Freitag, 6. April 2012

Bei Privatbahnen und der Swissair geht es doch auch

Im Artikel vom 31. März wurde rekapituliert, warum es um die Weiacher Kies AG vor 50 Jahren zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung kam.

In der Kantonsratssitzung vom 16. Oktober 1961 äusserte sich der 16. Redner zur Frage der Beteiligung des Kantons Zürich an einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung von Kies in Weiach (Fortsetzung der Beratungen vom 9. Oktober). Er findet den Begriff der Verstaatlichung völlig übertrieben:

«H. Fuchs-Zürich würdigt die Beteiligung des Kantons an dieser Gesellschaft nicht als eine Verstaatlichung, sondern als eine weitere gemischtwirtschaftliche Zusammenarbeit, wie dies bei Kraftwerkbauten, Privatbahnen, aber auch bei der Swissair usw. üblich ist. Unterhalt und Reparatur der Nationalstrassen sind Sache des Kantons. Es ist deshalb wichtig, dass deren Kosten verbilligt werden können. Es gibt kein zwingendes Argument gegen eine Beteiligung des Kantons an dieser Aktiengesellschaft. Die Initiative der Baudirektion ist verdienstlich; dem Kredit sollte zugestimmt werden.»

Über die Frage, ob der Staat sich an Post-, Bahn- und Telekommunikations-Unternehmen beteiligen soll, wird schon viele Jahrzehnte (um nicht zu sagen: Jahrhunderte) debattiert. Leider ist es so, dass weder die eine noch die andere Form nur Vorteile bieten.

Beim Untergang der Swissair agierten staatliche Akteure ja nicht unbedingt glücklich. Und auch über den Nutzen der Aufteilung der Stromwirtschaft in eine Monopol-Netzgesellschaft und viele halbstaatliche Produktionsunternehmen kann man geteilter Meinung sein. Gemeinwesen tendieren nun einmal - je nach Blickwinkel und gerade vorherrschender wirtschafts- und ordnungspolitischer Strömung - eher zum Modell Nachtwächterstaat oder aber zu staatlicher Monopolisierung.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1803. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Donnerstag, 5. April 2012

Umgehung der Submissionsverordnung?

Im Artikel vom 31. März wurde rekapituliert, warum es um die Weiacher Kies AG vor 50 Jahren zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung kam.

Der 15. Redner in der Kantonsratssitzung vom 16. Oktober 1961 zur Beteiligung des Kantons Zürich an einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung von Kies in Weiach kam wieder auf die Grundsatzfrage zurück, ob der Staat im Kiesgeschäft mitzumischen habe:

«W. Leutenegger-Zürich lehnt es ab, die Beschaffung von Kies als staatliche Aufgabe zu bezeichnen, selbst wenn der Strassenbau ohne Zweifel in den Aufgabenbereich des Staates gehört. Es ist zu befürchten, dass durch diese Beteiligung die Submissionsverordnung umgangen wird. Die Baudirektion verhandelt schon seit Monaten mit der Haniel AG, während die anderen Kieswerke erst vor einer Woche die Unterlagen für die Kieslieferungen erhielten und sich innert Monatsfrist entscheiden müssen. Laut Vertrag wurde der Haniel AG ein ausschliessliches Lieferrecht eingeräumt, so dass die Ausführungen des Baudirektors an der letzten Sitzung nicht korrekt waren. Auch die Behauptung, es könnten für den Bau der linken Höhenstrasse 2 Millionen Franken eingespart werden, ist unbewiesen und entbehrt jeder realen rechnerischen Grundlage. Die anderen Kieswerke sind ohne weiteres bereit und auch in der Lage, dem Kanton genügend einwandfreien Kies zu liefern. Sie haben auch Anspruch darauf, berücksichtigt zu werden, um zu verhindern, dass der Haniel AG eine Monopolstellung eingeräumt werde.»

Mit der «linken Höhenstrasse» ist die Autobahn A3 von Zürich Richtung Bündnerland gemeint, die von Zürich-Brunau über den westlichen Seerücken nach Südosten führt. Vor Ort gab es da praktisch nur Moränenmaterial. Der nötige Kies für die Kofferung musste von anderswo her beschafft werden.

Dass die Lieferanten von Kleinmengen auch bei Ablehnung einer Kantonsbeteiligung am neuen Weiacher Kieswerk im Nachteil sein würden, schwante damals wohl schon einigen Beteiligten. Denn der Kanton hatte das geplante Grosskieswerk in Weiach, welches grosse Mengen liefern konnte, auch deshalb im Visier, weil der vorgesehene Bahnanschluss zur Entlastung des Strassennetzes beitragen konnte. Verkehrsstaus und Klagen über massiven Lastwagenverkehr durch Wohnsiedlungen waren schon damals ein Problem.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1802-1803. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Mittwoch, 4. April 2012

Gewerbler hauen wo möglich den Staat übers Ohr

Im Artikel vom 31. März wurde rekapituliert, warum es um die Weiacher Kies AG vor 50 Jahren zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung kam.

Im Gegensatz zu den Vorrednern der Kantonsrats-Debatte am Vormittag des 16. Oktober 1961 (vgl. WeiachBlog vom 2. und 3. April), fand der 14. Redner, der Streit um Verstaatlichung oder Privatwirtschaft verfehle das Ziel völlig. Die Beteiligung des Kantons Zürich an einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung von Kies in Weiach müsse unter einem anderen Aspekt betrachtet werden:

«Für H. Gerteis-Winterthur handelt es sich nicht um die grundsätzliche Frage: Privat- oder Staatswirtschaft. Für ihn geht es darum, dass der Kanton ohne Übervorteilung genug Kies erhält, um die Nationalstrassen bauen zu können. Der Vertrag mit der Haniel AG bietet dazu eine geeignete Grundlage, um so mehr, als in gewissen Kreisen des Gewerbes die Tendenz besteht, wenn immer möglich den Staat zu übervorteilen. Neben dem direkten Einblick in die Kalkulationsgrundlagen erhält der Kanton 40% des Reingewinns des Unternehmens.»

Der genannte Reingewinn ist auf den angestrebten Anteil von 40% am Aktienkapital bezogen. Unabhängig davon, ob der Kanton ebenfalls die hohen Preise der gewerblichen Kiesunternehmer knacken oder ganz einfach die grossen Mengen sichern wollte: Gerteis ist klar für eine Beteiligung.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1802. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Dienstag, 3. April 2012

Privatwirtschaft ist besser als Staatskrücken

Im Artikel vom 31. März wurde rekapituliert, warum es um die Weiacher Kies AG vor 50 Jahren zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung kam.

Den Verstaatlichungsvorstellungen der Linken konnte bereits der nächste Redner (Nummer 13) in der Kantonsratsdebatte vom 16. Oktober 1961 rein gar nichts abgewinnen. Im Gegenteil, er zerpflückte das Vorgehen der Kantonsverwaltung und die Argumentation der Regierung nach Noten:

«A. Heimann (Kilchberg) weist die Vorwürfe von Regierungsrat Meierhans [Holderbank wollte ein Kies-Monopol. WeiachBlog, 5. August 2011] und M. Winiger [Wollte man Kies zu Wucherpreisen verkaufen? WeiachBlog, 27. Juli 2011], den Gegnern dieser Vorlage gehe es um Profitstreben, zurück. Der heutige Wohlstand ist allein der Initiative der Privatwirtschaft zu verdanken. Ein Staatsbetrieb wäre nicht in der Lage, eine aktive Preispolitik zu führen. Übrigens beweist gerade der mit der Haniel AG abgeschlossene Vertrag, dass die Unterhändler des Kantons jenen der Privatwirtschaft unterlegen waren. Warum werden Kieslieferungen ausgeschrieben, wenn der Kanton eine Abnahmeverpflichtung eingegangen ist? Im Vertrag fehlt übrigens eine Entschädigungspflicht des Unternehmens, falls die vereinbarten Lieferungen nicht ausgeführt werden können. Der Kanton wird sowohl in der Generalversammlung als auch im Verwaltungsrat stets in der Minderheit bleiben. Heimann hat nichts gegen Lieferungen der Haniel AG an den Staat einzuwenden, aber diese Firma soll ihre Leistungsfähigkeit im offenen Konkurrenzkampf beweisen, statt sich auf Staatskrücken zu verlassen. Der Kredit ist abzulehnen.»

Ob die monierten Mängel im Vertrag tatsächlich bestanden haben und wenn ja, ob sie von der Regierung nicht halbwegs bewusst eingebaut wurden, um das ungeliebte Vorhaben des sozialdemokratischen Kollegen an den kantonsrätlichen Vorbehalten scheitern zu lassen, ist nicht bekannt. Interessant ist jedenfalls, dass Heimann nicht Mitglied der vorberatenden Kommission war.

Dass der Kanton parallel zum laufenden Antrag vor dem Rat auch Ausschreibungen durchführte ist durchaus nachvollziehbar. Denn sollte das Geschäft scheitern (wofür einiges sprach), dann müsste der für die Grossprojekte der folgenden Jahre nötige Kies auf dem freien Markt beschafft werden. Der Kanton versuchte also Zeit zu gewinnen um sich die nötigen Kapazitäten sichern zu können.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1802. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Montag, 2. April 2012

Linke Ratsminderheit verlangt staatliches Kieswerk

Im Artikel vom 31. März wurde rekapituliert, warum es um die Weiacher Kies AG vor 50 Jahren zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung kam.

Anders als sein bürgerlicher Vorredner Maag aus Stadel votierte am 16. Oktober 1961 im Zürcher Kantonsrat der 12. Redner in der Debatte um die «Beteiligung des Kantons Zürich an einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung von Kies in Weiach». Privatwirtschaftliche Lösungen seien abzulehnen:

«E. Burlet (Zürich) erinnert daran, dass man anlässlich der Beratung der Taxrevision sehr vom Sparen gesprochen habe; heute aber, wo sich für den Kanton die Möglichkeit grosser Einsparungen böte, will die bürgerliche Mehrheit des Rates nichts davon wissen. Burlet hätte ein staatliches Werk vorgezogen und beantragt deshalb, die Vorlage an den Regierungsrat zurückzuweisen, damit dieser ein Projekt für ein eigenes Werk ausarbeiten kann.»

Da war sie also, die Verstaatlichungsforderung. Und weil im Votum auch gleich Antrag auf Zurückweisung gestellt wurde bestand für den Rat nun Handlungsbedarf. Als kleiner Nebenschauplatz wollte ein Ratsmitglied auch der seiner Ansicht nach ausufernden Debatte den Riegel schieben:

«E. Schellenberg-Zürich ersucht, den Rückweisungsantrag Burlet abzulehnen; gleichzeitig erkundigt er sich nach der Zahl der eingeschriebenen Votanten.

Der Vorsitzende teilt mit, dass noch vier Redner eingeschrieben seien.

E. Schellenberg-Zürich beantragt, die Rednerliste zu schliessen.

Der Rat lehnt den Rückweisungsantrag Burlet mit grosser Mehrheit ab.

Dr. M. Kuhn-Zürich empfiehlt, die Rednerliste nicht zu schliessen.

Der Rat lehnt den Antrag Schellenberg mehrheitlich ab.
»

Ein halbes Jahrhundert danach können wir deshalb bis zum Abschluss der Beratung des Geschäfts noch weitere 13 Voten nachlesen.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1801-1802. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Sonntag, 1. April 2012

Stadler Kantonsrat legt sich für Weiach ins Zeug

Im gestrigen Artikel wurde rekapituliert, warum es um die Weiacher Kies AG vor 50 Jahren zu einer heftigen politischen Auseinandersetzung kam.

Heute fahren wir mit dem nächsten Votum der Kantonsratssitzung vom 16. Oktober 1961 fort.

Als Redner Nummer 11 meldete sich zur Frage der «Beteiligung des Kantons Zürich an einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung von Kies in Weiach» ein mit der lokalen Situation vertrauter Parlamentarier zu Wort:

«H. Maag-Stadel bestätigt, dass die Kiesgruben von Weiach sehr ergiebig und qualitativ einwandfrei seien. Die Verstaatlichungsgefahr wird durch die Beteiligung des Kantons an diesem Werk nicht grösser. Es ist zwar ein Schönheitsfehler, dass eine ausländische Gesellschaft mit dem Kanton zusammenarbeiten soll, aber trotzdem sollte der Vorlage auch im Interesse der Gemeinde Weiach zugestimmt werden.»

Hört, hört! Da warf uns also ein Nachbar einen freundschaftlichen Stein in den Garten. Besonders die Windlacher haben ja auch Kies ähnlicher Qualität unter den Füssen. Trotz Unbehagen über den deutschen Grossinvestor war Maag aber für eine Beteiligung des Kantons.

Der Verweis auf die Verstaatlichungsgefahr ist besonders auf das Votum von Kommissionsmitglied Krafft gemünzt.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1801. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG
[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Samstag, 31. März 2012

Wer darf für den Nationalstrassenbau Kies liefern?

In diesem Jahr feiert die Weiacher Kies AG offiziell ihr 50-jähriges Bestehen. Dass die Geburt dieses Unternehmens mit öffentlichen politischen Auseinandersetzungen im Zürcher Kantonsrat verbunden war, hat WeiachBlog bereits letztes Jahr dokumentiert.

Anfangs der 60er-Jahre wurden die Karten im Kiesgeschäft neu gemischt, denn der Bauboom der Hochkonjunktur verlangte ganz andere Mengen an Kies als ihn die kleinen gewerblichen Kiesgruben zu liefern imstande waren.

Der von den Gegnern eines Vertrags der Gemeinde Weiach mit der Franz Haniel AG lancierte Kampfbegriff «Ausverkauf der Heimat» war klar auf die Zugehörigkeit der Basler Tochter des grossen Haniel-Konzerns aus Deutschland gemünzt.

Nachstehend sämtliche Artikel zur Debatte im Kantonsrat, gefolgt von denen über die öffentlichen Auseinandersetzungen in der Presse und schliesslich die über heute im Haniel-Archiv zu findende interne Papiere des deutschen Kontrahenten.

Antrag des Regierungsrates
Schlammschlacht in der PresseErste Debatte im Kantonsrat, 9. Oktober 1961Was hinter den Kulissen geschah

Fortsetzung der Kantonsrats-Debatte am 16. Oktober


In den nächsten zwei Wochen sollen nun nach den neun Voten der Debatte vom 9. Oktober auch diejenigen des zweiten Verhandlungstages (KR 80. Sitzung, 16. Oktober 1961) im Wortlaut veröffentlicht und kommentiert werden.

Als Redner Nummer 10 sprach ab 8.15 Uhr zum Geschäft «613 Beschluss des Kantonsrates über die Beteiligung des Kantons Zürich an einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung von Kies in Weiach» (Fortsetzung des Geschäfts 610) ein Kantonsrat aus dem Weinland:

«O. Bretscher-Andelfingen verweist auf Widersprüche zwischen den Ausführungen des Baudirektors und der Weisung des Regierungsrates. So betonte der Baudirektor, Lieferungen anderer Kieswerke für den Nationalstrassenbau seien möglich, während gemäss der Weisung des Regierungsrates der Haniel AG ein ausschliessliches Lieferrecht zukommen soll. Er beantragt, die Vorlage des Regierungsrates abzulehnen, um so mehr, als auch andere Werke in der Lage seien, hochwertigen Kies zu liefern.»

Es wurde also versucht, Inkonsistenzen zwischen den Ausführungen des Baudirektors Paul Meierhans im Kantonsrat ein paar Tage zuvor und der nach dem Antrag des Regierungsrates vom Frühling entstandenen Entwicklung zu nutzen. Bretscher war übrigens nicht Mitglied der vorberatenden Kommission.

Quelle
  • Kantonsratsprotokoll 1961, S. 1801. Signatur: StAZH III AAg 1 37 LS
Jubiläum 50 Jahre Weiacher Kies AG[Veröffentlicht am 10. April 2012]

Freitag, 30. März 2012

Mehr als vier Jahrzehnte Lehrer in Weiach

Walter Zollinger, der zwischen 1952 und 1967 zu jedem Jahr eine Weiacher Chronik verfasste und sie bei der Zentralbibliothek Zürich hinterlegte, war als Dorfschullehrer eine öffentliche Person. Wie damals üblich, wurde er rasch auch mit anderen Ämtern betraut, so in der Schützengesellschaft, beim Kirchen- und beim Männerchor und schliesslich, als es in den 1960ern um die Gründung eines Ortsmuseums ging.

Meist schrieb Zollinger über andere Personen und deren Aktivitäten. Im Sommer 1963 war er allerdings «gezwungen», sich unter der Rubrik «Schulwesen» selber zum Thema zu machen. Seine Pensionierung als Lehrer war eine Würdigung wert - wie bei ihm üblich ohne jegliche Selbstbeweihräucherung:

«Auch hier [gemeint: im Schulwesen, vgl. für andere Politikbereiche die WeiachBlogArtikel Nr. 1067,1068 und 1070] ist eine personelle Aenderung zu melden: der seit 1919 an der obern Abteilung amtende Lehrer, es ist der Unterzeichnete selbst, trat nach 43jähriger Tätigkeit an der hiesigen Schule vom Schuldienst zurück.

Von 1919 bis 1936 führte ich die 4.-8. Kl. mit z.T. hohen Schülerzahlen (bis 73 Kinder). Daher wurde eine 3. Lehrstelle geschaffen und ich führte dann ab 1936 bis 1942 die 3.4.5. Klasse bzw. die 3.4.6. Klasse, von 1942 bis 1947 dann die 6.7.8. Klasse, ab 1947 wieder die 4.-8. Klasse und endlich ab 1958 bis zum Rücktritt die 4.5.6. Klassen, die sog. Realabteilung.

Dieser vielleicht merkwürdig anmutende Wechsel in der Klassenführung rührt von den Lehrerwechseln an den andern Stufen her, dann aber auch, weil ja ab 1958 die Schüler der 7.8. Klasse in die neugegründeten "Oberstufen-Abteilung" im benachbarten Stadel (Sekundarschulkreis) zugewiesen wurden.
»

Diese Oberstufen-Abteilung wurde später (bis zur Sekundarschulreform vor einigen Jahren) «Oberschule» genannt. Wer es weder in die Sekundarschule, noch in die Realschule schaffte, der oder die landete in der «Ober». Absolventen waren auf dem Arbeitsmarkt kaum gefragt, meist mussten sie sich mit einer Anlehre (heute: Eidgenössisches Berufs-Attest) begnügen. Doch weiter mit der Pensionierung Zollingers: seinem letzten Arbeitstag vor genau 50 Jahren:

«Anlässlich des letzten Examens, am 30.3.62, wurde die langjährige Tätigkeit am selben Schulort vom Schulpflegepräsident Pfenninger als eine Seltenheit von heutzutage bezeichnet und wie eben üblich verdankt. Durch Ueberreichen eines sinnigen Geschenkes ward dem Dank noch sichtbarer Ausdruck verliehen.

Anstelle der zurückgetretenen Lehrkraft wurde von der Erziehungsdirektion auf das neue Schuljahr hin ein Verweser abgeordnet: Herr Ulrich Stadelmann, geb. 1941 aus Zürich.
»

Auch dieser Ulrich Stadelmann ist heute mittlerweile pensioniert. Man sieht, dass damals das Schuljahr noch im Frühling begann und nicht wie heute üblich im Herbst.

Quelle
[Veröffentlicht am 2. April 2012]

Dienstag, 27. März 2012

Jungbürgerfeier in der Bowlinghalle

Wie sehr die direkte Demokratie in unserem Land mittlerweile profaniert und zur relativen Belanglosigkeit degradiert ist, zeigt sich auf der Gemeindeebene besonders deutlich.

Aktuelles Beispiel: die Aufnahme der Jungbürger in den Kreis der Stimmberechtigten.

Vereidigung, Parlamentsbesuch...

Früher fand diese noch unter den Augen der gesamten Gemeinde statt. So geschehen in der «Gemeindversamlung vom 24ten Mai 1857». Da wurde «die Beeidigung der im Jahr 1837 gebornen jungen Bürger vorgenommen». Wie die Eidformel gelautet hat ist schon fast nebensächlich. Wichtiger scheint mir, dass damit die Ernsthaftigkeit unterstrichen und signalisiert wurde, dass es um etwas Wichtiges geht.

Ansatzweise war das sicher auch vor rund 50 Jahren der Fall, als am 1. August 1961 «der Gemeindeprsdt. Alb. Meierhofer-Nauer [...] die Aufnahme der volljährig gewordenen Jungbürgerinnen und Jungbürger» vornahm (G-Ch Weiach 1961, S. 18). Oder 1987 als der WeiachBlog-Autor und sein Jungbürgerjahrgang zusammen mit dem Gemeindepräsidenten und dem Gemeindeschreiber nach Bern reisten und dort dem Parlament einen Besuch abstatteten.

... oder nur noch auf die Gokart-Bahn

Heute ist da offenbar nur noch «Action statt Politik» gefragt (vgl. Artikel im Zürcher Unterländer vom 21. März): «Gokart fahren, Bowling oder Golf spielen – viele Gemeinden stellen für ihre Jungbürgerfeiern ein ausgefallenes Programm zusammen. Die jungen Erwachsenen damit zu begeistern, gelingt allerdings nicht immer.» Der Autor des Artikels, Alexander Lanner, zieht ein trauriges Fazit.

Dass «die mit der Volljährigkeit neu erworbenen Rechte und Pflichten in den Ansprachen der Gemeinderäte kurz gestreift» würden, sei zwar «bei den Jungbürgerfeiern der meisten Gemeinden gängige Praxis.»

Der bei den Jungen bleibende Eindruck dürfte aber eher der eines Happenings sein: «So wurden die Jugendlichen von Buchs beispielsweise zu einem Bowling-Abend eingeladen. Dasselbe stand auch für die Jungbürger aus Bachs, Stadel und Weiach an. Die drei Gemeinden haben ihre Feier vor einigen Jahren zusammengelegt. Rund 60 Jugendliche folgten 2010 der Einladung.»

Wie man der Zusammenstellung im Unterländer entnehmen kann führt Weiach die Feier nicht mehr allein durch - und auch nur noch alle zwei Jahre:


Diese Zusammenlegung ist nicht nur der effizienten Abhandlung einer Tradition geschuldet, sie garantiert auch eher für zahlreicheres Erscheinen. Kennen sich doch viele Jugendliche ähnlicher Jahrgänge aus der gemeinsamen Oberstufenzeit in Stadel. De facto organisieren die politischen Gemeinden die erste Klassenzusammenkunft.

Quellen

Sonntag, 25. März 2012

Märzwetter 1962: Unangenehm nass und kalt

Vor 50 Jahren hatten die Weiacher offenbar kein Glück mit dem Märzwetter. Das berichtete Walter Zollinger in seiner Jahreschronik 1962:

«März: Er beginnt mit Schneefall in den ersten 3 Tagen, ca. 5 cm tief. Der Schnee ist aber ziemlich schwer und nass und am 4.3. regnet es wieder, sodass bald nur mehr ein "Gepflotsch" zu sehen ist. So war die ganze erste Märzwoche, unfreundlich. Erst ab 7.3. begann es zu bessern, 2 sonnige Tage folgten, allerdings etwas kalt dazu: -8°, -5°; vom 9.3. an wieder steigende Temperatur, dafür auch wieder regnerisch, nur leicht zwar. Um mitte Monat herum bis zum 26.3. immer kühl, Morgentemperaturen stets 4° bis 7° unter Null, sogen. "Wälderwind". Wechselnd zwischen leichten Schneegestöbern und sonnigen Nachmittagen. Die 5 letzten Märztage zeigten sich endlich von der "wärmern Seite", dafür waren sie aber immer mehr oder weniger regnerisch, der 31.3. führte sich sogar "ganz sudlig" auf. Also gar kein angenehmer Frühlingsmonat!»

Da können wir uns also darüber freuen, dass es in den letzten Tagen des heurigen März so schön warm war.

Quelle
  • Zollinger, W.: Gemeinde Weiach. Chronik des Jahres 1962 - S. 6-7. [Original in der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich. Signatur: G-Ch Weiach 1962].