anspruch auf amtlichen Charakter und sollten zukünftig auch in Kleinigkeiten durch Handwerker oder Maler nicht verändert werden.
[...]»

Nach dieser Einführung bringt das Original für jede einzelne Gemeinde des Bezirks eine Kurzgeschichte samt Blasonierung (heraldische Beschreibung) des Wappens ergänzt mit der Schwarz/Weiss-Darstellung nach den oben erklärten Regeln.

Auszüge aus diesem Text mit weiterführenden Erklärungen zum Weiacher Wappen finden Sie in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 84.

Quellen und Literatur

  • Hedinger, H.: Die Gemeinde-Wappen im Bezirk Dielsdorf. In: Der Wehntaler, 7. Februar 1936.
  • Krauer, J.: Wappen sämmtlicher Hauptgemeinden des Kantons Zürich [Wappentafel des Zürcher Lithographen Johannes Krauer; Zürich, um 1860] Signatur ZBZ: LS 94 FAV 400
  • Kopp, P.F.: Artikel «Wappen». In: Historisches Lexikon der Schweiz. Online-Ausgabe