Samstag, 12. Juni 2021

Illegal Holz schlagen wird pro Baum bestraft (Art. 20 GO 1596)

Einheimischer oder Auswärtiger? Das war den für Weiach zuständigen Obrigkeiten Mitte Juli 1567 völlig egal. Bereits der erste Artikel der von ihnen dekretierten Holzordnung (vgl. WeiachBlog Nr. 1670) macht klar, dass dieser Erlass für alle in gleichem Masse galt. Ob Weiacher, Kaiserstuhler oder sonstwoher.

Alle Holzer sind vor dem Gesetz gleich, aber nicht alle Hölzer

Wenn es nun im – je nach Textvorlage – nächsten Absatz (wie in der Urkunde bei Weibel) oder in einem neuen Gesetzesartikel (wie in der Abschrift bei Ott mit der Überschrift «Holz Einung») um die Bussen für die illegale Holzerei geht, dann waren die Tarife ebenfalls für alle gleich. Artikel 20 der Gemeindeordnung lautete daher:

«Unnd wellicher, er sige jnn der gmeind ald usserthalb derselben, oder wo joch der gesessen, unnd also one erlauptnuß holtz howt, der sölle von einer eich oder foren fünff pfund pfenning, jtem von einer buochen, tannen, birboum, öpfelboum, krießboum und derglychen schädlichem holtz von jedem stumppen jnnsonders drü pfund pfenning zuo rechter straff unnd buoß verfallen syn, unnd nicht desterminder das abgehowen holtz der gmeind belyben oder, so einer dasselbig schon an synen nutz verwent, der gmeind hienebent den schaden abtragen.» (StAZH C I, Nr. 2979 nach Weibel)

«Wellicher er sige in der Gmeind ald ußerthalb derselben oder wo joch der gesessen und also ohne Erlauptnuß Holz hauwt, der soll von einer Eich oder Forren fünf Pfund Pfenning, item von einer Buchen, Tannen, Birrbaum, Oepfelbaum, Krießbaum und derglichen schädlichem Holz von jedem Stumpen insonders drei Pfund Pfenning zu Straff und Buß verfallen sin und nüt destminder das abgehauwen Holz der Gemeind bliben oder, so einer daßelbig schon an sinen Nutzen verwendt, der Gmein den Schaden abtragen.» (Abschrift nach Ott)

Als Kandidaten für Otts Quelle kommen primär infrage:
  • StAZH C II 6, Nr. 488 – S. 3-11 u. 22ff  (Staatsarchiv des Kantons Zürich)
  • ZBZ Ms. Z IV 346 – S. 97-120 u. 121-128  (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung)
  • BBB Mss.h.h.XXIII.91 – fol. 14r-19v (Burgerbibliothek Bern)
Eine Klärung kann letztlich nur anhand dieser Abschriften-Originale erfolgen.

Eichen und Föhren geben höhere Bussen

Abgestuft wurde nur nach Baumart. Auch hier kommt klar die Präferenz zum Ausdruck. Eichen und Föhren (pro Stumpen, d.h. Baum, 5 Pfund Busse) galten den gnädigen Herren mehr als Buchen, Tannen (wohl Rot- und Weisstanne gleichermassen) oder gar Birnbäume, Apfelbäume und Kirschbäume (pro Baum 3 Pfund Busse). Dergleichen Bäume werden im Erlass gar als «schädlich» bezeichnet. 

Mit der heute üblichen Wertholzerei, die schöne Stämme der namentlich genannten Obstbäume hoch bewertet, hatten die Autoren der Holzordnung offenbar nichts am Hut. Für sie zählte das Konstruktionsholz für Bauten, vor allem die Eichen. 

Der Sünder verlor auch das widerrechtlich geschlagene Holz. Das gehörte der Gemeinde. War es schon verbaut, dann wurde zusätzlich zur Busse an die gnädigen Herren noch Schadenersatz in die Gemeindekasse fällig!

Quellen
  • Ott, F.: Offnung der Gmeind Weyach von Anno 1596 [14. Wintermonat 1596]. In: Zeitschrift für schweizerisches Recht, Alte Folge Bd. 4 (1855) – II. Rechtsquellen, S. 180. [vgl. RQNA 180: Holzordnung].
  • Weibel, Th.: Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen. Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Zweiter Teil: Rechte der Landschaft; Erster Band: Das Neuamt. Aarau 1996 – S. 389.
Inhaltsübersicht zu Gemeindeordnung und Holzordnung
  • Brandenberger, U.: Inhalt und Überlieferung der Gemeindeordnung von 1596. WeiachBlog Nr. 879 vom 14. Juli 2010.
  • Inhalt der Holzordnung 1567 allein: WeiachBlog Nr. 1347 vom 25. Juli 2017.

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