Montag, 2. November 2015

Kaiserstuhler Bäckerdynastie Geugel vor 50 Jahren in Ruhestand

Die Jahreschroniken von Walter Zollinger enthalten auf den letzten Typoskript-Seiten jeweils die Rubrik «Nachbarliches». Mit gutem Grund, denn etliche Gewerbetreibende, Ärzte etc. fanden die Einwohner von Weiach schon vor Jahrzehnten nur ausserhalb der eigenen Gemeindegrenzen. So war es ab 1958 auch, wenn man eine Bäckerei suchte, denn:

«Von jetzt an [1. April 1958] verkauft die ″Landwirtschaftl. Genossenschaft″ sämtliche Backwaren. Diese werden nun im Wechsel die eine Woche von Herrn Bäckermeister Hch. Hintermann Stadel und die andere Woche von Herrn Bäckerm. Emil Geugel Kaiserstuhl geliefert.» (zit. n. WG(n) Nr. 101, S. 394; Original: G-Ch Weiach 1958, S. 18)

Die Weiacher Konkurrenz war nach Auskunft des Sohnes des letzten Weiacher Bäckers eingegangen, weil er selber sie nicht weiterführen wollte. Dazu hatte er keine Lust, denn der Verdienst war nicht gerade berauschend und ausserdem habe es in Kaiserstuhl geheissen, der Weycher Beck habe «z’grossi Löcher im Brot», das Brot der beiden Kaiserstuhler Bäcker Jedele und Geugel sei viel fester. (WG(n) 101 , S. 390)

Ab 1958 konnten die Weiacher also vergleichen, welcher Bäcker der bessere war. In Kaiserstuhl gab es schon wenige Jahre später einen Wechsel, wie der Zollinger'schen Jahreschronik 1965 zu entnehmen ist:

«Die Bäckerei Geugel Kaiserstuhl, die auch nach Weiach Brot lieferte, geht mit dem 2. November an Fam. Kurt Meier-Kunz über. Seit 72 Jahren lag sie in den Händen der Familien Geugel (Vater, Sohn, Witwe).» (G-Ch Weiach 1965, S. 25)

Quellen


[Veröffentlicht am 4. Januar 2016]

Samstag, 31. Oktober 2015

Zehn Jahre WeiachBlog

«Einszweidrei, im Sauseschritt - Läuft die Zeit; wir laufen mit.» So textete Wilhelm Busch 1877 zu seinem Cartoon «Julchen».

Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass - je älter man wird - die Zeit immer schneller läuft. Wohl weil ein Jahr im Vergleich zu den bisher bereits erlebten Jahren einen immer kürzeren Zeitraum des Lebens ausmacht. Für einen Fünfjährigen ist ein Jahr 20%. Für einen Fünfzigjährigen nur noch 2%.

WeiachBlog hat am 31. Oktober 2005 das Licht der Welt erblickt, feiert also heute den 10. Geburtstag. Nach dem zum ersten Jahrestag (Ein Jahr WeiachBlog), dem zum zweiten (2 Jahre WeiachBlog) und dem zum fünfjährigen (WeiachBlog wird fünf Jahre alt) hier wieder einmal ein Rückblick in eigener Sache.

Änderung der Prioritäten

Zuerst einmal ist festzuhalten, dass es schon ziemlich ruhig geworden ist. Jedenfalls verglichen mit der stürmischen Anfangsphase, in der fast jeden Tag ein Artikel erschienen ist. Mittlerweile werden es selten mehr als zwei, drei Artikel pro Monat. Und der Grund ist ganz einfach: andere Prioritätensetzung beim Autor. Da kommt das Bloggen meist weit, weit hinten auf der Liste.

Dass dem wirklich so ist, zeigt die Aktualisierung der vor fünf Jahren erstmals aufgestellten, rein quantitativen Bilanz. In den verflossenen 10 Jahren:
  • wurden 1239 Artikel publiziert, d.h. für jeden dritten Tag einer (nach 5 Jahren waren es 946, also im Schnitt zu jedem zweiten Tag einer);
  • gab es darauf insgesamt 576 veröffentlichte Kommentare - reiner Spam wurde gelöscht (nach fünf Jahren waren es bereits 529);
  • ergibt dieses Material formatiert auf Lauftext-Grösse «Arial 12 Punkt» inkl. Vorwort und Inhaltsverzeichnis rund 1655 A4-Seiten (nach fünf Jahren: 1300 Seiten!)

Viele Seitenaufrufe - wenige Favoriten

Auch nach 200'000 von Blogger geloggten Seitenaufrufen in den letzten fünf Jahren hat sich eines nicht geändert: dass nämlich einige wenige Artikel häufiger (z.T. mehrmals täglich) aufgerufen werden - die grosse Mehrheit hingegen eher selten, einige fast gar nie. Das Phänomen ist unter der Bezeichnung «Long tail» bekannt (vgl. Der Wert von WeiachBlog).

Alle diese Beiträge haben eines gemeinsam: sie stehen - wählt man die Begriffskombination im Titel als Suchbegriffe - bei Google (und anderen) auf der ersten Resultat-Seite. Meistens sogar zuoberst. Der langjährige Rekordhalter - ein Artikel zum 15. Jahrestag des Flugzeugabsturzes von Alitalia AZ 404 - rangiert auch heute noch immer auf dem ersten Platz. Er wird aber wohl über kurz oder lang von der Nummer 2, einem Beitrag mit dem simplen Titel «Alte Monatsnamen» überholt. Der hat nämlich im Monatsvergleich jeweils deutlich mehr Klicks als sein früher publizierter Konkurrent.

[Veröffentlicht am 3. April 2016]

Freitag, 30. Oktober 2015

Oktoberwetter 1965: auch der Nebel «kochte» mit

Im September vor 50 Jahren stellte sich nach der sehr nassen Witterung der Vormonate die Frage, ob es für die Trauben noch reichen würde (vgl. WeiachBlog vom 30.9.2015). Offenbar hatten die Weiacher damals im Oktober Wetterglück, wenn man Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1965 folgt:

«Oktober. Höchsttemperaturen morgens 12°, mittags 19°, abends 14°
Tiefsttemperaturen morgens 2°, mittags 4°, abends 2°.
Die erste Woche war wirklich ordentlich warm (19, 17, 15, 13° um mittag herum). Erst ab dem 10.10. bleibt das Thermometer am mittag meist um 10° herum stehen, am Morgen und Abend entsprechend tiefer. Immerhin war es, mit Ausnahme der 3 Tage vom 24. bis 26. Oktober, nie unter 5°, sodass dieser Monat doch noch recht ausgiebig zum bessern Ausreifen des Obstes und der Trauben beitrug. Auch der viele Nebel an den Morgen (14mal) "kochte" also mit. Die Nachmittage und Abende waren sehr oft recht sonnig (13mal); oftmals zwar stand der Himmel hinter einer Wolkendecke verborgen (10 ganze u. 7 halbe Tage), stark bewölkt waren 5 ganze u. 2 halbe Tage; Regen fiel sehr wenig in diesem Monat, nämlich an 2 ganzen Tagen und 2mal des nachts. Auch der Wind verschonte uns. Ich notierte nur 3 Tage mit spürbarem Luftzug. Natürlich beginnt unter diesen Umständen jetzt das Obsten und Wümmen; am 14.10. sah ich den ersten Bauern, der seine Direktträger heimholte. Auch mit Obstpflücken begann alles; der Ertrag ist allerdings nur mittelmässig nach diesem nassen Sommer. Tafelobst ist rar, dagegen hat es genug Mostobst.
»

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 8-9. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

[Veröffentlicht am 4. Dezember 2015]

Dienstag, 20. Oktober 2015

Immer noch eine SVP-Hochburg

Bei den diesjährigen Wahlen für den Nationalrat und den Ständerat, die beiden Kammern des nationalen Parlaments der Schweiz, ist für Weiach nichts wirklich Überraschendes herausgekommen. Erneut hat sich bestätigt, was seit Jahren klar ist: Weiach ist immer noch eine SVP-Hochburg. Damit könnte man diesen Artikel bereits zum Abschluss bringen. Die Details sollen den Leserinnen und Lesern des WeiachBlog trotzdem nicht vorenthalten werden.

Ständerat: Vogt wäre gewählt

Bei den Ständeratswahlen sieht man den SVP-Effekt besonders schön. Diese Wahlen sind immer noch stark davon abhängig, welche Person sich zur Wahl stellt. Umso interessanter der Umstand, dass Hans-Ueli Vogt, ein Universitäts-Professor und dazu bekennender Schwuler, mit Abstand am meisten Stimmen auf sich vereint:
  • Vogt, SVP: 168
  • Noser, FDP: 96
  • Jositsch, SP: 92
  • Vereinzelte: 63
  • Girod, GP: 29
  • Bäumle, GLP: 26
  • Schmid-Federer, CVP: 24
  • Ingold, EVP: 21
  • Herzog, Piraten: 1
  • von Allmen, ECOPOP: 1
Damit gingen 32.2% aller Stimmen an den SVP-Kandidaten (absolut weniger Stimmen als mit 197 auf der SVP-Liste für den Nationalrat, wo man immerhin noch streichen und panaschieren kann). Gerade noch 18.4% konnte sich die FDP sichern. Dicht dahinter die SP mit - Jositsch sei Dank - stolzen 17.6%. Das sind über zwei Drittel aller Voten. Immerhin 12% gingen an Vereinzelte, d.h. nicht auf den offiziellen Wahllisten aufgeführte Personen.

Nachdem nur Jositsch den Sprung nach Bern im ersten Anlauf geschafft hat, wird die Ausmarchung nun wohl zwischen Vogt und Noser entschieden. Spannend wird sein, was die Linkswähler bei dieser Ausgangslage tun: auf einen Bürgerlichen setzen oder doch den Grünschnabel Girod wählen.

Nationalrat: Absolute Mehrheit für SVP

Bei den NR-Wahlen standen 35 Listen zur Auswahl (was in der Menge ungefähr den 25 Listen im Kanton Bern entspricht). Von den 869 Wahlberechtigten beteiligten sich immerhin 40.85% an den Nationalratswahlen (was beim Vergleich mit emotional diskutierten Sachvorlagen eher wenig ist). Von den 355 gültig eingelegten Wahlzetteln waren 158 unveränderte Listen, 192 veränderte (d.h. kumuliert, panaschiert oder sogar frei zusammengestellt).

Klare Wahlsiegerin in Weiach ist die SVP mit einem Plus von 4.81% (verglichen mit 2011), gefolgt von der SP mit +2.30%. Die Überraschung sind die Grünen mit einem kleinen Zugewinn von +0.14%. Auf tiefem Niveau ebenfalls praktisch stabil die EVP: -0.01.

Alle anderen Parteien haben teils massiv Wähleranteile eingebüsst. Grosse Verlierer in Weiach: BDP -2.63%, CVP -1.67%, FDP -1.53% sowie GLP -1.24%. Auch die EDU hat Terrain verloren: -0.57%. Völlig bedeutungslos geworden sind bei den Hiesigen die Schweizer Demokraten (SD) - abgestürzt von 0.30 auf 0.02%!

Erreicht wurden folgende Anteile: SVP 56.41%, SP 12.09%, FDP 8.17%, EVP 4.68%, glp 4.66%, BDP 4.46%; Grüne 2.37%, CVP 2.01%, EDU 1.34%, jEDU 1.17%, Piraten 0.60%, JUSO 0.55; AL 0.35%, TPS 0.31%, JSVP 0.30. Alle übrigen Listen erreichten lediglich 0.1% oder weniger.

Würden die Parlamentarier nach den Weiacher Resultaten nach Bern entsandt, so ergäbe sich bei den ersten 28 von 35 Sitzen folgende Verteilung: 19 SVP, 4 SP, 2 FDP, 1 EVP, 1 glp, 1 BDP. Der Rest würde nach Listenverbindungen verteilt (eine komplizierte Rechnung, die ich mir hier erspare).

Berücksichtigen muss man indes die vielen Verflechtungen unter den Listen. So gibt es vier grosse Blöcke, denen lediglich 6 Listen nicht angehören (Liste 10 Schweizer Demokraten (SD), Liste 11 Unabhängigkeitspartei up!, Liste 17 Anti-PowerPoint-Partei. Liste 24 DU Die Unpolitischen, Liste 34 Flückiger Hans Ulrich (Hanf Ueli), unabhängig. Liste 35 Schweizer Freiheit und Recht)

Die grossen Blöcke sind (vgl. die Übersicht Listenverbindungen):
I SVP/EDU/Auto
II Sozialdemokraten/Grüne/Zentrumspartei/AL/PdA/K+P
III FDP
IV GLP/BDP/CVP/EVP/ECOPOP/Piraten/TPS

Köppel räumt auch in Weiach ab

Der neu kandidierende Chef der Weltwoche, Roger Köppel, kam in Weiach besonders gut an: 2.1% aller Stimmen entfielen allein auf ihn. Ansonsten war das Resultat weitgehend von den Kumulierungen und Panaschierungen auf den SVP-Listen dominiert:
  1. Köppel 250; Listenplatz 17
  2. Steinemann 229; Listenplatz 11 (Watt-Regensdorf)
  3. Rickli 226; Listenplatz 1
  4. Heer 216; Listenplatz 3
  5. Rutz 200; Listenplatz 7
  6. Sulser 200; Listenplatz 18 (Otelfingen)
  7. Matter 199; Listenplatz 9
  8. Fehr 197; Listenplatz 4 (Eglisau)
  9. Vogt 197; Listenplatz 10
  10. Schläpfer 193; Listenplatz 22
  11. Langhart 193; Listenplatz 23
  12. Hauser 193; Listenplatz 27 (Hüntwangen)
  13. Haab 192; Listenplatz 12
  14. Stahl 191; Listenplatz 5
  15. Suter 191; Listenplatz 28
  16. Lehmann 190; Listenplatz 20 (Glattfelden)
  17. Egloff 187; Listenplatz 6
  18. Walliser 187; Listenplatz 14
  19. Tuena 187; Listenplatz 16
  20. Kuoni 187; Listenplatz 19
  21. Zanetti 186; Listenplatz 15
  22. Hübscher 185; Listenplatz 31
  23. Mörgeli 184; Listenplatz 2
  24. Trachsel 181; Listenplatz 13
  25. Schibli 180; Listenplatz 8 (Otelfingen)
  26. Liebi 180; Listenplatz 24
  27. Hofer 181; Listenplatz 30
  28. Scheck 181; Listenplatz 33
  29. Oswald 179; Listenplatz 26
  30. Rogenmoser 179; Listenplatz 34 (Bülach)
  31. Krebs 178; Listenplatz 21
  32. Frei 178; Listenplatz 25
  33. Walder 177; Listenplatz 29
  34. Dalcher 169; Listenplatz 32
  35. Fischer 161; Listenplatz 35
Bei der SP kam Jositsch auf 84 Stimmen, Hardegger auf 67 (Gemeindepräsident von Rümlang), Badran auf 58, Galladé auf 54 und Naef auf 51. Die neu gewählte Min Li Marti holte lediglich 42 Stimmen. Ohne Proporzwahlrecht hätte auch die drittplatzierte FDP kaum Chancen, ginge es nur nach Weiach: Noser 56 Stimmen (wenig, verglichen mit den 96 im Ständeratswahlkampf), weiter Fiala 36 und Bigler 34. Auch da: ein Gewerbler erhält in Weiach nicht viele Stimmen, wenn er nicht auf einer SVP-Liste steht. Ingold von der EVP kam auf 36 Stimmen (mehr als im Ständeratswahlkampf mit 21!), Bäumle von den Grünliberalen auf 41 (ebenfalls mehr als für den Ständerat; dort 26). Bei der CVP schliesslich zeigte sich der «Bauerneffekt»: Winkler (Landwirt aus Ellikon a.d.Th.) kam auf 31 Stimmen, die in den Nationalrat gewählte Quadranti holte in Weiach nur 26 Stimmen.

[Veröffentlicht am 11. März 2016]

Montag, 12. Oktober 2015

Jakob Meyerhofer - im Aktivdienst 1915 umgekommen

Vor hundert Jahren blieb es den Schweizer Wehrmännern erspart, von feindlichen Kugeln, Granaten, etc. zerfetzt und in den Schützengräben in sinnlosem Stellungskrieg verheizt zu werden.

Dennoch: Kriege fordern Opfer. Zivile und militärische gleichermassen. Und die meisten von Ihnen kommen nicht etwa durch direkte Gewalteinwirkung seitens des Aggressors ums Leben. Nein, sie fallen ganz banalen Unfällen, Krankheiten und dergleichen anheim.

So war es hierzulande auch im 1. Weltkrieg. Am 12. Oktober 1915 wurde ein Weiacher Soldat zu Grabe getragen, ums Leben gekommen bei einem tragischen Unfall.

Die Zusendung des nachstehenden Ausrisses aus der Zürcher Wochenchronik verdanke ich Willi Baumgartner-Thut:

WEHRSTAND

+ Jak. Meyerhofer von Weiach, Soldat, Guid. Schw. 36

Anläßlich der Wiedermobilisierung der 4. Division war die Landw.-Guiden-Schwad. 36 zum aktiven Dienst nach Zug auch einberufen. Das Schicksal wollte es, daß schon am ersten Tage ihres Dienstes ein Soldat durch Unglücksfall das Leben einbüßen mußte.

Meyerhofer, Jakob, Soldat der Guiden-Schwadron 36, wurde beim Transporte von Pferden vom Stellungsplatze nach den Stallungen von einem Pferdehufschlag so unglücklich am Kopfe getroffen, daß er auf der Stelle liegen blieb. Abends gegen 7 Uhr fanden ihn seine Dienstkameraden in bewußtlosem Zustande und leisteten ihm die erste Hilfe. Sie verbrachten ihn nach dem Bürgerspital, wo die ärztliche Untersuchung rechtsseitige Schädelzertrümmerung und Hirnverletzung feststellte. Ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb er nach zwei Tagen, am 8. Oktober, nachmittags 4 1/2 Uhr, in Gegenwart seiner herbeigeeilten jungen Gattin.



Ein kurzes ehrendes Wort sei dem allgemein beliebten Verstorbenen anmit als bescheidener Nachruf gewidmet: Jakob Meyerhofer ist 1875 als Sohn einer in weitem Umkreise in hohem Ansehen stehenden Landwirtsfamilie in Weiach geboren. Er war berufen, sich der Landwirtschaft zu widmen. Nach mit Auszeichnung bestandener Schulzeit begann er sein Wirken auf dem Gute seines Vaters. Schon von Anfang an zeigte er Schaffensfreude, und überall wo Arbeit war, sah man ihn fleißig mitarbeiten. Immer mehr entwickelten sich in ihm Energie und Liebe zu dem einmal begonnenen Berufe; er nahm mit Interesse Anteil an allen Unternehmungen seines Vaters, zeigte klares Verständnis für alle Fragen und wurde zum eifrigen Mitförderer für fortschrittliche Einrichtungen. An dem Aufschwunge und der Blüte ihres Betriebes fällt ihm nicht geringes Verdienst zu. Auch in Gemeindeangelegenheiten beteiligte er sich und war gerne gesehenes Mitglied verschiedener Verwaltungskommissionen.

Er war ein unermüdlicher Arbeiter, gewissenhaft in Erfüllung seiner Pflichten und die schwer zu ersetzende Stütze seines nun betagten Vaters. Bescheidenheit, goldlauterer Charakter, Freundlichkeit, humanes Handeln machten ihn zum allgemein beliebten Mann.

Den Verhältnissen gemäß ging er vor einem Jahre daran, sich selbständig zu machen, bezog ein zugekauftes Heimwesen mit extra darauf neuerbautem Wohnhaus und wähnte sich mit seiner ihm letztes Frühjahr angetrauten lieben Gattin glücklich darin. Hoch freute er sich, eine blühende Existenz geschaffen zu haben und stolz war er darauf, bald Vater werden zu dürfen.

Es sollte aber anders werden. - Er wurde für einige Tage zum Militärdienst einberufen und nachdem er mit Sorgfalt und Mühe noch alles geordnet und bestellt hatte - nichts durfte fehlen - verließ er am frühen Morgen des 6. Oktober Haus und Hof. Als gesunder Mann, der er immer war, und als schöner, strammer Soldat zog er hinaus in den Dienst fürs Vaterland, im Weggehen den Seinen noch zurufend: "Ja ich komme ja bald wieder heim." Tatsächlich hätte er schon am 9. Oktober, als an seinem Geburtstage, wieder heimgehen dürfen, aber ein Befehl höherer Macht kam diesem zuvor und beorderte ihn da hinüber, wo ewiger Friede herrscht.

Der Kommandant der Guid.-Schw. 36, Herr Hauptmann Boller, gerührt von Mitleid für die Angehörigen, äußerte großes Bedauern über den auf diesem unglücklichen Wege erfolgten Verlust des ihm als guten Soldaten bekannt gewordenen J. Meyerhofer; das gleiche ließen die Unteroffiziere und Soldaten der Guiden-Schwadron auch bekunden.

Am 9. Oktober fand die Ueberführung der Leiche nach Weiach statt. Offiziere des Platzkommandos Zug und eine Abteilung der Haub.-Batt. 79 gaben ihr das Ehrengeleite bis zum Bahnhof daselbst. Die militärische Beisetzung am 12. Oktober in Weiach gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung, wie sie wohl an diesem Orte noch nie gesehen worden ist. Die Massenteilnahme gab beredtes Zeugnis dafür, was der Verstorbene im Leben gewesen ist. Leute aus weiter Umgebung und die Guid.-Schw. 36 vollzählig nahmen daran teil. Die Kirche vermochte sie nicht alle zu fassen. Bei der kirchlichen Feier zeichnete der Herr Pfarrer ein Lebensbild des Verstorbenen, wie es erhebender und schöner nicht sein kann. Dann folgte am Grabe ein militärischer Akt, der gewaltigen Eindruck machte. Die ganze Trauerversammlung nahm Aufstellung auf dem Friedhofe, in der Mitte die Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten der Guid.-Schw. - In markanter, tiefergreifender Ansprache spendete Herr Hpt. Boller der Trauerfamilie Trost und dem ihm einst Unterstellten den Abschiedsgruß.

Namens der Kameraden trug Guide Pfister einen in rührenden Versen gereimten Nachruf vor, worauf Feldw. Vogt den Ehrengruß, "drei Salven", folgen ließ. Dann schloß sich das Grab über einem zur ewigen Ruhe gebetteten guten Kameraden, einem treuen Freund und Bürger. U.


Damit verlassen wir die Bühne der Beerdigung des heute vor 100 Jahren verabschiedeten Weiachers und wenden uns dem militärischen Hintergrund zu.

Guiden und Dragoner

Meyerhofer war also ein Guide - und diese taten ihren Dienst zu Pferde. Nach Angaben auf den Webseiten der Compagnie 1861, einer historischen Sektion des kantonalen Unteroffiziersverbandes Zürich und Schaffhausen, bestand die Aufgabe der Guiden «hauptsächlich aus Melde- und Stafettendienst, Bewachung der Hauptquartiere der Divisionen sowie aus heerespolizeilichen Aufgaben». Leicht anders formuliert die Funktionsbeschreibung auf derselben Website (Beschreibung der Dragoner): «Guiden. Letztere waren für den Aufklärungs- und Heerespolizeidienst bestimmt, oder waren den Divisionsstäben zugeteilt für Kurier- und Staffettendienst». Und für solche Aufgaben nimmt man in der Regel die erfahrenen, älteren Semester. Dass die Guiden-Schwadron 36 eine Landwehrformation war, passt also ins Bild. Bei den Dragonern hingegen waren mehrheitlich Wehrmänner des Auszugs eingeteilt, denn die Dragonerschwadronen waren die Kampfverbände der Kavallerie.

Kantonale Militärhoheit

Eine Suche auf dem Schweizer Archivportal archives-online.org zeigt, dass die Guiden-Schwadron 36 entweder eine Thurgauer oder eine Schaffhauser Einheit war:
  • Staatsarchiv des Kantons Thurgau (StATG): «4'423'35: Guiden Schwadron 36, s.d. (sine dato)»
  • Staatsarchiv des Kantons Schaffhausen (StASH): «Militaria 5/370: Korpskontrolle, Guiden, Schwadron 36 und 41, Landwehr. Enthält Personalien, Details der Dienstleistungen, Beförderungen, Bemerkungen. ca. 1890-ca. 1920»
Da der Thurgauer Bestand gemäss der übergeordneten Archiveinheit nur bis ca. 1906 reicht, ist es durchaus möglich, dass die Schwadron 36 im Jahre 1915 schaffhausisch war. Genauer liesse sich das abklären, wenn die Sperrfrist des Schaffhauser Staatsarchivs nicht bis Ende 2020 laufen würde.

Wie dem auch sei: die sehr traditionsbewussten Kavallerie-Einheiten gehörten als kantonale Formationen sozusagen zu deren Kernbestand. Einen der Gründe für diese Zuordnung erklärt der Artikel zur Schweizer Kavallerie auf Wikipedia (Stand am 15. Oktober 2015):

«Die Militärorganisation von 1907 war ein Kompromiss, der dem Umstand Rechnung trug, dass die vollständige Zentralisierung des Militärwesens bei der Volksabstimmung von 1895 scheiterte. Die Kantone stellten weiterhin die Dragonerschwadronen und beschafften deren persönliche Ausrüstung. Die Militärorganisation 1907 brachte die Unterstellung der Guiden auf die sechs Divisionen (je eine Abteilung zu zwei Kompagnien).

Der Erste Weltkrieg mit seiner erhöhten Feuerkraft, den Giftgaseinsätzen und dem Umstand, dass die Dragoner während der Grenzbesetzung zu Fuss dienten, stellte die weitere Existenz der Kavallerie in Frage. 1916 waren die 24 Dragoner-Schwadronen in vier Kavallerie-Brigaden zu zwei Regimentern mit je drei Schwadronen eingeteilt. Daneben gab es zwölf Guiden-Schwadronen und acht Mitrailleur-Schwadronen. Damit wurde der Höchststand mit 6'600 Mann erreicht. 1918 musste die Kavallerie beim Generalstreik die innenpolitisch heikle Aufgabe des Ordnungsdienstes übernehmen.
»

Gerade dieser Auftrag kam nicht von ungefähr, handelte es sich doch bei den Kavalleristen meist um konservativ eingestellte Soldaten vom Land, die mit den sozialistischen Ideen der Streikenden nicht viel am Hut hatten. Fraternisierungen waren da nicht zu befürchten.

Eine Chronik aus der Stadt Zürich

Schliesslich sei noch kurz etwas zur Herkunft des Ausrisses, der Zürcher Wochen-Chronik erwähnt, die zwischen 1899 und 1918 herausgegeben wurde. Auf der Website Alt Züri steht dazu:

«Die Wochenchronik erschien als Loseblattausgabe wöchentlich am Samstag und berichtete über Amtliches, Strassenbauarbeiten, Kurioses, Unfälle, Polizeinachrichten sowie liebevolle Bildreportagen aus den Quartieren, der Region und einzelnen Bauwerken. Die Loseblattausgaben wurden dann nach Jahrgängen, pro Buch ein Jahrgang, zur Buchausgabe gebunden. Format 25.5 x 32 cm, zwischen 400-600 Seiten, je nach Jahrgang.» Als Verlag zeichnete das «Art. Institut Orell Füssli».

Wer sich weiter in die Zürcher Wochen-Chronik vertiefen möchte, findet sie im Staatsarchiv des Kantons Zürich (StAZH Dm 25; Jg. 17 (1915)), im Stadtarchiv Zürich (STAR (Zürich) Pd 3 USTAR) oder im Schweizerischen Landesmuseum (SLM Ze ZH 9).

Quelle
  • Zürcher Wochen-Chronik, Jg. 17 (1915), S. 373-374
[Veröffentlicht am 10. November 2015]

Mittwoch, 30. September 2015

Septemberwetter 1965: ein paar schöne Nachmittage

Dass die Vegetation witterungsbedingt ziemlich im Rückstand war vor 50 Jahren, das hat sich in etlichen Wetter-Artikeln gezeigt, vgl. u.a. den zum August 1965. Reichlich Regen, nasse Wiesen, rotbraunes Futter: wahrlich kein gutes Jahr für die Landwirtschaft. Und in diesem Stil ging es auch im September weiter. Jedenfalls vorerst:

«September. Er beginnt in der ersten Woche mit wechselvoller Witterung, bald bedeckt, dann wieder bewölkt bis sonnig, aber auch Regenschauer dazwischen. Schlimmes Wetter für's Emden, aber auch für's Reifen von Obst und Trauben, Bohnen und anderem Gemüse gar nicht günstig. So geht’s fort bis zum 14.9. Darum ist auch jetzt noch der Wasserstand bei Rheinfelden überdurchschnittlich, nämlich:

am 6.9. langjähriges Mittel 1'026 m3/skde
tatsächliche Wasserführung 1'373 m3/skde
Vorjahr gleiche Zeit 686 m3/skde

Ab mitte Monat bessert's beträchtlich, da kommt endlich eine Reihe z.T. sehr schöner Nachmittage. Am Vormittag schleicht jeweils noch der Nebel um die Höhen, wie es ja im September üblich und auch recht ist; der "Traubenkocher" ist um diese Zeit willkommen. Die schönen Nachmittage reizen die Bauern zum nochmaligen Emden, wo wenigstens noch etwas zu holen ist. Gegen Ende Monat gibt's wieder eher unfreundliches Wetter; einzig der letzte Tag, der 30.9. ist wieder angenehm mild, sogar leicht sonnig am Nachmittag und Abend.

Höchsttemperaturen morgens 14°, mittags 20°, abends 16°
Tiefsttemperaturen morgens 5°, mittags 10°, abends 8°

Obst und Trauben stehen natürlich auch im Rückstand, man wird noch auf den Oktober hoffen müssen, vielleicht bringt er mehr Wärme und sonnigere Tage zum bessern Ausreifen.
»

Immerhin. Wenigstens ein paar schöne Nachmittage. Aber ob das für die Trauben gereicht hat?

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1965 – S. 7-8. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1965].

[Veröffentlicht am 8. November 2015]

Mittwoch, 16. September 2015

Einsatz der Massenmigrationswaffe gegen Europa?

Die neue Völkerwanderung ist Tatsache und Europa erweist sich in der Organisationsform EU in den letzten Tagen einmal mehr als unfähig, die geostrategisch richtigen Antworten zu finden. Das ist leider keine Neuigkeit, denn die Geschicke des Kontinents werden spätestens seit dem Ende des 2. Weltkriegs im Wesentlichen von Supermächten ausserhalb ihrer Grenzen gelenkt - trotz der Wirtschaftsmacht der EU-Staaten.

Dennoch reibt man sich die Augen. Die Migrationsströme aus und über «gescheiterte Staaten», an deren Zusammenbruch gerade die westliche Supermacht USA alles andere als unschuldig ist, sind ja nun weiss Gott keine Neuigkeit. Warum hat Europa keine (gemeinsamen) Massnahmen vorbereitet? Ist das nur Unwissenheit, Dummheit, Unfähigkeit oder gar Absicht?

Wie die Waffe funktioniert

Man hätte es längst wissen können. Bereits 2011 hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) das 2010 erschienene Buch «Weapons of Mass Migration» der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Kelly M. Greenhill rezensiert. Die heute an der Tufts-Universität tätige Professorin kam damals auf den ziemlich beunruhigenden Schluss, dass die EU die Sanktionen gegen Muammar al-Gaddafi 2004 primär deshalb ausser Kraft setzte, weil dieser sich bereit erklärt habe, den anschwellenden Strom afrikanischer Migranten nach Europa einzudämmen. Es spricht einiges dafür, dass das stimmt: Gaddafi betonte ja bis kurz vor seinem Ableben immer wieder, dass nur ein funktionierender libyscher Staat (unter Leitung seines Clans) verhindere, dass sich Abertausende von seinen Gestaden aus auf den Weg ins gelobte Land (d.h. Europa) machten. Anders ausgedrückt: er setzte auf «migrationsgestützte Nötigung» (Greenhill) und liess sich sein Wohlverhalten mit Milliarden-Zahlungen abgelten.

Greenhill zeigte, dass diese Art von Erpressung keineswegs so selten vorkommt wie man vermuten könnte. Sie ist wohl eine der mächtigsten Waffen überhaupt. Massenmigrationswaffen werden nach Greenhill definiert als «grenzüberschreitende Bevölkerungsbewegungen, die absichtlich erzeugt oder manipuliert wurden, um von einem Zielstaat oder Zielstaaten politische, militärische und/oder wirtschaftliche Zugeständnisse zu erzwingen» [zit. n. Wisnewski 2014]. Man kann damit allerdings durchaus auch wirklich umwälzende Veränderungen geostrategischen Ausmasses anstreben, nämlich die faktische Ausschaltung oder gar Auslöschung der Zielstaaten.

Unterwanderungsstrategie

Strategisch eingefädelte Massenmigration wird gemäss Greenhill oft nicht als solche erkannt und wenn doch, wird ihre Bedeutung unterschätzt. Man sieht das Phänomen, erkennt aber die eigentlichen Hintergründe nicht. Nehmen wir die aktuell nach Europa einflutenden Syrer und Kurden (um nur zwei Volksgruppen zu nennen) als Beispiel. Ohne den gezielt inszenierten Bürgerkrieg gegen den syrischen Machthaber Assad und den orchestrierten Aufstieg des in vorher (durch Interventionen des Westens) destabilisierten Regionen wütenden Islamischen Staats, wären diese Leute kaum alle miteinander auf die Idee gekommen, alles zurückzulassen wofür sie und ihre Vorfahren ihr Leben lang gearbeitet haben, um ihr Heil bei uns zu suchen.

«Überschwemmung» mit Migranten ist eine erfolgversprechende Methode. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein industrialisierter Staat eine liberale Politik verfolgt, die Stammbevölkerung tendentiell überaltert ist und eine tiefe Reproduktionsrate aufweist. Wenn die Integration in die bestehende Gesellschaft und den Arbeitsmarkt scheitert, dann belasten Migranten nicht nur die Sozialbudgets, sondern befeuern vor allem auch soziale Spannungen jeglicher Art. Und zwar sowohl bei den ursprünglichen Einheimischen, die sich bedrängt fühlen durch Konkurrenz um Jobs und fremde kulturelle Standards, sondern auch bei den Neuankömmlingen und ihren im Zielland geborenen Kindern, die feststellen müssen, dass die Perspektiven im gelobten Land auch alles andere als golden sein können und sie alles andere als willkommen sind.

Genau dieser mittel- und langfristige Destabilisierungseffekt - ausgelöst durch die Überforderung der Integrationskraft einer bestehenden Gesellschaft im Zielgebiet - kann das Kriegsziel des Angreifers sein. Die Zielländer der erfolgreichen Masseneinwanderung sind dann nämlich mit den Folgen der Migration mehr als nur beschäftigt - im schlimmsten Fall werden sie selber zu gescheiterten Staaten.

Wenn man sich die alles entscheidende Frage «Cui bono?» («Wem nützt's?») stellt, dann kommt man nicht umhin, aus mannigfachen Indizien (z.B. diesen Aussagen US-amerikanischer Exponenten, von ex-NATO-General Wesley Clark über Barack Obama bis zu George Friedman, dem Direktor des Think Tanks STRATFOR) den Schluss zu ziehen, dass gerade die Massenmigration von kulturell dem europäischen Abendland völlig fremden Menschen zur gezielten strategischen Unterwanderung Europas eingesetzt werden soll. Mit anderen Worten: dass die Türkei, Saudi-Arabien und Katar (um nur die wichtigsten Unterstützer zu nennen), gezielt die Islamisierung Europas anstreben. Denn wo sollen denn all diese (z.T. völlig unqualifizierten) Neuankömmlinge ein Auskommen finden? Europa kämpft ja schon ohne sie mit Massenarbeitslosigkeit und völlig zerrütteten Staatsfinanzen. So gesehen werden die Immigranten zu einer potenten Waffe.

Wenn man ausserdem die Worte Friedmans ernst nimmt, dass die Kombination deutscher Intelligenz und Finanzkraft mit russischen Rohstoffen und Arbeitskraft (also letztlich eine eurasische Allianz von Lissabon bis Wladiwostok) eine der wenigen Entwicklungen ist, welche die USA wirklich beunruhigen, weil sie sie existentiell gefährden könnten und wenn man weiss, dass sich die USA in den nächsten Jahrzehnten auf die Pazifikregion konzentrieren wollen, um das aufstrebende China in Schach halten zu können, dann kann man sich leicht vorstellen, wie nützlich diese Migranten sind, um Europa zu beschäftigen und einen Keil zwischen die west- und osteuropäischen Staaten zu treiben (man vergleiche die Reaktionen Ungarns und Deutschlands auf den Massenansturm und die aufgeregten gegenseitigen Vorwürfe ihrer führenden Politiker). In Kombination mit den Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO sowie mit dem gezielten Ausnützen von Spannungen innerhalb der EU, der Ukraine und anderer osteuropäischer Staaten im ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion verhindert diese Strategie letztlich ein Zusammengehen Deutschlands und Russlands.

Und was heisst das für uns?

Bezogen auf die Schweiz bedeutet dies meines Erachtens folgendes: wir sollten uns all dieser strategischen Interessen bewusst sein und uns von jeglichen Grossmachtgebilden distanzieren, seien es die USA, die EU, die NATO oder andere Machtblöcke. Eine institutionelle Einbindung in die EU, wie das von Brüssel immer wieder gefordert wird, ist ein unkalkulierbares Risiko für unsere Sicherheit. Im Binnenverhältnis gilt es primär, die Integrationskraft der Gesellschaft zu stärken - und zwar mit allen Mitteln, denn es gibt nichts Gefährlicheres als Ansammlungen von desillusionierten Menschen, die nichts zu verlieren haben und von fremden Interessen instrumentalisiert werden können.

Weil weder die Gemeinde Weiach, noch der Kanton Zürich und auch die Schweiz keine wirtschaftlichen Inseln sind, wird dies aber nur gelingen, wenn man sich wachen Sinnes allen Herausforderungen stellt - und dennoch nie vergisst, was die Willensnation Schweiz im Innersten zusammenhält. Das ist eine Herkules-Aufgabe. Aber wir dürfen ihr nicht ausweichen. Das sind wir den Gründern unseres Staatswesens, den heute hier Lebenden und letztlich der Zukunft dieses Planeten schuldig.

Weiterführende Artikel

Dienstag, 15. September 2015

Zehn Jahre www.weiach.ch

Heute vor 10 Jahren hat die Gemeinde Weiach erstmals ihre Website www.weiach.ch auf dem Netz aufschalten lassen. Sie war mit ihrem Webauftritt eine der letzten politischen Gemeinden im Kanton Zürich - aber immerhin nicht die letzte im Bezirk Dielsdorf.

Wie es dazu kam und wie der Autor des WeiachBlog die Neuerscheinung kommentiert hat, kann in den Weiacher Geschichte(n) Nr. 71 nachgelesen werden: «Keine verspielte, teure und nutzlose Selbstdarstellung». Zur Erstaufschaltung der Website der Gemeinde Weiach – 15. September 2005. (Im Oktober 2006 ging dann übrigens auch die Reformierte Kirchgemeinde Weiach online, vgl. den Beitrag auf WeiachBlog vom 15. Oktober 2006.)

Zweites Redesign

Sozusagen auf das 10-Jahr-Jubiläum hin hat sich die Gemeinde eine Auffrischung des Designs geleistet. Die letzte solche Aktion erfolgte vor drei Jahren noch unter dem früheren Präsidenten Paul Willi, wobei damals leider weitgehend «alter Wein in neuen Schläuchen» angeboten wurde, vgl. den WeiachBlog-Beitrag vom 27. Mai 2012, der etliche Mängel auflistet, sowie den Beitrag vom 7. Mai 2012: «ffnungszeiten». Gemeindewebsite völlig veraltet.

Angekündigt wurde die Neuerung in den jüngsten Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW; September 2015, S. 4):

«Gerne informieren wir Sie darüber, dass am 1. September 2015 die neue Homepage der Gemeindeverwaltung Weiach aufgeschaltet wird. Die neugestaltete Website bietet den Besuchern neue Dienstleistungen an wie zum Beispiel den Online-Schalter, von welchem man schnell und einfach die gewünschten Formulare oder Verordnungen herunterladen oder auch ausdrucken kann. Ausserdem besteht auf der neuen Homepage die Möglichkeit den Gemeindesaal direkt von zu Hause oder unterwegs mit dem neuen Online-Reservationssystem zu reservieren oder sich durch die Bildergalerie mit neu gemachten Bildern der Gemeinde Weiach zu klicken.

Wir freuen uns, wenn Sie einen Blick auf die neue Homepage werfen und hoffen, dass wir Ihnen mit den neuen Dienstleistungen weiterhelfen können.

Neben der neuen Homepage wird es auf der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit geben, Zahlungen über ein Zahlterminal durchzuführen. Mit Hilfe des Zahlterminals können Zahlungen am Schalter nicht mehr nur bar, sondern auch mit EC-Karten sowie Postfinance-Karten ausgeführt werden.
»

Seit dem 1. September ist tatsächlich der neue Webauftritt online - samt aktuellem MGW September 2015 (was sonst nicht immer auf den Monatsersten klappt).



Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Als langjähriger Beobachter des Webauftritts stellt man fest: endlich ist auch auf der Weiacher Gemeindeverwaltung die Erkenntnis angekommen, dass die wichtigsten Grundlagen aufs Netz gehören.

Besonders lobenswert sind aus der Sicht des Stimmbürgers die «Weisungshefte und Protokolle» zu den Gemeindeversammlungen, die separat und parallel zu den MGW bislang nur in gedruckter Form in die Briefkästen verteilt wurden. Aktuell online: die Dokumente zur «Gemeindeversamlung vom 10. Juni 2015» [sic!].

Weiter ist eine ganze Reihe von Erlassen und Dokumenten, die im Leben der Gemeinde von einiger Wichtigkeit sind, nun endlich online verfügbar: Allgemeine Bedingungen für Baubewilligung, Bau- und Zonenordnung, Bau- und Zonenplan, Gesuch Wasseranschluss, Friedhofsverordnung, Spesenbeleg, Wirtepatent, Wirtepatent befristet mit Polizeistundenverlängerung, Gemeindesaal Benützungsreglement, Anmeldung Sozialhilfe, Abfalldokumentation, Abfallkalender 2015, Gebührenverordnung SEVO, Siedlungsentwässerungsverordnung (SEVO), Wasserreglement mit Gebühren-Verordnung.

Zwei Wochen nach dem Designwechsel ist nun die bei der Neuaufschaltung am 1. September noch fehlende Polizeiverordnung ebenfalls online verfügbar. Wenn auch nur das Hauptdokument. Der Anhang zur PolVo Weiach, das «Reglement über das gemeinderechtliche Ordnungsbussenverfahren» samt Ordnungsbussenliste fehlt hingegen nach wie vor.

Wieso fehlt die Verfassung?

Völlig unverständlich ist, weshalb die «Gemeindeordnung» fehlt. Dabei handelt es sich immerhin um die Verfassung der Gemeinde - und ausgerechnet die kann man weder herunterladen noch in den Warenkorb legen. Liebe Gemeindeverwaltung: stellt bitte endlich auch die Gemeindeordnung als PDF ins Netz. Solltet ihr die nicht in elektronischer Form vorliegen haben kann man sie notfalls retrodigitalisieren. Das ist heutzutage keine Hexerei mehr - zumal ihr ja junge Mitarbeiter in der Kanzlei habt, die das als Digital Natives mit links können sollten.

Nach wie vor mangelhafte Qualitätssicherung

In Bezug auf die Qualitätssicherung muss nach wie vor Remedur geschaffen werden. Es macht einen denkbar schlechten Eindruck wenn gleich auf der Titelseite etliche Schreibfehler auftauchen: wie «Jugenschiessen» oder «Ausstelllung». Oder von der «Gemeindeversamlung» die Rede ist. Oder auf jeder Seite unten ein Link «zum Seitananfang» steht.

Ist in den Erfassungsmasken keine Rechtschreibkorrektur eingebaut? Oder ist es den Verantwortlichen ganz einfach egal? Dieser Missstand ist übrigens seit Jahren immer wieder festzustellen (auf der Website wie in den MGW), wie Stilblüten à la «Amtilche Publikation» belegen, vgl. nachstehendes Bild vom Juni 2012 (noch mit dem alten Design).



Neuer Webdesigner

Wie man der praktischen Fussleiste (siehe Bild unten) mit den Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung entnehmen kann, wurde der neue Auftritt auch von einem neuen Designerteam gestaltet. Grundlage für die Gemeindewebsite ist nicht mehr die seit 2005 verwendete GemWeb-Umgebung der innovative Web AG aus Zürich. Neu kommt das Produkt eines ausserkantonalen Unternehmens zum Einsatz (vgl. Impressum):

«Gemeinsam mit der Internetagentur backslash AG, Frauenfeld, und deren eGovernmentlösung GOViS entwickelte die Gemeinde Weiach diese behindertengerechte und zukunftsgerichtete Website. Die Website wurde am 1. September 2015 aufgeschaltet.»



Preis-Leistungs-Verhältnis ausschlaggebend

Wie Gemeindepräsident Arnold heute gegenüber WeiachBlog auf telefonische Anfrage hin mitteilte, sei es mit dem alten Produkt nicht möglich gewesen, moderne Anforderungen (mehrere Bilder pro Seite etc.) zu realisieren. Deshalb habe sich der Gemeinderat von zwei Anbietern neue Lösungen präsentieren lassen. Bei Webauftritten sei es im übrigen wie bei Häusern, wo man den Architekten am Stil erkenne. Sie hätten sich deshalb auch mehrere Referenz-Websites anderer Gemeinden angesehen. Letztlich habe das Preis-Leistungs-Verhältnis den Ausschlag für den Anbieter aus dem Thurgauer Kantonshauptort gegeben.

Dass es auf der Website noch viel zu tun gibt, wird von Arnold keineswegs bestritten. Im Gegenteil. Er habe schon auf mehrere zu korrigierende Punkte hingewiesen, die nun von der Gemeindeverwaltung richtiggestellt werden müssten. Diese Wartungsarbeiten habe der Gemeinderat aus Kostengründen nicht an die backslash AG vergeben.

Nun, da darf man gespannt sein, wie sich das Baby «Website 2015plus» entwickelt.

Freitag, 11. September 2015

Der Callcenter-Pest den Riegel schieben

043 508 10 06, 043 508 11 19, 043 508 14 52, 043 508 23 68. Vier Telefonnummern, von denen aus ich in den letzten Tagen angerufen wurde. Ein Blick ins Telefonverzeichnis zeigt: das sind samt und sonders anonyme «Call Center».

Wie man einem Beitrag von SRF online vom 28. April 2015 entnehmen kann, stehen die wohl mehrheitlich irgendwo im Ausland:

«Die Callcenter rufen von Schweizer Festnetznummern aus an: Aber nur zum Schein. Die Nummern stehen nicht im Telefonbuch, sie sind Firmen zugeteilt, die ganze Nummernblöcke an Dritte weiter vermieten - auch ins Ausland. Spoofing nennt sich das zweifelhafte Verhalten dieser Callcenter. Die grossen Schweizer Callcenter würden nicht hinter den Anrufen stecken, sagt Dieter Fischer, Präsident des Verbands Callnet, in dem die grössten Schweizer Callcenter vertreten sind.»

Kommt noch dazu: Oft werden die Anrufe von Computern getätigt, die (ob wahllos oder systematisch sei dahingestellt) Mobiltelefon-Nummern aufrufen um zu testen ob sie aktiv sind oder nicht.

Solche Nummern sind oft nicht in öffentlichen Telefonverzeichnissen aufgeführt. Sie können also auch keinen Stern-Eintrag aufweisen, der signalisiert, dass die Person im Besitz des betreffenden Anschlusses keine Werbeanrufe wünscht. Diese wären gemäss Art. 3 Abs. 1 Bst. u UWG unlauterer Wettbewerb: Unlauter handelt, wer «den Vermerk im Telefonbuch nicht beachtet, dass ein Kunde keine Werbemitteilungen von Dritten erhalten möchte.»

Wieso stehen diese Firmen nicht mit Namen hin?

Eine Suche nach dem Begriff «Call Center» auf tel.search.ch ergibt zur Zeit 199 Einträge. Einige gehören eindeutig zu (teils namhaften) Firmen andere sind völlig anonym.

Gerade letzteres sollte gesetzlich verboten werden. Jedes Call Center ist eine geschäftlich tätige Entität, die gefälligst zu ihrem Tun zu stehen hat. Mit vollem Namen und Adresse. Alles andere ist meines Erachtens unlauterer Wettbewerb und sollte bestraft werden.

Das Gesetz ist da ganz deutlich (vgl. Art. 3 Abs. 1 Bst. s Ziff. 1 UWG):

«Unlauter handelt insbesondere, wer: [...] Waren, Werke oder Leistungen im elektronischen Geschäftsverkehr anbietet und es dabei unterlässt: [...] klare und vollständige Angaben über seine Identität und seine Kontaktadresse einschliesslich derjenigen der elektronischen Post zu machen.»

Leider können sich aber Call Center auf eine Ausnahmebestimmung in Art. 3 Abs. 2 UWG berufen:

«Absatz 1 Buchstabe s findet keine Anwendung auf die Sprachtelefonie und auf Verträge, die ausschliesslich durch den Austausch von elektronischer Post oder durch vergleichbare individuelle Kommunikation geschlossen werden.»

Hintertürchen schliessen!

Das SECO als zuständiger Regulator in dieser Sache muss sich die Frage stellen: weshalb hat man diese Hintertüre offengelassen?

Eine geeignete Gegenmassnahme gäbe es: die gemäss tel.search.ch 301 Nummern des 10'000er-Blocks 043 508 xx xx samt und sonders sperren. Die sind nämlich zu über 90% anonymen Call Centern zugeordnet.

Sollte sich die Qatar Airways (Zweigniederlassung Zürich: 043 508 05 78) daran stören, müsste sie halt ihre Nummer wechseln.

Nachtrag vom 14.9.2015

Auf der BAKOM-Seite https://www.eofcom.admin.ch/eofcom/public/listEofcom_e164Allocated.do kann man die E.164-Nummernblöcke abfragen und so herausfinden wer sie gemietet hat. Im Fall des 10'000er-Blocks 043508xxxx ist dies die Voxbone SA, Avenue Louise 489, 1050 Bruxelles, Belgien!

Freitag, 4. September 2015

Hagelzug 1715 und ein Bericht zur Sonnenfinsternis 1706

Vor 150 Jahren hat Rudolf Wolf in der Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft Zürich (1746 gegründet) ein paar Einträge zu Witterung, Ernte und anderen Besonderheiten aus «handschriftlichen Chroniken» veröffentlicht, die er in der Stadtbibliothek Winterthur gefunden hat. Leider gibt Wolf keinerlei Hinweise, aus welchen Unterlagen er da geschöpft hat (auch nicht im ersten Teil der Zusammenstellung). Eine Rückverfolgbarkeit ist daher sehr schwierig. Dennoch seien hier die Weiach betreffenden Einträge erwähnt.

Auf den Tag genau vor 300 Jahren traf ein Unwetter unsere Gegend, welches dergestalt war, dass es den Chronisten offenbar eine Notiz wert war: «1715 [...] IX 4 Hagel über Weyach, Eglisau, Rafzerfeld, Flachthal bis Winterthur.» (Wolf, S. 190)

Ebenso interessant ist der folgende Augenzeugenbericht zur grossen Sonnenfinsternis vom 12. Mai 1706 (vgl. dazu die weiterführenden Beiträge unten):

«1706 [...] V 12 von 10 Uhr an war ein Finsternuss, da war ich (Bucher) by der Metzg, da war die heilig Sonn so überal verfinstert, dass es so finster war, dass man bi Schrit in der Metzg einanderen nit känte und man sah den Himmel voller Sternen.» (Wolf, S. 189)

Quelle
Weiterführende Beiträge

[Veröffentlicht am 29. Dezember 2015]