Dienstag, 7. August 2018

Identitätspolitik, vermittelt via Gottfried Keller

Im Gemeinderat von Weiach hatten Frauen bekanntlich noch bis vor wenigen Monaten nichts zu sagen (bis zum Amtsantritt der Gemeindeschreiberin, vgl. auch WeiachBlog Nr. 766). Das heisst aber nicht, dass sie in jüngerer Zeit nicht prominent zu Wort gekommen wären. Und sei es auch nur anlässlich von Feierstunden wie der Ansprache zum Nationalfeiertag.

Gerechnet ab 2007 (dem ersten Jahr, in dem WeiachBlog eine 1. August-Rede publiziert hat) steht das Geschlechterverhältnis seit der diesjährigen Rede auf 8:3. Namentlich sind es: Barbara Steinemann, SVP aus Watt-Regensdorf (heute Nationalrätin, damals noch Kantonsrätin), Béatrice Wertli (CVP-Generalsekretärin) und Nationalrätin Natalie Rickli aus Winterthur (vgl. die Links auf die Reden früherer Jahre ganz unten in diesem Beitrag).

Im zweiten Anlauf hat's geklappt

Eigentlich wäre die SVP-Nationalrätin bereits 2012 als Rednerin vorgesehen gewesen. Aus dem Auftritt in Weiach wurde dann allerdings nichts (vgl. WeiachBlog Nr. 1109: Die ausgefallene 1. August-Rede). In diesem Jahr hat es nun endlich geklappt.

Die Spitzenpolitikerin der Zürcher SVP, die in den Nationalratswahlen 2015 auf dem ersten Listenplatz ins Rennen ging, ist zwar in Weiach von Roger Köppel und Barbara Steinemann überholt worden. Sie hat aber mit 226 Stimmen auch in unserem Dorf eine sehr solide Basis - um nicht zu sagen «Fangemeinde» (vgl. WeiachBlog Nr. 1238). Ganz im Gegensatz zu Christoph Mörgeli, der von den Hiesigen vom zweiten Listenplatz auf Platz 23 heruntergestrichen wurde.

PR-Profi im Kampf gegen die Technik

Rickli wäre nicht Rickli, wenn sie nicht auch diesen Auftritt professionell abgewickelt hätte. Die 42-jährige ist ein Kommunikationsprofi, war lange Jahre Mitarbeiterin der einflussreichen Goldbach Medien. Sie weiss auch sich selber effektiv zu positionieren. Schliesslich sind ja bereits 2019 wieder Wahlen und ausserdem munkelt man, sie habe Ambitionen auf einen Regierungsratssitz. Da zahlt es sich immer aus, wenn man sich den Bürgerinnen und Bürgern zeigt. Gerade auch in einer SVP-Hochburg, wie Weiach sie ist.

Und Rickli kann mit Social Media umgehen. Ankündigungen auf Facebook und Twitter sowie eine dauernd aktuell gehaltene Website sind selbstverständlich. Direkte Ansprache der Zielgruppe inklusive:
Die Bedingungen auf dem Weiacher Schulhausplatz sind bekanntermassen ungünstig. Denn natürlich schweben auch am Abend des Bundesfeiertags die Jets auf der Anflugschneise 14 nach Zürich-Kloten ein. Unter freiem Himmel gegen den in unschöner Regelmässigkeit servierten Fluglärm zu kämpfen (exakt alle 90 Sekunden), noch dazu mit nicht allzu effektiver Soundtechnik unterstützt, das ist kein Zuckerschlecken.

Etliche Anwesende dürften nicht allzu viel vom Gesagten mitbekommen haben. Allzu schlimm ist das nicht. Nationalrätin Rickli ist ja nicht gerade für rhetorische Feuerwerke bekannt. Ihre Stärke sind auf hohem Niveau erarbeitete Beiträge, wie der nachstehende. Selber verfasst, auf Punkt und Komma überprüft, mit Belegstellen für die Zitate versehen und kurz nach der Rede veröffentlicht. Und der Nachwelt zur Lektüre bereitgestellt.

Der Wiachiana-Verlag (Herausgeber des WeiachBlog) dankt Nationalrätin Rickli für die Erlaubnis zum ungekürzten Abdruck.

«Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe!»- Ansprache zur Bundesfeier 2018 in Turbenthal, Höri und Weiach ZH

Mittwoch, 1. August 2018

Heute feiern wir Geburtstag. Den 727. Geburtstag unserer schweizerischen Eidgenossenschaft. Ein Geburtstag, den wir nicht nur mit Freude, sondern auch mit Dankbarkeit begehen dürfen. Denn es geht uns gut. Wir dürfen froh sein, in diesem freien Land zu leben. Wir haben eine wunderschöne Heimat.

Was ist Heimat?

Gemäss Duden ist Heimat nicht nur das Land oder der Ort, in dem «man geboren und aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt», sondern auch ein «gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend». Gefühle sind ein ganz wichtiger Faktor, wenn es um Heimat geht. Dort hält man sich nicht nur gerne auf, sondern man hat den Ort oder das Land, wo man sich daheim fühlt, auch gerne.

Diese positiven Gefühle lassen sich mit einem Wort umschreiben: «Liebe». Liebe zum Vaterland. Heimatliebe. Und Sachen, die man gern hat, denen trägt man Sorge. Und wir müssen Sorge tragen zur Schweiz.

Zürich – der schönste Kanton der Schweiz

Was ist für mich Heimat? Wo fühle ich mich daheim? Dies habe ich mir bei den Vorbereitungen zur heutigen Ansprache überlegt. Natürlich fühle ich mich als Schweizerin, aber auch als Zürcherin und als Winterthurerin!

Darum will ich heute nicht nur zum Geburtstag der Eidgenossenschaft sprechen, sondern dies insbesondere auch als stolze Zürcherin tun und unseren Kanton auch etwas ins Zentrum stellen. Wir haben nämlich das Glück, im schönsten und vielfältigsten Kanton der Schweiz zu leben.

• Wer schon auf dem Bachtel, dem Hörnli oder dem Schnebelhorn war, weiss: Zürich hat wunderbare Bergwanderungen zu bieten. Im Zürcher Oberland beginnen die Voralpen – ein landschaftlich wunderbares Gebiet. Am Skilift in Steg habe ich übrigens gelernt, Ski zu fahren.

• Auch das Zürcher Unterland hat viel zu bieten. Mit Schmunzeln las ich auf einer Website: «Das Zürcher Unterland, zwischen Winterthur, Zürich und Baden gelegen: Nicht die bekannteste Gegend der Schweiz, aber eine mit guten Geschichten und viel Natur». [Anm-1: Vgl. www.freizeit.ch, Region Zürcher Unterland.] Nicht bekannt heisst übersetzt: ein Geheimtipp. Vom Rhein bis zum schönen Städtchen Regensberg gibt es in dieser Region landschaftlich viel zu erleben.

• Aber auch das Zürcher Weinland oder die Landschaften rund um den Zürichsee sind wunderschön.

• Und natürlich die Städte Zürich und Winterthur. Zürich ist als Finanz- und Wirtschaftsstandort elementar. Und Winterthur kann mit seiner Kultur und der Natur punkten. Wussten Sie, dass Winterthur die waldreichste Stadt der Schweiz ist? Rund 40% des Gemeindegebietes sind mit Wald bedeckt.

Es gäbe noch viel zu sagen über die Schönheit und Attraktivität unseres Kantons. Doch der Kanton Zürich ist nicht nur schön – unser Kanton ist der Motor der Schweiz.

Zürich erwirtschaftet rund einen Fünftel des nationalen Bruttoinlandsprodukts: Jeder fünfte Franken wird in der Region Zürich erarbeitet. Mit 529 Millionen Franken – also über eine halbe Milliarde Franken – zahlt Zürich frankenmässig am meisten in den nationalen Finanzausgleich ein.

Wir haben also etliche Gründe, stolz auf unseren Kanton zu sein.

Diese Identifikation mit dem Lokalen ist typisch schweizerisch. Denn die Schweiz gehört zu den ganz wenigen Staaten, die von unten nach oben aufgebaut sind. Grösser ist nicht immer besser und effizienter. Im Kleinen kann oft einfacher, unkomplizierter und auch günstiger eine Lösung für ein Problem gefunden werden. In der Gemeinde kennt man sich, spricht miteinander. Und über Fragen und Probleme, die sich hier stellen, wollen Sie auch hier selber entscheiden können.

Das ist in Bern schon ganz anders. Dort werde ich das Gefühl nicht los, dass die Verwaltung, aber auch gewisse Politiker da und dort den Kontakt zur Bevölkerung etwas verloren haben.

Aber der Zauber der Schweiz liegt im Kleinen und Einfachen. Wir haben keine Zentralverwaltung, und auch die Hauptstadt ist nicht so wichtig. Die Schweiz findet in den Gemeinden, in den Vereinen, bei und mit den Bürgern statt. Wir sind die Schweiz – und nicht irgendein Präsident oder ein König.

Oder wie es der grosse Zürcher Schriftsteller Gottfried Keller, einmal gesagt hat: «Alles Grosse und Edle ist einfacher Art.»

[Anm-2: Zitat von Gottfried Keller aus dem Bettagsmandat 1863, das er als Zürcher Staatsschreiber verfasste. Er schrieb weiter: «Möge diese klare Einfachheit bei aller materiellen Entwicklung unserer Zustände fort und fort die Grundlage unseres religiösen Lebens, unserer Wissenschaft und Erziehung bleiben (…).» Die sog. Bettagsmandate wurden am eidg. Dank-, Buss- und Bettag in den Gottesdiensten verlesen; die Behörden nahmen darin Bezug auf die aktuelle politische Situation. Das Verfassen der Bettagsmandate gehörte zu den Amtspflichten des Zürcher Staatsschreibers.]

Gottfried Keller

Wer genau war Gottfried Keller? Vor fast 200 Jahren – am 19. Juli 1819 – wurde er in Zürich geboren. Nach einer Lehre als Landschaftsmaler verbrachte er zwei Studienjahre in München. 1842 kehrte er mit 23 Jahren mittellos nach Zürich zurück. Er widmete sich mit voller Hingabe der Schriftstellerei, aber er engagierte sich auch politisch – damals kämpften viele junge Schweizer ja für die Errichtung des Bundesstaates. Dies gelang dann mit der Bundesverfassung von 1848 auch.

Die Zürcher Regierung gewährte Gottfried Keller dann ein Reisestipendium. So konnte er in Heidelberg Geschichte und Staatswissenschaften studieren und sich in Berlin zum Theaterschriftsteller ausbilden lassen. Er schrieb in dieser Zeit bekannte Romane wie «Der grüne Heinrich» oder «Die Leute von Seldwyla». Immer noch sehr arm kehrte er 1855 nach Zürich zurück. Erst als er 1861 im Alter von 42 Jahren zum Ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich berufen wurde, erhielt er einen rechten Lohn.

Vor seiner Berufung zum Staatsschreiber hat Gottfried Keller eine Erzählung mit dem Titel «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» veröffentlicht.

Die Geschichte ist einfach erzählt: Sie spielt im Jahre 1849, wo in Aarau das «Eidgenössische Freischiessen» stattfand – ein Schützenfest. Die «Aufrechten» sind ein Freundesbund von sieben Zürcher Handwerkern und Gastwirten. Wortführer sind der reiche Zimmermeister Frymann und der arme Schneider Hediger. Mit einem eigenen Fähnlein reisen sie nach Aarau, um am Schützenfest teilzunehmen. «Freundschaft in der Freiheit» prangt als Inschrift auf ihrem Fähnlein.

Als sie einige Grussworte an die tausendköpfige Versammlung in Aarau richten sollten, geraten sie in Bedrängnis. Karl, der Sohn von Schneider Hediger, rettet die Situation mit einer tollen Rede. Die Geschichte endet mit der Verlobung von Karl und Hermine, der Tochter von Zimmermeister Frymann.

Das «Fähnlein der sieben Aufrechten» zeichnet ein anschauliches Bild der Zustände im noch jungen schweizerischen Bundesstaat. Es ist eine Erzählung, in welcher Keller seine Zufriedenheit mit den vaterländischen Zuständen ausdrückte – eine Erzählung aber auch, welche viele wertvolle politische Überlegungen enthält, die noch heute aktuell sind.

Selbstverantwortung und Freiheit

Was mich mit Gottfried Keller verbindet, ist der Wille zur Selbstverantwortung. Ich lasse mir nicht gerne sagen, was ich zu tun habe – ich entscheide gerne selber. Dieser Wille, das Schicksal selber in die Hand zu nehmen, ist heute etwas verloren gegangen – vielleicht eine Folge des Wohlstands?

Dabei war genau dies ja der Ursprung unseres Landes – und unserer Freiheit. Der Drang zur Selbstbestimmung war vor 700 Jahren die Motivation zur Gründung der Eidgenossenschaft. Der Wille, das Schicksal in eigene Hände zu nehmen, prägte die alte Schweiz. Dieser Wille wurde auch in der Literatur immer wieder treffend beschrieben.

«Die Axt im Haus erspart den Zimmermann», heisst es im «Wilhelm Tell» von Friedrich von Schiller. Damit wollte Wilhelm Tell sagen: Wer seine eigene Kraft einzusetzen weiss, ist nicht auf die Hilfe anderer angewiesen. Das ist Unabhängigkeit.

Auch bei Gottfried Keller spielt der Wille zur Unabhängigkeit eine grosse Rolle. Im «Fähnlein der sieben Aufrechten» sagt der arme Schneider Hediger:

«Keine Regierung und keine Bataillone vermögen Recht und Freiheit zu schützen, wo der Bürger nicht imstande ist, selber vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was es gibt.»

[Anm-3: Zitat aus dem «Fähnlein der sieben Aufrechten» (statt vieler: Gottfried Keller, Züricher Novellen, Goldmann Verlag, München 1983, S. 194).]

Wer nicht in der Lage ist, sich selber zu helfen, ist verloren – so die Aussage von Hediger. Oder umgekehrt: «Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott», wie es der junge Karl in seiner Ansprache in Aarau für das Fähnlein der sieben Aufrechten formulierte. Dieser Wille, selber Verantwortung zu übernehmen, prägte auch die Politik. Mit dem noch jungen Bundesstaat wuchsen die politischen Mitbestimmungsrechte. Die Einführung der Volksinitiative im Jahre 1848, des fakultativen Referendums 1874 und der Initiative auf Teilrevision der Verfassung 1891 prägten die damalige Zeit.

Heute erlaubt unser Staatssystem eine vielfältige Mitsprache der Bevölkerung. Wir stimmen regelmässig ab und beteiligen uns an Wahlen – auf kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Ebene. Und diese Mitspracherechte, diese Beteiligung schweisst uns zusammen. Wir müssen miteinander reden, miteinander Lösungen finden. Und gerade auf lokaler Ebene gibt das einen guten Zusammenhalt, auch über Parteigrenzen hinweg.

Liebe zur Freiheit

Dessen war sich auch Gottfried Keller schon bewusst. In seiner Münchner Zeit 1841 beschrieb er sein Heimatland wie folgt:

«Der Nationalcharakter der Schweizer besteht nicht in den ältesten Ahnen, noch in der Lage des Landes noch sonst in irgend etwas Materiellem, sondern er besteht in ihrer Liebe zur Freiheit, zur Unabhängigkeit, er besteht in ihrer ausserordentlichen Anhänglichkeit an das kleine, aber schöne und teure Vaterland...»

[Anm-4: Gottfried Keller, aus dem Aufsatz «Vermischte Gedanken über die Schweiz», verfasst um 1841 in München als Antwort auf eine Kontroverse um die Schweizer Nationalität, erschienen im «Wochenblatt der Schweizergesellschaft, März 1841».]

Er wehrte sich gegen den damaligen deutschen Zeitgeist. Es gab Leute, die behaupteten, die deutsche Schweiz gehöre eigentlich zu Deutschland und die Suisse Romande zu Frankreich. Das war gemäss Keller eine vorsätzliche Nichtbeachtung unseres Nationalcharakters.

Dies brachte ihn zum Schluss, dass derjenige, welcher nicht klar für die Unabhängigkeit und Freiheit der Schweiz eintritt, kein richtiger Schweizer ist. [Anm-5]

[Anm-5: Gottfried Keller schrieb: «Und umgekehrt, wenn ein Schweizer mit Frankreich oder Deutschland zu sehr sympathisiert, wenn er sich behaglich und glücklich findet als Untertan irgendeines fremden Souveräns, wenn er fremde Gewohnheiten aus Neigung annimmt und heimatliche Sitten verachtet, so ist er kein Schweizer mehr; (…).» Auch dieses Zitat entstammt seinem Aufsatz «Vermischte Gedanken über die Schweiz», verfasst um 1841 in München als Antwort auf eine Kontroverse um die Schweizer Nationalität, erschienen im «Wochenblatt der Schweizergesellschaft, März 1841».]

Die Unabhängigkeit war für Keller ein ganz wichtiger Faktor: selber bestimmen, selber entscheiden, selber Verantwortung übernehmen – nur dies führt nach seiner Auffassung zu Glück und Erfolg.

Fragen, die sich auch heute wieder stellen: Wie oft passt sich die Schweiz dem Ausland an, übernimmt Gesetze und Bestimmungen, schliesst Abkommen ab und leistet Zahlungen, zu welchen wir gar nicht verpflichtet wären. Wie oft machen wir in Bern Gesetzesrevisionen, in welchen wir fast ausschliesslich europäisches Recht nachvollziehen – und teilweise wörtlich abschreiben!

Ob Gottfried Keller damit einverstanden gewesen wäre?

Mitbestimmen heisst Verantwortung übernehmen

Doch mit seiner Aussage, der Bürger müsse imstande sein, «selber vor die Haustüre zu treten und nachzusehen, was es gibt» [Anm-6: Vgl. oben (Anmerkung 3)], beschreibt Gottfried Keller auch das Milizprinzip. Dieser Grundsatz, dass die Bürger viele Aufgaben selber übernehmen und so selbstständig zum Rechten schauen, prägt unser Land seit Jahrhunderten.

Das Milizprinzip ist ein wichtiger Pfeiler unseres Staatssystems – das wird gerne unterschätzt. Das Milizprinzip bedeutet ein grosses Engagement, das so viele von uns in der Feuerwehr, im Militär, in der Politik oder in unzähligen Vereinen täglich leisten. In der Schweiz werden so jeden Tag unzählige Arbeitsstunden geleistet, viele davon ohne Entschädigung.

All diese Tätigkeiten, die in privater Verantwortung wahrgenommen werden, muss der Staat nicht leisten. Dies ist nicht nur günstiger, sondern erlaubt es auch, seine vielfältigen beruflichen Erfahrungen in die verschiedenen Organisationen einzubringen.

Direkte Demokratie schützt Minderheiten

Die direkte Demokratie und der Föderalismus erlauben nicht nur die beschriebene effiziente, schlanke Staatsorganisation, sondern auch das Zusammenleben der verschiedenen Landessprachen und Kulturen.

Oder anders gesagt: Unser Staatssystem schützt Minderheiten wie kein anderes. Wo leben so viele Sprachen und Kulturen friedlich beisammen wie in unserem Land?

Auch wenn Gottfried Keller energisch für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Schweiz eintrat, war er tolerant gegenüber fremden Nationen und Kulturen – aus dieser Vaterlandsliebe heraus. Keller war offen gegenüber Ausländern, welche die schweizerische Staatsbürgerschaft erwerben wollten. Gerade weil er sich eben bewusst war, welche Vorteile unser System für den Bürger hatte

«Wenn ein Ausländer die schweizerische Staatsordnung liebt, wenn er sich glücklicher fühlt bei uns als in einem monarchischen Staate, wenn er in unsere Sitten und Gebräuche freudig eingeht und überhaupt sich einbürgert, so ist er ein so guter Schweizer, als einer, dessen Väter schon bei Sempach gekämpft haben.»

[Anm-7: Dies ist ein weiteres Zitat aus Gottfried Kellers Aufsatz «Vermischte Gedanken über die Schweiz», verfasst um 1841 in München als Antwort auf eine Kontroverse um die Schweizer Nationalität, erschienen im «Wochenblatt der Schweizergesellschaft, März 1841»]

Eine gute Integration setzte aber Keller schon voraus. Um Schweizer werden zu können, muss man sich als Schweizer fühlen – das wollte Keller uns mit diesem Satz sagen.

Weil Heimat eben mit Gefühlen verbunden ist – wie ich es am Anfang schon erwähnt habe. Nicht umsonst lautet der Wahlspruch der sieben Freunde im «Fähnlein der sieben Aufrechten» [Anm-8: Aus der Rede des jungen Karl Hediger am Schützenfest in Aarau, in: Gottfried Keller, Das Fähnlein der sieben Aufrechten (vgl. Anmerkung 3), S. 237]: «Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe».

Die Schweiz – das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten – ist nicht das Konstrukt eines Staatswissenschaftlers. Unsere Verfassung haben nicht hochtrabende Philosophen geschrieben, die irgendwelchen idealistischen Projekten nachhingen. Unsere Bundesverfassung ist ein pragmatisches Regelwerk, welches ein friedliches, glückliches Zusammenleben der verschiedenen Sprachen, Kulturen und Landesgegenden ermöglichen will.

Bescheiden bleiben

Für den weiteren Erfolg unseres Landes wird es entscheidend sein, dass wir so pragmatisch und bescheiden bleiben, wie es unsere damalige Verfassung war. Gottfried Keller machte sich viele Gedanken über die Zukunft. Vielleicht, weil er befürchtete, irgendwann könnten die Grundlagen unseres Wohlstands in Vergessenheit geraten?

Besinnen wir uns gerade heute am 1. August wieder auf die Grundlagen des schweizerischen Erfolgsrezepts: Bescheidenheit, Fleiss und den Willen zur Selbstbestimmung.

Ich schliesse mit den Schlussworten von Karl Hediger, wie er sie – gemäss Gottfried Keller – am eidgenössischen Schützenfest in Aarau formuliert hat [Anm-9: Aus der Rede des jungen Karl Hediger am Schützenfest in Aarau, in: Gottfried Keller, Das Fähnlein der sieben Aufrechten (vgl. Anmerkung 3), S. 237 f.]: «Es lebe die Freundschaft im Vaterlande! Es lebe die Freundschaft in der Freiheit!».

Quelle

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Kommentar zur Rede von Nationalrätin Rickli


Auf Ricklis Facebook-Seite wurde der Weiacher Auftritt kommentiert (von einem User der in real life Martin Willi heissen dürfte) - der Verweis auf den Fluglärm weist auf seine tatsächliche Anwesenheit hin:



Dem kann man sich anschliessen. Das war eine Rede aus einem Guss, durchkomponiert, staatsmännisch, heimatverbunden. Und wie eingangs erwähnt von der Rednerin selber mit Anmerkungen versehen. Dazu noch mit der dreifachen Verwendung der Rede geschuldet wenigen regionalen Zutaten garniert (bezogen auf Weiach und Höri der Verweis auf das Zürcher Unterland als Geheimtipp). Kurz: eine Qualität, die man nur selten erhält.

Die Kernaussagen sind klar und deutlich. Sie transportieren die Identitätspolitik ihrer Partei mittels eines international bekannten Schriftstellers, der übrigens in den Jahren vor seinem Amt als Staatsschreiber auch aktiv in der Politik mitgemischt hat, ähnlich wie die Protagonisten in seinem Fähnlein der sieben Aufrechten (vgl. auch den Wikipedia-Artikel).

Zu den Ansprachen früherer Jahre
Nachtrag vom 27. März 2019

Rickli hat es geschafft. Gewählt als Regierungsrätin, vgl. den Artikel Der Rickli-Poker (NZZ, 25. März 2019).

[Veröffentlicht am 10. Juni 2019 um 15:00 MESZ]

Mittwoch, 25. Juli 2018

Wie liefert man 28 3/4 Eier? Partizipationsscheine anno dazumal

Am 14. Februar 1610 tauschte «Heinerich Werdmüller der elter, burger zu Zurich» seine zwei Grund- und Bodenzinse von 5 Mütt ein Viertel Kernen, ein Fasnachthuhn, zwei Herbsthühner und 60 Eier vom Hof, genannt «des Pfiffers güetter» zu Weyach, und von vier Mütt minder drei Mässli Kernen, 9½ Viertel Haber, 19 Zürcher Schilling, zwei Herbsthühner, ein Fastnachthuhn und 28¾ Eier vom Meierhof zu Weyach mit Schultheiss und Rat von Kaiserstuhl gegen eine andere Kernengült. (Vgl. Aargauer Urkunden, Band XIII, Die Urkunden des Stadtarchivs Kaiserstuhl, Nr. 368.)

Hinweis auf eine Teilung?

Da ging es also um einen Handel mit Partizipationsscheinen zwischen einem Wohlhabenden aus der Stadt Zürich und der Stadt Kaiserstuhl als Gemeinde. Denn eine Gült war eine Schuldverschreibung, d.h. ein Wertpapier, das untrennbar mit dem Grundstück, auf das es ausgestellt wurde, verbunden war - und nicht etwa mit dem jeweiligen Eigentümer oder Pächter (Vgl. Brandenberger, U.: Eine Gült wechselt die Hand. Der Bauernhof der Familie Ringli – vor 600 Jahren eine Kapitalanlage. Weiacher Geschichte(n) 112. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, März 2009 – S. 10-12.).

Was hat es mit dieser seltsamen Zahl 28 ¾ auf sich? Die Stückelung von Partizipationsscheinen kann bekanntlich frei gewählt werden. Und diese Zahl könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich  bei dieser auf dem «Meierhof zu Weyach» lastenden Kernengült um eine von vier gleichlautenden Gülten gehandelt hat. Die zweimalige Verdoppelung ergibt nämlich eine gerade Zahl: 115 Eier.

Je nachdem wie alt die Gült zu diesem Zeitpunkt bereits war, entsprach dieser Viertel vielleicht tatsächlich noch einem der vier Bauernhöfe zu dem der einstige Meierhof aufgeteilt wurde. Oder bereits mehreren solcher Wirtschaftseinheiten. Den Rechteinhabern konnte das egal sein, denn das Inkasso war nicht ihr Problem.

Das Problem des Tragers

Für das Einkassieren des Coupons, also des in der Gült erwähnten Zinses, wandte sich der jeweilige Inhaber der Gült an den sogenannten Trager. Der war für's Einkassieren der fälligen Erträge zuständig (und haftbar). Damit lösten die Grundherren das Problem, dass immer häufiger ehemals grosse Einheiten (mit oder ohne ihr Einverständnis) durch Erbteilung zerstückelt wurden. In diesem Fall musste der Trager dann eben 4 x 28 ¾ Eier (oder deren Gegenwert) einsammeln.

Und wie soll man nun die in der zweiten Gült genannten ¾ eines Eies abliefern? Aus dieser Schwierigkeit ergibt sich, dass diese Eier zumindest entsprechend monetarisiert bzw. in andere Sachwerte umgerechnet wurden. Je näher wir unserer heutigen Zeit kommen, wurden die Zinsen solcher Gülten jeweils in eine Geldschuld umgewandelt.

Mütt, Viertel, Mässli?

Wer sich mit der Frage befassen will, welche Grössenordnung die obgenannten Getreidehohlmasse Mütt, Viertel und Mässli hatten, der sei auf das Historische Lexikon der Schweiz (e-HLS) und dort auf die Artikel von Anne-Marie Dubler verwiesen, so z.B. Dubler, A.-M.: Artikel Mässli. Historisches Lexikon der Schweiz (Stand 29.10.2009).

Da Masse, Gewichte und Geldeinheiten vor 1877 eine höchst lokal geprägte Angelegenheit waren und daher bspw. ein Mütt je nach Zeitraum und Landesgegend sehr unterschiedlich viel fassen konnte, müssen alle Umrechnungsergebnisse mit grösster Vorsicht behandelt werden. Gerade bei solchen Wertpapier-Tauschgeschäften mit Gülten wie dem von 1610, wo Erstellungsjahr und Ausstellungsort der Gülten nicht genannt sind, kann man lediglich von Bandbreiten ausgehen, vgl. dazu Wiachiana Dokumentation Nr. 2: Masse und Gewichte im alten Weiach.

[Veröffentlicht am 8. November 2018 um 10:59 MEZ]

Freitag, 13. Juli 2018

Ortsmuseum Weiach vor 50 Jahren eröffnet

Heute vor 50 Jahren hat unser Ortsmuseum zum ersten Mal seine Türen für das interessierte Publikum geöffnet. Im Eröffnungsjahr sind in zürcherischen Zeitungen mindestens fünf Artikel erschienen, die in der Zeitungsartikelsammlung des Staatsarchivs des Kantons Zürich verfügbar sind (StAZH III Pz Weiach):

  • Furrer, G.: Das Ortsmuseum Weiach stellt sich vor. In: Zürichbieter, 13. Juli 1968.
  • Furrer, G.: Eröffnung des Ortsmuseums Weiach. In: Zürichbieter, 18. Juli 1968.
  • Furrer, G.: Ein Weiacher Ortsmuseum. In: Neue Zürcher Zeitung, Mittwoch, 24. Juli 1968, Mittagausgabe Nr. 450 – S. 3.
  • Altes und Modernes im Ortsmuseum Weiach, dem «Liebert-Haus. Ausstellung Fritz Schmid in der «Galerie Liebert». In: Neues Bülacher Tagblatt, Nr. 232, 5. Oktober 1968.
  • Ortsmuseum und Galerie Weiach unter einem Dach. In: Tages-Anzeiger, 11. Okt. 1968.

Aus diesen greifen wir den NZZ-Artikel heraus, der damals in der Mittagausgabe (!) erschienen ist. Man stelle sich das einmal vor: drei Ausgaben pro Tag! Die Autorin, Gertrud Furrer, hat bereits 1967 im Zürichbieter über die Kirchenrenovation und den damit verbundenen Dokumentenfund in der Turmkugel berichtet (Zürichbieter, 8. August 1967).



«Bülach, 16. Juli. G. F. Nach jahrelangen Vorbereitungsarbeiten konnte am 13. und 14. Juli das Ortsmuseum Weiach der Bevölkerung vorgestellt werden. Noch kann die Sammlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, doch verband die Kommission für das Ortsmuseum mit der ersten Besichtigung den Wunsch und die Hoffnung, aus Kreisen der Bevölkerung all das zu erhalten, was noch fehlt, um das Museum zu einer Quelle des Studiums von Weiachs Vergangenheit zu machen.

Das Haus, eines der ältesten Gebäude im Oberdorf von Weiach, konnte im Jahre 1966 durch die Gemeinde erworben werden. In unzähligen Frondienststunden wurde es im Innern soweit renoviert, daß die gesammelten Gegenstände ausgestellt werden können. Aus der ehemals rauchgeschwärzten Küche und den vernachlässigten Zimmern sind wohnliche Räume geworden, die zum Teil schon möbliert sind. Auf dem Bord in der Küche sind verschiedene Haushaltsgeräte aufgestellt. Der geschweifte Herd ist mit Kupferpfannen bestückt; neben dem Backofen stehen Geräte zum Brotbacken. In der Schlafkammer befinden sich Betten, Kleidungsstücke und Windlichter. Die Wand eines schmalen Gangs zieren Fruchtsäcke, landwirtschaftliche Geräte, ein Kuhjoch und vieles mehr. Auch der Tüchel aus Föhrenholz, Teil einer früheren Wasserleitung, der bei Grabarbeiten zum Vorschein gekommen ist, hat hier Platz gefunden.

In der Wohnstube befindet sich eine Sammlung alter Schriftstücke, unter anderem auch jene aus der Turmkugel, die bei der Renovation entdeckt wurden. Alt Lehrer W. Zollinger, Präsident der Ortsmuseums-Kommission, hat sie bereits ausgewertet. Anläßlich der offiziellen Eröffnung dankte er dem Gemeinderat von Weiach für den weitsichtigen Kauf des Liebert-Hauses, das als Ortsmuseum der jungen Generation vor Augen führen soll, wie es in früheren Jahrhunderten im Dorf ausgesehen hat. Gemeindepräsident Ernst Baumgartner sprach der Kommission im Namen der Gemeinde für ihre unermüdliche Sammeltätigkeit und die glückliche Renovation der Räume den herzlichsten Dank aus.

Viele Bewohner Weiachs haben dem Museum bereits einen Besuch abgestattet. Auch der Platz vor dem Haus war in die Ausstellung miteinbezogen worden. Hier standen drei alte Zifferblätter der Weiacher Kirche, die bei Restaurierungen entfernt worden waren, eine prächtige Kutsche, eine Sämaschine und eine Windfegemaschine, mit der die Spreu vom Weizen getrennt wurde. Ein halbfertiger Mühlstein, beim Straßenbau ans Tageslicht befördert, hat auf dem Hausplatz seinen festen Standort.

Nachdem das Ortsmuseum gewissermaßen offiziell aus der Taufe gehoben worden ist, werden die Schriften und Dokumente zur Restaurierung nach Zürich gegeben. Später hofft die Kommission, das Museum an einem bestimmten Sonntag im Monat regelmäßig öffnen zu können. Bis dahin wird die Sammlung wohl wesentlich erweitert sein.
»

Der im Februar 1967 von der Ortsmuseumskommission per Rundschreiben verbreitete Aufruf zur Mitarbeit am Ortsmuseum Weiach (vgl. WeiachBlog Nr. 1336 v. 1. Februar 2017) hatte erste Früchte getragen. Wie man den Zeilen Furrers ebenso entnehmen kann, ist das Ziel, das mit dem Ortsmuseum verfolgt werden sollte, heute nach wie vor dasselbe wie zu Gründungszeiten.

Nur die etwas zu ambitionierte Vorstellung, das Museum einmal pro Monat den Besuchern öffnen zu wollen, ist aufgegeben worden. Und das völlig zu Recht. Denn wie soll man die Besucher anlocken, wenn nicht regelmässig etwas Neues geboten und gezeigt wird. Die dem Leben früherer Zeiten nahen Themen, die Jahr für Jahr mit Liebe zum Detail kuratiert wurden und werden, machen den speziellen Charakter unseres Ortsmuseums aus. Sie sind das Erfolgsrezept, das sich wie ein roter Faden durch ein halbes Jahrhundert zieht.

Ebenfalls von Anbeginn an sind Kunstausstellungen, Vorführungen alten Handwerks in Feld, Wald und Küche ausgerichtet worden. In den letzten Jahren sind Stubeten hinzugekommen, für die das Ortsmuseum auch ausserhalb der traditionellen, herbstlichen Themenausstellung geöffnet wird: Museumskafi, Museumsfondue, Musikdarbietungen, Geschichtenerzähler, etc.

Dazu kommt 2017 und 2018 ein mehrteiliger Kurs im Weidenflechten. Er beginnt Anfang Januar mit Weidenschneiden rund um Weiach, führt über das Weidenputzen im Februar bis zu den Flechtarbeiten im Ortsmuseum im Monat Mai.

[Veröffentlicht am 31. August 2018 um 20:30 MESZ]

Samstag, 30. Juni 2018

Wie es zur Bezeichnung «Chälenpack» kam

Nach dem Bauboom der letzten Jahrzehnte kann man sich ohne alte Karten und Fotografien kaum mehr vorstellen, wie Weiach früher ausgesehen hat.

Das heute durch die Schulanlage Hofwies belegte Areal inmitten des Dorfes war früher wirklich noch eine obstbaumbestandene Wiese («Hofwiese»), eine Art Pufferzone zwischen der westlich gelegenen Chälen (auf das Sagibachtal ausgerichtet) und dem östlich davon liegenden, auf den Mülibach und die Passage über Raat, Schüpfheim und Stadel nach Zürich ausgerichteten Oberdorf (dazu zählt teilweise auch das Büel, wo seit 1706 die Kirche steht).

Gibt es zwei Weiach oder nur eines?

In der Urkunde vom 8. Februar 1295 (StAZH C II 6, Nr. 466), die dem Fürstbischof von Konstanz die Niedergerichtsrechte über Weiach zuerkennt, kommt der Ortsbezeichnung Wiach gleich eine zweifache Funktion zu. Da ist die Rede von Rechten in einer «curie villicatus dicte Wiach, site prope Kaiserstůl» sowie solchen «in villa Wiach». Dies veranlasste den Historiker Konrad Wanner anfangs der 80er Jahre zu der These, es habe sozusagen zwei Wiach gegeben, zwei dicht beieinander liegende, jedoch rechtlich voneinander geschiedene Rechtsbereiche (vgl. Wanner, K.: Siedlungen, Kontinuität und Wüstungen im nördlichen Kanton Zürich (9.–15. Jh.). Zürich 1984.).

Wie wir aus der Abschrift der St. Blasianischen Urkunde vom 19. Juni 1279 wissen, war das Grundstück namens Cholun «situm in villa Wiach», also im Dorf Weiach gelegen. Da gibt es also keine Zweiteilung. Die Chälen gehört zum Dorf Weiach. Dies ist jedoch eine reine Kaufurkunde über Liegenschaften, sie betrifft keine gerichtsherrlichen Rechtstitel wie die Urkunde von 1295.

Hat die 1295 angedeutete, in späteren Dokumenten jedoch nicht mehr auftauchende Zweiteilung in Meierhof und Dorf die Grundlage für die bei einigen alteingesessenen Weiachern bis heute ausgeprägte Unterscheidung zwischen «denen aus der Chälen» und «denen aus dem Oberdorf» geliefert? (Für die Zweiteilung vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 52, vgl. Quellen)

Eher unwahrscheinlich. Dass Oberdorf und Chälen in der Wahrnehmung der Einheimischen nicht nur zwei klar gesonderte Bereiche bildeten, sondern auch ihre Bewohner sich klar voneinander abgrenz(t)en, hat seinen Ursprung doch eher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Nachstehend meine Hypothese, die bereits als Anmerkung 39 in die 5. Auflage, Ausgabe Dezember 2017 der Monographie «Weiach - Aus der Geschichte eines Unterländer Dorfes» Eingang gefunden hat (Fussnote 71 in der 6. Aufl., Ausgabe Juli 2018).

Woher kommen die vielen Taubstummen und Kropfträger?

Zwischen 1840 und 1855 wurde Weiach als Negativbeispiel in den medizinischen Fachzeitschriften halb Europas herumgereicht (vgl. WeiachBlog Nr. 103 und 104, s. Quellen), weil in der Chälen überproportional viele Taubstumme, Schwachsinnige, Kretins und Leute mit einem Kropf wohnten.

Natürlich wurde in den Fachblättern auch über die Ursachen für diese auffällige Häufung diskutiert. War die Beschaffenheit des Wassers dafür verantwortlich? Waren es die Trinkgewohnheiten der Bewohner? Oder doch die Wohnverhältnisse in den oft nicht unterkellerten Gebäuden entlang des noch nicht unter den Boden verbannten Sagibaches? An Genetik dachte in den Zeiten vor der Anerkennung der Vererbungslehre nach Gregor Mendel noch kaum jemand. Und so kam es, dass einige Herren Doktores die Ursache in den sozialen Verhältnissen selbst verorteten:

«Auch zählt dieser Theil von Weiach [Anm. d. Verf.: die Chälen] nach demselben Berichte meistens nur arme und dürftige Bewohner, bei denen eine oft ans Ekelhafte grenzende Unreinlichkeit herrscht.» (Meyer-Ahrens 1845).

Zum grossen Ärger der Weiacher aus dem Oberdorf kam der, wohl in diesen Jahren entstandene, im aktuellen Sprachgebrauch wieder verschwundene Übername «Weycher Chröpf» auf, der den Weiachern in den umliegenden Gemeinden angeheftet wurde (analog zum heute noch gebräuchlichen «Bachser Igel» für Einwohner von Bachs; vgl. Sutermeister 1869).

Es ist klar, dass die honorablen Oberdörfler sich darüber ärgerten, mit diesen Unterschichtlern in einen Topf geworfen zu werden. Und weil man nicht wusste, wo die Neigung zu Kröpfen herrührt, dürften wohl auch viele den Kontakt zu den mit Kröpfen belasteten Einwohnern gemieden haben. Das könnte ja ansteckend sein.

Auswirkungen im 20. Jahrhundert

Mit dieser alten Angelegenheit aus der Mitte des 19. Jahrhundert könnte man erklären, weshalb die Oberdörfler noch vor wenigen Jahrzehnten nicht mit dem «Chälenpack» in der gleichen Schulbank sitzen wollten (Erinnerungen der Kinder von Emma Erb-Saller, ehemals wohnhaft Oberdorfstrasse 1, vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 72).

Man könnte sich auch einen Reim darauf machen, wieso sich der Verfasser dieser Zeilen selber in den 70er-Jahren (zusammen mit anderen in der Chälen wohnhaften Primarschülern) im Raum Hofwiese mit den Oberdörflern Scharmützel mit Holzschwertern u. dgl. geliefert hat. Und das ganz selbstverständlich und unhinterfragt.

Schliesslich passt dazu auch die Erfahrung des Weiacher Gemeindeschreibers Peter Wunderli. Erst nach dem Umzug ins Oberdorf «konnte» ihn ein älterer Oberdörfler duzen.

Quellen
  • Dr. Meyer-Ahrens in Häsers Archiv der gesammten Medicin, 1845 – S. 526; vgl. WeiachTweet Nr. 286, 27. Dezember 2016.
  • Sutermeister, O.: Die schweizerischen sprichwörter der gegenwart in ausgewählter sammlung. Verlag J. J. Christen, 1869 – S. 51.
  • UBZH Nr. 1736. 19. Juni 1279. In: Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich. Band 5 (1900/01) – S. 81.
  • UBZH Nr. 2323. 8. Februar 1295. In: Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich, Band 6 (1903) – S. 289.
  • Brandenberger, U.: Im Hochmittelalter gab es zwei Wiach. Was die Chälen vom Dorf trennte. Weiacher Geschichte(n) Nr. 52. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach (MGW), März 2004 – S. 14-16.
  • Brandenberger, U.: Les Français peints par eux-mêmes. WeiachBlog Nr. 103, 15. Februar 2006
  • Brandenberger, U.: The North British Review. WeiachBlog Nr. 104, 16. Februar 2006.
[Veröffentlicht am 10. April 2019 um 23:27 MESZ]

Freitag, 29. Juni 2018

Weiach in Lexikonartikeln und Heimatbüchern

Vor mehr als zehn Jahren (datiert auf 27. August 2007) ist der Beitrag «Urkundenbücher und Quellensammlungen» als WeiachBlog Nr. 508 erschienen. Er präsentierte diejenigen Werke, in denen die Mehrzahl der für die Weiacher Geschichte relevanten Dokumente ab dem Mittelalter im Druck versammelt sind, gab also Hinweise auf Primärquellen-Editionen.

Etwas weiter von den Quellen entfernt sind kurze Gesamtdarstellungen, wie sie sich in Lexika und sogenannten Heimatbüchern finden. Als letztere bezeichne ich Werke mit geographisch-geschichtlicher Fundierung, die auf der Basis von Quellen entstanden sind, auf die sie jedoch (aufgrund der Anforderungen an die kompakte Darstellung) im besten Fall hinweisen können.

Was dieser Beitrag enthält

Nachstehend werden in chronologischer Reihenfolge des Erscheinens alle mir bislang bekannt gewordenen Lexika und Heimatbücher aufgeführt, in denen der Ortsname Weiach zumindest am Rande Erwähnung findet.

Hinweis 1: Zusätzlich zu den eigentlichen Heimatbüchern enthält diese Liste auch ausgewählte Beiträge mit sehr starkem bis ausschliesslichem Weiach-Bezug, die in Regionalzeitungen erschienen sind.

Hinweis 2: Häufig verwendete Abkürzungen bei Signaturen: ZBZ = Zentralbibliothek Zürich; StAZH = Staatsarchiv des Kantons Zürich, NB = Schweizerische Nationalbibliothek.

In order of appearance...

Die Liste dieser im Druck erschienenen Darstellungen beginnt anfangs des 18. Jahrhunderts mit den zürcherischen Memorabilia Tigurina (ab 1704) sowie ihrem Vorläufer:
  • Fries, L.: Enchiridium chronologicum Tigurino-Helveticum, oder, Historisches Hand-Büchlein Zürich-Helvetischer Jahrzeit-Geschichten, darinnen nach Ordnung der Jahren alles, was in der Natur, auch geist- und weltlichen Sachen, bey Kriegs- und Friedens-Zeiten in der Statt und Landschafft Zürich, auch beyfällig in ganzem Helvetien, von erstem Anbeginn ermelter Statt bis zum Ausslauff des letsteren Jahr-Hunderts Merckwürdiges sich zugetragen, kurz begrifflich vorgestellet wird. Zürich 1701 – S. 214 und 224. [Online: Uni Heidelberg]
  • Bluntschli, J. H.: Memorabilia Tigurina, oder Merckwürdigkeiten Der Stadt und Landschafft Zürich [...] Samt einem Geschlechter-, Burgerlichen Dienst- und Aemter-Büchlein. Erstausgabe: Zürich 1704. Zweite Ausg.: Zürich 1711. Dritte Ausgabe: Zürich 1742 – Hauptartikel: S. 533 (vgl. den Artikel «Die Collatur gehört dem kleinen Rath zu Zürich». Weiach in Standardwerken von 1742 bis 1820. Weiacher Geschichte(n) Nr. 116; erstmals erschienen in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juli 2009 – S. 7-10; Gesamtausgabe S. 482; sowie den Beitrag: «Alte Lexika, herrschaftspolitisch betrachtet». WeiachBlog Nr. 372, 30. Januar 2007). [Dritte Auflage, 1742 online: e-rara.ch Nr. 28912]
Im Ausland wurde Weyach aus der Vogelperspektive wahrgenommen. Nämlich als Teil des Verwaltungsbezirks Neuamt:
  • Zedler, J. H.: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste; Halle u. Leipzig 1740. Artikel «Neuamt» – Bd. 24, Sp. 3. [Wikipedia]; (vgl. den Beitrag: «Obervogtei Neuamt, 1442–1798». WeiachBlog Nr. 9, 8. November 2005).
  • Büsching, A. F.: Staats- und Erdbeschreibung. Vierter Theil. Welcher die Vereinigten Niederlande, die Eidgenossenschaft samt denen derselben zugewandten Orten, Schlesien und Glatz, enthält. Hamburg 1760 – S. 278-279. Der 957 Seiten starke Teil 4 des 1767 bereits in 3. Auflage im Verlag J. C. Bohn publizierten Werks trägt den Titel «Die Vereinigten Niederlande, Helvetien, Schlesien und Glatz». [Google Books]; (vgl. den Beitrag: Büschings «Neue Erdbeschreibung». WeiachBlog Nr. 998, 29. April 2011).

Erwähnt. Sonst kurz und knapp


Auch Schweizer Publikationen ab der Mitte des 18. Jahrhunderts erwähnen über die Verwaltungszugehörigkeit hinaus höchstens ein paar beiläufige Details:
  • Leu, H. J.: Allgemeines Helvetisches, Eydgenössisches, Oder Schweitzerisches Lexicon. XIX. Theil / W. Zürich 1764 – S. 396. [e-Helvetica nbdig-12846_19]; Vollständiger Titel: Allgemeines helvetisches, eydgenössisches, oder schweitzerisches Lexicon, in welchem das, was zu wahrer Erkantnuss des ehe- und dissmahligen Zustandes und Geschichten der Helvetischen und Eydgenössischen oder Schweitzerischen, auch deroselben zugewandten und verbündeten Landen, auch deren darinnen befindlichen Orten, Geschlechtern, und fürnehmsten Personen, welche sich in geist- und weltlichem Stand, in den Wissenschafften und Künsten, in dem Krieg und sonsten hervorgethan und noch thun ; erforderlich seyn mag aus allen denen hievon handlenden gedruckten und geschriebenen Büchern und vielen sonst erhaltenen schrifftlichen Nachrichten in Alphabetischer Ordnung.Dieses Werk wurde durch den Zürcher Hans Jacob Leu ab 1747 herausgegeben. Die Fortsetzung erfolgte u.a. 1795 mittels der Supplements von Holzhalb (vgl. den Artikel: Weyach im 18. Jahrhundert – alte Lexika erzählen (Teil 1). Weiacher Geschichte(n) Nr. 5; erstmals publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, April 2000 – S. 25; sowie Weiacher Geschichte(n) Nr. 116, Gesamtausgabe S. 482).
  • Fäsi, J. C.: Johann Conrad Fäsis, Pfarrers der Gemeinde Uetikon an dem Zürich-See, und Mitglieds der Eidgenössischen Gesellschaft zu Schinznach, genaue und vollständige Staats- und Erd-Beschreibung der ganzen Helvetischen Eidgenoßschaft, derselben gemeinen Herrschaften und zugewandten Orten. Zweyte und verbesserte Auflage, Zürich 1768 – Bd. 1, S. 311. [e-rara.ch Nr. 19448]; (Für Weyach vgl. den Beitrag: Wie man nach dem Tode Bücher schreibt. WeiachBlog Nr. 999, 30. April 2011; sowie Weiacher Geschichte(n) Nr. 116, Gesamtausgabe S. 482-483).
  • Füesslin, J. C.: Staats- und Erdbeschreibung der schweizerischen Eidgenoßschaft. 4 Bde. Schaffhausen 1770-1772. Weiach erwähnt als Teil des Neuamt. In: Band 1, Schaffhausen 1770 – S. 69. [E-Helvetica nbdig-13425]; (Vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 116, Gesamtausgabe S. 482-483).
  • von Tscharner, V. B. et al.: Dictionnaire historique, politique et géographique de la Suisse, Genève 1788 – Tome 3, p. 2. [archive.org; eingefügt am 7.5.2020]

Teil und doch nicht Teil des Fürstbistums


Der Freiherr von Landsee, fürstbischöflich-konstanzischer Amtsträger zu Kaiserstuhl erwähnte Weiach nur der Vollständigkeit halber (obwohl es Teil des Fürstbistums war):
  • von Landsee, J. F.: Enchiridion Helveticum Constantiae Episcopalis oder kurz gefasste Topographische Beschreibung derer Städten, Orten, und Herrschaften in der Schweiz, welche in des Hochfürstlich-Bischöflichen Hochstifts und Bistums Constanz weltlicher Bottmässigkeit, auch derer fürnehmsten Stifter, Gottshäusern, und Klöster, welche in dem Bezirk dessen geistlichen Gehorsams gelegen seynd, nebst einem Anhang von der Eidgenossenschaft, oder denen XIII. löbl. Ständen, und derenselben Regierungs-Verfassung. Konstanz 1778 – S. 47. [e-rara.ch Nr. 24837]; (Für Weyach vgl. den Artikel: Weyach im 18. Jahrhundert – alte Lexika erzählen (Teil 3). Wie der Obervogt zu Kaiserstuhl die Welt sah... Weiacher Geschichten(n) Nr. 15; erstmals publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Februar 2001 – S. 14; sowie Weiacher Geschichte(n) Nr. 116, Gesamtausgabe S. 482).
  • Heidegger, H.: Handbuch für Reisende durch die Schweiz. Mit einem Anhange, von den Merkwürdigkeiten der im Handbuche vorkommenden Ortschaften. Zürich 1789 – S. 167.

Der erste ausführliche Artikel


Erst die Neuausgabe von Werdmüller in der Tradition der zürcherischen Memorabilia äusserte sich ausführlicher:
  • Werdmüller, A.: Memorabilia Tigurina, oder Merkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich berichtiget, vermehret, und bis auf itzt fortgesetzt. Theil I: Zürich, 1780. Theil II: Zürich 1790. Weyach in: Zweyter Theil, 1790 – S. 213-214. Dieses Werk enthält als erstes einen ausführlicheren Artikel über Weiach, vgl. den Artikel: Weyach im 18. Jahrhundert – alte Lexika erzählen (Teil 2). Weiacher Geschichte(n) Nr. 6; erstmals publiziert in: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Mai 2000 – S. 43.

Erster Eintrag in ausländischem Lexikon


Kurz vor dem Ende des Ancien Regime wurde Weiach erstmals in einem ausländischen Werk mit einem kurzen Eintrag beehrt. Und das erst noch in der heute üblichen Schreibweise:
  • Röder, Ph. L. H.: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Schwaben oder vollständige alphabetische Beschreibung aller im ganzen Schwäbischen Kreis liegenden Städte, Klöster, Schlösser, Dörfer, Flecken, Höfe, Berge, Thäler, Flüsse, Seen, merkwürdiger Gegenden u.s.w: mit genauer Anzeige von deren Ursprung, ehmaligen und jezigen Besizern, Lage, Regimentsverfassung, Anzahl und Nahrung der Einwohner, Manufakturen, Fabriken, Viehstand, merkwürdigen Gebäuden, neuen Anstalten, vornehmsten Merkwürdigkeiten u.s.w. Zweiter Band. Ulm 1792 – Sp. 954.

Ergänzung zum Leu


Das Holzhalb'sche Supplement zu Leu's Lexicon nimmt (angesichts seiner Funktion als aktualisierende Weiterführung verständlich) lediglich ein Detail aus Werdmüllers Beschreibung auf:
  • Holzhalb, H. J.: Supplement zu dem allgemeinen helvetisch-eidgenössischen, oder schweizerischen Lexicon, so von weiland Herrn Hans Jakob Leu, Bürgermeister Löbl. Frey-Staats Zürich, in alphabetischer Ordnung behandelt worden. Sechster Theil. Zürich 1795 – S. 384-385; (vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 116, Gesamtausgabe S. 483).
Der in Ulm 1796 erschienene zweite Band der Publikation von Leonhard Meister: Historisches Geographisch-Statistisches Lexikon von der Schweiz oder vollständige alphabetische Beschreibung allerin in der ganzen schweizerischen Eidgenossenschaft und den derselben zugewandten Orten liegenden Städte, Klöster, Schlösser, Freisize, Dörfer, Fleken, Berge, Gletscher, Thäler, Flüsse, Seen, Wasserfälle, Naturseltenheiten, merkwürdigen Gegenden u.s.w. mit genauer Anzeige von deren Ursprung, Geschichte, ehemaligen und jezigen Besizern, Lage, politischen, kirchlichen und militärischen Verfassung, Zahl, Nahrungsquellen, Industrie, Sitten der Einwohner, Manufakturen, Fabriken, Bibliotheken, Kunstsammlungen, öffentlichen Anstalten und Gebäuden, vornehmsten Merkwürdigkeiten sc. sc. enthält trotz des vollmundigen Titels keinen Eintrag zu Weiach. [Google Books].

Die Dürre nach der Helvetik

Die erste Publikation des 19. Jahrhunderts erwähnt lediglich den Ortsnamen:
  • Körner, H.: Kurze Erdbeschreibung der Schweiz zum Gebrauche der Jugend. Winterthur 1805 – S. 48. [e-Helvetica nbdig-58298]. Zweyte umgearbeitete Auflage, Winterthur 1817. [Google Books]
Die Memorabilia Tigurina von Erni, die erste Publikation des 19. Jahrhunderts, welche sich mit Weiach ausführlicher befasst, ist mit Vorsicht zu geniessen. Der Herausgeber hat die Umwälzungen der nachnapoleonischen Zeit nicht reflektiert:
  • Erni, J.H.: Memorabilia Tigurina. Neue Chronik oder fortgesetzte Merkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich. Zürich 1820 – S. 273 (Hauptartikel). Weitere Erwähnungen vgl. Weiacher Geschichte(n) Nr. 116, Gesamtausgabe S. 483-485.

Erstmals in Deutsch und Französisch

Als erstes Schweizer Lexikon mit einem Eintrag über Weiach wurde das Handbuch des Basellandschäftler Pfarrers Markus Lutz nach einigen Jahren (1837 und 1861) ins Französische übersetzt:
  • Lutz, M.: Geographisch-statistisches Handlexikon der Schweiz für Reisende und Geschäftsmänner. Enthaltend vollständige Beschreibungen der XXII Kantone, deren Bezirke, Kreise und Aemter, so wie aller Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Schlösser und Klöster, auch aller Berge, Thäler, Wälder, Seen, Flüsse und Heilquellen, in alphabetischer Ordnung; nebst einem Wegweiser durch die Eidsgenossenschaft sammt Nachrichten für Reisende über Postenlauf, Geldeswerth und Gasthöfe. Bd. 2, M bis Z. Aarau 1822 – S. 692. [Münchener DigitalisierungsZentrum (MDZ)]
  • Lutz, M.: Vollständige Beschreibung des Schweizerlandes. Oder geographisch-statistisches Hand-Lexikon über alle in gesammter Eidgenossenschaft befindlichen Kantone, Bezirke, Kreise, Aemter, so wie aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Klöster, auch aller Berge, Thäler, Seen, Flüsse, Bäche und Heilquellen nach alphabetischer Ordnung. Herausgegeben im Verein mit Vaterlandsfreunden von Markus Lutz, Pfarrer in Läufelfingen, im Kanton Basel. Dritter Theil, P bis Z. Zweite durchaus umgearbeitete und viel vermehrte Ausgabe. Aarau 1827-1835 – S. 470. [e-rara.ch Nr. 18516]

Blüte unter Meyer von Knonau, Vogel et al.

Ab den 1830er-Jahren dominieren die auf den Kanton Zürich fokussierten Publikationen von Gerold Meyer von Knonau und Friedrich Vogel für zwei Jahrzehnte die Szene – wenigstens, was das im Titel dieses Artikels gewählte Orchideenthema betrifft:
  • Meyer von Knonau, G.: Der Kanton Zürich, historisch, geographisch, statistisch geschildert. Beschreibung aller in demselben befindlichen Berge, Seen, Flüsse, Heilquellen, Städte, Flecken, merkwürdige Dörfer, so wie der Schlösser, Burgen und Klöster, nebst Anweisung denselben auf die genussvollste und nützlichste Weise zu bereisen. Ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende. St. Gallen/Bern 1834 – S. 317 (Haupteintrag). Weiach weiter erwähnt auf S. 14, 18, 65, 93, 96 u. 299. [e-Helvetica nbdig-40925]
  • Vogel, F.: Ortslexikon des Kantons Zürich oder alphabetische Aufzählung aller Ortschaften, Höfe und einzelnen Wohnungen des Kantons, die besondere Namen tragen, mit Angabe der bürgerlichen und kirchlichen Abtheilungen, in welche sie gehören, u.a.m. Zürich 1835 – S. 219 (Haupteintrag). Weitere Einträge über Weyach: S. 21, 22, 24, 31, 50, 70/71, 77, 85, 87, 97, 103, 112, 132, 152, 188, 189, 223 u. 259.
  • Lutz, M.: Dictionnaire geographique et statistique de la Suisse. Lausanne 1837 – Tome 2, S. 770 (Hauptartikel). [Google Books]
  • Die Volkszählung des Kantons Zürich am 9., 10. und 11. Mai 1836. Ein Nachtrag zu Gerold Meyer’s von Knonau Gemälde des Kantons Zürich, und Friedrich Vogels Ortslexikon des Kantons Zürich. Zürich 1837 – u.a. S. 50. [StAZH Dg 210]
  • Vogel, F.: Neues Ortslexikon des Kantons Zürich oder alphabetisches Verzeichniß aller Ortschaften, Höfe und einzelnen Wohnhäuser, die besondere Namen führen, mit Angabe der Gemeinde, zu welcher sie gehören, ihrer Lage u.s.f. und verschiedenen statistischen Notizen. Zweite, verbesserte und vermehrte Ausgabe. Zürich 1841 – S. 296 (Haupteintrag). [Stand Ende 1839]. [Google Books]
  • Vogel, F.: Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich. Zürich 1841 – S. 672 (Haupteintrag), weitere Einträge zu Weyach: S. 132, 136, 339, 367 und 733. [e-rara.ch Nr. 26390]
  • Schinz, H. R.: Der Kanton Zürich in naturgeschichtlicher und landwirtschaftlicher Beziehung dargestellt. Ein Handbuch für Schulen, so wie zur Belehrung und Unterhaltung für jedes Alter. Zürich 1842 – S. 44, 91 u. 118. [e-rara.ch Nr. 22589]
  • Meyer von Knonau, G.: Der Canton Zürich, historisch-geographisch-statistisch geschildert von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. (Historisch-geographisch-statistisches Gemälde der Schweiz) Zweite Auflage. Teil I: St. Gallen und Bern, 1844; Teil II: St. Gallen und Bern, 1846 – S. II.521f (Hauptartikel), weitere Fundstellen: Bd. I. S. 51, 53, 55, 121, 152, 174 u. 273. Bd. II. S. 313, 364 u. 381. [Teil I 1844: e-rara.ch Nr. 27380]
  • Vogel, F.: Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820. Zürich, 1845 (Nachdruck 1857) – S. 818 (Hauptartikel). Einer der ausführlichsten Lexikonartikel über Weiach, die je verfasst wurden, vgl. für weitere Erwähnungen v. Weiach die Ausgabe 1857. [e-rara.ch Nr. 26753]
  • Leuthy, J. J.: Geographisch-statistisches Handlexikon des Schweizerlandes. Zürich 1846 – S. 725 (Auf S. 733: «Weyach, siehe Weiach»). [StAZH Eh 300; e-rara.ch Nr. 67724] [S. 63, 234, 235, 306 u. 733 zu Weyach; S. 38, 88, 98, 114, 196, 336, 348, 374, 455, 525, 588, 625, 725 u. 739 zu Weiach]
  • Die Volkszählung im Kanton Zürich vom 18. bis 23. März 1850. Nach ihren interessantesten Beziehungen bearbeitet von Gerold Meyer von Knonau und Friedrich Vogel. Zürich 1851 – S. 154/155 u. 163. [StAZH Dg 211]
  • Kurzes Orts- und Bevölkerungs-Lexikon der Schweiz, enthaltend ein alphabetisches, bezirks- und kantonsweise geordnetes Verzeichniß der sämmtlichen Gemeinden, ihrer konfessionellen Bevölkerung mit Bezeichnung der Bezirks- und Kantonshauptorte und der Pfarrdörfer, nach amtlichen Quellen bearbeitet. Bern/Zürich 1851 – S. 161. [e-Helvetica nbdig-727852]
  • Vogel, F.: Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1840 bis 1850. Zürich 1853 – S. 446 (Hauptartikel), weitere Fundstellen zu Weyach S. 180, 237, 244, 289, 317, 332, 379, 582, 631 u. 684. [e-rara.ch Nr. 26754]
  • v. Sprecher, A.: Vollständiges geographisch-statistisches Hand-Lexikon der Schweizerischen Eidgenossenschaft von M. Lutz. 2 Bde. Aarau 1856 – Zweiter Band, S. 444. [StAZH Eh 303:2]
  • Vogel, F.: Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820. Zürich 1857 (Nachdruck der Ausgabe von 1845) – S. 818 (Hauptartikel). Weitere Einträge zu Weyach: S. 9, 159, 183, 186, 190, 193, 194, 200, 262, 458, 468, 752 u. 754. [e-rara.ch Nr. 26753]

Memorabilien sind nicht mehr so gefragt, Statistische Darstellungen umso mehr

Der Trend zum statistisch aufgewerteten Lexikon setzt sich in den 1860er-Jahren fort. Die Tradition der Memorabilia Tigurina hingegen läuft 1870 aus. Zeichen der industrialisierten Zeit des fin-de-siecle:
  • Lutz, M.: Dictionnaire geographique et statistique de la Suisse. Nouvelle édition, refondue et augmentée. Lausanne 1861 – Tome 2, S. 499 (Hauptartikel). [Google Books]
  • Weber, H. (Hrsg.: Fink u. Comp.): Neues Vollständiges Ortslexikon der Schweiz. Ein unentbehrliches Handbuch für Jedermann. Zürich 1862 – S. 581 (Hauptartikel). (Auf S. 576: «Weiach, siehe Weyach»).
  • Näf, A.: Geschichte der Kirchgemeinde Glattfelden mit Hinweisungen auf die Umgebung. Bülach 1863.
  • Stettler, J. R.: Schweizerisches Orts- und Gewerbe-Lexikon. Erster Band: Die Ortschaften und Gemeinden der Schweiz. Bern 1864 – S. 252-253 (vgl. Nachtrag 1872).
  • Nüscheler, A.: Die Gotteshäuser der Schweiz. Historisch-antiquarische Forschungen. Zweites Heft: Bisthum Constanz. Erste Abtheilung: Archidiakonate Breisgau, Klettgau, vor dem Schwarzwald und Thurgau. Zürich 1867 – S. 15 (vgl. Die Weiacher Kirche in Nüschelers «Gotteshäusern», WeiachBlog Nr. 930 v. 14. Oktober 2010).
  • von Escher, G.: Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten des Kantons Zürich 1850 bis 1860. Zürich 1870 – S. 685-686 (Hauptartikel). Weitere Einträge zu Weiach: S. 323, 340, 341, 421, 561 u. 731. [e-rara.ch Nr. 26609]
  • Weber, H.: Neues vollständiges Ortslexikon der Schweiz. Nach den zuverlässigsten Quellen bearbeitet von H.W. Ein unentbehrliches Handbuch für Jedermann. Neue Ausgabe. Zürich 1870 – S. 581.
  • Stettler, J. R.: Nachtrag zum Schweizerischen Ortslexikon. Enthaltend sämtliche seit 1864 eingetretenen Veränderungen und neuerrichteten Bahn-, Post- und Telegraphenstationen. Nach amtlichen Quellen ergänzt bis 1. October 1871. Bern 1872 – S. 58.
  • Weber, H.: Geschichtliches, Geographisch-statistisches Handlexikon des Kantons Zürich. Ein Handbuch für Jedermann. Zürich 1873 – S. 226 (Hauptartikel). Weitere Einträge zu Weiach: S. 12, 20, 67, 88, 91, 149 u. 196.

Lokales Interesse an der Ortsgeschichte

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts kommen die Regionalgeschichten auf. In Form von Zeitungsartikeln und daraus entstehenden Separatdrucken:
  • [N.N.]: Aus alten Zeiten. B. Bezirk Dielsdorf. 16. Weiach. In: Bülach-Dielsdorfer Volksfreund, Nr. 22, 16. März 1878 – S. 2, Lokales.
  • Steiger, H.: Neues Orts- und Bevölkerungs-Lexikon der Schweiz. Nach officiellen Quellen zusammengestellt von H. Steiger, Secretär des eidgenössisch-statistischen Bureau. Zürich 1881.
  • Biedermann, C.: Geschichte des Bezirkes Dielsdorf. Bülach 1882. [ZBZ BU 332; StAZH Dc D 20]
  • Wild, A. (Hrsg): Am Zürcher Rheine. Taschenbuch für Eglisau und Umgebung. Unter Mitwirkung von Gelehrten und Freunden der Heimatskunde herausgegeben von Albert Wild, Pfarrer zu Eglisau. Erster Theil: Eglisau in der Gegenwart und Vergangenheit, Zürich 1883 [ZBZ IV GG 819]. Zweiter Theil: Die Umgebung von Eglisau, Zürich 1884 [ZBZ IV GG 819 a]. Weiach erwähnt in Bd. 1 S. 62, 64, 146, 153, 163, 212, 255, 273 u. 353. Bd. II S. 12, 104, 120, 138, 140, 144, 149, 159, 223, 229-233, 237, 239-247, 250, 252-254, 258, 261 u. 263. Weiacherberg erwähnt in Bd. II S. 218, 223, 226, 228, 232, 238, 239, 241, 243, 245-260, 262 u. 263. Weiacherfluh in Bd. II S. 132 u. 199. Weiacherhard erwähnt in Bd. II S. 144 u. 214.
  • Weber, H.; Henne am Rhyn, O.: Neues vollständiges Ortslexikon der Schweiz. 2. Aufl. St.Gallen 1886 – S. 651.
  • Lambelet, G.: Neues Orts- und Bevölkerungs-Lexikon der Schweiz. Nach offiziellen Quellen zusammengestellt von G.L., Statistiker des eidgenössischen statistischen Bureaus. Zürich 1889.
  • Wirz, K.: Etat des Zürcher Ministeriums von der Reformation bis zur Gegenwart. Aus gedruckten und ungedruckten Quellen zusammengestellt und nach Kirchgemeinden geordnet. Zürich 1890.
  • Eidg. Statistisches Bureau (Hrsg.): Schweizerisches Ortschaftenverzeichnis. Bern 1895 – S. 8.

Von Bedeutung für den Weltverkehr

Kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts war Weiach sogar in Publikationen aus dem Deutschen Kaiserreich «von irgendwelcher Bedeutung für den Weltverkehr»:
  • Ritter, K.: Ritters geographisch-statistisches Lexikon. Über die Erdteile, Länder, Meere, Buchten, Häfen, Seen, Flüsse, Inseln, Gebirge, Staaten, Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Bäder, Bergwerke, Kanäle etc. Ein Nachschlagewerk über jeden geographischen Namen der Erde von irgendwelcher Bedeutung für den Weltverkehr. 8., vollst. umgearb., vermehrte und verb. Aufl. Leipzig 1895.
  • Ritters geographisch-statistisches Lexikon. 8., vollständig umgearbeitete, vermehrte und verbesserte Auflage. 2. Abdruck mit einem Nachtrage. Leipzig 1898 – S. 1095.
  • Penzler, J.: Ritters Geographisch-Statistisches Lexikon über die Erdteile, Länder, Meere, Häfen, Seen, Flüsse, Inseln, Gebirge, Staaten, Städte, Flecken, Dörfer, Bäder, Kanäle, Eisenbahnen, Post- und Telegraphenämter u.s.w : ein Nachschlagewerk über jeden geographischen Namen der Erde von irgendwelcher Bedeutung für den Weltverkehr. 9., vollständig umgearbeitete, sehr stark vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig 1906 – S. 1227. [ZBZ LS 91 BAB 010:2]
  • Eidg. Statistisches Bureau (Hrsg.): Schweizerisches Ortschaftenverzeichnis. Bern 1906 – S. 8. [StAZH Eh 312]
  • Lexikon der Schweiz für Handel und Verwaltung. Bibliothek des Geographischen Lexikons der Schweiz. Neuenburg 1908 – S. 758-759.
  • Schweizerisches Orts-Lexikon. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von G. Brunner, Beamter des statistischen Bureau bei der Generaldirektion der S.B.B. Vierte, vollständig umgearbeitete Auflage. Neuchâtel 1909 – S. 77. [StAZH Eh 318]

GLS und HBLS: die grossen Schweizer Lexika bis zum 2. Weltkrieg

In den gross angelegten Standardwerken Geographisches Lexikon der Schweiz und Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz durfte Weiach natürlich auch nicht fehlen:
  • Brunner, H.: Geographisches Lexikon der Schweiz. Deutsche Ausgabe. Sechster und letzter Band, Tavetsch (Val) – Zybachsplatte. Neuenburg 1910 – S. 592 (Hauptartikel).
  • Penzler, J.: Ritters Geographisch-statistisches Lexikon über die Erdteile, Länder, Meere, Häfen, Seen, Flüsse, Inseln, Gebirge, Staaten, Städte, Flecken, Dörfer, Bäder, Kanäle, Eisenbahnen, Post- und Telegraphenämter u.s.w. Zweiter Band. L-Z. Neunte revidierte Auflage, [Revidierter Neudruck der 9. vollständig umgearb. sehr stark verm. und verb. Auflage] Leipzig 1910. [StAZH Eh 258:2]
  • Wettstein, O.: Heimatkunde des Kantons Zürich, Zürich 1913 – S. 182 u. 196-197.
  • Binder, G.; Heer, A.: Unsere Heimat. Der Schule und dem Volk des Kantons Zürich gewidmet. Druck und Verlag: Art. Institut Orell Füssli. Zürich 1914 bzw. 1915.
  • Eidg. Statistisches Bureau (Hrsg.): Schweizerisches Ortschaftenverzeichnis. Bern 1920 – S. 13 u. 76. [StAZH Eh 320]
  • Binder, G.: Aus dem Volksleben des Zürcher Unterlandes. Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 25/26. Basel 1925. [ZBZ DU 1107]
  • Jacot, A.: Schweizerische Verkehrs-Karte mit Orts-Lexikon. Jubiläumsausgabe 25'000 Orte. Zwölfte/Dreizehnte Auflage. Zürich 1926 – S. 176 u. 227.
  • Schweizerische Post- und Telegraphenverwaltung (Hrsg.): Ortsbuch der Schweiz. Bern 1928 – S. 814.
  • Illustrierter Führer durch den Bezirk Dielsdorf. Verkehrsverein des Bezirks Dielsdorf (Hrsg.) unter Mitwirkung des Schulkapitels, landwirtschaftlicher, gewerblicher und weiterer Fachkreise. Kilchberg 1932 [NB N 33630/16; Z DU 1953; Z FY 5005]
  • Schwyzer, J.: Wanderungen im Zürichgau. Plaudereien. 4 Bändchen. Zürich, 1931-1938. Band 1, 2. Auflage: Zürich 1933 – S. 26-28.
  • Tribolet, H.: Historisch-biographisches Lexikon der Schweiz [HBLS]. Deutsche Ausgabe. Siebenter und letzter Band, Tinguely – Zyro. Neuenburg 1934 – S. 454. [Total 7 Bände + ein Supplement, 1921-1934].
  • Statistisches Bureau des Kantons Zürich (Hrsg.): Bevölkerung, Ortschaften und Gemeindeeinteilung des Kantons Zürich. Zürich 1934 – S. 30-31.

Die Kunstführer kommen

In der Zwischenkriegszeit sind Kunstführer en vogue. Dazu - sozusagen als geistige Landesverteidigung vor Ort - auch vermehrt die sog. Bezirkschroniken: heimatkundliche Darstellungen auf regionaler Ebene.
  • Jenny, H.: Kunstführer der Schweiz. Ein Handbuch, unter besonderer Berücksichtigung der Baukunst. Küssnacht am Rigi 1934 – S. 175. [NB N 36585]
  • Jenny, H.: Kunstführer der Schweiz. Ein Handbuch, unter besonderer Berücksichtigung der Baukunst. 2. Aufl. Bern [1935] – S. 175. [NB N 40092]
  • Hedinger, H.: Wanderatlas der Zürcher Jllustrierten Nr. 10A. Zürich Nord-West. Zürich, 1937 –S. 76-77.
  • Jenny, H.: Kunstführer der Schweiz. Ein Handbuch, unter besonderer Berücksichtigung der Baukunst. 3. Aufl. Bern 1940 – S. 175. [NB N 45606]
  • Fietz, H.: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich [Kdm]. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. [Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 15]. Basel 1943 – S. 143-144.
  • Chronik Bezirke Bülach / Dielsdorf / Pfäffikon. Geschichte. Industrie, Handel, Gewerbe. Geschichtlicher Teil verfasst von P. Kläui. Zürich 1944 – S. 68.
  • Rüd, E.: Heimatkundliches aus dem Zürcher Unterland. Separatdruck aus der Bülach-Dielsdorfer Wochen-Zeitung. Bülach [1945] – S. 170-172.
  • Schaad, Th.: Heimatkunde des Kantons Zürich. I. Teil: Andelfingen/Bülach/Dielsdorf. Zürich, 1945 – S. 64.
  • Schweizer Lexikon in 7 Bänden. Encyclios Verlag. Zürich 1945-1948.
  • Hahnloser H.R. (Hrsg.): Kunstführer der Schweiz. Ein Handbuch unter besonderer Berücksichtigung der Baukunst. 4., zum Teil revidierte Aufl. Kanton Zürich teilweise revidiert durch Dr. Samuel Guyer. Bern [1946] S. 578. [NB N 54616]
  • Kläui, P.; Dejung, E.; Ganz, W.: Kanton Zürich. Band I. Zollikon, 1948 – S. 190-194.
  • Schweizer Lexikon in zwei Bänden. Encyclios Verlag. Zürich 1948-1950.
  • Dejung, E.; Wuhrmann, W.: Zürcher Pfarrerbuch 1519–1952. Zürich 1953.

Mit der Lupe heranzoomen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgt noch einmal eine letzte Blüte der Bezirkschroniken, Heimatartikel und -bücher:
  • Hintermann, M.: Rund um Kaiserstuhl. Kaiserstuhl, Fisibach, Bachs, Weiach, Hohentengen, Herdern, Günzgen, Stetten, Lienheim. [SA der Artikelserie «Von Rheinau bis Waldshut» in der Beilage «Grenzheimat» im «Zurzacher Volksblatt» 1952-1953]. Selbstverlag. Oberglatt 1955 – S. 40-44. Weitere Fundstellen: S. 7-8 u. 13.
  • Ess, J. J.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hg. von der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege ZAW. 1. Auflage, Zürich 1958 – S. 52-53. [ZBZ TU 609: 5 ed. 1]
  • b.s.: Porträt einer Zürcher Gemeinde. Weiach. In: Zü[rcher] Wo[che], 21. Oktober 1960 (vgl. Keineswegs steinreich. Ein Porträt der Gemeinde Weiach in der «Zürcher Woche», 1960. Weiacher Geschichte(n) Nr. 78. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach Mai 2006 – S. 17-18; Gesamtausgabe: S. 271-272).
  • Nussberger, P.; Schneiter, E.: Kanton Zürich. Heimatgeschichte und Wirtschaft. Bezirkschroniken des Kantons Zürich. Band V: Pfäffikon Bülach Dielsdorf. Zürich, 1962 – Teil I, S. 177-178; Teil II, S. 37, 156 u. 218.
  • Meierhofer-Nauer, A.: Historischer Beitrag. In: Mühlheim, E. (red.): Weiacher Kies. Stäfa 1963 (vgl. Das «Weiacher Kies»-Buch von 1963. WeiachBlog Nr. 986 v. 11. Februar 2011).
  • sl.: Weiach. In: Volksrecht (Zeitung), 67. Jahrgang, Nr. 203, Samstag, 29. August 1964. [StAZH III Pz Weiach, Nr. 5]

Longseller Wanderführer

Wandern war seit den 1920ern im Trend. Da konnten natürlich ab dem Ende der 50er-Jahre auch die dazugehörenden Reiseführer nicht ausbleiben. Parallel dazu tauchen die ersten rein auf Weiach bezogenen ortsgeschichtlichen Darstellungen auf:
  • Ess, J. J.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hg. von der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege ZAW. 2. Auflage, Zürich 1964 – S. 53-54. [ZBZ TU 609: 5 ed. 2]
  • Maurer, E.: Die Kirche zu Weiach. Hrsg.: Evang.-ref. Kirchgemeinde Weiach. Weiach 1965. (PDF, 1146 KB, mit Bildern. Kommentare von Ulrich Brandenberger, Stand: April 2019. Internes Arbeitspapier)
  • Eidg. Statistisches Bureau (Hrsg.): Schweizerisches Ortschaftenverzeichnis. Bern 1965-67 – Bd. III, S. 274.
  • Maurer, E.: Eine neue Orgel für die Kirche Weiach. Hrsg.: Kirchenpflege Weiach. Weiach 1966 (PDF, 227 KB, ohne Bilder; interne Arbeitskopie).
  • Heinrich Gutersohn. Geographie der Schweiz. Band III: Mittelland. Teil 2: Luzern, Zug, Aargau, Schwyz, Zürich, St.Gallen, Thurgau, Schaffhausen. Bern 1969 – S. 200 u. 215. [ZBZ LS 91 DAA 300:3:2]
  • Hedinger, H.: Das Zürcher Unterland. Schweizer Heimatbücher, Nr. 153. Bern 1971 – u.a. S. 71. [NB, Lesesaal (Ebene 2), Signatur: JB 914.9457]
  • Ess, J. J.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hg. von der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege ZAW. 3. Auflage, überarbeitet von Max Brunner, NZZ-Verlag, Zürich 1971.
  • Farnum, J. H.: 17 Ausflüge zu den alten Römern in der Schweiz. Übersetzt aus dem Englischen von Heidi Meyer-Küng. Bern 1972 – S. 9-15, 49-50.
  • Kunstführer durch die Schweiz. Begründet von Hans Jenny [vgl. ab 1934 oben]; Hrsg. von der Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte. 5., vollst. neu bearb. Aufl. Wabern 1971-1982 – Bd. 1, S. 845 [NB N 123623/1]
  • Kunstführer durch die Schweiz. Begründet von Hans Jenny. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. 6., durchgesehene Auflage, 1975 – S. 845. Gemäss Nationalbibliothek ist 1976 Erscheinungsjahr [NB N 139492]
  • Bautz, F. W.; ab 1992 Bautz, T. (Hrsg.): Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon. Bd. 1-2, Hamm 1990-1991; Bd. 3-18, Herzberg 1992-2001; Bd. 19-38, Nordhausen 2001-2017. Weiacher Bezug in Band II (1990) Sp. 1075-1076, Band XV (1999) Sp. 510-514, Band XXI (2003) Sp. 155-158. [Online: https://www.bbkl.de]
  • Ziegler, P.: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 49 (142. Neujahrsblatt). Zürich 1977 – S. 106.
  • Bär, G.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hg. von der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege ZAW. 4. Auflage, Verlag NZZ, Zürich 1977.

Auch in den Museumsführern drin

In den letzten vier Jahrzehnten bis zur Gegenwart findet Weiach neben den schon seit Jahrzehnten als Longsellern aufgelegten Wanderführern nun auch in Museumsführern Eingang - Ortsmuseum sei Dank:
  • Schärer, M. R.: Schweizer Museumsführer mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein. Begründet von Claude Lapaire. 2. Auflage. Bern 1980 – Nr. 471.
  • Debrunner, W.: Pfarrbücher und Bevölkerungsverzeichnisse [der Zürcher Landschaft]. Hrsg. v. Staatsarchiv des Kt. Zürich. Zürich 1982, 60 S. (Sonderabdruck aus: Gesamtinventar des StAZH)
  • Neues Schweizerisches Ortslexikon. 23. Auflage. München/Luzern 1983 – S. 333. [ZBZ LS 91 DAA 060]
  • Weiach – lebendiges Dorf in der nordwestlichen Ecke des Zürcher Unterlandes; sowie: Lenisa, M.: Weiach – eine Dorfgemeinschaft verwirklicht sich. In: Neues Bülacher Tagblatt, Mittwoch, 18. April 1984.
  • Iseli, Lindenmeyer, Weilenmann: Geographie für die 5. Klasse. Bd. 5: Zürcher Unterland. Zürich 1984.
  • Sigg, O.; Pretto, A.: Kurzführer durch die zürcherischen Ortsmuseen. In: Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1985 [auch als SA unter dem Titel: Zürcher Ortsmuseen]
  • Keller-Schoch, G.: Geschichte zum Anfassen. Ein Führer durch 54 Zürcher Ortsmuseen. Hrsg.: Pestalozzianum. Fachstelle Schule und Museum. Zürich 1985 – S. 96-97.
  • Hudson, K; Nicholls, A.: The Directory of Museums and Living Displays. 3rd edition. New York 1985 – S. 776. [ZBZ LS 00 LCA 201]
  • Bär, G.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hg. von der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege ZAW. 5., überarb. Auflage, Zürich 1986 – S. 77-78 u. 158-159.

Vom VZGV über den Wospi bis zur Wikipedia

Das letzte klassische Heimatbuch war das zum Jubiläum der Gemeindeschreiber aufgelegte Büchlein. Weiter führte der Wospi sozusagen die Tradition der lokal fokussierten Gemeindebeschreibungen fort.
  • [Meier, H.]: Weiach. In: Die Gemeinden im Kanton Zürich. Zum Jubiläum 125 Jahre Verein Zürcherischer Gemeinderatsschreiber und Verwaltungsbeamter 1856-1981. Hrsg.: VZGV. 1. u. 2. Aufl. Zürich 1981 – S. 269; Neue, überarb. Auflage. Zürich 1990. [3. Aufl.] – S. 257.
  • Schweizer Lexikon 91. 6 Bände. Verlag Schweizer Lexikon. Luzern 1991-1993 – Bd. VI S. 605.
  • Doelker, Ch. (Hrsg.): Panorama Kanton Zürich. Schulklassen sehen ihre Gemeinde. Pestalozzianum. Zürich 1992 – S. 199 u. 216.
  • Baer, G.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hg. von der Zürcherischen Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege ZAW. 6. Auflage, Zürich 1992.
  • Weibel, Th: Historische Kurzbeschreibungen der Siedlungen im Neuamt. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Zürich, Zürich 1995 – S. 53ff.
  • Brülisauer, J. et al. (Red.): Schweizer Museumsführer mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein. Hrsg. vom Verband der Museen der Schweiz. 7. Auflage. Basel/Berlin 1996 – Nr. 733.
  • Eichhörnchen, Einhörner, Eichenlaub. Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Zürich 1998.
  • Schweizer Lexikon. 12 Bände. Verlag Schweizer Lexikon, Volksausgabe. Visp, 1998-1999 – Bd. XII, S. 186.
  • Weiach. In: WochenSpiegel (wospi) Nr. 6 / 19.Jg., 11. Februar 1999 – S. 18.
  • Schulthess, H.: Historisches Ortsverzeichnis des Zürchergebietes. Wallisellen 2000.
  • Appenzeller, W.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hrsg. von den Zürcher Wanderwegen (ZAW), 8., neu bearb. Aufl.; NZZ Verlag, Zürich 2001 – S. 68.
  • Schweizer Museumsführer. Museen, Sammlungen und Ausstellungsorte in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein; 9. Aufl., Verlag Friedrich Reinhardt, Basel 2002 – Nr. 797.
  • Museums of the World. 10th revised and enlarged edition. [Handbook of International Documentation and Information, Volume 16]. München 2003 – Vol. I, S. 596 [ZBZ LS 00 LCA 200:1]
  • Wikipedia, die freie Enzyklopädie. Hauptartikel «Weiach» von Brandenberger, U. et al. Dynamischer Text mit Hyperlinks. Ab 16. Mai 2003; laufende Revisionen.
  • Ritter, Ch.; Wunderli, P.: Gemeindeporträt. Weiach – von Wachstumsproblemen und anderen Besonderheiten. In: wospi (Wochenspiegel), 9. Oktober 2003 – S. 14-16.
  • Appenzeller, W.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hrsg. von den Zürcher Wanderwegen (ZAW), 9., nachgeführte Aufl.; Zürich 2003.

EXPO.02 zu LSG, Kantonskunstführer und HLS

Die wichtigsten Publikationen des 21. Jahrhunderts umfassen eine toponomastische Referenzpublikation (Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen) im Nachgang zur Landesausstellung EXPO.02 (Projekt Onoma), die Zürcher Ausgabe des Kunstführers durch die Schweiz, die von Mitarbeitern der kantonalen Denkmalpflege besorgt wurde, sowie das neue historische Standardwerk, das Historische Lexikon der Schweiz, das komplett in den drei Landessprachen Deutsch, Français und Italiano erschienen ist und nun in elektronischer Form weitergeführt wird.
  • Kristol, A.: «Weiach». In: Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – LSG [dreisprachig. Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel (ed.)]. Frauenfeld, 2005 – S. 960.
  • Die Gemeinde Weiach – ein Kurzporträt. (Rubrik Gemeindeporträt) In: wospi (Wochenspiegel), 15. September 2005 – S. 24.
  • Kunstführer durch die Schweiz. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte; Vollständig neubearbeitete Ausgabe, 1. Aufl., Bern 2005 – S. 925 [NB JA 709.494 KFS (Lesesaal Ebene 1)]
  • Böhmer, R.; Müller, Th.: Kunstführer durch den Kanton Zürich, Zürich 2008 – S. 249.
  • Steinemann, B.: Herzlich willkommen in Weiach. Rubrik Willkommen in... In: wospi. Der Wochenspiegel für das Zürcher Unterland, Nr. 45, 10. November 2010 – S. 15.
  • Appenzeller, W.: Auf Wanderwegen im Zürcher Unterland, Rafzerfeld und Weinland. Hrsg. von den Zürcher Wanderwegen (ZAW), 10. Aufl.; Zürich 2010.
  • Historisches Lexikon der Schweiz. Hauptartikel «Weiach» von M. Illi. Druckversion: Bd. 13. Deutsch, Basel 2014 – S. 329; Bd. 13 Français, Bâle/Hauterive 2014 – S. 393; Bd. 13 Italiano, Basilea/Locarno 2014 – S. 421-422. Elektronische Version: Deutsche Originalfassung, Französische Übersetzung; Italienische Übersetzung, Stand: 11. Januar 2015. Weitere 11 Artikel in denen Weiach erwähnt wird, vgl. Suchmaschine auf hls-dhs-dss.ch

[Veröffentlicht am 8. Juni 2019 um 16:50 MESZ]

Donnerstag, 31. Mai 2018

Die Urkunde von 1287: Ortszuweisung richtiggestellt

Das älteste erhaltene Schriftstück, in dem der Ortsname «Wiach» erscheint, stammt vom Jahreswechsel 1166/1167: eine Urkunde aus den Archiven des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen (vgl. WeiachBlog Nr. 586). Bei diesem «Wiach» handelt es sich um das heutige «Wiechs um Randen», nicht um Weiach. Das war aber nicht der einzige Zweifelsfall.

Ein Weiach mit Fragezeichen

Im Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Zürich (UBZH) findet man als Nr. 1999 in Bd. 5 ein Dokument, das bis vor kurzem mit folgenden Eckdaten im Online-Katalog des Staatsarchivs des Kantons Zürich verzeichnet war:

Signatur: C I, Nr. 2808
Titel: Der Edle Rudolf von Wädenswil und seine Töchter verkaufen dem Johanniterhaus Bubikon die Burg Wädenswil und die dazu gehörigen Besitzungen und Rechte in Wädenswil und Richterswil.
Entstehungszeitraum: 17.07.1287
Entstehungszeitraum, Streudaten: 03.09.1287 - 05.09.1287
Anzahl Bestelleinheiten: 1
Archivalienart: Urkunde/Urkundenabschrift
Dokumentspezifische Merkmale
Ausstellungsort: Burg Wädenswil / Weiach (?) / Hünenberg
Kollation: Original, Pergament, Latein. Alle 8 Siegel hängen.

Weiach? Mit Fragezeichen? Diese Wädenswiler Urkunde würde zwar nicht die älteste, aber doch immerhin die fünftälteste Nennung des Ortsnamens enthalten - nach der ersten erhaltenen Erwähnung von 1271.

Für die geprüften Fundstellen vor dem Beginn des 14. Jahrhunderts (Zählung nach Elementa Toponomastica Wiachiana): 1271 (ETW 1); 1276 (ETW 2); 1279 (ETW 3); 1281 (ETW 4); 1295 (ETW 5) und 1298 (ETW 6).

Kopfregest passt nicht zu den Kommentaren

Im Kopfregest (UBZH V, 339; herausgegeben 1900/01) haben die Bearbeiter als einen der  Ausstellungsorte tatsächlich «Weiach (?)» notiert. Im Text selber (Kopie des Originals gleich darunter) findet man Weiach jedoch nicht.



Der einzige Hinweis in der Urkunde, der zu diesem ominösen «Weiach (?)» passt, findet sich im UBZH auf Seite 342. Die zur Datumsangabe gehörende Nennung zum 3. September 1287 wurde von den damaligen Bearbeitern selber als «apud Wike»  transkribiert und in der dazugehörigen Fussnote auch gleich als «Die Burg Wikon, Pf. Rieden, Ct. Luzern...» erklärt.

Die für mich plausibelste Hypothese wäre, dass der im elektronischen Archivkatalog gelandete Eintrag als irrtümlich für die Druckausgabe nicht korrigiertes Relikt einer unklaren Lesung der später als «apud Wike» aufgenommenen Passage zu verstehen ist.

Wädenswil-Connection?

Martin Leonhard vom Staatsarchiv des Kantons Zürich hat sich diese Passage freundlicherweise ebenfalls angesehen und überprüft, ob auch im Original «apud Wike» steht. Wenn das nämlich nicht der Fall wäre (und man die Ortsbezeichnung als «Wich», «Wiach» o.ä. lesen müsste), dann würde es aus Sicht der Weiacher Ortsgeschichte spannend. Man müsste sich dann nämlich fragen, was die Edlen von Wädenswil mit Weiach zu tun hatten. Leonhard antwortete am 25. April 2018:

«Zu Ihrer Frage betr. UBZH 5.342: Die Verzeichnung im Archivkatalog geht auf die (widersprüchlichen) Angaben im Urkundenbuch zurück: "Weiach (?)" im Kopfregest vs. "Die Burg Wikon, Pfr. Rieden [heute: Reiden], Ct. Luzern" im Kommentar. Die Orts- und Flurnamen des Bezirks Willisau, in dem Wikon liegt, sind in der Reihe der Luzerner Namenbücher noch nicht bearbeitet. Das Lexikon der Schweizerischen Gemeindenamen führt den Beleg nicht auf (Wikon ist auch eine Gemeinde), die dortigen Belege zu Wikon einerseits, und zu Weiach anderseits schliessen Weiach aber wohl aus (vgl. vorläufig https://search.ortsnamen.ch/, zukünftig dann http://www.ds.uzh.ch/zuerchersiedlungsnamen/)»

Entsprechend hat Leonhard im Archivkatalog den Vermerk «Weiach (?)» durch «Wikon (?)» ersetzt.

Wike: der Beweis im Original

Ist also die Annahme plausibel, dass es sich beim Eintrag «Weiach (?)» im Kopfregest lediglich um ein redaktionelles Versehen der Bearbeiter gehandelt hat? Ja, sagt Leonhard: «Die Lesung «a predicta Elisabeth apud Wike» scheint mir hier sehr plausibel»:


Und fügt hinzu: «In den Urkundenbüchern sind im Gegensatz zu den Lesungen noch verschiedene Ortszuweisungen etwas seltsam, weswegen jeweils Vorsicht geboten ist.» (e-mail vom 2. Mai 2018).

Daraus lässt sich schliessen, dass die Bearbeiter der Kopfregeste und die Erarbeiter der Kommentare ihre Arbeiten nicht genügend abgeglichen haben. 118 Jahre später ist nun zumindest dieser Punkt bereinigt.

[Veröffentlicht am 2. Juni 2019 um 12:17 MESZ]

Dienstag, 22. Mai 2018

Gemeindepräsident Lenisa im Interview, Mai 1983

In den ersten Jahren der «Mitteilungen für die Gemeinde Weiach» (MGW) erschien «Unter uns», eine Interviewserie mit Personen des öffentlichen Interesses aus unserem Dorf (vgl. den Einführungsartikel WeiachBlog Nr. 784 vom 5. März 2010).

Dem letzten Interview (mit dem in Weiach stationierten Kantonspolizisten, erschienen am 6. März 2010) folgt nachstehend das erste Interview der Reihe.

Befragt wurde Mauro Lenisa, der Begründer der MGW und erste Gemeindepräsident von Weiach, der nicht von Geburt weg Gemeindebürger war. Lenisa wurde damit quasi zum Trendsetter, denn seit seiner Amtszeit ist das Präsidentenamt bis auf eine Ausnahme (Paul Willi) immer von Hierhergezogenen bekleidet worden, die gleich ihm bei Amtsantritt das Bürgerrecht erhielten.

Lesen Sie, was die Lokalpolitik damals vor 35 Jahren umgetrieben hat:

UNTER UNS...

In lockerer Folge wird auf dieser Seite berichtet werden aus unserer Gemeinde.

Heute z.B. über
Herrn Mauro Lenisa
Gemeindepräsident

23. Mai 1983
R. Brandenberger

R.B. - Herr Lenisa, wie kommt jemand mit Berner Mundart und einem italienischen oder romanischen Namen in eine Zürcher Gemeinde?

M.L. - Ich bin Berner Bürger und dort aufgewachsen - daher das Berndeutsch. ich kann aber auch Zürichdeutsch, wenn es gewünscht wird! Die Herkunft meines Namens wird noch von der Heraldischen Gesellschaft abgeklärt; das Wappen weist eher nach Norditalien. - In Bern machte ich den Abschluss als Elektroniker, kam dann nach Zürich zur Swissair und absolvierte noch das Abendtechnikum. Anstatt eines kleineren älteren Heimwesens mit Umschwung fanden wir hier schliesslich Bauland und eine neue Heimat. Nach Amtsantritt habe ich noch das Weiacher Bürgerrecht bekommen und bin sehr stolz darauf!

R.B. - Seit etwas mehr als einem Jahr sind Sie nun Gemeindepräsident. Würden Sie immer noch Ja sagen, wenn man sie nochmals anfragen würde, oder müssten Sie sich geraume Bedenkzeit erbitten?

M.L. - Ich würde ganz sicher wieder Ja sagen. Dieses Amt ist etwas vom Interessantesten und Erlebnisreichsten, was ich schon je getan habe. Es ist anregend der vielen Bereiche wegen, mit denen ich mich jetzt beschäftigen muss.

R.B. - Danke! Das hört man heutzutage nicht oft. Und für uns ist es ein grosser Vorteil!

M.L. - Ich weiss nicht...

R.B. - Doch, sicher! Eine positive Einstellung und Freude an der Arbeit beeinflusst doch immer deren Qualität und Ergebnis! -- Betrachten Sie die Tatsache, dass Sie im Dorf relativ "neu" sind, als Vorteil oder als Nachteil?

M.L. - Als Vorteil. Ich bin weniger an gewisse Randbedingungen gebunden. Bedürfnisse kann ich aus der Gemeinde heraushören, aber im Gemeinderat doch so entscheiden, wie ich es für richtig halte. Beispiel: hätte ich auch eigenes Land, wäre die Melioration für mich auch schwieriger. Ich kann auch Dinge aufgreifen, die für die Leute im Dorf längst selbstverständlich geworden sind, an die sie deshalb gar nicht mehr denken.

R.B. - In letzter Zeit denke ich oft, hätte ich doch nur besser gelernt auf der Schreibmaschine zu schreiben. Bringt Sie Ihre jetzige Situation auch auf ähnliche Gedanken?

M.L. - Das Maschinenschreiben ist für mich gottlob kein Problem, denn erstens habe ich eine Frau, die es gut kann, und zweitens eine Kanzlei, die sofort alles zackig erledigt. Als politischer "Nicht-Profi" kann ich natürlich nicht auf allen Gebieten "in" sein; dafür gibt es aber Kurse, z.B. über Nutzungsplanung und Bauwesen, über die Finanzen. Keine Kurse existieren über Melioration, dafür sehr viel Literatur. Der kantonale Gemeindepräsidentenverband organisiert sehr aktiv in eigener Regie Kurse ganz verschiedener Art, z.B. über das Leiten komplizierter Gemeindeversammlungen.

R.B. - Besteht vom Staat her ein Angebot an Kurs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Gemeindeväter und Gemeinderäte?

M.L. - Eigentlich nicht; Zürich hat zwei Schulen, ferner die Handelshochschule St. Gallen (für finanzielle Belange), die regelmässig ihr Angebot präsentieren.

R.B. - Sind Sie der Ansicht, unsere staatsbürgerliche Ausbildung im Laufe verschiedener Schulen (inkl. RS) sei genügend?

M.L. - Nein, eindeutig nicht. Da Sie die RS erwähnen: Gerade dort liesse sich in dieser Hinsicht viel mehr bieten. Zu diesem Thema habe ich schon viel Material gesammelt und habe vor, künftig im Gemeindeblatt periodisch zu informieren über verschiedene staatsbürgerliche Einrichtungen.

R.B. - Wahrscheinlich ist es fast unmöglich, Ihre zeitliche Belastung durch die Gemeinde genau anzugeben. Wie liesse sich das umschreiben?

M.L. - Da sind zunächst die fixen Daten: Jeden 2. Dienstag Gemeinderatsitzung, mit Protokoll, Beschlüssen und Anträgen, dazu meist jede Woche am Montag Vorbereitungssitzung (ohne Protokoll und Beschlüsse) zur Information, Diskussion und Meinungsbildung. Ferner Kommissionsarbeiten und -sitzungen. Also: tägliches Arbeitspensum 3-4 Std. Ich achte darauf, nach Möglichkeit den Freitagabend frei zu haben. Samstag- und Sonntagmorgen sind meistens für Büroarbeiten, nachmittags frei; es sei denn, ich sei beansprucht von behördlichen Anlässen.

R.B. - Könnten Sie sich vorstellen, dass allenfalls [Ihre] Kinder unter Ihrem Amt zu leiden hätten? Und Ihre Frau?

M.L. - Ich glaube nicht, dass meine Frau unter dem Amt zu leiden hat - so schlimm ist es noch nicht! Ich glaube, auch die Kinder müssten es nicht, da ich ja mittags meistens heimkomme und abends erst an Sitzungen muss, wenn die Kinder ohnehin ins Bett müssen.

R.B. - Wenn Sie Zeit haben für sich, für ein Hobby - für welches dann?

M.L. - Da sind zunächst einmal verschiedene Hausvaterpflichten, z.B. Gartenarbeiten. Dann bin ich Mitglied des Schiessvereins; ich gehe auch ab und zu fischen. Neben Weiterbildung bleibt auch etwa Zeit für ein Konzert (klassische Musik). Walter Minder und ich haben schon an Quartalskonzerte in der Kirche gedacht, bei denen man z.B. Musikstudenten Konzertmöglichkeiten anbieten könnte. Bedenken habe ich etwas vom Interesse her; versuchen können wir es ja trotzdem einmal!

R.B. - Wieder zurück zu den Amtsgeschäften: Von mir aus gesehen dürften die Nagra, die Melioration und der Zonenplan Ihre grössten Sorgen sein. Und von Ihnen aus?

M.L. - Von mir aus auch. Der Prioritätenplan sieht so aus: 1. Nagra, 2. Melioration, 3. Nutzungsplan. 

Die Melioration ist nun gerade an erster Stelle, da die beschlussfassende Versammlung unmittelbar bevorsteht. Beim Nutzungsplan sind zuerst die Probleme der zukünftigen Landwirte zu überdenken, vor allem jener Jungbauern, die in der Kernzone wohnen, oder Landwirtschaftlich genutztes Land innerhalb der Bauzone besitzen, und deshalb durch das Erbrecht, beim Generationenwechsel, die Gefahr des Aufgebens des Betriebes besteht.

Bei der Nagra ist das Hauptproblem, dass so schnell wie möglich wieder alles abgeräumt und normalisiert wird. (D.h. bis auf jene 1-2 m2, wo die Uni und die ETH noch ihre Messungen vornehmen wollen).

R.B. - Besteht ein Zeitplan?

M.L. -  Jawohl. Da die Granitschichten ca. 500 m tiefer liegen, geht die Bohrung schneller voran. Da wir bereits gut die Hälfte der Bohrung erreicht haben, könnte sie vermutlich im September fertig sein.

R.B. - Dann wird sofort abgeräumt?

M.L. - Ich hoffe es; das muss an der nächsten Sitzung der Aufsichtskommission abgeklärt werden. Das Bohrwerk kommt ohnehin sofort weg, da es andernorts wieder gebraucht wird.

R.B. - Sie sagten, Aufsichtsbehörde. Wie setzt sich diese zusammen?

M.L. - Sie ist vom Bundesrat bestimmt worden und wird auch von ihm beaufsichtigt. Sie besteht aus Vertretern der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen, Bundesamt für Energiewirtschaft, Sektion Grundwasserschutz Bundesamt für Umweltschutz, Eidg. Fachkommission für die Nutzung geothermischer Energie Institut für Geophysik ETH Hönggerberg, Sektion III der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft, Leiter der Abteilung für Energiewirtschaft und öffentlicher Verkehr, Direktion der Volkswirtschaft des Kantons Zürich und dem Gemeinderat K. Griesser und ich. Weitere Teilnehmer werden nach Bedarf eingeladen. Diese Sitzungen sind in der Regel monatlich.
Im September wird der Gemeinderat nach Bern reisen. Wir konnten mit Herrn Bundesrat Schlumpf ein Treffen vereinbaren. Unter Anderem werden wir auch das Thema Energiepolitik anschneiden.

R.B. - Das tönt tatsächlich beruhigend: sozusagen postwendend Antwort aus dem Bundeshaus! -- Zum Schluss noch einige kleinere Fragen: Es ist bedauerlich und beschämend, dass seinerzeit versäumt wurde, unseren alten Presi öffentlich, mit allen Ehren zu verabschieden und ihm wenigstens symbolisch für die vielen Jahre treuer, grosser Arbeit zu danken. Ich erinnere mich nämlich, dass es seinerzeit binnen Stunden möglich war beispielsweise, für einen kaum flüggen Sportler ein Freudenfest zu organisieren... Das heisst nichts gegen den Sportler!

M.L. - Der Gemeinderat hat die Arbeit des alten Präsidenten gewürdigt und ihm jenes Bild geschenkt als anerkennendes Andenken, das er sich schon lange gewünscht hatte.

R.B. - Werden die beiden kleinen Weiher links und rechts der Raater Strasse tatsächlich trockengelegt? Und der Radweg bis hinauf nach Raat?

M.L. - Beide Weiher sind in Privatbesitz. Aus Haftpflichtgründen (Schadenforderungen) hat der Besitzer das Wasserrecht löschen lassen. Den unteren kleineren Weiher möchte der Gemeinderat auf alle Fälle erhalten. Es muss nun erst der Meliorationsentscheid abgewartet werden. ev. könnte die Gemeinde beide Mühliweiher erwerben und sanieren, aber das gäbe eine teure, umfangreiche Aktion. 

Ähnlich liegt das Problem beim Sagiweiher; eine Kommission klärt nun die Möglichkeiten ab, damit der Weiher ev. auch öffentlich zugänglich gemacht werden könnte. Diese Kommission stellt dann einen Antrag an den Gemeinderat. 

Aus Kostengründen wurde seinerzeit auch von einer Sanierung des alten Schwimmbades abgesehen; ich sähe jedoch die Möglichkeit, dass die geplante Schwimmbadanlage unter der Turnhalle entweder zu einem Saale und das Becken zu einem Zivilschutzraum (Lagerraum für Notverpflegung, Trinkwasser, Kommandozentrale) oder aber zum Sommer-Hallenschwimmbad würde, wenn die Fensterfront geöffnet und die Wiese davor benützt werden könnte.

Was den Radweg entlang der Stadlerstrasse betrifft, so wurde dieser anlässlich der Richtplanung festgelegt. Die Projektierung ist Sache des Kantons, ebenfalls der Landerwerb. Eine elegante Lösung wäre via Melioration, da hier auf Realersatz plädiert werden könnte!

R.B. - Welches war in Ihrem Amte bisher das schönste Erlebnis?

M.L. - Die Einweihung des Krankenheims in Dielsdorf: sie hat mich sehr gefreut und beeindruckt. Vor allem jene alten Frauen (z.T. in Rollstühlen), die zusammen noch ein Liedlein gesungen haben! - erfreulich ist auch immer wieder der Kontakt im Dorfe, obwohl meist Probleme dazu Anlass geben. - Schön und sehr eindrücklich war jener Besuch im grossen Gemeindewald mit dem Ober- und Gemeindeförster und die Feststellung, dass unser Förster sozusagen jeden Baum kennt und von ihm etwas zu berichten weiss! Einziger Nachteil: unser Wald ist überaltert. Das z.T. da oft die Besitzer jener Waldparzellen auch zur älteren Generation zählen und somit ihren Besitz unmöglich noch pflegen können. Bestünde hier nicht die Möglichkeit, dass Einwohner ohne Waldbesitz (aber Brennholz brauchen) bei jenen älteren Waldbesitzern Holz kaufen und holen würden? Dann wäre allen 3en geholfen: dem Wald, dem Besitzer, und jenem, der Brennholz braucht! Me müessti eifach rede mitenand...

R.B. - ... und im Gemeindeblatt kommt eine entsprechende Anregung! - 

M.L. - Damit wären wir auch beim schlechten Erlebnis: die schlechte Stimmbeteiligung. Beim letzten Wahlbericht habe ich oben eine persönliche "Widmung" angebracht; ich weiss nur nicht, ob sie auch beachtet wurde ...

R.B. - Sie würden also sagen, grössere Stimmbeteiligung sei Ihr grösster Wunsch an unsere Gemeinde?

M.L. - Ja, sicher, rede mitenand, guter Dorfgeist, und aktivere Stimmbeteiligung! - 

Quelle
  • Brandenberger, R.: Unter uns... Mauro Lenisa, Gemeindepräsident. In: Mitteilungen für die Gemeinde Weiach, Juni 1983 – S. 29-32.