Montag, 12. Oktober 2015

Jakob Meyerhofer - im Aktivdienst 1915 umgekommen

Vor hundert Jahren blieb es den Schweizer Wehrmännern erspart, von feindlichen Kugeln, Granaten, etc. zerfetzt und in den Schützengräben in sinnlosem Stellungskrieg verheizt zu werden.

Dennoch: Kriege fordern Opfer. Zivile und militärische gleichermassen. Und die meisten von Ihnen kommen nicht etwa durch direkte Gewalteinwirkung seitens des Aggressors ums Leben. Nein, sie fallen ganz banalen Unfällen, Krankheiten und dergleichen anheim.

So war es hierzulande auch im 1. Weltkrieg. Am 12. Oktober 1915 wurde ein Weiacher Soldat zu Grabe getragen, ums Leben gekommen bei einem tragischen Unfall.

Die Zusendung des nachstehenden Ausrisses aus der Zürcher Wochenchronik verdanke ich Willi Baumgartner-Thut:

WEHRSTAND

+ Jak. Meyerhofer von Weiach, Soldat, Guid. Schw. 36

Anläßlich der Wiedermobilisierung der 4. Division war die Landw.-Guiden-Schwad. 36 zum aktiven Dienst nach Zug auch einberufen. Das Schicksal wollte es, daß schon am ersten Tage ihres Dienstes ein Soldat durch Unglücksfall das Leben einbüßen mußte.

Meyerhofer, Jakob, Soldat der Guiden-Schwadron 36, wurde beim Transporte von Pferden vom Stellungsplatze nach den Stallungen von einem Pferdehufschlag so unglücklich am Kopfe getroffen, daß er auf der Stelle liegen blieb. Abends gegen 7 Uhr fanden ihn seine Dienstkameraden in bewußtlosem Zustande und leisteten ihm die erste Hilfe. Sie verbrachten ihn nach dem Bürgerspital, wo die ärztliche Untersuchung rechtsseitige Schädelzertrümmerung und Hirnverletzung feststellte. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er nach zwei Tagen, am 8. Oktober, nachmittags 4 1/2 Uhr, in Gegenwart seiner herbeigeeilten jungen Gattin.



Ein kurzes ehrendes Wort sei dem allgemein beliebten Verstorbenen anmit als bescheidener Nachruf gewidmet: Jakob Meyerhofer ist 1875 als Sohn einer in weitem Umkreise in hohem Ansehen stehenden Landwirtsfamilie in Weiach geboren. Er war berufen, sich der Landwirtschaft zu widmen. Nach mit Auszeichnung bestandener Schulzeit begann er sein Wirken auf dem Gute seines Vaters. Schon von Anfang an zeigte er Schaffensfreude, und überall wo Arbeit war, sah man ihn fleißig mitarbeiten. Immer mehr entwickelten sich in ihm Energie und Liebe zu dem einmal begonnenen Berufe; er nahm mit Interesse Anteil an allen Unternehmungen seines Vaters, zeigte klares Verständnis für alle Fragen und wurde zum eifrigen Mitförderer für fortschrittliche Einrichtungen. An dem Aufschwunge und der Blüte ihres Betriebes fällt ihm nicht geringes Verdienst zu. Auch in Gemeindeangelegenheiten beteiligte er sich und war gerne gesehenes Mitglied verschiedener Verwaltungskommissionen.

Er war ein unermüdlicher Arbeiter, gewissenhaft in Erfüllung seiner Pflichten und die schwer zu ersetzende Stütze seines nun betagten Vaters. Bescheidenheit, goldlauterer Charakter, Freundlichkeit, humanes Handeln machten ihn zum allgemein beliebten Mann.

Den Verhältnissen gemäß ging er vor einem Jahre daran, sich selbständig zu machen, bezog ein zugekauftes Heimwesen mit extra darauf neuerbautem Wohnhaus und wähnte sich mit seiner ihm letztes Frühjahr angetrauten lieben Gattin glücklich darin. Hoch freute er sich, eine blühende Existenz geschaffen zu haben und stolz war er darauf, bald Vater werden zu dürfen.

Es sollte aber anders werden. - Er wurde für einige Tage zum Militärdienst einberufen und nachdem er mit Sorgfalt und Mühe noch alles geordnet und bestellt hatte - nichts durfte fehlen - verließ er am frühen Morgen des 6. Oktober Haus und Hof. Als gesunder Mann, der er immer war, und als schöner, strammer Soldat zog er hinaus in den Dienst fürs Vaterland, im Weggehen den Seinen noch zurufend: "Ja ich komme ja bald wieder heim." Tatsächlich hätte er schon am 9. Oktober, als an seinem Geburtstage, wieder heimgehen dürfen, aber ein Befehl höherer Macht kam diesem zuvor und beorderte ihn da hinüber, wo ewiger Friede herrscht.

Der Kommandant der Guid.-Schw. 36, Herr Hauptmann Boller, gerührt von Mitleid für die Angehörigen, äußerte großes Bedauern über den auf diesem unglücklichen Wege erfolgten Verlust des ihm als guten Soldaten bekannt gewordenen J. Meyerhofer; das gleiche ließen die Unteroffiziere und Soldaten der Guiden-Schwadron auch bekunden.

Am 9. Oktober fand die Ueberführung der Leiche nach Weiach statt. Offiziere des Platzkommandos Zug und eine Abteilung der Haub.-Batt. 79 gaben ihr das Ehrengeleite bis zum Bahnhof daselbst. Die militärische Beisetzung am 12. Oktober in Weiach gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie sie wohl an diesem Orte noch nie gesehen worden ist. Die Massenteilnahme gab beredtes Zeugnis dafür, was der Verstorbene im Leben gewesen ist. Leute aus weiter Umgebung und die Guid.-Schw. 36 vollzählig nahmen daran teil. Die Kirche vermochte sie nicht alle zu fassen. Bei der kirchlichen Feier zeichnete der Herr Pfarrer ein Lebensbild des Verstorbenen, wie es erhebender und schöner nicht sein kann. Dann folgte am Grabe ein militärischer Akt, der gewaltigen Eindruck machte. Die ganze Trauerversammlung nahm Aufstellung auf dem Friedhofe, in der Mitte die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Guid.-Schw. - In markanter, tiefergreifender Ansprache spendete Herr Hpt. Boller der Trauerfamilie Trost und dem ihm einst Unterstellten den Abschiedsgruß.

Namens der Kameraden trug Guide Pfister einen in rührenden Versen gereimten Nachruf vor, worauf Feldw. Vogt den Ehrengruß, "drei Salven", folgen ließ. Dann schloß sich das Grab über einem zur ewigen Ruhe gebetteten guten Kameraden, einem treuen Freund und Bürger. U.


Damit verlassen wir die Bühne der Beerdigung des heute vor 100 Jahren verabschiedeten Weiachers und wenden uns dem militärischen Hintergrund zu.

Guiden und Dragoner

Meyerhofer war also ein Guide - und diese taten ihren Dienst zu Pferde. Nach Angaben auf den Webseiten der Compagnie 1861, einer historischen Sektion des kantonalen Unteroffiziersverbandes Zürich und Schaffhausen, bestand die Aufgabe der Guiden «hauptsächlich aus Melde- und Stafettendienst, Bewachung der Hauptquartiere der Divisionen sowie aus heerespolizeilichen Aufgaben». Leicht anders formuliert die Funktionsbeschreibung auf derselben Website (Beschreibung der Dragoner): «Guiden. Letztere waren für den Aufklärungs- und Heerespolizeidienst bestimmt, oder waren den Divisionsstäben zugeteilt für Kurier- und Staffettendienst». Und für solche Aufgaben nimmt man in der Regel die erfahrenen, älteren Semester. Dass die Guiden-Schwadron 36 eine Landwehrformation war, passt also ins Bild. Bei den Dragonern hingegen waren mehrheitlich Wehrmänner des Auszugs eingeteilt, denn die Dragonerschwadronen waren die Kampfverbände der Kavallerie.

Kantonale Militärhoheit

Eine Suche auf dem Schweizer Archivportal archives-online.org zeigt, dass die Guiden-Schwadron 36 entweder eine Thurgauer oder eine Schaffhauser Einheit war:
  • Staatsarchiv des Kantons Thurgau (StATG): «4'423'35: Guiden Schwadron 36, s.d. (sine dato)»
  • Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen (StASH): «Militaria 5/370: Korpskontrolle, Guiden, Schwadron 36 und 41, Landwehr. Enthält Personalien, Details der Dienstleistungen, Beförderungen, Bemerkungen. ca. 1890-ca. 1920»
Da der Thurgauer Bestand gemäss der übergeordneten Archiveinheit nur bis ca. 1906 reicht, ist es durchaus möglich, dass die Schwadron 36 im Jahre 1915 schaffhausisch war. Genauer liesse sich das abklären, wenn die Sperrfrist des Schaffhauser Staatsarchivs nicht bis Ende 2020 laufen würde.

Wie dem auch sei: die sehr traditionsbewussten Kavallerie-Einheiten gehörten als kantonale Formationen sozusagen zu deren Kernbestand. Einen der Gründe für diese Zuordnung erklärt der Artikel zur Schweizer Kavallerie auf Wikipedia (Stand am 15. Oktober 2015):

«Die Militärorganisation von 1907 war ein Kompromiss, der dem Umstand Rechnung trug, dass die vollständige Zentralisierung des Militärwesens bei der Volksabstimmung von 1895 scheiterte. Die Kantone stellten weiterhin die Dragonerschwadronen und beschafften deren persönliche Ausrüstung. Die Militärorganisation 1907 brachte die Unterstellung der Guiden auf die sechs Divisionen (je eine Abteilung zu zwei Kompagnien).

Der Erste Weltkrieg mit seiner erhöhten Feuerkraft, den Giftgaseinsätzen und dem Umstand, dass die Dragoner während der Grenzbesetzung zu Fuss dienten, stellte die weitere Existenz der Kavallerie in Frage. 1916 waren die 24 Dragoner-Schwadronen in vier Kavallerie-Brigaden zu zwei Regimentern mit je drei Schwadronen eingeteilt. Daneben gab es zwölf Guiden-Schwadronen und acht Mitrailleur-Schwadronen. Damit wurde der Höchststand mit 6'600 Mann erreicht. 1918 musste die Kavallerie beim Generalstreik die innenpolitisch heikle Aufgabe des Ordnungsdienstes übernehmen.
»

Gerade dieser Auftrag kam nicht von ungefähr, handelte es sich doch bei den Kavalleristen meist um konservativ eingestellte Soldaten vom Land, die mit den sozialistischen Ideen der Streikenden nicht viel am Hut hatten. Fraternisierungen waren da nicht zu befürchten.

Eine Chronik aus der Stadt Zürich

Schliesslich sei noch kurz etwas zur Herkunft des Ausrisses, der Zürcher Wochen-Chronik erwähnt, die zwischen 1899 und 1918 herausgegeben wurde. Auf der Website Alt Züri steht dazu:

«Die Wochenchronik erschien als Loseblattausgabe wöchentlich am Samstag und berichtete über Amtliches, Strassenbauarbeiten, Kurioses, Unfälle, Polizeinachrichten sowie liebevolle Bildreportagen aus den Quartieren, der Region und einzelnen Bauwerken. Die Loseblattausgaben wurden dann nach Jahrgängen, pro Buch ein Jahrgang, zur Buchausgabe gebunden. Format 25.5 x 32 cm, zwischen 400-600 Seiten, je nach Jahrgang.» Als Verlag zeichnete das «Art. Institut Orell Füssli».

Wer sich weiter in die Zürcher Wochen-Chronik vertiefen möchte, findet sie im Staatsarchiv des Kantons Zürich (StAZH Dm 25; Jg. 17 (1915)), im Stadtarchiv Zürich (STAR (Zürich) Pd 3 USTAR) oder im Schweizerischen Landesmuseum (SLM Ze ZH 9).

Quelle
  • Zürcher Wochen-Chronik, Jg. 17 (1915), S. 373-374
[Veröffentlicht am 10. November 2015]

Mittwoch, 30. September 2015

Septemberwetter 1965: ein paar schöne Nachmittage

Dass die Vegetation witterungsbedingt ziemlich im Rückstand war vor 50 Jahren, das hat sich in etlichen Wetter-Artikeln gezeigt, vgl. u.a. den zum August 1965. Reichlich Regen, nasse Wiesen, rotbraunes Futter: wahrlich kein gutes Jahr für die Landwirtschaft. Und in diesem Stil ging es auch im September weiter. Jedenfalls vorerst:

«September. Er beginnt in der ersten Woche mit wechselvoller Witterung, bald bedeckt, dann wieder bewölkt bis sonnig, aber auch Regenschauer dazwischen. Schlimmes Wetter für's Emden, aber auch für's Reifen von Obst und Trauben, Bohnen und anderem Gemüse gar nicht günstig. So geht’s fort bis zum 14.9. Darum ist auch jetzt noch der Wasserstand bei Rheinfelden überdurchschnittlich, nämlich:

am 6.9. langjähriges Mittel 1'026 m3/skde
tatsächliche Wasserführung 1'373 m3/skde
Vorjahr gleiche Zeit 686 m3/skde

Ab mitte Monat bessert's beträchtlich, da kommt endlich eine Reihe z.T. sehr schöner Nachmittage. Am Vormittag schleicht jeweils noch der Nebel um die Höhen, wie es ja im September üblich und auch recht ist; der "Traubenkocher" ist um diese Zeit willkommen. Die schönen Nachmittage reizen die Bauern zum nochmaligen Emden, wo wenigstens noch etwas zu holen ist. Gegen Ende Monat gibt's wieder eher unfreundliches Wetter; einzig der letzte Tag, der 30.9. ist wieder angenehm mild, sogar leicht sonnig am Nachmittag und Abend.

Höchsttemperaturen morgens 14°, mittags 20°, abends 16°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 10°, abends 8°

Obst und Trauben stehen natürlich auch im Rückstand, man wird noch auf den Oktober hoffen müssen, vielleicht bringt er mehr Wärme und sonnigere Tage zum bessern Ausreifen.
»

Immerhin. Wenigstens ein paar schöne Nachmittage. Aber ob das für die Trauben gereicht hat?

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 7-8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

[Veröffentlicht am 8. November 2015]

Mittwoch, 16. September 2015

Einsatz der Massenmigrationswaffe gegen Europa?

Die neue Völkerwanderung ist Tatsache und Europa erweist sich in der Organisationsform EU in den letzten Tagen einmal mehr als unfähig, die geostrategisch richtigen Antworten zu finden. Das ist leider keine Neuigkeit, denn die Geschicke des Kontinents werden spätestens seit dem Ende des 2. Weltkriegs im Wesentlichen von Supermächten ausserhalb ihrer Grenzen gelenkt - trotz der Wirtschaftsmacht der EU-Staaten.

Dennoch reibt man sich die Augen. Die Migrationsströme aus und über «gescheiterte Staaten», an deren Zusammenbruch gerade die westliche Supermacht USA alles andere als unschuldig ist, sind ja nun weiss Gott keine Neuigkeit. Warum hat Europa keine (gemeinsamen) Massnahmen vorbereitet? Ist das nur Unwissenheit, Dummheit, Unfähigkeit oder gar Absicht?

Wie die Waffe funktioniert

Man hätte es längst wissen können. Bereits 2011 hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) das 2010 erschienene Buch «Weapons of Mass Migration» der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Kelly M. Greenhill rezensiert. Die heute an der Tufts-Universität tätige Professorin kam damals auf den ziemlich beunruhigenden Schluss, dass die EU die Sanktionen gegen Muammar al-Gaddafi 2004 primär deshalb ausser Kraft setzte, weil dieser sich bereit erklärt habe, den anschwellenden Strom afrikanischer Migranten nach Europa einzudämmen. Es spricht einiges dafür, dass das stimmt: Gaddafi betonte ja bis kurz vor seinem Ableben immer wieder, dass nur ein funktionierender libyscher Staat (unter Leitung seines Clans) verhindere, dass sich Abertausende von seinen Gestaden aus auf den Weg ins gelobte Land (d.h. Europa) machten. Anders ausgedrückt: er setzte auf «migrationsgestützte Nötigung» (Greenhill) und liess sich sein Wohlverhalten mit Milliarden-Zahlungen abgelten.

Greenhill zeigte, dass diese Art von Erpressung keineswegs so selten vorkommt wie man vermuten könnte. Sie ist wohl eine der mächtigsten Waffen überhaupt. Massenmigrationswaffen werden nach Greenhill definiert als «grenzüberschreitende Bevölkerungsbewegungen, die absichtlich erzeugt oder manipuliert wurden, um von einem Zielstaat oder Zielstaaten politische, militärische und/oder wirtschaftliche Zugeständnisse zu erzwingen» [zit. n. Wisnewski 2014]. Man kann damit allerdings durchaus auch wirklich umwälzende Veränderungen geostrategischen Ausmasses anstreben, nämlich die faktische Ausschaltung oder gar Auslöschung der Zielstaaten.

Unterwanderungsstrategie

Strategisch eingefädelte Massenmigration wird gemäss Greenhill oft nicht als solche erkannt und wenn doch, wird ihre Bedeutung unterschätzt. Man sieht das Phänomen, erkennt aber die eigentlichen Hintergründe nicht. Nehmen wir die aktuell nach Europa einflutenden Syrer und Kurden (um nur zwei Volksgruppen zu nennen) als Beispiel. Ohne den gezielt inszenierten Bürgerkrieg gegen den syrischen Machthaber Assad und den orchestrierten Aufstieg des in vorher (durch Interventionen des Westens) destabilisierten Regionen wütenden Islamischen Staats, wären diese Leute kaum alle miteinander auf die Idee gekommen, alles zurückzulassen wofür sie und ihre Vorfahren ihr Leben lang gearbeitet haben, um ihr Heil bei uns zu suchen.

«Überschwemmung» mit Migranten ist eine erfolgversprechende Methode. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein industrialisierter Staat eine liberale Politik verfolgt, die Stammbevölkerung tendentiell überaltert ist und eine tiefe Reproduktionsrate aufweist. Wenn die Integration in die bestehende Gesellschaft und den Arbeitsmarkt scheitert, dann belasten Migranten nicht nur die Sozialbudgets, sondern befeuern vor allem auch soziale Spannungen jeglicher Art. Und zwar sowohl bei den ursprünglichen Einheimischen, die sich bedrängt fühlen durch Konkurrenz um Jobs und fremde kulturelle Standards, sondern auch bei den Neuankömmlingen und ihren im Zielland geborenen Kindern, die feststellen müssen, dass die Perspektiven im gelobten Land auch alles andere als golden sein können und sie alles andere als willkommen sind.

Genau dieser mittel- und langfristige Destabilisierungseffekt - ausgelöst durch die Überforderung der Integrationskraft einer bestehenden Gesellschaft im Zielgebiet - kann das Kriegsziel des Angreifers sein. Die Zielländer der erfolgreichen Masseneinwanderung sind dann nämlich mit den Folgen der Migration mehr als nur beschäftigt - im schlimmsten Fall werden sie selber zu gescheiterten Staaten.

Wenn man sich die alles entscheidende Frage «Cui bono?» («Wem nützt's?») stellt, dann kommt man nicht umhin, aus mannigfachen Indizien (z.B. diesen Aussagen US-amerikanischer Exponenten, von ex-NATO-General Wesley Clark über Barack Obama bis zu George Friedman, dem Direktor des Think Tanks STRATFOR) den Schluss zu ziehen, dass gerade die Massenmigration von kulturell dem europäischen Abendland völlig fremden Menschen zur gezielten strategischen Unterwanderung Europas eingesetzt werden soll. Mit anderen Worten: dass die Türkei, Saudi-Arabien und Katar (um nur die wichtigsten Unterstützer zu nennen), gezielt die Islamisierung Europas anstreben. Denn wo sollen denn all diese (z.T. völlig unqualifizierten) Neuankömmlinge ein Auskommen finden? Europa kämpft ja schon ohne sie mit Massenarbeitslosigkeit und völlig zerrütteten Staatsfinanzen. So gesehen werden die Immigranten zu einer potenten Waffe.

Wenn man ausserdem die Worte Friedmans ernst nimmt, dass die Kombination deutscher Intelligenz und Finanzkraft mit russischen Rohstoffen und Arbeitskraft (also letztlich eine eurasische Allianz von Lissabon bis Wladiwostok) eine der wenigen Entwicklungen ist, welche die USA wirklich beunruhigen, weil sie sie existentiell gefährden könnten und wenn man weiss, dass sich die USA in den nächsten Jahrzehnten auf die Pazifikregion konzentrieren wollen, um das aufstrebende China in Schach halten zu können, dann kann man sich leicht vorstellen, wie nützlich diese Migranten sind, um Europa zu beschäftigen und einen Keil zwischen die west- und osteuropäischen Staaten zu treiben (man vergleiche die Reaktionen Ungarns und Deutschlands auf den Massenansturm und die aufgeregten gegenseitigen Vorwürfe ihrer führenden Politiker). In Kombination mit den Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO sowie mit dem gezielten Ausnützen von Spannungen innerhalb der EU, der Ukraine und anderer osteuropäischer Staaten im ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion verhindert diese Strategie letztlich ein Zusammengehen Deutschlands und Russlands.

Und was heisst das für uns?

Bezogen auf die Schweiz bedeutet dies meines Erachtens folgendes: wir sollten uns all dieser strategischen Interessen bewusst sein und uns von jeglichen Grossmachtgebilden distanzieren, seien es die USA, die EU, die NATO oder andere Machtblöcke. Eine institutionelle Einbindung in die EU, wie das von Brüssel immer wieder gefordert wird, ist ein unkalkulierbares Risiko für unsere Sicherheit. Im Binnenverhältnis gilt es primär, die Integrationskraft der Gesellschaft zu stärken - und zwar mit allen Mitteln, denn es gibt nichts Gefährlicheres als Ansammlungen von desillusionierten Menschen, die nichts zu verlieren haben und von fremden Interessen instrumentalisiert werden können.

Weil weder die Gemeinde Weiach, noch der Kanton Zürich und auch die Schweiz keine wirtschaftlichen Inseln sind, wird dies aber nur gelingen, wenn man sich wachen Sinnes allen Herausforderungen stellt - und dennoch nie vergisst, was die Willensnation Schweiz im Innersten zusammenhält. Das ist eine Herkules-Aufgabe. Aber wir dürfen ihr nicht ausweichen. Das sind wir den Gründern unseres Staatswesens, den heute hier Lebenden und letztlich der Zukunft dieses Planeten schuldig.

Weiterführende Artikel

Dienstag, 15. September 2015

Zehn Jahre www.weiach.ch

Heute vor 10 Jahren hat die Gemeinde Weiach erstmals ihre Website www.weiach.ch auf dem Netz aufschalten lassen. Sie war mit ihrem Webauftritt eine der letzten politischen Gemeinden im Kanton Zürich - aber immerhin nicht die letzte im Bezirk Dielsdorf.

Wie es dazu kam und wie der Autor des WeiachBlog die Neuerscheinung kommentiert hat, kann in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 71 nachgelesen werden: «Keine verspielte, teure und nutzlose Selbstdarstellung». Zur Erstaufschaltung der Website der Gemeinde Weiach – 15. September 2005. (Im Oktober 2006 ging dann übrigens auch die Reformierte Kirchgemeinde Weiach online, vgl. den Beitrag auf WeiachBlog vom 15. Oktober 2006.)

Zweites Redesign

Sozusagen auf das 10-Jahr-Jubiläum hin hat sich die Gemeinde eine Auffrischung des Designs geleistet. Die letzte solche Aktion erfolgte vor drei Jahren noch unter dem früheren Präsidenten Paul Willi, wobei damals leider weitgehend «alter Wein in neuen Schläuchen» angeboten wurde, vgl. den WeiachBlog-Beitrag vom 27. Mai 2012, der etliche Mängel auflistet, sowie den Beitrag vom 7. Mai 2012: «ffnungszeiten». Gemeindewebsite völlig veraltet.

Angekündigt wurde die Neuerung in den jüngsten Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW; September 2015, S. 4):

«Gerne informieren wir Sie darüber, dass am 1. September 2015 die neue Homepage der Gemeindeverwaltung Weiach aufgeschaltet wird. Die neugestaltete Website bietet den Besuchern neue Dienstleistungen an wie zum Beispiel den Online-Schalter, von welchem man schnell und einfach die gewünschten Formulare oder Verordnungen herunterladen oder auch ausdrucken kann. Ausserdem besteht auf der neuen Homepage die Möglichkeit den Gemeindesaal direkt von zu Hause oder unterwegs mit dem neuen Online-Reservationssystem zu reservieren oder sich durch die Bildergalerie mit neu gemachten Bildern der Gemeinde Weiach zu klicken.

Wir freuen uns, wenn Sie einen Blick auf die neue Homepage werfen und hoffen, dass wir Ihnen mit den neuen Dienstleistungen weiterhelfen können.

Neben der neuen Homepage wird es auf der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit geben, Zahlungen über ein Zahlterminal durchzuführen. Mit Hilfe des Zahlterminals können Zahlungen am Schalter nicht mehr nur bar, sondern auch mit EC-Karten sowie Postfinance-Karten ausgeführt werden.
»

Seit dem 1. September ist tatsächlich der neue Webauftritt online - samt aktuellem MGW September 2015 (was sonst nicht immer auf den Monatsersten klappt).



Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Als langjähriger Beobachter des Webauftritts stellt man fest: endlich ist auch auf der Weiacher Gemeindeverwaltung die Erkenntnis angekommen, dass die wichtigsten Grundlagen aufs Netz gehören.

Besonders lobenswert sind aus der Sicht des Stimmbürgers die «Weisungshefte und Protokolle» zu den Gemeindeversammlungen, die separat und parallel zu den MGW bislang nur in gedruckter Form in die Briefkästen verteilt wurden. Aktuell online: die Dokumente zur «Gemeindeversamlung vom 10. Juni 2015» [sic!].

Weiter ist eine ganze Reihe von Erlassen und Dokumenten, die im Leben der Gemeinde von einiger Wichtigkeit sind, nun endlich online verfügbar: Allgemeine Bedingungen für Baubewilligung, Bau- und Zonenordnung, Bau- und Zonenplan, Gesuch Wasseranschluss, Friedhofsverordnung, Spesenbeleg, Wirtepatent, Wirtepatent befristet mit Polizeistundenverlängerung, Gemeindesaal Benützungsreglement, Anmeldung Sozialhilfe, Abfalldokumentation, Abfallkalender 2015, Gebührenverordnung SEVO, Siedlungsentwässerungsverordnung (SEVO), Wasserreglement mit Gebühren-Verordnung.

Zwei Wochen nach dem Designwechsel ist nun die bei der Neuaufschaltung am 1. September noch fehlende Polizeiverordnung ebenfalls online verfügbar. Wenn auch nur das Hauptdokument. Der Anhang zur PolVo Weiach, das «Reglement über das gemeinderechtliche Ordnungsbussenverfahren» samt Ordnungsbussenliste fehlt hingegen nach wie vor.

Wieso fehlt die Verfassung?

Völlig unverständlich ist, weshalb die «Gemeindeordnung» fehlt. Dabei handelt es sich immerhin um die Verfassung der Gemeinde - und ausgerechnet die kann man weder herunterladen noch in den Warenkorb legen. Liebe Gemeindeverwaltung: stellt bitte endlich auch die Gemeindeordnung als PDF ins Netz. Solltet ihr die nicht in elektronischer Form vorliegen haben kann man sie notfalls retrodigitalisieren. Das ist heutzutage keine Hexerei mehr - zumal ihr ja junge Mitarbeiter in der Kanzlei habt, die das als Digital Natives mit links können sollten.

Nach wie vor mangelhafte Qualitätssicherung

In Bezug auf die Qualitätssicherung muss nach wie vor Remedur geschaffen werden. Es macht einen denkbar schlechten Eindruck wenn gleich auf der Titelseite etliche Schreibfehler auftauchen: wie «Jugenschiessen» oder «Ausstelllung». Oder von der «Gemeindeversamlung» die Rede ist. Oder auf jeder Seite unten ein Link «zum Seitananfang» steht.

Ist in den Erfassungsmasken keine Rechtschreibkorrektur eingebaut? Oder ist es den Verantwortlichen ganz einfach egal? Dieser Missstand ist übrigens seit Jahren immer wieder festzustellen (auf der Website wie in den MGW), wie Stilblüten à la «Amtilche Publikation» belegen, vgl. nachstehendes Bild vom Juni 2012 (noch mit dem alten Design).



Neuer Webdesigner

Wie man der praktischen Fussleiste (siehe Bild unten) mit den Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung entnehmen kann, wurde der neue Auftritt auch von einem neuen Designerteam gestaltet. Grundlage für die Gemeindewebsite ist nicht mehr die seit 2005 verwendete GemWeb-Umgebung der innovative Web AG aus Zürich. Neu kommt das Produkt eines ausserkantonalen Unternehmens zum Einsatz (vgl. Impressum):

«Gemeinsam mit der Internetagentur backslash AG, Frauenfeld, und deren eGovernmentlösung GOViS entwickelte die Gemeinde Weiach diese behindertengerechte und zukunftsgerichtete Website. Die Website wurde am 1. September 2015 aufgeschaltet.»



Preis-Leistungs-Verhältnis ausschlaggebend

Wie Gemeindepräsident Arnold heute gegenüber WeiachBlog auf telefonische Anfrage hin mitteilte, sei es mit dem alten Produkt nicht möglich gewesen, moderne Anforderungen (mehrere Bilder pro Seite etc.) zu realisieren. Deshalb habe sich der Gemeinderat von zwei Anbietern neue Lösungen präsentieren lassen. Bei Webauftritten sei es im übrigen wie bei Häusern, wo man den Architekten am Stil erkenne. Sie hätten sich deshalb auch mehrere Referenz-Websites anderer Gemeinden angesehen. Letztlich habe das Preis-Leistungs-Verhältnis den Ausschlag für den Anbieter aus dem Thurgauer Kantonshauptort gegeben.

Dass es auf der Website noch viel zu tun gibt, wird von Arnold keineswegs bestritten. Im Gegenteil. Er habe schon auf mehrere zu korrigierende Punkte hingewiesen, die nun von der Gemeindeverwaltung richtiggestellt werden müssten. Diese Wartungsarbeiten habe der Gemeinderat aus Kostengründen nicht an die backslash AG vergeben.

Nun, da darf man gespannt sein, wie sich das Baby «Website 2015plus» entwickelt.

Freitag, 11. September 2015

Der Callcenter-Pest den Riegel schieben

043 508 10 06, 043 508 11 19, 043 508 14 52, 043 508 23 68. Vier Telefonnummern, von denen aus ich in den letzten Tagen angerufen wurde. Ein Blick ins Telefonverzeichnis zeigt: das sind samt und sonders anonyme «Call Center».

Wie man einem Beitrag von SRF online vom 28. April 2015 entnehmen kann, stehen die wohl mehrheitlich irgendwo im Ausland:

«Die Callcenter rufen von Schweizer Festnetznummern aus an: Aber nur zum Schein. Die Nummern stehen nicht im Telefonbuch, sie sind Firmen zugeteilt, die ganze Nummernblöcke an Dritte weiter vermieten - auch ins Ausland. Spoofing nennt sich das zweifelhafte Verhalten dieser Callcenter. Die grossen Schweizer Callcenter würden nicht hinter den Anrufen stecken, sagt Dieter Fischer, Präsident des Verbands Callnet, in dem die grössten Schweizer Callcenter vertreten sind.»

Kommt noch dazu: Oft werden die Anrufe von Computern getätigt, die (ob wahllos oder systematisch sei dahingestellt) Mobiltelefon-Nummern aufrufen um zu testen ob sie aktiv sind oder nicht.

Solche Nummern sind oft nicht in öffentlichen Telefonverzeichnissen aufgeführt. Sie können also auch keinen Stern-Eintrag aufweisen, der signalisiert, dass die Person im Besitz des betreffenden Anschlusses keine Werbeanrufe wünscht. Diese wären gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. u UWG unlauterer Wettbewerb: Unlauter handelt, wer «den Vermerk im Telefonbuch nicht beachtet, dass ein Kunde keine Werbemitteilungen von Dritten erhalten möchte.»

Wieso stehen diese Firmen nicht mit Namen hin?

Eine Suche nach dem Begriff «Call Center» auf tel.search.ch ergibt zur Zeit 199 Einträge. Einige gehören eindeutig zu (teils namhaften) Firmen andere sind völlig anonym.

Gerade letzteres sollte gesetzlich verboten werden. Jedes Call Center ist eine geschäftlich tätige Entität, die gefälligst zu ihrem Tun zu stehen hat. Mit vollem Namen und Adresse. Alles andere ist meines Erachtens unlauterer Wettbewerb und sollte bestraft werden.

Das Gesetz ist da ganz deutlich (vgl. Art. 3 Abs. 1 Bst. s Ziff. 1 UWG):

«Unlauter handelt insbesondere, wer: [...] Waren, Werke oder Leistungen im elektronischen Geschäftsverkehr anbietet und es dabei unterlässt: [...] klare und vollständige Angaben über seine Identität und seine Kontaktadresse einschliesslich derjenigen der elektronischen Post zu machen.»

Leider können sich aber Call Center auf eine Ausnahmebestimmung in Art. 3 Abs. 2 UWG berufen:

«Absatz 1 Buchstabe s findet keine Anwendung auf die Sprachtelefonie und auf Verträge, die ausschliesslich durch den Austausch von elektronischer Post oder durch vergleichbare individuelle Kommunikation geschlossen werden.»

Hintertürchen schliessen!

Das SECO als zuständiger Regulator in dieser Sache muss sich die Frage stellen: weshalb hat man diese Hintertüre offengelassen?

Eine geeignete Gegenmassnahme gäbe es: die gemäss tel.search.ch 301 Nummern des 10'000er-Blocks 043 508 xx xx samt und sonders sperren. Die sind nämlich zu über 90% anonymen Call Centern zugeordnet.

Sollte sich die Qatar Airways (Zweigniederlassung Zürich: 043 508 05 78) daran stören, müsste sie halt ihre Nummer wechseln.

Nachtrag vom 14.9.2015

Auf der BAKOM-Seite https://www.eofcom.admin.ch/eofcom/public/listEofcom_e164Allocated.do kann man die E.164-Nummernblöcke abfragen und so herausfinden wer sie gemietet hat. Im Fall des 10'000er-Blocks 043508xxxx ist dies die Voxbone SA, Avenue Louise 489, 1050 Bruxelles, Belgien!

Freitag, 4. September 2015

Hagelzug 1715 und ein Bericht zur Sonnenfinsternis 1706

Vor 150 Jahren hat Rudolf Wolf in der Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft Zürich (1746 gegründet) ein paar Einträge zu Witterung, Ernte und anderen Besonderheiten aus «handschriftlichen Chroniken» veröffentlicht, die er in der Stadtbibliothek Winterthur gefunden hat. Leider gibt Wolf keinerlei Hinweise, aus welchen Unterlagen er da geschöpft hat (auch nicht im ersten Teil der Zusammenstellung). Eine Rückverfolgbarkeit ist daher sehr schwierig. Dennoch seien hier die Weiach betreffenden Einträge erwähnt.

Auf den Tag genau vor 300 Jahren traf ein Unwetter unsere Gegend, welches dergestalt war, dass es den Chronisten offenbar eine Notiz wert war: «1715 [...] IX 4 Hagel über Weyach, Eglisau, Rafzerfeld, Flachthal bis Winterthur.» (Wolf, S. 190)

Ebenso interessant ist der folgende Augenzeugenbericht zur grossen Sonnenfinsternis vom 12. Mai 1706 (vgl. dazu die weiterführenden Beiträge unten):

«1706 [...] V 12 von 10 Uhr an war ein Finsternuss, da war ich (Bucher) by der Metzg, da war die heilig Sonn so überal verfinstert, dass es so finster war, dass man bi Schrit in der Metzg einanderen nit känte und man sah den Himmel voller Sternen.» (Wolf, S. 189)

Quelle
Weiterführende Beiträge

[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]

Montag, 31. August 2015

Augustwetter 1965: Bindemäher ratterten ohne Unterlass

Der Titel des Artikels über das Juliwetter 1965 gibt auch für den Folgemonat den Takt vor: Alles zwei Wochen im Rückstand. Dieser Umstand war auch im August vor 50 Jahren für den Dorfchronisten von Weiach prägend:

«August. "1. August – und sozusagen noch nichts geerntet, während andere Jahre um diese Zeit Hard und Hasli schon voller Puppen und Garben standen", steht am Beginn dieses Monats. Während die ersten paar Tage noch unsicher, weil neblig und dann bewölkt, waren, begann nun endlich um den 4.8. herum das rechte Erntewetter; und jetzt ging’s im Feld unten zu, ohne Unterlass rattern Bindemäher und Mähdrescher drauf los. Am 9.8. geht nun auch das Dreschen im Dreschgebäude an. "Vor 1 Jahr den Weizen am 27.7. meist daheim, dies Jahr am 2.8. den ersten und am 12.8. den letzten heimgeführt", äussert Nachbar Meierhofer. Die erste Monatshälfte hielt sich demnach ordentlich, nur wenig Regen; aber vom 20.8. an ändert’s, fast täglich kürzere Regenschauer gewittrigen Charakters, sodass die "Frucht" vielfach nicht die für Mähdrescher notwendige "Todreife" aufweist und darum einer künstlichen Nachtrocknung bedarf. Auch zum Emden ist’s natürlich denkbar ungünstig.

Höchsttemperaturen morgens 19°, mittags 29°, abends 23°
Tiefsttemperaturen morgens 9°, mittags 15°, abends 12°

Immer noch führt der Rhein viel Wasser. Eine Wasserstandsmeldung vom 9.8. bei Rheinfelden besagt:
Langjähriges Mittel  1'226 m3/skde
Tatsächliche Wasserführung  1'779 m3/skde
Vorjahr gleiche Zeit  609 m3/skde
»

Ein enges Zeitfenster von zwei Wochen also für die Getreideernte und das Emden. Da werden wohl nicht alle fertig geworden sein. Und mancher wird in der zweiten Monatshälfte ein langes Gesicht gemacht haben.

Ungewöhnlich für Zollinger: die Wasserstandsmeldung aus Rheinfelden. Das liegt dann doch weit von Weiach entfernt und zudem unterhalb der Aaremündung bei Koblenz.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].
[Veröffentlicht am 6. September 2015]

Mittwoch, 12. August 2015

Datierungsverwirrungen - Stilus novus vs. Stilus vetus

Bei der Durchsicht der aktuellen Zugriffe auf WeiachBlog sind mir zwei Zugriffe auf einen Beitrag vom Januar 2010 aufgefallen. Der Artikel handelt von einem Ehrverletzungsprozess vor dem Dorfgericht zu Weyach, der vor rund 400 Jahren verhandelt wurde.

Damals war das reformierte Zürich kalendermässig anders ausgerichtet als die katholisch geprägte Nachbarschaft. Zwischen 1582 und 1700 stützte sich die Zürcher Obrigkeit noch auf den julianischen Kalender, die katholischen Obervögte des Fürstbistums Konstanz datierten ihre Schriftstücke aber bereits mit dem gregorianischen Zeitmass.

Weyach lag an der Schnittstelle zwischen diesen zwei Herrschaftsbereichen. Mit der Hochgerichtsbarkeit gehörte es zu Zürich, mit den niederen Gerichten zum Fürstbischof. Die Weiacher mussten als erste Gerichtsinstanz - anders als alle anderen Einwohner des Neuamts - ihr Dorfgericht anrufen. Für sie war nicht das Amtsgericht der Obervogtei Neuamt zuständig.

Novus oder vetus? Man muss genau hinschauen

So kommt es, dass man bei Gerichtsakten aus Weiach bei der Datierung immer im Hinterkopf haben muss, dass sie fürstbischöflich - und mithin ab 1582 gregorianisch ist.

In der Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen (SSRQ) wird man im Band Neuamt in der Datierungszeile daran erinnert. Im Falle des einleitend angesprochenen Prozesses mit folgender Notation: «1612 Mai 9, 17 [St. n.] und 16 [St. v.]».


«St. n.» steht für «Stilus novus», also die Datierung im neuen Stil, d.h. nach dem gregorianischen Kalender. «St. v.» steht dagegen für «Stilus vetus» (ab und zu auch «Stilus antiquus» genannt), der Datierung im alten Stil, also nach julianischem Kalender.

Kreuzfalsch umgesetzt

Im Artikel vom 10. Januar 2010 habe ich die beiden Angaben ärgerlicherweise genau übers Kreuz falsch umgesetzt. Standen doch da bis heute die folgenden Sätze:

«Am 9. Mai 1612 nach julianischem Kalender fand vor dem Dorfgericht zu Weiach ...», «Am 17. Mai 1612 tagte das Dorfgericht erneut ...», sowie «Ende Mai 1612 (genau: am 16. Mai nach gregorianischer Zeitrechnung) sahen die Räte der Stadt Zürich ...»

Wenn man weiss, dass 1582 der gregorianische Kalender dadurch eingeführt wurde, dass 10 Tage ausgelassen wurden (auf den 4. Oktober folgte der 15. Oktober), dann merkt man sofort, dass besonders der letzte Satz absoluter Blödsinn ist. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

Seit heute ist der Fehler direkt im Artikel korrigiert: Selbstbefriedigung an einem Weidenbaum?; WeiachBlog Nr. 738.

Sonntag, 9. August 2015

Der 1. Weltkrieg stoppte den Vormarsch des Hochdeutschen

In der Deutschschweiz ist der Dualismus zwischen Dialekt und Hochdeutsch weit verbreitet. Der Dialekt wird vor allem gesprochen (daher auch der Begriff «Mundart»). Das Hochdeutsche hingegen - auch als «Standardsprache» bezeichnet - wird vor allem geschrieben (daher der Begriff «Schriftsprache»).

Standards erleichtern zwar die Verständigung...

Dieser Blog ist ein gutes Beispiel. Er handelt von einem kleinen Fleck Erde (knapp 10 Quadratkilometer), von seiner näheren Umgebung und von den Menschen, die mit ihm in irgendeiner Beziehung stehen und gestanden haben. Wenn ich das hier Geschriebene quasi nur für die Eingeborenen vorgesehen hätte, dann könnte ich ihn auch im Zürcher Unterländer Dialekt verfassen.

Das Problem dabei: es gibt keine wirklich allgemein akzeptierte Art und Weise, schweizerdeutsche Dialekte zu schreiben. Wohl gibt es Wörterbücher für so ziemlich alle Varianten hiesiger Dialekte. Die sind aber (anders als Wörterbücher der Standardsprache wie der «Duden» oder der «Wahrig») in der Regel nicht Teil der Ausbildung an den öffentlichen Schulen.

So kommt es, dass einem oft die passenden Buchstaben fehlen, um gewisse Dialektlaute in Schrift umzusetzen. Es muss quasi jede(r) seinen bzw. ihren eigenen Weg finden. Das fördert zwar die Kreativität. Die Schwierigkeiten beim Schreiben treten dann natürlich spiegelbildlich beim Lesen eines von Dritten niedergeschriebenen Dialekttextes auf. Manchmal muss man sich das Vorliegende im Geiste (oder gar laut) vorlesen - dann versteht man auch besser was gemeint ist. Und das geht wohl nicht nur mir so.

Hochdeutsch dient also der besseren Verständigung, sowohl innerhalb des eigenen Landes (z.B. mit den Romands) als auch mit Personen aus anderen deutschsprachigen Regionen.

... aber Sprache transportiert eben auch Identität

Die Wahl der Sprachform hat jedoch nicht nur etwas mit Verständlichkeit zu tun. Sprache muss nicht nur praktische Nützlichkeit aufweisen. Es geht auch um Identität und Selbstbehauptung. Und letzteres dürfte denn auch der tiefere Grund sein dafür, dass man hierzulande eisern am Dialekt festhält - ja ihm sogar noch weitere Verbreitung verschafft und zubilligt. Dialekt ist gerade bei Lokalradios heutzutage Standard - mit Ausnahme der Nachrichtenbulletins. Selbst in den «heiligen» Sendegefässen des Staatsfernsehens SF DRS wird immer mal wieder Dialekt verwendet. Selbst im Printbereich gibt es Ansätze: die Pendlerzeitung «Blick am Abend» lässt alle paar Monate eine Ausgabe in Dialekt schreiben.

Das muss erlaubt sein, schliesslich ist Deutsch auch aufgrund der von vielen Kleinstaaten geprägten Geschichte der deutschsprachigen Landen von Niederösterreich über Sachsen, Vorpommern, Schleswig-Holstein und das Rheinland bis ins Südtirol und Oberwallis eine sogenannt plurizentrische Sprache. Eine Sprache mit vielfältigsten dialektalen Färbungen, wie sie eigentlich ganz natürlich ist (beim Französischen war das früher auch noch viel eher der Fall).

Standardisierung ist ein imperiales Konzept. Eine Vereinheitlichungsmaschine, die grosse Landstriche und Bevölkerungsmassen auf Linie bringen soll. Mit ähnlichen Sprachen können Nationen zusammengezimmert werden, wegen besserer Verständigung und der Schaffung einer neuen Identität. Die gewonnene Schlagkraft kann dann in die Eroberung von Kolonien - oder sonstige Ausdehnung der eigenen Einflusssphäre umgesetzt werden. Standardsprache ist kulturelle Machtentfaltung.

Zerreissprobe Erster Weltkrieg

In der prosperierenden, langen Zeit relativen Friedens von 1871 bis 1912 spürte man in der Schweiz zwar die Muskeln des Deutschen Reichs, fühlte sich aber nicht unmittelbar bedroht. Mit der auf globalen Massstab ausgeweiteten Neuauflage des Konflikts Deutschland - Frankreich stellte sich aber die Frage, ob man nun deutsch sei oder französisch. Oder eben etwas Eigenes.

Die Eliten beidseits des Röstigrabens, die die jeweilige Standardsprache der grossen Hegemonialmächte zur kulturellen Abgrenzung von den niederen Ständen verwendeten, mussten sich entscheiden. Und sie entschieden sich für die Schweiz. Für ein Land mit sprachlichem Erbe aus mindestens drei nationalen Kulturkreisen (Deutschland, Frankreich, Italien) aber eben eigener Identität.

Historischer Zufall?

Die Frage der Journalistin Julia Wartmann von der Limmattaler Zeitung: «Warum wird in der Schweiz überhaupt noch Dialekt gesprochen, während in Deutschland die Standardsprache dominiert?» wurde von der Sprachwissenschaftlerin Ingrid Hove wie folgt beantwortet:

«Die Tatsache, dass in der Schweiz immer noch Mundart gesprochen wird, ist ein historischer Zufall. Im 18. und 19.  Jahrhundert hatte sich das sogenannte Hochdeutsch als Alltagssprache in Deutschland ausgebreitet, und zwar tendenziell von Norden nach Süden. Diese Entwicklung war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar in Basel und Zürich angekommen.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs distanzierten sich die Schweizer jedoch bewusst von Deutschland und behielten ihre Dialekte bei. War man vor etwas mehr als hundert Jahren noch davon überzeugt, dass sich die Standardsprache auch in der Schweiz als Alltagssprache durchsetzen würde, ist eine Abwendung vom Schweizerdeutschen heutzutage nicht in Sicht

Wenn man den 1. Weltkrieg als Zufall ansieht, dann ist wohl auch der Entscheid für den Dialekt einer.

Ich glaube allerdings, dass diese Entwicklung angesichts der Grundkonstruktion der Schweiz als eine Art Antithese zum Konzept «sprachlich homogener Nationalstaat» zwingend war. Zur Sicherung seines Überlebens ist unser Land nun einmal auf eine eigene Identität angewiesen. Und die ist letztlich auch eine Frage des eigenen sprachlichen Ausdrucks. Ein mündlicher Aufstand gegen alle Standardisierungsversuche.

Quelle

Samstag, 1. August 2015

Zäune aufrecht erhalten - für gute Nachbarschaft

Wenn es um Zäune geht, dann ist Bruder Niklaus von Flüe, der Schweizer Nationalheilige, ein prominenter Ratgeber. Seine an die Eidgenossen des 15. Jahrhunderts gerichtete Mahnung «Machet den zun nit zu wit» wurde zwar erst vom Chronisten Hans Salat (1537) überliefert. Sie ist aber gemeinsam mit dem ebenso berühmten Zitat: «Mischet Euch nicht in fremde Händel» einer der wirkungsmächtigsten Ratschläge in diesem Lande - und das de facto seit Jahrhunderten.

Auch der diesjährige Festredner an der Weiacher Bundesfeier nimmt dieses Bild vom Zaun, den es aufrecht zu erhalten gilt, auf. Ob Bruder Klaus heute dieselbe Stossrichtung vertreten würde ist offen. Lesen Sie unten, was einer der amtierenden Gemeinderäte von Weiach, Thomas Steinmann, heute zu sagen hatte.

Hinweis: Wie bereits bei seiner 1.-August-Rede 2011 (Titel: «Zuwanderung und Entsolidarisierung machen Sorgen») hat WeiachBlog auf Wunsch und in Absprache mit Steinmann für die zu publizierende Fassung gewisse Anpassungen vorgenommen. Der kursiv gesetzte Text ist von ihm. Die Zwischentitel sind redaktionelles Beiwerk und sollen die Navigation im Text erleichtern.

1. Augustrede 2015
von Thomas Steinmann, Gemeinderat, Weiach

«Geschätzte Weiacherinnen und Weiacher, geschätzte Festbesucher und Helfer!

Die Einladung des Turnvereins Weiach, hier an diesem Geburtstag der Schweiz ein paar Worte an Sie zu richten, erfüllt mich mit grosser Freude.

Gerne möchte ich es darum nicht unterlassen, Ihnen, den Bürgerinnen und Bürger der Schweiz zum 724-jährigen Bestehen, zu gratulieren.

Auch die besten Grüsse des Gemeinderates zu diesem würdigen und traditionsreichen Fest möchte ich Ihnen überbringen und einen grossen Dank aussprechen, dass Sie diesen historischen Anlass mit uns so zahlreich feiern.

Weiach selber feiert seinen 744-jährigen Geburtstag, denn es wurde bereits 20 Jahre vor der Schweizerischen Eidgenossenschaft erstmals urkundlich erwähnt.

Der 1. August wurde 1891 offiziell zum Bundesfeiertag erklärt und das kam so: Die Berner wollten 1891 das 700-jährige Bestehen ihrer Stadt feiern. Sie teilten dem Bundesrat mit, es käme ihnen gelegen, wenn der 600-jährige Geburtstag der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit ihrer Feier verbunden werden könnte.

Zugegeben: der 1. August als Datum des Rütlischwurs ist historisch nicht belegt. Im Bundesbrief heisst es lediglich: "Im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August".


Rückblick auf die letzten beiden Jahrzehnte

Dennoch ist der Schweizer Nationalfeiertag seit 1994 gesamtschweizerisch ein arbeitsfreier Tag, nachdem das Schweizer Stimmvolk die Volksinitiative «für einen arbeitsfreien Bundesfeiertag» (die sogenannte «1. August-Initiative») am 26. September 1993 angenommen hatte. Zuvor hatte der Tag lediglich in einigen Kantonen diesen Status.

Seit dem EWR-Nein am 6. Dezember 1992, eine Vorlage, die sowohl am Ständemehr wie am Volksmehr scheiterte, ging es mit der Schweiz nur bergauf.

Dazumal hinterlegte der Bundesrat anfangs 1992 bereits ein EU-Beitritts-Gesuch in Brüssel, weil er nie mit einem Nein gerechnet hatte, sprachen sich doch nicht nur der Bundesrat, sondern auch das Parlament mit allen grossen Parteien für einen Beitritt aus. Jedoch hatten Sie die Rechnung ohne den Souverän gemacht.

Gefühlte Freiheit dank direkter Demokratie

Dieser einschneidende Politikwechsel der Schweizerischen Eidgenossenschaft hat nach meiner Einschätzung nur Positives gebracht:

Heute sind wir das reichste Land auf dieser Erde bei einem durchschnittlichen Bargeld-Vermögen von 146'500 Euro pro Kopf, gefolgt von der USA mit 119'570 Euro pro Kopf und auf dem 3. Platz Belgien mit 78'300 Euro.

Im Weiteren sind wir obendrauf noch das glücklichste Land der Welt, gemäss dem World Happiness Report 2015. Zu dieser Erkenntnis gelangten Forscher, welche die Faktoren Einkommen, Lebenserwartung, soziales Netzwerk und die gefühlte Freiheit mit 158 Ländern verglichen hatten.

Vor allem die gefühlte Freiheit gefällt mir. Dies verdanken wir unserer direkten Demokratie – in der der Souverän die oberste Instanz ist. Oder wenigstens sein sollte.

Jetzt möchte ich in meiner Rede noch auf zwei Punkte eingehen:

1. will ich Ihnen einen geschichtlichen Rückblick auf ein buntes Bouquet von Jubiläen der Schweiz geben; und

2. ein paar politische Denkanstösse zum Thema "Liebe Deinen Nachbarn, reiss aber den Zaun nicht ein", mitgeben.

Vier Jubiläen - mit Wirkung für uns Heutige

Was für geschichtliche Jubiläen nebst dem eigentlichen Geburtstag feiert die Schweiz dieses Jahr noch?

Es sind zusammengezählt 2000 Jahre geschichtliche Ereignisse, welche die Schweizerische Eidgenossenschaft geprägt haben und derer wir in diesem Jahr gedenken: Die Schlacht am Morgarten im Jahr 1315 und die bei Marignano 1515. Dann die Eroberung des Aargaus im Jahre 1415, und der Wiener Kongress  von 1815.

Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit zurückerinnern, wie uns der Geschichtslehrer die Jahreszahlen der beiden Schlachten mittels einer Eselsbrücke beigebracht hat. 13 Uhr 15 und 15 Uhr 15! Wir sollten sie uns mittels der Uhrzeit einprägen. Diese Eselsbrücke hat stets funktioniert und ich kann noch heute die Schlachten aufzählen.

Doch was verbirgt sich nun tatsächlich hinter diesen Jahreszahlen und welche Auswirkungen haben sie auf die Eidgenossenschaft?

Morgarten 1315

Über die Schlacht am Morgarten um 1315 wurde schon viel gestritten, vor allem ob sie tatsächlich so stattgefunden hat, wie berichtet wird. Über den eigentlichen Verlauf und den genauen Ort ist wenig bekannt. Klar ist nur: Weil die Schwyzer im Streit um Alpweiden im Jahre 1314 das Kloster Einsiedeln geplündert hatten, zogen sie den Zorn des Schirmvogt des Klosters, des Habsburger Herzogs Leopold, auf sich. So kam es, wie es kommen musste, dass sich die noch junge Eidgenossenschaft erstmals mit Waffengewalt verteidigte.

Hätten die Schwyzer, Urner und Unterwaldner das stolze habsburgische Heer auf offenem Feld gestellt, so hätten sie wohl verloren. Sie nutzen jedoch geschickt das Gelände. Griffen dort an, wo sich der Gegner nicht zum Angriff formieren konnte und trieben das gut gerüstete Heer mit Ross und Mann in die sumpfigen Wiesen am Ägerisee. Dank ihren spezifischen Waffen, den Hellebarden, und dieser Strategie der Überraschung aus dem Hinterhalt, welche für den Adel von dazumal ungehörig war, lebte die Schweizerische Eidgenossenschaft weiter.

Aargau 1415

Um was ging es bei der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415? Vorweg: als ehemaliger Aargauer stimmt mich dieses geschichtliche Ereignis schon etwas nachdenklich. Aber da ich jetzt Zürcher bin, stehe ich auf der „Gewinnerseite“.

Zurück zum eigentlichen Hergang: der deutsche König Sigismund forderte die Eidgenossen zum Einmarsch in den damals habsburgischen Aargau auf. Ursache dieser Aktion war der habsburgisch-österreichische Herzog Friedrich IV., der einem der drei damals gleichzeitig amtierenden Päpste, Johannes XXIII., zur Flucht aus der Stadt Konstanz verholfen hatte. Sigismund, der schon lange mit Friedrich IV. Streit hatte, sah dies als Chance, seinem Widersacher zu schaden.

Die Eidgenossen erhielten also sozusagen den Auftrag, den Aargau zu besetzen, obwohl sie erst drei Jahre zuvor einen Friedensvertrag mit Österreich abgeschlossen hatten. Bern zeigte am wenigsten Skrupel und liess sofort Truppen losmarschieren. Zürich und die Innerschweizer Orte zögerten wegen des Friedensvertrages zunächst, zogen aber dann dennoch los, um den Bernern nicht alles überlassen zu müssen.

Noch während des Feldzugs einigte sich König Sigismund mit dem Habsburger. Aber da hatten die Eidgenossen weite Teile des Aargaus schon fest im Griff – und gaben sie nicht mehr her.  Bern behielt die eroberten Gebiete im Unteraargau (daher der Begriff „Berner Aargau“)  und Zürich bekam den heutigen Bezirk Affoltern, besser bekannt als Säuliamt, sowie das nordwestlich davon gelegene Kelleramt zugesprochen. Das ist übrigens heute wieder aargauisch.

Marignano 1515

Was geschah in Marignano im Jahr 1515? Die Schlacht bei Marignano fand am 13. und 14. September 1515 in der italienischen Lombardei statt und war eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Eidgenossen und Frankreich um das Herzogtum Mailand. Die Niederlage bei Marignano beendete die Expansionsbestrebungen der Eidgenossen. Es war die letzte grosse Schlacht, an der die alte Eidgenossenschaft beteiligt war.

In der Schlacht kämpften 22‘000 Eidgenossen gegen 45‘000 Franzosen, Venezianer und Landsknechte und erlitten eine bittere Niederlage - mit rund 10‘000 Verlusten. Die Eidgenossenschaft zahlte einen hohen Blutzoll.

War diese Schlacht die Geburtsstunde unserer heutigen Neutralität? Im 19. Jahrhundert wurde die Niederlage von Marignano jedenfalls als Beginn der schweizerischen Neutralitätspolitik gedeutet. Diese Sichtweise der Schlacht kommt auch in der Aufschrift Ex Clade Salus («Aus der Niederlage das Heil») auf dem Denkmal in Zivido (bei Melegnano) zum Ausdruck.

Und so falsch war das ja wohl nicht, denn seither hat sich die Schweiz aus allen grösseren Konflikten herausgehalten. Kurze Zeit nach dieser blutigen Niederlage spaltete sich das Land in reformierte und katholische Gebiete. Wie wäre das wohl herausgekommen, wenn die Eidgenossen auch danach noch überall in der Grossmachtpolitik mitgemischt hätten, wie noch 1515 in Marignano?

Wiener Kongress 1815

Nun zum letzten geschichtlichen Höhepunkt, den ich in dieser heutigen Feier ansprechen will, dem Wiener Kongress 1815.

Nachdem das französische Kaiserreich mit seinem Anführer Napoleon Bonaparte zerbrach, wurde der sogenannte Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 durchgeführt. Ziel dieses Kongresses war es, Europa neu zu ordnen: zahlreiche Grenzen mussten neu festgelegt, neue Staaten gebildet werden. Diesmal aber im Sinne der alten Ordnung – nicht der revolutionären von Napoleon.

Diese Neuordnung betraf auch die heutige Schweiz: Die Schweiz musste das Veltlin, Chiavenna und Bormio sowie die Stadt Mülhausen im Elsass endgültig aufgeben. Als Ausgleich wurden ihr jedoch das ehemalige Fürstbistum Basel, das ehemals österreichische Fricktal, die Herrschaften Rhäzüns und Tarasp sowie einige Gemeinden in der Umgebung von Genf zugesprochen. Der Wiener Kongress anerkannte die inneren und äußeren Grenzen der Schweiz und ihrer Kantone wie auch die Zugehörigkeit des Wallis, des Fürstentums Neuenburg und Genfs als neue Kantone.

Keine der damaligen Grossmächte wollte der anderen die alleinige Kontrolle über die strategisch wichtigen Alpenübergänge zugestehen. So ist letztlich die heutige bewaffnete Neutralität entstanden, welche an diesem Kongress von den beteiligten Parteien bezeugt und kurze Zeit später offiziell anerkannt wurde.

Letztlich hat dieser Wiener Kongress also auch den heutigen Bundesstaat Schweiz ermöglicht, mit der ersten Bundesverfassung von 1848, und so quasi die Schweiz, die wir heute kennen.

Von Zäunen und guter Nachbarschaft

Doch welche Themen beschäftigen mich (oder vielleicht auch Sie?) gerade heute in Europa oder auf der Welt?

Ich habe zuletzt von den Grenzen der Schweiz gesprochen. Erlauben Sie mir darum, das nächste Thema anzusprechen: „Liebe deinen Nachbarn, reiss aber den Zaun nicht ein“.

Ebenso könnte ich aus Schillers „Wihelm Tell“ zitieren: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Dieses Zitat sagt aus, dass auch friedfertige Menschen durch ihre Umwelt in Streit oder in eine Auseinandersetzung hineingezogen werden können.

Nicht alle sind uns wohlgesonnen

Wir werden immer mehr in die Knechtschaft der restlichen Welt hinein manövriert durch gesetzliche Vorschriften (denken Sie an die Weissgeldpolitik, Steuerabkommen, automatischen Informationsaustausch etc.), durch Mitmachen bei politischen Institutionen (Stichworte: Europäischer Gerichtshof, Menschenrechtskonvention, usw.) oder durch den Ausverkauf unseres Sozialsystems wegen der nicht enden wollenden Zuwanderung in die Schweiz.

Wir Schweizer wollen eigentlich in Frieden leben, doch einige unserer Nachbarn oder sogenannte Freunde suchen immer neue Wege, wie sie der Schweiz schaden können.

Unsere Bundesverfassung ist die oberste Instanz und zeigt uns unsere rechtlichen Grenzen auf. Jedoch werden diese rechtlichen Grenzen von anderen Ländern gar nicht mehr oder nur teilweise akzeptiert und sie versuchen ihre Rechtsprechung bei uns anzuwenden. Dies auch mit bereits grossen Erfolgen – für diese Fremden.

Das ist leider Preis unseres Wohlstandes, den wir zahlen müssen. Die Frage ist nur, wie lange wir noch das zahlen können oder wollen.

Die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa sagte einmal: „Es ist leicht, weit entfernte Nachbarn zu lieben. Es ist aber nicht immer leicht, diejenigen zu lieben, die gleich neben uns wohnen.“

Erst in einer Krise sieht man, wer ein guter Nachbarn oder Freund ist.

Versagen der Migrationspolitik

Die Migrationspolitik hat in Europa versagt, weil sie die Flüchtlingsströme aus Eritrea und Somalia und aus den nordafrikanischen Gebieten nicht eindämmen kann. Das Dublin-System hat versagt, weil die südlichen Länder in Europa (Italien, Griechenland, etc.) den grössten Teil der bei ihnen ankommenden Flüchtlinge nicht registrieren und weiterziehen lassen – obwohl sie nach Recht und Gesetz für die Erfassung verantwortlich wären.

Im Kanton Tessin ist die Hölle los, weil tagaus tagein Hunderte in die Schweiz einreisen wollen. In den meisten Kantonen müssen zusätzliche Infrastrukturen errichtet und bestehende erweitert werden. In Deutschland werden Turnhallen gefüllt und in Frankreich leben Flüchtlinge in Zelten unter Brücken in der Hauptstadt oder an den Stränden am Mittelmeer. In Syrien tobt ein Bürgerkrieg, mit 9 Millionen Menschen auf der Flucht - und die politischen Institutionen auf der Welt schauen weg.

Hier geht es, dass die EU wegschaut, weil sie überfordert ist. Bei der Regulierung der Personenfreizügigkeit mit der Schweiz stellt sie sich aber stur. Mit der Zuwanderungsinitiative möchte der Schweizer die Lebensqualität schützen. Doch dies wird vom Nachbarn nicht anerkannt.

Die Uhr läuft und bereits ist seit der Abstimmung über die Zuwanderung in der Schweiz wieder eine Stadt wie St. Gallen gebaut worden – 75'000 neue Einwohner!

Als Vergleich zu einem früheren Erzfeind der Eidgenossen, den Habsburgern: 

  • Österreich hat eine Fläche von 84‘000 km2 und 8.5 Millionen Einwohner.
  • Die Schweiz hat mehr als die Hälfte (41‘000 km2) weniger Fläche, aber 8.2 Millionen Einwohner und somit die doppelte Dichte wie unser Nachbarland, also 200 Menschen pro km2.

Österreich hat seine Grenzen für weitere Flüchtlinge soeben geschlossen! Und wir haben das Gefühl, dass wir bis ins Jahr 2035 eine Bevölkerung von 10.4 Millionen locker wegstecken können?

Helfen - aber am richtigen Ort

Der Druck auf die Schweiz nimmt auch hier immer grössere Dimensionen an. Es kommen immer mehr Menschen mit anderen kulturellen oder religiösen Einstellungen in die Schweiz und das Zusammenleben wird dadurch nicht vereinfacht – im Gegenteil.

Ich will damit nicht sagen, dass die Schweiz nicht helfen sollte. Jedoch muss das in einem gesunden Mass erfolgen.

Das richtige Mittel ist, die Flüchtlinge vor Ort zu betreuen und die Hilfe direkt dort einzubringen.
Aber die Schweiz kann das Versagen anderer nicht im Alleingang bewältigen. Hier ist daher eine Zusammenarbeit mit anderen sinnvoll. Was nützt aber eine Zusammenarbeit mit anderen politischen Organisationen wie der UNO, wenn sie durch Vetos der grössten Nationen, wie den Vereinigten Staaten von Amerika und Russland, ausgebremst werden können? Sobald diese Nationen keinen Vorteil für sich sehen, blockieren Sie die nötige Hilfe, wie einen möglichen Einsatz in diesen betroffenen Gebieten. Die hierher Flüchtenden werden aber dort gebraucht – in ihren Heimatländern. Für den dortigen Wiederaufbau.

Eigene Grenzen aufzeigen. Und sie verteidigen

Umso wichtiger ist es, dass wir stets unsere wohlwollende Diplomatie anwenden, jedoch unsere Zäune klar aufrecht halten, so dass wir uns gegen Fremde oder böse Nachbarn zur Wehr setzen können und unsere oberste Rechtsprechung schützen und verteidigen können.

Eine gute Nachbarschaft funktioniert nur, wenn die Grenzen klar ersichtlich sind. Dieses System fängt unmittelbar bei meinem Nachbar an und hört an den Landesgrenzen auf. Um die Grenzen zu verteidigen kommt im schlimmsten Fall die Armee zu Hilfe – jedenfalls sofern sie nicht ständig mit Reformen beschäftigt oder mit Finanzierungsfragen ausgebremst wird.

Daher erinnere ich Sie, liebe Festbesucher, an den  inoffiziellen Wahlspruch der Schweizerischen Eidgenossenschaft, der im 19. Jahrhundert geprägt wurde: „Unus pro omnibus, omnes pro uno“.  Bekannt aus dem Roman „Die drei Musketiere“ des französischen Schriftstellers Alexandre Dumas: Einer für alle, alle für einen. Und zu bewundern auf einer Glasmalerei im Bundeshaus.
Schützen wir daher unsere Grenze, unseren Wohlstand, vor allem aber unsere traditionellen Werte und Weltanschauungen in der Schweiz, sodass wir auf unser Land, unsere Kultur und unsere direkte Demokratie weiterhin stolz sein können.

Macht mit! Für unsere direkte Demokratie!

Gehen Sie darum an die kommenden Wahlen im Herbst, wo das neue Parlament gewählt wird! Gehen Sie an die Urne! Leben sie unsere direkte Demokratie, denn nur so können wir unser Land vorantreiben. Sie können selber mit Ihrer Stimme ein Zeichen setzen und für die nächste Generation die richtige Weiche stellen.

Dank an die Helfer im Hintergrund

Nun möchte ich nur noch Danke sagen.  Einen grossen Dank möchte ich dem heutigen Festwirt, dem Turnverein Weiach, aussprechen. Ohne sie fände hier heute keine 1. Augustfeier statt. Sie haben diesen Anlass organisiert und umgesetzt. Dank Ihnen werden wir heute Abend kulinarisch verwöhnt mit Speis und Trank. Danke vielmals.

Diese Mannen werden in nächster Zukunft ein noch grösseres Fest feiern und organisieren können, nämlich das 100- jährige Bestehen ihres Vereins. Dieser würdenträchtige Anlass findet mit einem zweitägigen Fest am 26./27.Mai 2017 statt. Eine Woche vorher findet am 21. Mai 2017 das kantonale Schwingfest ebenfalls unter der Obhut des Turnvereins hier in Weiach statt.

Der Turnverein Weiach lädt Sie jetzt schon für diese Feierlichkeiten ein und wir wünschen uns jetzt schon für diese Festlichkeiten das beste Wetter, heitere Stunden der Gemütlichkeit und rege Beteiligung aus der ganzen Region. Uns ist es auch bewusst, dass es für unsere Dorfvereine und freiwilligen Helfern eine enorme Belastung geben wird. Schon jetzt möchten wir allen Vereinen und freiwilligen Helfern unseren Dank aussprechen, dass sie diese grossen Anlässe unterstützen werden, so dass es ein voller Erfolg wird und bei uns stets in Erinnerung bleibt.

Ebenso danke ich der Männerriege Weiach, welche dieses Jahr die Ehre hat, das 1. Augustfeuer im Gebiet Stocki anzuzünden.

Vielen herzlichen Dank an diese Vereine, dass Sie unseren heutigen traditionellen Bundesfeier-Anlass in Weiach ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen, verehrte Festbesucher, heute noch heitere Stunden, mit guten Gesprächen und dem Geniessen des Augustfeuers.

Erhebt die Gläser und trinken wir auf das Wohl der Schweiz. Auf dass Sie so bleibt, wie wir Sie lieben.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Wir singen nun gemeinsam die Landeshymne.»

Soweit die für die Publikation aufbereitete Rede von Thomas Steinmann.

Kommentar WeiachBlog: Abgrenzung vom Imperium

Eine Variante seines Plädoyers für die Aufrechterhaltung von Zäunen gibt der Chefredaktor der Weltwoche, Roger Köppel, in seinem Editorial «Ja zur Schweiz» (Die Weltwoche, Ausgabe 31/2015 | Freitag, 31. Juli 2015). Lead: «Der Nationalstaat bleibt der einzige funktionierende Rahmen für Demokratie, Rechtsstaat und Machtkontrolle. Die Schweiz ist zukunftsweisend als eine Verwirklichung der Demokratie

Aus Köppels Text sei hier nur noch folgender Abschnitt zitiert: «Die Schweiz, formulierte der Germanist Karl Schmid, ist ein «schroffes Nein» zum ­europäisch-zentralistischen Verwaltungsstaat. Sie hat sich ihren Platz auf der poli­tischen Landkarte hart und unter Opfern ­erkämpfen müssen. Die militärischen Erfolge im 14. und 15. Jahrhundert von Morgarten bis Sempach und Murten/Nancy legten die Grundlage

Womit wir wieder beim Selbstbehauptungswillen und den aufrechtzuerhaltenden Zäunen wären.

Gerade die Einschätzung des Germanisten Prof. Dr. Karl Schmid sollte uns zu denken geben. Föderalismus hat nämlich viel mit guten Zäunen zu tun. Imperien, wie auch die immer zentralistischere EU eines ist, haben es viel eher mit dem Niederreissen derselben.